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Einleitung

Standort Mond

Mond

Von I, Luc Viatour, CC BY-SA 3.0

Die Zukunft der Menschheit?

 

Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Der Mond war schon immer Mittelpunkt menschlicher Träume und Visionen. Die ersten Astronomen, die größten Romanautoren und auch die Träume so vieler Menschen. Sie alle sahen sich auf dem Mond wandeln, leben und die Menschheit auf dem uns nächstliegenden Himmelskörper fortleben. Viele dieser Visionen wurden bereits umgesetzt, einige werden wohl in diesem Jahrhundert nicht zu erfüllen sein, aber die Vision von einer Kolonie auf dem Mond, soll schon in diesen Jahrzehnt realisiert werden. Gemeint ist damit, dass eine bestimmt Anzahl von Menschen sich andauernd und in festen bzw. stationären Unterkünften dort aufhalten soll. In den konkreten Planungen sind die Kolonien wissenschaftlich ausgerichtet, der Betrieb eines Teleskops auf der erdabgewandten Seite soll eingerichtet werden und ebenso eine wirtschaftlich Ausnutzung der Ressourcen auf dem Mond, dem Helium 3 ausgerichtet.

 

"Das Prinzip ist einfach, aber nicht konventionell. Es ist logisch, tragbar und im Bereich unserer Möglichkeiten, was sowohl die materiellen als auch die finanziellen Aspekte angeht. Warum sollte man ein Raumfahrtprojekt als Wegwerfprodukt ansehen, wenn es möglich ist, eine Basis zu errichten, die wachsen und gedeihen kann und damit die friedliche Eroberung des Weltraums durch den Menschen weiter vorantreiben kann?"

(Dr. Järstrat, schwedischer Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem schwedischen SMART-Center und internationalen Konzernen)

 

Entwicklung

Historische Entwicklung

 

Die Akteure der ersten Mondmissionen waren die Sowjetunion und die USA, welche sich als Supermächte im Kalten Krieg einen Wettlauf zum Mond lieferten. Der Weltraum war zwar nur ein Gebiet dieses Wettstreits und durchaus auch Teil eines Wettrüstens, doch hatte dieser Konflikt für die gesamte Menschheit große Bedeutung, förderte unschätzbare Erkenntnisse zu Tage und konnte auch nach dem Kalten Krieg weiter verwendet werden.

So punktete die UDSSR mit der Sonde Lunik 2 (1959) als erste Macht auf dem Weg zum Mond. Diese erste Mondsonde war unter anderem ein Grund für das Apollo-Programm John F. Kennedys im Jahre 1961, mit dem Ziel den Mond zu besuchen und auch zu besiedeln - vor den Sowjets. Diese wollten nicht ins Hintertreffen geraten und kündigten ein Parallel-Programm an, mit denselben Zielen. So startete das Sowjetischen Zond Programm (1964), welche wie das Apollo Programm, mehr als nur ein Prestigeprojekt war. Das Ziel beider Supermächte, eine Ideologie auf einen neuen Planeten zu bringen bzw. als erster dort die Fahne aufzustellen, wurde von beiden Supermächten als Beweis ihrer Überlegenheit gesehen - der Überlegenheit ihres Systems zu demonstrieren. So wurde kein Geld gespart und mit immensen Kosten, in kürzester Zeit die Technik für das Projekt entwickelt.
Im Jahre 1968 flog Apollo 8 erstmals Menschen in Mondnähe und schon 1969 konnte die Apollo 11 Mission auf dem Mond landen. Trotz diesen Erfolgen, den unglaublichen Bildern vom Mond und des wohl wichtigsten Schritt der Menschheit im letzten Jahrhundert, wurde das Programm eingestellt. Im Jahre 1972 flog Apollo 17 als letzte Mission zum Mond bzw. landete auf ihm. Neben Mondgestein und vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wurde das kostenintensive Programm zu Grabe getragen. Das Geld wurde für andere Projekte gebraucht und die Satelliten bzw. die Erdumlaufbahn wurde für den Kalten Krieg weitaus interessanter und auch leichter erreichbar.
Erst 2004 startete George W. Bush ein neues Projekt mit einem ehrgeizigen Ziel, ein neues Mondprogramms, eine Mondstation und die Errichtung einer Basis für künftige Marsmissionen auf dem Mond. Warum die Wiederaufnahme? Die Gründe liegen in der globalen Entwicklung und dem Bedürfnis der USA, die dominante Macht im Weltall zu bleiben. So brauchte es nur zwei Jahre länger, im Jahre 2006, und die Volksrepublik China sahen sich auch unter den Raumfahrernationen angekommen. Schon im Jahr 2024 soll die chinesische Fahne auf dem Mond wehen. Wobei Sie auch wie die NASA, den Mond nicht nur besuchen, sondern dort auch sesshaft werden wollen.

Aus den ersten Testflügen 2009 und den Missionen 2014, musste die USA Abstand nehmen. Die Spaceshuttles abgeschafft wegen Unzuverlässigkeit und alle weiteren Großprojekte gestrichen wegen Geldmangels. Der Krieg im Nahen Osten hat die amerikanische Nation ausbluten lassen - im wahrsten Sinne des Wortes. Die vielen Ausgaben sorgten für eine sich anbahnende Zahlungsunfähigkeit und der Rotstrich traf die Mondmissionen als erstes. Fakt ist, auch Obama will auf den Mond und braucht den Mond. Einmal um der Nation wieder ein Ziel zu geben, moralisch wie technisch, und auch die Energielkrise auf der Welt zwingt ihn andere Ressourcen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Ziele, ohne festen Zeitplan, sind es vier Astronauten 180 Tage lang auf dem Mond verweilen zu lassen und dann eine permanent bemannte Mondbasis, am lunaren Südpol, zu etablieren. Die anderen Nationen sehen sich hier in der Pflicht und auch die EU, China, Japan, Indien und Russland wollen auf den Mond. Das Helium 3 als Energiequelle, die mögliche Startbasis für weitere Missionen ins All und vor allem die wirtschaftlichen Vorteile einer Nation, die Ende das Jahrhunderts auf dem neuen Spielfeld Mond ein Wörtchen mitzureden hat.

 

Der Mond

Der Mond

 

"Mit einem solchen Außenposten kann die NASA erforschen, wie die natürlichen Rohstoffe des Mondes genutzt werden können, um davon zu leben, und eine Reise zum Mars vorbereiten."

(US Behörde)

 

Der Mond (lateinisch Luna) ist der einzige natürliche Satellit der Erde. Man nennt solche Himmelskörper, die nicht als Planeten mit eigentliche Sinne bezeichnet werden können, auch Trabanten. Er ist mit einem Durchmesser von 3476 km der fünftgrößte Mond des Sonnensystems. Seine Größe und Beschaffenheit, vor allem das vorhandene Wasser auf dem Mond, machen ihn für eine Besiedlung interessant. Neben den Verhältnisse, Anziehungskraft und "Klima", spricht auch die gute Erreichbarkeit - kaum Einschränkungen durch "Startfenster" - für ihn. Die Bedingungen sind quassi essentiel für den nächsten Schritt der Menschheit ins Sonnensystem. Als Basis für zukünftige interplanetare Missionen, wäre es weit einfacher den Mond als Basis zu benutzen als eine Raumstation. Eine Raumstation birgt weit mehr Gefahren, ist auch teurer und was Lagerungskapazität bzw. Bebaubarkeit angeht, so ist der Mond nunmal unschlagbar, wenn nur nicht die Entfernung wäre. Diese wäre aber mit den kommenden Entwicklung - Weltraumfahrstuhl und neuartigen Antriebssystemen - kein Problem mehr. Außerdem ist der Trabant in den Augen vieler Visionäre, Wissenschaftler und SF Experten nur die Generalprobe für fernere bemannte Missionen. Als momentan größtes Argument gilt das Mondgestein und der dort enthaltene Anteil an Helium-3 zu sehen. Dieser Stoff ist grundlegendes Element für eine (theoretische) Kernfusion und könnte somit die Lösung aller Energieprobleme des Planten Erde sein. Dennoch müssen erst Satelliten und weitere Forschungen über den Mond die Machbarkeit aufklären. Viele Kriterien und Umstände sind noch mit Fragezeichen versehen und vor allem die andauernde Niedrig-G-Belastung der Kolonisten könnte auf lange Zeit zu gesundheitlichen Problemen führen. Eine Problematik, die erst in der ISS ausführlich getestet werden muss. Auch die Psychologie ist ein immer wieder aufkommendes Argument, denn keiner weiß, wie sich die langen lunaren Nächte und Tage auf die Kolonie bzw. deren Bewohner auswirken. Wir können heute nur Vermutungen anstellen, auf Grundlage der bisherigen Forschungsansätzen von geschlossenen Gruppen in beengten Räumen schließen und die Raumfahrer bestmöglich vorzubereiten. Es werden Konzepte von psychologischer Betreuung, einem ausgewogenen Verhältnis von Frauen, Männer und familiären Strukturen erwogen. Auch die starken Temperaturschwankungen bzw. die daraus resultierenden Einschränkungen bei der Nutzung von Solarenergie. Dabei soll Wasser und auch Helium 3 das Problem lösen. Es kommt aber nicht nur auf dier autarke Energieversorgung an, auch die Versorgung mit Nahrung ist ein wichtiger Punkt, der besprochen werden muss. Die Wissenschaft kennt im Moment nur wenige Antworten auf die so wichtigen Fragen, wobei die wichtigste Frage noch kaum aufgegriffen werden konnte - die der kosmischen Strahlung bzw. deren Gefahr. Der sog. Van-Allen-Strahlungsgürtel (benannt nach James van Allen), ein Torus energiereicher geladener Teilchen, die durch das magnetische Feld der Erde eingefangen werden. Aus den Sonnenwinden und anderer kosmischen Strahlung bestehend, ist der Erdorbit die letzte Grenze vor dieser Gefahr. Schon auf der ISS sind die Astronauten erhöhter Strahlung ausgesetzt und Sie begeben sich in die Gefahr eines erhöhten Krebsrisikos. Die Lorentzkraft bzw. die magnetischen Flasche um die Erde, schützt die Astronauten. Doch auf dem Mond gibt es keine magnetischen Felder, die solche Strahlen ablenken können.

 

Mondkolonie

Die Kolonie

 

Ein Kolonie muss bestimmte Kriterien erfüllen: gute Transportmöglichkeiten / natürliche und nutzbare Ressourcen / relevante Objekte zur Nutzung in mittelbarer Umgebung. Dabei sind die Polregionen der wohl optimale Ort für eine Kolonie. Gute Lichtverhältnisse für die Solarenergie, Wasser als Quelle für Wasserstoff und sehr gut Bedingungen für die Forschung. Den lunaren Südpol haben somit verschiedene Konzepte als Mittelpunkt, vor allem wegen der guten Lage für Kommunikation und Energienetze, wobei auch astronomische Beobachtungen aus dieser geographischen Lage möglich wären. Das Südpol-Aitken-Becken ist der größte bekannte Einschlagkrater des Mondes und kann Rückschlüsse auf den Aufbau erlauben. Die Krater generell, meist mit Wasser in der unmittelbaren Nähe, werden wohl definitiv Ursprung menschlicher Kolonien auf dem Mond sein. Die Äquatorialregionen sind für eine Basis nur schwer geeignet, könnten aber ans Energienetz angebunden werden bzw. durch automatisierte Stationen besiedelt werden. Die Regionen sind vor allem deshalb so interessant, weil hier eine höhere Konzentration an Helium-3 vermutet wird. Sauerstoff und Wasser könnten hier aber nur aufwendig aus dem Gestein gewonnen werden. Trotzdem sind die globalen Energiekonzerne sehr an der Sicherung von Landstrichen und Abbaukonzessionen in diesem Gebiet interessiert. Wobei die Landstriche auf Rückseite des Mondes noch weitaus attraktiver sind. Die Helium-3-Konzentration dürfte hier noch merklich stärker sein als auf der erdzugewandten Seite, denn die Erde kann diese während des Mondumlaufs nicht vor dem Sonnenwind schützen. Leider ist die Kommunikation, die Versorgung mit Wasser und auch die Energieversorgung nur unzureichend möglich. Nur die automatisierten Förderungen erlauben hier einen ertragreichen Abbau, ansonsten müssten alle Versorgungsgüter kostenaufwendig von der Erde geliefert werden.

 

 "Viele Missionen und Projekte in der Raumfahrt sind durch ihre hohe Komplexität und die damit verbundenen Kosten nur in internationaler Kooperation - zum Beispiel mit der NASA - zu realisieren."

(DLR- Chef Johann-Dietrich Wörner)

 

So gibt es die verschiedensten Arten von Mondkolonien, die wissenschaftlichen durch Menschen besetzten, die wirtschaftlichen wohl automatisierten Anlagen und die Knotenpunkte für Versorgung und Vernetzung. Manche Stationen werden als effiziente Abbaustationen geplant, andere sollten auf Staubseen "schwimmen", ebenso sind aufblasbare Komplexe in diversen Ausführungen und auch unterirdische Wohnanlagen für eine Besiedlung angedacht. Die Besiedlung im Untergrund würde die kosmische Strahlung und auch das Risiko von Mikrometeoriten, wie auch starken Temperaturschwankungen minimieren. Vor allem die Architekten von heute sehen hier eine Möglichkeit zur realisierbaren Kolonisierung des Mondes in kurzer Zeit. Die natürlichen Höhlen (lunare Lavaröhren) sind dabei von Vorteil. Verschiedene SF Autoren haben sich dieser Idee, in ihren Fiktionen, angenommen und denken die Pläne der Ingenieure weiter. Das Mondgestein als Grundlage für Baumaterial, Basis für Lagerräume und geschütztes Wohnen auf der Mondoberfläche. Auch künstliche Magnetfelder, große Kuppeln und modulare Bauweise kommen immer wieder in den Plänen vor. In jeder Konstruktion finden wir auch verschiedenste Pläne für die Energieversorgung, entweder durch Photovoltaik Anlagen, Sonnenwärmekraftwerke, Tanks für Helium 3 und/oder Wasserstoff, aber auch Kernkraftwerke. Dabei sollen die neuen Generation radioaktiver Energieerzeugung, die Radioisotopengeneratoren, eine durchaus denkbar Alternative darstellen.

 

Die großen Entfernungen, zu den Abbaustationen, Verteilernetzwerken, Forschungsstätten und Wohnkomplexen, sind dabei ein großes Problem bei der Planung. Der Mond-Rover mag für Personentransporte nützlich sein, doch bei größeren Lasten wird er nicht mehr tragbar. So kamen die Entwickler, vor allem durch die SF angeregt, auf Magnetschwebebahnen. Diese sollen schnell, ohne Behinderung durch Reibung und somit enormer Geschwindigkeit, mit wesentlich höherer Reisegeschwindigkeiten und Ladekapazität, die Logistik auf dem Mond sicherstellen. Doch müsste man hier eine komplett neue Entwicklung anstreben, denn eine Schwebebahn auf der Erde kann den Bedingungen auf dem Mond nicht genügen.

 

Pendelverkehr

Pendelverkehr

 

Der Weg ist das Ziel. Dieses Sprichwort trifft vor allem auf die Pläne für die Mondbasen bzw. - kolonien zu. Denn Fakt ist, der Weg über die Raketenstarts von der Erde aus, ist mehr als ineffektiv. Mögen die Apollomissionen diesen Aufwand noch gerechtfertigt haben und die Auskundschaftung des Mondes durch Satelliten so durchaus machbar sein, kann es für einen "Shuttleservice" keine erwägbare Alternative darstellen. Zuviel müsste mit den Raketen transportiert werden und zu teuer wäre der Aufbau, vom zeitlichen Element mal ganz abgesehen.
Auch hier versuchen Ingenieure und SF Autoren zusammen eine Lösung zu entwickelt und zu erdenken. Immer wieder heiß diskutiert ist der Orbitfahrstuhl, der den Transport von Material günstig gewährleisten könnte. Die Raketenpreise von 50 000 Euro das Kilo wären Geschichte und 100 Euro pro Kilo ließen einen Aufbau kostengünstig durch schnelle Transportwege realistisch erscheinen.
Bleiben wir aber bei den existierenden technischen Grundlagen und diese haben bereits mit großen Problemen zu kämpfen. Der Mond besitzt keine Atmosphäre und so gibt es beim Anflug keine Möglichkeit für ein atmosphärisches Bremsen. Man muss also bereits beim Anflug zusätzlich Treibstoff für den Bremsvorgang mit einrechnen, wobei dies beim Start umgedreht der Fall ist. Trotzdem haben wir das Problem der Betankung auf dem Mond oder in der Mondumlaufbahn. Die Erzeugung des Treibstoffes und noch viele andere Probleme mit den Raketen. Eine Alternative, die auch aus der SF stammt, aber in der Entwicklung weit fortgeschrittener ist als der Fahrstuhl von der Erde, ist die Railgun, welche man als Massetreiber und der Umstände auf dem Mond (wenige Anziehungskraft, keine Atmosphäre und Lage im Weltraum) als feste Installationen bzw. Startplattform installieren könnte. Fakt ist, dass auch hier das Energie- bzw. Versorgungsproblem noch ungeklärt ist.

In den meisten Planungen und auch Ideenskizzen, wird ein Pendelverkehr von einer Raumstation (Erdorbit) zu Raumstation (Mondorbit erwogen), der durch ein Shuttle bewerkstelligt werden könnte. Die Raketen brächten dann nur bis in den Erdorbit fliegen, könnten durch Satellitentransports bzw. Versorgung der ISS effizient bzw. kostengünstig in bestehende Transportpläne eingeflochten werden und sich somit auch lohnen. Von der Mondumlaufbahn kann man mit Landemodulen auf den Trabanten landen. Die Fluggeräte sind durch die geringe Anziehungskraft und das Nichtvorhandensein einer Atmosphäre, wäre nur wenigen Auflagen unterworfen. Sie könnten dann aus der Mondumlaufbahn die verschiedenen automatisierten, bewohnten und Knotenpunktbasen anfliegen. Das Shuttle für den Pendelverkehr könnte im Weltraum zusammengebaut, ausschließlich für den Weltraumflug konstruiert und somit optimal für seine Aufgabe angepasst werden.

 

Globales Projekt

Von nationalen Programmen zur globalen Aufgabe

 

" ... in ein neues Zeitalter der Entdeckung und Erforschung katapultieren .. ihre Kapazitäten und finanziellen und technischen Beiträge wirksam einzusetzen. Damit wird optimaler Nutzen aus global vorhandenem Wissen und Ressourcen gezogen."

(NASA-Vizechefin Shana Dale)

 

Ob Russland, China, Indien, die Europäer oder die NASA, alle haben in ihren Raumfahrtprogrammen den Mond als Ziel festgelegt. Manche Staaten als Zielorte für ihrer Satellitenstarts, manche im Sinne der Forschung, andere als Hand zur nationalen Bestätigung und wieder andere auch als wirtschaftlich lohnendes Ziel. Der Mond ist 384.000 Kilometer entfernt und er soll der erste von Menschen besiedelte Körper im Weltall werden.
Die Russen haben im Moment das ehrgeizige Projekt, denn neben einer Weltraumstation, planen sie einen Nachfolger für die Internationale Raumstation ISS und einen neuen Weltraumbahnhof. Erste Flüge sind für das Jahr 2025 vorgesehen, wobei der Bau des Stützpunktes zwischen 2028 und 2032 erfolgen soll. Auch der Mars rückt damit in Reichweite und in frühestens 30 Jahren könnte man auch dorthin erste Missionen starten.

Es sind immer drei Schritte, die sich in den nationalen Weltraumprogrammen wiederfinden. Eine funktionstüchtige und ausgestatte Raumstation im Erdorbit, entweder in Eigenregie oder im Verbund mit anderen Nationen bertrieben. Die Erforschung und der Besuch des Mondes. Als letztes der Bau einer Mondstation, die dann im Folgenden zu einer Art Startplattform zu den Sternen ausgebaut werden soll. Vorbild für diese Stationen sind gebaute Wohnkomplexe in den unwirklichsten Regionen der Erde, allen voran die Antarktis. Alle Nationen haben dort ihre Forschungseinrichtungen und diese sollen dann auch - in angepasste Form - auf dem Mond gebaut werden. Steckte man im letzten Jahrhundert seine Fahnen in die noch weißen Flecken auf der Karte der Erde, so wollen die Nationen auch auf dem Mond präsent sein, Teil dieser Zukunft werden und vor allem nicht den Anschluss verlieren. Schon heute werden die Startplattformen auf der Erde in Russland, dem Amazonas Gebiet und anderswo ausgebaut bzw. dem neusten Stand der Technik angepasst. Dabei soll der Mond in naher Zukunft diese Plattformen dann ersetzen und Sie zu logistischen Nachschubstationen degradieren. Auch die privaten Unternehmen sind sich dieser Tatsache bewusst. Im Weltraum leben, heißt autark leben und Abhängigkeit bedeutet gleichzeitig auch Anfälligkeit. Der Mond bietet genügend Alternativen für die verschiedensten Bedürfnisse einer Kolonie und nur Anfangs müssten große Mengen Material eingeführt werden. Man plant heute schon die Produktion von Mondbeton, Wasseraufbereitungsanlagen, Energiekollektoren und autarken Habitaten. In den Konzepten ist der einzige erkennbare Unterschied nur die Flagge auf den Wohnkomplexen!

Der Mond birgt wie jedes ehrgeizige und innovative Idee, vor allem die großen Investitionen, die sich erst langfristig bezahlt machen sollen. So planen die Nationen wie Unternehmen, neben den Kosten für Mondbesuche und Stationen, auch die Ausbeutung der Mondressourcen für eine Verwendung auf der Erde ein. Die NASA veranschlagt die Kosten für die Mondmission bzw. erste Besiedlung einen Etat von 78 - 120 Milliarden Euro ein. Inbegriffen sind aber noch nicht die Betreibung der Stationen, nur der Aufbau. Die Wirtschaft soll mitfinanzieren, darf Schürfrechte für sich ausbeuten und ihr Logo auf die Mondstation kleben. Gase wie Helium 3 oder auch seltene Metalle auf dem Mond locken Investoren an.

 

(Konzept für eine deutsche Mondmission im Jahr 2015)

 

Dennoch ist es Realität, dass keine Nation alleine es schaffen wird. Die finanziellen Kosten sind zu hoch, das Know How der einzelnen Programme ist zu klein und die Ziele im einzelnen auch zu speziell. Nur eine Zusammenarbeit wäre effizient und die Industrie lebt es vor, denn die Konzerne haben keine nationalen Grenzen, sie sind transnationale Konglomerate, für die nur Zahlen und Bilanzen zählen und keine Flaggen. Dr. Järstrat hat gemeinsam mit dem schwedischen SMART-Center den einzigen lunaren Satelliten unter Kontrolle. Er war es auch, der ein internationales Konsortium ins Leben gerufen hat, das die Pläne einer Mondbais quasi vom Zeichenbrett in die Realität holen soll. Mehr als 50 Partner nehmen daran teil, dazu gehören die japanische Shimizu Corporation wie das amerikanische NASA-Vertragsunternehmen Orbitech. Auch akademische Institutionen sind dabei, darunter die Ecole de Mines aus Frankreich und die englische Cranfield-Universität. Wer könnte eine autarke Siedlung besser betreiben als Wirtschaft, Wissenschaft und Länder gemeinsam. Die Wirtschaft weiß effektiv zu denken, die Wissenschaft bietet Know How und die Nationen ihre Erfahrung. Die Mondkolonie als Zukunftsprojekt für die Menschheit, mit der Menschheit und durch die Menschheit. Ein Testgebiet für Gesellschaft, Technik und neue Lebensgrundlagen. Was man auf der Erde falsch gemacht hat, soll hier nun von Grund auf anders und gänzlich neu angefangen werden.

Es sind die alten Probleme, die eine Mondstation immer wieder verzögern. Die innenpolitisch, außenpolitischen und finanziellen Probleme der Nationen. Man würde mit 30 Million Euro pro Tonne Nutzlast in das Projekt starten und ähnlich Verzögerungen wie bei der ISS riskieren, ganz zu schweigen von den Entwicklungsrückschlägen. Der Aufzug ins All ist zwar eine Alternative, doch wo ihn bauen, wo ihn betreiben und vor allem wie ihn finanzieren. Man veranschlagt heute 400 Milliarden Euro Baukosten für einen Aufzug mit der vorhandenen bzw. erforschten Technik. Realistisch sind eher 1 Billionen Euro, was sogar finanzierbar wäre, würde man alle Nationen der Welt und vor allem die Industrie ins Boot holen. Für die 5 größten transnationalen Konzerne wäre eine solche Summe in 15 Jahren Bauzeit durchaus machbar. Sie haben den großen Vorteil Wirtschaftskraft, Management und Ziele OHNE nationale Hindernisse anzugehen. Die größten Unternehmen der Erde machen zig Milliarden Euro Umsatz im Jahr, wobei die Nationen nur Schulden machen.
Die Europäer, in Zusammenarbeit bereits geschult und seit Jahren darauf angewiesen, durch Zusammenarbeit erfolgreich zu sein, wären eine gute Leitfigur bei dieser globalen Aufgabe. Vielleicht wird gerade im Zusammenhang mit der Einmottung der Spaceshuttles, die ESA zum auschlaggebenden Faktor. Die USA brauch die Europäer und umgekehrt ebenso. Außerdem wäre die ESA der ideale Ansprechpartner für Länder wie China, Indien und Japan. Auch die Russen sind mit der ESA in langer Zusammenarbeit verbunden und die ISS wird nun weit mehr auf den Schultern vieler Nationen liegen.

 

"Wir sind heute auf der Internationalen Raumstation ISS, wir können uns nicht vorstellen, dass wir nicht auf einer planetaren Basis sein werden - zunächst auf dem Mond und später auf einem anderen Planeten."

(Piero Massima - Leiter der ESA-Koordinationsstelle für bemannte Raumflüge und Erforschung)

 

Die nationalen Weltraumprogramme haben ausgedient. Die USA erkennt dies auch langsam, andere Großnationen wie China, Indien und Russland sehen ihre eigenen langfristigen Ziele auch nur gemeinsam verwirklicht und die Wirtschaft wird in kommenden Jahren wohl den ausschlaggebenden Beitrag machen - das Kapital. Es ist eine Aufgabe der Wissenschaft, der Menschheit und der gebündelten Finanzkraft der wichtigsten Institutionen unseres Planeten - auch die der Konzerne.