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Einleitung

Spaceshuttles

Die Atlantis startet zur Mission STS-115

Die Atlantis startet zur Mission STS-115

 

Das letzte große Projekt der Menschheit?

 

Die NASA und ihre Geschichte steht für die Eroberung des Weltraums. Keine andere Institution bzw. Weltraum-Nation hat so viele Raumschiffe ins All geschossen, Katastrophen durchlitten und gleichzeitig so viele Erfolge vorzuweisen. Nach dem Satellitenzeitalter, einer internationalen Raumstation und der ersten Landung auf dem Mond, sollte die Spaceshuttles der Anfang einer ständigen Präsenz der Menschheit im Weltraum sein. Die Shuttles sollten den Anfang eines regelmäßigen "Taxiservice" ins All darstellen. Auf der Basis eines wiederverwendbaren Raumschiffes, mit genügend Transportkapazität, sollte der Vorsprung Amerikas bzw. seine Vorreiterrolle etabliert werden. Daraus wurde ein Projekt, mit dem die Hoffnungen und Ängste Amerikas verbunden waren. Eine Vision, ein Plan und ein Projekt, das nicht nur vorzeitig endete und unter der sinkenden Popularität der Raumfahrt litt, sondern auch technisch nicht ausgereift war - bis zum Schluss.
Sollte mit dem Ende der Space Shuttle Ära auch die bemannte Raumfahrt enden? Sind die unbemannten Vehikel die Zukunft oder sollte die Menschheit die Erforschung des Weltalls, den wachsenden Problemen auf der Erde zurückstellen? Fakt ist, mit dem Ende des Space Shuttles scheint die Raumfahrt an einem Scheideweg angelangt zu sein.

 

Rückblick

Der Rückblick

Mit dem Ende der Apollo Missionen zum Mond, scheint auch das Interesse am Weltraum zu sinken. Die Bevölkerung sieht sich anderen Problemen gegenüber und Vietnam, wie auch die "flower power" Bewegung in den 70er Jahren, zwingt der NASA neue Prestigeobjekte zu präsentieren. Präsident Richard Nixon, stellt schon wenig später einen neuen Typ von Raumfahrzeug vor, der bis zu sieben Astronauten und mehr als 20 Tonnen Nutzlast befördern kann. Ganz im Stile eines J.F. Kennedys, präsentiert er ein neues Ziel des USA, im Namen der Menschheit und unter Führung der Vereinigten Staaten, den Weltraum dauerhaft zu erobern. Die Sowjetunion, der ewige Rivale im All, hat dem nichts Vergleichbares entgegenzusetzen.
Als gedankliche Vorläufer des Shuttles, muss man Eugen Sängers Konzept des Antipodengleiters, ebenso Walter Dornbergers "Raketenflugzeuges", das Projekt Dyna Soar X-20 der US Air Force und die Studien mit dem Hochgeschwindigkeitsflugzeug X-15, wie auch diverse Pläne der Rüstungskonzerne für Versorger von Raumstationen und Trägerraketen berücksichtigen. Dabei gab es die Konzepte bereits in der 60er Jahren stapelweise, doch das Geld fehlte. Man wollte eigentlich die alte Technik nur in ein neues Konzept stecken, das Apollo Programm und seine bereits bezahlten Erfolge möglichst weit strecken. Dabei kam zwar das Skylab und die Apollo-Sojus heraus, doch für die großen Projekte gab man nie die endgültige Freigabe. Sie landeten entweder in der Schublade oder im Museum. Der Mars war als Ziel schon gestrichen, eine ständig bemannte Raumstation (12 Astronauten) ebenso und jedes weitere Raketenprojekt für weitere Distanzen als in die Umlaufbahn genauso.

 

"Das Space Shuttle (engl. Raumfähre), kurz Shuttle, ist ein von der US-Raumfahrtbehörde NASA entwickelter Raumfährentyp. Die Komponenten sind neben der Raumfähre (Orbiter) ein externer Treibstofftank und zwei Feststoffraketen, dieses ganze System bezeichnet man als Space Transportation System, kurz STS. Es wird fachlich ausschließlich der Orbiter als Space Shuttle bezeichnet, zudem ist auch die Bezeichnung der Space Shuttle verbreitet."

 

Fakt ist, die waren Mondmissionen extrem kostenaufwendig, das Budget wurde mehr als nur gesprengt und sie dienten eher dem Prestige als einem langfristigen Zweck. Es sollte wieder kleiner, kompakter und vor allem sparsamer zugehen. Das Shuttle sollte ein wiederverwendbares Raumfahrzeug darstellen, dass durch Trägerraketen bzw. angekoppelten Raumschiff für einen sicheren Wiedereintritt gerüsten sein sollte. Das Projekt sollte so langfristig zum Erfolg führen. Auf der einen Seite sollte damit eine ständige Präsenz der USA im Weltraum gesichert werden, was auch militärisch immer wichtiger wurde, und ebenso die Fähigkeit zum gleichzeitigen Transport von Fracht das Shuttle kostendeckend arbeiten lassen gestärkt werden. Die immer wichtiger werdenden Satelliten sollten schnell und sicher ins Weltall gebracht, repariert oder gar eine Raumstation logistisch versorgt werden.
Der Fokus lag auf dem Shuttleprogramm und nur auf diesem Programm. Man konnte sich einfach keine anderen Großprojekte in der Raumfahrt mehr leisten, dazu hattte man einen Präsidenten im Rücken, der so gar nichts von der Raumfahrt hielt und eine Bevölkerung, die anderweitig interessiert waren. So mussten gleich zu Anfang auch Ressourcen zusammengelegt werden und die US-Luftwaffe wurde mit ins Boot geholt. Eine Zusammenarbeit, die in den folgenden Jahren durchaus fruchtbar war. Vor allem ließ sich damit das Budget noch aufstocken, weil Spionagesatelliten und orbitaler Plattform für militärische Zwecke, gerade in ewigen Wettstreit mit der UDSSR, ein einzigartiges militärisches bzw. in den Orbit zu transportierendes Gut waren. Dem Projekt fehlte es also nicht an Ideen, aber an technischen Möglichkeiten zur Verwirklichung. Die hundertprozentige Wiederverwendbarkeit wurde schon im Konzept wieder herausgestrichen - technisch nicht möglich. Platz für bis zu 20 Personen wurde auch verworfen - zu hohes Gewicht und somit Treibstoffverbrauch. Somit wurde aus dem Shuttle eine Mischung aus Rakete und Flugzeug bzw. ein dreiteiliges Konzept von Orbiter, Außentank und Booster. Die Planungen waren utopisch und die Zeit bis zum Erstflug, trotz weit weniger Ressourcen, sollte sogar noch die Mondmission unterbieten. Die vielen Entwürfe für ein Shuttle wurden vor allem wegen ihren Dimensionen abgelehnt. Man hatte zwar überhaupt keine Erfahrung mit Miniaturisierung von Komponenten, vor allem in der Computertechnik und besaß man nur grundlegende Erkenntnisse, dennoch sollte es die Grundlage sein. Dabei sollte diese Technik hohe Belastungen aushalten, schnell und kostengünstig zu warten sein, dazu günstig in der Anschaffung und natürlich Platz für eine größtmögliche Zuladung gewährleisten. Jedes Programm, das in eine andere Richtung lief, war schlichtweg überflüssig. Dabei strich man nicht nur jede weitere Entwicklung des Apolloprogramms, sondern auch die ursprünglichen Grund für die Entwicklung des Shuttles - eine ständig bemannte und zu versorgende Raumstation.

 

"Das Shuttle erwies sich als zu komplex, zu teuer und vor allem zu riskant: Bereits in den ersten Jahren des Programms erkannten die Verantwortlichen, dass sie sich sicherheitstechnisch auf sehr dünnem Eis bewegen. Sie verschlossen aber die Augen. Und schon 1985 gab es Ideen für eine zweite, zuverlässigere Shuttle-Generation. Doch nichts ist passiert... ."
(John Logsdon, ehemaliger Direktor des Instituts für Raumfahrtpolitik der George Washington University)

 

Der Erstflug im Jahr 1978 und 50 Flüge pro Jahr waren einfach nicht zu erreichen. Die Rechnung für die Planungen waren dabei der wirtschaftlichen Zielsetzung geschuldet. Die geplante wirtschaftliche Rentabilität jedes Shuttle war einzigartig in der Raumfahrt, denn es hatte nicht nur die fünffache Nutzlast der Atlas-Centaur Rakete, sondern überbot auch die Delta um das 12 fache. Warum also so viele Starts? Die Antwort ist simple, die NASA sollte schwarze Zahlen schreiben und so waren 10 % Rendite, bei mindestens 55 Flügen pro Jahr (1980-90: 720 Flügen, 986 Nutzlasten - 69% ziviler und 31% militärischer Natur - 1 Kg = 500 USD ), fest eingeplant. Damals ging man von 10,5 Millionen US-Dollar pro Start aus. Im Laufe der Entwicklung stiegen diese Kosten jedoch beträchtlich – 1977 ging man schon von etwa 24 Millionen Dollar aus. In der Folge musste auch die Anzahl geplanter Flüge drastisch reduziert werden. Die Entwicklungskosten stiegen laufend an und erreichten bald über 12 Milliarden Dollar. Dabei sank das Interesse an der Raumfahrt weiterhin, die Mittel wurden weiterhin auch von der Rüstung in Beschlag genommen und dabei hatte man mit der US-Luftwaffe schon einen wichtigen Verbündeten an Bord. Nur durch die Luftwaffe wurde das Projekt noch am Leben erhalten, denn die militärischen bzw. strategischen Argumente konnten den US Kongress noch bei Laune halten. Dabei war man zum Teil selbst schuld an der Misere, denn schon ein Wernher von Braun plädierte für Eigenregie und des Erhaltens von Know-How aus der staatlichen Förderung. Doch Senatoren wollten die Produktion in den Händen von privaten Unternehmen sehen, "ihren" Unternehmen, die das Know- How somit gratis bekamen und von satten Staatsaufträgen zusätzlich profitieren konnten. Der Auftrag wurde ausgeschrieben und die NASA wählte dann einen Hauptkontraktor aus. Damit bezahlte man die Entwicklung und die Produktion, wobei die Konzerne einzig und allein daran verdienten. Man entließ die eigenen Projekte aus der staatlichen Kontrolle und baute gleichzeitig Personal ab - die erfahrensten Mitarbeiter zuerst. Im Endeffekt, konnte man nur wenige Jahre nach dem Auslaufen des Apollo Programms, weder effektiv weiteforschen, noch die Qualitätsstandard konsequent halten, oder auch nur die Kosten realitätsnah kalkulieren. Die Regierung enthauptete quasi die Nasa und setze Sie dazu noch in den Rollstuhl. Man wollte Qualität, niedrige Kosten und die Kontrolle über die Industrie. Man bekam, sinkende Qualität, explodierende Kosten und eine Rüstungslobby, die nicht den Weltraum im Blick hatten, sondern nur den Umsatz. Die vielen zusätzlichen Glieder in der Produktions- und Entwicklungskette lähmten das Projekt und saugten es gleichzeitig aus.

"Die erste Charge von Kacheln war unbrauchbar. Sie wurden vom Hersteller an das KSC geschickt und von dort an North American Aviation, den Hersteller des Orbiters. Dort bemerkte man den Defekt und schickte die Kacheln ans KSC zurück, dass dann sich wieder an den Hersteller wenden musste. Später stellte man fest, dass Firmen jahrelang überhöhte Beträge für gelieferte Teile verlangt hatten und niemand dies aufgefallen war."

 

Spaceshuttle

Abmessungen:   17,2 Meter hoch
37,2 Meter lang
23,8 Meter Spannweite
Externer Tank:   35.425 Kilogramm (Leergewicht)
756.445 Kilogramm (betankt)
Booster:   1.202.020 Kilogramm Schub (beim Start)
87.543 Kilogramm (Leergewicht)
589.670 Kilogramm (betankt)
Haupt-Triebwerke:   Haupt-Triebwerke:

170.097 Kilogramm Schub (beim Start)
213.188 Kilogramm Schub (im Vakuum)
9.117 Kilogramm (Leergewicht gesamt)

Lebensdauer: ca. 7,5 Jahre

 

Das erste Space Shuttle, mit dem Namen "Enterprise", stieg am 18. Juni 1977, auf dem Rücken eines Jumbo-Jets, zu seinem ersten Testflug auf. Der Namen war ein Zugeständnis der Regierung an die Bevölkerung, die man für das Projekt gewinnen wollte. Der Name, die Vision und der Traum eines Raumschiff, welches man bereits aus der fiktiven Fernsehserie kannte, mit einer US Flagge auf dem Rumpf, fesselte die Zuschauer vor dem Fernseher. Das Shuttle bewies sein Zuverlässigkeit im Landeanflug, doch bis zum ersten Weltraumflug sollten noch vier Jahre vergehen.

 

Programm

Das Programm

 

Das Programm hatte seinen ersten Test bestanden und mit den erfolgreichen atmosphärischen Flugtests im Rücken, sollten nun die anderen Test im Schnelldurchlauf und fliegenden Fahnen beendet werden. Doch die Haupttriebwerke wurden zu einem dauerhaften Problem, Rückschläge bei den Erprobungen und Korrekturen der benötigten Schubleisung (nach oben), verzögerte die Übergabe des Shuttles an die NASA bis ins Jahr 1979.
Am 12. April 1981 startete die Raumfähre "Columbia" zu ihren ersten Flug. Der Zeitpunkt, zwanzig Jahre nachdem der erste Mensch ins All aufgebrochen ist, kam gerade recht. Das Shuttle thronte dabei auf einem überdimensioniert erscheinen Tank mit flüssigem Treibstoff und zwei, mit festem Brennstoff gefüllten, Booster-Raketen an den Seiten. So hatte man sich das ursprünglich nicht gedacht. Dennoch gilt dieser Erstflug als Pionierleistung der Raumflug, weil erstmals in der Geschichte der Raumfahrt, ein Trägersystem bei seinem Jungfernflug bemannt war.

Die Auftraggeber stehen nach den ersten Flüge Schlange. Alle wollen ihre Satelliten, Forschungen und sonstige Projekte nach oben bringen. 60 Flüge pro Jahr waren angesetzt und die NASA sah einem neuen Höhenflug entgegen. Doch die Kritiker haben es schon prophezeit, die zehn Millionen Dollar pro Start stiegen schon bald auf 500% des veranschlagten Budgets. Ein Flug kostete im Endeffekt 500 Millionen Dollar und bis 1981 sollte dies auch zu bleiben. Im Nachhinein ist nicht das Warum die wichtige Frage, sondern Wer bezahlte das alles. Die Antwort ist so einfach wie zutreffend, das Militär, unter dem Verfechter des "Krieg des Sterne" Konzepts Ronald Reagan, hatte fast ein Drittel aller Missionen für sich gebucht. Der militärische Hintergrund hielt das Programm am Leben, die Öffentlichkeit darf sich dafür an den ersten echten Raumspaziergang und wunderschönen Panorama Bildern aus dem Orbit erfreuen. Dennoch sind die technischen Mängel nie behoben worden, die ersten 25 Shuttle-Flüge haben allesamt mit technischen Problemen zu kämpfen und statt die Probleme zu lösen, wird auf neue Starttermin gedrungen und somit auch nur Schönheitskorrekturen am Shuttle möglich. So startet 1985 neun Mal ein Shuttle in den Weltraum, das erfolgreichste Jahr der Raumfahrt - bis heute.

 

Shuttlename Nutzungsdauer Bedeutung
 
Atlantis 1930 - 1960 Benannt nach einem zweimastigen Segelschiff, dass von der Woods Hole Oceanographic Institution genutzt wurde.
Challenger 1870er Jahre Benannt nach dem Forschungsschiff HMS Challenger der Britischen Marine,
dass den Atlantischen und Pazifischen Ozean bereiste.
Columbia ca. 1790er Jahre Benannt nach einem kleinen Forschungsschiff,
welche den Columbia River entdeckt hat.
Discovery 1611 bzw. 1778 Als Homage zwei berühmter Segelschiffen.
Endeavour 1768 Benannt nach dem ersten von James Cook geführten Schiff.
Enterprise
("Constitution")
fiktives Schiff Fangemeinde von Star Trek überreichte US-Präsident Gerald Ford,
die auf der USS Monterey diente bzw. die mit der USS Enterprise operierte,
den Namensvorschlag.

 

Das gesamte Programm stellte vielen Jahre das einzige Programm der NASA dar. Es war einfach nicht möglich dem Kongress parallel den Aufbau einer Raumstation abzuringen, obwohl das Space Shuttle gerade für eine unterstützende Aufgabe ausgelegt war. Das ursprüngliche Konzept hätte also genauso gut unbemannt sein können, denn für den Transport von Satelliten braucht man nicht unbedingt eine siebenköpfige Besatzung. Die Hardware wäre ohne Menschen billiger geworden auch die Nutzlast wäre gestiegen. Das Programm wurde also auf den Transport von Satelliten angepasst und der Mensch im Projekt zur Nebensache, denn bis zum letzten Flug des Space Shuttles, steuerte der Computer den gesamten Flug und die Piloten dürfen nur etwas in der letzten Landeminute tun - was auch nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Aus der Not machte man bei der NASA aber eine Tugend und nutzte das Space Shuttle, bis zum Bau der ISS und auch danach, als fliegendes Testlabor. In den Rumpf wurde ein angepasstes Spacelab statt eines Satelliten transportiert, welches ohne Versorgungseinrichtung, dafür aber mit den verschiedensten Experimenten ausgestattet, wertvolle Erkenntnisse brachte. Leider konnten Langzeittests damit nicht ersetzt werden und die Experimente waren dementsprechend auch teuer. Dabei war von vorneherein klar, dass nur ein bemanntes Projekt so lange überleben konnte. Nur die Person, der Charakter und das Leben im All bringt dem Kongress Prestige und der Öffentlichkeit die amerikanischen Helden.

 

"Der Shuttle war eine bemerkenswerte Maschine, ohne ihn hätte es weder die Internationale Raumstation ISS noch das Weltraumteleskop Hubble gegeben."
"Gleichzeitig hat der Shuttle die in ihn gesetzten Erwartungen eines sicheren, günstigen, routinemäßigen Flugs ins All aber nie erfüllt."

(John Logsdon, ehemaliger Direktor des Instituts für Raumfahrtpolitik der George Washington University)

 

Das wenige Geld im Programm nagte vor allem an den technischen, organisatorischen und finanziellen Ressourcen. Diese Ressourcen waren aber dringend notwendig, denn anders als bei einer Rakete, die unbemannt und auf grundlegenden Prinzipien beruhend flog, musste das Shuttle weit mehr als nur einen Start und Wiedereintritt schaffen. Die neuste Technik, meist erst im Flug dauerhaft erprobt und ohne wirklichen Ersatz, war ein ständiger und leider nur zu anfälliger Begleiter. Ganz nach dem Prinzip der damaligen Ingenieure: "Planen und Entwerfe, so gut Du es kannst, und dann fange an zu beten". In der Öffentlichkeit sah man meist nur die imposanten Starts und nicht die zitternden Mitarbeiter der NASA in der Zentrale. Denn erst wenn das Shuttle die beiden Feststoffraketen abgeworfen hatte, war an eine Notlandung zu denken. Undenkbar in der Raumfahrt zuvor, gingen die Astronauten mit der Gewissheit, in Notsituationen das Shuttle nicht verlassen zu können, an den Start. Neben unzuverlässiger Technik kam so nun auch Unberechenbarkeit im Programm hinzu.
Das gesamte Programm war immer wieder geprägt durch Verschiebungen von Starts oder Ausfällen, wegen Triebwerksdefekte und/oder dem Hitzeschutzschild. Dazu fehlte ein vollständiges System für alle Aufgaben, denn man musste aus Kostengründen Projektbestandteile an andere Staaten abgeben. Für dessen finanzielle Unterstützung und Bau, schenkte man Ihnen Zeit im Spacehab (Labor für einen kurzfristigen Einsatz im Space Shuttle). Trotz Vergabe von Aufträgen nach außen, war kein Geld für die Weiterentwicklung von Komponenten vorhanden. So flog das Spaceshuttle bis zum Schluss mit einer Technik, die überwiegend aus den 70er und 80er Jahren stammte. Das so dringend benötigte Kapital sollte aus den Satelliten fließen, die man in hoher Sequenz im All hatte warten wollen. Doch die Industrie setze nicht auf modulare Bauweise bei ihren Satelliten und teuren Orbitbetankungen. Man rechnete wirtschaftlich und wusste, dass sich ein Satellit nach 4-6 Jahren amortisiert hat. In dieser Zeit wäre ein Neubau, basierend auf neuster Technik, weit kostengünstiger, als ein Flug mit Space Shuttle und aufwendiger Instantsetzung im All. So blieben der NASA nur die bekannten Reparaturen von Solar Max (SMM), dem Hubble Teleskop und die Zurückführung von im Erdorbit gestandeten Kommunikationssatelliten.

 

"In meinen Augen war das Shuttle-Programm von unschätzbarem Wert. Wie soll man an so etwas ein Preisschild kleben?"

(John Shannon, Spaceshuttle-Programmmanager in Diensten der Nasa)

 

Das Programm sollte, mit fortlaufender Entwicklung, die Space Shuttles länger im All lassen. Damit wären mehr Experimente, größere Projekte an der im Bau befindlichen Raumstation und auch Beobachtungen vom Shuttle aus möglich. Dabei stellten die Brennstoffzellen ein Problem dar, denn diese mussten für einen längeren Aufenthalt weit größere Mengen an Wasserstoff und Sauerstoff in den Drucktanks mitführen. Durch Solarzellen sollte hier Abhilfe geschaffen werden. Währenddessen wurden die Wartungsintervalle immer wieder verkürzt und die Wartung an andere, außenstehende Firmen übertragen. Dies alles führte zu einer Verkettung verschiedenster Ereignisse, die zu einer der größten Katastrophen der Raumfahrgeschichten führten.

 

Einsatz

Seit 1970 im Einsatz   135 Flüge
58 mit einer Astrium-Beteiligung
864.401.219 Flugkilometer
entspricht in etwa der mittleren Distanz
zwischen Erde und Jupiter
Enterprise   Erprobung am Boden und
bei Abwurfflügen von einer Boeing 747
Columbia   Erster Flug im Jahr 1981,
ging bei Unglück 2003 verloren
Challenger   Bei Explosion im Januar 1986 zerstört
Discovery
Atlantis
Endeavour
  endgült. Stillegungen 2011

 

Katastrophe

Die Katastrophe

 

Am 28. Januar 1986 hörte sich die Welt für viele Raumfahrtbegeisterte auf zu drehen. Die Lehrerin McAuliffe, für das Prestigeobjekt als Werbefigur und erste Zivilistin im Weltraum auserwählt, stirbt 73 Sekunden nach dem Start in der explodierenden Raumfähre "Challenger". Danach gibt es keine Routine mehr, sondern nur noch Angst, Bangen und die Unberechenbarkeit einer anfälligen Technik. Im knappen Budget der NASA waren keine Schleudersitze oder eine im Notfall absprengbare Kabine vorgesehen - die heile Welt der Raumfahrt sah ihrem Ende entgegen.
Die Wartungsfirma, ein Subunternehmer der NASA, gab das O.K. für den Start, trotz Warnungen eines Technikers und mit Blick auf den Vertrag mit der NASA. Wenige Sekunden nach dem Start versagte ein Dichtungsring der rechten Feststoffrakete, und heißes Verbrennungsgas trat durch das entstandene Leck an einer Seite des Boosters aus. Die Flamme traf auf den Außentank und die Befestigung der Feststoffrakete, wodurch die Tankhülle zerstört wurde. Der Tank zerbrach 73 Sekunden nach dem Start in 15 Kilometern Höhe, worauf das Shuttle durch die enormen aerodynamischen Kräfte zerstört wurde. Die Diskussion um die Sicherheit wurde nun ganz und gar öffentlich. Viele Unternehmen bangten um den Transport ihrer Satelliten in die Erdumlaufbahn, viele Forscher sahen ihre Projekte abgesagt und die Welt das Shuttle Programm am Ende. Die Sicherheit stand nun im Vordergrund und zwei Jahre später wurde eine neue Phase des Programms eingeleitet. Es sollte überarbeitet, geprüft und entwickelt werden, dabei räumte mannun den wissenschaftlichen Aufgaben, den Flügen zur Raumstation Mir und dem Bau der Internationalen Raumstation Vorrang ein. Das bedeutete weniger Starts und somit weniger Risiko.

 

"Ein 30 Jahre andauernder Fehlschlag? Das ist lächerlich.
Wir waren es dem Shuttle-Programm vielmehr schuldig, nicht nach Columbia aufgehört zu haben, sondern jetzt, mit dem Ausbau der ISS, einen würdigen Schlusspunkt zu setzen."

(John Shannon, Spaceshuttle-Programmmanager in Diensten der Nasa)

 

Am 16. Januar 2003 hielt die Welt erneut den Atem an und musste mit ansehen, wie die Raumfähre "Columbia", nach Abbruch des Funkkontakts, in 60 Kilometern Höhe verglühen. Wieder sind es technisches Defekte und die Unberechenbarkeit eines unterfinanzierten Programmes. Bereits beim Start wurde die "Columbia" durch ein Stück Isolierung des Tanks, das gegen den linken Flügel des Raumschiffs bzw. dessen Unterseite krachte, beschädigt. Trotz erkennen des Schadens ignorierte man die Warnungen und die kleinen Löcher im Hitzeschirm sorgten für eine strukturelle Instabilität der ganzen Konstruktion bzw. des sicheren Heimweges durch die Atmosphäre. Die 23-facher Schallgeschwindigkeit ließen den Rest der Hitzekacheln davonfliegen, die Hitze wirkte auf das nun offen liegende Metall der Fährenkonstruktion ein und das Shuttle zerbrach in der Sphäre unseres Planeten.
Zurück blieben erstarrte Menschen, ein wahrscheinlich gescheitertes Raumfahrtprogramm, die Familien der Astronauten und eine ISS, die wohl niemals fertig gestellt werden würde. Die NASA versprach ein gründliche Aufklärung des Vorfalls und einschneidende Veränderungen im Programm. Das Hitzeschild wurde in den folgenden Monaten enorm verstärkt, der Schaumstoff zur Isolierung stabiler gemacht und Reperaturmöglichkeiten des Hitzeschirms im Weltall integriert. Man will Sicherheit vermitteln, man muss Vertrauen zurückgewinnen, doch es reicht alles nicht. Die erste Katastrophe hätte eine gründliche Überarbeitung, wenn nicht einer Neukonstruktion bedurft, doch nichts dergleichen ist geschehen. Man musste die Verpflichtungen zu anderen Staaten noch einhalten, doch die US-Regierung wies an, dass die Shuttle-Flotte zum September 2010 ausgemustert werden soll.
Der Flugbetrieb wird zwar 2006 wieder aufgenommen, doch man will nur den Aufbau der Internationalen Raumstation zu Ende bringen und dann das Programm zu Grabe tragen. Im Nachhinein waren alle schlauer und die Flut von Veröffentlichungen lassen der Regierung keine Wahl. Man hat den Eindruck, als dass Verantwortlichen froh sind, und die gesammelten Argumente gegen die Space Shuttles nur zu gerne endlich vorstellte.

 

"Wir werden zu Ende bringen, was wir angefangen haben.
Wir werden unsere Verpflichtungen erfüllen."

(US-Präsident George W. Bush Anfang 2004 in Washington)

 

Ein Hitzeschild, dass während der ganzen Mission offen und ist somit anfällig für Beschädigungen durch Weltraummüll, Mikrometeoriten oder abfallende Eis- und Schaumstoffteile vom externen Tank sind. Eine Startphase, die mehr Risiken als Möglichkeiten bietet, diesen aus dem Weg zu gehen und ein Ausstiegssystem. das kaum Überlebenschancen birgt. War das gesamte Programm eine Totgeburt, die nur wegen des Kalten Krieges, des Dominanzstrebens der USA und des Zugangs zum All wegen am Leben erhalten wurde?
Fakt ist, am Space Shuttle hing neben dem Weltraumteleskop "Hubble" und der Jupitersonde "Galileo", auch die Planungen für eine Internationale Raumstation. Ohne die gut 80 Kubikmeter große Ladebucht des Shuttles wäre der Ausbau der Raumstation, mit den 15 internationalen Partnern, nicht möglich gewesen. Wären diese Projekte nicht auf den Weg gebracht worden, so wäre die Menschheit um einen wichtigen Entwicklungsschritt und enormen Erkenntniszuwachs gebracht worden.
Die Losung „faster, better, cheaper“ hat sich nicht bewährt und brachte der gesamten Raumfahrt einen großen Verlust, doch was wäre gewesen, wenn das Shuttle Programm bereist in den 80er Jahren eingestellt worden wäre?

 

Alternativen

Die Alternativen

 

Die "Buran" - das sowjetische Konkurrenzprogramm zum Shuttle - ließ bei der NASA alle Alarmglocken klingeln. Sollten es die Russen doch geschafft haben, mit ihrem eigener Raumgleiter die Dominanz der USA brechen und die noch von der Challenger-Katastrophe geschockten Amerikaner rechts überholen. Der US-Kongress, das Verteidigungsministerium und die vom Kalten Krieg geprägten Militärs, wollten die Space Shuttles so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen - auch ohne die NASA wenn es sein muss. Am 29. September 1988 geht die "Discovery" an den Start – sechs Wochen vor dem ersten und einzigen Flug der "Buran" am 15. November.
Sollte es also doch Alternativen für die Space Shuttles geben? Hängt das Wohl und Wehe der Menschheit auf dem Weg zu den Sternen nicht von den Amerikanern ab? Bis zur Jahrtausendwende mag dies ja so gewesen sein, denn kein anderes Land konnte mit dem Budget der NASA konkurrieren und schon gar nicht solche Erfahrungen aufweisen. Doch mit dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs, einer ESA (europäische Weltraumagentur), die mit ihrer Ariane Rakete und neuartiger Technik voranstürmt, vor allem aber durch die asiatischen Staaten, allen voran China und Indien, hat sich das Ungleichgewicht der Weltraummächte zu einem Gleichgewicht gewandelt.

 

Ähnliche Projekte

Buran (Sowjetunion)   Raumgleiter-Projekt der Sowjetunion, in Entwurfsphase stecken geblieben und nach dem Zusammenbruch endgültig gestoppt.
Sänger und Sänger II
(Deutschland)
  Konzept des deutschen Ingenieur Eugen Sänger aus dem Jahr 1961 und 1974 der Firma Junkers.
Hermes (ESA)   Alternative zum Space Shuttle der ESA aus dem Jahre 1987, was 1993 aus finanziellen Gründen gestoppt wurde.
Kliper (Russland)   Als Ersatz für die Sojus bzw. wiederverwendtbare Alternative aus dem Jahre 2000. Im Jahr 2007 endgültig eingestellt.

 

Die Rakete als Trägerelement für Satelliten und auch Personen, ist wieder auf dem Vormarsch. Bei den Europäern hat sich die Ariane bestens bewährt und die Amerikaner wollen mit der Ares-I, als Träger für zukünftige Weltraumprojekte, mit einsteigen. Schon 2015 soll es losgehen und auch die Amerikaner wollen auf Zusammenarbeit setzen. Die ISS, ebenso als Fass ohne Boden bekannt, hat die Zusammenarbeit verschiedener Nationen auf die Probe gestellt und der Erfolg gibt ihm Recht. So haben die Amerikaner kein Interesse mehr an einem Shuttle-C (C = Cargo), das eine unbemannte Lastenversion des Space Shuttle darstellen sollte. Mit diesem gescheiterten Konzept, liegen auch die geplanten Marsflüge auf Eis, aber man hat gelernt, dass man so ein Projekt niemals allein stemmen könnte.
Auch die Nachfolger des Space Shuttle, bekannt geworden unter dem Projekt X-33 oder VentureStar, wurden eingestellt. Auch hier was das Budget mehrfach überschritten und bei einer sich anbahnenden Zahlungsunfähigkeit der USA, auch absolut sinnlos gewordens. Das Geld wird nun woanders gebraucht und die kühne Version von George W. Bush: Vision for Space Exploration, aus dem Jahre 2004, wird auch nur eine Vision bleiben. Ein neues eigenständiges Weltraumprogramm wird es von Seiten der USA in Zukunft nicht mehr geben, die geplanten Mondflüge ab 2018 und ab Mitte des Jahrhunderts sogar bemannte Marsflüge, sind ad acta gelegt worden. Die Ares-Raketenfamilie soll die Interessen Amerikas kostengünstig wahren und es der NASA ermöglichen, ihren Betrag zur Weltraumfamilie zu leisten. Ares I wird wahrscheinlich ab 2015-20 das Orion-Raumschiff in einen niedrigen Erdorbit befördern können und Mondmissionen sollen vielleicht danach mit der Ares V bzw. mit dem Altair-Landemodul und dem Earth Departure Stage möglich gemacht werden. Man will nicht mehr in die Zukunft schauen, sondern lieber bereits bekannte Projekte ausbauen. Man geht dabei auf die Ansichten eines Wernher von Braun zurück, der für einen grundlegenden Entwicklungsbaum plädierte. Die Shuttle-Hardware, vor allem die überarbeiteten Systeme der letzten Jahre, sollen nun weiter verwendet werden und als Basis zukünftiger Projekte dienen.

 

Zum Schluss

Der Schlussstrich

 

"Seine Leistungen waren durchwachsen"

(John Logsdon auf die Frage: War das Shuttle-Programm letztlich ein Erfolg oder doch ein Fehlschlag?)

 

Die Raumfähre Atlantis hob im Juli 2011 zum letzten Flug ab und beendete das Shuttle Programm der Amerikaner und jede weitere Shuttle Entwicklung auf dem Globus. Die Shuttles hatten ausgedient. Ein Start kostete zwischenzeitlich knapp eine halbe Milliarde Dollar, etwa fünfmal so viel wie ein Start mit einer unbemannten Einwegrakete gleicher Nutzlastkapazität, und stieg auf zuletzt gut eine Milliarde Dollar. In einer globalisierten Welt, in der Japan, die Europäer und allen voran die Inder und Chinesen, auf dem Markt der Raumfahrt drängen, können solche Zahlen keine Konkurrenz sein. Die Rakete soll die neue Plattform auf dem Weg ins Weltall sein, sie sollen Startplattformen im Orbit und auf dem Mond ermöglichen. Ab 2011 sind es die Raketen und die Visionen einen Weltraumfahrstuhls, die den Weg ins All ebenen sollen.
Die Shuttles sind heute nur noch Schmuckstücke im Smithsonian Institution in Washington, DC., im „Intrepid Sea, Air & Space Museum“ in New York, dem California Science Center“ in Los Angeles und dem Johnson Space Center der NASA in Houston. Die Atlantis wird im Kennedy Space Centers der NASA im US-Bundesstaat Florida als Museum verbleiben. Damit stehen die gebauten Shuttles als Denkmal in allen Teilen der USA, sollen die Menschen aufrufen an die Visionen zu glauben und sie Mahnen, dass die Raumfahrt der wohl gefährlichste Weg der Menschheit werden soll.

135 Missionen in mehr als 30 Jahren geworden sein und geschätzte 120 Milliarden Dollar an Kosten, sprechen für lange Erfahrung, viel Erreichtem und leeren Kassen. Das letzte große Projekt der Menschheit geht pleite - moralisch wie finanziell. Auf dem Papier sind die Visionäre schon beim nächsten Projekt, dass noch größer, noch weiter und noch teurer wird. Wer kann sich die Raumfahrt leisten, die Staaten wohl kaum. Aber kann man die Raumfahrt in die Hände der Industrie geben, die kostengünstig und kostendeckend das All als Unternehmensexpansion sehen? Schwer zu sagen, doch kann der Staat nicht mehr als die Rolle des Kontrolleurs einnehmen, denn selbst eine ehemalige Supermacht wie die USA, geht bei Veranschlagungen von über 200 Milliarden Dollar in den nächsten 10-20 Jahren in die Knie. Für Konzerne sind das heute keine übergroßen Zahlen mehr, denn nur wenige Firmen zusammen könnten einen solchen Betrag durchaus stemmen und nicht wenige stehen für diese Chance Schlange. Das Unternehmen Virgin Galatics macht es vor, baut ein eigenes Shuttle in den Orbit und verdient schon bevor ihr Shuttle überhaupt abhebt. Davon kann die NASA noch lernen und doch scheint der Traum vom All damit verkauft. Doch zeigt die Geschichte, dass der Staat nur ein Babysitter sein und der wachsenden Idee den Weg weisen kann. Welchen Weg die Entwicklung dann einschlägt, ob sie durch die Industrie erst richtig erwacht und erwachsen wird, oder die Visionen zu Grunde richtet, wird sich zeigen.
 

Aus der Geschichte lernen heißt für die Zukunft arbeiten!

Das Space Shuttles ist tot, es lebe die globale Raumfahrt.