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Das Thema

Henning (Hermann Robert Karl) von Tresckow
und
der militärische Widerstand

 

"Henning von Tresckow war ein Offizier, in dessen Leben Traditionen eine prägende Rolle spielten, ohne dass diese sein handeln allein bestimmt hätten.
Er war sich der großen Vergangenheit der königlich-preußischen Armee bewusst!"

(Karl Otmar von Aretin (Historiker) über Tresckow)


Weg zum Widerstand

Der Weg zum Widerstand

Wir sprechen hier von einem Offizier, der den letzten Abglanz der preußisch-königlichen Armee noch miterlebt hat. Ein Mann der die Reichswehr, mit ihrer Isolation als Staat im Staate, als Quittung für eine kurzsichtige Politik sah und sie im nationalen Sinn als würdelos empfunden hatte. Der "frühe" Tresckow war begeistert von der Machtergreifung und seine Teilnahme an der Parade des "Tag von Potsdam" war für ihn große Ehre und glücklichster Moment zugleich.
Der 30. Juni 1934 rüttelte den jungen Offizier auf und ließ ihn wach werden für die wirklichen Umstände. Es war die "lange Nacht der Messer", die Revanche für den geplanten SA-Putsch, die ihn zweifeln ließ. Die Ermordung der Generale Schleicher und Bredow bzw. die Wahrheit über den Zweck ihrer Ermordung erschütterte ihn genauso, wie die stille Hinnahme dieser Fakten durch die Armee.

„Sie, Tresckow, werden einmal entweder Chef des Generalstabes werden oder als Revolutionär auf dem Schafott enden.“
(1918, Graf Eulenburg, Kommandeur Erstes Garde-Regiment zu Fuß)

Eine Ungeheuerlichkeit, die in der Geschichte seines Gleichen sucht. So muss sich der Offizier gefühlt haben, als ihn die Folgen dieser Ereignisse einholten. Nicht nur, dass der Reichswehrminister diesem Vorgang anscheinend keine Beachtung schenkte, sondern den folgenden "zweiten Staatsstreich" Hitlers mit vollzog. Am 2. August 1934, nach dem Tode Hindenburgs, wurde die Reichswehr auf Hitler persönlich vereidigt. Der unbedingte Gehorsam eines einzelnen Führers gegenüber, dem bis 1945 – 19.000.000 Soldaten nachsprachen, stammte dazu noch von einem Soldaten, den späteren Generalfeldmarschall von Reichenau.
Hitler unterwarf das Gesetz, mit dem Tode Hindenburgs, die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers vereidigt wurde, war die Truppe siebzehn Tage auf einen Mann vereidigt, der staatsrechtlich noch nicht als Staatsoberhaupt amtierte. Die Absicherung einer Macht, die wenn sie nicht kommen sollte, durch eine Armee geschützt wurde, die auf Hitler und auf Gott ihren Eid schwor. Ein Pakt mit dem Teufel, der für eine schlagkräftige Armee und einen raschen Aufbau eingegangen wurde. Die Einführung der allgemeinen Wehrplicht 1935 beschwichtigte Offiziere und die Führungsebene, sodass selbst die moralischen Bedenken beiseite gelassen wurden.
Die Kritik von Blomberg und Fritsch an dieser Entwicklung waren die Einzigen dieser Art auf höchster Ebene. Und doch wurde sie von Hitler vergolten. Die Blomberg-Fritsch-Affäre 1938, in der Blomberg wegen einer Ehegeschichte und Fritsch wegen homosexueller Anschuldigungen entlassen wurden, belasten und erschütterten Tresckow in einem Maße, dass er bewog den Abschied von der Armee zu nehmen.

„Wir werden unsere Untätigkeit vor dem Richterstuhl Gottes nie vertreten können. Wir haben nicht die Entschuldigung, Unteroffizier gewesen zu sein. Der Offizier steht – Fahneneid hin, Fahneneid her – über dem Befehl.“
(Tresckow 1942)

Die Empörung trug er dem Befehlshaber des Wehrkreises III Berlin, Erwin von Witzleben, vor. Dieser redete ihm sein Vorgehen aus, erkannte aber einen Gesinnungsgenossen in dem jungen und aufstrebenden Offizier. Für Witzleben war klar, die Armee brauchte Offiziere, die nicht dem neuen Denken verfallen sind. Tresckow gehörte damit zum Kreis des deutschen Widerstandes und sollte an den ersten Aktionen gegen Hitler, nach Kriegsausbruch 1938 beteiligt sein. Doch kam es zu keinem Krieg, sondern zu einem Beschwichtigen der Alliierten in München. Die Widerständler und vor allem Tresckow verfielen in eine tiefe Depression. Böse Vorahnungen, die sich mit der "Reichskristallnacht" (8. - 9. November) und Judenpogromen weiter bestätigen, verfolgten die Offiziere.
Als der Krieg gegen Frankreich im Herbst 1939 bereits erfolgen sollte - "Den Anlass zum Kriege werde ich schaffen, es ist gleichgültig, ob er geglaubt wird oder nicht. Nach dem Sieg wird der Sieger nicht mehr gefragt ..." (Hitler zu kommandierenden Generalen der Wehrmacht 24. August 1939), ist ein Putsch - durch Halder - geplant. Doch kein Befehl von Hitler - kein Putsch.


Krieg

 

 

Widerstand im Krieg
„Hitler ist ein tanzender Derwisch. Man muss ihn totschießen.“
(Tresckow 1938)

Mögen die Erfolge gegen Polen und Frankreich viele Kritiker in den Reihen der Offiziere verstummen gelassen haben, Tresckow blieb sich seiner gewonnenen Überzeugung treu. Auch wenn er bei der Ausarbeitung des Sichelschnittplanes mitgewirkt hatte, der Sieg über Frankreich hatte ihn in seinem Urteil nicht blind gemacht. Einer Gruppe schwedischer Offiziere, die im August 1940 das Hauptquartier des Feldmarschalls von Rundstedtbesuchte, bekannte er mit seltener Offenheit, er wäre ein Gegner des Nationalsozialismus. Der Kreis der Widerständler wurde kleiner, doch zum Jahreswechsel 1940/41 bildete sich in der Heeresgruppe B (später Heeresgruppe Mitte), die an allen Attentatsversuchen an Hitler beteiligt war, die von Wehrmachtsangehörigen unternommen wurden.


(Führungsabteilung der Heeresgruppe Mitte (1943) - Tresckow vierter von rechts / Oberst von Kleist dritter von links / Oberst Schulze-Büttger vierter von links / Oberleutnant von Schlabrendroff ganz rechts stehend)

Tresckow selbst sammelte Offiziere um sich, die er nicht nach militärischen Fähigkeiten aussuchte, sondern von denen er wusste, dass sie Gegner des Nazi-Regimes bzw. des "Dritten Reiches" waren.


 
Gruppe um Tresckow
 
 
Fabian von Schlabrendorff
 
Rudolf von Gersdorff
 
die Grafen von Lehndorff
kein
Bild
vorhanden
Hans Hardenberg
 
Bernd von Kleist
kein
Bild
vorhanden

und andere Gesinnungsgenossen wie bsp. Phillip von Boeselager (Hat den 20. Juli und die Zeit danach überlebt).[/color][/list]

Die Befehle vom Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch waren dahin gehend formuliert, dass Gräueltaten vorprogrammiert waren. Ein Krieg gegen die "jüdisch-marxistisch-slawische Gefahr", geführt ohne die Beachtung der Gesetze des Völkerrechts und der Bestimmungen über die Kriegsgefangenen. Rücksichtlos ist der geeignetste Begriff und doch kann er die Auswirkungen der Befehle nur unzureichend erklären. Ein Krieg, der nicht gegen eine feindliche Armee geführt werden sollte, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung, gegen Juden und die kommunistische Partei. Schon in den ersten Wochen des Angriffs und in den folgenden Monaten häuften sich die Erfolgsmeldungen der "Einsatzgruppen" auf Tresckows Schreibtisch. Es eröffneten sich Einblicke in ein perfides Mordsystem, das von höchster Stelle geleitet und Angeordnet wurde. Eine Kriegsführung, die jede Soldatenehre Schande bereiten sollte. Doch konnte ein einzelner Soldat dagegen nichts ausrichten. Dieses Mordsystem betraf nicht nur die Heeresgruppe Mitte, sie ging weit darüber hinaus und so war Tresckow entschlossen, das Regime zu stürzen und diesem Verbrechen ein Ende zu setzen. Das Motiv für dieses Ziel waren die Judenmorde und nicht nur die militärische Lage. Man kann durch Berichte und Verhalten von Tresckows belegen, dass er bereits in erfolgreichen, siegreichen und von Euphorie geprägten Tagen des Heeres Persönlichkeiten für einen Umsturz zu rekrutieren versuchte!

„Befehle sind Gesetze für Dumme“
(Tresckow 1942)

Henning von Tresckow war die treibende Kraft und der Knotenpunkt im militärischen Widerstand. Durch Schlabrendorff wurden Kontakte zur Gruppe Beck/Goerdeler geknüpft, zum Chef des Allgemeinen Heeresamtes Olbricht und dem Chef des Amtes Ausland/Abwehr Oster. Auch wurden verstärkt die Verbindungen nach Paris und die dort bestehende Widerstandsgruppe unter Generalfeldmarschall von Witzleben ausgebaut. Man fand nur niemanden der nahe genug an Hitler herankäme und das entscheidende Attentat zu verüben. Sie Sabotage der Kriegsführung oder die Lancierung von Protesten wurde von vornherein ausgeschlossen. Als Ziel stand die Ermordung Hitlers und der Sturz des Regimes, ein erzwungener Rücktritt von seiner Position des Krieges und seiner Führung hätten nichts geändert. Die Gruppe wäre auf diese Weise nur enttarnt gewesen und aufgelöst worden, soviel war sicher.

 

 

Situation des Widerstandes 1942:

- Die Verbindung zum Ersatzheer in der Heimat war hergestellt. Der Putsch sollte durch Olbricht durch das Codewort: Walküre ausgelöst werden.

- An der Ostfront gab es nur die Widerstandgruppe der Heeresgruppe Mitte. Trotz der Gräueltaten im Hinterland hatte sich keine andere Gruppe gebildet.

- Aktionen aber sinnlos, d.h. solange die Wehrmacht von Sieg zu Sieg stürmte.

"Wir sind fertig. Die Initialzündung kann in Gang gesetzt werden."
(Schlabrenndorff zu Olbrecht - Ende 1942)


Stalingrad

Stalingrad als Anstoss
„Die Welt muss von dem größten Verbrecher aller Zeiten befreit werden.“
(Tresckow zu Gersdorff kurz vor dem geplanten Selbstmordattentat auf Hitler - 1943)

Stalingrad im Januar 1943 war die Wende. Die Niederlage war unübersehbar. Auch für die überzeugten Offiziere war nun eine Wende eingetreten, denn die Alliierten beschlossen in Casablanca (24. Jan. 1943), dass eine bedingungslose Kapitulation den Krieg nur würde beenden können. Kein Verständigungsfrieden, keine Lösung bzw. Ausweg für die Militärs und vor allem keine Zukunft für die deutsche Armee in einem Nachkriegsdeutschland. Die Gruppe Tresckow musste nun handeln, jetzt oder nie, denn die Zeit bis zur endgültigen Niederlage war knapp und mit jedem Tag/Monat/Jahr gab es weniger zu retten. Die meisten deutschen Soldaten starben erst nach Stalingrad. Erst die erbarmungslosen Kesselschlachten und der „Haltebefehl“ Hitlers, forderte die größten Verluste. Jeder Tag, den Hitler noch erleben durfte musste mit dem Blut von deutschen Soldaten bezahlt werden. Dies war die Meinung und der Glaube, an dem Tresckow festhielt.

 

Aktionen der Gruppe Tresckow:

- 13. März 1943: Eine ins Flugzeug geschmuggelte Bombe funktionierte nicht.
- 21. März 1943: Selbstmordattentat von Gersdorff scheitert, weil Hitler zu früh den Raum verlässt.

Die Entdeckung, so waren alle Beteiligten der Meinung, war nur eine Frage der Zeit. Doch dies war zum Glück nicht der Fall und die Vorbereitungen für einen Putsch konnten weiter gehen. Dazu kam, dass Tresckow in die Führerreserve berufen wurde (Ende Juli 1943) und dort mit einem gewissen Oberst Graf von Staufenberg zusammentraf. Umstände, die schließlich zum Attentat vom 20. Juli führten.
Im Sommer 1943 zeichnete sich mit dem Zusammenbruch Italiens eine schwere Krise ab. Vor allem weil die Alliierten bei der Kapitulation Italiens an ihren Zielen und Vorstellungen zur Beendigung des Krieges weiter festhielten. Schlechte Aussichten für eine Kompromisslösung der neuen Regierung, die durch die Verschwörer etabliert werden sollte. Außerdem verließ die Offiziere des Heeres und der gesamten Wehrmacht, gerade wegen dieses Festhaltens, der Mut an einer Verschwörung. Zu groß war die Angst vor den Roten. In dieser Situation gefangen richtete der militärische Widerstand seine Ziele auch an zivile Gruppen wie den Kreisauer Kreis, mit dem dann auch schnell Verbindungen aufgenommen wurden.
Am 1. Oktober 1943 wurde Tresckow Kommandeur des 442. Grenadierregiments und am 9. November Chef des Stabes der 2. Armee. Es gelang ihm, einen Teil seiner Freunde, darunter Schlabendorff, zu dem neuen Kommando mitzunehmen. In der schlechten Situation, in der sich die Ostfront befand, ist es ein Verdienst Tresckows, dass ein zweites Stalingrad verhindert werden konnte. Sein Vorgesetzter Generaloberst Weiß war aber anders als Kluge nicht für den Widerstand zugänglich.

 

 

(Tresckow mit seinen Söhnen)

Tresckow litt unter den misslungenen Anschlagsversuchen. Er spürte, dass der günstige Zeitpunkt verpasst war. Niemand wusste, wann sich wieder eine Gelegenheit bieten würde. Noch immer war Goerdeler ein Motor des Widerstandes. Mit einer ausholenden Denkschrift vom 26. März 1943 hoffte er die Generale zu eindeutiger Opposition und schnelle Aktivität zu bekehren. Er wiederholte dabei die bekannten Fakten der militärischen Niederlage. Doch sollten die "Engelszungen" sich als "völlig zwecklos" erweisen. In dieser Zeit musste Tresckow um seine Stellung kämpfen. Er war keineswegs die Führungsposition, sondern fand sich oft in einer untergeordneten Stellung vor. Doch er kämpfte, nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten. Er traute sich etwas, ging auf die Leute zu und schlug drastische und sofortige Maßnahmen vor. Die "Verschwörung" muss gerettet werden.
Keine Einsicht sollte man von Hitler erwarten und sollten es die Feldmarschälle nicht tun, dann würden sich andere finden! Der Ehrenkodex vieler hoher Offiziere nutzte doch nichts, wenn damit der falsche Mann, am falschen Ort und zur falschen Zeit geschützt würde. So sollte man nicht mehr "die Worte an die Wand reden", sondern endlich Einsicht finden und Aktionen planen. Die Werbeaktion Tresckows, an junge Offiziere gerichtet, darf als Signal des Aufbegehrens verstanden werden. Eine Aktion die Früchte trug und Leute der Tat mit ins Boot holte.

„Alle Generale sind Feiglinge“ und „So schlapp wie ein Feldmarschall“
(Tresckow nach vergeblichem Versuch, unter der Generalität weitere Anhänger eines Staatsstreiches zu finden - ca. 1943)

Tresckow versuchte in der Folgezeit von der Ostfront weg zu kommen, und ins Führerhauptquartier versetzt zu werden. Helfen sollten ihm dabei seine Freunde, die Generale Schmunde (Adjudant Hitlers) und Stieff. Generalmajor Stieff war ein "Wissender" und hasste Hitler, dessen kriminellen Charakter und seine Art Deutschland in den Untergang zu führen. Er war Chef der Operationsleitung im Generalsstab des Heeres und hatte somit Zugang zu Hitler, so also ein wichtiger Verbündeter für Tresckows Pläne. Er lehnte es aber ab, nach einer Befragung durch Staufenberg, das Attentat auf Hitler zu begehen. Dies änderte sich auch nicht mit Zuspitzung der militärischen Lage.

 

Aktionen der Gruppe Tresckow:

- Jan./Feb. 1944: Zwei Attentatsversuche des Hautmannes Axel von Bussche und des Leutnants Ewald von Kleist scheitern. Hitler kam nicht zum vereinbarten Ort.


20. Juli

20. Juli 1944

 

Juni 1944, Hptm Stahlberg, Adjutant des Generalfeldmarschalls von Manstein:

Ich fragte Henning von Tresckow, ob der denn eine Chance sehe, dass der Staatsstreich gelingen werde.

„Mit größter Wahrscheinlichkeit wird alles schiefgehen“. (Tresckow)

„Und trotzdem?“ (Hptm. Sahlberg)

„Ja, trotzdem“. (Tresckow)

Im Weitergehen sprach er vor sich hin, als wäre er alleine. Man müsse sich vorstellen, wie man in späteren Generationen die Weltgeschichte über uns Deutsche urteilen würde, wenn es in Deutschland nicht einmal eine Handvoll Männer gegeben hätte, die diesem Verbrecher in den Arm gefallen seien. Noch wüssten bis jetzt nur wenige Deutsche, welche unsagbaren Verbrechen von den Nazis verübt würden. Nur in den obersten Kommandobehörden sei das bisher bekannt. Eines Tages aber würden es alle erfahren. Und dann würden sie mit Recht über die herfallen, die davon gewusst haben und nichts getan haben, um es zu verhindern.

„Deshalb muss Hitler umgebracht werden, coûte que coûte.“ (Tresckow)

Dann fragte Henning von Tresckow: „Wo steht Manstein, wenn Hitler tot ist?“ (Tresckow)

Ich sagte, ich sei sicher, er werde dort stehen, wo die Legalität sei.

„Für einen Feldmarschall ist das zu wenig.“ (Tresckow)

Bereits im Sommer 1943 ergab sich für Tresckow die Notwendigkeit, den Walkürebefehl zu überarbeiten. Der "Walküre" Befehl war ein Bündel von Befehlen, der festlegte, welche Maßnahmen bei Unruhen im Inneren zu ergreifen seien. Hierbei war entweder an einen Aufstand der zahlreichen Fremdarbeiter in Deutschland oder an einen Aufstand der SS gedacht worden. Damit eröffnete sich eine Schlüsselstellung für die Widerständler, den solch ein Befehl, richtig umgesetzt und eingesetzt, konnte auch nicht Eingeweihte im Sinne der Verschwörer aktiv werden lassen. Als dann am 1. Juli 1944 Stauffenberg zum Chef des Stabes des Ersatzheeres berufen wurde und somit Zugang zu Hitler bekommen hatte, standen für Tresckow alle Figuren des Putsches an Ort und Stelle.

 

Aktionen der Gruppe Tresckow:

- 11. Juli 1944: Stauffenberg reist mit einer Sprengladungen auf den Berghof bei Berchtesgaden. Da Himmler nicht anwesend ist, zündet er die Bombe nicht.
- 15. Juli 1944: Der gleiche Vorgang - dasselbe Ergebnis.

(Bei beiden Ereignissen wurde von Olbricht in Berlin Walküre ausgelöst. Ein drittes Mal war nur schwer glaubhaft und erklärt, das nach zweimalige Rücknahme des Befehls, der Befehl am 20. Juli erst so spät ausgelöst wurde)

Die Ereignisse des 20. Juli sollen hier nicht in aller Ausführlichkeit erwähnt werden. Als Henning von Tresckow die Nachricht vom gescheiterten Staatsstreich erhält, setzt er seinem Leben am 21. Juli 1944 an der Hauptkampflinie bei Ostrow ein Ende.

Ehrentafel der Opfer des Widerstandes vom 20. Juli


Zum Schluss

Schlussbemerkung
 

Die nach dem 20. Juli einsetzenden Gerichtsverfahren offenbarten das Ausmaß der "Verschwörung" unter der Leitung von Tresckows und Hitler bekam seine "blutige Rache". Es ist bekannt, dass Hitler sich die Filme von den Hinrichtungen am Wippgalgen mehrfach vorspielen ließ. Die Angehörigen des militärischen Widerstandes, einschließlich Kinder und Frauen, kamen in Sippenhaft.

„Jetzt wird die ganze Welt über uns herfallen und uns beschimpfen. Aber ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass wir recht gehandelt haben. Ich halte Hitler nicht nur für den Erzfeind Deutschlands, sondern auch für den Erzfeind der Welt.
Wenn ich in wenigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen das vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unsertwillen nicht vernichten wird.
Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessoshemd angezogen.
Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“

(Tresckow am 21. Juli 1944 - vor seinem Selbstmord)

Es gab in letzten Jahren viel Kritik am Charakter und Tun des Henning von Tresckwos. So soll er in der Heeresgruppe Mitte zu den Initiatoren des Partisanenkampfes und Massenverbrechen gegen Juden und Zivilbevölkerung gehört haben. Ein Vorbehalt, der aus der Vermengung von Aktionen der SS und den Kampfeinsätzen gegen bedrohte Nachschublinien entstanden ist. Man hat hier die Pläne der Heeresgruppe Mitte für die Sicherung des Nachschubs und für den Schutz der eigenen Truppen mit den Terrormaßnahmen der Einsatzgruppen vermengt und daraus eine Initiative dieser Offiziere zu Massenverbrechen konstruiert., indem man ihnen unterstellt, dass ihr Kampf gegen die Partisanen ausschließlich verbrecherischen Charakter besaß und systematischen den Vernichtungsplänen folgte. Also eine unhaltbare Behauptung, die zu entkräften ohne Problem gelingt und Henning von Tresckow von solchen Initiativen frei spricht.

Der militärische Widerstand und die Bemühungen Tresckows scheiterten letztendlich daran, dass keiner der deutschen Feldmarschälle des Zweiten Weltkrieges bereit war, sich an die Spitze der Verschwörer zu setzen.

"Wenn das Attentat misslingt, hat die Geschichte für die Beteiligten keinen Sinn mehr. Es gibt dann keine Möglichkeit, weiterzuleben. Das Attentat muss geschehen, das sind wir dem Land, der Geschichte, dem Recht und dem Gesetz schuldig."
(Fritz Dietloff Graf von der Schulenburg zu einem Bekannten - 18. Juli 1944)

Es ging nur noch darum, der Welt zu beweisen, dass es in Deutschland einen zu allem entschlossenen Widerstand gegen das verbrecherische Regime des 3. Reiches gab.

Die Verschwörer des 20. Juli 1944 und mit ihnen tausende der Besten des deutsche Volkes gaben damals ihr Leben hin. Männer wie Henning von Tresckow offenbarten sich schon früh die Abgründe dieses Systems, dieses Krieges und seiner Ideologie. Das Attentat vom 20. Juli war ein Zeichen der Tat und nicht mehr des Erfolges - einen Erfolg hätten die Umsturzversuche 1938/39 bringen können.

Am 20. Juli 1961 hießen die Truppenunterkünfte in Oldenburg-Bümmerstede: Henning von Tresckow Kaserne.


Quellen

Sigrid Grabner und Hendrik Röder (Hrsg.), Hennung von Tresckow. Ich der ich war, Lukas Verlag 2003.
Bodo Schreurig, Henning von Tresckow. Eine Biographie, Stalling Verlag 1973.
Joachim Fest, Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli, Berlin 1994

http://valkyrie-plot.com/1943.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 03,00.html
http://www.phoenix.de/content/phoenix/d ... 2009-10-24
http://www.gdw-berlin.de/bio/ausgabe_mit.php?id=13
http://www.moston.de/phil/writings/wide ... and18.php3
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/He ... sckow.html
http://www.sueddeutsche.de/thema/Henning_Von_Tresckow

Autor: Freiherr von Woye