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Das Thema

Die "Dicke Bertha"

 

Deutschlands "schwerster Brummer" im Ersten Weltkrieg

 

 

 

"M-Gerät" L/12
Von den Feldgrauen "Dicke Bertha" getauft

 

Sie war der Alptraum der deutschen Feinde im Ersten Weltkrieg, war Gesprächsthema Nummer eins in den Schützengräben an der Westfront und ihr legendärer Ruf hat sie bis heute nicht verlassen. Kein Film über den Ersten Weltkrieg ohne dieses mächtige Geschütz und noch heute ist der Name Krupp mit diesem Meisterstück deutscher Waffenkunst verbunden.
Noch heute werden moderne schwere Geschütze mit diesem verglichen, doch konnte keinem ein einprägsamerer und vielsagenderer Spitzname verpasst werden, als der "Dicken Bertha".

 

 

 

Die "wahre" Bertha und ihr Gemahl Gustav von Bohlen



Man spricht von Wunderwaffe und Superlative seiner Zeit, doch stimmte das wirklich? Fakt ist, dass die reine Größe und Ausmaße solch eines Geschützes nicht die Wirkung der Granate widerspiegelten. Eine Unmenge an Faktoren bestimmte den Erfolg und die Vernichtungskraft des Geschosses, so dass sich die Wirkung bei jedem Schuss nur vermuten ließe. Es gab keine größere Kanone in der Folgezeit bis heute, man hatte die maximale Wirkung durch Größe erreicht, ab der "Dicken Bertha" wurde ausschließlich an der Technik, Aufbau und Theorie gearbeitet. Gerade deshalb setzt diese Waffe auch eine Wegmarke und das Charismatikum ihrer Zeit. Ein Grund, sich die Waffe genauer anzusehen.

Entwicklung

Entstehungsgeschichte

 

 



Der Schlieffenplan sah bei seiner Einschließung der französischen Truppen die Durchbrechung der belgischen Sperrforts vor. So wurde in der obersten Heeresleitung der Entschluss für eine neue "schwere Waffe" gefasst.
Die Firma aus Essen mit dem wohlbekannten Namen Krupp legt im September 1911 einen Entwurf für ein Spezialgeschoss vor. Es sollte die stärksten Befestigungen durchbrechen können und die Pläne der Generale Wirklichkeit werden lassen.
Nach den ersten Entwürfen und Planungsarbeiten begann im Juli 1912 die Fertigung der ersten Exemplare. Erste Versuche fanden auf den Truppenübungsplatz in Jüterbog (Brandenburg) und Kummersdorf statt. Dabei sollte auch auf Nachbauten belgischer und französischer Forts geschossen werden, was wegen Kriegsausbruchs abgesagt werden musste.

Strittig ist aber die Namensgebung. So soll der Spitznamen der Krupp Gattin "Dicke Bertha" Bertha Krupp von Bohlen und Halbach als Vorlage gedient haben. Verwendet wurden neben diesem Namen auch Bezeichnungen wie "Schwerer Brummer" oder "Fleißige Bertha".

Das Projekt wurde schon in der Erprobungsphase populär. Man konnte die Auswirkungen und Lärmbelastung nur schwerlich verbergen. Die Bevölkerung war überzeugt und begeistert von dem Gerät.
Auch bei den Soldaten erlangte die Waffe großen Ruhm, denn schon die schieren Ausmaße flößten Respekt und den Glauben an einen Sieg ein. Diese moralische Perspektive wurde schon früh von den Kommandeuren eingesetzt.
 

 

 

Das Gamma-Geschütz

Technik/Daten

Technik

 

Es handelte sich um ein kurzrohriges Steilfeuergeschütz. Das Geschütz war mit einem Keilverschluss ausgestattet und war demnach ein Abkömmling der von Krupp entwickelten schweren Schiffsgeschütze.
"M-Gerät" stand für Minenwerfer und war die eigentliche "Dicke Bertha"

 

 

 

Das M-Geschütz in Ladestellung mit Bedienmannschaft

 


 
Waffenart:
Mörser
Kaliber:
42 cm
Varianten:
"Gamma-Gerät" (schienengebunden)
"Kurze Marinekanone" (Bettungsgeschütz - L/16)
"M-Gerät" (Radfahrlafette - L/12)
Gewicht:
42,6 t ("M-Gerät") / 150 t ("Gamma-Gerät")
Rohrlänge:
6,72m ("M-Gerät")
Transport:
Auf 4 Teillasten verteilt ("M-Gerät") /
auf 10 Eisenbahnwagen verteilt ("Gamma-Gerät")
Stückzahlen:
12 ("M-Gerät") /
10 ("Gamma-Gerät")
Projektile:
810 Kilo Geschosse ("M-Gerät") /
Sprengstoff Ladungen 100-410 Kilo ("M-Gerät")
Giftgas auf eine große Entfernung
Haubengranate zu 400 kg hatten wegen der ballistischen Form eine etwas größere Reichweite
Reichweite:
9.300m - 12250m (1917)
("M-Gerät") / 9 - 14,7 Kilometer ("Gamma-Gerät")
Projektilgeschwindigkeit:
400 m/s
Rohrerhöhung:
40 und 60 Grad
 
Bedienmannschaft:
285 Soldaten
Schussfrequenz:
8 Schuss pro Stunde
Kosten:
1 Millionen Reichsmark (Heute: ca. 100 Millionen Euro)
Kosten pro Schuss:
1.500 Reichsmark (Munition 1.000 - Abschreibung 500)
Auslegung:
Auf 2.000 Schuss (dann Rohr verschließen)

 

 

Einsatz

Anwendung

 

Der Ruf dieser "superschweren Kanone" ist vor allem auf die erste Zeit des Ersten Weltkriegs zurückzuführen. Vor allem ältere Forts der Belgier und Franzosen wurden von der "Dicken Bertha" zerstört. Später dann scheiterten die Projektile an dem armierten Stahlbeton, sodass sie für moderne Bunkeranlagen keine Gefahr mehr war.

Nach 1916 waren die Rohre ausgeschossen. Wegen der veralteten Technik kam es zu keinen Neuanfertigungen.
Als Ersatz wurden schon 1914 die österreichischen Mörser (30,5 cm - 23,014 t) von der OHL angefordert. Die Projektile dieser "leichteren" Kanone konnten jede Anlage durchschlagen.

 

Wochenschau Bericht über den Einsatz von "superschweren Kanonen"

 

Nach dem Krieg



Nach Kriegsende mussten alle 42 cm Geschütze vernichtet werden, wobei eine Waffe auf dem Kruppschen Versuchsgelände "übersehen" wurde. Dieses Geschütz setzte die Wehrmacht dann am 7. Juni 1942 beim Beschuss von Sewastopol und (angeblich) letztmalig bei der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto (1944) ein.

Zum Schluß

Schlussbemerkung



Die überschweren Steilfeuergeschütze waren nur unter massivem personellen und materiellen Aufwand zu betreiben. Die Entwicklung der Luftwaffe und Bomberflotten machten solche Geschütze dann überflüssig. Eine Staffel Stukas (Ju 87) kann bei nur einem Angriffsflug die stärksten Befestigungsanlagen knacken und bleibt dabei weit unter den Kosten einer "superschweren Kanone" des Kalibers "Dicke Bertha".
Trotzdem wurden "superschwere Geschütze" in den Schlachten des Zweiten Weltkriegs eingesetzt. So in Sewastopol, bei der Erstürmung der Festung. Eingesetzt wurden dort der Mörser "Gamma" (42,7 cm Kaliber), "Karl" (61,5 cm Kaliber) und natürlich dem "wahren" Geschütz "DORA" (80 cm Kaliber). Dieses Megageschoss mit 80 cm Kaliber war auf Eisenbahnwagons montiert und verschoss fünf Tonnen schwere Geschosse auf 45 Kilometer Reichweite.
Eines dieser Geschosse hatte ein sowjetisches Munitionsdepot in die Luft gejagt, welches 25 Meter tief im Feldgestein lag.
 

 

 

Abschussanimation des Geschützes DORA


Quellen

Zeitschrift: Militär und Geschichte, Nr. 48 /Dezember 2009
http://de.wikipedia.org/wiki/Dicke_Bertha (Letzter Zugriff 22.11.2009)
http://www.panzer-archiv.de/geschuetze/ ... eberta.htm (Letzter Zugriff 22.11.2009)
http://www.waffenhq.de/panzer/dickeberta.html (Letzter Zugriff 22.11.2009)
http://www.fl18.de/history/139/ (Letzter Zugriff 22.11.2009)
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Dicke_Bertha.html (Letzter Zugriff 22.11.2009)
http://forum.panzer-archiv.de/viewtopic.php?t=6917 (Letzter Zugriff 22.11.2009)
http://www.worldwar1.com/heritage/bbertha.htm (Letzter Zugriff 22.11.2009)



Autor: Freiherr von Woye