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Das Thema

U-Deutschland


 

 


 

Die Deutschland (umgangssprachlich auch U-Deutschland) war ein erfolgreiches deutsches Handels-Uboot aus dem Ersten Weltkrieg, das später unter dem Namen S.M. U 155 erfolgreich als U-Kreuzer fungierte.

 

Technische Daten der U-Deutschland

 


 
Technische Daten Handels Uboot Deutschland
 
Schiffsnamen Deutschland, S.M. U 155
Klasse U151
Bauwerften Flensburger Schiffbaugesellschaft (Druckkörper), Germaniawerft Kiel (Fertigbau)
Stapellauf 28. August 1916
Verbleib: Abgebrochen in Morecambe, 1922
Vermessung 791 BRT
Besatzung 29 Mann
Antrieb Zwei Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotoren
Maschinenleistung 800 PS
Aktionsradius 12.000 sm
Nutzlast 1.000 t

Produktion

Baugeschichte:




Am 8. November 1915 wurde von dem Bremer Großkaufmann Alfred Lohmann, der Deutschen Bank und der Reederei Norddeutscher Lloyd die Deutsche-Ozean-Reederei gegründet. Noch bei der Gründung wurde ein Frachter-Uboot (oder auch frachttragendes Uboot), die Deutschland, in Auftrag gegeben; der Zweck war, die britische Blockade zu durchbrechen, um Handelsgüter in den USA kaufen zu können (hierbei ist jedoch anzumerken, dass, da es für die amerikanischen Händler ja ungünstig gewesen wäre, Deutsche Mark zu erhalten, hier eher eine Art Tauschgeschäft betrieben wurde). Die Deutschland, die von Oberingenieur Rudolf Erbach gebaut und konstruiert worden war, wurde am 28. März 1916 in das Handelsschiffsregister eingetragen (Anm.: Handels-Uboote galten als Handelsschiffe, da sie unbewaffnet waren und lediglich Handel trieben. Sie sind daher zivile Fahrzeuge mit einer zivilen Besatzung und genossen damit den völkerrechtlichen Schutz als Handelsschiff). Es wurden auch noch sechs weitere Uboote dieser Klasse in Auftrag gegeben, welche allerdings aufgrund des Kriegseintritts der USA und der weiter verstärkten britischen Blockade bis auf die Bremen alle zu U-Kreuzern umgebaut wurden.
Die Deutschland wurde am 19. Februar 1917 bei der deutschen Marine (als S.M. U 155) in Dienst gestellt. Die Baukosten hatten ca. 4. Millionen Reichsmark betragen.

Einsatz

Die erste Reise:


 

Die Deutschland lief am 23. Juni 1916 zu ihrer ersten Fahrt aus. Sie hatte 163 t Farbstoffe (z.B. Alizarin) und pharmazeutische Rohstoffe (Slavarsan - eine Arsenverbindung, die zu dieser Zeit für die Behandlung der Syphilis benötigt wurde) im Wert von ca. 60. Mio. RM sowie auch Briefe und Diplomatenpost an Bord. Da die amerikanische Chemieindustrie zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage war, die Stoffe selbst herzustellen, war sie auf Lieferungen aus dem Deutschen Reich angewiesen.
Am Abend des 8. Juli 1916 sichtete die Brückenwache die Lichter von Kap Henry. Kapitän Paul König, der vorher beim Norddeutschen Lloyd ein Handelsschiff geführt hatte, brachte das Boot mit Hilfe eines Lotsen, der inzwischen an Bord gekommen war, sicher in den Hafen von Baltimore, wo die Deutschland von den vor Anker liegenden Schiffen mit einem wilden Sirenengeheul begrüßt wurde. Sie übernahm dort ihre Rückladung, die aus 348 t Kautschuk, 341 t Nickel und 93 t Zinn bestand, überquerte den Atlantik erneut, passierte die britischen Bewacherketten und erreichte am 25. August 1916 Bremerhaven. Insgesamt hatte sie auf dieser Reise 8.450 sm, davon 190 getaucht, zurückgelegt. Der Gewinn der Ladung, die die deutsche Kriegsindustrie für mehrere Monate deckte, betrug ca. 17,5 Mio. Reichsmark; er überstieg die Baukosten also etwa um das Vierfache.


 

 


 

Die zweite Reise:


 

Am 14. Oktober 1916 lief die Deutschland ein zweites Mal mit einer Ladung von Farbstoffen, Chemikalien, Medikamenten, Wertpapieren, Edelsteinen und Post in Richtung der Vereinigten Staaten aus. Sie steuerte diesmal New London in Connecticut an, das sie am 1. November 1916 erreichte. Dort nahm sie die Rückladung an Bord, die diesmal aus 378 t Kautschuk, 188 t Nickel, 146 t Eisenlegierung, 76 t Zinn und Silberbarren (im Wert von etwa 140.000 Dollar) bestand. Die Rückreise nach Deutschland wurde allerdings ein wenig verzögert, da sie am 19. November 1916 bei der Abfahrt aus New London aufgrund eines ungeschickten Manövers von dem Hafenschlepper T.A. Scott gerammt wurde, sodass zuerst die Schäden repariert werden mussten. Die zweite Abfahrt erfolgte dann am 21. November desselben Jahres. Diesmal ging alles glatt, und am 10. Dezember 1916 kam die Deutschland unbehelligt in Bremerhaven an.


 

 

Verbleib

Verbleib:


 

Für die Deutschland war noch eine dritte Reise im Januar/Februar 1917, die sie wieder nach New London führen hätte sollen, geplant. Diese wurde jedoch aufgrund des Kriegseintritts der USA gestrichen. Die Besatzung musterte am 8. Februar 1917 ab, nachdem die Deutschland bereits vorher der Marine übergeben worden war. Am 10. Februar wurde die Deutschland aus dem Handelsschiffsregister gelöscht, und schließlich wurde die Deutschland am 19. Februar 1917 von der Kaiserlichen Marine als der U-Kreuzer S.M. U 155 übernommen.
Dieser versenkte auf seinen Fahrten 42 Schiffe mit 121.328 BRT und beschädigte ein weiteres Schiff mit 1.338 BRT. Am 24. November 1918 wurde S.M. U 155 an Großbritannien übergeben, wo es noch einige Jahre seinen Dienst tat, bis es 1922 schließlich in Morecambe abgebrochen wurde.


 

 


 

Der Verbleib des Schwesterbootes "Bremen":


 

Das Schwesterboot der Deutschland, die Bremen, ging bereits auf der Jungfernfahrt verloren. Es konnte bis heute nicht aufgeklärt werden, was genau mit ihr geschehen ist.
Sie verließ planmäßig am 21. August 1916 den Kieler Hafen, um kurz darauf noch Station in Helgoland zu machen. Vom Zeitpunkt des Aufbruchs der Bremen aus dem Helgoländer Hafen in Richtung Amerika hatte niemand mehr Kontakt mit diesem Boot. Es blieb verschollen. S.M. U 53 (Kptl. Rose) allerdings, das als "Geleitschutz" für die Bremen vorgesehen war (und dafür extra hatte umgebaut werden müssen, da es nicht genug Sprit-Fassungsvermögen besaß), erreichte die USA ohne Komplikationen, fand die Bremen aber dort nicht vor.
Kurze Zeit vorher allerdings wurde ein amerikanischer Funkspruch aufgefangen, der besagte, dass die Bremen versenkt worden sei (hierbei ist anzumerken, dass der britische Kreuzer Mantua eine Kollision mit einem Uboot-ähnlichen Objekt meldete - es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um die Bremen handelt; es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Bremen durch einen Minentreffer gesunken sei, was auch von den meisten Historikern angenommen wird, oder auch, dass sie bei einer Tauchpanne verloren ging).


 

 


Quellen

Wikipedia Deutsch - Deutschland (1917)

Buch: In die Tiefen der Meere, Von der ersten Taucherglocke zum modernsten Tieftauchboot - Pioniertaten der Meerestechnik und der Ozeanforschung, Franz Kurowski, © 1974 by Arena-Verlag Georg Popp Würzburg, ISBN 3401 03707 2



Autor: talesofvalor