1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 5.00 (1 Vote)


Das Thema

 

Das "Luftlande-Sturm-Regiment 1"
der Wehrmacht

 

" Die Luftlande-Fliegertruppe, hervorgegangen aus einer erst kurz vor dem 2. Weltkrieg aufgestellten Sondereinheit, wurde auf fast allen Kriegsschauplätzen - meist an Brennpunkten - eingesetzt. Sie hat erhebliche Opfer gebracht und sich hohen Ruhm erworben. Die Soldaten der Luftlandegeschwader, die einem sehr wechselnden Schicksal ausgesetzt waren, waren nicht nur begeisterte Flieger, sondern auch tapfere Einzelkämpfer und findige Techniker. Der nachfolgende Bericht beschreibt den Schicksalsweg der Luftlandetruppe und soll ihren Gefallenen zum Andenken gewidmet sein.
- Dr. Kieß - , - Raschke -
(aus: Die Verbände der Luftwaffe, 1935 -1945)

 

 


Enstehung

 

Entstehung

Im Rahmen der Entwicklung der Fallschirmjäger in der Wehrmacht kam es auch zur Entwicklung von Lastenseglern. Mit diesen sollten Truppen lautlos und punktgenau beim Feind angelandet werden und im Gegensatz zu den Fallschirmjägern, die sich nach dem Absprung erst sammeln mussten, sofort gefechtsbereit waren. Auch war die massierte Anlandung von Truppen in der unmittelbaren Nähe des Ziels positiv anzuerkennen. Aus der anfangs noch kleinen Gruppe von Unterstützern von Flugzeugkonstrukteuren und Offizieren des Reichsluftfahrtministeriums entwickelte sich, auch gegen den ablehnenden Druck der Fallschirmjäger, eine kräftige und starke Gruppe die die Entwicklung ermöglichten und voran trieben. So entstand am 02.11.39 eine Versuchs-Abteilung mit Namen "Versuchs-Abteilung Friedrichshafen". Sie wurde in Hildesheim stationiert. Nachdem man 1939, nach Anstoß durch Oberst Udet, die Entwicklung des Lastenseglers "DFS-230" beendet hatte sollte diese Einheit für den Einsatz damit ausgebildet werden. Ende Oktober 1939 gab es dann die erste große Besprechung. In diesem Rahmen erklärte General Student, Kommandeur der 7. Fliegerdivision, den anwesenden Offizieren den Einsatzplan. Hauptmann Koch ( Führer des Unternehmens ), Oberleutnant Witzig ( Führer der Pioniere ) und Leutnant Kieß ( fliegerische Durchführung ) sollten in einem Kommandounternehmen den Vormarsch der Wehrmacht nach Belgien ermöglichen. Bis kurz vor dem Einsatz beim Westfeldzug blieb der Name der Einheit unverändert, erst kurz vor dem Einsatz nannte man sie in "Sturmabteilung Koch" um. Sie bestand aus Soldaten verschiedener Truppenteile, dies waren Fallschirmjäger aus dem 1./FJR.1, der Pionier-Zug vom II./FJR.1 und Piloten die aus der 17./KG.z.b.V 5 kamen. Die Verbände der 17./KG.z.b.V 5 waren noch einmal unterteilt in Lastensegler- und motorisierte Schleppstaffel.


Ein im Landeanflug auf Kreta zerschellter Lastensegler DFS-230

Mehrere Monate übten diese Männer für ihren Einsatz. Dies geschah immer unter strengster Geheimhaltung, dies galt nicht nur gegenüber den Familien sondern auch gegenüber Soldaten anderer Einheiten der Wehrmacht. So kam es neben der militärischen Ausbildung sowie der taktischen Weiterbildung zu nächtlichen Schleppverbändsflügen und Dämmerungslandungen ebenfalls im Verband. Als der Westfeldzug begann waren die Männer ausgebildet, taktisch auf die Ziele geschult und hoch motiviert. Mit dem Einsatz in Eben-Emael und an den Brücken des Albert-Kanals in Belgien begann der erste Kampfeinsatz der Sturmabteilung Koch. Dieser wurde zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Daraus resultierend kam es zur Vergrößerung der Einheit. Ab August 1940 wurde sie auf 3 Bataillone vergrößert, zu Beginn des Jahres 1941 kam noch ein viertes Bataillon dazu. In dieser Gliederung nahm das Luftlande-Sturm-Regiment 1, so hieß es nun nach der Umstrukturierung, bei der Schlacht um Kreta teil. Mitte 1942 gliederte man das II. und III. Bataillon aus um daraus das II. und III. / Fallschirmjäger-Regiment 5 zu bilden. Im Februar 1943 entstand aus dem IV. Bataillon das II. / Fallschirmjäger-Regiment 6. Das I. Bataillon wurde im Januar 1944 zum I. / Fallschirmjäger-Regiment 12 umgegliedert. Damit existierte das Luftlande-Sturm-Regiment nicht mehr.


Fallschirmjäger bei einer Siegerparade anlässlich der Eroberung Kretas


Einsatz

 

Einsätze

Der erste Einsatz war im Rahmen des Westfeldzuges der Angriff auf das Sperrfort Eben-Emael und 3 Brücken über den Albert-Kanal. Dazu bildete man 4 Kampfgruppen, bestehend aus 14 Offizieren und 350 Unteroffizieren und Mannschaften, die dann mit ihren 42 Lastenseglern ihren Zielen entgegen flogen um sie einzunehmen und solange zu halten bis die Bodentruppen der Wehrmacht sie entsetzen konnten.
Sturmgruppe "Granit" hatte dabei Eben-Emael als Ziel. Die Einheit schaffte es mit Hilfe der neuen Hohlladungen die Bunker des Forts zu zerstören, Einbrüche zu erzielen und so die belgische Besatzung zur Kapitulation zu zwingen. Im Anschluss hielten die Luftlandetruppen das Fort bis sie durch andere Wehrmachtsteile erreicht wurden. Die zweite Sturmgruppe nannte man "Beton". Ihr Ziel war eine Brücke über den Albert-Kanal bei Vroenhoeven. Trotz einiger Schwierigkeiten, ein Lastensegler musste notlanden und ein anderer wurde abgeschossen, konnte die Brücke genommen und gehalten werden. Sturmgruppe "Eisen" war die dritte Einheit die zum Einsatz kam. Sie sollte die Brücke über den Albert-Kanal bei Canne in Besitz nehmen. Diese Gruppe hatte die größten Verluste an Männern zu beklagen und konnte auch die Brücke nicht einnehmen. Noch im Landeanflug wurde die Brücke durch eine Fernzündung gesprengt. Trotzdem kämpften die Fallschirmjäger den Bereich um die Brücke frei umso den nachfolgenden Heeresverbänden ein schnelles Übersetzen zu gewährleisten. Die Brücke bei Veldwezel war das Angriffsziel der vierten Sturmgruppe. Sie hieß "Stahl" und konnte das gesetzte Ziel erreichen. Auch hier konnten die Gegenangriffe abgewehrt werden und die Brücke solange gehalten werden bis die Heeresverbände die Luftlandetruppen entsetzen konnten. Nach den Kämpfen sammelten sich die Angehörigen der Sturmabteilung Koch in Maastricht.


Einige der Helden von Eben-Emael.
( 2.v.l. Oberleutnant Witzig, 3.v.l. Hauptmann Koch )

Nach der Umstrukturierung in das Luftlande-Sturm-Regiment 1 kam der Einsatz auf dem Festland von Griechenland. Am 26.04.1940 kam ein verstärkter Fallschirmpionierzug am Isthmus von Korinth zum Einsatz um dort einen Übergang über den Kanal von Korinth zu erobern. Der Einsatz wurde erfolgreich abgeschlossen und der nächste folgte sofort.

Am 20.05.1940 starteten 60 Schleppzüge, bestehend aus Ju-52 und DFS-230, in Richtung Kreta. Bei der "Operation Merkur" sollten die Luftlandetruppen in Lastenseglern und Transportmaschinen auf dem Flugfeld bei Malemes anlanden und dieses halten bis in einer neuen Welle weitere Truppen angelandet werden konnten. Aufgrund der schweren Gegenwehr dauerte es etwas bis die Ziele erreicht wurden und weitere Truppen so in den Kampf geworfen werden konnten. Die Zielerreichung kostete vielen Angehörigen des Luftlande-Sturm-Regimentes das Leben, war aber eine wichtige Voraussetzung um Kreta einnehmen zu können. Es hatte sich aber gezeigt das durch eine fehlende Geheimhaltung, die Alliierten waren durch abgefangene Funksprüche gewarnt, der Überraschungseffekt fehlte und so hohe Verluste zu beklagen waren.

Nach Abschluss dieser Operation ging es dann an die Ostfront. Dort wurde die Einheit dann als Feuerwehr an verschiedensten Punkten der Front eingesetzt. Ein gemeinsamer Einsatz des Regiments an der Ostfront fand nicht statt. Aber auch als Feuerwehr konnten die Luftlandesoldaten voll überzeugen. Aber durch die immer näher kommende Reichsgrenze war auch das Ende für die Luftlandetruppe gekommen. Nach der schrittweisen Auflösung der Einheit kamen die Soldaten in anderen Divisionen der Fallschirmjägertruppe zum Einsatz wo ihnen ihre Erfahrungen aus dem Luftlande-Sturm-Regiment sehr nützlich waren. Auch konnten sie hilfreich bei der Ausbildung von neuen Fallschirmjägern unterstützen.

Ein markanter Einsatz der Luftlandetruppen war noch einmal "Operation Eiche". Beim diesem Kommando-Unternehmen wurde, unter Führung von Otto Skorzeny ( ein Offizier der Waffen-SS und Spezialist von Kommando-Einsätze), am Gran Sasso d’Italia der abgesetzte Diktator Benito Mussolini aus der Gefangenschaft der italienischen Regierung Badoglio befreit. Die Lastensegler brachten dabei die Luftlandetruppen zu ihrem Einsatzort wo der Ducé befreit werden konnte und dann mit einem Fiesler 156 ausgeflogen werden konnte. Durch die Geheimhaltung war wieder ein Überraschungsangriff möglich gewesen und ohne viel Gegenwehr könnte das Ziel erreicht werden.


Ein Sperrwerk von Eben-Emael. Hier ist die Größe der Bunker gut zu erkennen im Gegensatz zu den Soldaten davor.


Kommandeure

 

Kommandeure

Major Koch war der Kommandeur zu Zeiten der "Versuchs-Abteilung Friedrichshafen" und beim Angriff an der Westfront wo die Sturmabteilung auch seinen Namen trug. Mit der Vergrößerung zum Regiment übernahm Generalmajor Eugen Meindl das Kommando, Major Koch wurde der Chef des I. Bataillons. Generalmajor Eugen Meindl blieb bis zur Auflösung des Regiments der Kommandeur. Sein Vertreter war, zum damaligen Zeitpunkt Oberst, Bernhard Ramcke. Als Meindl beim Angriff auf Kreta schwer verletzt wurde führte Ramcke das Regiment bis zur Genesung des Kommandeurs.


Quellen

"Die Verbände der Luftwaffe 1935-1945", Wolfgang Dierich, Motorbuch-Verlag, (1977)
"Fallschirmjäger", Chris McNab, Kaiser-Verlag, ISBN: 3-7043-6051-1
"Deutsche Fallschirmjäger im 2. Weltkrieg", Franz Kurowski, Tosa-Verlag, ISBN: 3-85001-475-4

Autor: panzermeyer