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Einleitung

Einleitung

Eine Heeresgruppe (Abkürzung HGr; taktisches Zeichen XXXXX) ist die Zusammenfassung mehrerer militärischer Großverbände (Armee, Armeegruppe) unter einem einheitlichen Oberkommando. Diese Art der Großverbände kam vor allem in der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges zum Einsatz, heute sind sie eher formaler Natur bzw. existieren nun in Planspielen und dem Papier.
Das deutsche Heer war, wie in vielen militär-organisatorischen Elementen des zwanzigsten Jahrhunderts, auch hier Vorreiter und wurde mit dieser Organisationsform Vorbild für großangelegte Operationen bzw. überlangen Frontlinien in einem Zweifrontenkrieg. Andere Staaten kopierten diese Strukturen dann und wendeten Sie vor allem bei der Invasion Europas bzw. den großangelegten Offensiven der Roten Armee im Osten an.
Im Laufe des Krieges wurden insgesamt fünfzehn Heeresgruppen gebildet, die zum Teil mehrfach umbenannt bzw. neu aufgestellt wurden. Die "Heeresgruppe Süd" oder "Heeresgruppe Nord" beziehen sich weniger auf einen bestimmten, zusammengestellten Großverbänden, sondern sind eher territoriale Organisationsformen. Zu Kriegsbeginn bestanden die Heeresgruppen Nord und Süd an der deutschen Ostgrenze für den Einmarsch in Polen und die Heeresgruppe C als Deckungsgruppe an der deutschen Westgrenze. Zu Beginn des Westfeldzuges bestanden die Heeresgruppen A, B und C, alle im Westen. Zu Beginn des Russlandfeldzuges waren im Osten die Heeresgruppen Nord, Mitte und Süd aufmarschiert, während im Westen die Heeresgruppe D verblieb.


Taktisches Zeichen für Heeresgruppen


Historisches

Historie der Heeresgruppen

Die Massenheere des Ersten Weltkriegs machte eine neue Organisationsstruktur notwendig, denn die damaligen nachrichtentechnischen Mitteln (nach der Mobilmachung), von mehr als 3,9 Millionen Menschen, aus einer einzigen Zentralinstanz heraus zu befehligen erwies sich als nicht durchführbar. Die Oberste Heeresleitung (OHL) konnte so das Heer nicht mehr mittels direkter Anweisungen an die einzelnen Armeeoberkommandos führen, sondern die Armeen im Feld neu organisieren. Der moderne Nachrichtendienst, mittels Fernsprecher und Telegrafie, mochte da einen wesentlichen Fortschritt dargestellt haben, doch war es ein zeitaufwändiges Unterfangen bei Durchlaufen der verschieden Instanzen in den unterschiedlichen Kommandostäben. Im Falle das mehrere Armeen an einem Kriegsschauplatz zusammen im Kampf standen, war eine Koordination zwangsläufig mit Verzögerungen, Missverständnissen und Misserfolgen in der Führung verbunden. Dieser Umstand machte es notwendig, dass die Strategen auf eine weitere Untergliederung auf höchster Ebene zurückgriffen - die Zusammenfassung von Armeen bzw. Unterstellung dieser in Heeresgruppen. Diese hatten dann jeweils eine eigene Führung, verkürzten die Befehlswege dramatisch und ließen den Kommandeuren vor Ort eine größeren Spielraum. Diese Zwischeninstanzen, direkt unter der OHL, ermöglichten eine effiziente Organisation auf den verschiedenen Schlachtfeldern.
Die Heeresgruppen hatten sich bewiesen und ihre Kommandeure konnte nun ihre Befehlsgewalt zeitnah umsetzen. Es gefiel den Strategen der Reichswehr sogar so gut, dass nach dem Ersten Weltkrieg die verkleinerte Reichswehr diese Strukturen beibehielt. Es existierten zwei Gruppenkommandos, später sechs Heeresgruppenkommandos, die allerdings eher den Charakter von Armeeoberkommandos trugen, da ihnen lediglich Divisionen unterstanden. Dennoch ließen diese eine erneute Vergrößerung, Möblierung und Aufrüstung sehr schnell umsetzen.

 

Die Heeresgruppen verlieren nach 1943 ihre Funktion und Wirkung, denn in den beiden letzten Kriegsjahren zeigten die deutschen Landstreitkräfte ein unübersichtliches Bild. Sie haben vor allem ihre Einheitlichkeit verloren, welche noch im Kaiserreich und auch in der Zeit der Weimarer Republik bis zum Schluss in den Grundfesten verankert war bzw. auch die Wehrmacht in den ersten zwei Jahren noch auszeichnete. Die Blitzkriege waren vor allem ein Resultat dieser einheitlichen und effizienten Struktur, dabei sind vor allem die Beweglichkeit und die Einheitlichkeit in den Großverbänden auf der Strecke geblieben. So kämpften während der letzten Kriegsmonate die SS-Divisionen nicht mehr isoliert in eigene Korps, unter dem Befehl von Männern wie Gilles oder Dietrich, sondern werden, vermischt mit Heeresdivisionen, SS-Armeen oder gar Heeresgruppen zusammengefasst.


 
Oberbefehlshaber
Generaloberst Fedor von Bock Aufstellung - Umbenennung
 
nach Wiederaufstellung 1941:
Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb Aufstellung
  Generalfeldmarschall Georg von Küchler 17. Januar 1942 -
  Generalfeldmarschall Walter Model 9. Januar 1944 -
  Generaloberst Georg Lindemann 31. März 1944 -
  Generaloberst Johannes Frießner 4. Juli 1944 -
  Generaloberst Ferdinand Schörner 25. Juli 1944 -
nach Wiederaufstellung 1942:
Generaloberst Dr. Lothar Rendulic 27. Januar 1945 -
  Generaloberst Walter Weiss 12. März 1945 -


Die Heeresgruppe

Heeresgruppe Nord

So wurde der Zweite Weltkrieg das Paradebeispiel der neuen Form der Heeresgruppen auf dem Schlachtfeld. Im Beispiel der Heeresgruppe Nord, welche am 2. September 1939 durch Umbildung aus dem Armeeoberkommando 2, aufgestellt wurde. Für einen schnelle Vormarsch wurden hier die vielfältigen Einheiten zusammengelegt und im Norden der Front unter zentraler Leitung eingesetzt. Nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde sie in den Westen verlegt und am 10. Oktober 1939 in Heeresgruppe B umbenannt.


Auf vorgeschobenem Beobachtungsposten.
Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb, und der Oberbefehlshaber der 18. Armee, Generaloberst von Küchler auf einer vorgeschobenen Beobachtungsstelle der Artillerie (Generalfeldmarschall Ritter von Leeb, OB. der Heeresgruppe Nord, und Generaloberst von Küchler, OB. der 18. Armee)

Mag sich auch der Name geändert, so blieben die Grundstrukturen der Heeresgruppe Nord bestehen. So wurden die Einheiten am 20. Juni 1941 wiederholt zusammengezogen, unter eine Führung gestellt und mit Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion, als Heeresgruppe C, neu formiert. Ihren Namenszusatz Nord resultiert dabei aus dem Einsatzgebiet, nämlich der Frontabschnitt und die Vorstoßlinie in Nordrussland. Hier konnte die Heeresgruppe entscheidende Erfolge erzielen, eroberte Ende August die estnische Hauptstadt Tallinn und belagerte Leningrad (Leningrader Blockade). Im Jahre 1944 wurde sie nach Kurland zurück gedrängt, wo sie am 25. Januar 1945 in Heeresgruppe Kurland umbenannt wurde. Am selben Tag wurde in Ostpreußen durch Umbenennung der Heeresgruppe Mitte eine neue Heeresgruppe Nord aufgestellt. Am 2. April 1945 wurde sie aufgelöst, und ihr Stab bildete danach das Armeeoberkommando 12 (AOK 12).

 
"Heeresgruppe Nord hat die Aufgabe, die im Baltikum kämpfenden feindlichen Kräfte zu vernichten und durch Besetzung der baltischen Häfen, anschließend durch Besetzung von Leningrad und Kronstadt, der russischen Flotte ihre Stützpunkte zu entziehen.
Im Rahmen dieser Aufgabe fallen nach näheren Weisungen des Oberkommandos der Heeresgruppe Nord den Armeen folgende Aufgaben zu: 18. Armee durchbricht die vor ihr stehenden Feindkräfte mit Schwerpunkt an und ostwärts der Straße Tilsit-Riga, schneidet die südwestlich von Riga stehenden Teile des Feindes durch rasches Vortreiben der Masse ihrer Kräfte über die Düna bei und unterhalb Stockmannsdorf ab und vernichtet sie. Weiterhin wird es ihre Aufgabe sein, durch rasches Vordringen gegen die Linie Ostrow-Pakow ein Entkommen russischer Kräfte südlich des Peipus-Sees zu verhindern und nach Weisung der Heeresgruppe Nord - gegebenenfalls im Zusammenwirken mit schnellen Kräften nördlich des Peipus-Sees - Estland vom Feind zu säubern. Für die Besetzung der baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon sind alle Vorbereitungen so zu treffen, daß, sobald es die Lage erlaubt, eine überraschende Durchführung möglich ist.
Der Kriegsmarine fällt unter Beibehaltung des Einsatzschwerpunktes gegen England die Aufgabe zu, bei Sicherung der eigenen Küste ein Ausbrechen feindlicher Seestreitkräfte aus der Ostsee zu verhindern. Hierbei sollen bis zur Wegnahme von Leningrad als letztem Stützpunkt der russischen Ostseeflotte größere Seeoperationen vermieden werden. Nach dem Ausschalten der russischen Flotte hat die Kriegsmarine die Aufgabe, den vollen Seeverkehr in der Ostsee - auch für den Nachschub des östlichen Heeresflügels - sicherzustellen."

Heeresgruppe Nord
Oberbefehlshaber GFM Ritter von Leeb
Aufmarschanweisung vom 31. Jan. 1941 im Zuge der Planung der Operation Barbarossa für die Heeresgruppe Nord

 

 
Heeresgruppen-Truppen
 
Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 537
Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 639 (2. Aufstellung)
Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 537
 
Unterstellte Einheiten
  Datum unterstellte Armeen
1939
September 1939 3. Armee, 4. Armee
1941–1945
Juni 1941 16. Armee, 18. Armee, Panzergruppe 4
  Oktober 1941 16. Armee, 18. Armee
  September 1942 11. Armee, 16. Armee, 18. Armee
  Dezember 1942 16. Armee, 18. Armee
  März 1944 Armee-Abteilung Narwa, 16. Armee, 18. Armee
  September 1944 16. Armee, Armee-Abteilung Grasser, 18. Armee
  November 1944 16. Armee, Armee-Abteilung Kleffel, 18. Armee
  Dezember 1944 16. Armee, 18. Armee
  Januar 1945 Umbenennung der Heeresgruppe Mitte in Heeresgruppe Nord
  Februar 1945 Armee-Abteilung Samland, 4. Armee


Einatz

Operationen und Kämpfe

Mit Mobilmachung am 26. August 1939 wurde aus dem bisherigen Heeresgruppenkommando 2 in Frankfurt am Main das Oberkommando der neuformierten "Heeresgruppe C" gebildet, als Führungsinstanz für die deutschen Truppen an der Westfront. Nach Verlegung der Heeresgruppen Nord und Süd (als A und B) im Oktober 1939, ebenfalls in den Westen wurde die Heeresgruppe C auf den Südteil der Westfront beschränkt (Oberrhein, Pfalz) und ab Beginn des West-Feldzuges am 10. Mai 1940, erfolgte ihr Einsatz als südlicher Flügel der deutschen Truppen, mit Durchbruch durch die Maginotlinie.
Am 25. Oktober 1940 erfolgte die Rückverlegung nach Deutschland, ab dem 20. April 1941 unter der Tarnbezeichnung "Abschnittstab Ostpreußen" weiter nach Ostpreußen. Hieraus entstand am 20. Juni 1941 das Oberkommando der neuformierten "Heeresgruppe Nord". Die Heeresgruppe Nord wurde im Rußland-Feldzug ab dem 22. Juni 1941 in Nordrußland eingesetzt, mit Belagerung Leningrads ab September 1941. Im Laufe des Jahres 1944 erfolgte der Rückzug der Heeresgruppe nach Kurland und dort am 25. Januar 1945 die Umbenennung in "Heeresgruppe Kurland", die bis zur Kapitulation bestehen blieb.

 

Die Operation der Heeresgruppe lassen sich kurz zusammenfassen. Mit ihrer erstmaligen Zusammensetzung konnte man im Polenfeldzug das Ziel des Angriff aus Ostpreußen und Pommern Richtung Süden Übergang bzw. den über die Weichsel erfolgreich und nach Plan erledigen. Die Kämpfe in der Tucheler Heide und der Kampf um Danzig wurden fast ausschließlich von der Heeresgruppe durchgeführt und beendet. Mit dem Jahr 1941 kam der Ostfeldzug und die Kämpfe nahmen weit mehr Raum, längere Versorgungswege und eine Abdeckung eines Frontabschnittes, der um ein Vielfaches größer war als beim Polenfeldzug. Natürlich wurde die Aufstellung der Heeresgruppe dahingehend angepasst, doch war es vor allem die schlecht ausgerüstete Rote Armee und falsche Vorbereitung ihrer Führung, die den Erfolg der Heeresgruppe Nord begünstigten.
Der Ostfeldzug begann für die Heeresgruppe mit Grenzkämpfen in Litauen, gefolgt vom Vorstoß über die Düna, welche mit der Eroberung von Riga erfolgreich abgeschlossen wurde. In den folgenden Wochen kam es zu Kämpfen zwischen Düna und Welikaja, die bewältigt werden musste, aber ebenso durch die Eroberung Estlands seinen Abschluss fanden. Anschließend sind, von einigen Scharmützeln einzelner Einheiten, die Schlacht um Dorpat und Reval zu nennen. Vor allem die historische Geschichte des Deutschen Ordens wurde durch die Heeresgruppe nachvollzogen, nicht nur durch ihre Vormarschroute, sondern auch die historischen wichtigen Schlachtfelder. Dieser Tradition folgend, nahm die Heeresgruppe die Symbole des deutschen Ordens sind ihr Abzeichen mit auf. Auch die Kämpfe südlich des Ilmensees fallen in die Geschichte der Kämpfe des Ordens mit den Russen einige Jahrhunderte früher. Doch drang die Heeresgruppe mit ihren Verbänden weit tiefer in die Weiten Russlands vor, als der Deutsche Orden es konnte und auch wollte. Die Schlacht um Staraja Russa und an Lowat und Pola, reihten sich mit dem Vorstoß ostwärts des Peipus-Sees an die Narwa und der Schlacht bei Nowgorod in eine beachtliche Siegesserie ein. Man übertrat nun die historischen Grenzen des Ordensstaates und Hitler war stolz auf die Heeresgruppe bzw. dessen Erfolge. Es folgten der Durchbruch durch die Luga-Stellung und der Vorstoß zur Newa bzw. zum Ladogasee. Die Heeresgruppe hat damit das erste Endziel ihres Ostfeldzuges erreicht und stand nun vor Leningrad. Von nun an machte die Politik die Führung der Heeresgruppe aus und die Kämpfe vor Leningrad, im Raum Oranienbaum und im Waldai-Gebiet, sollten durch eine Belagerung die Aufgabe der Stadt erzwingen. Dafür wurden die baltischen Inseln erobert, der Vorstoß auf Tichwin-Wolchowstroy und Peterhof erfolgreich durchgeführt und Abwehrkämpfe am Wolchow bestanden.

 

In den Jahren 1942/1943 ging es wieder rückwärts für die erfolgsverwöhnte Heeresgruppe Nord, musste Sie sich doch in den Verteidigungskämpfen und Kessel von Demjansk beweisen. Dazu kamen die Kämpfe im Raum Staraja Russa, bei Cholm und Newel auf ihrem stetigen Rückzug. Im Fachjargon der Führung in Berlin sollte die Heeresgruppe nur „Front verkürzende“ Maßnahmen durchführen, waren aber faktisch dem Feind nicht mehr ebenbürtig im Kampf- Die Abwehr der russischen Wolchow-Offensive fand nur ein ganz anderes Ende als noch 1 ½ Jahre zuvor. Ebenso die Abwehrschlachten südlich des Ladogasees, südlich des Ilmensees, bei Pustoschka, Ostroff, Pleskau, Opotschka, Nowgorod und Narwa.

 

 

 
02.09.1939 Aufstellung für den Polenfeldzug durch Umbildung des Armeeoberkommandos 2
(früher Heeresgruppenkommando 1 Berlin)
Anfang
Oktober 1939
Verlegung nach Ende des Polenfeldzuges in den Westen
10.10.1939 Umbenennung in Oberkommando Heeresgruppe B
20.06.1941 Umbenennung des "Abschnittstabes Ostpreußen", die Tarnbezeichnung für die Heeresgruppe C, in Heeresgruppe Nord
25.01.1945 Umbenennung in Heeresgruppe Kurland
25.01.1945 Heeresgruppe Mitte wird Heeresgruppe Nord
25.01.1945 Heeresgruppe Mitte wird Heeresgruppe Nord
02.04.1945 Auflösung, Stab findet Verwendung bei der Aufstellung
des Armeeoberkommandos 12 im Reich


Das Ende

Das Ende in Kurland

Das Jahr 1944 geht als einzige Abwehr- und Rückzugsschlacht in die Annalen der Heeresgruppe ein. Die russische Sommeroffensive im Jahre 1944 überrollte die baltischen Länder und somit auch die Heeresgruppe Nord. Die Verbände musste, nur schlecht versorgt, kaum mit frischen Einheiten bedacht und in schlechter strategischer Situation, die Kämpfe um Modon, an der Düna, um Riga und Mitau über sich ergehen lassen. Bis dahin schlug man sich dennoch wacker, doch mit der 1. bis 3. Kurlandschlacht war es mit der Heeresgruppe als einheitlicher Truppenkörper vorbei. Der Einsatz der verschiedenen Teile war koordiniert nur noch schwermöglich, waren doch manche Einheiten nur noch ein Schatten ihrer selbst. Durch den Vorstoß der russischen 51. Armee zur Ostsee bei Polangen, am 10.10.1944, wurde die Heeresgruppe von der Heimat abgeschnitten. Ohne Versorgung und Unterstützung der anderen Heeresgruppen, die genug mit ihren Frontabschnitten zu tun hatten, war die Heeresgruppe als militärisch, operativer Begriff bzw. in der praktischen Umsetzung des Zweiten Weltkrieges nicht mehr zu halten.
Im Jahre 1945 verschwimmen die Führungen und Heeresgruppen, so wird die frühere HG Mitte zur HG Nord und muss sich in der Winterschlacht in Ostpreußen beweisen. Nur durch die kampferprobten Soldaten, das ihnen gesonnene Gelände und sporadischer Versorgung über die Ostsee, kann sich die Heeresgruppe in den Abwehr- und Rückzugskämpfe in Ostpreußen halten. Die Kämpfe im Kessel von Heiligenbeil, um Königsberg und im Samland bilden das Ende der Heeresgruppe bzw. dessen untergeordneten Einheiten. Ohne einheitliche Führung, genügend Versorgung und vor allem einen sinnvollen militärischen Einsatz, in einem bereits 1943 verlorenen Krieg, wird die Heeresgruppe bzw. dessen Heeresgruppenkommando am 2.4.1945 aufgelöst und durch das Armeeoberkommando 12 im Reich ersetzt. Eine autarke Führung vor Ort ist nicht mehr nötig, noch weniger haltbar und hat bei den noch wenigen vorhandenen Soldaten bzw. den nur noch auf dem Papier existierenden Einheiten, keinen Sinn mehr.

 

"Der letzte Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Großadmiral Dönitz, forderte am 3. Mai per Funkspruch die Heeresgruppe Kurland auf, sich der veränderten Lage im Reich anzupassen. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Truppenteile aus Kurland - wie auch aus den ost- und westpreußischen Räumen - schnellstmöglich zum Abtransport bereitgestellt werden mussten. Die Verladung der abzuziehenden Truppen war nur mit leichten Infanteriewaffen vorgesehen. Das übrige Material sollte zurückgelassen und vernichtet werden. Die Heeresgruppe erhielt die Operationsfreiheit, die Hauptkampflinie in vorgeschobene Brückenköpfe um die Hafenstädte Liepaja (Libau) und Ventspils (Windau) zurückzuführen. Der Befehl zur Rücknahme der Heeresgruppe Kurland konnte allerdings von Generaloberst Hilpert nicht mehr erteilt werden, da es schlicht und ergreifend am nötigen Transportraum zur Durchführung dieses Unternehmens mangelte. Es ergingen lediglich die Anordnungen, dass sich die 18. Armee auf die Vartaja-Stellung und die 16. Armee sich über Tukums in Richtung Norden zurückziehen sollten. Die Grenadier-Regimenter 189 und 174 (81. Inf.-Div.) waren die letzten Einheiten, die auf diesem Wege durch Tukums zogen."

In den letzten Monaten des Krieges bekam die Heeresgruppe Nord noch einmal einen neuen Namen wie Aufgabe. Die nun umbenannte Heeresgruppe Kurland, ab 25. Januar 1945, sollte den Vorstoß der Roten Armee an die Ostseeküste bei Memel stoppen und die Front dort neu etablieren helfen. Diese Pläne und militärische Aufgabestellung erwiesen sich aber schnell als Illusion, denn die Heeresgruppe Nord war bereits ab dem 20. Oktober 1944 im sogenannten Kurland-Kessel eingeschlossen. Wir hatten es hier also im besten Falle mit einem sich bewegenden Kessel zu tun, der nun nicht mehr einen ganzen Frontabschnitt darstellen konnte, sondern nur die Region, in der er den „heroischen Kampf um das Reich führen sollte.“ Der Willen und die Historie der Heeresgruppe Nord, die unter dem neuen Namen Kurland weiter an vergangene siegreiche Zeiten festhielt, wurden am 20. April 1945 auf einer eigenen Briefmarke festgehalten. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945, sollte an diesem Abwehrkampf der Heeresgruppe Kurland, nach Ansicht der Führung vor Ost, nichts ändern. Die Überbleibsel der Heeresgruppe Nord/Kurland galten als eine der letzten intakten Kampfeinheiten Deutschlands und wollten sich diese Möglichkeit als Freikorps, nach Art der entsprechenden Einheiten von 1919, bewahren. Dies wurde aber durch die Sowjetunion verhindert und der letzte Oberbefehlshaber Generaloberst Carl Hilpert kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft nach Sibirien und Moskau, wo er dann starb.

 

Die Rolle in den letzten Kriegstagen der Heeresgruppe wird durch das eigene, von Hitler gestiftete, Ärmelband Kurland noch unterstrichen. Am 12. März 1945 wurde dieses breite, schwarz geränderte Band als Kampfauszeichnung verliehen. Besonders daran war der silbergrau-weißen Grund die schwarze Inschrift KURLAND zwischen zwei Wappenschildern, welche den Symbolen des Deutschen Orden angepasst sind und Traditionslinien mit den Waffenbrüdern aus einer anderen Seite, auf gleichem Schlachtfeld, ziehen soll. Es sollte an alle Soldaten der Heeresgruppe Kurland verliehen werden, welche mindestens drei Monate an Kämpfen gegen die Rote Armee teilgenommen haben, an drei der insgesamt sechs Schlachten in diesem Gebiet aktiv beteiligt waren oder durch eine Verwundung sich die Auszeichnung verdient hatte.

 
"Als vorgeschobenes Bollwerk fesselten unsere Armeen in Kurland unter dem bewährten Generalobersten Hilpert monatelang überlegene Schützen- und Panzerverbände und erwarben sich in sechs großen Schlachten unvergänglichen Ruhm. Sie haben jede vorzeitige Übergabe abgelehnt. In voller Ordnung wurden mit den nach Westen noch ausfliegenden Flugzeugen nur Versehrte und Väter kinderreicher Familien abtransportiert. Die Stäbe und Offiziere verblieben bei ihren Truppen. Um Mitternacht wurden von der deutschen Seite, entsprechend den unterzeichneten Bedingungen, der Kampf und jede Bewegung eingestellt…"
Der letzte Abschnitt dieses Berichtes lautete: "Die Wehrmacht gedenkt in dieser schweren Stunde ihrer vor dem Feind gebliebenen Kameraden. Die Toten verpflichten zu bedingungsloser Treue, zu Gehorsam und Disziplin gegenüber dem aus zahllosen Wunden blutenden Vaterland!"

Der letzte Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht vom 9. Mai 1945