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Das Thema

 

Heeresgruppe Mitte


General Hoepner und oben rechts das Logo der Heeresgruppe Mitte

„Die Forschung wird sich noch eingehend mit den Gründen des Zusammenbruchs der Heersgruppe Mitte befassen, deren Chef des Stabes, Tresckow, die Seele der militärischen Verschwörung war. Das Ausmaß dieser Katastrophe ist weit größer als die Tragödie von Stalingrad: der Truppenbestand einer Heeresgruppe, die Ausrüstung für zwei Heeresgruppen sind einfach verschwunden. Der Wegfall dieser Rüstung wird nicht mehr aufzuholen sein.“
Malte Plettenberg, der Verfasser des Buches „Guderian, Hintergründe des deutschen Schicksals 1918 bis 1945“


Enstehung

Entstehung der Heeresgruppe Mitte

 

 

Eine Heeresgruppe ist die Zusammenfassung mehrerer militärischer Großverbände (Armee, Armeegruppe) unter einem einheitlichen Oberkommando. Diese Art der Großverbände kam vor allem in der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges zum Einsatz, heute sind sie eher formaler Natur bzw. existieren nun in Planspielen und dem Papier.
Das deutsche Heer war auch hier Vorreiter und wurde mit dieser Organisationsform Vorreiter für großangelegte Operationen bzw. überlangen Frontlinien in einem Zweifrontenkrieg. Im Laufe des Krieges wurden insgesamt fünfzehn Heeresgruppen gebildet, die zum Teil mehrfach umbenannt bzw. neu aufgestellt wurden. Die "Heeresgruppe Süd" oder "Heeresgruppe Nord" beziehen sich weniger auf einem bestimmten, zusammengestellten Großverband, sondern sind eher territoriale Organisationsformen. Zu Kriegsbeginn bestanden die Heeresgruppen Nord und Süd an der deutschen Ostgrenze für den Einmarsch in Polen und die Heeresgruppe C als Deckungsgruppe an der deutschen Westgrenze. Zu Beginn des Westfeldzuges bestanden die Heeresgruppen A, B und C, alle im Westen. Zu Beginn des Russlandfeldzuges waren im Osten die Heeresgruppen Nord, Mitte und Süd aufmarschiert, während im Westen die Heeresgruppe D verblieb.
Die hier vorgestellte Heeresgruppe geht ursprünglich aus der Heeresgruppe B hervor, welche in zwei Feldzügen/Kriegsschauplätzen eingesetzt war (Westfeldzug und Russlandfeldzug) und immer dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellt. Die Heeresgruppe B geht am 12. Oktober 1939 aus der am Polenfeldzug aufgestellten Heeresgruppe Nord hervor, und sollte am kommenden Weltfeldzug (Fall Gelb) am Westfeldzug teilnehmen. Am 16. August 1940 erfolgte dann die Verlegung in den Osten (Ostpreußen) und die Umbenennung nach territorialen Bezug in Heeresgruppe Mitte. Dort nahm der Großverband am Fall Barbarossa teil. Die Einteilung Heeresgruppe B taucht noch einmal am 9. Juli 1942 an der sowjetischen Front auf, als die Heeresgruppe Süd zur Durchführung der geplanten Sommeroffensive (Fall Blau) in die Heeresgruppen A und B geteilt wurde. Dieses Heeresgruppe B und ihre Aufstellung hat keinen Bezug zur bestehenden Heeresgruppe Mitte.


Von Links: Busch, Ernst: Generalfeldmarschall, Oberbefehlshaber 16. Armee, Krebs, Hans: General der Infantrie, Hoßbach, Friedrich: General der Infanterie; Roman, Rudolf von Freiherr: General der Artillerie; Weiss, Walter-Otto: General, Generaloberst; Speth, Hans: General

„Die Anfangserfolge gegen die zwischen den inneren Flügeln der Heeresgruppen Süd und Mitte befindlichen Feindkräfte haben […] die Grundlage für eine entscheidungssuchende Operation gegen die vor der Heeresmitte stehende in Angriffskämpfen festgelegte Heeresgruppe Timoschenko geschaffen. Sie muß in der bis zum Einbruch des Winterwetters verfügbaren befristeten Zeit vernichtend geschlagen werden. Es gilt hierzu, alle Kräfte des Heeres und der Luftwaffe zusammenzufassen, die auf den Flügeln entbehrlich werden und zeitgerecht herangeführt werden können.“
Adolf Hitler

 

 
Oberbefehlshaber
22. Juni 1941 Generalfeldmarschall Fedor von Bock
19. Dezember 1941 Generalfeldmarschall Günther von Kluge
für kurze Zeit vor Weihnachten 1941: Oberst Günther Blumentritt
12. Oktober 1943 Generalfeldmarschall Ernst Busch
28. Juni 1944 Generalfeldmarschall Walter Model
16. August 1944 Generaloberst Georg-Hans Reinhardt
nach Wiederaufstellung 1945
17. Januar 1945 Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner
 
Chef des Generalstabes
1. April 1942 Generalmajor Hans von Greiffenberg / Aufstellung
1. April 1942 -
1. März 1943
Generalleutnant Otto Wöhler
1. März 1943 -
1. September 1944
General der Infanterie Hans Krebs
1. September 1944 - Umbenennung Generalleutnant Otto Heidkämper
nach Wiederaufstellung 1945
15. Februar 1945 Generalleutnant Wolfdietrich Ritter von Xylander / Aufstellung
17. Februar 1945 Kapitulation Generalleutnant Oldwig von Natzmer


Ostfeldzug

Weg durch die Weiten Russlands

 

 

Die Heeresgruppe Mitte war die mit Abstand stärkste der drei deutschen Heeresgruppen (Nord, Mitte, Süd), vor allem, weil sie gegen das Zentrum der Sowjetunion vorrücken sollte bzw. ihr die Aufgabe zukommen sollte Brest/Moskau zu erobern. Auf dem Weg Richtung des politischen Zentrums der Sowjetunion, bei dem Moskau als letzte große Hürde vor in der Frontmitte gesehen wurde, sollte zuerst Smolensk genommen werden und dann durch schnelle Vorrücken der Frontbereich Mitte in deutschen Besitz übergehen. Um diese umfangreiche Aufgabe zu bewältigen, wurde die HGM (Heeresgruppe Mitte) mehrmals aufgeteilt, was die Einkesselung großer Verbände der Roten Armee möglich machte. Der Nachteil war die Überdehnung des eigenen Frontbereichs, erschwerte Versorgungslage und Instandhaltungsvoraussetzung. Mit Ausweitung der Front konnten kaum noch Ersatzteile für die Instandhaltung bereitgestellt werden. Des Weiteren kam noch dazu, dass Hitler am 19. Juli 1941 in der Weisung 33 anordnete, die HGM in ihrer Gesamtheit Verbände zu entziehen und an die HG Nord und HG Süd abzustellen. Dadurch wurden die Erfolgschancen die sowjetische Hauptstadt Moskau zu erobern erheblich gesenkt, darum verstärkte man die HGM unter Generalfeldmarschall von Bock nachträglich, was nicht ausreichte das Ziel zu erreichen. Als die Front in der Mitte stagnierte, wurden der HGM Kräfte entzogen um erfolgreiche Operationen im Süden zu unterstützen. Auch wurde die HGM als Flankenschutz Richtung Süden abgestellt, was ihre Frontlinien überdehnte, die Kräfte der Verbände überforderte und die schlechte Versorgung die Lage noch verschärfte. Die 1942/43 anlaufenden sowjetischen Offensiven schwächten die HGM und die ihr unterstellten Armeen massiv, sodass immer öfters Positionen zu Gunsten von „Rückzugsbewegungen“ aufgegeben werden mussten.

 

„Nun kam der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte. Bei diesem Zusammenbruch müssen wir uns klar sein, daß hier etwas Ungeheuerliches vor sich gegangen ist. Denn es ist mit normalen Mitteln nicht erklärbar, daß eine Heeresgruppe mit 28 Divisionen wie Sand und Spreu auseinanderstiebt.“
Heinrich Himmler zum Verrat an der Heeresgruppe Mitte auf einer Rede am 3. August 1944 vor Gauleitern

 

Kriegseinsätze

 

1941 – Die Umbenannte Heeresgruppe B, geht nun mit der neuen Bezeichnung Mitte in den Ostfeldzug. Dort wird die Doppelschlacht bei Bialystok und Minsk, Schlachten an Dnjepr und Düna, bei Mogilew, Smolensk, Roslawl, Gomel und Tschernigow geschlagen. Bis nach Mosaku geht der Vormarsch, über die Schlacht bei Jelnja und Smolensk, bei Welikije Luki und bei Kiew. Der Höhepunkt sind die Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk, Vorstoß gegen Kalinin, Moskau, Tula, Jefremow-Jelez und Woronesh. Abwehrschlachten um Kalinin, vor Moskau, Kaluga und ostwärts Orel-Kursk

1942 – Nach der Stagnation vor Moskau, muss sich die Heeresgruppe in Abwehrkämpfe in der Linie ostwärts Newel-Welisch-Demidow-Delyi-Rshew-Gshatsk-Spass Demensk-Kirow-Bolchow-MzenskNowosil-Liwny und ostwärts Kursk durchschlagen. Vor allem das Unternehmen "Büffel" bzw. die Räumung des Frontbogens Rshew setzen die Wegpunkte des Niedergangs der Heeresgruppe Mitte.

1943 – Dieses Jahr soll ein letztes Aufbäumen der Heeresgruppe sein, die in der Angriffs- und Abwehrschlacht im Raum Kursk sich gegen die übermächtigen sowjetischen Panzerarmeen aufbäumt. Danach geht es nur noch zurück, in die Rückzugskämpfe zur Düna und zum Dnjepr. Den Schlusspunkt des Rückwegs der Heeresgruppe bildet eine nicht zu haltende überdehnte Front, die durch die Abwehrkämpfe bei Newel, Smolensk, Kritschew und Gomel, im Pripjet-Gebiet und bei Kowel. Die Heeresgruppe war nur noch ein Schatten der 1941 aufgestellten Heeresgruppe. Die meisten Verbände sind nicht voll besetzt, unterversorgt und überlastet.

1944 – Die Vernichtung der Heeresgruppe wird durch die Abwehr- und Rückzugsschlachten während der russischen Sommeroffensive 1944 bei Witebsk, Orscha, Mogilew, Bobruisk, Borissow und Minsk besiegelt. In den Abwehrkämpfen in Litauen, zwischen Njemen und ostpreußischer Grenze bricht die Verteidigung vollends zusammen und die letzten Reste werden zwischen Bug und Narew und an der Weichsel vernichtet.

1945 – Die letzten bürokratischen und realitätsfernen Aktionen im Namen der Heeresgruppe, die 15.01.1945 in HG Nord unbenannt wird. In den letzten Wochen vor der Kapitulation existiert die Heeresgruppe quasi nur noch auf dem Papier. Übrig geblieben sind nur wenige intakte Einheiten, die als HG A in Schlesien, Slowakei, Böhmen und Mähren noch einmal dem Feind erwehren sollen. Danach ist die Heeresgruppe endgültig aus der Wehrmachtsstruktur verschwunden, die Reste unter den bestehenden Einheiten aufgeteilt und in letzten Schlachten auf dem Reichsgebiet verheizt.

 


Soldaten der Heeresgruppe Mitte beim Angriff

Die harten Rückzugskämpfe drängten die HGM fast bis auf die alte sowjetische Westgrenze von 1939 zurück. Von dem sowjetischen Angriffe überrollt, verfügte die deutsche Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Ernst Busch, im Juni 1944 nur noch 40 Divisionen mit rund 500.000 Soldaten. Die militärische Führung, nunmehr alleine durch Adolf Hitler dominiert, verbat ausdrücklich einen weiteren Rückzug und Frontbegradigungen. So musste die HGM 1944 teilweise 1.000 Kilometer Front verteidigen. Am 22. Juni 1944, mit Beginn der sowjetischen Großoffensive gegen die Heeresgruppe Mitte, brach jedwede militärische Operationsfähigkeit in der Frontmitte ein. Große Teil der HGM wurden eingekesselt (3., 4. und 9. Armee) und der neue Oberkommandierende Generalfeldmarschall Walter Model konnte nur kurzfristig Widerstand leisten, der in einen wandernden Kessel der Heeresgruppe überging und endete schon wenige Wochen später mit der Vernichtung der HGM bzw. ließ Sie faktisch als nicht einsatzfähig dastehen. Die entstandene Lücke nutze die Rote Armee um bis nach Warschau vorzustoßen. Der verbliebenen Kräfte der HGN und HGS konnte weder die Lücke schließen, noch ihre eigenen Frontabschnitte halten. In meist fluchtartigen Rückzugsbewegungen, in wandernden Kesseln oder unmenschlichen Aushaltekämpfen, wurde ein Großteil der Verbände an der Ostfront aufgerieben und die Reste dann an den Seelower Höhen vernichtet. Die wenigen verbliebenen Soldaten sammelten sich in der finalen Schlacht um Berlin.

„Das Auseinanderreißen der Heeresgruppe in Verbindung mit dem fürchterlichen Wetter hat dahin geführt, dass wir festsitzen. Dadurch gewinnt der Russe Zeit, seine zerschlagenen Divisionen aufzufüllen und die Verteidigung zu stärken […] Das ist sehr schlimm. […] dass vorläufig im großen nicht weiter vorgegangen wird, dass aber alles für den Angriff vorbereitet wird und Versorgungsschwierigkeiten so schnell als möglich behoben werden, damit bei Einsetzen guter Witterung (Frost) sofort angetreten werden kann.“
Generalfeldmarschall von Bock

 
Großverbände der Heeresgruppe unterstellt
Juni 1941 9. Armee, 4. Armee
Juli 1941 Panzergruppe 3, 9. Armee, 4. Armee, Panzergruppe 2, z. Vfg. 2. Armee
August 1941 Panzergruppe 3, 9. Armee, 2. Armee, Panzergruppe Guderian
September 1941 Panzergruppe 3, 9. Armee, 4. Armee, Panzergruppe 2, 2. Armee
Oktober 1941 9. Armee, 4. Armee, 2. Panzerarmee, 2. Armee
November 1941 9. Armee, Panzergruppe 3, 4. Armee, 2. Panzerarmee, 2. Armee
Dezember 1941 9. Armee, Panzergruppe 3, 4. Armee, 2. Panzerarmee, 2. Armee
Januar 1942 9. Armee, 3. Panzerarmee, 4. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Panzerarmee,
2. Armee
Februar 1942 3. Panzerarmee, 9. Armee, 4. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Panzerarmee
Mai 1942 9. Armee, 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Panzerarmee
Januar 1943 LIX. AK, 9. Armee, 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Panzerarmee
Februar 1943 3. Panzerarmee, 9. Armee, 4. Armee, 2. Panzerarmee
März 1943 3. Panzerarmee, 9. Armee, 4. Armee, 2. Panzerarmee, 2. Armee
April 1943 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Panzerarmee, 2. Armee, z.Vfg. 9. Armee
Juli 1943 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Panzerarmee, 9. Armee, 2. Armee
September 1943 3. Panzerarmee, 4. Armee, 9. Armee, 2. Armee
November 1943 3. Panzerarmee, 4. Armee, 9. Armee, 2. Armee,
Wehrmachtsbefehlshaber Ostland
Januar 1944 3. Panzerarmee, 4. Armee, 9. Armee, 2. Armee
Juli 1944 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Armee, z.Vfg. 9. Armee
August 1944 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Armee, IV. SS-Panzerkorps
Januar 1945 3. Panzerarmee, 4. Armee, 2. Armee
 
nach Wiederaufstellung 1945
Februar 1945 4. Panzerarmee, 17. Armee, 1. Panzerarmee
Mai 1945 7. Armee, 4. Panzerarmee, 17. Armee, 1. Panzerarmee


Niederlage

Vebrechen, Opfer und Niederlage

 

 
''Heute beginnt die letzte entscheidende Schlacht dieses Jahres.''
Tagesbefehl Hitlers zum Unternehmen Taifun

Das Unternehmen Taifun (1.9 Millionen Wehrmachtssoldaten in 78 Divisionen)soll der Schlusspunkt des Siegeszuges der Heeresgruppe Mitte werden, bei der die Hauptmasse der deutschen Armeen mit ihrem Angriff in Richtung Moskau beginnt. Diese Operation ist durch die taktisch exzellent aufgestellten Panzerarmeen der HGM möglich geworden. Dazu haben vor allem die kommandierenden Generale der unterstellten Verbände erheblich beigetragen. Das Vorrücken auf Moskau wird maßgeblich von Guderians Panzerarmee unterstützt, die in der Kesselschlacht von Brjansk, südwestlich von Moskau, den Kessel mit der deutschen 2. Armee auf der anderen Seite zu machten und damit zwei russische Armeen einschlossen. In den folgenden Schlachten, darunter die parallel verlaufende Kesselschlacht von Wjasma, können die Panzer die HGM die russischen tief gestaffelten Verteidigungslinien vor Moskau durchbrechen. Immer wieder werden dabei größere Verbände der Roten Armee durch schnelle Umfassungsbewegungen der Heeresgruppe eingekesselt. Im Endergebnis werden 6 russische Armeen eingeschlossen und bis zum 14. Oktober vernichtet. Wenig später erobern deutsche Truppen Orel, südwestlich von Moskau, teilweise können Vorstoßeinheiten schon die Vororte von Moskau sehen. Die deutsche Artillerie hat sich bereits auf Vororte von Moskau eingeschossen und der Eroberung der Stadt soll in den nächsten Wochen planmäßig erfolgen!

''[...] dieser Gegner (Russland) ist bereits geschlagen und wird sich niemals wieder erheben.''
[i]Hitler in einer Rede in Berlin Anfang September
[/i]

Währenddessen agiert hinter der Heeresgruppe die SS. Sie führen eine andere Art von Krieg im Rücken und definitiv mit Wissen der Heeresgruppe. Vor allem die Einsatzgruppe A der mobilen SS-Vernichtungsgruppen meldet, dass sie 125.000 Juden und 5.000 Russen erschossen hat. Aus dem Tagesbefehl Hitlers vom 02.10: „die seit den Zeiten der Hunnen und später der Mongolenstürme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent schwebte“ spricht Bände. Auch die Einsatzgruppe A unter Arthur Nebe konnte ähnliche Zahlen vorweisen bzw. bis August 1941 mehr jüdische Einwohner töten als jede andere Einsatzgruppe. Auch die Einsatzgruppe C war tatkräftig am Völkermord hinter der Front beteiligt, vernichtete ganze Dörfer und schrieb sich die „Säuberungen“ auf ihre Fahnen. Der Heeresgruppe bzw. dessen Führung müssen diese Fakten bekannt gewesen sein. Bekannt sind einige Einsprüche und Beschwerden der eingesetzten Divisionen im Hinterland, doch aus den Reihen der Generalität beim Oberkommando der Heeresgruppe Mitte ist nichts zu vernehmen.
Mit Moskau sollte das sowjetische Reich fallen, die Ideologie des Nationalsozialismus endgültig gesiegt haben und die Heeresgruppe Mitte (GFM von Bock) war dafür bestens gerüstet. Für den Angriff auf Moskau wird die Heeresgruppe durch die Panzergruppe 4 (Hoepner) erheblich verstärkt bzw. von Leningrad zur Mittelfront abgezogen. Insgesamt verfügten die Deutschen über 14 Panzerdivisionen, neun motorisierte Divisionen und 56 Infanteriedivisionen. Unterstützung aus der Luft kam von der Luftflotte 2 (Kesselring) und von Teilen der Luftflotte 4 (Löhr).

''[...]dass vorläufig im großen nicht weiter vorgegangen wird, dass aber alles für den Angriff vorbereitet wird und Versorgungsschwierigkeiten so schnell als möglich behoben werden, damit bei Einsetzen guter Witterung (Frost) sofort angetreten werden kann."
Generalfeldmarschall Fedor von Bock am 1. November

Anfang Dezember waren die Vororte Moskaus erreicht und man setze alles daran, im aufkommenden Winter, Moskau zu erobern. Doch schon am 5. Dezember lief sich der Angriff fest, wobei ein Grund dafür die Witterung war. Das Thermometer zeigte 40° C unter Null, dazu kommt die fehlende Winterbekleidung, die Hitler in Voraussicht eines schnellen Sieges nicht auszugeben gedachte. In diesen Tagen erlitten ca. 100 000 Mann der Heeresgruppe schwere Erfrierungen, viele verloren ganz Gliedmaßen an die Kälte und auch die Technik der HGM musste stark leiden. Viele Fahrzeuge, Geräte und Waffen versagten ihren Dienst. Die Ausrüstung war nur für das gemäßigte Klima konzipiert und geeignet, damit waren schnelle Bewegungen der Panzer ausgeschlossen. Die gesamte Front „fror fest“! Die Operation Taifun, als großanlegte Umfassung und Einkesselung der Stadt, war damit zu Ende. Zwei Wochen dauerte der Stillstand an der Front und die Sowjets sowie die Wehrmacht benutzten diese Verschnaufpause um ihre geschwächten Einheiten wieder aufzufüllen. Vor allem die Rote Armee führte neue Divisionen aus dem Fernen Osten heran, die sie nun einsetzen und die vor Moskau befindlichen bzw. geschwächten deutsche Truppen stark unter Druck setzen.
Die meisten Frontkommandeure sprachen sich noch im November dafür aus, dass man eine Verteidigungsstellung errichten sollte um dort zu Überwintern, doch nach Angriffsbefehls des OKH, mit letzten Kraftanstrengungen das Ziel Moskau noch erreichen, war man auf Rückzug bedacht.


Untergang bzw. Vernichtung der Heeresgruppe Mitte

Am 18. Dezember 1941 erließ Hitler seinen berüchtigten Haltbefehl. Eine bewegliche Verteidigung lehnte Hitler strikt ab und jede Rückwärtsbewegung eines Truppenverbandes musst vom Führer genehmigt werden. Er übersah den militärischen Grundsatz, dass es nicht auf Raumgewinn ankommen, sondern auf Vernichtung des Feindes. Mit unermüdlichen Willen und dem Drängen Hitlers soll die HGM ihre Position halten und sogar in die Offensive gehen. Vor allem die 4. Armee, Guderians und Hoepners Panzer-Armeen spüren die Schlagkraft der frischen sibirischen Truppen am eigenen Leibe. Die Sowjets setzen alles daran die Invasoren von der Eroberung Moskaus abzuhalten erwehren, mit dem Willen so viele russische Soldaten zu opfern, wie nötig sind um in Moskau weiterhin sowjetische Herrschaft zu garantieren! Noch im November hat eine Abteilung deutscher Infanterie 19 Kilometer vor dem Zentrum von Moskau gestanden. Nun rennen frische Sibirische Kräfte auf die deutschen Stellungen an. Man hatte die Deutschen solange aufgehalten, dass die Rote Armee eine Gegenoffensive starten kann. Insgesamt 4 Armeen, gut ausgerüstet und im winterlichen Klima erprobt, greifen nördlich der Stadt an. Guderian hatte bereits zuvor beschlossen, seine 2. Panzer-Armee nach schweren Verlusten durch die Russen, Erfrierungen und kältebedingten Ausfällen an Fahrzeugen zurückzunehmen. Damit müssen die Deutschen erstmals in diesem Kriegs, trotz Offensive und koordinierten Kräften, den Rückzug in Kauf nehmen! Im weiteren Verlauf werden sogar 10 Armeen russische Armeen in einem gewaltigen Schlag gegen die Deutschen geführt, sie greifen auf einer Frontlänge von 322 km an. Darunter befinden sich viele sibirische Eliteeinheiten und tausend T-34 Panzer. Für die HGM ist diese Übermacht, bei überdehnter Front und nur unzureichend vorbereiteten Soldaten, ein Schlag ins Gesicht. Solche Generale der HGM, die im November und Dezember vehement gegen die Befehle des Führers protestiert haben, wurden zur Jahreswende abgesetzt: Guderian und Hoepner. Auch im weiteren Verlauf war das Oberkommando der Heeresgruppe nicht mehr eigenständig für die Operationen verantwortlich, sondern mussten immer mit dem Hauptquartier Rücksprache halten. Hitler übersah dabei nur zu oft die Realitäten der Front, die Bedürfnisse der HGM und die Notwendigkeit der operativen Führung vor Ort. Hitler hatte kein Vertrauen mehr in seine Generale und opferte damit die HGM Stück für Stück in sinnlosen Haltegefechten bis an die Ostgrenze des Reiches von 1939!

 


Generale

Generale der Heeresgruppe Mitte (Gefangen und Getötet)
3. Panzerarmee
LIII. Armeekorps General der Infanterie Gollwitzer sowjetische Kriegsgefangenschaft
246. Infanterie-Division Generalmajor Müller-Bülow sowjetische Kriegsgefangenschaft
4. Luftwaffen-Felddivision Generalleutnant Pistorius gefallen
6. Luftwaffen-Felddivision Generalleutnant Peschel gefallen
206. Infanterie-Division Generalleutnant Hitter sowjetische Kriegsgefangenschaft
VI. Armeekorps General der Artillerie Pfeiffer gefallen
256. Infanterie-Division Generalmajor Wüstenhagen gefallen
 
4. Armee
XXXIX. Panzerkorps General der Artillerie Martinek gefallen
110. Infanterie-Division Generalleutnant von Kurowski sowjetische Kriegsgefangenschaft
337. Infanterie-Division Generalleutnant Schünemann gefallen
12. Infanterie-Division Generalleutnant Bamler sowjetische Kriegsgefangenschaft
31. Infanterie-Division Generalleutnant Ochsner sowjetische Kriegsgefangenschaft
XII. Armeekorps Generalleutnant Müller sowjetische Kriegsgefangenschaft
18. Panzergrenadier-Division Generalleutnant Zutavern beging Suizid
267. Infanterie-Division Generalleutnant Drescher gefallen
57. Infanterie-Division Generalleutnant Trowitz sowjetische Kriegsgefangenschaft
XXVII. Armeekorps General der Infanterie Völckers sowjetische Kriegsgefangenschaft
78. Infanterie- und Sturmdivision Generalleutnant Traut sowjetische Kriegsgefangenschaft
260. Infanterie-Division Generalmajor Klammt sowjetische Kriegsgefangenschaft
 
9. Armee
Höherer Pionierkommandeur Generalmajor Schmidt sowjetische Kriegsgefangenschaft
XXXV. Armeekorps Generalleutnant Freiherr von Lützow sowjetische Kriegsgefangenschaft
134. Infanterie-Division Generalleutnant Philipp beging Suizid
6. Infanterie-Division Generalmajor Heyne sowjetische Kriegsgefangenschaft
45. Infanterie-Division Generalmajor Engel sowjetische Kriegsgefangenschaft
XLI. Panzerkorps Generalleutnant Hoffmeister sowjetische Kriegsgefangenschaft
36. Infanterie-Division Generalmajor Conrady sowjetische Kriegsgefangenschaft
 
Eingesetzte Reserven
95. Infanterie-Division Generalmajor Michaelis sowjetische Kriegsgefangenschaft
707. Infanterie-Division Generalmajor Gihr sowjetische Kriegsgefangenschaft
Panzergrenadier-Division „Feldherrnhalle“ Generalmajor von Steinkeller sowjetische Kriegsgefangenschaft
Kampfkommandant des „festen Platzes“ Bobruisk Generalmajor Hamann sowjetische Kriegsgefangenschaft


Neue Dolchstosslegende

Dolchstoß in den Rücken der Heeresgruppe Mitte ?

 

 

Es halten sich bis heute die Gerüchte, dass es an der Ostfront bei der Heeresgruppe Mitte eine Art Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Front gegeben haben soll. Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Juni 1944 erfolgt nach manchen Quellen zu plötzlich und ohne den dafür nötigen militärischen Druck der Roten Armee. Auch das OKW war erstaunt und erschrocken über die strategischen Fehlentscheidungen der Heeresgruppe bezüglich des russischen Aufmarschs und den Angriffszielen der Stoßarmeen. Dabei war der HGM bewusst und von der Aufklärung belegt, was der Feind aufbot und wohin er seine Kräfte führen wollte. Doch muss man die Fehler woanders suchen, nämlich beim Führer und seiner Hauptquartierclique, die die abgefangenen Angriffsbefehle als Fälschungen ansahen und einen Scheinangriff vermuteten. Da alle Befehle vom OKW bestätigt werden mussten, war die HGM zum Abwarten verdammt und schon bald mit der Gewissheit bestraft, dass man die Empfehlungen und Befehle, welche den russischen Angriff ins Leere laufen bzw. im vorbereitet entgegenzutreten, ignoriert bzw. abgelehnt wurden. Die folgende russische Großoffensive Bagration wurde so zur größten militärischen Niederlage Hitlers überhaupt, wobei dieser einen Schuldigen suchte. An der Westfront waren die Alliierten in der Normandie erfolgreich gelandet und im Osten die gesamte Front in der Mitte zusammengebrochen. Der Führer, von seiner eigenen Feldherrenberufung beseelt, wollte nicht an eigene Fehler und Schuldeingeständnisse denken. So war der Ausweg wie so oft, den Verrat suchen und die Paranoia Hitlers fand schon bald den Widerstand in der Wehrmacht, der natürlich Schuld an den Niederlagen war. Sie sollten Panzerdivisionen in die Irre geführt haben und nicht das OKW sinnlos umhergeschickt, auch sollten des abtrünnige Offiziere gewesen sein, die Reserven an Material und Soldaten an den falschen Stellen verpulvert haben, und sogar die ganze 4. Armee kopflos gemacht und vergessen auf dem Schlachtfeld herumstehen lassen haben.


(Führungsabteilung der Heeresgruppe Mitte (1943) - Tresckow vierter von rechts / Oberst von Kleist dritter von links / Oberst Schulze-Büttger vierter von links / Oberleutnant von Schlabrendroff ganz rechts stehend)

Der folgende 20. Juli, das Attentat auf Hitler und die anschließende Verfolgung von Widerständlern unter den Wehrmachtsoffizieren, ließen für die nur wenige Wochen zurückliegenden Verluste und Niederlagen der Heeresgruppe Mitte, die „wahren Hintergründe des Verrates an der Ostfront“ finden. Fakt ist, dass General Henning von Tresckow, seit November 1943 Generalstabschef der 2. Armee bei der Heeresgruppe Mitte, eine ähnliche Rolle spielte wie General Speidel im Westen und den gesamten Heeresgruppenstab mit Verschwörern durchsetzt hatte. Auch sind Aussagen, wie die von Generalstabschef Ludwig Beck aus dem Jahr 1943: »Man verfüge jetzt über genügend Vertrauensleute in Kommandostellen der Ostfront, so daß man den Krieg bis zum Zusammenbruch des Regimes regulieren könne.« Anlass genug über eine solche Verschwörung nachzudenken. Doch wollte man den Staatsstreich nach innen und eine Verhandlung nach außen, nicht die Niederlage und Kapitulation auf Kosten von Soldatenleben, die der Widerstand in der Wehrmacht unbedingt zu schützen gedachte.

„Wie kann man eine solche Front verlieren! Die ganze Entwicklung ist mir rätselhaft.“
Adolf Hitler

Die Historiker halten sich mit Äußerungen und Vermutungen zurück, denn alle haben die Ziele des Widerstandes bzw. die Zugeständnisse an die Alliierten vor Augen. Dort wird in fast jedem Szenario, ein Zurückweichen der Wehrmacht auf die Grenzen vor dem 1. September 1939 erwogen.