1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 3.75 (2 Votes)

Das Thema

Die Volksmarine der DDR

 

 

 

»Blaublusen - dem Feind keine Lücke«

»Das Vaterland rief - wir kamen!
Das Vaterland ruft - wir bleiben, schützen und verteidigen
die Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik«

 

 

 

(Flagge der Volksmarine)

Einleitung

Einleitung

 

Im Zuge der "antifaschistisch-demokratischen Umwälzung" in ihrer Besatzungszone leitete die UdSSR im Juni 1945 die Bewaffnung der "Deutschen Volkspolizei" (1946 ca. 45.000 Mann) sowie zwei weiterer Polizeiformationen als "zentral gelenkte bewaffnete Kräfte" ein.

 

Im Juli 1948 wurde, auf Befehl und unter Bewachung der sowjetischen Militäradministration, die "kasernierte Volkspolizei" (KVP, offiziell seit 1952 so bezeichnet) aufgestellt. Ein Affront gegen die BRD und die Westmächte, die auf die Bedrohung mit dem Deutschlandvertrag von 1952 bzw. dem Eintritt in der EVG (Europäische Verteidigungsgemeinschaft - nie eingerichtet) bzw. der NATO reagierten. Seit 1950 existierte dann ein Tarnreferat mit dem Namen: "Hauptverwaltung Seepolizei", aus dem die spätere Volksmarine der DDR geschaffen wurde. Noch im gleichen Jahr konnten die ersten seefahrenden Verbände (Volkspolizei See) den Dienst aufnehmen.

 

Es wird eine Nationale Volksarmee geschaffen. Diese besteht aus Land-, Luft- und Seestreitkräften, die für die Verteidigung der DDR notwendig sind. Die zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte wird begrenzt entsprechend den Aufgaben zum Schutze des Territoriums der Deutschen Demokratischen Republik, der Verteidigung ihrer Grenzen und der Luftverteidigung.«

 

Die Seestreitkräfte der DDR bezogen sich mit der zu Beginn der sechziger Jahre eingeführten Benennung "Volksmarine" auf eine revolutionäre Entwicklungslinie der deutschen Marinegeschichte. Mit dem bewussten Rückbezug auf die Volksmarinedivisionen der Revolution von 1918/19 erhielt auch hier der historische Kontinuitätsbruch eine traditionsstiftende Funktion. Die BRD fand ihren Bezug weit früher in der "Bundesmarine" (1850-1853) und legte somit den staatliche Bezug bei der Namensgebung fest.

 

"Trotz der bereits eingeleiteten Vorverhandlungen zum Waffenstillstand sollte die deutsche Marine, die seit der Skagerrakschlacht vom Juni 1916 kaum noch zum Einsatz gekommen war, Ende Oktober 1918 zu einem letzten "ehrenvollen" Gefecht gegen überlegene britische Verbände auslaufen. Der eigenmächtige Befehl der Seekriegsleitung war unmittelbarer Anlaß zu Meutereien kriegsmüder Matrosen, die sich weigerten, ihr Leben bei einer militärisch aussichtslosen "Todesfahrt" aufs Spiel zu setzen.
[...] Damit war das Signal zum bewaffneten Aufstand gegeben; schon bald wehten auf den Schiffen rote Fahnen. Am Abend des 4. November befand sich Kiel in den Händen der Aufständischen, die den ersten Arbeiter- und Soldatenrat während der Revolution von 1918/19 bildeten.[...]
[...]Innerhalb weniger Tage bildeten sich in nahezu sämtlichen deutschen Städten revolutionäre Räte. Sie forderten immer lauter die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und eine demokratische Umgestaltung des Deutschen Reichs.[...]

 


 
Namenwechsel der Marine der DDR
1950-52:
Seepolizei
1952-56:
Volkspolizei-See
1956-60:
Seestreitkräfte
1960:
Volksmarine

 

 

 

Allgemein

Allgemein



Seit 1960 hatte dann die DDR einen dauerhaften Namen für ihre Marineeinheiten gefunden. Die Namensverleihung wurde mit einer Flottenparade im Greifswalder Bodden durch den Minister für Nationale Verteidigung Generaloberst Heinz Hoffmann gewürdigt. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Volksmarine 13.000 Mann in Uniform.
 

 
 




Das Gründung der Volksmarine der DDR fand ihren Anfang am 10. Februar 1956, mit dem Befehl Nr. 1/1956 des Ministers für Nationale Verteidigung Generaloberst Stophl zum Aufbau der NVA. Für den Aufbau der Volksmarine fehlten die Offiziere der Kriegsmarine fast vollständig, weil diese in der Gefangenschaft, insbesonders der Amerikaner und Briten, waren. Zur Verfügung standen nur ehemalige Unteroffizier- und Matrosendienstgrade. Dies eröffnete für viele diese niedrigen Grade eine Aufstiegschance, beispielsweise für den ehemaligen Oberfunkmeister der Wehrmacht Wilhelm Ehm, der es bis zum Chef des Volksmarine gebracht hat. Die SED betrieb im Umgang mit dem Wehrmachterbe in der Armee letztendlich eine Politik, die zwischen Pragmatismus und ideologischen Dogmatismus lavierte. Der klassenideologische Anspruch und der politische Argwohn gaben dann auch den Ausschlag dafür, Ende der Fünfziger Jahre den direkten Einfluss der ehemaligen Wehrmachtsoffiziere in der DDR-Volkskammer rigoros zu beenden.
 


 
Beginn 1. April 1950
 
Besatzungen für Minenräumboote
100 Offiziere
200 Boots- und Maschinenmaate
50 Mannschaften
 
Ausbildung
Seepolizeischule in Parow
Offizierschule in Kaliningrad
(unter strengster Geheimhaltung)
 
Erste Boote (Juni 1950)
dänischen Minenleger LOSSEN, SIXTUS und QUINTUS
dänische Fischereischutzboot HVIDBJÖRNEN

(Allesamt ausgemustert von der dänischen Marine)

 

Erster Auftrag

»Sicherung der demokratischen Errungenschaften und des wirtschaftlichen Aufbaus im Interesse der werktätigen Bevölkerung sowie des Handels vor Schädigung durch Schmuggel, der Fischereiflotte der DDR sowie aller anderen in Häfen der Republik ein- und auslaufenden Schiffe durch Kontrolle der Instandhaltung und Markierung der Wasserwege und Hilfeleistung bei Havarien in den Küstengewässern.«

 

So war diese Phase vor allem geprägt durch eine suche nach Identität und Anerkennung, vor allem aber nach einem Platz in der Gesellschaft und im "Warschauer Pakt".

In den folgenden Jahren erhielt die Volksmarine eine größere Anzahl von neuen Schiffen, die zum größten Teil auf Werften der DDR gebaut worden waren. Im sogenannten Zeuthener Protokoll legte eine Kommission die erforderlichen Maßnahmen für die »Durchführung des Marine-Bauprogramms 1954 - 1956« fest. Danach sollten der VP-See 1955 über 254 Schiffe und Boote zur Verfügung stehen, davon 203 operative Einheiten. Lediglich einige Kampfeinheiten, die sogenannten Küstenschutzschiffe und ein Teil der Schnellboote, stammten aus der Sowjetunion und einige Hilfsschiffe wurden in Polen gekauft. Hinzu kamen Hubschrauber sowjetischen Typs. Am 1. Januar 1956 unterhielt die Volkspolizei See 122 Fahrzeuge, darunter 97 Kampf-, Hilfs- und Schulboote.
Ein wichtiger Schritt in der Historie der DDR war die Unterstellung der Grenzbrigade Küste der Grenzpolizei (GBK) unter das Kommando Volksmarine nach dem Mauerbau am 13. August 1961. Damit setzte die Staatsführung in ihre maritimen Einheiten ein hohes Maß an Vertrauen. Die Umgliederung der Volksmarine 1965 war dabei der nächst logische Schritt, d.h. alle Stoßkräfte (Schnellbootverbände), wurden in der 6. Flottille auf der Halbinsel Bug bei Dranske auf Rügen zusammengefasst. Die See und alle dazugehörigen Militärverbände waren nun unter der Führung der Volksmarine vereint.
In den 1970er Jahren war die Volksmarine dazu auf etwa 18.000 Soldaten angewachsen. Die technische Entwicklung führte dann in den 1980er Jahren zu einer weitgreifenden Erneuerung von Teilen des Schiffsbestandes, außerdem erhielt die Volksmarine Jagdbomber sowjetischen Typs.

 

 

 

Auszeichnung von Offiziersschülern der Offizierhochschule Karl Liebknecht. Den besten Absolventen wird ein Ehrendolch mit einer Widmung des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR überreicht.

 

Ab den 60er Jahren setze eine Phase der Konsolidierung zu einer kampfstarken und politisch zuverlässigen Marine ein. Dieser Prozess vollzog sich vor allem nach dem Mauerbau am 13. August 1963 schnell und zielstrebig. Die Volksmarine entwickelte sich dabei recht schnell zu einer geachteten Koalitionsflotte. Bereits 1956 begannen gemeinsame Flotten- und Kommandostabübungen, die sich nach Umfang, Anzahl und Intensität ständig steigerten. Dabei wurde klar, dass die Volksmarine in der vordersten Front der Koalition zu kämpfen hatte. Im Gegensatz zu den Land- und Luftstreitkräften der DDR gab es an der Küste keine vorn stationierten, kampffähigen sowjetischen Einheiten, wenn man die sowjetischen Raketen-Schnellboote in Swinemünde und polnischen Marineeinheiten nicht als solche betrachtet.
Im offiziellen Sprachgebrauch für das Zusammenwirken der Baltischen Rotbannerflotte, der Polnischen Seekriegsflotte und der Volksmarine, wurde die Bezeichnung "Verbündete Ostseeflotte" mit dem Kürzel VOF verwendet. Das Kommando hatte der Chef der Baltischen Rotbannerflotte inne.

 


 
Chef der Volksmarine
 
Anfang 1956:
„Chef der Seestreitkräfte“
3. November 1960:
„Chef der Volksmarine“
1. Dezember 1972:
„Stellvertreter des Ministers und Chef der Volksmarine“
11. Dezember 1989:
„Chef der Volksmarine“
 
Konteradmiral
Felix Scheffler:
1. März 1956–31. Dezember 1956
Vizeadmiral
Waldemar Verner:
1. Januar 1957–31. Juli 1959
Konteradmiral
Wilhelm Ehm:
1. August 1959–31. Juli 1961
Konteradmiral
Heinz Neukirchen:
1. August 1961–24. Februar 1963
Vizeadmiral
Wilhelm Ehm:
25. Februar 1963–30. November 1987
Vizeadmiral
Theodor Hoffmann:
1. Dezember 1987–17. November 1989
Vizeadmiral
Hendrik Born:
11. Dezember 1989–2. Oktober 1990



Eine beachtliche Zahl junger Männer suchte ihr berufliches Glück vor allem in der Volksmarine. Sie taten dies aus unterschiedlichen Gründen, wobei die technischen Nischen bei den schwimmenden Einheiten wohl der größte Faktor waren. Gerade weil der politische Teil bei der Volksmarine nicht so sehr im Vordergrund stand bzw. bei der Einstellung auch nicht so sehr beachtet wurde, lockte der fachliche Teil der Ausbildung besonders.

Aufstellung

Aufstellung

 

Auftrag:

I. Erringung der Seeherrschaft in der Ostsee sowie Durchbruch in die Nordsee.

II. Verhinderung der sogenannten "Republikflucht".

III. Zusammen mit den beiden anderen Ostseeflotten des Warschauer Paktes, die Seeflanke der kommunistischen Landstreitkräfte zu sichern und sie durch amphibische Operationen und logistische Hilfe zu unterstützen

 


 
Volksmarine
 
Küstenschutzschiffe(4. Flottille in Rostock - Hohe Düne: u.a.)
Küstenschutzschiffe (KSS) 2. Ranges und 3. Ranges (U-Jäger)
Motorschulschiff "Wilhelm Pieck", Vermessungsschiffe
 
 
Hochseeminenboot BERNAU
Minenlege- und Räumschiffe (Projekt 89.2)
Flugkörperschnellboote
(6. Flottille Dranske/Bug - Projekt 206, Projekt 1241)
Schnellboote
U-Jäger
Minenräumboote (Projekt 89.2)
Minensuch- und Räumschiffe Projekt 89.2
 
 
Die Fregatte Berlin
 
 
Landungsfahrzeuge
weitere Hilfs-, Schul- und Spezialfahrzeuge
mobile Raketenbatterien an der Küste in Schwarzenpfost/Gelbensande (Raketenkomplex "Rubesh")
Hubschrauber für Verbindungs-, Aufklärungs- und U-Jagd-Zwecke (Marinehubschraubergeschwader in Parow)
Marinefliegergeschwader mit SUCHOI- Jagdbombern in Rostock-Laage
Kampfschwimmerkommando in Kühlungsborn
KEINE Unterseeboote

 

(Nach der friedlichen Herstellung der Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990 wurden Teile der am Tage zuvor aufgelösten Volksmarine in die heutige Deutsche Marine integriert.)

 

 

 

Soldat des Kampfschwimmerkommandos 18 (KSK-18) bei einem Sprung aus Hubschrauber Mil Mi-8 „Hip“ des Marinehubschraubergeschwader 18 (MHG 18)

 


 
Struktur der Volksmarine
(80er Jahre)
Kommando der Volksmarine in Rostock-Gehlsdorf
Stab der Volksmarine (u.a mit Hautgefechtsstand, Aufklärung, Nachrichten, seehydrografischer Dienst, Bataillon Funkelektronischer Kampf)
Rückwärtige Dienste (u.a. Technik und Bewaffnung, Instandsetzungsbasen, Kfz-Dienst, Marinepionierwesen, Lager und Depots, Hilfsschiffe)
Polit.-Verwaltung
Marineflieger
Ausbildung (Vorschriftenwesen, Gefechtsausbildung, Lehrausbildung)
Offiziershochschule "Karl Liebknecht" Stralsund Flottenschule "Walter Steffens" Parow
Schiffstammabteilung 18 "Paul Blechschmidt" Stralsund-Dänholm

Zum Schluss

Schlussbetrachtung / Fazit

 

Klar ist, dass die Volksmarine, wie auch die gesamte NVA, fest als Instrument in der Politik der Partei- und Staatsführung eingebettet war. Die Marinesoldaten waren ideologische geprägt, geschult und handelten dementsprechend.
Die Volksmarine war in keiner Weise mit dem Status der Bundesmarine und deren demokratischen Kontrolle vergleichbar. Doch ist nicht abzustreiten, dass auch die Volksmarine ihre eigene besondere Identität besaß. Zum Einen, weil sie in vielerlei Hinsicht sich nicht von anderen, auch westlichen Flotten unterschied und zum Zweiten sich deutlich von den anderen Teilstreitkräften der NVA abgrenzte. Sie war zwar durch die staatlichen Beschlüsse, Vorgaben und Befehle gebunden, doch handelte sie ebenso nach den Gesetzen, Gebräuchen und Regelungen der internationalen Schifffahrt. Sie war also verbunden mit den anderen Marinen der Welt. Dazu kam noch das ganz eigene Leben an Bord, das Zusammenleben auf engsten Raum und die gegenseitige Abhängigkeit. Jeder Einzelne trug die Verantwortung für sich und das Schiff, man war so unabhängiger von der politischen Führung an Land und handelte mehr im eigenen Interesse des Schiffes und der Einheit.
Die See kennt keine Unterschiede, sie respektiert weder Rang noch Würde und lässt sich auch nicht politisch missbrauchen. Trotzdem war die Volksmarine, ohne eigentliche Tradition, ein Produkt des Systems, das die maritimen Teilstreitkräfte zur Profilierung in der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg verstanden. Mit seinem Untergang verschwand auch die Volksmarine wieder. War sie ein Irrweg in der deutschen Marinetradition? Darüber streiten die Historiker und werden diese Marineerscheinung wohl in ihren Betrachtungen weiterleben lasse.

 

 

 

Erster Vorlaufslehrgang für Schlüsselpersonal der Volksmarine im September 1990 in Plön kurz vor der Auflösung der DDR. Die Lehrgangsteilnehmer tragen noch die Uniformen der Volksmarine.



Am 2. Oktober 1990 wurde die Volksmarine, wie auch alle anderen Streitkräfte der NVA, aufgelöst. Ein Teil der Soldaten wurde in die Bundesmarine (ab 1990: Deutsche Marine) übernommen und Teile der GBK (Küsteneinheiten) wurden dem Bundesgrenzschutz eingegliedert. Der Großteil der Technik, Schiffe und Boote wurde verschrottet oder verkauft, nur wenige kleinere Hilfsschiffe sind noch heute in Betrieb.

Quellen

Werner Rahn, Deutsche Marinen im Wandel: Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument nationaler Sicherheit, Oldenbourg 2005.
Matthias Rogg, Armee des Volkes? Militär und Gesellschaft in der DDR, Ch. Links Verlag 2008.
Daniel Niemetz, Das feldgraue Erbe. Die Wehrmachtseinflüsse im Militär der SBZ/DDR (1948/49-1989), Ch. Links Verlag 2006.

http://de.wikipedia.org/wiki/Volksmarine (Letzter Zugriff 27.01.2010)
http://www.die-marine.de/_deutsch/ddrship.html (Letzter Zugriff 27.01.2010)
http://www.marinepage.de/volksmarine.html (Letzter Zugriff 27.01.2010)
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Volksmarine (Letzter Zugriff 27.01.2010)
http://volks.marineuniformen.de/index.php?idcat=17 (Letzter Zugriff 27.01.2010)
http://www.marineforum.de/forum/index.php?act=SR&f=137 (Letzter Zugriff 27.01.2010)
http://www.marine.de/portal/a/marine/kc ... zIzXzFIRFE! (Letzter Zugriff 27.01.2010)



Autor: Freiherr von Woye