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Das Thema

Unternehmen Jubilee
 

Unternehmen Jubilee war der Angriff alliierter Truppen über den englischen Kanal auf Dieppe, einem kleinen von deutschen Truppen besetzter Hafen an der französischen Küste zwischen Le Havre und Boulogne. Der Ort Dieppe wurde von Admiral Lord Louis Mountbatten, Chef der Combined Operations ausgewählt. Er wollte dieses Unternehmen unbedingt durchführen, nachdem zuvor ein anderes Unternehmen, „Operation Rutter“, wegen schlechten Wetters am 07. Juli 1942 endgültig abgesagt werden musste. Geplant wurde dieses Unternehmen, um die Verteidigung von Hitlers „Festung Europa“ und die Fähigkeiten der westlichen Verbündeten zu prüfen, großräumige Angriffe mit Amphibienfahrzeugen gegen die „Festung Europa“ durchzuführen. Des Weiteren, um herauszufinden, ob man es schafft einen Hafen im Handstreich zu erobern und darüber hinaus, wie lange man im Stande wäre, diesen gegen deutsche Gegenangriffe zu halten. Dies waren die Hauptziele der Operation Jubilee. An der Operation Jubilee waren ungefähr 260 Landungsboote und 6.100 Mann der 2. kanadischen Division beteiligt, auf deutscher Seite standen ungefähr 1.500 Mann des Infanterieregiment 571. der 302. Infanteriedivision.

Ein weiterer Grund die Operation Jubilee durchzuführen, war die schon lange von Stalin geforderte „Zweite Front“ zu eröffnen und so den Druck auf seine Verbände zu verringern. Denn trotz der schweren deutschen Verluste an der Ostfront durch den Winter 1941/42 war die Sommeroffensive 1942 recht erfolgreich und brachte erhebliche Verluste an Mensch und Material für die Rote Armee mit sich. Trotz der beengenden Steilküstenabschnitte wurde Dieppe als Ziel gewählt, weil es typisch für deutsche Küstenbefestigungen war und günstig im Aktionsradius der britischen Royal Air Force lag. Das militärische Hauptziel war die Ausschaltung der deutschen Batterien von Berneval östlich, bis Varengeville westlich von Dieppe, wo die Hafenanlagen, die Radar-Station, der Feldflugplatz sowie die Munitions- und Treibstoffdepots zerstört werden sollten. Außerdem wollte man versuchen, das Hauptquartier der deutschen 302. Infanteriedivision 5 km landeinwärts in Arques-la-Bataille zu erreichen und dort strategische Planungsunterlagen zu erbeuten.

 


Die Operation

Die unter starker Luftsicherung mit Panzerwagen durchgeführte Landung stieß auf starken Widerstand der deutschen Küstenbatterien und der Luftwaffe. Durchgeführt wurde die Landung von der 4. und 6. Brigade der 2. kanadischen Division, die sich hauptsächlich aus Kanadiern zusammensetzte und zum Teil aus Polen und französischen Soldaten. Aber auch Engländer und Amerikaner kamen dabei zum Einsatz. Es gab auch Panzerunterstützung durch 30 Kampfpanzer des Typs Churchill. Als die Landungstruppen am 19. August 1942 am Strand von Dieppe landeten, wurden sie schon von den in Alarmbereitschaft liegenden deutschen Truppen mit starkem Maschinengewehrfeuer und Artillerie unter Beschuss genommen und erlitten schwerste Verluste. Es gab sogar Gerüchte über Spione, die in England aktiv waren und die Landung an die Deutschen verraten haben sollen. Aber es waren vielmehr deutsche Konvois, die am frühen Morgen des 19. August 1942 die deutschen Truppen an der Küste warnen konnten, bevor sie selber durch die RN aufgerieben wurden. Nicht nur die Landstreitkräfte, sondern auch die Luftflotten beider Seiten führten schwere und verlustreiche Einsätze. Die RAF und die deutsche Luftwaffe lieferten sich das größte Gefecht seit der Luftschlacht um England.

Nach 9 Stunden zogen sich die Landungstruppen unter schwerem Sperrfeuer der deutschen Artillerie zurück. Bei dieser Operation kamen 1.179 alliierte Soldaten ums Leben und 2.190 kamen in Gefangenschaft. Die Deutschen mussten 311 Mann als tot oder vermisst vermelden. Es gibt Meldungen, nach denen deutsche Gefangene von kanadischen Indianern brutal und unmenschlich ermordet worden seien, indem sie während des Kampfes gefangene Deutsche mit dem Daumen an eine Halsschlinge fesselten, bis sie sich selbst erdrosselten. Dies war aber die Ausnahme und es gab auch Ritterlichkeit und Hilfsbereitschaft unter den Engländern und den deutschen Soldaten. Die weiteren Verluste an Material betrugen auf alliierter Seite ein Zerstörer und 33 Landungsboote und dazu kamen 106 Flugzeuge der RAF. Die Deutschen hatten den Verlust von 48 Flugzeugen zu beklagen und konnten somit auch den Sieg in der Luft davon tragen.

 

Auf beiden Seiten wurde dieses Unternehmen als voller Erfolg gewertet. So vermeldete die englische Presse, dass das Unternehmen Jubilee ein voller Erfolg gewesen sei und eine gelungene Generalprobe für die Befreiung der „Festung Europa“ war. Auch auf deutscher Seite wurde dieses Unternehmen als voller Erfolg gewertet. Man war der Meinung, dass dies schon der „große Angriff“ auf ihre „Festung Europa“ gewesen sei und der Feind heldenhaft für alle Zeit über den Kanal zurück geschlagen wurde. Die Küstenbefestigung wurde in den höchsten Tönen gelobt und die Organisation sowie die Truppenstärke für ausreichend gehalten.

Erkenntnisse und Folgen des Unternehmens:
Die Erkenntnisse dürften für beide Seiten extrem unterschiedlich ausgefallen sein. Vielleicht kann man sagen, dass die Niederlage und der Verlust der vielen tapferen Soldaten am Strand dieses blutigen 19. August 1942 für die Alliierten im Nachhinein sogar größere Verluste zu einem späteren Zeitpunkt verhinderten. Wie dem auch sei, sie waren jetzt sicher, dass eine Landung viel zu früh war und sie erst gegen einen schwächeren Gegner mit mehr Mensch und Material auf ihrer Seite eine reelle Chance haben würden. Außerdem mußte unbedingt die Luftüberlegenheit hergestellt werden, wenn man Erfolg haben und nicht an den Stränden ausbluten wollte. Das kann als Grundstein für spätere Planungen für den D-Day gesehen werden. Für die Deutschen war es an diesem Augusttag sicherlich ein Sieg und stärkte die Moral der Truppe und Heimatfront. Aber die Schlüsse, die daraus gezogen wurden, waren eher schlecht. Man betrachtete die Küstenbefestigung und Truppenstärke für ausreichend und durch die sich zuspitzende Lage im Osten sah man weiteres Potenzial, um es von den Küstenbefestigungen abzuziehen. Die Folgen daraus stellten sich spätestens am 6. Juni 1944 ein, als am D-Day wieder viele Soldaten an den Stränden der französischen Küste ihr Leben lassen mussten. Diesmal aber war die Landung geglückt und die "Festung Europa" war geknackt. Der Marsch auf Berlin aus Richtung Westen hatte begonnen......

Hier noch ein paar Videos:
http://de.youtube.com/watch?v=NuG9f59y098
http://de.youtube.com/watch?v=dMwunLwmu50&feature=related


Quellen

combinedops.com (Zugriff 06.09.09)
wiki (Zugriff 06.09.09)
Buch: "Der zweite Weltkrieg" Von Bassermann ISBN 3-8094-5011-1

Autor: Oliver