1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.50 (1 Vote)


Das Thema

Unternehmen „Irak“ - Kommando Junck


Vorgeschichte

3. April 1941 - In der Hauptstadt des Irak, Bagdad, findet eine „Palast-Revolte“ statt.
König Faisal wird gestürzt und aus dem Land vertrieben. Er sucht Schutz bei den Briten.
Der Rechtsanwalt Rashid Ali el-Gailani ergreift die Macht.

Gailani, Politiker und Jurist, der einer angesehenen Familie entstammt, stützte seine neu errungene Macht auf eine Gruppe hochgestellter Militärs des Irak! Diese Gruppe einflussreicher hoher irakischer Offiziere wurde „Golden Square“ genannt. Die neuen Machthaber des Irak waren:
Salah ad-Din as Sabbagh, Befehlshaber der Western Army; Kamil Shabib, Kommandeur der 1. Division; Fami Said, Kommandeur der motorisierten Truppen, und Mahmud Salman, Befehlshaber der Air Force.
( Hier wird angemerkt, dass der Irak über keine eigenen Flugzeuge verfügte. )

Gailani war bis zu seinem Rücktritt am 31. Januar 1941 Premier der irakischen Regierung.

Frühsommer 1941: Der Diktator in Berlin will dem Diktator in Bagdad helfen!
Adolf Hitler schickt Teile seiner Luftwaffe zum Krieg in den Irak.

Der dort regierende General Raschid Ali al-Gailani sollte unbedingt an der Macht bleiben! Die neue irakische Armee befand sich zu dieser Zeit bereits in Kämpfen mit der früheren Kolonialmacht Großbritannien.

6. Mai 1941 - "Der Führer wünscht eine heroische Geste"
Des Führers Wunsch wird zum Befehl - erteilt durch den Luftwaffen-Stabschef General Hans Jeschonnek. Der Jagdflieger Oberst Werner Junck in Berlin salutiert und befolgt diesen Führer-Befehl mit Stolz und Eifer. Das Unternehmen "Irak" kann beginnen!

Junck soll mit seiner Luftwaffen-Kampfgruppe die dringend benötigte Luftunterstützung gegen die Briten liefern. Es ist dafür höchste Zeit, oder vielleicht auch schon zu spät, denn die Briten setzen seit Ende April Truppen in Basra an Land. Dieser Umstand stellt auch eine Gefahr für die deutschen Wüstenkrieger des DAK in Nordafrika dar.

Hitler hofft, der neu gegründete arabische Staat Irak auf der Seite Deutschlands und Italiens werde den "Heiligen Krieg" aller Araber gegen England auslösen.
Eine Pan-Arabische Lawine, welche die britische Kolonialmacht verschüttet und das Dritte Reich zum Herrn über die nahöstlichen Ölquellen macht. Dieser Plan der NS-Machthaber mit dem Ziel, die Engländer aus dem Nahen Osten zu verdrängen, sollte danach auch Syrien, Iran und Ägypten in seinen Sog ziehen.

Schon seit 1937 hat Hitler Kontakt zum "Propheten und Groß-Mufti von Jerusalem" der Pan-Arabisten, Amin al-Husseini. Seine Parole: "Im Himmel Allah, auf Erden Hitler."

Athen ist der Ausgangs- und Sammelpunkt des Unternehmens „Irak“.

Einige Zerstörer Messerschmitt Me 110, Kampfflugzeuge Heinkel He 111 und Transportmaschinen Junkers Ju 52 werden mit irakischen Hoheitsabzeichen versehen und für den Flug über Rhodos-Aleppo-Damaskus-Mosul nach Bagdad startklar gemacht.

Auch eine Ju 90, die das Bodenpersonal und die Logistiktruppe transportiert, ist mit dabei....

Sonderkommando Junck

"Sonderkommando Junck"
Das "Sonderkommando Junck" - eine der geheimsten Operationen des Zweiten Weltkriegs - beginnt mit einer Katastrophe. Major Axel von Blomberg fällt, als er am 12. Mai mit dem ersten deutschen Heinkel-Kampfflugzeug Bagdad anfliegt.

"Dies erste im gemeinsamen Abwehrkampf gegen England auf Iraks Boden vergossene deutsche Soldatenblut wird unsere neue Waffenbrüderschaft stahlhart machen", kabelt Ministerpräsident Gailani nach Berlin.

Was er jedoch dabei verschweigt: Irakische Flakschützen haben die He-111 trotz der irakischen Hoheitszeichen, für einen britischen Angreifer gehalten.

( Vielleicht lag es daran, dass die Iraker bisher keine eigene Luftwaffe besessen hatten! )

Die Kampfgruppe Junck besteht aus zwei Schwärmen He-111 und einem Schwarm Zerstörer Messerschmitt Me-110!
Die Flugzeuge sollen über Rhodos und Syrien anfliegen und ihren Stützpunkt, den Fliegerhorst im nordirakischen Mosul, beziehen.

Doch noch ehe Junck und seine Männer eintreffen, sind Iraks Streitkräfte gegen die Briten hoffnungslos ins Hintertreffen geraten.

11. Mai 1941 - Die Engländer bemerken Hitlers Vorhaben erst, als die drei Messerschmitt Me 110 der 4. Staffel des Zerstörergeschwaders 76 von zwei Morane-406-Jägern im syrischen Palmyra zur Landung gezwungen werden. Sie hatten unangemeldet französisches Hoheitsgebiet überflogen.

Der Einsatz deutscher Flugzeuge von irakischen Luftstützpunkten aus birgt von Anfang an zahlreiche Schwierigkeiten in sich.

Aus Zeitmangel und Schlamperei, vielleicht auch aus Desinteresse, weil es sich ja nur um einen Nebenschauplatz handelte, wurden an den dafür vorgesehenen deutschen Kampfmaschinen nicht die nötigen Vorkehrungen getroffen. Es fehlten die nötigen Umrüstungen, für den Einsatz in der Wüste und in den Tropen. Die Motoren hatten keine zusätzlichen Luftfilter. Es fehlten die dringend nötigen zusätzlichen Kühlsysteme. Und auch die für die aufgeheizten Wüstenpisten nötige Spezialbereifung gab es nicht.

Weiters fehlt es an Bodenpersonal und Ersatzreifen.
Die gelieferte MG-Munition würde zwar bis zum Ende des Unternehmens reichen, aber die Anzahl der gelieferten Bomben steht in keinem Verhältnis zum eingeplanten Bedarf.

So werden innerhalb der gesamten Einsatzdauer des Kommandos Junck lediglich 172 Stück 50kg-Bomben über englischen Zielen abgeworfen.

16. Mai 1941 - Erster Einsatz von Juncks Männern!
Drei Heinkel He 111 bombardieren im Irak den RAF-Luftstützpunkt Habbaniya.

Die Antwort der "Tommys" lässt nicht lange auf sich warten!
Die Britische Fleet Air Arm greift mit ihren Maschinen im Tiefflug den Flugplatz von Mosul an und vernichtet einen He 111 und zwei der Me 110-Zerstörer.

26. Mai 1941 - Oberst Junck hat mit seinen letzten drei Heinkel-Bombern innerhalb der letzten zehn Tage sechs Luftangriffe auf Habbaniya durchgeführt.

Die Messerschmitt-Zerstörer greifen in dieser Zeit andere Luftstützpunkte der Engländer an. Es gelingt auch, britische motorisierte Kolonnen zu vernichten.
Weitere Aufgaben des "Sonderverbandes Junck" sind intensive Aufklärungseinsätze über der Wüste.

17. Mai - Der deutsche Gesandte in Bagdad, Fritz Grobba meldet nach Berlin: "Eine Me brennend abgestürzt, die andere Notlandung. Je eine Heinkel und Me zwischen Bagdad und Mosul Notlandung. Mannschaft verblutet."

Es scheint dem Ende zuzugehen - Von Beginn an war es nur eine halbherzige Sache, ohne die notwendige Stückzahl und Logistik! Nach dem Motto, der deutsche Soldat schafft einfach alles! Doch Einsatzfreude, Ausbildung und heldenhafter Mut sind alleine nicht genug! Es fehlt an Nachschubmaterial und Ersatzteilen. Den Deutschen gehen Maschinen, Treibstoff und Munition aus.


Das Ende

Das Ende des Kommando Junck:

Wie üblich die wahre Situation nicht erkennend oder einfach die Wahrheit ignorierend, macht der GRÖFAZ weiter.

23. Mai 1941 - "Führer-Weisung Nr. 30":
"Die Geheime Kommandosache Irak ist vorwärts zu treiben!"
Hitler entsendet eine 27-köpfige Militärmission unter General Hellmuth Felmy nach Bagdad, um die Sache dort wieder ins Lot zu bringen.

Felmy kommt jedoch dort nie an.

29. Mai - Die Regierung Gailani flieht in den Iran.
Was von der deutschen Luftwaffe im Irak noch übrig geblieben ist, setzt sich nach Syrien ab.

An diesem Tag unternimmt der „Sonderverband Junck“ seinen letzten Feindflug im Irak.

30. Mai - Die Reste des „Sonderverbandes Junck“ landen in den Abendstunden auf Rhodos.
Es sind nur mehr drei Heinkel He 111 und fünf Messerschmitt Me 110. Weiters einige Ju 52, die die Bodenmannschaften noch retten konnten.

31. Mai - Britische Panzer rollen über die Straßen von Bagdad.
König Faisal wird sofort wieder eingesetzt.

Die Verluste:

Während der Kämpfe im Irak verliert die Luftwaffe über zehn Kampfflugzeuge und Transportmaschinen, die Hälfte davon am Boden.


Die Folgen

Die Auswirkungen:

Abschließend kann gesagt werden, dass dieses Unternehmen für die Achsenmächte einen Fehlschlag darstellte. Es konnte weder die Regierung Gailani an der Macht gehalten werden, noch konnten durch den er- und gewünschten Vorzeigesieg einer arabischen Nation gegen die englische Kolonialmacht andere arabische Länder zu Revolten angestachelt werden.

Das Gegenteil war der Fall!
Die schnelle und erfolgreiche Intervention der Briten zeigte den vielen Gegnern Englands in der arabischen Welt, dass man mit einer konkreten und vor allem Erfolg versprechenden, deutschen oder italienischen Hilfe nicht rechnen konnte.

Das zuständige Kommando KG 4 der Luftwaffe kritisiert die Irak-Operation als "Musterbeispiel für mangelnde Vorbereitung und Unkenntnis der allgemeinen Lage".

Juncks Flieger hatten noch nicht einmal präzise Landkarten ihres Einsatzgebietes erhalten. Es war ein "Abenteuer" und keine durchdachte und durchplante Intervention!

Hitler weinte dem Irak indes keine Tränen nach - Sein Trachten richtet sich schon auf die Sowjetunion.
Vom Irak-Abenteuer wurden keine Lobenshymnen verbreitet, wie sonst üblich!


Einer der "Irak"-Piloten = Martin Drewes

 

Drewes war einer der Piloten einer Me 110, welche im Irak Kampfeinsätze flog!

geb.: 20. Oktober 1918 in Lobmachtersen
Einsätze: 235
Luftsiege: 43 nachts und 6 am Tag
.

Martin Drewes, Bf 110 D-3, ZG 76, Irak, Mai 1941:
 

Gut zu erkennen die irakischen Hoheitszeichen!

Eine Bf 110, Irak, ca. Mai 1941:
 

( Martin Drewes flog diese Maschine als Gruppenkommandeur bis zum Ende des Krieges.
Die Drewes 110 hatte vier MG 17 anstatt der üblichen 2 MK 108 " in der Nase ".
Des weiteren war die "Schräge Musik" direkt hinterm Pilotensitz eingebaut
und nicht wie sonst üblich am hinteren Ende des Cockpits ! )

Drewes im Irak, neben ihm sein Bordfunker Ofw. Petz...
 

Martin Drewes kam 1940 als Leutnant zur 6./ZG 76, im Mai 1941 wurde die Staffel in den Irak verlegt und zur Unterstützung gegen die Briten eingesetzt.

Drewes schoss im Irak am 20.Jun.1941 eine Gloster Gladiator ab.

Auch JUNCK war in Europa wieder im Einsatz......

Der kommandierende General des 3. Jagdkorps,
Gen.Maj. Junck (links), besucht die III./NJG 1
am 12.Mai.1944 in Laon Athies und
wird von Hptm. Drewes begrüßt.

 

Gen.Maj. Junck (rechts) spricht mit dem Adjutanten der Gruppe,
Lt. Walter Scheel (links) der ehemalige Bundespräsident Deutschlands.
Mit dem Rücken zum Betrachter Hptm.Drewes.

 


Quellen

Das Buch
„Der Zweite Weltkrieg“
von Janusz Piekalkiewicz
ISBN-10: 3898364720
ISBN-13: 978-3898364720

Sowie im Internet:
http://www.flugzeugforum.de/forum/showt ... hp?t=26778 (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.stern.de/politik/ausland/:Zw ... 04412.html (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.wfg-gk.de/geschichte19.html (Letzter Zugriff 04.02.2010)
de.wikipedia.org/wiki/Persischer_Korridor (Letzter Zugriff 04.02.2010)
forum.axishistory.com/viewtopic.php?f=49&t=111545 (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.pilotenbunker.de/Nachtjaeger ... drewes.htm (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.ritterkreuztraeger-1939-45.d ... Martin.htm (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.ww2f.com/weapons-wwii/20626- ... 110-a.html (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.encyclopedia.com/doc/1O46-Ra ... ilani.html (Letzter Zugriff 04.02.2010)
de.wikipedia.org/wiki/Raschid_Ali_al-Gailani (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.123people.de/s/werner+junck (Letzter Zugriff 04.02.2010)
http://www.geocities.com/~orion47/WEHRM ... ERNER.html (Letzter Zugriff 04.02.2010)
en.wikipedia.org/wiki/Werner_Junck (Letzter Zugriff 04.02.2010)
de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Amin_al-Husseini (Letzter Zugriff 04.02.2010)
de.wordpress.com/tag/mohammed-amin-al-husseini (Letzter Zugriff 04.02.2010)

Autor: Tiwaz