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Das Thema

Unternehmen "Catapult"
3. Juli 1940
Unternehmen "Catapult" war der Angriff auf die im Oran beziehungsweise in Mers el-Kebir stationierte frz. Kriegsflotte mit deren Schlachtkreuzern Dunkerque, Strasbourg, den Schlachtschiffen Provence und Bretagne, dem Flugzeugmutterschiff Commandant Teste sowie einer Flottille von 6 Zerstörern.


Dieses Bild zeigt die Lage der vor Anker liegenden französischen Flotte im Hafen von Mers-el-Kebir


Mers el-Kebir

Mers el-Kebir
Frz. Kriegshafen bei Oran in Algerien, wo bei Ende des Frankreichfeldzuges ein großer Teil der frz. Kriegsflotte lag: die neuen und modernen Schlachtkreuzer Dunkerque und Strasbourg. Diese beiden Schlachtkreuzer waren den meisten Kriegsschiffen der Royal Navy zu diesem Zeitpunkt überlegen. Deshalb bildeten sie auch das Hauptangriffs- und Missionsziel. Die älteren Schlachtschiffe Provence und Bretagne und das Flugzeugmutterschiff Commandant Teste sowie eine Flottille von 6 Zerstörern lagen hier auch vor Anker. Die frz. Flotte stellte zu diesem Zeitpunkt die zweitgrößte in Europa dar und durch den Kriegseintritt Italiens und den vorhandenen Verbänden der Deutschen Marine, wäre sie in den Händen der Achsenmächte eine riesige Bedrohung für England gewesen. Eine Eingliederung der frz. Flotte in die Deutsche Kriegsmarine hätte eine Situation für die Royal Navy ergeben, die sie seit dem Versuch der Invasion der Spanischen Armada nicht mehr hatten. Sie wäre in der Unterzahl gewesen. Obwohl die dt. Waffenstillstandsbedingungen vom 22.06.40 die Flotte in frz. Hand beließen und nur die spätere Entwaffnung vorsahen, befürchtete das brit. Kriegskabinett die Eingliederung in die dt. Kriegsmarine und löste am 03.07.40 u.a. gegen Mers el-Kebir das Unternehmen "Catapult" aus.


Ein Eindruck von dem Massaker an Französischen Marine Soldaten und deren Schiffen


Der Angriff

Aus Gibraltar nahm die Force H (Admiral Sir James Somerville) mit den Schlachtschiffen Hood (das Größte seiner Zeit in Diensten der RN), Resolution und Valiant, dem Träger Ark Royal, 2 Kreuzern und 11 Zerstörern Kurs auf Mers el-Kebir. Nachdem sich der frz. Befehlshaber Admiral Gensoul erst gegen eine Übergabe eines Ultimatums sträubte, ließ er aber dann doch den englischen Mittelsmann an Bord seines Schiffes kommen. Er hatte Informationen, dass Verstärkung auf dem Weg sei und wollte daher etwas auf Zeit spielen. Das Ultimatum sah vor: „Anschluss seiner Einheiten an die Royal Navy, Verlegung in brit. Häfen - notfalls auch in die USA - oder Selbstversenkung“. Nach unergiebigen Verhandlungen und mehrfachen Verlängerungen des Ultimatums blieb die frz. Führung schließlich bei ihrer Weigerung, da sie die Folgen für die Heimat bei einer Verletzung der Waffenstillstandsbedingungen fürchtete. Wahrscheinlich spielte auch der Gedanke eine Rolle, dass die frz. Befehlshaber nicht mit einem wirklichen Angriff der Briten rechneten.

Obwohl die Einheiten außerhalb des dt. Machtbereichs lagen und obwohl von Vichy klare Zusicherungen vorlagen (auf Befehl von Admiral François Darlan wäre jedes Schiff vor deutschem Zugriff zu versenken), jeden dt. Versuch eines Zugriffs auf die Flotte zu vereiteln, ließ Somerville das Feuer um 16.56 Uhr auf die vor Anker liegenden und nur notdürftig gefechtsbereit gemachten Schiffe eröffnen.


Der Rauchpilz stammt vom eben vernichteten Schlachtschiff "Bretagne"

Bei dem anschließenden, nur 13. Minuten dauernden Gefecht, das eher einer Exekution als einem Kampf glich, wurden Bretagne mit 977 Mann und ein Zerstörer (42 Tote) versenkt, Provence und Dunkerque (210 Tote) schwer getroffen. Der Strasbourg gelang mit 5 Zerstörern trotz Verfolgung und zahlreicher Angriffe von Trägerflugzeugen tatsächlich die Flucht durch die verminte Hafenausfahrt. Eine weitere Verfolgung durch die Hood und Flugzeuge der Ark Royal brachte keinen Erfolg. Das Schiff konnte nach Toulon entkommen. Um den Erfolg der Aktion sicherzustellen, flogen am 06.07. noch einmal brit. Torpedoflugzeuge Angriffe auf Mers el-Kebir, so dass die Gesamtzahl der frz. Opfer schließlich auf 1297 Mann stieg.


Der Zerstörer Mogador nach Artillerietreffern in Brand

Und so titelte die Wehrmacht: Am 3.Juli überfiel ein Verband der britischen Flotte auf der Reede von Oran französische Schlachtschiffe, Kreuzer, Zerstörer und U-Boote, die sich dort, gemäß den Waffenstillstandsbedingungen, im Zustand der Demobilisierung befanden. Es dürfte das erstemal in der Weltgeschichte gewesen sein, daß eine Macht ihren Verbündeten überfällt, nur weil dieser nicht in der Lage war, den militärischen Zusammenbruch zu verhindern...

In Frankreich löste der Überfall des einstigen Verbündeten einen tiefen Schock aus, der zum Abbruch der Beziehungen zwischen Vichy und London führte und die frz. Bereitschaft zur Kollaboration entscheidend förderte. Hitler verfügte einen Aufschub der Entwaffnung der frz. Restflotte und intensivierte in Montoire seine Bemühungen um einen Kriegseintritt Frankreichs. Churchill, dem es in Mers el-Kebir auch um eine Demonstration der brit. Unbeugsamkeit in der Panik nach dem Zusammenbruch Frankreichs gegangen war, hatte damit frz. Widerstand bei späteren Aktionen wie in Dakar (September 1940) oder beim Unternehmen "Torch" (November 1942) förmlich provoziert. Zur Vergeltung griffen im September 1940 frz. Bomber Gibraltar an, aber mit keinem nennenswerten Erfolg.

Ein weiteres Ziel von Churchill war es, den Amerikanern zu zeigen, wie entschlossen sich seine Landsleute gegen eine drohende Invasion des Deutschen Reiches stämmen würden. Mehrfach hatte er bereits versucht den Präsident der USA zu Hilfslieferungen oder gar zum Kriegseintritt zu bewegen. Alle seine Versuche scheiterten, denn es war Roosevelts Wahlversprechen für die im November desselben Jahres anstehenden Präsidentschaftswahlen, sein Land aus diesem Krieg heraus halten zu wollen. Der (aus britischer Sicht) Erfolg, bei diesem unmoralischen Unternehmen, hatte aber zufolge, dass die USA tatsächlich den Briten Unterstützung zukommen ließen. Eines der wohl bekanntesten Abkommen war das „Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommen“. Darin erhielt die Royal Navy 50 Zerstörer der USA, dies war der Auftakt zu weiteren massiven Hilfslieferungen der USA an die Briten.

 


Quellen

zeit.de (Zugriff 05.07.09)
nexusboard.net (Zugriff 05.07.09)
wikipedia (Zugriff 05.07.09)
Bücher: "Die Kriegsmarine" und "Chroniken des 2. Weltkriegs"

Autor: Oliver