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Das Thema

Schlacht um Berlin

 

Die Schlacht um Berlin war die letzte große Schlacht auf europäischem Boden während des zweiten Weltkrieges.
Auch wenn die Schlachten vor Moskau, in Stalingrad und bei Kursk wichtiger waren, so gehört auch Berlin zu den wichtigen. Es war keine militärisch wichtige Schlacht, aber eine der psychologisch bedeutendsten in diesem Krieg. Nicht für die Soldaten, den ihre Moral war nach den ganzen Niederlagen schon schlecht genug, aber für die fanatischen Volkssturmmännern, die teilweise achtjährigen Jungen, die immer noch an den Endsieg glaubten und in dieser Schlacht ihr Leben lassen mussten. Und warum? Um das Leben ihres Führers zu verlängern, um der roten Armee noch einige Schläge zu verpassen.
Offiziell fängt die Schlacht um die Reichshauptstadt am 16. April an, doch dabei wird die Schlacht um die Seelower Höhen dazu gerechnet.
Ich fange bei dem 20. April an, dem Geburtstag Hitlers und der erste Tag wo die russische Artillerie das Stadtzentrum Berlins beschoss. Diesen Datum wurde von mir nicht nur wegen des bekannten Kinofilmes der Untergang gewählt, sondern weil in diesen Tagen der Krieg nun leibhaftig auch den Führer, seine Clique und dessen Umkreis erreicht. Von diesem Zeitpunkt an, geht nicht nur das Dritte Reich unter, territorial wie militärisch, sondern vor allem
Hitler geht in seinen Wahn vom Endsieg zu seiner persönlichen Götterdämmerung über.


 
Schlacht um Berlin
 
Datum:
16. April –2. Mai 1945
Ort:
Berlin
Ausgang:
Besetzung Berlins durch die Rote Armee
 
Konfliktparteien
 
 
Deutsches Reich
Sowjetunion
Polen
 
Befehlshaber
Gotthard Heinrici
Helmuth Weidling
Wilhelm Mohnke
Georgi Schukow
Iwan Konjew
Konstantin Konstantinovich Rokossovski
 
Truppenstärke
Deutsches Reich
Sowjetunion
800.000 Soldaten
800 Panzer
>100 Flugzeuge
2,5 Millionen Soldaten
6250 Panzer
7500 Flugzeuge
 
Verluste
Deutsches Reich
Sowjetunion
geschätzt 92.000 tote Soldaten
mind. 200.000 verwundete Soldaten
479.298 Gefangene
zehntausende Ziviliste
352.475 plus 8.892 Polen


Vorgeschichte

Vorgeschichte

Der Krieg begann für die Wehrmacht und Adolf Hitler sehr gut. Mehr als die Hälfte Europas wurde innerhalb von weniger als 2 Jahren besetzt. Die Luftschlacht um England war zwar eine erste Niederlage, doch bedrohten diese nie das Festland bzw. die bisher erreichten Landgewinne der Führung um Hitler. In den folgenden Monaten begann das Unternehmen Barbarossa und man griff die Sowjetunion, den schlafenden Riesen im Osten, an. Das erste halbe Jahr verlief nach Plan, doch wie schon zuvor in der Militärgeschichte und der andere Eroberer, kam der russische Winter und Hitlers Blitzkrieg scheiterte kurz vor Moskau, Leningrad, Rostov und Sewastopol. Nach dem Scheitern der Sommeroffensive 1942 und der damit verbundenden Niederlage von Stalingrad, wurde die Wehrmacht zurückgedrängt und erst hinter Kursk stoppte dieser Rückmarsch. Die folgende Panzerschlacht im Kursker-Bogen, ging zwar in die Geschichte als größte Panzerschlacht ein, scheiterte allerdings an der schierer Masse der auf Hochtouren laufenden Rüstungsmaschinerie der Roten Armee. Zur selben Zeit landeten Amerikaner und Briten in Sizilien und eröffneten eine zweite Front in Europa. Am 6. Juni landeten weitere Truppen der Westmächte in der Normandie und stießen bis an den Westwall vor. Hitler legte fortan seine Hoffnungen auf die Wunderwaffen seiner Ingenieure, wie die V1 und V2 oder der Atomforschung, und ging von den drängenden Ratschlägen seiner Generale in einer Art Wahnvorstellung und Glaube an die eigene Propaganda über.

 

Doch es war alles vergebens und zu spät. Die rote Armee drängte die Wehrmacht aus ihrem Land zurück und befreite den Balkan wie auch Polen. Die Reichsgrenze wurde in der Folge ebenfalls überschritten und erstmals standen Kriegsgegner auf dem eigenem Territorium, eine Situation, die nicht einmal im Ersten Weltkrieg eintrat. Die letzte Aktion Hitlers bzw. letzte Aufbäumen der Wehrmacht, war die Ardennenoffensive, die ebenfalls scheiterte. So drückte sich die Zange von Osten und Westen immer weiter und die rote Armee begann die letzte große Schlacht in Europa. Es gab schlichtweg nichts mehr, was die vielen Armeen der Roten Armee und der Westalliierten aufhalten konnte. Die Wehrmacht hatte ihr Pulver verschossen, die besten deutschen Divisionen sind auf den Schlachtfeldern verblutet und selbst wenn man diese Soldaten noch hätte, es gäbe nicht mehr, womit man sie ausrüsten könnte. Die unablässigen Bombenabwürfe und quasi uneingeschränkt operierende Luftwaffe der Alliierten, machten jede Versorgung einer deutschen Front zunichte.


Beginn der Schlacht

Beginn der Schlacht

 

20. April - Führergeburtstag und Geschenk der roten Armee

Am 20. April durchbrach die rote Armee die 40 Kilometer lange Front, die von der Division Jahn verteidigt wurde. Die Division war größtenteils aus Arbeitsdienstmännern zusammengestellt worden. Der Abschnitt der Division Jahn, war bis dahin noch der Heeresgruppe Weichsel unterstellt.
Diese Heeresgruppe hatte auch den (militärischen) Bereich Berlin unter ihrem Kommando und zog daher alle Reserven aus der Hauptstadt ab. Doch der Durchbruch konnte nicht verhindert werden und bedrohte somit die Flanken der 9. Armee. Die Sowjets nahmen im Handstreich Jüterborg und Wünsdorf. Die Heeresgruppe Weichsel, unter General Heinrici, beantragte die Mitte und den rechten Flügel der 9. Armee zurückzuziehen, doch dies wurde abgelehnt. Gegen alle Warnungen und Ratschläge der Wehrmachtsführung, entschied Hitler, dass keine deutsche Einheit mehr weichen sollte. Daraus entwickelte sich eine militärische Katastrophe, die noch heute ganze Bücher und Vorlesungen an Militärakademien füllt - der größter Feldherr wurde zum Lenker in den Abgrund.
Die 9. Armee war nach wenigen Tagen eingekesselt, wie auch die 6. Armee in Stalingrad. Der Unterschied war, dass die 9. nicht in einer großen Stadt, sondern auf offenem Gelände stand. Die Verluste waren enorm, welche sich im Laufe der Schlacht noch häuften. Im Osten von der Berlin versuchte das LVI. Panzerkorps mit einem Gegenangriff, der 18. Panzergrenadierdivision und der Panzergrenadierdivision "Nordland", den Vorstoß der stark gepanzerten sowjetischen Kräfte westlich von Buckow, in der märkischen Schweiz, zum stehen zu bringen. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte die kleine Offensive an der gegnerischen Übermacht. Um die Flanken, der noch nicht angegriffenen 3. Panzerarmee zu schützen, wurden vorsorglich Sicherungsbesatzungen am Hohenzollern-Kanal bei Oranienburg und am Finow-Kanal eingesetzt. Diese unterstanden, von einschließlich Oranienburg bis ausschließlich Eberswalde, dem SS-Obergruppen Führer Felix Steiner. Steiner hatte in diesem Krieg an vielen Fronten gekämpft und war, als Mitglied der Waffen-SS und ehemaliger Angehöriger der 1. SS-Panzerdivision "Leibstandarte Adolf Hitler", ein überzeugter Nazi und dem Führer treu ergeben. Bei der sogenannten "Armeegruppe Steiner" handelte es sich aber nicht um eine organisierte wie kampfstarke Fronteinheit. sondern um eine zusammengewürfelte Gruppe der noch übriggebliebenen Einheiten, stark dezimiert und moralisch erschöpft. Sie bestand hauptsächlich aus Alarmeinheiten, Volkssturm, abgesplitterte Teile der 9. Armee und improvisierte Einheiten, die meist aus Luftwaffenangehörigen bestanden. Die einzigen kampfkräftigen Einheiten war die 25. Panzergrenadierdivison und die 7. Panzerdivision, die ehemalige Gespensterdivision von Erwin Rommel, welche sich in den Blitzkriegen, vor allem in Frankreich, einen legendären Ruf erwarb. An diesem Tag feierte Adolf Hitler im Führerbunker seinen 56. Geburtstag. An diesem Tag kamen viele Generäle und Offiziere der Waffen-SS und nur wenige der Wehrmacht zum Gratulieren bzw. Stelldichein beim Führer. Ebenfalls anwesend waren Albert Speer, Hermann Fegelein und Heinrich Himmler. Alle wurden sie in der Reichskanzlei empfangen - während gleichzeitig Granaten in der Stadt einschlugen und dieser Feierstunde zur Farce machten. Das war Hitlers Geburtstagsgeschenk von Joseph Stalin und seiner Roten Armee, die die Stadt sturmreif schießen sollten. Anfangs noch für Fernfeuer gehalten, kam bald heraus, dass es sich um Granaten der Kaliber 10- und 12 cm handelte. Die russische Artillerie musste als schon vor der Stadt in Stellung gegangen sein, wobei ein geheimer Aufklärungsbericht die Geschütze bei Marzahn in Stellung entdeckt hatte. Somit war klar, die Rote Armee befand sich in optimaler Ausgangsposition für den Sturm der Stadt.


Den Satz "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag mein Führer" konnte man am 20. April 1945 auch falsch verstehen, angesichts des russischen Artilleriefeuers.

 

21. April

Während sich die Heeresgruppe Weichsel bemühte, durch Aufbau einer Abwehrfront, die Gefahr einer Umfassung der 3. Panzerarmee abzuwenden, trat die 2. weißrussische Front, unter Marschall Rokossowskis am 21. April zum Angriff an. Die Stellungen der 3. Panzerarmee zwischen Schwedt und Stettin konnten in den ersten Tagen gehalten werden, doch am gleichen Tag zeigte sich, dass alle Verteidigungsstellungen der deutschen Wehrmacht im Vorfeld von Berlin durchbrochen worden waren. Bereits in den ersten Tagen der Offensive, hatten sich die Truppen des Generals Perchorowitsch und die Panzerverbände des Generals Bogdanow, Berlin von Norden umgangen. Vom Osten griffen die Truppen der Generäle Kusnezow, Bersarin und Tschuikow an. Die Hauptstoßrichtung lag auf Berlin. Der Vorstoß über die Neiße, in den sächsischen Raum hinein, und Angriffe südlich von Stettin, sollten starke deutsche Verbände binden. Dabei sollten die Kräfte bei dieser Täuschungsangriffe, nach tiefen Durchbrüchen Raum nach Westen einnehmen. Die sowjetischen Generäle nutzen ihrer Übermacht, setzen es mit einer im Krieg durch Blut erkauften Erfahrung effektiv ein und ließen die Festung Berlin dasselbe Schicksal erleiden, wie es die deutsche Wehrmacht mit so vielen anderen Sowjetstädten gemacht hatte. Berlin sollte der Höhepunkt des Siegeszuges der Roten Armee werden, seine Generäle machten sich bereit zum Wettlauf um die hochdotierte Krone Berlin.

 

22. April - die rote Armee kommt

Die Heeresgruppe Weichsel hatte vergeblich versucht, Berlin den aussichtslosen und brutalen Häuserkampf zu ersparen. Die Absicht von Heinrici war es, im Falle eines sowjetischen Durchbruchs sich in West-nordwestlicher Richtung zurück zu kämpfen. Hierbei sollte die südostwärst und ostwärts stehende 9. Armee beiderseits nach Nordwesten zurückgehen. Man war sich der Schwierigkeit dieser Operation bewusst, da man den Schwerpunkt am linken Flügel der Armee erwartete. Damit wäre der Zusammenhang der Heeresgruppe beibehalten worden und mit dem Herausziehen der letzten Reserven aus Berlin, die dortigen Verteidigungsstellungen entblößt worden und die Zivilbevölkerung vor dem Kampf geschützt gewesen. Jedoch war die große Masse der Verteidigungskräfte Berlins nicht motorisiert. Die Ausrüstung war dermaßen schlecht, das ein Einsatz außerhalb Berlins nicht möglich war. Hinzu kam das in die Operationen der Heeresgruppe Weichsel, nun Hitler selbst immer mehr eingriff. Am 22. April entschloss sich Hitler, in der bekannten dramatischen Lagebesprechung, in Berlin zu bleiben und den Kampf dort persönlich zu führen. Seine Generäle Keitel und Jodl, sowie Reichsleiter Bormann sollten in den Süden fliegen, um dort die Gesamtoperationen weiterleiten. Keitel, Jodl und Bormann lehnten dies aber ab. Hitler ließ in dieser Hinsicht umstimmen und beließ seine Getreuen an seiner Seite.
Generaloberst Jodl machte den Vorschlag, die Verbände die an der Westfront stehen umdrehen zu lassen und in den Kampf um Berlin einzusetzen. Hitler nahm diesen Vorschlag an. Die Operation wurde vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) selbst durchgeführt. Hierzu wurde das Oberkommando der Wehrmacht und der Wehrmachtführungsstab zum Gesamtstab OKW zusammengefasst. Am 22. April war Berlin bereits von drei Seiten komplett umfasst, nur der westliche Frontbereich blieb einige Tage noch offen bzw. passierbar. Weißensee und Pankow waren am 22. April in sowjetischer Hand. Die Division Jahn zog sich an diesem Tag nach Potsdam zurück. Im Norden gewannen die russischen Angriffsspitzen von Werneuchen über Bernau nach Westen vorgehend an Boden bzw. waren Sie bereits am den Havelabschnitt zwischen Spandau und Oranienburg angekommen. Die zur Besetzung dieses Abschnittes aus Döberitz in Marsch gesetzte Brigade Müller bestand aus einigen schwachen Bataillonen. Ob sie den Abschnitt noch rechtzeitig errichteten ist nicht bekannt, nur das der roten Armee auch dort der weitere Durchbruch gelang. Die Sowjets zerschlugen dabei die schwachen deutschen Sicherungskräfte mit Leichtigkeit.
Ihr Ziel war klar: Berlin von Westen her einzuschließen. Bei Oranienburg konnte der Versuch, den Oder-Havel-Kanal zu überqueren, durch die beiden vorderen Bataillone einer gerade im Abtransport befindlichen Marine-Division vereitelt werden. Vier Tage stand Berlin unter der Befehlsbefugnis der Heeresgruppe Weichsel, dann übernahm Hitler persönlich den unmittelbaren Befehl über die Reichshauptstadt. In der Zwischenzeit hatte Hitler beschlossen, dass die 12. Armee, die bisher die Elbe verteidigte, einen Endsatzangriff auf Berlin starten sollte. Wencks Armee sollte Richtung Potsdam vorstoßen und sich mit der 9. Armee vereinigen. Jedoch ergab sich bereits die Notwendigkeit, den Bereitstellungsraum gegen die Sowjets zu sichern, die dabei waren, in breiter Front auf die Linie Wittenberg (Elbe) und Brandenburg (Havel) vorzustoßen. An den bisherigen Westfrontabschnitten der 12. Armee, wurden schwache Sicherheitsbesatzungen gelassen. Man ging davon aus, dass die Amerikaner in ihren derzeitigen Stellungen stehen bleiben würden, was auch geschah. Die Masse der 12. Armee, auch Armee Wenck genannt, wurde gegen den "Ostfeind" geworfen. Besonders schwierig war der Flankenschutz und so gewann dieser eine besondere Bedeutung. General Wenck bemühte sich, seine Südflanke gegen feindliche Verbände zwischen Wittenberg und Niemegk abzustützen und seine Nordflanke südostwärts von Brandenburg zu sichern. General Weidling, kommandierender General des LVI. Panzerkorps, gab am 22. April seinen Kommandeuren vom Regiments-Kommandeur an aufwärts bekannt, dass er einerseits von General Busse, dem General der 9. Armee, den Befehl zum Anschluss an die 9. Armee und andererseits den Befehl Hitlers mit dem Korps nach Berlin zu gehen, bekommen hatte. Da stand Sie nun, die letzten Teil der Wehrmacht, die das Bollwerk Berlin gegen seine Feinde verteidigen sollte. Im Westen rückten die Westalliierten unbeirrt und kaum behindert fort. Im Osten konzentriert sich die Rote Armee auf Berlin, wenn die Reichshauptstadt fällt, sie die Ansicht der Alliierten, wäre der Krieg de facto vorbei.

 


23. - 26. April

23. April - 12. Armee soll kommen

 

Am 23. April um 3:05 Uhr erhielt Wenck vom OKW folgenden Befehl:

 

Der Feind hat mit Panzer- und Aufklärungsstreitkräften Drewitz und Großbeeren erreicht. Mit Angriffen stärkerer Feindkräfte bei Potsdam ist zu rechnen.
Gegen beiderseits der Straße Treuenbrietzen-Beelitz vorstoßender Feind sind Teile der Division Jahn nördlich Beelitz eingesetzt.
12. Armee wird unter Belassung schwacher Sicherungen an der Elbe am 23.04. Feind im Raum Jüterborg-Treuenbrietzen von Westen her angreifen
und nimmt Verbindung zum Abschnitt des Kampfkommandanten Potsdam an der Autobahn drei Kilometer südlich Ferch auf.
Kampfkommandant Potsdam, dem Chef der Führungsgruppe des
Generalstabs des Heeres unmittelbar unterstellt, verteidigt die Havelseen im Abschnitt Autobahndreieck Caputh-Potsdam,
Front nach Osten zur Sicherung des Krampnitzsees nach Norden.
Hierzu wird ihm die Wachkompanie OKH Chef d. Gen.St. d. Heeres unterstellt. Die Havelbrücken zwischen Potsdam und Glienicke sind zu sprengen.

 

Die Absicht war es, der 3. sowjetischen Panzerarmee in die linke Flanke, mit der 12. Armee, einzufallen und Berlin zu entsetzen. Den Amerikanern sollte dadurch gezeigt werden, dass der Kampf größtenteils gegen die Sowjetunion geführt wird. Die 9. Armee sollte kehrtmachen und sich mit der 12. Armee vereinigen. Obwohl die 12. Armee sich in einer noch nicht abgeschlossenen Neuaufstellung befand, hatten ihre jungen Soldaten ihren Kampfgeist gegen die Amerikaner schon bewiesen. General Köhler führte das XX. Korps, welches mit drei Divisionen kampfkräftigster Verband der Armee war. Der Verteidigungsbereich Berlin wurde inzwischen von der roten Armee weiter heftig angegriffen. Sie führten ihre Hauptangriffe im Südosten am und über den Teltow-Kanal bzw. drangen im Süden, Osten und Norden in den äußeren Verteidigungsring der Stadt ein. Dabei gelangten sie im Süden bis Zehlendorf. Im Osten stießen die Sowjets bis an den inneren Verteidigungsgürtel, doch wurden die vorderen Einheiten vom Flakturm Friedrichshain zum Stehen gebracht. Im Norden gelang es ihnen jedoch einen tiefen Einbruch zu erzielen. Gleichzeitig stießen die Sowjets in Ausnutzung des erfolgreichen Havelüberganges vom Vortag, auf Döberitz vor. Im Norden von Berlin hatte SS-Obergruppenführer Steiner von der Heeresgruppe Weichsel den Befehl erhalten, einen Entlastungsangriff nach Süden zu führen. Hierfür standen im sieben Bataillone mit völlig verschiedenen Sollstärken zur Verfügung. Beim LVI. Panzerkorps von Weidling war man sich im klaren, dass ein hineinziehen des Korps der Untergang war. Weidling entschloss sich den Übergang über die Spree anzutreten, um bei Königswusterhausen Anschluss an die 9. Armee zu suchen.
Doch am Abend des 23. April erhielt er den kategorischen Befehl Hitlers, unverzüglich in die Reichskanzlei zu kommen, andernfalls würde man ihn erschießen. Man war allgemein der Ansicht, dass Weidling erschossen gehört, da sein Korps von der roten Armee zurückgeworfen wurde. Doch Weidling machte auf Hitler so einen hervorragenden Eindruck, dass er ihn zum Befehlshaber des Verteidigungsbereichs Berlin machte. Danach begann Weidling sein Korps nach Berlin hineinzuziehen, was bis zum nächsten Tag dauerte.


Walter Wenck, Oberbefehlshaber der 12. Armee, soll Berlin retten.

 

24. April - Der Berliner Kessel schließt sich

Die weiter nach Süden angreifende Panzerverbände der Sowjetunion, hatten am Abend des 24. April Berlin von Westen her endgültig eingeschlossen. Der einzige Ausgang aus der Stadt war ein schmaler Korridor südwestlich bei Potsdam. Südlich von Nauen vereinigten sich die Panzerspitzen Schukows und Konjews. Die Befürchtungen der Heeresgruppe Weichsel, vor einem russischen Stoß in die tiefe Südflanke der 3. Panzerarmee und in den Rücken der Heeresgruppe, wurden bestätigt. Gegen die von Süden vorstoßenden Russen konnte, unter Einbeziehung des XXXXI. Panzer-Korps unter General Holste, das von der 12. Armee aus der Elbefront herausgelöst worden war, und mit Teilen von Steiners Armeegruppe ein schwacher Abwehrriegel im Anschluss an die nordwestlich Oranienburg stehenden Verbände, ein "neuer" Kampfverband gebildet werden.
Die Armeegruppe Steiner begann in den frühen Morgenstunden ihren Angriff auf Berlin. Die Armeegruppe kämpfte gegen einen schwachen und vom Angriff überraschten Feind bzw. stieß bis zur Linie Zehlendorf - Klosterfelde vor. Die jeweiligen Einheiten der Roten Armee reagierten auf den Feind und konnten, mit dem strategischen Vorteil einer übermächtigen Streitmacht, sofort Gegendruck ausüben, welcher die die Armeegruppe Steiners bis auf ihre Ausgangsstellung zurückschob. Ähnlich wie durch den Angriff Steiners, wurden feindliche Kräfte auch bei Eberswalde gebunden. Aus dem Ringen der Wehrmacht um Berlin wurde schon bald eine nur schwach zuckende Abwehrhaltung, der faktisch schon geschlagenen Wehrmacht. Eigentlich wäre nun der Zeitpunkt einer Kapitulation gekommen, doch im Bunker unter der Reichskanzlei galt die Losung Halten umd jeden Preis. Seid Stalingrad forderte die militärische Engstirnigkeit der Führung die meisten Soldatenleben auf deutscher Seite. Diejenigen Soldaten, die es bis Berlin geschafft hatten, in ausgemergelten Einheiten und zusammengeschusterten Verbänden, eine ausgebombte Stadt und ihren Führer verteidigten, muss das ganze wie nicht enden wollende Ironie eines schon vor Monaten verlorenen Krieges vorkommen. Im Adlon und den Bunkern betranken sich die Offiziere, ließen ihre letzten Tages im Dritten Reich im Alkohol vergehen, währenddessen die Landser in den Straßen an Kugeln, leeren Mägen und sturen Befehlen zu Grunde gingen. Dabei kamen immer weitere Soldaten in die Stadt, den Endkampf von Berlin aus zum Endsieg zu machen.

 

Tagelang griff die 8. polnische Armee deshalb en dortigen deutschen Brückenkopf an, ohne ihn beseitigen zu können. So konnte bis zum 24. April das LVI. Panzerkorps komplett nach Berlin gelangen. Die örtlichen Besatzungen, die kaum noch gegen die Flut der roten Armee ankämpfen konnte, wurden nun durch reguläre Truppen verstärkt. Besonders im Osten der Stadt hatte sich die Lage verschärft. Weidling hatte zunächst angeordnet, dass je zwei der acht Berliner Verteidigungsabschnitte jeweils unter dem Befehl eines der 4 Divisionskommandeure seines Panzerkorps treten sollten. Die Abschnittseinteilung lief von Nordosten beginnend mit Abschnitt A im Uhrzeigersinn bis zum Abschnitt H. - z.B. reichte der Abschnitt D von Zehlendorf bis Neukölln. Das Konzept sollte eine gut eingespielte Befehlsorganisation übernehmen und frontbewährte und erfahrene Kommandeure in die Verteidigung einbinden. Die Verbände des LVI. Panzerkorps wurden je nach Gefährdung und Wichtigkeit der Verteidigungsabschnitte eingesetzt. Die 20. Panzerdivision, mit ihren Resten um Wannsee, im Süden der Stadt. Die Panzerdivision Müncheberg, mit ihren 15-20 Panzern, im Süden und Südosten Berlins. Die Panzergrenadierdivision Nordland, die aus skandinavischen Freiwilligen und einem französischen Sturmbataillon bestand, und Reste der Panzergrenadierdivision Nederland, freiwillige Holländer, im Ostabschnitt. Die 18. Panzerdivision wurde nördlich und südlich des Abschnitts Zoo eingesetzt. Die Reste anderer Frontverbände, wie die Trümmer der 9. Fallschirmjägerdivision, wurden aufgeteilt. Stärke Kampfkraft und Kampfwert waren bei allen Divisionen unterschiedlich. Die Division Müncheberg und die 18. Panzergrenadierdivision waren abgekämpft, besaßen aber noch halbe Gefechtsstärke und können daher noch als kampffähig betrachtet werden. Ähnlich war es bei der Division Nordland, auch wenn sie im Kampfwert vielleicht etwas schwächer war. Die 20. Panzerdivision und die Reste der Division Nederland waren so stark angeschlagen, dass sie nur geringen Kampfwert besaßen. Das zum LVI. Panzerkorps gehörige Volksartilleriekorps 408, hatte mehr als zwei Drittel seiner Geschütze nach Berlin bringen können, jedoch besaß es fast keine Munition mehr. An Artillerie waren standen nur die insgesamt schwachen bodenständigen Geschütze ausländischer Herkunft, das Volksartilleriekorps 408 und die Artillerie der Divisionen des LVI. Panzerkorps zur Verfügung. Als Stellungen wurden der Tiergarten, der Lützowplatz, der Belle-Alliance-Platz, der Lustgarten und der Alexanderplatz, sowie das Eisenbahngelände am Potsdamer und Anhalter Bahnhof genutzt.
Der nunmehr vom LVI. Panzerkorps gestellte Artilleriekommandeur des Verteidigungsbereichs arbeitete eng mit der 1. Flakdivision zusammen. Beide Gefechtsstände lagen im Flakleitstand "Zoo". Im Zusammenwirken mit den schweren Zwillingsflakgeschützen der Flakbunker, wurden Schwerpunkte artilleristischer Abwehr gebildet. Im eingeschlossenen Berlin waren, außer den 60.000 Volkssturmmännern, etwa eine Personalstärke von 4-5 Divisionen (ca. 60.000 - 90.000 Mann) und 40-50 Panzer, 10 Davon vom Typ "Tiger". Mit Ausnahme des LVI. Panzerkorps und der SS-Brigade Mohnke, handelte es sich nicht um organisch zusammengewachsene Truppenteile, sondern um bunt zusammengewürfelte Splittergruppen und ein Gemisch von Einheiten. Bei unterschiedlicher Ausbildung, Bewaffnung und Ausrüstung war ihr Kampfwert entsprechend gering. Während sich die Kämpfe in Berlin sich zu immer größeren Erbitterungen steigerten, wurde der Angriff des XX. Armeekorps der 12. Armee, aus dem Raum Niemegk in Richtung Trebbin, vorbereitet.
Am Abend des 24. April erhielt die 12. Armee den OKW-Befehl für den Angriff zum Freikämpfen von Berlin. In der Stadt selbst begann, nach heftigen Artillerie- und Luftbombardements, die eigentliche Schlacht um Berlin. Die Lage verschärfte sich mit der Zeit immer mehr. Die Verteidiger Berlins wurden von der, aus allen Richtungen angreifenden, roten Armee bis auf die Ringbahn zurückgedrängt. Die rote Armee war nach den Häuserkämpfen in Stalingrad erfahren genug, um die Wehrmacht in Berlin effektiv zu schlagen. Unterstützt durch Panzer, schweren Waffen, Pionieren und Flammenwerfer drangen die russischen Soldaten von Haus zu Haus und Straße zu Straße immer weiter vor. Starke Widerstandsnester wurden umgangen und flankiert. Die Verteidiger erschöpften sich dadurch immer mehr. Ihre Kampfkraft sank von Tag zu Tag mehr ab. Nicht geringer war die Zahl derer, die physisch und psychisch den wachsenden Belastungen nicht mehr gewachsen waren.


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25. April - Kessel ist zu

Die Truppen von Marschall Konjew drangen im Süden von Berlin immer weiter vor. Deshalb war die 12. Armee ab dem 25. April gezwungen, den Feind in beweglicher Kriegsführung zu stellen, um sein weiteres Vorgehen zu verzögern. Der 12. Armee gelang es so nicht mehr eine zusammenhängende Front aufzubauen, dafür war das Operationsgebiet für Wencks Truppen schlichtweg zu groß. Den Sowjets wurden nur noch durch Einzelunternehmen erhebliche Verluste zugefügt.
Das an dem Nordflügel der Armee stehende XXXI. Panzerkorps, unter General Holste, sollte auf Nauen angreifen. Aussicht auf Erfolg bestand wenig, da aus Treibstoffmangel das Korps fast bewegungsunfähig war. Die drei Divisionen des XX. Korps hatten volle Personalstärke, aber waren schwach motorisiert, besaßen kaum Sturmgeschütze, waren schlecht bewaffnet und hatten zudem unzulängliche Führungsmittel. Trotz dieser Mängel hatte die Truppe, laut General Wenck, einen "hervorragenden Kampfeswillen". General Busse versuchte bereits seit dem 23. April die drohende Einkesselung seiner 9. Armee, südostwärts Berlins, mit einem Rückzug zu verhindern. Doch General Krebs, der Chef des Generalstabes des Heeres, wollte die Genehmigung für ein Ausweichen nach Westen nicht geben. Nach langem hin und her, als die 9. Armee schon eingeschlossen war, gelang es durch das Eingreifen von Generaloberst Heinrici, dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel, eine Entscheidung Hitlers herbeizuführen. Er entschied: "Der Führer ist einverstanden mit der Zurücknahme des äußersten Nordostpunktes der 9. Armee in eine bestimmte Linie." Diese allgemeine Formulierung wurde von der Heeresgruppe Weichsel in den klaren Befehl umgesetzt: "Durchbruch nach Westen. Rechte Schulter an Autobahn Südring zur Vereinigung mit Wenck. Bindung Ostfront entfallen." Die Befehle der 12. und 9. Armee drückten die Hoffnung auf eine Vereinigung beider Armeen und ein Freikämpfen Berlins aus, während am gleichen Tag die Vereinigung sowjetischer und amerikanischer Truppen bei Torgau an der Elbe stattfand. Die rote Armee meldete hierüber: "Die Truppen des 1. Ukrainischen Front und die mit uns verbündeten englisch-amerikanischen Truppen haben durch einen Vorstoß von Osten und Westen, die Front der deutschen Truppen aufgespalten und sich am 25. April um 13:30 Uhr im Zentrum Deutschlands, im Raum der Stadt Torgau, vereinigt. Damit sind die deutschen Truppen in den südlichen Gebieten Deutschlands abgeschnitten..." Hitler forderte zum gleichen Zeitpunkt eine besondere Anteilnahme der Armeegruppe Steiner in den Kampf um Berlin. Felix Steiner sollte dazu aus dem Raum nordwestlich Oranienburg, mit der 25. Panzergrenadierdivision und der im unterstellten 7. Panzerdivision, gegen die tiefe Flanke des auf Nauen nach Westen vorstoßenden Sowjets angreifen. Inzwischen hatte die rote Armee in einem Großangriff südlich von Stettin, die Front der 3. Panzerarmee durchbrochen.
In Berlin selbst gab es seit den frühen Morgenstunden Chaos. Um 5:30 Uhr griff die rote Armee die Division Müncheberg mit massierter Panzerkraft an. Die Division war zum Rückzug befohlen. Dann kam der Befehl aus der Reichskanzlei, die Division solle zur Entlastung zum Alexanderplatz fahren. Als der Abmarsch schon voll im Gange war, kam um 9 Uhr Widerrufbefehl. Um 10 Uhr drangen die sowjetischen Verbände unaufhaltsam Richtung Tempelhof, Standort des einzigen noch in deutscher Hand befindlichen Flugplatzes, vor. Die neue Hauptkampflinie war Rathaus Schöneberg - Hallensches Tor - Bell-Alliance-Platz. Es waren schwere Straßenkämpfe in denen, neben den Soldaten, auch Zivilisten und Tiere starben. Die Frauen flohen von Keller zu Keller. Dann kam der neue Befehl für die Division Müncheberg: Abmarsch zum Alexanderplatz.


Zerstörung zeichnete Berlin während der Kämpfe aus - hier ein Rotarmist, der sich hinter einem Brückenpfeiler Deckung sucht

 

26. April

An diesem 26. April befahl Hitler, dass die 9. und die 12. Armee nach ihrer Vereinigung nach Norden eindrehen sollten, um dort den Feind im südlichen Teil Berlins zu vernichten bzw. eine Verbindung zur Reichshauptstadt herzustellen. Hitler hielt auch weiter an dem Entlastungsangriff von Norden fest. Heinrici beantragte die Angriffe einzustellen, da der russische Brückenkopf südlich von Stettin soweit ausgeweitet wurde, dass er operative Bedeutung gewonnen hatte. Hitler lehnte dies ab. Das Armee-Oberkommando 21, unter General der Infanterie von Tippelskirch, bekam die Führung in der Linie Fürstenberg-Neustrelitz-Neubrandenburg, als Einsatzreserve. Nach Angriffen überlegener Feindkräfte, gegen den von der 25. Panzergrenadierdivision gebildeten Brückenkopf südlich des Ruppiner-Kanals, schwanden die deutschen Angriffsaussichten noch mehr als zuvor.
In Berlin wurde in der Nacht ein schweres Artilleriefeuer der roten Armee begonnen. Die Nacht wurde "brandrot". Um 5:30 Uhr begann erneut eine heftiges Trommelfeuer und die Division Müncheberg zog sich zum Anhalter Bahnhof zurück. Die Bahnsteige und die Schalterräume glichen einem Heerlager. Die Einschläge der Artillerie erschütterte die Tunneldecken und Betonstücke brachen heraus. Die Schächte stanken geradezu nach Pulver und Rauch. Plötzlich drang Wasser in den Gefechtsstand ein. Schreie, Weinen, Flüche, Menschen, welche um die Leiter kämpften, die durch die Luftschächte an die Oberfläche führten. Die Masse stürzte sich über die Schwelle in die Freiheit und ließen Kinder und Verwundete zurück. Das Wasser stieg einen Meter, bis es sich langsam wieder verlief. Noch Stundenlang herrschte Angst und Panik. Viele sind Ertrunken. Der Grund dafür war, das die Pioniere den Befehl erhielten die Schottenkammer des Landwehrkanals zwischen Schöneberger und Möckern-Brücke zu sprengen, um die Schächte gegen das unterirdische Vordringen der Sowjets zu fluten. Wer diesen Befehl gab ist bis heute unbekannt. Am Nachmittag wurde die Division Müncheberg zum Potsdamer Platz verlegt. Der Gefechtsstand wurde in der 1. Etage eines Hauses eingerichtet, da die unteren Schächte noch hoch unter Wasser standen. Es gab viele Einschläge in die Fahrdecke, wobei viele Verwundete und Zivilisten starben. Qualm drang durch die Einschlagslöcher und machte das Atmen schwer. Nach einem Einschlag unterhalb des ersten Treppenabsatzes, klebten Männer, Soldaten, Frauen und Kinder buchstäblich an den Wänden. Es war ein grausamer Anblick.


27. Aprli 30. April

27. April

In einem Führerbefehl vom 27. April forderte Hitler, dass die Angriffsgruppe Oranienburg (verstärkte 25. Panzergrenadierdivision) dem XXXXI. Panzerkorps, von General Hostle, unterstellt wird. SS-Obergruppenführer Felix Steiner sollte damit ausgeschaltet werden. Im Laufe des Tages wandelte sich die Lage weiter zu Ungunsten der Deutschen. Um 15 Uhr war die rote Armee in der Linie der 3. Panzerarmee durchgebrochen. Reserven waren keine mehr vorhanden. Die verstärkte 25. Panzergrenadierdivision musste, neben ihrem Angriff auf Berlin, zum Stoß auf die Südflanke des durchbrochenen Feindes angesetzt werden. Das OKW klammerte sich weiter an den Angriff aus Oranienburg und so musste der Brückenkopf gehalten werden. Kurz nach dem Befehl an die 25. Panzergrenadierdivision, wurde die 12. Armee und die Infanteriedivision Schlageter der Heeresgruppe Weichsel unterstellt. In Berlin versuchte die Division Müncheberg einen Durchbruch der roten Armee aufzuhalten. Die Sowjets versuchten zur Leipziger Straße durchzubrechen, daraufhin gab die Division die Prinz-Albrecht-Straße zurück. In dieser Situation häuften sich die Auflösungserscheinungen. Aber man weigerte sich zu Kapitulieren. Man wollte nicht, dass man über die in Berlin stehende Verbände behaupten konnte bzw. man es später selbst bereute, nicht bis zum Ende durchgehalten zu haben. Die irrsinnige Einstellung mancher Offiziere, an der Seite des Führer bis zum bitteren Ende zu kämpfen, besiegelte das Schicksal vieler kämpfender Soldaten. Fakt ist, dass es einige Offiziere gab, die ihre Truppen zu Schonen versuchten, die wussten, das der Befehl die Waffen niederzulegen, nicht mehr weit entfernt sein konnte.

 

Die körperliche Verfassung der Soldaten war unbeschreiblich schlecht, denn es mangelte an regelmäßiger Verpflegung, an Kampfpausen und es gab kaum noch Brot. Die Nervenzusammenbrüche bzw. "Frontzittern" häufte sich Zusehens, vor allem wegen des andauernden Artilleriefeuers, wobei die Selbstmordrate drastisch anstieg. Trinkwasser für den Bedarf von Soldaten und Zivilisten musste aus den Schächten und aus der Spree gepumpt bzw. filtriert werden. An diesem Tag vermerkte der Divisionskommandeur der Division, dass es immer häufiger zu Erschießungen bzw. besonders häufig fliegende Gerichte bei ihm auftauchten. Meistens waren es ganz junge SS-Führer, die praktisch keine Fronterfahrung bzw. auch kaum eine Auszeichnung hatten. Diese jungen Gefolgsleute des Regime glaubten auch weiter an den Endsieg und den unbezwingbaren Führer, der unter Ihnen weilte. Fakt ist, Hitler residierte in seinem Berliner Bunker, fern jeder Realität und Bezug zur Außenwelt. Umgeben war er nur von gebügelten Uniformen, drei Mahlzeiten am Tag, die täglichen Lagebesprechungen und natürlich sein treu ergebene Hofstaat. Die Bombeneinschläge ließen das untergehende Berlin mehr als erahnen, doch die Offiziere im Bunker waren in einer Scheinwelt gefangen. Diese Scheinwelt, immer wieder angefeuert durch Divisionsnamen auf den Kartentischen, die eigentlich nur mehr versprengte Haufen waren und die verhärmten Geister einer Generalsgeneration, die schon die Niederlage 1918 hat hinnehmen müssen. Erst redete man sich die Lage schön, dann trank man sich nahe Kriegswende realistisch und zum Schluss war da nur noch die Hoffnung in einen Führer, der die Realität aussperrte. Auf den Straßen war es ein Bitten, Bangen und die Suche nach dem Zeichen einer möglichen Wende im Kampf. Die Hoffnung auf Entsatz und die Angst vor den Gerichten rappelte die Männer in den Straßen wieder auf. General Mummert lehnte die Feldgerichte stets ab und untersagte, dass diese in seinen Verteidigungsbereich eindringen. Sein Argument war, dass eine Division, die die meisten Ritterkreuz- und Eichenlaubträger besitzt, es nicht verdient hat von so jungen Kerlen verfolgt zu werden. Mummert drohte auch, ein Feldgericht was beim ihm eingreift, persönlich niederzuschießen.
Der Potsdamer Platz war nur noch ein Trümmerfeld. Die Menge der zerschlagenen Fahrzeuge war nicht zu übersehen und die Verwundeten lagen noch in den zusammengeschossenen Sankas. Überall waren Tote, zum großen Teil von Panzern überfahren und grässlich verstümmelt. Am Abend versuchte das Propagandaministerium in den Regierungsgebäuden eine Nachricht von Wenck zu erhalten. Unter den Truppen machte sich nun das Gerücht breit, das die 9. Armee ebenfalls unterwegs nach Berlin ist.


Felix Steiner - weigerte sich den Angriff auf Berlin fortzusetzen und wurde daraufhin abgesetzt.

 

28. April - Schlacht um Berlin tobt; Mussolini wird erschossen

Am 28. April um 3:00 Uhr führten Feldmarschall Keitel und General Krebs ein Ferngespräch, in diesem Krebs über das drohende Fehlschlagen der Offensive informiert wurde. Krebs erwiderte, das Hitler sich noch höchstens 48 Stunden in Berlin halten könnte. "Wenn bis dahin keine Hilfe kommt, ist es zu spät!", sagte Krebs. Um 5 Uhr brach die Fernsprechverbindung endgültig ab. Die Entwicklung der Lage konnte nicht besser ausgedrückt werden, als mit diesem Hilferuf aus der Reichskanzlei. Die 12. Armee kam bis zur Linie Beelitz-Ferch-Petzow. Eine Verbindung mit der Besatzung von Potsdam, unter General Reyman konnte hergestellt werden. Diese entzog sich dem feindlichen Zugriff über den Wasserweg zur 12. Armee. Die bei Halbe eingeschlossene 9. Armee meldete in den frühen Morgenstunden, dass der Ausbruch aus dem Kessel gescheitert war. Zusammengepfercht mit der Zivilbevölkerung war die Armee in einer verzweifelten Lage. Die 12. Armee musste heftige Angriffe der roten Armee standhalten, die ein Vorrücken auf Berlin unmöglich machten. In der Nacht vom 27. auf den 28. April wurde die Innenstadt von dem heftigsten Artillerie der Schlacht bedroht. Gleichzeitig griff die rote Armee die Stellungen der Division Müncheberg am Alexander Platz an. Die Division konnte sich an dem großen Platz nicht mehr halten und verlegte ihre Position gegen 4 Uhr morgens unterirdisch zum Nollendorf-Platz. An diesem Tag wurde unterdessen Benito Mussolini, der Duce Italiens, und seine geliebte bei Mailand von Partisanen erschossen und später an einer Tankstelle an den Füßen auf gehangen. Wohl ein Grund dafür, dass Hitler wollte das seine Leiche verbrannt und für immer unentdeckt bleibt.


Adolf Hitler hier mit dem Duce Benito Mussolini. Diese Zeiten waren 1945 längst vorbei...

 

29. April - Der Führer heiratet

An diesem Tag wurde die 12. Armee weiterhin schwer angegriffen und man sah nun ein, dass auch das Korps Holste nicht weiter auf Berlin zustoßen konnte. Die immer unhaltbarer werdende Lage zwang Generaloberst Heinrici seine Verbände am rechten Flügel hinter den Havel-Voss-Kanal Verlauf der Havel zurückzuziehen. Heinrici rettete seine Soldaten vor einem nutzlosen Tod, trotzdem wurde er seines Postens enthoben. In Berlin war man davon überzeugt, dass seine Armee Berlin entsetzen hätten können. So wurden an diesem Tag die Angriffe von Norden und Süden Berlins eingestellt. Zur gleichen Zeit heiratete Adolf Hitler seine langjährige Freundin Eva Braun.

 

30. April - Hitlers Selbstmord

 

Am 30. April nahm die sowjetische rote Armee den Reichstag ein. Die Flagge wurde von den Sergeanten Kantarija und Jegerow auf dem Dach des großen Prestigesymbols Hitler-Deutschlands gehisst. Das berühmte Foto, dass in den folgenden Tagen in der Sowjetunion verbreitet wurde, ist aber nachgestellt. An der Corneliusbrücke, am Savarin, um das Eden-Hotel und die alte Heereskleiderkasse wurde weiterhin erbittert gekämpft. Einige sowjetische Panzer drangen in den Zoologischen Garten ein und beschossen die Fensterblenden der Flaktürme am Zoo. Die Plattform der Flaktürme und ihre Umgebung lagen nun ständig unter Feuer. Von der Plattform des Flakgeschützturmes, mit seiner gewaltigen Höhe, hatte man einen umfassenden Blick auf die brennende, schwelende und rauchende Reichshauptstadt, die später Hitlers und Speers Germania werden sollte. Während Hitlers Traum von Germania immer unrealistischer wurde, standen um die Reichskanzlei 1000 SS-Soldaten. Diese waren Truppen der 1. SS-Panzerdivision "Leibstandarte SS Adolf Hitler" und verteidigten den Verteidigungsbereich Zitadelle. Dieser Bereich wurde vom Brigadeführer Mohnke betreut. Die Soldaten bestanden aus Balten, Franzosen, Belgier, Flamen, Holländer, Skandinavier, Schweizer, Engländer und Spanier. Diese waren alle freiwillig der Waffen-SS beigetreten. Diese Situation spiegelt den Wandel des Krieges sehr gut wieder. Die Waffen-SS als arische Elite Truppe entstanden und die Bewerber von Heinrich Himmler persönlich noch nach Rasse untersucht, bestand nun zu großen Teilen aus sogenannten rassisch Minderwertigen oder schlicht gesagt, nicht Deutschen. Die Truppen kämpften erbittert gegen den sowjetischen Ansturm auf das Stadtzentrum. Das SS-Sturmbatallion Charlemagne vernichtete in 8 Tagen über 60 Panzer. Doch die Verluste waren ebenfalls hoch. 300 Mann wurde am 24. April noch in die Stadt verlegt und davon überlebten nur 30 bis zum 2. Mai 1945. Zur gleichen Zeit wurden Durchhalteparolen verkündet und Exekutionskommandos versuchten verzweifelt jeden angeblichen Verrat mit Tod oder Todesdrohungen auszumerzen. Am Abend diesen Tages, nahm sich Adolf Hitler mit seiner Frau Eva Hitler (Mädchenname: Eva Braun) das Leben. Eva nahm eine Giftkapsel, ebenso wie Hitler der sich dabei noch eine Kugel in den Kopf schoss. Die Leichen wurden verbrannt und dann begraben. In Hitlers Testament wurde Goebbels zum Reichskanzler ernannt und Dönitz sollte als Staatsoberhaupt eine neue Regierung im Norden des Reiches gründen.


So sah Hitler in den letzten Wochen aus: Gebeugt, traurig und mit einer zitternden Hand


Kapitulation

01. und 2.Mai - Kapitulation der Truppen Berlins

Zu Beginn dieses Tages, konnten die Reste der 9. Armee den Kessel entkommen und sich der 12. Armee anschließen. Zehntausende an Soldaten und Flüchtlingen blieben zurück. Die 12. und die 9. Armee marschierten nach Westen und ergaben sich den Amerikanern. In Berlin näherten sich die Kämpfe ihrem Ende. Die Reste der Verteidiger konzentrierten sich bei der "Festung Zitadelle" um die Reichskanzlei, um die "Festung Bendlerblock" und die "Festung Zoo". Vom Zoo führte ein schmaler Schlauch nach Westen. Das Reichssportfeld, die Spree südostwärts von Spandau und das Westufer der Havel zwischen Spandau und Wannsee, wurden noch gehalten. Befehle sowie Gegenbefehle zum Ausbruch aus Berlin oder Fortsetzung der Kämpfe in der Stadt, erregten die Gemüter der Soldaten. Ebenfalls stark demotivierend war, dass an diesem Tag der Selbstmord Hitlers bekannt wurde. Weidling gab, mit Erlaubnis Hitlers (Testament), den Soldaten die Freigabe zum selbstständigen Ausbruch. Goebbels, Hitlers Nachfolger als Reichskanzler, untersagte dies kurz darauf. Goebbels wollte Waffenstillstandsverhandlungen mit der sowjetischen Führung betreiben. Die Gespräche blieben allerdings erfolgslos und so begann Goebbels kurz darauf Selbstmord mit seiner Frau. Seine Kinder brachte Magdalena Goebbels bereits einen Tag vorher mit Gift um. Ob sich das Ehepaar Goebbels erschoss oder mit Blausäure vergiftete, ist weiterhin umstritten. Fakt ist, dass sich beide verbrennen ließen. Ebenfalls machte Staatssekretär Hans Fritzsche den Sowjets ein Kapitulationsangebot, was ebenfalls abgelehnt wurde. Weidling übernahm nach Goebbels Selbstmord die Verantwortung und befahl die sofortige Kapitulation der Soldaten. Die im Zentrum Berlins kämpfenden Soldaten befolgten den Befehl, doch in anderen Stadtteilen kam dieser Befehl nie an und so brachen diese aus oder kämpften bis zum letzten Mann. Auch viele Männer der SS und Waffen-SS lehnten diesen Befehl ab und kämpften bis in den Tod. Noch tagelang gingen die Gefechte weiter. Ausbruchsversuche waren zumeist erfolgreich, solange es sich um kleine Gruppen ging. Ausbrüche wie der große bei Pankow oder der Großausbruch der Divisionen Müncheberg und der 18. Panzergrenadier Division blieben im Feuerhagel und Nahkampf stecken. In Not und Trümmern, in Tod und Gefangenschaft endete die Schlacht um Berlin, mit dem Sieg der roten Armee.


General Weidling, Oberbefehlshaber Berlins


Vergewaltigung

Vergewaltigung deutscher Frauen durch russische Soldaten

Neben dem Krieg und seinem Terror, war ein weiterer Terror zu finden. Als die rote Armee in Deutschland einmarschierte und die Wehrmacht zurück drang, nahmen sich viele sowjetische Soldaten die Freiheit sich an deutsche Frauen zwischen 12 und 60 Jahren zu vergreifen. Die Soldaten, die dies taten, hatten oft "ihre" speziellen Frauen, zu denen sie immer wieder hingegangen sind. Auch mehrere Offiziere vergewaltigten viele Frauen. Von der obersten Führung der roten Armee wurde dies meistens ignoriert oder gefördert. Die Frauen konnten diese Erlebnisse nie wirklich verarbeiten und litten Jahre später noch drunter, vor allem die 12 Jährigen Mädchen. Väter und Ehemänner, die versuchten zu helfen, wurden erschossen, ebenso Frauen und Mädchen die sich "zu sehr" wehrten. Verurteilt wurde niemand der Soldaten. 1954 erschien das Buch "Eine Frau in Berlin" in England, 1955 in den Niederlanden und 1959 in Deutschland. Die Autorin beschreibt wie sie von mehreren Rotarmisten von 20. April bis zum 22. Juni 1945 vergewaltigt wurde. Das Buch galt damals als Schande "der deutschen Frau" und wurde scharf kritisiert. Daraufhin untersagte die Autorin jede weitere Verbreitung bis zu ihrem Tod. Zwei Jahre nach ihrem Tod, wurde das Buch 2003 wiederaufgelegt und wurde eines der Bestseller 2003. Die Echtheit des Buches wurde angezweifelt, da zur selben Zeit mehrere Sachbücher als falsch entlarvt wurden. Nachdem der Name der Autorin bekannt wurde und die Tagebücher begutachtet wurden, wurde das Buch als echt eingestuft. Im Oktober 2008 kam die Verfilmung des Buchs in die Kinos (Anonyma – Eine Frau in Berlin).

 

Als Gegenposition muss natürlich die Besatzungspolitik der Wehrmacht und SS im Osten gesehen werden. Auch hier gab es viele Übergriffe und Zwischenfälle von Militär und Zivilisten. Dabei steht hier nicht die Siegermentalität bzw. der Hass auf die Besetzer, wie bei den Russen als Tathintergrund gesehen, sondern die Ansicht, dass man an sog. "Untermenschen" solche Handlungen straffrei durchführen kann. Beide Tathintergründe, Leidensgeschichten und bizarren Umstände eines unmenschlichen Krieges, stehen für sich und werden heute auch genauso behandelt. Es ist zu hoffen, dass solche Taten in Kriegszeiten nie wieder historisch aufgearbeitet werden müssen, auch wenn uns der Irakkrieg eines besseren belehrt hat.

 

DMP Empfehlung

Webseite

berliner-unterwelten.de
DHM - LeMo


Quellen

Buch:
Joachim Schultz-Naumann, "Die letzten dreißig Tage", Druffel & Vowinckel; Auflage: 5 (9. April 2010)

Internet: (Letzter Aufruf 19.09.2011)
Wikipedia Schlacht um Berlin
Wikipedia Verbrechen der roten Armee
http://www.shipmodels.com.ua/eng/about/ ... /index.htm
http://zdf-enterprises.de/de/internatio ... april-1945
http://johndenugent.net/images/red-flag-berlin.jpg
http://www.dhm.de/ausstellungen/bildzeu ... _35.01.htm
http://mareli.de/forum54/index.php?acti ... item;in=40
http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsv ... index.html
http://berliner-unterwelten.de/die-schl ... 458.0.html
http://www.militaryphotos.net/forums/sh ... erlin-1945.
http://history.zdf.de/ZDFde/s_img/120/0 ... Y2-,00.jpg

Autor: Dome