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Das Thema

 

''Heute beginnt die letzte entscheidende Schlacht dieses Jahres.''
Tagesbefehl Hitlers zum Unternehmen Taifun


Vorgeschichte

Vorgeschichte

 

Hitler griff am 01. September Polen und am 10. April Dänemark und Norwegen an. Darauf folgte der Blitzkrieg in Frankreich, der nach 6 Wochen beendet wurde.Hitlers Armeen hatten Europa im Griff und schienen unschlagbar zu sein. Lediglich die Luftwaffe musste bei der Luftschlacht um England eine herbe Niederlage einstecken. Das nächste Ziel des Führers waren die unendlichen Weiten Russlands. Dies sollte eigentlich nicht überraschen, da er dies bereits in seiner Biographie "Mein Kampf" niederschrieb.

„Als ich noch nicht Reichskanzler war, habe ich gemeint, der Generalstab gleiche einem Fleischerhund, den man fest am Halsband haben müsse, weil er sonst jeden Menschen anzufallen drohe. Nachdem ich Reichskanzler geworden war, habe ich feststellen müssen, daß der deutsche Generalstab nichts weniger als ein Fleischerhund ist. Dieser Generalstab hat mich immer gehindert, das zu tun, was ich für nötig halte. Der Generalstab hat der Aufrüstung, der Rheinlandbesetzung, dem Einmarsch nach Österreich, der Besetzung der Tschechei und schließlich sogar dem Krieg gegen Polen widersprochen. Der Generalstab hat mir abgeraten, gegen Frankreich offensiv vorzugehen. Der Generalstab hat mir abgeraten, gegen Rußland Krieg zu führen. Ich bin es, der diesen Fleischerhund immer erst antreiben muß.“
8./19. Januar 1942 in der Wolfsschanze
(Werner Jochmann (Hrsg.): Monologe im Führer-Hauptquartier 1941-1944. Hamburg 1982)
 

Hitler hatte zwei Probleme. Er besaß ein Wirtschaftsbündnis mit der Sowjetunion, die seine komplette Kriegswirtschaft überhaupt aufrecht hielt, und der Balkan war eine Bedrohung in seine Flanke.
Hitler ließ im Mai 1941 Jugoslawien besetzen und Griechenland einnehmen. Griechenland hatte vorher die zahlenmäßig überlegenen Truppen Italiens stark zurückgedrängt und Mussolini stand vor der zweiten Schmach. Bereits ein Jahr zuvor wurden 200.000 Italienische Soldaten in Afrika von 50.000 britischen Verbänden zurückgedrängt worden. Darauf entsandte Hitler das Deutsche Afrikakorps, unter Erwin Rommel, nach Tripolis. Nach dem Balkanfeldzug, indem Jugoslawien und Griechenland besetzt wurden und Kroatien gegründet wurde, widmete sich die Wehrmacht der Sowjetunion zu. Auf Hitlers Befehl griffen am 22. Juni 1941 die deutschen Truppen an. Die sowjetische Führung war so überrumpelt, dass in den riesigen Kesselschlachten hunderttausende Gefangene gemacht wurden. Die Heeresgruppe Nord kam relativ schnell voran, obwohl sie nur eine Panzergruppe besaß. Die Heeresgruppe Mitte, mit zwei Panzergruppen, stieß schnell und weit ins russische Herz vor und besetzte schnell Minsk und Smolensk. Doch die Ostfront hatte eine sehr große Schwäche. Die Heeresgruppe Süd hatte das perfekte Panzergelände vor sich, als sie die Ukraine besetzen sollte. Doch da sie nur eine Panzergruppe besaß, konnte dieser Raum nicht genutzt werden. Hinzu kam das die Heeresgruppe viele schlecht ausgebildete und ausgerüstete Verbündete Truppen besaß. Vor allem Italiener, Rumänen und Ungarn. Von Beginn an hatte die Heeresgruppe Süd von Feldmarschall Rundstedt Probleme. Als die deutschen Panzer der Heeresgruppe Mitte den stoß auf Moskau beginnen wollten, war Kiew noch nicht besetzt. Diese Situation stellte die deutsche Führung und Hitler vor einer Kriegsentscheidenden Frage...

 


Moskau oder Kiew

 

Moskau oder Kiew?


Panorama von Moskau

Es gab niemanden der Zweifel hatte wie es nach dem Fall von Smolensk weitergehen würde. Das Ziel war klar: Moskau! Bereits auf einer Vorkriegskarte stand: "Alle Wege führen nach Moskau", angelehnt an den Spruch "Alle Wege führen nach Rom". Moskau war nicht nur die Hauptstadt der Sowjetunion, sondern auch das Verkehrspolitische Zentrum, das Herz des roten Reiches. Die Vermutung lag nahe, dass wenn man dem Reich das Herz nimmt, es auch zusammenbrechen würde. Die Zeiten Napoleon Bonapartes waren vorbei. Damals besetze er mit Frankreich die Stadt doch wurde trotzdem geschlagen. Nun war Moskau wichtiger. Politik und Militär spielten sich hier ab. So dachte auch Generalfeldmarschall von Brauchitsch. So kalkulierte es Halder. Und so folgerten Guderian, Hoth, Bock und alle Oberbefehlshaber der Ostfront. Alle waren derselben Meinung wie Clausewitz. Bereits Clausewitz erkannte die Bedeutung von Moskau und verteidigte selbst Napoleons Feldzug. Kriegsobjekt sind das feindliche Land, seine Hauptstadt und seine politische Macht. Doch dies zählte nicht für Russland, wusste auch Clausewitz damals schon: "das russische Riesenreich ist kein Land, das man förmlich erobert, das heißt besetzt halten kann. Eine bis ins Herz des Staates gehende Erschütterung ist notwendig. Nur wenn Bonaparte mit einem kräftigen Stoß bis Moskau hinreichte, durfte er hoffen... " So durfte Napoleon hoffen, das Reich zu erschüttern, in innere Wirren zu stürzen, den Zwiespalt zu wecken und das Regime hinwegzufegen. Dass ihm dies nicht gelang, lag an Napoleons zu schwachen Kräften, an der Strategie des operativen Rückzugs, die die Russen erfolgreich an wanden, und an der festen, unerschütterlichen Bindung zwischen Volk und Zar. Diese Probleme gab es 1941 für Hitler nicht. Seine Kräfte waren denen der Russen zwar nicht zahlenmäßig, aber Qualitativ weit überlegen. Die Russen zogen sich auch nicht ins Hinterland zurück sondern stellten sich den Kampf und wurden besiegt. Zudem gab es kaum eine enge Bindung zwischen dem Volk und Stalin mit seinem kommunistischen Regime. In vielen Orten wurden die deutschen Soldaten sogar als "Befreier vom Bolschewismus" empfangen. Was konnte also schief gehen? Nichts. Also musste es Moskau sein! Hitler jedoch hielt nichts davon. Er scheute davor Moskau als Operationsziel des zweiten Teils seiner Russlandoffensive zu proklamieren. Plötzlich scheute der Führer vor Stalins Hauptstadt. Hatte er vielleicht Angst vor Napoleons Schicksal? Misstraute er traditionellen strategischen Grundsätzen? Egal was es war, Fakt ist: Hitler wollte nicht nach Moskau. Nach dem Fall von Smolensk waren alle Weichen gestellt, als der Sieg zum Greifen nahe schien, als alle Welt auf den Befehl wartete: "Panzer Marsch, Ziel Kreml", zog Hitler den Strich durch die Rechnung.


Rollende Panzer der Roten Armee in der Hauptstadt Moskau

Am 22. August 1941 kam der Befehl vom 21. August und die Generäle im Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres und der Heeresgruppe Mitte lasen ihn entsetzt: "Das wichtigste, noch vor Einbruch des Winters zu erreichende Ziel ist nicht die Einnahme von Moskau, sondern die Wegnahme der Krim..." Gegen Mitternacht rief Feldmarschall von Bock, Guderian an und verlangte, dass der General der Panzergruppe 2 sofort zu ihm komme. "Besuch aus dem Mauerwald" hieß es. Kommt der Oberbefehlshaber des Heeres? oder der Chef des Generalstabes? Oder sogar Hitler selbst? Guderian sitzt später mit von Liebenstein und Bayerlein im Omnibus am Kartentisch. Auf der großen Lagekarte sind viele Schlachten der letzten Wochen verzeichnet. Seit vier Wochen liegt Guderian mit seinem Stab in Prudki, westlich Potschinok. Mitte Juli haben die deutschen motorisierten Divisionen den berüchtigten Bogen der Djesna mit dem Städtchen Jelnja genommen. Seitdem haben sie nur einen Gedanken: Moskau. Die Ausgangsposition war erreicht. Mit zusammengeschrumpften Panzerregimentern und dezimierten Trossen. Nun eine kleine Pause, Aufbau der neuen Versorgungsbasis und dann der stoß nach Moskau. Auf diesen Befehl warteten sie nun, Am 4. August hatten Guderian und Hoth in einer Aussprache mit Hitler gemeldet: Am 15. beziehungsweise 20. August sind die Panzerdivisionen wieder Angriffs bereit zum Stoß auf Moskau. Und Guderian hatte hinzugefügt: "Mein Führer, wir werden es nehmen." Hitler zeigte eine merkwürdige Reserve. Er ließ keinen Zweifel, dass er andere Gedanken hatte. Er wollte erst nach Leningrad oder vielleicht auch erst die Ukraine. Staunend hörten es die Generäle und schüttelten den Kopf. Hitler spürte den Widerstand und ließ erstmals alles offen. Hitler zögerte und zögerte. Die Frontgeneräle hofften auf den Angriff auf Moskau und trieben ganz bewusst die Vorbereitungen für die Offensive weiter. Bereits Anfang August hatten die 137. Infanteriedivison und die 263. Infanteriedivision in der Front und hatten am 19. August die Panzer- und motorisierten Divisionen abgelöst. Alles stand bereit. Es waren nur 198 Kilometer bis zur Stadtgrenze Moskaus. Guderian schaute auf die Lagekarte. Wie ein Sprungbrett ragte der Jelnjabogen aus der Front. Jelnja war wichtiger beherrschender Höhenrücken. Deshalb war der sowjetische Widerstand dort so intensiv, das die Schlacht darum 5 Wochen dauerte. Bereits in der Armarschanweisung von Barbarossa, wurde dieser Ort neben Smolenks als Operationsziel genannt. Alles was Moskau mobilisieren konnte wurde dorthin geschickt. Timoschenko setzte rücksichtslos die Zivilbevölkerung für Schanzarbeiten ein. Der Bogen sollte ein unüberwindbares Hindernis werden. Die deutsche Luftaufklärung erkannte das und so stießen die 10. Panzerdivision und die motorisierte Waffen-SS-Division "Das Reich" nach Jelnja. Die Stadt und das Hinterland sollten schnell genommen werden. So einfach es klingt, so schwer war es für Guderians Panzerdivisionen. Nach dem sie 1000 Kilometern kämpfend durch Urwald, Wüsten, grundlose Straßen gefahren sind, war die Kampfkraft stark angeschlagen. Auch die Artillerie hatte an Feuerkraft einbüßen müssen, denn viele mittlere und schwere Batterien waren ausgefallen. Mit frischen Kräften wären die Höhen von Jelnja kein Problem gewesen, doch so wurden sie eins. Darum dauerte diese Schlacht auch 5 Wochen. Am 19. Juli nahm die 10. Panzerdivision Jelnja mit nur noch 30% der Sollstärke an Panzern. Nach dem "das Reich" die Stellung links der 10. Panzerdivision erreicht hatten, war klar das dieser Frontbogen nur ein Sprungbrett nach Moskau sein konnte. Die Sowjets erkannten dies und waren 4 ihrer Armeen gegen den Frontbogen, der niemals von mehr als 4 Divisionen gehalten wurde. Die Kampferfahrung, Disziplin und vor allem die Standfestigkeit der deutschen Divisionen gaben dieser schrecklichen Schlacht den Ausschlag.

 

Am 23. August landete Guderian auf dem Flugplatz von Borissow und fuhr zum Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte. Die Generäle der 2., 9. und der 2. Armee trafen ein: Feldmarschall von Kluge, Generaloberst Strauß und Generaloberst Freiherr von Weichs. Der Besuch aus dem Mauerwald wurde noch erwartet: Generaloberst Halder, Chef des Generalstabes. Als er eintraf sah er schlecht aus und teilte den Befehl Hitlers mit: Nicht Leningrad, nicht Moskau, sondern die Ukraine und die Krim. Nach langer Diskussion darüber, wurde beschlossen, dass Guderian Halder ins Führerhauptquartier begleiten soll. Am späten Nachmittag startete die Maschine Richtung Rastenburg. Nach der Landung fuhren die beiden Generäle ins Führerhauptquartier. Bereits zwei Stunden nach seinem Eintreffen in Rastenburg stand Guderian bereits am Kartentisch. Guderian hielt Vortrag über den Zustand seiner Panzergruppe. Man hatte Hitler nicht gesagt was Guderian im Schilde führte. Feldmarschall von Brauchitsch verbot Guderian, das Thema Moskau von aus anzuschneiden. So sprach Guderian über die Ausfälle an Motoren, die Lage beim Nachschub, die russischen Widerstandskräfte und die Verluste. Er malte ein düsteres, aber realistisches Bild. Darauf gab Hitler das erhoffte Stichwort: "Halten sie ihre Truppen noch einer großen Anstrengung für fähig?". Guderian antwortete: "Wenn der Truppe ein großes, jeden Soldaten anfeuerndes Ziel gesetzt wird - ja!" Hitler wusste Bescheid und erwiderte: "Sie meinen natürlich Moskau." "Ja, mein Führer, erlauben sie mir, meine Gründe zu nennen?", fragte der Panzergeneral. Hitler gestattete Guderian sein Anliegen. Jetzt kam es darauf an. "Man kann Moskau nicht mit Paris oder Warschau vergleichen, mein Führer. Moskau ist nicht nur das Haupt und das Herz der Sowjetunion. Es ist auch die Nachrichtenzentrale, der politische Mittelpunkt, ein mächtiges Industriegebiet, es ist vor allem die "Verkehrsspinne" des ganzen roten Reiches. Der Fall Moskaus wird kriegsentscheidende Wirkung haben." Hitler hörte schweigend zu und Guderian fuhr fort: "Stalin weiß das. Er weiß dass Moskaus Fall die endgültige Niederlage bedeutet. Und weil er es weiß, wird er seine ganze militärische Kraft vor Moskau einsetzen. Schon jetzt fährt er heran was er noch hat. Wir erleben es seit Wochen in Jelnja. Wir werden vor Moskau die Substanz der russischen Militärmacht treffen. Wollen wir die militärische Lebenskraft der Sowjets vernichten, hier treffen wir sie, hier ist das Schlachtfeld, und wenn wir alle Kraft zusammenfassen, werden wir es auf Anhieb schaffen." Hitler schwieg weiter. Guderian ging aufs Ganze: "Wenn wir vor Moskau und in Moskau über die feindlichen Hauptkräfte gesiegt und den zentralen Verschiebebahnhof der Sowjetunion ausgeschaltet haben, dann fällt uns das Baltikum und fällt uns das Wirtschaftsgebiet der Ukraine viel leichter zu als mit einem intakten Moskau vor unserer Front, von dem aus Kräfteverschiebungen - vor allem aus Sibirien - nach Nord und Süd vorgenommen werden können." Es war nun lange ruhig im Raum, dann trat Guderian an den Kartentisch und legte die Hand auf den Jelnjabogen. "Mein Führer, ich habe bis heute diesen Brückenkopf nach Moskau offengehalten. Die Aufmarschpläne und Kampfanweisungen sind fertig. Überall sind bereits die Wegweiser und Eintragungen für den Marsch gegen gemacht. An vielen Stellen haben die Soldaten schon Schilder angebracht: Nach Moskau so und so viel Kilometer. Wenn wir befehlen, treten die Panzerkorps noch heute Nacht an und durchbrechen Timoschenkos massierte Truppenansammlung vor Jelnja. Ich brauche meinem Stab nur ein telefonisches Stichwort zu geben. Lassen sie uns gegen Moskau marschieren, wir werden es nehmen." Die Geschichte der preußischen- und deutschen Armee kennt keinen derartigen Auftritt eines Generals vor seinem Obersten Befehlshaber. Es war auch das letzte Mal das Hitler jemanden, der anderer Meinung war als er selbst, so lange und geduldig zuhörte. Hitler schaute Guderian an, stand auf, trat mit schnellen Schritten an die Karte. Dann legte er seinen Finger auf die Ukraine und verteidigte seinen Beschluss: "Meine Generale kennen Clausewitz, aber sie verstehen nichts von Kriegswirtschaft. Außerdem kenne ich Clausewitz auch und sein Wort: "Erst muss man die feindliche Feldarmeen zerschlagen, dann seine Hauptstadt besetzen." Aber nicht darauf kommt es an, sondern wir brauchen das Getreide der Ukraine. Das Industriegebiet am Donez muss für uns, statt für Stalin arbeiten. Dem Russen muss die Ölzufuhr aus dem Kaukasus abgeschnitten werden, dann verhungert seine militärische Kraft. Wir müssen vor allem die Krim in unsere Hand bekommen, um diesen gefährlichen Flugzeugträger gegen die rumänischen Ölfelder zu beseitigen." Hier entschied Hitler nun als Politiker, nicht als Feldherr. Guderian schwieg, mehr konnte er nicht sagen. Die Entscheidung war gefällt: Kiew statt Moskau.

 

Stalins und Jeremenkos großer Irrtum


Spärlich und unzureichend bewaffnete Truppen der Roten Armee

„Ich rechnete mit einem Monat (...Aufschub...) und hoffte auf sechs.“
Schukow am Vorabend des Krieges im Sommer 1941, nachdem er mehrfach bei Stalin vorsprechen musste, um ein Einschätzung der Gefahr und Erhöhung der Gefechtsbereitschaft zu erläutern.

An dem Tag an dem Guderian zurück in sein Hauptquartier fuhr, wurden von der Heeresgruppe Mitte die ersten Weisungen für den neuen Plan: Panzergruppe 2 dreht nach Süden und stößt in die Ukraine. Der Chef des Generalstabes der Panzergruppe 2, rief alle Stabsoffiziere zusammen. Er wusste das, sobald Guderian zurück ist, er einen in Umrissen fertigen Plan erwartete. Jeder im Stab war deprimiert. Ukraine statt Moskau. Man Begriff sie nicht - Hitlers Entscheidung. Man hielt sie für falsch. Jeder kannte Clausewitz. Die Abkehr von Moskau in der Stunde, da es griffbereit, keine 300 Kilometer vor den wieder aufgefrischten Panzerkräften Guderians und Hoths lag und nach menschlichen Ermessen zu erobern war, stellte sich sehr bald als ein schwerer Führungsfehler heraus. Die Weisungen für das neue Unternehmen waren klar. Sie lauteten für die beiden Panzerkorps Guderians: Stoß südwärts in den Rücken der 5. sowjetischen Armee, das Kernstück von Marschall Budjennys Heeresgruppe "Südwestabschnitt". die beiderseits Kiews hinter dem Dnjepr die Ukraine verteidigte. Guderians erstes Ziel war der große Eisenbahnknotenpunkt Konotop an der Strecke Kiew-Moskau. Dann sollte sich das Weitere ergeben, je nachdem, wie sich die Lage bei der Heeresgruppe Süd entwickelt haben würde. Am 24. August traf Guderian wieder voller Aktivität bei seinem Stab ein. Die Kämpfe seiner Armeegruppe Anfang August hatten 54.000 Gefangene zu folge. Guderian war der General der den Blitzkrieg perfekt anwenden konnte. Kein Wunder, denn er hat ihn ja auch erfunden. Nun war das Ziel der große Blitzkrieg in der Ukraine. An dem Tag wo Hitler den Befehl für den Angriff auf Moskau absagte und den Stoß in die Ukraine befahl, ging im Kreml merkwürdiges vor sich. Es war wohl Ironie des Schicksals, das Stalin an diesem Tag die Meldung seines Meisteragenten Alexander Rado aus der Schweiz erhielt. Rado hatte die "sichere" Information dass das deutsche Oberkommando beabsichtige, die Heeresgruppe Mitte über Brjansk auf Moskau stoßen zu lassen. Diese Information war Zweifelslos gut, denn der deutsche Generalstab des Heeres beabsichtigte das. Jeremenko, der Befehlshaber der Westfront, bekam darauf ein neues Kommando. Stalin betraute ihn eine neue Verteidigungsfront gegen die deutschen bei Brjansk aufzubauen. Jeremenko wollte die motorisierten Verbände der Wehrmacht aufhalten, darin sah er seine Stärke. Das Angebot die Ukraine zu halten schlug er aus. Doch genau das wäre sein Schlachtfeld gewesen. Stalin war sich so sicher, dass der Stoß über Brjansk nach Moskau erfolgen würde. Er glaubte seinem Agenten. Er glaubte auch noch daran, als Hitler den Befehl für den Stoß in die Ukraine gab. Aber Guderian wollte nie über Brjansk Moskau angreifen, sondern aus dem Raum Rosslaw beiderseits der Moskauer Chaussee direkt auf Moskau stoßen. So waren diese Informationen so oder so hinfällig. Selbst aussagen von Gefangenen und berichte der Luftaufklärung wurden ignoriert, so stur war die sowjetische Führung. Auch Jeremenko glaubte noch an den Stoß nach Moskau, als Guderian bereits nach Süden stieß. Jeremenko hielt Guderians Marsch nach Süden, für eine weit ausholende Zangenbewegung. Welch ein Irrtum. Guderians nach Süden stoßende Panzerdivisionen wollten keinen Bogen schlagen, um auf Moskau zu operieren. Brjansk war auch nicht das Ziel der Panzerspitzen. Man sieht: Hitler und Stalin wetteiferten darin, mit verhängnisvollen Fehlentscheidungen ihren militärischen Führungsstäben in den Rücken zu fallen. Vorerst sollten allerdings nur die Fehler Stalins Konsequenzen haben. Die von Hitler trafen erst später ein...


Vorstoß nach Moskau

Schlammschlacht Richtung Moskau


Eingesunkende Panzer IV kurz vor Moskau

Seit dem der deutsche Vormarsch Mitte Juli im Jelnjabogen gestoppt war, standen die deutschen Verbände rund 300 Kilometer von Moskau entfernt. Die Bevölkerung der Metropole hatte sich daran gewöhnt. Doch nun am 30. September setzte die Heeresgruppe Mitte, Unter von Bock, zum entscheidenden Schlag an. Der entscheidende Schlag gegen Moskau, der entscheidende gegen die Sowjetunion und vor allem der entscheidende gegen Stalin. Die Panzergruppe 2, von Guderian, stieß wieder nach Norden. An der Spitze standen die 3. Panzerdivision, die 4. Panzerdivision, die 10. Infanteriedivision (mot.), das XXIV. Panzerkorps, das XXXXVII Panzerkorps und das XXXXVIII. Hinzu kamen zwei Infanteriekorps und die 1. Kavalleriedivision, zur späteren Flankensicherung. So startete Operation "Taifun". "Die letzte Schlacht des Jahres zur Niederwerfung des Feindes" kündigte Hitler an. Der Plan war einfach und genial zugleich. Zwei Panzergruppen der Heeresgruppe Mitte stießen um die 9. und 4. sowjetische Armee, nördlich und südlich der Autobahn Smolensk-Moskau, durch. Die Panzergruppe 3 stieß im Norden vor und die Panzergruppe 4 im Süden.


 
9. Armee (Generaloberst Adolf Strauß)
XXIII. Armeekorps 251. Infanterie-Division (Generalleutnant Karl Burdach)
102. Infanterie-Division (Generalleutnant John Ansat)
256. Infanterie-Division (Generalleutnant Gerhard Kauffmann)
206. Infanterie-Division (Generalleutnant Hugo Höfl)
VIII. Armeekorps 28. Infanterie-Division (Generalleutnant Johann Sinnhuber)
8. Infanterie-Division (Generalmajor Gustav Höhne)
87. Infanterie-Division (Generalleutnant Bogislav von Studnitz)
XXVII. Armeekorps 255. Infanterie-Division (General der Infanterie Wilhelm Wetzel)
162. Infanterie-Division (Generalleutnant Hermann Franke)
86. Infanterie-Division (Generalleutnant Joachim Witthöft)
Armeereserve 161. Infanterie-Division (Generalleutnant Heinrich Recke)
„Die Anfangserfolge gegen die zwischen den inneren Flügeln der Heeresgruppen Süd und Mitte befindlichen Feindkräfte haben [...] die Grundlage für eine entscheidungssuchende Operation gegen die vor der Heeresmitte stehende in Angriffskämpfen festgelegte Heeresgruppe Timoschenko geschaffen. Sie muß in der bis zum Einbruch des Winterwetters verfügbaren befristeten Zeit vernichtend geschlagen werden. Es gilt hierzu, alle Kräfte des Heeres und der Luftwaffe zusammenzufassen, die auf den Flügeln entbehrlich werden und zeitgerecht herangeführt werden können.“
Adolf Hitler

 
Panzergruppe 3 (Generaloberst Hermann Hoth)
(operativ der 9. Armee unterstellt)
VI. Armeekorps 110. Infanterie-Division (Generalleutnant Ernst Seifert)
26. Infanterie-Division (Generalleutnant Walter Weiss)
V. Armeekorps 5. Infanterie-Division (Generalmajor Karl Allmendinger)
35. Infanterie-Division (General der Infanterie Walther Fischer von Weikersthal)
106. Infanterie-Division (General der Infanterie Ernst Dehner)
XXXXI. mot. Armeekorps 36. Infanterie-Division (mot.) (Generalleutnant Otto-Ernst Ottenbacher)
1. Panzer-Division
6. Infanterie-Division
LVI. mot. Armeekorps 14. Infanterie-Division (mot.)
129. Infanterie-Division
6. Panzer-Division
7. Panzer-Division


"Stalinorgeln" im Einsatz bei Moskau


 
4. Armee (Generalfeldmarschall Günther von Kluge)
IX. Armeekorps 137. Infanterie-Division
263. Infanterie-Division
183. Infanterie-Division
292. Infanterie-Division
XX. Armeekorps 78. Infanterie-Division
15. Infanterie-Division
268. Infanterie-Division
VII. Armeekorps 7. Infanterie-Division
267. Infanterie-Division
23. Infanterie-Division
197. Infanterie-Division

So bildeten diese beiden Panzergruppen eine unaufhaltsame Zange. Guderian sollte von Gluchow, in der Nordukraine, nach Orel stoßen und dann auf Brjansk eindrehen und somit 3 sowjetische Armeen einkesseln. Danach sollten die drei Panzergruppen die entkommenden Feinde verfolgen und bis nach Moskau vorstoßen. Das Ziel war es Moskau entweder direkt einzunehmen oder einzukesseln. Die Heeresgruppe Mitte war für diese Aufgaben gut gerüstet. Drei Infanteriearmeen (9., 4. und 2.), und die drei Panzergruppen (2, 3 und 4). Die Panzergruppe 4, unter Hoepner, wurde für diese Aufgabe extra von der Leningradfront heruntergezogen. Auch die Luftüberlegenheit war mit zwei Luftflotten gesichert. Was konnte da schon schief gehen? Alles war hervorragend geplant. Nur das Wetter konnte man nicht planen. Moltke schrieb bereits 1864: "Auf die Witterung kann man keine Operationen bauen, wohl aber auf die Jahreszeit." Die günstigste Jahreszeit, der Sommer, war vorbei und der Winter drohte. Hitler riskierte es trotzdem. Am 30. September vormittags begann die Operation mit dem Krachen der Panzerkanonen, der Pak und der Flak. Die Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk - das Cannae des zweiten Weltkrieges, die perfekte Kesselschlacht der Kriegsgeschichte begann. Man hätte erwarten können, dass Guderians Angriff an der Brjansker Flanke auf einen vorbereiteten Gegner und damit auf starken Widerstand stoßen würde. Schließlich hatte Jeremenko seine berühmte Front bereits nach einem Gespräch mit Stalin am 12. August, also seit Wochen, gegen den schon damals erwarteten Angriff auf Moskau ausgebaut und immer mehr verstärkt. Brjansk war der Dorn in Guderians Augen. Das Bollwerk was seine Flanke bereits während der Schlacht in der Ukraine immer wieder bedrohte. Dort stand Jeremenko persönlich mit einigen Spezialeinheiten und Eliteverbänden. Nun musste dieses Bollwerk weg. Man erwartete eine blutige Schlacht, doch zur allgemeinen Überraschung gelang der Angriff auf Anhieb. Der Durchbruch bei der 13. Armee brachte den Erfolg. Auch wenn der Treibstoff knapp war, so befahl Guderian weiter zufahren. Und es war die richtige Entscheidung und das unmögliche geschah. Orel, 200 Kilometer hinter der Brjansker Front, wurde von einer einzigen Panzerbrigade genommen. Die Zeit lief nun gegen Jeremenko.


 
Panzergruppe 4 (Generaloberst Erich Hoepner)
(operativ der 4. Armee unterstellt)
LVII. mot. Armeekorps 20. Panzer-Division
3. Infanterie-Division (mot.)
SS-Division Das Reich (mot.)
XXXXVI. mot. Armeekorps 5. Panzer-Division
11. Panzer-Division
252. Infanterie-Division
XXXX. mot. Armeekorps 2. Panzer-Division
10. Panzer-Division
258. Infanterie-Division
XII. Armeekorps 98. Infanterie-Division
34. Infanterie-Division


Befestigungen rund um Moskau


 
2. Armee
(Generaloberst Maximilian von Weichs)
XIII. Armeekorps 17. Infanterie-Division
260. Infanterie-Division
XXXXIII. Armeekorps 52. Infanterie-Division
131. Infanterie-Division
LIII. Armeekorps 56. Infanterie-Division
31. Ínfanterie-Division
167. Infanterie-Division

Die 17. und die 18. Panzerdivision durchschnitten die Straße von Brjansk nach Orel hinter Jeremenkos Stabsquartier ab. Major Gradl stieß von Karatschew, also von Hinten, bis 50 Meter an Jeremenkos Gefechtsstand voran. Am 6. Oktober nahm General von Arnim mit der 17. Panzerdivision die Stadt und die Djesnabrücke im Handstreich. Nach einer Woche war die mit Truppen und schwerer Artillerie vollgestopfte Stadt einfach so gefallen. 100 000 Molotow-Cocktails lagen vergeblich in den Magazinen. Doch gerade einen Tag später klopfte bereits der neue General an der Tür an - General Winter. Der erste Schnee fiel am 7. Oktober und bedeckte die Landschaft für ein paar Stunden leicht. Am Vormittag schmolz der Schnee dann und verwandelte die Straßen in grundlosen Moraste. Die Rollbahnen wurden zu Rutschbahnen. Bevor General Winter nun endgültig kam, übernahm General Schlamm. Ganze Infanteriedivisionen arbeiteten daran den Vormarsch in Gange zu halten. Und er blieb im Gange. Wie bei Guderian so lief es auch bei Hoepners Panzergruppe 4. Das XXXX., das XXXXVI. und das LVII. Panzerkorps durchbrachen die sowjetischen Stellungen südlich der Autobahn bei Rossolawl, hinter der 2. Panzerdivision. Dann fächerten sie aus, also spalteten sich wie ein Fächer hinter der HKL aus und griffen den Gegner von hinten an. Die inneren Flügel der Panzerkorps stießen weiter nach Norden, Richtung Autobahn. Die südliche Zangenbewegung war geglückt, doch die Schlacht von Wjasma stand auf dem Scheitelpunkt. Die Soldaten der roten Armee versuchten verzweifelt sich der Umklammerung zu entziehen, doch die Wehrmacht hielt stand. Niemand wusste wo der Feind ist, wer gerade wen umzingelt. Erst am nächsten Tag konnte der letzte Widerstand gebrochen werden, als der Versuch der roten Armee mit einem Reiterschwadron auszubrechen niedergeschossen wurde. Am 7. Oktober erreichten Vorauskommandos der 10. Panzerdivision Wjasma und besetzten die brennende Stadt. Doch man bemerkte bereits den Zeitdruck, da die 10. Panzerdivision sich bereits durch Schneematsch kämpfte. Bei Wjasma wurden insgesamt 55 sowjetische Divisionen eingekesselt und bei Guderian sah es ebenfalls gut aus. Die Panzergruppe 2 hatte den Kessel von Brjansk in einen nördlichen und einen südlichen aufgespalten. Insgesamt wurden in beiden Kesseln 70 - 80 sowjetische Divisionen und Brigaden vernichtet oder gefangen genommen. Die Kämpfe zogen sich bis zum 17. Oktober hin, aber Stalin hat seine Verteidigung verloren. Die Truppen die Moskau schützen sollten, marschierten nun durch den heimischen Schlamm Richtung Kriegsgefangenschaft. Die Heeresgruppe Mitte hatte Operationsfreiheit gewonnen. Die zweite Phase von Operation "Taifun", die Verfolgung der fliehenden Feinde bis hinter Moskaus Mauern, konnte beginnen. Panzertreffen auf dem roten Platz... Reichte die Zeit noch? Oder würde der Winter brutal zuschlagen?


 
Panzergruppe 2 (Generaloberst Heinz Guderian)
XXXXVIII. mot. Armeekorps 9. Panzer-Division
25. Infanterie-Division (mot.)
16. Infanterie-Division (mot.)
XXXXVII. mot. Armeekorps 17. Panzer-Division
18. Panzer-Division
29. Infanterie-Division (mot.)
XXIV. mot. Armeekorps 3. Panzer-Division
4. Panzer-Division
10. Infanterie-Division (mot.)
Höheres Kommando XXXV 95. Infanterie-Division
296. Infanterie-Division
262. Infanterie-Division
293. Infanterie-Division
1. Kavallerie-Division
Höheres Kommando XXXIV 45. Infanterie-Division
134. Infanterie-Division

 
Heeresgruppenreserve
Infanterie-Regiment Großdeutschland
19. Panzer-Division
Brigade mot. 900
707. Infanterie-Division
339. Infanterie-Division
SS-Kavallerie-Brigade
221. Sicherungs-Division
286. Sicherungs-Division
403. Sicherungs-Division
454. Sicherungs-Division

Vorstoß auf Moskau II

Schlussjagd auf Moskau
„Wenn in diesen kommenden Tagen und Wochen jeder Soldat an der Ostfront seine Pflicht tut, wird der letzte Ansturm Asiens zerbrechen, genauso, wie am Ende auch der Einbruch unserer Gegner im Westen trotz allem scheitern wird. [...] In dem Augenblick, in dem das Schicksal den größten Kriegsverbrecher aller Zeiten [ Franklin D. Roosevelt ] von dieser Erde weggenommen hat, wird sich die Wende des Krieges entscheiden.“
Tagesbefehl vom 15. April 1945
(John Toland: Adolf Hitler. Bergisch Gladbach 1977, S. 1005.)

Es dauerte noch ganze 4 Wochen bis man Moskau direkt angriff. Der russische Widerstand zwischen Moskau und Wjasma war erbittert und brutal, denn die Schlammperiode ließ den deutschen Vormarsch stark ausbremsen. Die Wehrmacht konnte bis nach Kalinin, im Norden der russischen Hauptstadt vordringen. Doch dann war der Nachschub aufgebraucht. Die Ausgangsstellungen waren bereits Anfang November 1941 bezogen, für die letzte Offensive. Von Bock drängte auf den Angriff, doch der Nachschub ließ es nicht zu. Am 19. November war es soweit. Im Bereich der Panzergruppe 4 lag zwischen Schelkowka und Dorochowo eins die Sellwerke der Schlacht um Moskau. Hier kreuzten sich die Alte Poststraße, die Chaussee nach Moskau, auf der Napoleon gezogen war, die neue Autobahn und die Eisenbahnlinie Smolensk-Koskau mit der großen Nord-Süd-Achse Kalinin-Tula. Wer Schelkowka und Dorochowo hatte und die Höhen davor, beherrschte dieses entscheidende Verkehrskreuz. Ende Oktober hatte die 10. Panzerdivision Schelkowka genommen. Doch die höhen waren noch unter Kontrolle der Sowjetunion. Gerade als die Münchener 7. Infanteriedivision, in deren Verband auch die ersten Freiwilligen der "Französischen Legion" fochten, die 10. Panzerdivision ablöste, platzte ein russischer Gegenangriff mitten in die Bewegung und leitete eine Kette blutigster Kämpfe ein. Stalin hatte für die Wiedereroberung des Verkehrskreuzes die 82. motorisierte Schützendivision aus der Mongolei herangeführt. Diese Elite Mongolen wurden von zwei frischen Panzerbrigaden. von Salvegeschützabteilungen und der Heeresartillerie wirkungsvoll unterstützt. Die für die Wehrmacht so wichtige 8,8-cm-Flak konnte nicht an allen Brennpunkten gleichzeitig eingesetzt werden. So waren die Münchener gegen die in Rudeln auftretenden T-34 einfach Machtlos. Nach starken Verlusten musste die 7. Infanteriedivision die Stadt räumen - mit entscheidenden Folgen. Für alle Truppen im Raum Rusa des XXXX. Panzerkorps war die einzige Nachschubstraße gesperrt. Auf dem Knüppeldamm zwischen Pokrowskoje und Skirminiowo blutete die 10. Panzerdivision schwer und hatte bald keine Munition, kein Sprit, keine Verpflegung und die Verwundeten konnte nicht mehr abgeschoben werden. Diese waren nun dem harten russischen Winter ausgesetzt - obwohl dieser noch schlimmer werden sollte. Zur Unterstützung der 10. Panzerdivision wurde die SS-Division "Das Reich" dringend benötigt, doch konnte diese durch den Wegfall von Schelkowka nicht mehr herangeführt werden. Anfang November trat General Fahrmbachers VII. Korps mit der 7., der 197. und der 267. Division an, um den Russen endlich von den Höhen zu werfen und das Straßenkreuz für die kommende Offensive befahrbar zu machen. Die II. Abteilung des Panzerregimentes 31 der 5. Panzerdivision unterstützte den Angriff.


 
Kalininer Front
( Generaloberst Iwan Stepanowitsch Konew )
22. Armee
29. Armee
30. Armee
5 Schützendivisionen ( aus der Nordwestfront und aus Reserven der Stawka )


Deutsche Panzerverbände vor Moskau und bei eisigen Temperaturen


 
Westfront
( Armeegeneral G.K. Schukow )
16. Armee ( Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski )
5. Armee( General Leonid Alexandrowitsch Goworow )
43. Armee ( General K.D. Golubjew )
49. Armee ( General I.G. Sacharin )
33. Armee ( Generalleutnant M.G. Jefremow )

In schnellen Vorstoß rollten die Panzer in die Stellungen der mongolischen Schützendivision. Doch die Mongolen wichen nicht, sondern griffen die Panzer mit Molotow-Cocktails an. Die nachstoßenden Infanterieregimenter mussten Stützpunkt um Stützpunkt mit der blanken Waffe nehmen. Wo sie eingebrochen waren, wurden sie sofort mit Raketensalven eingedeckt. Die Verluste waren auf beiden Seiten hoch. Aber nach zweitägigen Ringen war der Russe endgültig in diesem Abschnitt geworfen. Über das Straßenkreuz von Schelkowka konnte der Kolonnenverkehr rollen. Die Nachschubstraße auf dem rechten Flügel der Panzergruppe 4 war wieder frei. Stalin schickte mehrere Divisionen aus dem fernen Osten, an der Grenze zu Japan, an die Front in Moskau. Denn sein Meister Agent Dr. Sorge hatte Informationen das Japan den USA und nicht der Sowjetunion den Krieg erklären wolle. So entblößte Stalin diese Front und verstärkte die Westfront mit Elite Truppen. Die deutschen Truppen zogen durch den Schlamm langsam voran, während Stalin und Schukow schon die Gegenoffensive planten. Am 19. November hatte die rote Armee noch mehr Glück. Ein Temperatursturz ließ das Thermometer auf unter Minus 20 Grad fallen - der Schnee fiel. Die Verluste der Wehrmacht waren nun enorm. Die Soldaten waren nicht vorbereitet und erfroren. Die Sowjets waren bereits seit Mitte Winter vollständig für den Winter ausgerüstet. Am 30. November setzte Hoepner Kradschützenpatrouillen des Panzerpionierbatallions 62 ein um Chimki, eine kleine Hafenvorstadt von Moskau zu besetzen. Die Kradschützen erreichten die Stadt - 8 Kilometer vor dem Stadtrand. Das waren die Einheiten die Stalin am dichtesten aufs Fell rückten. Der deutsche Vorstoß war am 6. Dezember kurz vor Moskau gestoppt worden. Bei minus 30, teilweise sogar Minus 45 Grad, blieb die Wehrmacht mit ihren Fahrzeugen stecken.


 
Südwestfront
( Marschall der Sowjetunion Semjon Konstantinowitsch Timoschenko )
40. Armee
21. Armee
38. Armee
6. Armee

 

Der deutsche Vormarsch
Winterschlacht vor der Hauptstadt der Sowjetunion

 

'' [...] dieser Gegner (Russland) ist bereits geschlagen und wird sich niemals wieder erheben.''
Hitler in einer Rede in Berlin Anfang September

Am Morgen des 2. Oktober 1941 sollte der deutsche Angriff auf Moskau beginnen. Zu diesem Zweck hatte man bei der Heeresgruppe Mitte verschiedenste Armeen zusammengezogen um mit einer möglichst kampfstarken Truppe mit dem Vormarsch auf die russische Hauptstadt zu starten. So marschierten um 05:30 Uhr etwa 350km westlich von Moskau die deutschen Truppen, bestehend aus der 9. Armee, 4. Armee, 2. Armee sowie den Panzergruppe 3 und 4, Richtung Osten los. Schon Tage vorher, nämlich am 29. September, war die Panzergruppe 2 schon zum Angriff gestartet. Dass sie den längsten Weg bis zum Ziel hatte wurde sie eher in Bewegung gesetzt um möglichst zeitgleich mit den anderen Einheiten in Moskau anzukommen. Der Plan der Oberen deutschen Militärführung sah vor mit den 3 deutschen Armeen beiderseits der sogenannten Rollbahn Smolensk-Moskau vorzurücken. So sollte möglichst schnell der Marsch durchgeführt werden. Die Panzergruppe 3 sollte nördlich und die Panzergruppe 4 südlich umfassend vorstoßen um die Möglichkeit eines Kessels um Moskau zu schaffen. General Guderians Panzergruppe 2 hatte den Befehl ebenfalls aus süd-westlicher Richtung auf die russische Hauptstadt vorzurücken und über Orjol und Tula mit einer Zangenbewegung auf das Einsatzziel aufzumarschieren.
Die Planungen waren kühn aber schon früh waren die Probleme der Deutschen nicht zu übersehen. Neben dem geringen Zeitfenster das bis zum Einsetzen des russischen Winters zur Verfügung stand hatten auch die deutschen Truppen mit dem Nachschub und der nötigen Versorgung zu kämpfen. Auf Grund der Länge der Front sowie der Schwierigkeiten der Deutschen Reichsbahn, das benötigte Versorgungsgut über diese weite Entfernungen zu transportieren, waren schon Probleme vorprogrammiert. Des Weiteren gab es immer wieder Angriffe von Partisanen auf die Versorgungswege. Dies hatte zur Folge das wichtiger Nachschub verloren ging und Einheiten für die Partisanenabwehr abgestellt werden mussten die dann beim Angriff fehlten. Auch besaßen die Truppenteile der Heeresgruppe Mitte nicht mehr ihre ursprüngliche Schlagkraft, da die bisher durchgeführten Kämpfe stark am Bestand der Divisionen gezehrt hatten. So bestanden die motorisierten Verbände teilweise nur noch aus 30-40% der anfänglichen Bestände. Da die Verluste nicht so schnell ausgeglichen werden konnten, bevor der Winter einbrechen würde, musste man mit diesem Manko arbeiten.
Trotz dieser Probleme kamen die deutschen Einheiten zu Beginn der Operation gut voran. So gelangte zum Beispiel die Panzergruppe 2 am 3. Oktober nach Orjol bevor die Stadt noch von den russischen Einheiten vernünftig zur Verteidigung vorbereitet werden konnte beziehungsweise die geplante Räumung der Industrieanlagen durchgeführt werden konnte. Nach der Eroberung der Stadt drehten die Truppen von General Guderian nach Nordwesten ein. Man hatte die Stadt Brjansk als neues Zwischenziel ausgemacht. Bereits am 6. Oktober war die Stadt erreicht, konnte nach kurzen Kämpfen eingenommen und russische Verbände östlich der Stadt eingekesselt werden. Neben dem Verlust der Stadt hatten die Sowjets auch viele ihrer Soldaten verloren. Der deutsche Vormarsch, der scheinbar nicht zu stoppen war, zwang Stalin dazu einen neuen General zur Verteidigung von Moskau zu benennen. Armeegeneral Schukow, der Verteidiger von Leningrad, sollte ein weiterer Vormarsch auf die Hauptstadt unterbinden. Kaum im Amt, musste er aber erst einmal die nächste schlechte Nachricht verarbeiten, der deutsche Vormarsch hatte Wjasma erreicht, die Stadt und deren Verteidiger ebenfalls gekesselt und somit die nächste Stadt auf dem Weg nach Moskau erobert. Der erneute Verlust vieler Männer der Roten Armee war ebenfalls schmerzhaft. Um die Einnahme von Moskau zu verhindern begann man mit dem Aufbau neuer Verteidigungsanlagen um Moskau. So wurden neue Stellungen, in Form eines Halbkreises und aus mehreren Linien bestehend, etwa 15-20km vor der Stadt errichtet.
Am 12. Oktober konnten die Truppen der Wehrmacht die Stadt Kaluga erobern und am 13. Oktober drangen sie in die Vororte von Kalinin ein. Dann änderte sich das Wetter und der Vormarsch kam ins Stocken. Die Rasputiza hatte eingesetzt, dabei handelte es sich um eine Phase in der sich nicht befestigte Straßen durch viel Regen in Schlammlöcher verwandelten und sie so gut wie unpassierbar machten. Unter hohen Strapazen konnten die deutschen Panzerspitzen aber trotzdem langsam weiter vorstoßen. So konnte am 14. Oktober 1941 die „Moschaisk-Linie“, eine Verteidigungslinie von Kalinin bis Kaluga, erreicht werden und einen Tag später die Stadt Klin. Es dauerte aber noch bis zum 25. November bis man diese Stadt vollkommen unter Kontrolle bringen konnte. Man hatte somit schon fast 200km bis Moskau zurückgelegt. Nun standen nur noch etwa 100km zwischen den Deutschen und der russischen Hauptstadt. Durch diese Tatsache in Gefahr gebracht, wurden wichtige Behörden und andere politischen Organisationen aus der Stadt heraus evakuiert. Sie verlegten nach Kuibyschew, um so dem Einflussbereich der Deutschen zu entgehen. Stalin sowie das Stavka blieben unterdessen in Moskau, man wollte so wohl symbolisieren das man die Stadt unter allen Umständen halten wolle.

 

Nachdem man die Kessel von Wjasma und Brjansk geräumt hatte, und die Rote Armee dabei hoher Verluste an Männern und Material verzeichnen musste, merkten auch langsam die Bewohner der Hauptstadt, dass der Gegner immer näher kam. Viele versuchten panisch aus der Stadt zu entkommen, viele Betriebe mussten die Arbeiten einstellen und Geschäfte sowie Warenhäuser wurden geplündert. Dies hatte zur Folge, dass man in Moskau das Standrecht verkündete, somit war die Grundlage geschaffen extrem hart gegen die Plünderer vorzugehen. So wie die Lage in Moskau immer dramatischer wurde umso mehr entspannte sie sich an der Front. Die Schlammperiode war nun vollkommen ausgebrochen und ein geordneter und schneller Vormarsch konnte so nicht mehr gewährleistet werden. Die Versorgungsdienste der Wehrmacht arbeiteten Tag und Nacht bliebe aber wörtlich gesehen im Schlamm stecken. Wichtige Nachschubgüter wie Munition und Treibstoff konnten kaum noch an die Einheiten geliefert werden, von dem vormals 900Tonnen am Tag schaffte man nur noch 20Tonnen pro Tag zur Front. Durch die fehlende Munition und Treibstoff für die motorisierten Verbände kam es zum Erlahmen des deutschen Angriffs. Dies bot den Sowjets die Möglichkeit weitere Kräfte nach Moskau zu schaffen, die Stellungen weiter auszubauen und auf den Winter zu hoffen. Als Anfang November der erste Frost einsetzte hoffte man auf eine Verbesserung der deutschen Lage. Es war nun endlich wieder möglich den dringend erforderlichen Nachschub nach vorn an die Front zu schaffen. Da aber die Einheiten schon am Minimum angekommen waren dauerte es fast zwei Wochen bis alle Einheiten wieder so aufgefrischt waren das man den Angriff fortsetzen konnte. Als am 6. November der erste schwere Frost einsetzte, und die Soldaten der Wehrmacht immer noch ohne Winterbekleidung vor Moskau lagen, erkannten viele dass es wohl kaum noch möglich war vor dem einbrechen des russischen Winters in Moskau zu sein. Trotzdem begann am 16. November der erneute Angriff auf Moskau. Die deutschen Divisionen setzten sich in Bewegung und stießen auf teilweise unüberwindlichen Widerstand der Roten Armee. Diese kämpften aus nun gut ausgebauten Stellungen und konnten viele der deutschen Angriffe abwehren. Zu allem Überfluss wurden auch große Teile der deutschen Luftflotte 2, unter dem Kommando von General Kesselring, von der Russlandfront abgezogen und Richtung Mittelmeer verlegt. Die so dringend benötigte Unterstützung aus der Luft wurde somit sehr stark eingeschränkt. Die sowjetische Luftwaffe erkannte dies und eroberte schnell die Lufthoheit. Somit mussten die deutschen Landser nun auch noch auf die russischen Schlachtflieger achten die den Angriffsschwung der Deutschen weiter senken konnten. Die deutschen Divisionen brannten langsam aus und so meldete auch der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall von Bock, an das OKW diese bedrohliche Lageentwicklung. Daraufhin bekam er den Befehl weiter zu marschieren da nicht nur die Deutschen sondern auch die rote Armee mit dem letzten Aufgebot kämpfen würde und der deutsche Sieg somit nah wäre. Somit ging es weiter voran und am 25. November 1941 griffen die ersten gepanzerten Verbände die Stadt Istra an und konnten sie schließlich einen Tag später einnehmen. Damit standen die deutschen Spitzen noch etwa 35km vor Moskau. Dann kam das was alle befürchtet hatten aber nicht wahr haben wollten. Am 27. November 1941 sanken die Temperaturen unter -35°C. Jegliche Angriffsbemühungen kamen zum Erliegen, Fahrzeuge froren ein und viele deutsche Soldaten vielen diesen Temperaturen zum Opfer. Zur gleichen Zeit beorderte Stalin weitere Armeen nach Moskau um diese für einen möglichen Gegenangriff der Roten Armee bereit zu halten. Diese Einheiten wurden beim Marsch auf Moskau von der deutschen Luftaufklärung erkannt, allein die deutsche Führung erkannte darin nur Ablenkungsmanöver und „Fantastereien“. Am 30. November 1941 konnte die Heeresgruppe Mitte den letzten großen Erfolg vor Moskau verzeichnen, die Ortschaften Krasnaja Poljana und Putschki konnten erobert werden und so bis auf 18km an Moskau heran gerückt werden, ein Angriff der Panzergruppe 2 auf Tula aber wegen starkem widerstand eingestellt werden. Auch gelang es noch einem kleineren Erkundungstrupp bis in den Vorort Chimki zu gelangen. Man war somit bis auf 8km an den Kreml heran gekommen. Weitere Angriffe der Deutschen waren nicht mehr möglich, die Deutschen gruben sich ein um nur kurze Zeit später vom russischen Gegenangriff und dessen Wucht überrascht zu werden und den unaufhörlichen Rückzug anzutreten. Der deutsche Angriff der Heeresgruppe Mitte war kurz vor Moskau gescheitert, nun war die Zeit der Roten Armee gekommen.

 

„So sehr Hitler gelegentlich seine frühere Frontkämpfereigenschaft hervorhob, so habe ich doch nie das Gefühl gehabt, daß sein Herz der Truppe gehört hätte. Verluste waren für ihn nur Zahlen, die die Kampfkraft verminderten. Menschlich dürften Sie ihn kaum ernstlich berührt haben. Ein früherer Offizier des OKW, der dorthin nach schwerer Verwundung, als Frontoffizier versetzt worden war und dessen Stellung es mit sich brachte, daß er Hitler fast täglich, [...] erlebte, schreibt mir zu Vorstehendem: "Ich erkenne die Berechtigung dieses subjektiven Gefühls [...] durchaus an. Er erschien so im größeren Kreis, in Wirklichkeit aber war es fast gegenteilig. Er war vom Soldatischen her gesehen vielleicht sogar zu weich, in jedem Fall zu gefühlsabhängig. Es war symptomatisch, daß er die Begegnung mit dem Grauen des Krieges nicht ertrug. Er fürchtete sich vor seiner eigenen Weichheit und Empfindsamkeit, die ihn daran gehindert hätten, Entschlüsse zu fassen, die sein politischer Wille von ihm forderte. Verluste, mit denen er sich auseinandersetzen mußte, oder die plastisch geschildert wurden, waren ihm furchtbar, er litt förmlich darunter. [...] Es war ganz sicher kein Mangel an persönlichem Mut, sondern Angst vor dem Grauen des Erlebens. In inoffiziellem Kreis gab es oft Gelegenheiten, wo man bei Unterhaltungen über Leistungen und Anstrengungen der Truppe - ohne Unterschied der Dienstgrade - sichtbar merkte, daß er für die kämpfende Truppe viel Verständnis und Herz hatte." Das Urteil dieses Offiziers, der nicht zu den Anhängern oder Bewunderern Hitlers gehört hat, zeigt zum mindesten, wie gegensätzlich der Eindruck sein konnte [...] War Hitler - wie vorstehend gesagt wird - wirklich zu "weich", wie kann man dann die grausame Brutalität erklären, die, immer zunehmend, sein Regime kennzeichnete?“
Erwin von Mahnstein


Gegenoffensive

Der sowjetische Gegenschlag
Winterschlacht vor der Hauptstadt der Sowjetunion


Sibirische Truppe beim Angriff auf deutsche Truppen vor Moskau

„Die Verteidigung ist leichter als der Angriff; denn alle Zeit, welche ungenutzt verstreicht, fällt in die Waagschale des Verteidigers.“
Carl von Clausewitz

Die Planungen für diese Gegenoffensive wurden schon durchgeführt als die deutsche Wehrmacht noch auf dem Vormarsch war. Zu dieser Zeit war aber schon abzusehen das die Offensive durch Nachschubprobleme und das Wetter ins Stocken kommen würde. So legte man am 25. November Stalin den Plan einer Gegenoffensive vor. Dabei sollten mit den Einheiten, die aus dem sibirischen Raum herangezogen wurden, der Gegenschlag durchgeführt werden. Am 30. November konnte General Schukow Stalin die Bereitschaft zur Offensive melden. Dieser entschied aber noch bis zum 6. Dezember zu warten, um weitere Kräfte heran zu führen und eine bessere Koordinierung zwischen diesen durchführen zu können. Bei der Gegenoffensive der Roten Armee sollten als erstes die deutschen Panzergruppen vernichtet werden. Diese Einheiten bedeuteten die größte Gefahr für die russische Hauptstadt, aus diesem Grund sollten die Einheiten von den eigenen Truppen abgeschnitten, eingekesselt und vernichtet werden. Nach diesen Maßnahmen sollten dann weitere Operationen nach Westen durchgeführt werden um letztendlich die Heeresgruppe Mitte zu vernichten. Zeitgleich sollten im Nord- sowie Südabschnitt Angriffe erfolgen um einerseits vom Hauptschlag auf die Heeresgruppe Mitte abzulenken und andererseits so weitere deutsche Einheiten zu binden. Für die sowjetischen Streitkräfte sollten etwa 1400 Flugzeuge, über 700 Panzer und mehr als 1 Million Soldaten zum Einsatz kommen und die stark geschwächten und schlecht versorgten deutschen Truppen vernichten.

 

Aber schon im Vorfeld der groß angelegten Gegenoffensive kam es zu ersten schweren Gefechten, so musste Rostow geräumt und auch Tichwin aufgegeben werden. Am 6. Dezember 1941 begann schließlich die russische Offensive. Durch die hohe Schlagkraft und die abgekämpften Einheiten kam man auf deutscher Seite schnell zum Entschluss einen geordneten Rückzug zu beginnen und sich auf günstiger gelegene Winterstellungen zurück zu ziehen. Wegen der fehlenden Truppen und Ressourcen konnten aber diese Abwehrstellungen nicht errichtet werden was zur Folge hatte das man die bisherigen Stellungen halten musste da ein Ausweichen nicht möglich war. Somit erfolgte durch den Kommandeur der Heeresgruppe Mitte nicht der Befehl zum geordneten Rückzug sondern der Haltebefehl. Um den Angriff der Roten Armee zu stoppen und einen Durchbruch zu verhindern wurde den deutschen Einheiten verboten sich vom Feind zu lösen. Sie mussten bis zu bitterem Ende die Positionen halten.
Nachdem zu Beginn der Offensive durch Partisanen die Schienenwege und Straßen zerstört wurden, um so die Versorgung der deutschen Truppen zu erschweren, begann der geballte Angriff der roten Armee. Zeitlich versetzt begannen die Angriffe. Als erstes griff im Norden die Kalininer Front mit Ziel Klin an, im Anschluss daran folgte die Westfront mit Angriffen beiderseits der Rollbahn Moskau-Smolensk und zum Schluss folgte die Südwestfront um bei Jelez anzugreifen. Durch die gute Vorbereitung, die vorzügliche Winterausstattung und die neuen T-34-Panzer kamen die Truppen der Roten Armee gut voran. Die deutschen Truppen konnten zwar größere Fronteinbrüche verhindern aber nie die Russen aufhalten. Auch die sogenannten Kosakenregimenter der Roten Armee kamen zum Einsatz. Diese griffen hinter der Front Versorgungspunkte, Trosse und Stäbe an und konnte so ihrerseits für viel Verwirrung in Reihen der Deutschen stiften. Am 10. Dezember 1941 musste der allgemeine Rückzug der Heeresgruppe Mitte befohlen werden. Im weiteren Verlauf gelang es der Roten Armee schließlich Kalinin zurück zu erobern und weitere Gebiete wieder unter russische Kontrolle zu bekommen. Als Schuldigen dafür „erkannte“ Hitler von Brauchitsch, er entließ ihn und übernahm selber den Oberbefehl über das Heer. Ende Dezember 1941 gelang es den Russen schließlich Kaluga, Istra, Rusa und Wolokolamsk befreien. Um seinen Männern größere Schwierigkeiten zu ersparen setzte am 25. Dezember der deutsche General Guderian eigenmächtig den Haltebefehl für seine Männer außer Kraft. Hitler war sehr erböst darüber und versetzte ihn daraufhin in die Führerreserve. Auch General Höpner, der Kommandeur des XX. Korps hob den Durchhaltebefehl auf um eine Einkesselung seiner Männer zu verhindern. Dieser zweite Fall kurz hinter einander ließ Hitler aufschreien vor Wut, diesen Vorfall nahm er als Anlass um ein Exempel zu statuieren. Er enthob Höpner aller Kommandos und entließ ihn unehrenhaft aus der Wehrmacht, so wollte er weitere Fälle dieser Befehlsverweigerung unterbinden. Seit diesem 8. Januar 1942 musste jeder Rückzugsbefehl persönlich von Hitler genehmigt werden. Am 15. Januar musste auch schließlich Hitler die ausweglose Lage erkennen und befahl daraufhin den Rückzug. Viel zu spät, und oft ohne Pferde oder Transportfahrzeuge, mussten die deutschen Einheiten viele ihrer schweren Waffen zurück lassen. Trotzdem ging es für die deutschen Soldaten Richtung Westen um auf der sogenannten „Winterstellung“ zu halten und sich dem Gegner wieder entgegen zu stellen. Da es sich aber bei dieser Linie nur um eine willkürlich gezogene Linie auf der Karte handelte, die nicht mit ausreichend ausgebauten Stellungen versehen war, konnte dort der russische Angriff nicht gestoppt werden. Die russische Gegenoffensive von 1941/42 war somit der Anfang vom Ende.

 

 

Hitlers Irrtum
Der Wahn des ideologischen Krieges

Medaille zur Winterschlacht 1941/42
'Hitler war Deutschlands Schicksal, und dieses Schicksal war nicht abzuwenden.'
Generalfeldmarschall Walter von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des Heeres 1938-1941

Ist ein Zufall, dass die Deutschen vor Moskau ins Stocken geraten, taktische Unvermögen der Frontoffiziere oder strategische Finesse der Generäle der Roten Armee, allen voran Schukow. Dies steht alles bis heute zur Diskussion und wird von den Historikern als Frage immer wieder aufgegriffen. Dieser Ansatz soll einmal die Rolle Hitlers beleuchten, der nach Meinung einiger führender Militärhistoriker, mit seinen Handlungen, maßgeblich an der Stagnation der Front im Osten und den hohen Verlusten vor Moskau und danach verantwortlich war. Die deutschen Offiziere wussten nämlich schon frühzeitig um die Verletzbarkeit der deutschen Truppen gegen den Winter und die erstarkende Verteidigung der Russen. Der Führer und selbsternannte Feldherr Hitler jedoch verbietet einen strategischen Rückzug und Neuformierung vor Moskau. Für ihn war das Halten des eroberten Bodens überlebenswichtig für ihn. So war der schon erfolgte Rückzug aus dem von der Einschließung bedrohten Rostow von Hitler zurückgenommen worden. Daraufhin tritt Rundstedt zurück und wird durch Reichenau als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd ersetzt. Von nun an arbeiten Frontoffiziere regelmäßig gegen die Haltebefehle aus dem Führerhauptquartier, nur selten wird dem Rückzug statt gegeben und zu oft müssen Soldaten in auswegloser Situation die Stellung halten. Ergänzend zum Haltebefehl geht der ideologische Krieg im Hinterland der Front weiter und die Einsatzkommandos melden die Zahlen von ermordeten Juden euphorisch an das Büro des Führers. Der Feldherr Hitler schwört schon zu Beginn seines militärischen Wirkens allen militärischen Statuten und Regeln ab. Er wird im Laufe des Krieges zu einer paradoxen und naiven Persönlichkeit, für den die in den letzten dreieinhalb Kriegsjahren zu einer Art Wettlauf kulmunieren. "Wer würde früher am Ziele sein: Hitler mit seiner Judenausrottung oder die Alliierten mit ihrer militärischen Niederwerfung Deutschlands? Die Alliierten brauchten dreieinhalb Jahre, bis sie am Ziel waren. Und inzwischen war auch Hitler seinem Ziel immerhin schrecklich nahe gekommen."
Mit der Schlacht vor Moskau tritt erstmals in diesem Feldzug und dem Krieg insgesamt der Charakter des ideologische Charakter so deutlich zur Tage, dass er auf beiden Seiten das Militärisch ein den Hintergrund drängt. Dabei hat Hitler wie Stalin ein neues Kapitel in der Militärgeschichte aufgeschlagen und schaut man sich den Krieg in der Weltgeschichte an, dann erkennt man, dass der "Krieg aus dem Staatensystem ebenso wenig zu verbannen ist wie der Stuhlgang aus dem biologischen System des menschlichen Körpers" (Sebastian Haffner). Kriege sind mit dem Staatengebilde in einer Symbiose verbunden und werden niemals verschwinden können, wenn man aber nun Hitlers Krieg und seine Ziele, wie die Kriegsführungen Stalins und Hitlers betrachtet, dann verkommt die Symbiose des Krieges und Gesellschaft zu einem Treppenwitz der Geschichte. Hitler plante eine Weltherrschaft basierend auf Rassenideologischen Säuberungen - weltweit! Diese Schuld war ihm bewusst, darum war dieser Krieg keine Frage des Sieges oder der Niederlage, sondern um Leben und Tod. Dieses Schicksal verband Hitler mit seinem Krieg und er verband es mit ganz Deutschland! Für Stalin bestand diese Situation in ähnlicher Weise, denn vor Moskau musste sich die sowjetische Ideologie beweisen, wer hier siegt, wird seine Ideologie gegen die andere durchsetzen können – die natürliche Selektion der Ideologien auf dem Rücken von Kriegsführung und Menschenmaterial ausgefochten.
Mit Moskau sollte die Hauptstadt des Bolschewismus fallen und Hitler hoffte auf das erhoffte Stichwort: "Halten sie ihre Truppen noch einer großen Anstrengung für fähig?". Guderian antwortete: "Wenn der Truppe ein großes, jeden Soldaten anfeuerndes Ziel gesetzt wird - ja!" Hitler wusste Bescheid und erwiderte: "Sie meinen natürlich Moskau." "Ja, mein Führer, erlauben sie mir, meine Gründe zu nennen?", fragte der Panzergeneral. Hitler gestattete Guderian sein Anliegen. Jetzt kam es darauf an. "Man kann Moskau nicht mit Paris oder Warschau vergleichen, mein Führer. Moskau ist nicht nur das Haupt und das Herz der Sowjetunion. Es ist auch die Nachrichtenzentrale, der politische Mittelpunkt, ein mächtiges Industriegebiet, es ist vor allem die "Verkehrsspinne" des ganzen roten Reiches. Der Fall Moskaus wird kriegsentscheidende Wirkung haben." Hitler hörte schweigend zu und Guderian fuhr fort: "Stalin weiß das. Er weiß dass Moskaus Fall die endgültige Niederlage bedeutet. Und weil er es weiß, wird er seine ganze militärische Kraft vor Moskau einsetzen. Schon jetzt fährt er heran was er noch hat. Wir erleben es seit Wochen in Jelnja. Wir werden vor Moskau die Substanz der russischen Militärmacht treffen. Wollen wir die militärische Lebenskraft der Sowjets vernichten, hier treffen wir sie, hier ist das Schlachtfeld, und wenn wir alle Kraft zusammenfassen, werden wir es auf Anhieb schaffen." Hitler schwieg weiter. Guderian ging aufs Ganze: "Wenn wir vor Moskau und in Moskau über die feindlichen Hauptkräfte gesiegt und den zentralen Verschiebebahnhof der Sowjetunion ausgeschaltet haben, dann fällt uns das Baltikum und fällt uns das Wirtschaftsgebiet der Ukraine viel leichter zu als mit einem intakten Moskau vor unserer Front, von dem aus Kräfteverschiebungen - vor allem aus Sibirien - nach Nord und Süd vorgenommen werden können." Das Militärische schien sich mit den Ideologischen Ziel zu decken, doch „übersteht kein Schlachtplan den ersten Feindkontakt“, wobei das ideologisch keine Toleranzen und Variationen kennt, nur Sieg oder Tod.
Der eisige, viel zu früh einsetzte Winter, erschöpfte und ausgezehrte deutsche Truppen, eine überdehnte Front und frische Sibirische Kräfte auf der sowjetischen Seite lassen den militärischen Sieg in den Bereich des Unmöglich rücken. Ein Sturmangriff sibirischer Infanterie zeigt den Deutschen die Entschlossenheit der Roten Armee auf dem winterlichen Schlachtfeld. Stalin befahl Mitte Dezember einen Großangriff entlang der gesamten Front und schon wenige Tage später wird Kalinin, nordwestlich von Moskau, zurückerobert. Hitler will die Niederlage nicht glauben und gibt den deutschen Offizieren die Schuld, nun sollen die Deutschen Soldaten halten um jeden Preis. Wo die Truppe steht, dort soll Sie bleiben und fanatisch Widerstand leisten, sich in den Boden 'einkrallen', auch dann, wenn die Russen überflügeln oder abschneiden. Ein solcher Widerstand würde die benötigte Zeit verschaffen, um Verstärkungen aus dem Reich und dem Westen heranzubringen, was bei der russischen Großoffensive an breiter Front illusorisch erscheint. Dieser Haltebefehl bedeutet den Tod und die unnötige Opferung von ganzer Armeen vor Moskau. Dies ist auch den Generälen bewusst, vor allem solchen, die sich der taktischen Situation durch Anwesenheit an der Front bewusst sind. Generaloberst Guderian wird von Hitler entlassen, nachdem er gegen dessen 'Halte-Befehl' verstoßen hatte. Er wollte den Führer überzeugen und ihm einen Rückzug zur Neuformierung und Überbrückung schmackhaft machen, militärisch absolut vertretbar, doch ideologisch das Signal der Niederlage. Guderians Meinung wird auch vom Oberkommando des Heeres aufgenommen und vertreten. So ereilte das Schicksal Guderians auch Walther von Brauchitsch und anderen hohen Offizieren, als sie – wie Guderian – Hitler dazu bewegen wollten, angesichts der desolaten Lage der deutschen Armee sowie der Gefahr sowjetischer Gegenangriffe die Belagerung von Moskau aufzugeben und dafür leichter zu verteidigende Stellungen einzunehmen. Hitler entlässt auch gleich den Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch und übernimmt von nun an persönlich den Oberbefehl über alle Militäroperationen. Hitler befiehlt den deutschen Armeen, Stalins Taktik der 'Verbrannten Erde' zu übernehmen und verlangt, dass alles auf was der Roten Armee nützlich erscheint, sofort vernichtet wird. Goebbels ruft dazu auf, Wintersachen für die im tiefen Schnee und bei Temperaturen unter null Grad an der Ostfront kämpfenden deutschen Landser zu spenden. Die Ideologie übernimmt die Führung und führt militärische Vorsätze und strategische Vertretbarkeit ad absurdum.
Hitler opferte die spärlichen menschlichen und materiellen Ressourcen dem ideologischen Ziel und verliert sich in Irrtümern seiner Entscheidungen. Stalin lässt die Rote Armee durch seine ideologisch geschulten Kommissare antreiben, ruft den großen vaterländischen Krieg aus und opfert dafür nur zu gerne Russlands fast unerschöpflichen menschlichen und materiellen Ressourcen. Er schickt den Angreifern solange die eigene Soldaten vor die Geschütze, bis die Erschöpfung und der Mangel den Vorstoß zum Erliegen bringen.


Deutsche Kriegsgefangene nach der Schlacht von Moskau

'Viel Blut kostete uns auch jene Taktik, auf der Stalin, der das Wesen der Führung von Kampfoperationen nicht kannte, bestand, nachdem es gelungen war, den Gegner aufzuhalten und zur Offensive überzugehen. Die Militärs wissen, dass Stalin bereits von Ende 1941 an forderte, anstelle großer operativer Manöver zur Umgehung des Gegners an den Flanken, zur Schwenkung in seinen Rücken ständige Frontalangriffe zu führen und ein Dorf nach dem anderen zu erobern. Wir erlitten aus diesem Grund gewaltige Verluste, bis es unserer Generalität, auf deren Schultern das gesamte Gewicht der Kriegführung ruhte, gelungen war, die Situation zu ändern und zur Führung beweglicher Operationen überzugehen, was umgehend zu einer ernsthaften Veränderung an den Fronten zu unseren Gunsten führte.'
Zur Rolle Stalins im Großen Vaterländischen Krieg - Nikita S. Chruschtschow - Aus: Über den Personenkult und seine Folgen Rede auf dem XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion 25. Februar 1956

Hitler lässt seine Offiziere bei Misserfolgen zwar nicht erschießen, doch weiß er um die Situation des Krieges. Hitler dagegen schuf sich absichtlich oder unabsichtlich eine Clique um seine Person, die abhängig von seinem Tun war und jede Niederlage würde auch Sie unvermeidlich treffen. Die Generäle ließ er fortan außen vor, vor allem die es wagten ihm zu wiedersprechen bzw. die die Realität dieses Krieges Ende 1941 begriffen haben. Hitler schwelgt lieber in seinem ach so vergänglichen Erfolg und sieht den militärischen Teil seines Vernichtungskrieges bereits hinter sich liegen. Für ihnen wurden die Planungen seines „Lebenszieles“ im wichtiger und auch in der Rede spricht nun vielmehr vom allgegenwärtigen und vor allem allseits schuldigen Judentum, das vernichtet gehört und getilgt. Allmachtphantasien einen Wahnsinnigen, der sich zum Feldherrn erkoren und zum Massenmörder berufen fühlt. Der Winter naht, die überdehnte Front und der lange Feldzug haben an allen Enden der kämpfenden Wehrmacht ihre Spuren hinterlassen und so war es nur eine Frage der Zeit bis die Front im Osten ins Stocken geriet. Als Guderian in draufhinweist, dass seine militärischen Berater es an Fronterfahrung und Blick fürs Wesentliche fehlte, antwortete Hitler nur entrüstet: "Ich kann mich jetzt von meiner Umgebung nicht trennen." Diese Umgebung agierte nun mittlerweile wie ihr Führer, Geier, für die das Aas der Niederlage mit den richtigen Worten gewürzt durchaus als Festmahl durchgeht. Gefügige Wehrmachtsgeneralen, geschmückt mit den Siegesorden, die Ihnen im Ersten Weltkrieg verwehrt blieben, SS-Prätorianer, die ideologisch geschult den Rassenwahn des Führer in die russischen Weiten tragen und daneben die Parteibonzen, die sich nur zu gern mit der Aura des Führers schmücken und die monetäre Macht eroberter Gebiet lockt. So entwickelte sich das Führerhauptquartier zu einer realitätsfernen Kommandoeinrichtung, die eher einem absolutistischen Hofstaat glich als einem militärischen Nervenzentrum. Die Rede an diesem 10. November spiegelt dieses nationalsozialistischen-rassistisch patriarchalen – absolutistischen Wahn eines siegesgewissen Regimes vor, dessen Führer den Ersten Weltkrieg gerächt sieht, die deutsche Schande in einen germanischen Sieg umgedeutet hat. Dennoch sollte nach den siegreichen Kesselschlachten die Quittung kommen, denn die russische Rüstungsproduktion hinter dem Ural lief bereits auf Hochtouren und ließen täglich Mengen an Panzer vom Band laufen, die das Deutsche Reich nicht in Wochen hätte produzieren können. Die Clique um den Führer weiß zu diesem Zeitpunkt um das bevorstehende Fiasko, ist aber schon im blinden Kadergehorsam verfallen. Ihr Führer hält dagegen eine Rede, die von Inhalt eher einer Wagner Oper als einer politischen Rede ähnelt. Er der germanische Fürst, der omnipotent das Reich rettet und dabei zehntausende deutsche Soldaten mit heroischen Befehlen dem sicheren Tod ausliefert. Schon bald heißt der Tagesbefehl „ohne Rücksicht auf durchgebrochenen Feind in Flanke und Rücken“ halten und kämpfen. Die Generäle mit Verstand und offenen Auge für die massiv gestiegenen Verluste entlässt er und die Rede gibt sein Handeln vor: „Und die Führung dieses Kampfes sowohl als die Ausführung wird nicht ermüden und wird nicht ermatten. Was der Heldenmut an der Front geleistet hat, ist unsterblich, und für eine so unsterbliche Tat wird auch - das können wir als Menschen, die an eine Vorsehung glauben, annehmen - auch ein unverginglicher Lohn kommen.“ Nach dieser Rede wird der Vernichtungskrieg endgültig losbrechen, hinter den Fronten durch die erbarmungslosen Einsatzkommandos, die vor keinem Greuel zurückschrecken und dazu die organisierten Lager für das Massensterben. An der Front der Kampf gegen übermächtige und an der Zahl mehrfach überlegenden Gegner, gegen das Klima, den Hunger, die Angst und der unvermeidlichen Tod. Dieser Feldzug wird ca. 27 Millionen Sowjetbürger das Leben, darunter 15 Millionen Zivilisten das Leben kosten.


Folgen

Folgen

Stalin als Marschall der Sowjetunion nach dem Sieg gegen die Deutschen Invasoren - stilisiert auf einem Propagandaplakat

Bis Ende 1941 lief es an der Ostfront zum Besten der deutschen Wehrmacht. Der deutsche Vormarsch lief fast ungebremst weiter, wenn die deutschen Truppen auch in der Mitte schwere Kämpfe durchstehen müssen, so war Moskau doch in ernstlicher Gefahr. Die russischen Städte brennen und nichts scheint den Vormarsch stoppen zu können. Die Führung der roten Armee ist nur unzureichend auf die Taktik der Deutschen angepasst und die sowjetische Panzerwaffe kann es nicht mit ihren deutschen Pendants aufnehmen. Doch ahnt keiner der deutschen Generale, dass du schier unerschöpflichen Ressourcen der Sowjetunion hinter den Fronten massiv aufrüsten, neue Technologien entwickeln und sprichwörtlich Millionen neuer Soldaten auf den Weg an die Front schicken. Diese Vorteile hat das deutsche Militär nicht ansatzweise aufzuweisen und läuft damit in die Falle des Massenkrieges. Dabei legen die Deutschen auch keinen Wert darauf die Bevölkerung auf ihrer Seite zu wissen, das Hinterland so frei von Partisanen zu wissen und möglichweise sogar Unterstützung an Ort und Stelle zu requirieren. So sind es die Einsatzgruppen, im November vor allem die Einsatzgruppe C, welche im Rücken der Heeresgruppe Süd 75.000 Juden erschießt und ein eindeutiges Signal an die Bevölkerung Russland sendet. Wissen doch einige deutsche Offiziere um den Tanz mit dem Feuer einer überdehnte Front und deutschen Kräfte, doch keiner konnte sich ausmalen was Stalin mit der Berufung Schukows ins Rollen brachte.

'Genossen! Bürger! Brüder und Schwestern! Kämpfer unserer Armee und Flotte, an Euch wende ich mich, meine Freunde
(Товарищи! Граждане! Братья и сестры! Бойцы нашей армии и флота! К вам обращаюсь я, друзья мои!)
Die Mißerfolge der Roten Armee«, sagte J. W. Stalin am 6. November 1941, »haben das Bündnis der Arbeiter und Bauern wie auch die Freundschaft der Völker der Sowjet­union nicht nur nicht geschwächt, sondern im Gegenteil, sie haben dieses Bündnis sowie diese Freundschaft noch gefestigt. Mehr noch – sie haben die Völkerfamilie der Sowjetunion in ein einheitliches, unerschütterliches Lager verwandelt, das seine Rote Armee und seine Rote Flotte aufopferungsvoll unterstützt. Niemals noch war das Sowjethinterland so fest wie jetzt.
Erheben werden sich die Millionenmassen unseres Vol­kes. Die Werktätigen von Moskau und Leningrad sind schon dazu übergegangen, eine vieltausend­köpfige Volkswehr zur Unterstützung der Roten Armee zu schaffen. In jeder Stadt, der die Gefahr eines feindlichen Überfalls droht, müssen wir eine derartige Volkswehr schaf­fen, müssen wir alle Werktätigen zum Kampf mobilisieren, um in unserem Vaterländischen Krieg gegen den deutschen Faschismus unsere Freiheit, unsere Ehre, unsere Heimat unter Einsatz unseres Lebens zu verteidigen.“

Rede Josef Stalin - 6. November 1941


General Schukow

Mit ihm geht der Kampf an der Ostfront in eine neue Phase, die auf Seiten der Roten Armee auch „Schukow Epoche“ genannt werden darf. Stalin ernennt Schukow zum Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen im nördlichen Teil und Timoschenko für den südlichen Teil der Ostfront. General Schukow übernimmt das Kommando über die Garnison von Moskau und wird die Deutschen stoppen können. Währenddessen im besetzten Teil Russlands die deutsche Besatzungspolitik mit immer härteren Maßnahmen die Durchsetzung der eigenen Ziele und Autorität vorangetrieben wird. So wird der der rumänische Oberbefehlshaber bei Odessa, General Glugoscianu, sowie 50 Mitglieder seines Stabes werden durch eine Zeitzünder-Bombe getötet. Diese wurde zuvor von den evakuierten Russen unter einem Gebäude gelegt, welches voraussichtlich für das feindliche Stabshauptquartier am geeignetsten war. Die Vergeltung folgt auf dem Fuße und n 19.000 Juden werden in der Stadt zusammengetrieben und erschossen. Weitere 40.000 werden auf eine Kolchose verschleppt und ermordet. Man duldet keinen Widerstand und nimmt solche Anlässe nur zu gerne zur Demonstration der eigenen Macht und Legitimation des Völkermordes! Stalin hingegen weiß um das Volk hinter seinen Waffen, vor allem im Riesenreich Russland. Er ruft zur Verteidigung von „Mütterchen Russland“ auf, führt dem Volk vor Augen, dass ihn bei einer Niederlage der Tod oder die Verelendung gewiss ist. Sie kämpfen nun nicht mehr nur für Stalin, sondern für ihren Acker, ihr Haus und ihre Familien. Stalin fordert zudem eine 'Zweite Front' in Westeuropa und prophezeit damit ein 'unausweichliches Verhängnis' für Hitler. Was er bekommt sind Versprechungen und eine Milliarde US-Dollar amerikanischer Kredite für Waffen- und Güterlieferungen an die UdSSR, gemäß den Bestimmungen des ' Lend-Lease Act'. Die Westalliierten haben derzeit aber andere Sorgen, machen Ihnen die japanischen Aggressionen sorgen und eine mögliche neue Front im ihrem Rücken. In Moskau lässt Stalin derweil eine traditionelle Militärparade zum Jahrestag der Sowjetischen Oktoberrevolution in Moskau abhalten, demonstriert damit Gelassenheit und betont die Gewährleistung einer Verteidigung Moskaus. Fakt ist aber, dass seine Abreise aus Moskau im geheimen bereits geplant ist, der Panzerzug bereit steht und man weit im Osten bereits eine neue Basis für Stalin errichtet hat. Er prophezeit den Untergang von Nazi-Deutschland innerhalb der nächsten 12 Monate, doch glaubt er bisweilen nicht selber daran. Hitler lässt auf eine Antwort nicht lange warten und motiviert seinerseits die Leute. In einer Rede in München beschreibt Hitler die UdSSR als 'Mongolen-Staat' und Stalin als den 'zweiten Dschingis Khan'. Der Führer behauptet, dass sich die Rote Armee niemals mehr von den bisherigen Gesamtverlusten von 10 Millionen Mann erholen kann. Doch wissen seine Militärs um die Geschichte und das Potential des Riesenreiches, zum Verhängnis wird Ihnen der Schleier der Euphorie, der anscheinende Allmacht der Hitlerpläne und der Irrglauben in die Möglichkeiten ihrer Wehrmacht. Als endlich klar wird, auch durch die Aufklärungsarbeit von Admiral Canaris umfangreich belegt, dass die Russen ein enormes Heer auf den Weg schicken, hat Hitler bereits alle seine Verbindungen und Verpflichtungen zu erfahrenden Frontoffizieren gekappt, Canaris nicht mehr zum Führer vorgelassen, auch weil die Generalität um Hitler fürchtet, die Meldungen des Nachrichtendienstes könnten dem Führer nicht gefallen, und der Untergang besiegelt. Die Widerständler vom 20. Juli 1944 finden in diesen Tagen zusammen, sehen die aufziehende Niederlage und müssen die Realitätsferne des Führers miterleben.
Das Jahr 1941 endet als letztes Jahr im Siegestaumel und wird abgelöst durch ein Jahr der Stagnation und Lügen der Propaganda. Hitler selbst wird nur noch für wenige Untergebene direkt anzusprechen sein, seine Clique schirmt ihn ab und verliert sich im Glauben an seine Unfehlbarkeit. Aufgerüttelt werden alle erst mit dem nahe Artilleriefeuer, das den Führerbunker in Berlin erschüttert und das „Dritte Reich“ nur noch knapp 3 Kilometer an der breitesten Stelle hat!

 

„Ein einzelner Toter ist eine Tragödie. Eine Million Tote sind nur eine Statistik.“
Josef Stalin