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Einleitung I

Operation Unthinkable

Vorbereitungen für den 3. Weltkrieg oder Fortsetzung des 2. Weltkrieges mit neuen Vorsätzen?



"Wie Churchill die besiegten Nazi-Truppen rekrutieren und die Sowjetunion aus Osteuropa vertreiben wollte"

 

Die Russen besetzen Berlin und in der Arroganz ihrer Ideologie hissen Sie ihre Fahne im Zentrum des "Dritten Reichs". Winston Churchill war in Folge dieser Geste im Frühjahr 1945 mehr als wütend. Er wollte nicht zulassen, dass in Deutschland in der Mitte Europas sind zwei Ideologien gegenüberstanden - Europa gehörte für ihn zum Westen, zur Demokratie und zu seiner Einflusshäre. Doch genau das war nicht geschehen und Deutschland als Feind rückte plötzlich in den Hintergrund. Die Verbündeten waren nun Feinde, wenn Sie dies auch nur im in inoffiziellen Kreisen verlauten ließen. Stalin war selbst zutiefst misstrauisch, was Churchill vorhatte. "Dieser Mann ist zu allem fähig", sagte er seinen Heerführer, Marschall Schukow.

 

 
(Gegner und Planer in diesem Kriegsszenario
Links: Churchill (Großbritannien/Alliierte)- Rechts: Stalin (Sowjetunion/Ostblockstaaten))



Laut manchen Quellen soll Stewart Menzies, der Chef des britischen Geheimdienstes MI 5, im unbesetzten Teil Frankreichs eine Reihe heimlicher Treffen mit seinem deutschen Gegenspieler, Admiral Wilhelm Canaris durchgeführt haben. Es sollen dabei die Möglichkeiten besprochen worden sein, wie Deutschland zum Freund und die Sowjetunion zum Feind (Großbritanniens) gemacht werden könnte. Nach dem Krieg waren hochrangige Politiker in London und Paris weiter von der Vorstellung begeistert, die Divisionen Hitlers umzudrehen und sie auf die Sowjetunion zu hetzen. Während einer mehrere Monate andauernden Periode seltsamen Stillhaltens (im Westen), die als "komischer Krieg" bekannt ist, blieben sie an der Front absichtlich untätig, ließen aber maßgebliche britische und französische Politiker insgeheim weiter mit Hitler verhandeln. Zehn Tage, bevor Deutschland die Sowjetunion angriff, war Hess allein nach Schottland geflogen, um Geheimgespräche mit Kreisen zu führen, die der britischen Regierung nahe standen. Später sickerte durch, dass es in diesen Gesprächen um einen Beendigung der Kampfhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland und um ein gemeinsames Vorgehen gegen die Sowjetunion ging ...."  

 

"Terrible things have happened. A tide of Russian domination is sweeping forward . . . After it is over, the territories under Russian control will include the Baltic provinces, all of eastern Germany, all Czechoslovakia, a large part of Austria, the whole of Yugoslavia, Hungary, Romania and Bulgaria.
This constitutes one of the most melancholy events in the history of Europe and one to which there has been no parallel. It is to an early and speedy showdown and settlement with Russia that we must now turn our hopes."
(Churchill Meinung zu den Sowjets und er will einen Showdown lieber jetzt als morgen!)

Einleitung II

Operation Unthinkable oder zu gut Deutsch Operation Undenkbar, war nicht nur einer dieser Planspiele für den Krieg, sondern eine ernst gemeinte Vorbereitung für den Ernstfall. Ein Ernstfall, der nach Meinung Churchills schon im Mai 1945 eintreten sollte bzw. könnte. Der amtierende britischen Premierminister Winston Churchill, war kein Freund der Sowjetunion und prägte den Begriff "Eiserner Vorhang" als erster Politiker. Sein in Auftrag gegebenen Kriegsplans, der die militärische Unterwerfung der damaligen Sowjetunion durch Großbritannien und die USA zum Ziel hatte, sollte Europa ganz unter den westlichen Einfluss bringen, zu Not auch mit Hilfe der gerade besiegten Wehrmacht. Der Plan wurde vom britischen Chiefs of Staff Committee und als militärisch undurchführbar eingestuft. Die Gründe für diese Entscheidung liegen in einer Roten Armee, die zu diesem Zeitpunkt so stark und so erfahren war, dass man Sie hätte unmöglich besiegen können.
In der Geschichte ist dieser Plan, dessen Vorbereitung und vor allem dessen historischer Kontext wohl einmalig, den damaligen Umständen geschuldet und hätte in dieser Form, nur in den wenigen Monaten nach der größten Katastrophe der Menschheit im 20. Jahrhundert, den Weg durch die Instanzen gefunden. Noch während der letzten Kriegswochen in Auftrag gegeben, wurde der ausgearbeitete Plan wurde Churchill am 22. Mai 1945, zwei Wochen nach der deutschen Kapitulation vom Chief of Staff, Lt. Gen. Sir Hastings Lionel Ismay übergeben und am 8. Juni 1945 und 11. Juli 1945 ergänzt. Ein Plan, der durchaus Anklang fand, in allen alliierten Ebenen und beweist, dass ein General Patton mit seiner Meinung über die Sowjets nicht alleine stand. Doch hat Patton sich mit seinen vorlauten Äußerungen über einen schnelle Schlag gegen den vermeintlichen Verbündeten im Osten ins Abseits gestellt, hatten die Briten im Geheimen diese Idee wohl schon länger aufgegriffen.
Als Termin für den Angriff auf die Sowjetunion wurde der 1. Juli 1945 festgelegt. Geplant war der Einsatz von britischen und US-Truppen. Wie auch Patton richtig erkannte, hätte die zahlenmäßige Überlegenheit der Roten Armee einen Sieg unmöglich gemacht. Dennoch sagt schon Patton, dass die antibolschewistische Ideologie der Nazis bzw. der Wehrmacht den Alliierten nur zu Gute kommen könnte und man sich der gut ausgebildeten Deutschen Soldaten durchaus bedienen sollte. Auch in den britischen Plänen wurde beabsichtigt, dass man außerdem die Wiederbewaffnung von ca. 100.000 Soldaten der besiegten deutschen Wehrmacht in die Angriffspläne einbeziehen wolle.  

 

"We must now devote all our strength and resources to the completion of our task, both at home and abroad. Advance, Britannia! Long live the cause of freedom! God save the King."
(Churchill lässt mit seiner Einstellung meist nicht hinter dem Berg)



Der Plan selber wurde wahrscheinlich aus politischen Erwägung nicht durchgeführt und verschwand in den Tiefen der Aktenschränke. Es blieb den Russen aber nicht lange verborgen was die Briten da planten, denn einer der vielen Spitzel in Whitehall die neusten Beobachtungen an Moskau weitertrugen. Die Anweisungen aus London für den Feldmarschall Bernard Montgomery, britische Befehlshaber in Deutschland, dass er erbeutete deutschen Waffen für eine mögliche spätere Verwendung lagern solle bzw. auch an Deutsche hätte wieder zurückgeben sollen, machte die Russen mehr als nervös. Vom Kreml abgesehen, blieben Churchills militärische Eingebungen ein Staatsgeheimnis und das mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion öffnete man die Archive und gab sensibles Material frei, so auch den als streng geheim eingestufte Plan vom Mai/Juli 1945. Nun hatte man ja keine Reaktion des Ostens auf solche damaligen Überlegungen zu fürchten und so sah dieses Machwerk Churchills im Jahre 1998 das Licht der Öffentlichkeit.


Der Ernstfall

Ernstfall: Weiterführung des Zweiten Weltkrieges

 



Man kann diese Kriegs- bzw. Ernstfallszenarien als Studien bezeichnen, die den verschiedenen Ideologien, der kürzlich Entdeckung der Atomkraft als Waffe und eines aufkommenden neuen Krieges sehen. Zum Glück hat sich dieser neue Krieg, der schon im Bunker unter Berlin von vielen Wehrmachtsangehörigen so voraus gesagt wurde, als Kalter Krieg entpuppt. Dennoch hätte dieser Krieg von Drohungen, Rüstungen und Vernichtungspotentials auf beiden Seiten, schon kurz nach Kriegsende zum einem neuen Heißen Krieg bzw. zu einer Weiterführung des zweiten Weltkrieges unter neuen Voraussetzungen führen können. Es trafen Ideologien aufeinander, die wohl genauso unterschiedlich waren wie die nationalsozialistische und die sowjetische waren, wenn nicht noch weiter voneinander entfernt. Vielmehr trafen hier die Demokratie auf die Diktatur aufeinander, wobei beide sich in ihren Machtpositionen in Europa bedroht fühlten.
So hatten nicht nur die Alliierten ihre Pläne in den Schubladen, sondern auch die Sowjets. Es sind Pläne von Marschall Schukow vom 15.05.41 bekannt, die vom ZK in Auftrag gegeben, dieselben Aspekte berücksichtigen sollte:
 

    • I. Es ist die Aufgabe von politischen Führern, alternativen Szenarien zu kennen und ihre Stärken und Schwächen bewerten zu können, die sich im Anschluss an einen kriegerischen Konflikt auftun.

 

    • In diesem Sinne musste Churchill wie auch Stalin eine derartige Studie in Auftrag geben, wenn er verantwortungsvoll handeln wollte als Staatsmann.

II. Es ist sicherlich auch die Aufgabe militärischer Planer, derartige Szenarien im Sinne von Machbarkeitsstudien zu analysieren und auf ihre Durchführbarkeit zu untersuchen. In diesem Sinne werden Worse- und Best-Case-Szenarien erstellt.

III. Es ist jedoch unabdingbar für die Bewertung dieser Studien, die politischen Rahmenbedingungen genau zu untersuchen und zu beurteilen. Wer ist ein möglicher Aggressor und wer ein Verbündeter, wo und wann könnte sich ein neues Schlachtfeld auftun.


Doch genau hier kommen die konfusen Umstände einer Nachkriegsordnung ins Spiel. Im Falle des Zweiten Weltkrieges haben wir einen neue, möglicherweise kriegsentscheidende Waffe auf dem Plan. Dazu kommt eine politische Durchsetzbarkeit, die vielleicht schon an der Öffentlichen Meinung gescheitert wäre - vielleicht aber auch nicht. Wäre ein weiterer hoher Blutzoll zu verantworten gewesen bzw. wäre eine Eroberung der gerade erstandenen militärischen Supermacht, der SU überhaupt denkbar. Die Meinung der Militärs: "Unthinkable, indeed!"
Dabei muss man beachten, dass die Briten die Russen die letzten 4 Jahre im als Helden umarmt haben. Das britische Volk kannte nicht den Russen als fremde Ideologie, sondern als Front gegen Hitler, wie sollte man diesen Menschen jetzt die neues Kampfeslust gegen den früheren Kampfgefährten klar machen.
 


 
Geplante Einsatzkräfte
(ca. 112 bis 113 Divisionen)
47 alliierte Divisionen
14 Panzerdivisionen
40 Divisionen Reserve
(defensive Aufgaben)
10-12 deutsche Divisionen



Die Entscheidung der USA, statt der ursprünglich vorgesehenen 200 Armee-Divisionen lediglich ca. 80 zu bewaffnen hätte die USA nicht befähigt, einen Landkrieg gegen die SU zu führen. Man stand sich dazu mitten in Europa gegenüber, die Russen mit den weiten ihres Landes im Rücken und die Europäer kämpfend auf ihrem eigenen Boden.

Der Plan

Planung



Die erste primäre Ziel der Operation war wie folgt deklariert: "to impose upon Russia the will of the United States and the British Empire . Even though 'the will' of these two countries may be defined as no more than a square deal for Poland, that does not necessarily limit the military commitment" Entscheiden schon hier die Formulierung, denn man liest in der Planung immer das Wort Rußland und nie den Begriff UDSSR. Dabei tauchen auch immer wieder die Dimensionen der neuen Roten Armee auf, wobei die politische Komponente eine Rolle spielte. Wie auch schon im Krieg gegen Hitler, konnte man den sowjetischen Führer Josef Stalin einfach nicht einschätzen. Als zu unzuverlässig schätzen die Stabschef den militärischen Oberbefehlshaber ein. Wir auch im "Dritten Reich" hatten die Generäle in der SU nur wenig zu Sagen bzw. Spielraum, d.h. Entscheidungen waren oft politischer wie ideologischer Natur und das machte den Militärs natürlich Kopfzerbrechen. Auch konnte man bei einem Angriff nicht die Situation im Pazifik richtig vorhersehen, würden sich die Japaner vielleicht auf die Seite der SU schlagen, hätte man den Pazifik quasi verloren und die USA würden damit aus einer aktiven Rolle in Europa herausfallen.
Der Plan wurden aber vor allem vom Chiefs of Staff Committee als militärisch undurchführbar abgelehnt, weil man von einer Drei-zu-Eins-Überlegenheit der sowjetischen Landstreitkräfte in Europa und den Nahen Osten (4mal soviele Soldaten und 2mal soviele Panzer) ausgehen musste. Diese Standorte waren das voraussichtliche Schlachtfeld. Wollte man dieses Verhältnis ausgleichen, hätte man amerikanische, britische Streitkräfte, wie auch polnischen Truppen in Kombination von bis zu 100.000 widerbewaffneten deutschen Wehrmachtssoldaten mit einbeziehen müssen. Die einzige Siegchance lag dabei im Überraschungsmoment, den auch hier hätte man vor Wintereinbruch eine Entscheidung erzielen müssen. Wäre dies nicht gelungen, müsse man sich, so die Militärexperten im Bericht, auf einen totalen und langwierigen Krieg einstellen. Dieser Aspekt aus der Planung vom 22. Mai 1945 wurde "gefährlich" eingestuft und war ausschlaggebend für die Undurchführbarkeit.
 

 

 

'Winston gives me the feeling of already longing for another war!'
(Entsetzt von Churchills Kriegslust, schrieb der Chef der Armee, Sir Alan Brooke, diese Zeilen in sein Tagebuch.)



Dieses gefährlich in der ersten Version des Planes wurde in einer überarbeiteten Fassung vom 10. Juni 1945 neu aufgenommen: "what measures would be required to ensure the security of the British Isles in the event of war with Russia in the near future". Man konnte und wollte nicht mit den Vereinigte Staaten und deren Kräfte planen, denn diese waren mit der Invasion in Japan beschäftigt. Was wäre, wenn man in Folge dieses Planes Europa verlieren würde. Sicher war, man müsse die Brückenköpfe zum Kontinent schützen, doch der operative Vorteil auf eigenem Boden zu kämpfen war in Planungen nun keiner mehr.

Folgen des Planes

Folgen des Planes



Die Distanzwaffen waren das große Fragezeichen, wie sollte man auf eine Bedrohung durch Massen-Raketenangriffe reagieren und wie die strategische Bombardierung einsetzen? Alles Gedanken, die in den folgenden Jahrzehnten bei vielen weiteren Planung neu aufgenommen wurden.
 

the idea is of course fantastic and the chances of success quite impossible. There is no doubt that from now onwards Russia is all-powerful in Europe'.
(Die Stabschefs waren niemals und unter keinen Umständen von der Möglichkeit überzeugt, eine Offensive gegen die Russen zu gewinnen und Polen zu befreien. Einer der Stabschefs schrieb deshalb voller Überzeugung in sein Tagebuch.)



Es waren die Spannungen und Konflikte in den Entwicklungsländern. Zuerst war dies der Fall in Europa, die nach dem Krieg faktisch wieder Entwicklungsländer waren. Genau hier erwartete man Spannungen und einen potenziellen Auslöser für einen größeren Konflikt. Man wollte weiter vorbereitet sein und die vielen Pläne der Folgejahre nahmen immer wieder die Aspekte dieses Ersten Dritte Weltkriegsplanspiel auf - Zum Glück nur in der Theorie!

Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Unthinkable (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Unthinkable (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://www.history.neu.edu/PRO2/ (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://www.geschichtsforum.de/f68/opera ... ble-31883/ (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://www.dailymail.co.uk/debate/artic ... urope.html (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://howitreallywas.typepad.com/how_i ... kable.html (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://www.hintergrund.de/20090723439/p ... eil-2.html (Letzter Aufruf 26.04.2011)
http://www.nationalarchives.gov.uk/educ ... les-pc.htm (Letzter Aufruf 26.04.2011)



Autor: Freiherr von Woye