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Das Thema

Operation "Biting"
Überfall auf das Würzburg-Gerät bei Bruneval


Percy Pickard, Kommandeur des 51. RAF Squadron, inspiziert einen deutschen Helm nach der Operation Biting
WAR OFFICE SECOND WORLD WAR OFFICIAL COLLECTION (Zur nicht-kommerzlichen Verbreitung freigegeben)

Der Auslöser für die "Operation Biting" war, dass Ende 1941 die Zahl der Verluste bei den Bomberflugzeugen auffallend deutlich anstieg. Das britische Bomberkommando war bemüht, die Ursachen dafür zu ergründen. Man kam zu der Überzeugung, dass eine neue Funkortungstechnik der Kammhuber-Linie viel zu den Verlusten beitrug. Britische Spezialisten schalteten sich in die deutsche Radarpeilung ein und die zurückkehrenden englischen Flugzeugbesatzungen wurden gründlich befragt. Die belgische und französische Widerstandsbewegung erhielt den Auftrag, eine möglichst genaue Beschreibung dieser Anlagen zu liefern. Auch gefangen genommene deutsche Piloten bestätigten den Wert des "Würzburg"-Gerätes für die nächtliche Luftverteidigung.


Vorbereitung

Vorbereitung

Prof. Dr. V. Jones ein Radar-Experte und wissenschaftlicher Berater des Kriegsministeriums erhielt den Auftrag, das deutsche Radargeheimnis so schnell wie möglich zu lüften. Ende November 1941 wurde ein aus großer Höhe aufgenommenes Foto einer Freya Funkmess Station in der Nähe der Küste gelegenen Dorfes Bruneval (20 Km NW von Le Havre) untersucht, weil es sich von anderen Luftbildaufnahmen unterschied. Als nächstes bat Professor Jones einen britischen Piloten, (Squadron Leader Tony Hill) aus dem Tiefflug ein paar Aufnahmen von der Radarstation zu machen.
Die Luftaufnahmen zeigten ein neues Gerät, das aus der Luft aussah wie eine Heizsonne, die Bilder stimmten mit den Aussagen der gefangenen deutschen Piloten überein. Nach der Auswertung der Luftaufnahmen, entschlossen sich die Engländer eine Operation gegen die Radarstellung bei Bruneval zu unternehmen. Einige Mitglieder der französischen Resistance lieferten die Informationen über die Sicherheitsmaßnahmen, Lagepläne der Villa, in der die Bedienungsmannschaften untergebracht waren. Auch machte die Resistance Filmaufnahmen von der Gegend um die Radarstation.

Der Stab für verbundene Kriegführung entschied sich für ein Luftlandeunternehmen, die Marine sollte die Einsatzgruppe wieder zurückbringen. Die Operation Biting sollte die von Major Frost kommandierte 1. britische Fallschirmjägerbrigade ausführen. Insgesamt standen 120 Mann, darunter auch sieben Radarexperten, zur Verfügung. Die Einheiten der 12. britischen Commandos waren für die Bewachung der Evakuierung über See vorbereitet.


Die Durchführung

Die Durchführung

Am Abend des 27. Februar starteten von Flughafen Thruxton 12 Whitley-Bomber mit jeweils 10 Soldaten an Bord, ihr Kommandeur Major Frost sprang als erster. Beim Sammelpunkt wurden vier Einheiten gebildet. Die erste Einheit sollte den Verteidigungsgürtel angreifen, der zur Sicherung der Station eingerichtet war. Die Überraschung gelang, drei MG-Posten (andere Quellen berichten von einem) wurden ausgeschaltet. Die zweite Einheit besetzte die Station und erbeutete das Würzburg-Gerät. Die Dritte stürmte die Villa mit den Unterkünften, nahm den angeforderten Techniker gefangen, den man zur Befragung in England benötigte. Die vierte Gruppe war zur Sicherung des Rückzuges eingeteilt. In aller Eile wurde das Würzburg-Gerät fotografiert und wegen der Gefahr anrückender deutscher Truppen, wurden die Teile abgesägt.
Erst später in England stellte man fest, dass man das Würzburg-Gerät mit ein paar leichten Handgriffen zerlegen konnte. Ein weiterer glücklicher Umstand half bei diesem Kommandounternehmen, nämlich der, dass die eigentliche Sicherungseinheit sich auf einer Nachtübung befand. Erst nachdem sie die Übungsmunition gegen scharfe Munition ausgetauscht hatte, konnte sie nach Bruneval eilen. Auch eine Sprengung der Radaranlage gelang den Deutschen nicht mehr, Zünder und Sprengstoff waren aus Sicherheitsgründen getrennt gelagert.

Die Evakuierung verzögerte sich, weil die Briten sich den Weg zum Strand erst freikämpfen mussten und auch gezwungen waren einen Gegenangriff zu starten. Auf der See war die Royal Navy damit beschäftigt nicht von der deutschen Küstensicherung (einem Zerstörer und einem Schnellboot) entdeckt zu werden. Landungsboote nahmen die britische Einheit auf und brachten sie zu den Schiffen.
(Eine Quelle berichtet ein Teil sei mit Flugzeugen zurück geflogen worden)


Auswertung

Die Auswertung der Operation

Nach der Ankunft in England am 28. Februar, untersuchten die Spezialisten um Prof. Dr. Jones die mitgebrachten Teile des Würzburg-Gerätes.

Es handelte dabei sich um:

 

    • - einen Sender und den Empfänger

- das Impulsgerät und einen Zwischenfrequenzverstärker

- das Typenschild mit der Aufschrift 1939

(Der gefangene deutsche Techniker verriet weitere technische Details über das Radargerät.)


Jetzt konnte Prof. Dr. Jones feststellen, mit welcher Frequenz das "Würzburg-Gerät" arbeitete und dass, das Würzburg-Gerät nicht auf eine andere Frequenz umgeschaltet werden konnte und somit leicht zu stören war. Die einfachste Gegenmaßnahme waren sogenannte Stanniolstreifen, zugeschnitten auf die halbe Wellenlänge des Radargerätes. Sie reflektierten die elektromagnetischen Impulse auf den Radarschirm.
Die Engländer gaben ihnen den Namen "Window", die Deutschen nannten sie "Düppel", beide Seiten hielten ihre Informationen darüber lange geheim, aus Furcht der Gegner könnte sie ebenfalls anwenden.
Hamburg wurde später das erste Opfer, während der Operation "Gomorrha" wo es zur Störung der deutschen Radarstationen durch die "Window" Stanniolstreifen kam.

Während der Operation "Biting" starben (die Quellen unterscheiden sich etwas) ein bis zwei Briten und sechs bis sieben gingen in deutsche Gefangenschaft.

Die deutsche Seite begann nach der Operation sämtliche Radarstationen zu umzäunen und zu befestigen, was den Nachteil hatte, dass man sie bei den Luftaufnahmen besser erkennen konnte. Der Erfolg der Operation, und später weitere Kommandounternehmen, veranlassten Hitler zu dem sogenannten Kommando-Befehl:

Es sollte jeder Soldat dieser Einheiten bis auf den letzten Mann niedergemacht werden, Gefangene sollten dem Sicherheitsdienst übergeben und Exekutiert werden.


Zum Schluss

Ein Schlusswort der besonderen Art

 

Aus dem Tagebuch von Reichsminister Dr. J. Goebbels :

Sonntag 1. März 1942

 

Die Engländer führten nachts in der Gegend von Le Havre eine Fallschirmunternehmung durch...Die englische Fallschirmunternehmung ist militärisch gesehen von gänzlich untergeordneter Bedeutung. Nur der Verlust des "Würzburg-Geräts" kann für uns einige Schwierigkeiten mit sich bringen. Zweifellos hat auch die Abwehr an der französischen Küste nicht geklappt. Anscheinend ist man dort etwas eingeschlafen. Ich vermute, dass der Führer entsprechende Eingriffe vornehmen wird.


Quellen

Janusz Piekalkiewicz- Luftkrieg 1939-1945, ISBN 3-453-01502-9, Seite 357,392-397.

http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Biting%20(Stand%2026.07.2010)
http://www.calsky.com/lexikon/de/txt/o/op/operation_biting.php%20(Stand%2026.07.2010)
http://hq-coh.com/wiki/M%C3%B6rser-Kommandoeinheit%20(26.07.2010 )

Autor: Hasso von Manteuffel