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Das Thema

Die Mannerheim-Linie


Vorwort

Vorwort

Die heute unter dem Namen bekannte "Mannerheim-Linie" war eine befestigte Verteidigungsanlage auf der Karelischen Landenge. Die Verteidigungsanlage wurde in zwei Bauphasen errichtet ( 1920-1924 und 1932-1939) und sollte das Land vor einen möglichen Angriff der Sowjetunion schützen. Der Bau war noch bei weitem nicht vollständig abgeschlossen, als die stalinistische Sowjetunion Finnland Angriff. Während des Winterkrieges 39/40 wurde diese Verteidigungslinie mit der Erwähnung des Namens von Feldmarschall Baron Carl Gustaf Emil Mannerheim weltweit bekannt. Jorma Gallen-Kallela soll damals angeblich vor ausländischen Journalisten das Wort Mannerheim-Linie erwähnt haben.


Vorgeschichte

Vorgeschichte

 


( Otto Freiherr von Brandenstein 21.10.1865 - 8.8.1945)

Die Regierung Finnlands fasste schon früh den Entschluss eine Verteidigungslinie unter der Einbeziehung des Oberkommandos zu entwerfen. Man befürchtete schon damals einen Angriff des bolschewistischen Russlands. Schnell kam man zu der Überzeugung, dass sich die Schwachstelle Finnlands an der Landenge zwischen dem Finnischen Meerbusen und dem Ladogasee befindet. Die ersten Pläne legten von Mannerheim und Oberstleutnant A. Rappe Anfang Mai 1918 vor. Diese Verteidigungslinie befand sich noch nahe der Finnisch -Russischen Grenze. Man wollte auch eine Bahntrasse für den Truppentransport dorthin verlegen, um eine Gegenoffensive auf Petrograd (heute wieder St. Petersburg) durchführen zu können. Ende Mai trat Mannerheim zurück und man gab die Rappe Pläne wieder auf. Die Grenze zu Russland war weiterhin eine unsichere Gegend und so wurden im Juni 1918 finnische "Weißgardisten" für den Bau von Verteidigungsanlagen abkommandiert. Sie errichteten nur einige Depots und verwendeten keinen Beton. Deutschland entsandte Oberst Otto von Brandenstein nach Finnland, mit dem Auftrag, die beste defensive Position auf der karelischen Landenge herauszufinden. Am 16. Juli übermittelte er den Finnen, die seiner Auffassung nach beste Verteidigungsposition. Sein Vorschlag war, bei der Verteidigungslinie die Seen Kuolemajärvi, Muolaa, Suvanto, und den Taipaleenjoki Fluss zu berücksichtigen, weil diese die zu befestigenden Landabschnitte deutlich verkürzen würden. Im August wurde der Vorschlag von Oberst Otto von Brandenstein angenommen. Die Regierung Finnlands stellte einen Etat von 300.000 Mark (die Mark war ebenfalls die damalige Währung Finnlands 1 Mark = 100 Pfennig) zur Verfügung. Die ersten Arbeiten wurden von deutschen und finnischen Pionieren, sowie russischen Kriegsgefangenen durchgeführt. Die für den Bau zur Verfügung gestellten Geldmittel reichten bei weitem nicht aus und die schlecht qualifizierten Arbeitskräfte waren ein Hauptgrund, dass in dieser Frühphase des Baues keine Betonfestungen errichtet wurden. Nach der Niederlage Deutschlands wurde der Bau vorerst eingestellt. Ein Jahr später wollte der finnische Generalstabschef Generalmajor Oscar Enckell die Fortsetzung des Bauvorhabens. Oscar Enckell hielt sich zum großen Teil bei seinen Planungen an die Vorschläge von Otto von Brandenstein, doch nun waren es die Franzosen, die eine Militärkommission nach Finnland sendeten. Major J. Gros-Coissy entwarf zusammen mit Oberstleutnant Johan Fabritius ( Finnland ) die Befestigungen. Bereits während der ersten Bauphase schlug Fabritius eine Verschiebung der Verteidigungslinie nach Südosten vor. Der Generalstab prüfte den Vorschlag, doch er kam zur Überzeugung, dass der von Enckell damals vorgeschlagene Plan besser sei.


Bau

Die Mannerheim Line wird gebaut

 


(Mannerheim-Linie mit Hilfe von deutschen Spezialisten errichtete Panzersperren)

Zwischen 1920 und 1924 wurden die ersten Bunker gebaut. Die finnische Baufirma Ab Granit Oy wurde mit dem Bau beauftragt. Wieder einmal spielten die Kosten eine Rolle beim Bau. Die Bunker wurden aus unbewehrtem Beton gebaut und sollten aber auch gleichzeitig drei Volltreffern mit Geschossen des Kalibers 150mm standhalten können. Die Bunker wurden mit nach vorne ausgerichteten Maschinengewehren bewaffnet. Der Nachteil dieser Bunker bestand darin, dass die Schießscharten sehr groß und nicht geschlossen werden konnten. Die nicht ausreichenden Mittel waren der Auslöser einer Auseinandersetzung zwischen den Offizieren und Enckell, welcher im Jahr 1924 zurücktrat. Die Bauarbeiten an der Mannerheim Line wurden über mehrere Jahre eingestellt.
Am 1. April 1934 begann die 2. Bauphase und Johan Fabritius erhielt das Kommando über die Bauarbeiten. Er entwarf 2 Bunkertypen, die hauptsächlich als Truppenunterkünfte vorgesehen waren. Die Bunker hatten eine Länge von 15-20 m und waren 5-6 m breit. Sechs dieser Bunker wurden von einem Pionier-Bataillon im Inkilä Sektor errichtet. Der Verteidigungsetat zwischen 1932 und 1938 erlaubte den Bau von nur 2 bis 3 Bunker pro Jahr. 1936 und 1937 errichteten die Finnen zwei große Stützpunkte im Summankylä und Summajärvi Verteidigungssektor; zwei kleinere Bunker (Typ Le 6 und 7) im Leipäsuo - und im Inkilä Sektor. Die Sparmaßnahmen forderten einen neuen Bunkertyp, mit dem man die Kosten für den teuren Stahlbeton einsparte. Man schützte die Bunker mit einer drei Meter hohen Erdschicht und legte dann noch rund 2,5 m Steinschutt darüber. Die politische Lage in Europa verschlechterte sich zusehends und jetzt erst wurde mehr Geld für die "Mannerheim Linie" bewilligt. Es wurden neue Festungen errichtet und die alten Festungsanlagen erhielten eine Modernisierung. Die Summankylä und Summajärvi Verteidigungssektoren erhielten 2 große SK 11 Bunker, einen "Peltola", Sj 5, den sogenannten "Millionen Bunker" (wegen der Baukosten) und einen Bunker vom Typ Sk 17. Diese Bunker waren widerstandfähiger, hatten eine bessere Belüftung und ein besseres Beobachtungsfeld. In der Nähe von Suurniemi Muolaanjärvi wurden sieben neue Bunker errichtet (Su 1-7). Die Bunker Su 3 und Su 4 dienten für die Unterbringung der Besatzungen und als Waffenlager. Auch hier wurden die alten 20er Jahre Bunker modernisiert und überall wurden die Lücken in der Verteidigungslinie geschlossen. Auch wenn jetzt mehr Geld in die Mannerheim Line "gepumpt" wurde, war sie immer noch im November 1939 unvollständig.
Auch wenn diese Linie noch unvollständig war, reichte sie vom Finnischen Meerbusen bis zum Ladogasee. Die Gesamtlänge betrug rund 125 km (eingerechnet die natürlichen Hindernisse), 96 Bunker, 648 MG Stellungen,200 Artillerie - und Mannschaftsunterstände, waren fertiggestellt, Minenfelder und Panzergräben errichtet worden: 440 km Schützengräben, 331 km Stacheldrahthindernisse, 136 km Panzersperren aller Art, sowie 823 Unterstände, davon 19 aus Beton. Die natürlichen Hindernisse wie Sümpfe und Seen waren berücksichtigt worden und die äußersten Flanken bei Flanken bei Koivisto im Südwesten und bei Taipale im Nordosten sicherten schwere Küstenbatterien mit ihren 25.4-, 15- und 12-cm-Geschützen. Die Landschaft war es die der Verteidigungslinie einen erheblichen Vorteil verschaffte, umgestürzte Bäume und Geröll wurden in die Stellungen eingefügt und halfen besonders die Verteidigungsanlagen bestmöglich zu tarnen.
Die Mannheimlinie war nicht zu vergleichen mit der Maginot-Linie Frankreichs. Finnland hatte nur die Geldmittel für insgesamt 101 Bunker (Maginot-Linie ca.5.800). Auch wenn diese Zahlen beeindrucken sind, so waren die Schwachpunkte der Mannerheim Linie definitiv die Seegebiete. Im Winter konnten durch eine dicke Eisschicht Panzer diese befahren und die betonierten Anlagen machten nur knapp vier Prozent der Gesamtverteidigung aus. Der Sowjetische Geheimdienst beobachtete die Bauarbeiten die ganze Zeit ganz genau und es war vor allem die finnische kommunistische Partei, die ihnen als Zuträger der Informationen diente. Zwei Spionagevorfälle sind bekannt geworden, Vilho Pentikäinen, ein Fotograf (möglicherweise sogar des Generalstabes) floh in die Sowjetunion im Jahre 1933. Simo Haukka, der zweite Spion fotografierte und berichtete über die Straßen und das Gelände an der Verteidigungslinie und sendete seine Informationen an den sowjetischen Geheimdienst im Jahr 1935. Auch die Sowjets spionierten wo sie nur konnten, die Grenztruppen des NKWD, die baltische Flotte und andere Sowjeteinheiten führten Spionage-Operationen durch. 1938 hatte der sowjetische Geheimdienst ein streng geheimes und sehr detailliertes Fotobuch der finnischen Landschaft und Festungen herausgegeben. Das zusammengetragene Material bestand 22 Seiten angefüllt mit Karten und Fotos bzw. enthielt einen sieben Seiten langen Bericht über die Mannerheimlinie und dessen Umgebung. Die Spionagetätigkeiten wurden im Jahre 1939 noch einmal erhöht und vor dem Beginn des Winterkrieges veröffentlichte der sowjetische Geheimdienst ein Buch mit dem Titel "Finnland" für die Offiziere der Roten Armee. Dieses Buch enthielt mehr als 200 Seiten Karten und Fotos.


Winterkrieg

Die Bewährungsprobe der Mannerheim Line im Winterkrieg

 

 

Am 30. November griff die Rote Armee das Nachbarland an. Die Finnen waren fest entschlossen die sowjetischen Invasoren an der Mannerheim Line so lange wie möglich zu stoppen. Der erste Angriff der roten Armee, zwischen dem 6. und 11. Dezember 1939, richtete sich auf den Taipale-Sektor. Dieser Angriff wurde erfolgreich von den finnischen Streitkräften abgewehrt. Taipale hielt bis zum Kriegsende. Am 17. Dezember versuchte es die Rote Armee erneut und ihr Hauptstoß richtete sich gegen den Summa-Lähde Sektor. Sechs Divisionen, ein Panzerkorps und zwei Panzerbrigaden gingen zum Angriff über. Am 20. Dezember waren die Kämpfe auf ihrem Höhepunkt, aber auch diesmal scheiterte die Rote Armee. An diesem 20. Dezember verlor die Rote Armee 58 Panzer, davon 22 schwerer Bauart. Ab dem 21. Dezember 1939 wurde die Mannerheim Line zwei Monate ununterbrochen bombardiert und beschossen. Die Sowjetische Propaganda tat alles um das Versagen der Roten Armee zu vertuschen. Sie behauptete sogar die Mannerheim-Linie wäre stärker befestigt als die berühmte Maginot-Linie. Die sowjetischen Schlachtschiffe Marat und Oktyabrskaya Revolutsiya griffen mehrmals das Fort Saarenpää an, aber auch diese Angriffe wurden abgewehrt. Am 1. Februar 1940 wurde die Rote Armee noch einmal verstärkt und am 6. Februar begann der Angriff erneut gegen den Summa-Lähde Sektor. Der lang ersehnte Erfolg der Roten Armee gelang. Am 12. Februar 1940 konnte der "Millionen-Bunker" ausgeschaltet werden und am 17. Februar 1940 konnte der wichtige "Poppius-Bunker", der die wichtige Straße Leningrad-Wyborg versperrte, eingenommen werden. Der Durchbruch durch die Mannerheim - Linie war gelungen. Zwei Monate hatten die Finnen gegen einen Stark überlegenden Gegner standhalten können.

Die Zeit nach dem Winterkrieg

 


( Überreste der Panzersperren )

Der Winterkrieg wurde am 13. März 1940 beendet und Finnland musste einige Gebiete an die Sowjetunion abtreten. Die Mannerheim-Linie geriet nun unter die Kontrolle der Sowjets, die sofort die übrig gebliebenen Verteidigungsanlagen begannen zu zerstören. In Juni 1941 trat Finnland auf der Seite Deutschlands in den Krieg gegen die Sowjetunion ein. Die Mannerheim-Linie stellte nun aber kein Hindernis mehr dar und die Finnen konnten ungehindert vorrücken. 1944 war die kaum noch vorhandene Mannerheim-Linie ebenfalls kein Hindernis für die Rote Armee gewesen und wurde ohne Probleme durchbrochen. Einige Bauten der damaligen Zeit sind bis heute erhalten geblieben und können noch besichtigt werden.