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Das Thema

Der Kessel von Demjansk
(russ. Демянская операция)

 

 

"Das letzte Aufbäumen der Wehrmacht an der Ostfront 1941/1942"

 

 

 

Hitler war nach dem Kessel von Demjansk im Jahre 1942 überzeugt davon, dass man
nicht nur aus einem Kessel entkommen kann, sondern dies unter Umständen sogar vorteilhaft ist.
Eine katastrophale Fehleinschätzung, die der 6. Armee wenige Monate später
in
Stalingrad zum Verhängnis werden sollte.


Vorwort

Der September 1941 war für die Wehrmacht noch einmal mit großen Siegen verbunden. So wurde die nordrussische Stadt Demjanks zwischen Ilmen- und Seligersee von Verbänden der Heeresgruppe Nord eingenommen. Die Kleinstadt Demjansk liegt im Bezirk (Oblast) Nowgorod am Westrand der Waldaihöhen und sollte Ausgangspunkt für weitere Unternehmungen im Zuge vom Unternehmen Barbarossa sein.

 

 

SS-Obergruppenführer Eicke (links) mit dem Kommandierenden General des II. Armeekorps, General der Infanterie v. Brockdorff-Ahlefeldt (mitte), auf dem Gefechtsstand bei Wassiljewitschtschina im Mai 1942
Aus der Zeitschrift Militär & Geschichte

Infolge der sowjetischen Winteroffensive konnte jedoch die Einschließung des deutschen II. und von Teilen des X. Armeekorps mit fast 100.000 Mann nicht verhindert werden. Die Truppe erhielt zwar Nachschub und auch andere Versorgung aus der Luft, doch man war erst einmal in einem Kessel gefangen, ohne die Aussicht die Situation sei nur vorübergehend.
Erst der 16. Armee gelang es im Frühjahr, einen schmalen Korridor nach Demjansk freizukämpfen und die Truppe zu entlasten bzw. herauszuholen. Die im Kessel eingeschlossenen Verbände konnten Teile der russischen Armee binden und sie immer wieder zurückschlagen, doch an ein weiterkommen bzw. tiefer Eindringen in die Sowjetunion, war danach nicht mehr zu denken.

Der Führer hat gelegentlich des Vortrages am 20. Dezember 1942 in nochmaliger Bekräftigung seiner in der Weisung OKH [...] geäußerte Gedanken folgendes geäußert:
1.) Der fanatische Wille zur Verteidigung des Bodens, auf dem die Truppe steht, muss mit allen, auch den schärfsten Mitteln der Truppe eingeimpft werden. Wenn jede Truppe in gleicher Weise von ihm beseelt ist, dann werden die Angriffe des Gegners, auch wenn sie an einzelnen Stellen zu Einbrüchen bzw. Durchbrüchen führen, letzten Endes zum Scheitern verurteilt sein [...]"

An Heeresgruppe Nord und Mitte
- Geheime Kommandosache -
Fernschreiben des Oberkommandos des Heeres der Wehrmacht (OKH)

 

 

General Brockdorff-Ahlefeldt (Mitte) - kommandierender General der Einheiten im Kessel von Demjansk

Ein letztes mal konnte man der roten Armee die Stärke des deutschen Heeres demonstrieren. Danach hieß es nur noch Rückzug
Halten oder Untergehen

(Ausspruch Hitlers)


Vorstoß

 

Entwicklung bis zum Kessel

Im Juni stieß die Heeresgruppe Nord mit der 16. (Generaloberst Busch) und der 18. Armee (Generaloberst Küchler) sowie der Panzergruppen 4 (Generaloberst Hoeppner) mit der Unterstützung der Luftflotte 1 (Generaloberst Keller) aus ihren von der Ostsee bis nach Insterburg reichenden Ausgangsstellungen in das seit August 1940 zur Sowjetunion gehörende Baltikum vor.

“ Seit Beginn des Russlandfeldzuges am 22. Juni 1941 bis zum Jahresende büßte die Luftwaffe an der Ostfront 2.093 Flugzeuge, darunter 758 Bomber, 568 Jäger und 767 sonstige Flugzeuge ein.
Des Weiteren sind 773 Bomber, 413 Jäger und 475 sonstige Flugzeuge beschädigt worden.
Das deutsche Ostheer verlor 830.903 Soldaten.
Das sind etwa 25 Prozent der Durchschnittsstärke von anfänglich 3.2 Millionen Mann.
Allein die Zahl der Gefallenen betrug fast 174.000 Tote, 36.000 Vermisste und 604.000 Verwundete."

Während die Panzergruppe 4 und die 18. Armee durch das Baltikum in Richtung Leningrad vordringen sollten, hatte die 16. Armee den Auftrag, den Flankenschutz nach Osten zu übernehmen.
Zunächst ging der Vormarsch durch das Baltikum zügig voran, allein der Kampf um Estland gestaltet sich schwieriger als gedacht und sollte sich noch bis Ende August hinziehen. Besser ging es allerdings voran, als die 16. den Njemen überschreitet, ab da ging es schnell voran und der Verband konnte schnell Boden gewinnen.
Doch bereits Anfang Juli wurde der russische Widerstand zunehmend stärker, sodass Generaloberst Busch seine Infanteriedivisionen nach Osten abdrehen musste. So verloren die angreifenden Panzerverbände von Generaloberst Hoeppner ihre Nachhut, weil er weiter nach Nordosten vordrang.

 

 

Aus der Zeitschrift Militär & Geschichte

Die Panzergruppe 4 erreichte am 8. Juli den Peipus-See (Bekannt aus der Alexander Newski Schlacht gegen den Deutschen Orden) und hatte damit eine günstige Ausgangslage für den Stoß auf Leningrad. Die 16. Armee hatte in der Zwischenzeit mit dem Durchbruch der "Stalin Linie" (ca. 1.800 km Befestigungslinie vom Finnischem Meerbusen im Norden bis zum Schwarzen Meer im Süden) zu kämpfen.

 

Vorstoß auf Leningrad

Leningrad war das Ziel jener Tage. Ausgangspunkt war die alte Handelsstadt Nowgorod (am 16. August eingenommen), beteiligt waren die 16. Armee, II., X. und XXVIII. Armeekorps. Doch schon bald musste man einsehen, dass die vorhandenen Kräfte der Heeresgruppe nicht ausreichten.

Die Planung sah nun vor, dass die 16. Armee die Front am Wolchow und südlich des Ilmensees im Raum der Waldai-Höhen anschließen und die gebildete "Gruppe Schmidt" (XXXXIX. AK mot. und XXVIII. AK) die Einschließung Leningrads von Südosten, die Panzergruppe 4 von Süden und die 18. Armee von Westen vollenden sollte.

Demjansk war Anfang September erreicht und diente dem Infanterieregiment 76 (20.ID mot.) und 424 (126. ID) als Operationsbasis für die Einnahme von Schlüsselburg. Leningrad war von der Landseite eingeschlossen.

Doch wollte Hitler zu viel! Gleichzeitig sollte nun der Vorstoß auf Moskau (Operation Taifun) durch die Heeresgruppe Mitte durchgeführt werden. So war ein Großteil der Einheiten weit verteilt und die Frontlinie verlief Mitte Oktober von Norden (von Nowgorod bis Kirischie) ein gerade Linie bis zu einem Knick nach Nordwesten bis nach Schlüsselburg. Der Stoßkeil sollte nun nach Nordosten vorangeschoben werden und die Flanken nach Süden und Osten. So sollte es aber nicht kommen, denn Väterchen Frost stand auf der Seite der Roten Armee und behinderte schon ab 16. Oktober das Vorrücken durch stark gesunkene Temperaturen. Das Ziel Tichwin konnte noch erreicht werden und damit stoppte der Vormarsch auf dieser Seite.

Die Temperaturen sanken auf -30 Grad, bei den vor Moskau stehenden Divisionen versagten die Waffen und Fahrzeuge. Winterbekleidung fehlte und die Zahl der erfrorenen Soldaten stieg von Tag zu Tag.


Gegenoffensive

 

Die Rote Armee schlägt zurück

Der erste Ansatzpunkt für die Gegenoffensive der Roten Armee befand sich bei den Truppen bei Tichwin. Sie sollten in einer großen Zangenbewegung eingeschlossen werden bzw. alle Rückzugsmöglichkeiten genommen werden.
Am 1. Dezember 1941 startete eine der größten Offensiven der Sowjetunion. Entscheidend dabei war der Einsatz der neuen T-34 im Kampfgeschehen. Die deutschen Truppen bei Tichwin hatten keine Chance ihre Stellungen zu halten, sie zogen sich auf Kosten großer Verluste und Anstrengungen hinter die Wolchow zurück. (Diese Front konnte bis Jahresende gehalten werden)

Die Stawka (Hauptquartier der Roten Armee) stellte für die Offensive 39 Divisionen, vor allem frische, wintererprobte sibirische Verbände, und 39 Brigaden verstärkt, die von der sowjetischen Ostfront (Neutralitätsabkommen mit Japan).

Hitler verbot jede Absetzbewegung, entließ in den nächsten Wochen mehrere Oberbefehlshaber, die eigenmächtige Befehle erteilt hatten, und offenbarte somit seine militärische Unzulänglichkeit.
Darunter waren auch die bis dato erfolgreichsten Panzergenerale Guderian und Hoepner. Hitler übernahm den Oberbefehl über das Heer und stürzte somit die Ostfront ins Verderben.

 

Entstehung eines Kessels
 

Ausgangspunkt war eine weitere Großoffensive in den ersten Januartagen des Jahres 1942. Dabei sollten zwei Stoßkeile nördlich und südlich des Ilmensees die dünnen deutschen Verteidigungslinien durchbrechen, ein dritter Stoßkeil sollte südlich des Ladoga-Sees zum Entsatz von Leningrad bereitgestellt werden.
Am 8. Januar eröffnete die südlich des Ilmensees stehende 11. Armee der sowjetischen Nordwestfront unter General Kurotschkin die Offensive gegen die am Lowrat stehende 290. ID.
Schon kurze Zeit später war die Division von der übrigen Front abgesprengt. Teile der Division gerieten später in den Raum Demjansk.

Von nun wirken die militärischen Fehlentscheidungen Hitlers mit der Entschlossenheit der Roten Armee zusammen und ergeben in ihrem Ergebnis die ersten großen Verluste und einschneidenden Niederlagen an der Ostfront.


 
Ablauf bis zum Kessel
 
X. Armeekorps
290. Infanterie-Division
(Generalleutnant Theodor Freiherr von Wrede)
30. Infanterie-Division
(Generalleutnant Kurt von Tippelskirch)
SS-Division Totenkopf
(Obergruppenführer Theodor Eicke)
 
II. Armeekorps
12. Infanterie-Division
(Oberst Karl Hernekamp)
32. Infanterie-Division
(Generalmajor Wilhelm Bohnstedt)
123. Infanterie-Division
(Generalmajor Erwin Rauch)
9. Januar 1942
Der linke Flügel der sowjetischen Nordwestfront unter GenLt. Kurotschkin mit der 3. Stoßarmee und der 4. Stoßarmee traten aus dem Raum Ostaschkow über das Seengebiet der Waldai-Höhen zur Offensive an.

 

 

10. Januar 1942
Heftige Angriffe von Panzerverbänden der sowjetischen 16. Armee (GenLt. Rokossowski) bei Wolokolamsk zwangen die deutsche 3. Panzerarmee (GenOberst Reinhardt) zur Verteidigung überzugehen.

 

15. Januar 1942
GFM von Küchler übernahm die Führung der Heeresgruppe Nord. Die 2. Armee (GenOberst Frhr. v. Weichs) wurde der Heeresgruppe Süd (GFM v. Reichenau) unterstellt.

 

16. Januar 1942
Teile von fünf schwachen deutschen Divisionen der 4. Armee und der 4. Panzerarmee traten zum Stoß auf Suchinitschi an, um dort die von der Sowjets bereits in den Januartagen eingekreiste 216. Infanteriedivision (GenMaj. Frhr. v. u. z. Gilsa) zu entsetzen.

 

17. Januar 1942
Bei den Armeen der Heeresgruppe Mitte begannen die Vorbereitungen für das Zurücklegen auf die Winterstellung. Gen. d.Pz.Tr. Model übernahm für den erkrankten GenOberst Strauß den Oberbefehl über die 9. Armee.
 
18. Januar 1942
Teile des II. Armeekorps und die Truppen des X. Armeekorps wurden von der sowjetischen 34. Armee und der 11. Armee südöstlich des Ilmensees im Raum Demjansk eingekesselt.

 

 

 

Aus der Zeitschrift Militär & Geschichte


Im Kessel

 

Gefangen im Winter und eingekreist von der Roten Armee

Das Armeekorps setzte noch einen letzten Funkspruch ab, in dem um ein sofortiges Ausweichen ersucht wurde. Doch der Befehl vom OKH an dem kommandierenden General des II. Armeekorps, General der Infanterie Graf Brockdorff-Ahlefeldt, hieß nur - "Demjansk bis zum letzen zu verteidigen".
Die längste Kesselschlacht des Russlandfeldzuges hatte begonnen. 25 Kilometer trennten Demjansk nun von der Hauptkampflinie um Staraja Russa. 6 Divisionen stecken in der Falle, das sind 96.000 Mann und 20.000 Pferde. Der Kessel hat eine Größe von 3.000 qkm, eine Ausdehnung von rund 70 km und 50 km. Die Gesamtfront erstreckt sich auf einer Länge von 300km. Von nun an war die Luftwaffe gefragt. Alle diese Soldaten, ihr Gerät und die weitere Versorgung dafür, musste gesichert werden.
Die Versorgung aus der Luft lief über zwei behelfsmäßige Feldflugplätze (800m lang - 50m breit / 600m lang - 30m breit) und konnten jeweils 20-30 Flugzeuge unter einen Hut bringen. Ein Fakt, der die Versorgung nicht leichter machte. Diese "Lebensadern" mussten jeden Tag mindestens 200 t an Versorgungsgütern zu den Eingeschlossenen bringen. Die verwendeten Maschinen vom Typ: Ju 52, Ju 90, Ju 96 und He 111 flogen dabei im Tiefflug. Über 100 Flugzeuge starteten und landeten täglich.

 

 

 
Luftversorgung Kdr. Oberst Morzik
 
KGr. z.b.V. 1 Ostrow /
KGr. z.b.V. 500 Pleskau /
KGr. z.b.V. "Posen" Ostrow /
KGr. z.b.V. "Oels" Pleskau /
KGr. z.b.V. 105 Pleskau
 
65.000 t Versorgungsgüter für 100.000 Mann kalkuliert,
Tageseinflug 100 Ju 52, bei sparsamster Verwendung an Munition und Brennstoffund bei um 1/3 gekürzter Verpflegung.
(Aktenvermerk 16. Februar)
 
35.000 Verwundete wurden ausgeflogen
30.500 Soldaten in den Kampfraum geflogen
 
33.086 Einsätze der Luftwaffe
(32.427 mit Material aller Art und 659 ausschließlich Mannschaftstransport)
 
Verluste:
265 Transportflugzeuge und 387 Offiziere,
Unteroffiziere und Mannschaften
der eingesetzten Lufttransporteinheiten

 

Ein unglaubliche Leistung der Flieger, die in dieser Form nicht wiederholt werden konnte, vor allem weil später das Gerät und die militärische Situation nicht zugunsten der Luftwaffe mehr standen. Die Hoffnung lag in Demjansk im nassen Frühjahr. Man hoffte, dass sich der Gegner im nassen, sumpfigen Frühling sich ohne Nachschub nicht wird halten können. So wurde mit Verbissenheit gekämpft und jeder Räumungsversuch der Roten Armee, vor allem der 34. sowjetische Armee, abgeschlagen werden.


Weiterer Ablauf

22.1.1942
Die Besatzung der Stadt Cholm wurde eingekesselt.
Die 256. Infanteriedivision des VI. Korps startete westlich von Rschew mit Bataillonen von vier Divisionen in westlicher Richtung gegen die sowjetische Durchbruchstelle.

 

23. Januar 1942
Die Angriffsspitzen des bei Olenino abgeschnittenen XXIII. Korps und der Kampfgruppe Recke vom VI. Korps reichten sich die Hand.

 

24. Januar 1942
Deutschen Truppen gelang es bei Suchinitsch Teile der 216. Infanteriedivision, die dort seit dem 3. Januar eingekesselt waren, freizukämpfen.
Die 61. sowjetische Armee (GenLt. Popow) stieß tief nach Süden vor in den Rücken des zur 2. Armee (GenOberst Frhr. v. Weichs) gehörenden LIII. Armeekorps (Gen. d. Inf. Weisenberger).
Die 39. sowjetische Armee (GenLt. Maslennikow) drang in das Gebiet nordwestlich von Wjasma ein.
Das I. Gardekavalleriekorps (GenMaj. Below) und die 50. Armee (GenLt. Boldin) näherten sich von Süden her der Rollbahn Smolensk-Moskau.
 
28. Januar 1942
Cholm wurde vollständig eingekesselt dem 10. MG-Bataillon gelang es noch in den Kessel zugelangen.
Circa 5.000 deutsche Soldaten befanden sich in dem Kessel.
 
1. Februar 1942
Der Angriff der sowjetischen 33. Armee (GenLt. Jefremow) auf Wjasma begann.

 

3. Februar 1942
Zwei Tage nach dem Angriff der sowjetischen 33. Armee auf Wjasma führten die deutschen Gegenangriffe von Panzerverbänden der 4. Armee (Gen. d. Inf. Heinrici) und der 4. Panzerarmee (Gen. d. Inf. Ruoff) bei Juchnow im Raum südöstlich von Wjasma zur Einschließung dieser sowjetischen Armee sowie des I. Garde-Kavalleriekorps (GenMaj. Below) und des IV. Luftlandekorps.
Die eingeschlossenen Verbände konnten auf dem Luftweg nur notdürftig mit Munition und Verpflegung versorgt werden.

 

21. März 1942
Beginn des Unternehmens >Brückenschlag<, die Korpsgruppe von Seydlitz mit vier Divisionen sollte von Staraja-Russa aus die eingeschlossenen Verbände des II. Korps bei Demjansk befreien.


Der Brückenschlag

 

Der Brückenschlag und das Entkommen

 
Die Stoßgruppe Seydlitz
5. leichte Infanterie-Division
(Generalmajor Karl Allmendinger)
8. leichte Infanterie-Division
(Generalmajor Gustav Hoehne)
122. Infanterie-Division
(Generalmajor Sigfrid Macholz)
329. Infanterie-Division
(Oberst Bruno Hippler)
Gebirgsjäger-Regiment 206
(Oberst Edmund Hoffmeister)
sowie Panzer-, Sturmgeschütz- und Flakeinheiten und
Teile der 18. Infanterie-Division (mot.)
und der Luftwaffen-Felddivision Meindl
 
1.555 gegnerische Angriffe und
776 Vorstöße abgewehrt
455 Stoßtruppunternehmen geführt
215 Gegenstöße
163 Gegenangriffe
Sowjetische Verluste dabei:
30.000 (Geschätzt 60.000)
und 3.000 Gefangene
Deutsche Verluste:
5.000, 2.000 Vermisste,
15.000 Verwundete und rund
18.000 Mann an Kälte, Hunger und Krankheit zugrunde gegangen.

Der Angriff erfolgte Anfang März, sowjetische Skibataillone und Verbände der 1. und 4. Luftlandbrigade drangen in die Nahtstelle zwischen 290. und 30. ID ein. Diese kritische Situation ließ den Kessel zittern. Die 30 ID. konnte unter Aufbietung aller ihr zur Verfügung stehenden Kräften und unerbitterlichen Einsatz von Mensch und Material den Angriff stoppen. Sogar der Korpsgefechtsstand des II. Armeekorps wurde bedroht. In der Folge landeten noch weitere russische Fallschirmjäger und auch dieser Angriff konnte abgewehrt werden. Trotz überlegener Luftwaffe der Sowjets und schweren Kämpfen konnten die Heeresabteilungen und die SS das Innere des Kessels halten. Das Tauwetter beendete die schlimmsten Kämpfe und ließ Raum für erste Ansätze von Befreiungsaktionen.
So hatte in den Morgenstunden des 21. März die Operation „Brückenschlag“ begonnen, die Wiederherstellung der Landverbindung nach Demjansk. Über 200 Flugzeuge unterstützen den Angriff und flogen pausenlos Angriffe auf den Streifen. Erst die 8. Jägerdivision schaffte es, ein Loch in die sowjetischen Linien zu reißen. Das Unternehmen "Fallreep" sollte nun eine Landverbindung etablieren. Dabei mussten Waldstellungen und Bunker im Nahkampf niedergerungen werden. Die SS mit ihrem Verbänden: SS-Division Totenkopf und SS-Kradschützenbatallion 5 zeichneten sich in den Kämpfen besonders aus. Am 21. April wurde mit der Einsatzgruppe Seydlitz Sichtverbindung hergestellt und nun begann das Entkommen.
Der "Schlauch" verlief in 12km Länge und 4km Breite. Bereits am 10 Mai rollten die ersten Versorgungskolonnen - aus dem Kessel war wieder ein Kampfraum geworden. Zu diesem Zeitpunkt hatte das II. AK eine Vielzahl von Kämpfen geführt.

 
31. März 1942
In der Winterschlacht vom 11. Dezember 1941 bis zum 31. März 1942 betrugen die Verluste der Wehrmacht 332.743 Mann.
Davon sind ca. 2.000 Offiziere und ca. 67.581 Unteroffiziere und Mannschaften gefallen.
Vermisst wurden 293 Offiziere und 20.036 Soldaten.
Bis zum 28. Februar 1942 zählte man 112.607 Soldaten mit Erfrierungen darunter 14.337 schwere Fälle.

 

4. April 1942
Generaloberst Jodl legte Hitler den Befehlsentwurf für die Operation Blau vor.
 
 
15. April 1942
Im Raum südöstlich von Wjasma vollendete sich das Schicksal der dort seit dem 3. Februar 1942 eingeschlossenen sowjetischen Truppen. Die Reste der 33. Armee (GenLt. Jefremow), des I. Garde-Kavalleriekorps und des IV. Luftlandkorps wurden zerschlagen. Während rund 6.000 Rotarmisten in deutsche Gefangenschaft gingen, zog GenLt. Jefremow den Freitod vor. Die Verluste der Roten Armee: 128 Panzer und 170 Geschütze.

 

20. April 1942
Bei Einbruch der Dunkelheit standen deutsche Truppen darunter die SS-Panzerjägerabteilung Totenkopf vor dem Ort Ramuschewo am Ostufer des Lowat.

 

21. April 1942
Das deutsche II. Armeekorps und Teile des X. Armeekorps, die seit Mitte Januar bei Demjansk eingeschlossen waren und seither von der Luftwaffe versorgt wurden, konnten wieder eine direkte Verbindung zur Heeresgruppe Nord herstellen, dagegen wurde der Entsatz der bei Cholm eingekesselten Truppen noch zurückgestellt.


Das Ende der Schlacht

 

Ende der Kämpfe in Demjansk

 
 
SS Freikorps Danmark (Sturmbannführer Christian Frederik von Schalburg) Mai bis Juli 1942
81. Infanterie-Division (Generalmajor Erich Schopper) Juli 1942 bis Januar 1943
126. Infanterie-Division (Generalleutnant Paul Laux) Juli 1942 bis Räumung
58. Infanterie-Division (Generalleutnant Karl von Graffen) Dezember 1942 bis Räumung
225. Infanterie-Division (Generalleutnant Ernst Risse) Dezember 1942 bis Räumung
254. Infanterie-Division (General der Infanterie Friedrich Köchling) Februar 1943 bis Räumung
329. Infanterie-Division (Generalleutnant Johannes Mayer) April 1942 bis Räumung

Sowjetische Einheiten versuchten immer wieder, die Landverbindung einzudrücken. Ein für notwendig erachtete Räumung des Kampfraumes wurde von Hitler abgelehnt. Neben der Nachschubstraße versorgte die Luftwaffe weiterhin die kämpfenden Truppen aus der Luft (bis zum Oktober 1942).
Ab dem November 1942 kam es zu weiteren schweren Gefechten im Demjansk. Neben einer Großoffensive und mehreren kleinen Angriffen wurde bis zum Januar 1943 gekämpft. Die eingesetzten Einheiten kämpften weiterhin tapfer und konnten jeden Angriff abwehren. Hitler sah nun, dass der Kampfraum nicht mehr zu halten war, und ordnete die Räumung an.

Bis zum 27. Februar zogen sich die deutsche Verbände auf die Robja-Stellung zurück.

Generalkdo. II. Ak Koprs-Gef.
Std., den 1. August 1942

Seit dem 8. Mai ist die Legion "Danmark" in der Festung Demjansk eingesetzt. Getreu Eures Eides und eingedenk des Heldentodes eures Kommandeurs, SS-Sturmbannf. van Schalburg, habt ihr, Offiziere, Unterführer und Männer der Legion, immer erneute Beweise größter Tapferkeit und Opferbereitschaft sowie Zeichen vorbildlicher Härte und Ausdauer gegeben.
Die Kameraden des Heeres und der Waffen-SS sind stolz darauf, mit euch Schulter an Schulter in treuster Waffenbrüderschaft kämpfen zu können. Ich danke euch für eure Treue und Tapferkeit.

Der kommandierende General
Graf Brockdorff, Gen. d. Inf.

Das Demjansk Schild sollte alle die Soldaten ehren, die sich in den Kämpfen um Demjansk bewiesen haben. Gestiftet wurde dieses Ehrenzeichen durch A. Hitler, der die Befreiung des Kessels als durchaus wiederholbare Lösung solcher auswegloser Lagen sah.

 

 

Oberstabsgefreiter mit dem Demjansk Schild

Das eine Befreiung aus einem Kessel sich nicht noch einmal wiederholen sollte und die Parole "Halten bis zum letzten Mann" ein Standardbefehl der letzten Tages zählte, war auch auf das Bild dieser Ereignisse im Demjansk zurückzuführen. Opferbreitschaft und Treue wurden zum verhängnisvollen Credo der kommandieren Offiziere im Russlandfeldzug, als dieser sich als Rückzugskampf erwiesen hatte - nur nicht für Hitler.

Wochenschau-Bericht
Staatsakt für General Brockdorff-Ahlefeldt im Berliner Zeughaus.
(1943-05-19-Die-Deutsche-Wochenschau-Nr.663)

Neben den zahlreichen Gefallenen und Verwundeten auf beiden Seiten litt vor Ort insbesondere die russische Zivilbevölkerung. Vor der deutschen Besatzung lebten etwa 19.000 Einwohner in Demjansk, heute sind es noch 6.000. Russische Angaben zu zivilen Opfern in der Region, u.a. in Lagerhaft, schwanken zwischen 20.000 und 100.000 Menschen. In der sowjetischen Propaganda wurden die Zahlen nach dem Krieg nach unten korrigiert, um den Ruhm der Truppen nicht zu schmälern. Hinzu kamen erhebliche Zerstörungen von Gebäuden. Aus dem Kessel und dem Kampfraum von Demjansk blieben nur noch die Verwüstungen des Krieges übrig.


Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Kesselschl ... n_Demjansk (Letzter Aufruf 24.01.2010)
http://forum.panzer-archiv.de/viewtopic.php?t=3371 (Letzter Aufruf 24.01.2010)
http://www.wehrmacht-lexikon.de/heer/Or ... mjansk.php (Letzter Aufruf 24.01.2010)

Militär & Geschichte, Ausgabe Nr. 48, Dez.09/Jan.10.

 

Autor: Freiherr von Woye