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Das Thema

Panzerjäger bei El Alamein
Günther Halm am Ruweisat-Rücken


Vorwort

Vorwort:
Der "Neben-Kriegsschauplatz" Afrika sorgte für viele Legenden, spektakuläre Siege und ebenso niederschmetternde Niederlagen. Er brachte den, bis heute von Feind und Freund als gewieftesten General gerühmten Rommel hervor, zeugte den Mythos der 8,8 cm Flak und zeigte auf, dass einzelne Siege noch lange nicht den Krieg entscheiden.
Auch ein damals 19 jähriger Unteroffizier brachte es zu ansehnlichem Ruhm:

Günther Halm (* 27. August 1922 in Elze) wurde zum jüngsten Ritterkreuzträger des Afrikakorps

 

 


August 1941

Im August 1941 nach Afrika gekommen, stand er als Richtschütze mit fünf weiteren Landsern am 22. Juli 1942 in seiner Pakstellung am Fuße des Ruweisat-Rückens an einer russischen 7,62 cm Pak (nach der 8,8 die damals zweitbeste Panzerabwehrwaffe der Welt). Als englisches Artilleriefeuer wie eine Walze langsam auf sie zu rollte, steckten sie abwartend die Nasen in den Sand. Dann sprangen sie an ihre Kanone, doch im aufgewirbelten Staub war nichts zu erkennen. Schwere Motoren rollten unmittelbar an ihnen vorbei, quälend langsam senkte sich die Staubwolke und plötzlich konnten sie die ganze Ebene wieder überblicken. Über 100 vorwärtsrollende britische Panzer vom Typ Valentine!

Der erste Zug war schon nicht mehr zu sehen und das Gros der Streitmacht war im Süden schon querab zu ihrer Stellung, die nächsten Panzer knapp 100 Meter entfernt.
Der Anblick, der sich ihnen bot, machte sie alle sehr nervös, wie denn auch nicht, nur wenige Panzerjäger haben solch eine Situation überlebt. Sie mussten das Geschütz herumreißen, nichts brachte mehr der schöne Deckungswall, und auch die Holme waren nicht mehr eingestemmt. Halm kurbelte mit fliegenden Händen. "FEUER!" brüllte der Unteroffizier.

Der Ladeschütze zog ab ehe Halm sein Bein von dem mächtigen, gummibereiften Rad wegziehen konnte und dank der locker liegenden Holme sprang die Kanone noch mehr als gewöhnlich. So fing das Bein des Richtschützen den bockenden Stahlkoloss ab. (19 jährige Knochen sind elastisch, es wurde später als leicht geprellt begutachtet und vorerst spürte er ohnehin nichts) Der erste Schuss hatte gesessen, schwarz blakte es aus dem Tank, ein flüchtiger Blick und schon kurbelte er wieder.

"FEUER!" Kaum eine Minute war vergangen, da lagen 4 schwarz rauchende Panzerwracks vor ihrer Stellung, die vordersten waren ausgeschaltet. Halm kurbelte weiter, die Ebene war voller Ziele und das rund 7 Kilo schwere Geschoss der Russenpak durchschlug noch auf 2000 Meter die 90 mm dicke Turmpanzerung einer Matilda. Doch mit jedem Schuss wurde die eigene Situation prekärer. Da sie nach Süden feuerten, sprang die Kanone bei jedem Schuss hügelaufwärts. Schon standen sie ohne Deckung mitten im Hang, ein Ziel wie ein Scheunentor. Vollgeschosse aus Panzerkanonen (die englischen Panzer waren zu der Zeit noch standardmäßig mit der 2 Pfünder Kanone ausgerüstet, für die es keine Brisant-, oder Sprenggeschosse gab, später wurde auf die bessere 6 Pfünder umgerüstet) winselten um sie herum, eins fuhr Halm zwischen den gespreizten Beinen hindurch, ein anderes riss einem Ladeschützen ein faustgroßes Stück aus der Wade. Aber noch konnte der Grenadier Halm schießen, er sah die herüberschwenkenden Geschützrohre, kurbelte, Krachen und Pfeifen rundum, und Sand zwischen den Zähnen. "FEUER!"

 

Das 40. Königliche Tankregiment hatte innerhalb weniger Minuten seine wichtigsten Offiziere verloren. Eines der ersten Pakgeschosse zerriss den Fahrer des Kommandeurs, Sergeant Watts und verwundete den Colonel so schwer, dass er am nächsten Morgen starb. Die Schwadronchefs Russel und McBlaren wurden verwundet. Als die nun ranghöchsten Offiziere über Funk den Befehl gaben: "Lasst die Kanonen! Mg-Feuer auf die Hügelflanke!", war dass immer noch besser als die Zweipfündervollgeschosse.

Aber die Garben trafen nur noch eine verlassene Pakstellung. In dem heulenden, krachenden, winselnden Inferno hatte Günther Halm neun Valentines abgeschossen. Nach jedem Schuss musste die Pak wieder zurechtgerückt werden, mehr als 14 Schuss bekamen sie nicht raus, als ihnen ein Vollgeschoss die Visiereinrichtung wegfetzte. Mit der Kanone war vorerst nicht mehr viel anzufangen. Sie banden dem Ladeschützen das Bein ab, aber er starb noch auf dem Weg ins Lazarett. Die anderen kamen mit Schrammen davon und setzten sich auf die nördliche Seite des Hügelrückens ab, zum Regimentsgefechtsstand. Dort hatte man inzwischen schon den Divisionsgefechtsstand der 21.PzD alarmiert. Der Aufenthalt des einen Abwehrgeschützes an der Hügelflanke, und die Verwirrung, die es anrichtete, genügten indes. Die Engländer wurden solange aufgehalten, dass Verstärkung anrücken konnte, mehr Pak, mächtige 8,8 cm Kanonen und Panzer. Der Rückzugsbefehl für die 23. Armeetankbrigade erreichte noch 11 intakte Kampfwagen beider Regimenter. 104 waren ausgerückt.


Zum Schluss

Epilog:
Günther Halm bekam für seinen Einsatz am Ruweisat-Rücken das Ritterkreuz verliehen. Trotz der herben Verluste, die die Deutschen den Alliierten im Afrikakrieg zufügten, konnte Rommel den britischen Vormarsch nicht aufhalten. Montgomery hatte genug Reserven um den langen Marsch nach Westen durchzuhalten.
Als am 8. November 1942 die amerikanische Offensive in Französisch-Nordafrika begann (Operation Torch = Fackel), sah sich die Achsenarmee auch noch mit einer zweiten Front konfrontiert und so standen deutsche und italienische Truppen im Frühjahr 1943 auf verlorenem Posten in Tunesien.

 

Am 13. Mai 1943 kapitulierten die Achsenstreitkräfte in Tunis, 252.000 deutsche und italienische Landser gingen in Gefangenschaft. Günther Halm überlebte den Krieg. Als Leutnant geriet er nach den Kämpfen in der Kesselschlacht von Falaise im August 1944 in Frankreich in alliierte Kriegsgefangenschaft. 1946 durfte er zu seinen geliebten Mitmenschen in seine deutsche Heimat zurückkehren. Er arbeitete bis 1988 und verkaufte dann seine Firma. Seine umfangreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten wurden mit einigen Auszeichnungen bedacht. Sicherlich die Bemerkenswerteste ist das Bundesverdienstkreuz am Bande, das ihm 1995 verliehen wurde.


Quellen

afrikakorps.org (Zugriff 12.10.09)
wikipedia.org (Zugriff 12.10.09)
Buch: Wolf Heckmanns "Rommels Krieg in Afrika" vom "tosa" Verlag (Zugriff 12.10.09)

Autor: Mogelzahn