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Das Thema

Gefecht bei Krojanty - Polenfeldzug 1939

1. September 1939 - Polnischer Korridor, nördlich von Konitz/Chojnice!
Das Dörfchen Krojanty - Das polnische 18. Ulanen-Regiment attackiert Teile der deutschen 20. Infanterie-Division.

Es entsteht der Mythos, dass polnische Kavallerie deutsche Panzer mit blanken Säbeln angegriffen habe.

Zitate aus Heinz Guderians Buch:

 

Heinz Guderian: Erinnerungen eines Soldaten, "Die lange Straße war leer. Weit und breit fiel kein Schuss. Umso erstaunter war ich, als ich unmittelbar vor Zahn angerufen wurde und die Männer meines Stabes im Helm damit beschäftigt fand, eine Panzerabwehrkanone in Stellung zu bringen. Auf meine Frage, was sie dazu veranlasst hätte, erhielt ich die Antwort, polnische Kavallerie sei im Anmarsch und müsse jeden Augenblick eintreffen.", 1951, p. 63

Heinz Guderian: Erinnerungen eines Soldaten: "Ich setzte mich nun an den Anfang des in der Nacht herausgezogenen Regiments und führte es selbst bis an den Kamionka-Übergang nördlich Groß-Klonia, um es von dort auf Tuchel anzusetzen. Der Angriff der 2. (mot.) Division kam nunmehr schnell in Fluss. Die Panik des ersten Kriegstages war überwunden. Die Panzer-Aufklärungs-Abteilung 3 war in der Nacht bis an die Weichsel gelangt. Auf dem Gutshof Poledno in der Nähe von Schwetz hatte sie leider durch Unvorsichtigkeit empfindliche Verluste...", 1951, p. 63


1. September

1. September 1939

Die Ereignisse, die zum Gefecht führten:

Das deutsche XIX. Armeekorps unter General Heinz Guderian hatte den Auftrag, den Polnischen Korridor zu durchstoßen.
Etappenziel war die Errichtung von Brückenköpfen am Fluss Brahe.

Generalleutnant Mauritz von Wiktorin, der Kommandeur der motorisierten 20. Infanterie-Division - welche diesem Korps angehörte - sollte zur Erfüllung dieser Aufgabe den Eisenbahnknotenpunkt Konitz erobern.

Generalleutnant Mauritz von Wiktorin:
 

Emblem der 20. Infanterie-Division:
 

Konitz wurde nach hartem Kampf am frühen Nachmittag eingenommen und der Bahnknotenpunkt konnte gesichert werden. Teilverbände der 9. Polnischen Infanterie-Division ( Obrona Narodowa ) zogen sich kämpfend und geordnet zurück. Den Deutschen gelang es jedoch, den Druck aufrecht zu erhalten und schneller vorzurücken, als die Polen im Stande waren, ihre Absetzbewegung auszuführen.

Die Nachhut geriet immer stärker in Bedrängnis.


Polnische Ulanen

Polnische Ulanen:

Um dieser Situation Herr zu werden, erhielt Oberst Kazimierz Mastalerz, Kommandeur des polnischen 18. Ulanen-Regiments (18. Pułk Ułanów Pomorskich), den Auftrag, einen örtlichen Entlastungsangriff gegen die deutsche 20. Infanterie-Division zu starten!

Oberst Kazimierz Mastalerz:
 


Der Angriff

Die Attacke:

Mastalerz verfügte nicht nur über die Reiter seines 18. Ulanen-Regiments, sondern auch über die Tanketten der Kavallerie-Brigade “Pomorska“. Außerdem konnte er für seine Aufgabe auch noch über die Infanterie-Einheiten aus dem Raum Konitz verfügen.

Polnische Tankette TK-3:
 

Das Operationsziel von Mastalerz' Gegenangriff war eine Eisenbahnkreuzung nahe dem Dorf Krojanty (ca. 7 km nördlich Konitz). Dieser Bahnhof war unmittelbar vorher von Einheiten (ein Bataillon) des Infanterie-Regimentes (mot.) 76 (Oberst Hans Gollnick) eingenommen worden.

Oberst Hans Gollnick, hier als General:


Die deutschen Truppen hatten noch keine Gelegenheit gehabt, ihre neu erreichte Position ausreichend zu sichern.
Sie befanden sich in offenem Gelände, unmittelbar vor einem Waldstück.

Mastalerz befahl dem Rittmeister Eugeniusz Świeściak, nach ausreichender Einschätzung der Lage und die gegebene Örtlichkeit sowie das Überraschungsmoment ausnutzend, mit mehreren Schwadronen (ca. 250 Mann) einen frontalen Kavallerieangriff vorzunehmen.

Rittmeister Eugeniusz Świeściak:
 

Die verbleibenden 2 Schwadronen des Regiments sollten gemeinsam mit den Tanketten in ihren Ausgangsstellungen als Reserve zurückbleiben.

19.00 Uhr - Die Reiterattacke!
Die Deutschen wurden von diesem Angriff völlig überrascht.

Polnische Reiterattacke:
 

Der 1. Schwadron gelang es, mit blankem Säbel durch das Abwehrfeuer der deutschen Infanterie zu galoppieren!
Sie vollbrachte es mit Bravour, im Verbund mit der etwas verzögert angreifenden 2. Schwadron, die deutsche Infanterie zurückwerfen.

So schien es, dass es Świeściak und seinen Ulanen gelungen war, ohne größere Verluste die deutsche Infanterie in Panik zu versetzen!

Mütze eines polnischen Reiters:


Stahl und Säbel

Stahl gegen Säbel:

Doch das Schicksal meinte es mit der Kavallerie nicht gut! Noch während des Angriffs tauchten deutsche Panzerfahrzeuge der Aufklärungs-Abteilung 20 auf. Genauso überraschend wie die Ulanen aufgetaucht waren, brachen nun die deutschen Panzerfahrzeuge aus dem nahegelegenen Waldstück heraus. Die Männer der Panzerwagen erkannten sofort die prekäre Lage und eröffneten ohne zu zögern aus Maschinenwaffen das Feuer auf die Schwadronen Swiesciaks. Nun hatte sich das Blatt vollends zu Gunsten der Deutschen gewendet. Nicht nur das Überraschungsmoment, auch das - zunächst für die Polen günstige - offene Gelände erwies sich nun als schwerwiegender Nachteil! Mitten im Vorstoß befindlich, konnten die Ulanen ihre Pferde nicht so schnell wenden.

Das MG-Feuer wirkte sich verheerend aus.....

Als Rittmeister Eugeniusz Świeściak im Feuer fiel, griff Oberst Mastalerz mit einigen Reitern ein, um ihn zu retten. Bei diesem Unterfangen wurde auch Oberst Kazimierz Mastalerz tödlich getroffen. Die Ulanen zogen sich fluchtartig vor den deutschen Spähwagen zurück!

Aber jeder dritte polnische Reiter war zu der Zeit bereits tot oder verwundet.

Die Folgen des Angriffes:

Trotz allem hatte diese furchtbare Niederlage eine positive Auswirkung für die Polnische Armee!

Durch die Kampfhandlungen hatte das polnische 1. Schützenbataillon und die Operationsgruppe „Czersk“ tatsächlich genügend Zeit gewonnen, um sich hinter die Brahe zurückzuziehen.

Die 20. Infanterie-Division (mot.) musste zunächst erst wieder gesammelt und in Ordnung gebracht werden.
An diesem Tage wurde nicht mehr ernsthaft an eine Verfolgung der Polen gedacht.

Uniform eines polnischen Reiter-Offiziers:
 

So war es denn geschehen, dass bereits am ersten Kampftag des Polenfeldzuges der deutsche Soldat einen gewissen Respekt vor seinem Gegner erhielt!

Heinz Guderian berichtete später, dass ihn gegen Mitternacht der Kommandeur der 2.ID (mot.) angerufen habe, um ihm zu melden, dass er gezwungen sei, vor polnischer Kavallerie zurückzuweichen. Der kommandierende General musste ihn daraufhin erst zum Halten seiner Stellung überreden. Die Panik des ersten Kriegstages sei jedoch bald überwunden worden.


Mythos

2. September 1939:

General Stanisław Grzmot-Skotnicki:
 

Der Kommandeur der Operationsgruppe „Czersk“, General Stanisław Grzmot-Skotnicki (1894 - 1939), erschien am Tage nach dem Gefecht bei den Resten des 18.Ulanen-Regimentes und setzte eine beispielhafte Geste, indem er der Einheit symbolisch seinen eigenen Virtuti Militari-Orden verlieh.

Virtuti Militari-Orden:
 

Das Regiment nahm in den nächsten Wochen noch an der Schlacht in der Tucheler Heide und in der Schlacht an der Bzura teil.
Dabei wurde es fast vollständig aufgerieben.

Der Mythos

An diesem (auf das Gefecht folgenden Tag) 2. September 1939 erschien ein italienischer Journalist und Kriegsberichterstatter, Indro Montanelli am Schlachtfeld.
Zu dieser Zeit war Italien bekanntlich noch neutral. Montanelli fotografierte und befragte die deutschen Landser, was hier passiert sei. Als Antwort erhielt er den Bericht von einigen Landsern, dass hier in Krojanty, polnische Kavallerie deutsche Panzer angegriffen habe.

Montanelli, wie jeder Journalist auf eine gute Story aus, schmückte die Geschichte um diese archaisch anmutende Kavallerie-Attacke noch etwas aus. Die Veröffentlichung folgte kurz darauf. Die deutsche Propaganda nahm diese Geschichte dankbar an, und schuf mit ihrer Hilfe einen Mythos!

13. September 1939 - Die Zeitschrift "Die Wehrmacht" berichtet, schwarz auf weiß, in dem Artikel „So kämpfen unsere Panzer“:

„Wie sehr die Polen die Kampfkraft unserer modernen Waffen unterschätzten, zeigte sich vor allem in den ersten Tagen des Kampfes. Eine unverantwortliche Propaganda hatte den polnischen Soldaten eingeredet, dass unsere Panzerkraftwagen bessere Blechattrappen seien. Es kam daher zu einem beinahe grotesken Angriff eines polnischen Ulanenregiments gegen einige unserer Panzer. Die vernichtenden Folgen dieses Angriffs kann man sich vorstellen.“
(aus: Zeitschrift "Die Wehrmacht": „So kämpfen unsere Panzer“)

Daraus entstand schließlich der Mythos von der veralteten polnischen Kavallerie, die mit blanker Waffe die deutschen Panzer angegriffen habe.

Man konnte sich - im völligen Unverständnis über diesen scheinbar irrsinnigen Angriff - dies nur so erklären, dass den Soldaten wohl gesagt worden war, dass die deutschen Panzer aus Pappe seien.

Tatsache war, dass wegen des Versailler Vertrages die deutsche Armee tatsächlich mit Pappmaché-Attrappen und Blechaufbauten auf Automobilen und Fahrradgestellen ihre mobile Kriegsführung erprobten!!!

Diese Geschichte wird weiterhin in unzähligen Veröffentlichungen über den Zweiten Weltkrieg weiterverwendet.

Die Polen wiederum betonen voller Stolz die Panik, welche die polnischen Reiter unter den Deutschen ausgelöst hätten.


Tatsachen

Tatsachen um die Bewaffnung einer Kavallerie-Brigade:

Die polnischen Kavallerieverbände waren standardmäßig mit Panzerabwehrwaffen ausgerüstet und in der richtigen Bekämpfung von Panzern ausreichend geschult.
Ebenso waren damals in ausreichender Zahl Tanketten den Kavallerie-Brigaden zugeteilt. Diese waren auch in großer Stückzahl vor Ort. Die Vermutung liegt nahe, dass sie wegen des Todes von Oberst Kazimierz Mastalerz nicht zum Einsatz kamen.

Fakt ist, dass von einem geplanten Angriff der polnischen Reiter auf deutsche Panzer keine Rede sein konnte.
Die deutschen Spähpanzer waren ja überraschend aus dem Wald aufgetaucht!


Quellen

Internet….
de.wikipedia.org/wiki/Krojanty, http://www.wapedia.mobi.de, http://www.unglaublich.de, http://www.lexikon.freenet.de, http://www.polenfeldzug.de und http://www.theeasternfront.co.uk und http://www.axyshistory.com.

Bücher….
Erinnerungen eines Soldaten von Heinz Guderian von Motorbuch, Stuttgart
ISBN-10: 3879436932
ISBN-13: 978-3879436934

Der Zweite Weltkrieg von Janusz Piekalkiewicz
ISBN-10: 3898364720
ISBN-13: 978-3898364720

Autor: Tiwaz