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Das Thema

Der letzte verlorene Sieg der Wehrmacht

 

Während schon die Schlacht um Berlin tobte, starteten die letzten kampfstarken
Panzerverbände der Wehrmacht ihre letzte erfolgreiche Offensive.


Kräfteverhältnis

Beteiligt waren hierbei die 4. Panzerarmee der Heeresgruppe Mitte von GFM Schörner und die 52. sowjetische sowie die 2. polnische Armee der 1. Ukrainischen Front des Marschall Konjew. Zu den deutschen Divisionen gehörten unter anderem auch die 20. und 21. Panzerdivision, Fallschirmpanzerdivision "Hermann Göring" und die 10. SS-Panzerdivision "Frundsberg".

Truppenstärken

Deutsche:
4. Panzerarmee: etwa 110.000 Mann, 388 Panzer und 1.100 Geschütze
6. Luftflotte (von Greim): 791 Flugzeuge


Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner, der letzte Oberbefehlshaber des Heeres im Deutschen Reich

Sowjets:
1. Ukrainische Front: 511.700 Mann, 1.388 Panzer und fast 15.000 Geschütze
2. Luftarmee: 2148 Flugzeuge


Iwan Stepanowitsch Konew Marschall der Sowjetunion und Befehlshaber der 1. Ukrainischen Front

davon:
7. mechanisiertes Gardekorps (der 52. Armee) - 10910 Mann (Soll 16.000) 92 Panzer (Soll 183) 52 Selbstfahrlafetten (Soll 63) und 150 Geschütze.
2. Polnische Armee - 90.000 Mann, 291 Panzer und 135 Selbstfahrlafetten.


Die Offensive

Die Offensive über die Oder und Neiße hinweg begann am 16. April 1945, gemeinhin auch "Beginn der Schlacht um Berlin", Konjew sollte hierbei an der südlichen Flanke im Süden bis zum 26. April die Elbe erreichen und er kam auch gut voran. Es gelang, Teile der 4. Panzerarmee abzuschneiden und zusammen mit der 9. Armee der Heeresgruppe Weichsel einzukesseln. Zudem wurde die 10. SS-Panzerdivision "Frundsberg" zusammen mit der 344. Infanteriedivision und der Führerbegleitdivision bei Spremberg eingeschlossen, welche sich aber entgegen dem Befehl, nach Norden anzugreifen, zum Teil nach Westen absetzen und herauskämpfen konnte. Die entkommenen Reste der Panzerdivision "Frundsberg" sammelten sich um den 23. April als Kampfgruppe nahe Dresden.

Am 18. April war die Front aber bereits am Stadtrand von Bautzen, damit hatte der Südflügel der 1. Ukrainischen Front bereits den halben vorgesehen Weg zurückgelegt, während die Masse der 1. Ukrainischen Front auf Leipzig vorrückte und "nebenbei" Schukows Vorstoß auf Berlin unterstützte. Am 20. April sollte die 2. polnische Armee weiter auf Dresden vorstoßen. Entlang der Autobahn Dresden - Bautzen (heute A4) erreichte das polnische I. Panzerkorps am Abend des 21. Aprils fast schon Radeberg, wo dann nachts um 3.00 Uhr Panzeralarm mit den Luftschutzsirenen ausgegeben wurde. Kurz vor Dresden musste der polnische Vorstoß am 23. April eingestellt werden und bis zum 26. April zogen sich die polnischen Truppen wieder stückweise zurück, auf dem Rückzug noch panisch Gehöfte und Dörfer in Brand steckend und gefangene Zivilisten exekutierend. Was war geschehen?

Die 52. Armee, die eigentlich die Flanke der 2. polnischen Armee nach Süden sichern sollte, erreichte am 18. April den Stadtrand von Bautzen, an diesem Tag hatte sie schon einige Verluste erlitten, u. a. durch Angriffe des Stukageschwaders 2 "Immelmann" des Luftwaffen-Oberst Hans-Ulrich Rudel und einzelne Panzer durch vereinzelte Gegenwehr des Volkssturms.
Bautzen war schon seit dem 16. April 1945 Ziel zahlreicher Luftangriffe, wobei hauptsächlich Bomben abgeworfen wurden, die von der Roten Armee in Munitionsdepots der Luftwaffe östlich der Oder erbeutet wurden.
In Bautzen selbst hatte man am 18. April begonnen, die Brücken zu sprengen. Hier bereiteten sich etwa 3.000 zusammengewürfelte Mann aus Volkssturm, Hitlerjugend, Polizei, Flak, 2 Festungsinfanterie-, sowie 2 Landesschützen-Btle und auch 300 Mann der Panzerdivision "Frundsberg", die wegen Kraftstoffmangel hier liegengeblieben waren, auf die Verteidigung vor. Am 20. April wurde auch die große Spreebrücke gesprengt und die deutschen Verteidiger in der Innenstadt waren nun östlich der Spree praktisch völlig abgeschnitten. Auch in Häuserkämpfen wurde der Raum, der gehalten wurde, immer kleiner. In der Nacht noch gelang es den Sowjets ins Stadtzentrum einzudringen. Diese Kämpfe fanden am 21. April auch Erwähnung im Wehrmachtsbericht, ermutigender war aber sicher der Funkspruch, den die 4. Panzerarmee an die Eingeschlossenen sendete:

"Haltet durch, wir kommen!"

Als erstes war die 20. Panzerdivision aus dem Raum Löbau (südöstlich von Bautzen) zum Angriff nach Norden angetreten und hatte auch kurz darauf Niesky, 50 km östlich von Bautzen erreicht. Von hier sollte auch Spremberg entsetzt werden, wo ebenfalls noch eine schwache deutsche Besatzung vermutet wurde (die sich aber nach Westen hatte freikämpfen können).

Am Morgen des 22. Aprils trafen die Reste des Panzerkorps Großdeutschland (Pz-Gren.Div. Brandenburg, 464. ID und 545 VGD) aus dem Raum Boxberg nordöstlich von Bautzen mit der Fallschirmpanzerdivision Hermann Göring und der 72. ID, die aus dem Süden bei Löbau kamen, etwa 30 km östlich von Bautzen zusammen. Damit war die Verbindung zwischen der 52. Armee und der 2. polnischen Armee unterbrochen und der rückwärtige Raum der 2. polnischen Armee erreicht. Die 20. Panzerdivision stieß weiter nach Westen vor und am Morgen des 23. Aprils standen die deutschen Spitzen 2 km östlich vor Bautzen, während 15 km hinter der Angriffsspitze das 7. mechanisierte Gardekorps der 52. Armee bei Weißenberg eingeschlossen und zwischen dem 24. und 26. April aufgerieben wurde. Ebenfalls am 23. April erreichte die Fallschirmpanzerdivision über die Reichsstrasse 6, heute B6, aus Richtung Löbau Bautzen im Süden. Weiterhin unterstützt wurde der Angriff von der Panzerdivision "Frundsberg", die von Dresden aus über Radeberg Richtung Bautzen vorstieß. Die Truppenteile der Roten Armee, die im Stadtzentrum die verbliebene Besatzung von noch 400 Mann belagerte, wurde nun selbst in Bautzen eingeschlossen, wobei es bis zum 27. April zu harten Straßenkämpfen in der Stadt kam. Die belagerte deutsche Besatzung konnte aber bereits am 24. April entsetzt werden, worauf am 25. und 26. April der Wehrmachtsbericht wieder von den Kämpfen berichtete.

 

Damit endete die letzte erfolgreiche Panzeroffensive der Wehrmacht. Dresden und Bautzen wurden zwischen dem 5. und 7. Mai geräumt und am 8. Mai von den polnischen und sowjetischen Truppen ohne organisierten Widerstand besetzt. Die Panzerdivision "Frundsberg" führte das letzte Panzergefecht der 4. Panzerarmee mit 2 Panzern IV und 2 Panthern, wobei ein sowjetisches Sturmgeschütz und ein T-34 abgeschossen wurden. Aber auch die beiden Panther wurden aus einem Hinterhalt außer Gefecht gesetzt und die Panzer IV auf dem Rückzug Richtung Prag wegen Benzinmangels gesprengt.


Verluste/Kriegsverbrechen

Die Verluste:

Die Zahl der Verluste ist schwer festzustellen, bei der Roten Armee geht man von 8 - 11.000 Toten aus (davon 5.000 Polen) und 20.000 Verwundeten. 335 Panzer und 350 Geschütze wurden zerstört oder erbeutet.
Die deutschen Verluste werden auf 6.500 Tote und 9.000 Verwundete und 30 Panzer geschätzt, genau kann dies niemand sagen, da die genaue Anzahl wegen des Kriegsendes 1 1/2 Wochen später nicht mehr genau festgestellt werden konnte.


Kriegsverbrechen:

Erschreckend waren vor allem die Kriegsverbrechen in dieser letzten Schlacht, die von beiden Seiten begangen wurden. Natürlich kam es im Zuge der polnischen Eroberungen auch zu Raub und Vergewaltigungen, doch mit den deutschen Erfolgen in ihrer Gegenoffensive stieg die Panik und die Wut, so dass vielfach auf dem Rückzug wahllos Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet wurden. In einem Fall wurde sogar eine Scheune, in der sich über 190 Volkssturmmänner befanden in Brand gesteckt und die, welche es aus der Flammenhölle schafften, erschossen.
Andererseits kam es auch zu Übergriffen deutscher Truppen auf polnische und sowjetische Gefangene, wobei auch ein polnisches Feldlazarett inklusive Verwundete und Personal massakriert wurde.
Bis heute wurden beiden Seiten je 450 Morde an Kriegsgefangenen und Zivilisten nachgewiesen.

Quellen

Buch: "Hinze - Letztes Aufgebot" (Zugriff 12.09.09)
wiki (Zugriff 12.09.09)

Autor: Elinweth