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Portrait

Die Schlacht von Antietam

(Sharpsburg)

17. September 1862


 

 

 

Einleitung

Der Sommer des Jahres 1862 war die schwierigste Zeit für die Union. Nach der Niederlage in der Sieben-Tage Schlacht war McClellan auf der Halbinsel nun machtlos, dachte aber nicht daran, seine Armee zu verlegen. Stattdessen stellte Washington eine neue Virginia-Armee auf und unterstellte sie Generalmajor John Pope. Dieser hatte dazu beigetragen, den Yankees die Kontrolle über den Fluss Tennessee und Missouri zu sichern. Taktlos und prahlerisch, wie er war, verscherzte sich Pope von Anfang an das Verhältnis zu seinen Offizieren. Viele seiner unterstellten Generale hatten eine schlechte Meinung über ihn und hielten ihm seine Unfähigkeit vor. Dennoch führte Pope seine Truppen nach Virginia, wo er jedoch von drei Männern geschlagen wurde. General „Stonewall“ Jackson konnte seine Truppen am Cedar Mountain nahezu vollständig vernichten. In Manassas gelang Lee der Sieg über die Union. Grant konnte gegenüber dem fernen Richmond seinem Sieg über die Konföderierten bei Shiloh, unter der Mithilfe seines besten Mannes W. T. Sherman, nicht das erhoffte Kapital schlagen. Die Union befand sich in einer Sackgasse und benötigte dringend einen großen Sieg – egal von und über wen.
 

    
General Lee und General McClellan


Vor der Schlacht

Lee ging davon aus, dass McClellans Armee von der Niederlage der letzten Monate noch immer geschwächt sei. Wenn die Rebellen sofort zuschlugen, würde der träge „Little Mac“ erst Wochen später auf die Invasion reagieren, so glaubte er. Die Konföderierten hätten folglich hinreichend Zeit, auf dem Weg zum Susquehanna River verheerende Schäden anzurichten. Lee wollte keine Zeit mehr verlieren und begann deshalb bereits am 3. September Teile seiner Armee nach Leesburg zu bewegen. Am nächsten Tag erreichten sie die White’s Furt, 40 Kilometer von Washington entfernt und überquerten den Potomac. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Truppen der Konföderation bereits im Rücken der Linien von McClellan. Endlich würde der Feind spüren, wie es ist feindliche Armeen auf dem eigenen Grund und Boden zu haben.

Halleck hatte geahnt, was Lee plante und McClellan bereits davor gewarnt. Am nächsten Tag wurden die Hinweise auf die Invasion bestätigt. Lincoln gab Befehl, die Unionsarmeen in volle Einsatzbereitschaft zu versetzten und dieses tat McClellan sofort und mit ungewohnter Eile und Eifer. Als Lee auf die Potomac-Armee der Union traf, war diese in einem wesentlich besseren Zustand, als er erwartet hatte. Am 7. September war die Union bereit, sich den Rebellen entgegenzustellen. Das war jedoch genau das, was Lee erwartet und erhofft hatte. Anstatt einfach durch das Shenandoah-Tal in Maryland einzufallen, wartete er darauf, dass die Unionstruppen sich aus ihren Verteidigungsstellungen bei Washington bewegten. Sein Plan war es, McClelans Truppen an den Pässen zwischen Turner’s Gap und Crampton’s Gap einzuklemmen und die Unionstruppen an den Osthängen einzuschließen. Es gab somit keine Eile für Lee und er wartete und verstärkte seine Truppen, immer in der Hoffnung, die müden ankommenden Unionstruppen an einem Ort seiner Wahl zu stellen.

Lee konnte mit großer Freude die anrückenden Unionstruppen abwarten, obgleich ihm die Fortschritte bei Harper’s Ferry, einem zuvor errungenen Sieg, zu langsam gingen. Die Hoffnung, dass der Feind dort seine Ausrüstung fluchtartig verlassen würde, traf nicht ein und eines konnte er am wenigsten gebrauchen, eine Garnison der Union in seinem Rücken, auch wenn sie nur von dem als Trunkenbold bekannten General Dixon Miles kommandiert wurde. Aus diesem Grund befahl er Jackson, Harper‘s Ferry anzugreifen. Ein brillanter aber gewagter Plan. Seine Truppen waren nun geteilt und er musste mit seinen nur 50.000 Mann hoffen, dass Jackson rechtzeitig vor McClellans Eintreffen zurückkehren würde, um seine Truppenstärke wieder zu erhöhen.
In dem Glauben, dass Lee über mehr als 100.000 Mann verfüge, ließ sich McClellan Zeit, verfügte er doch nur über 85.000 Mann. Am 11. September war er zwar nur noch 25 Kilometer von Lees Linien entfernt, vermutete dessen Stärke aber inzwischen auf 150.000 Mann. Obwohl er von dem Vormarsch Jacksons auf Harper’s Ferry täglich informiert wurde gelang es Ihm nicht, Lee’s Strategie zu durchschauen.

Am 13. September jedoch stolperten Späher seiner Indiana-Regimenter über drei Zigaretten, die erstaunlicherweise mit Papier brisante Inhalts umwickelt waren. Es handelte sich um Abschriften von Lees Plan, Harper‘s Ferry einzunehmen. Nun war McClellan im Bilde. Er kannte den Standort jeder Rebellendivision und war über die Teilung der Armee informiert.
Er sprach darauf die folgenden Worte:

“...nun weiß ich, was zu tun ist! Dieses Stück Papier hier – wenn ich es nicht schaffe, Bobbie Lee damit fertigzumachen, dann bin ich gerne bereit, einzupacken!“


Dennoch vertrödelte McClellan fast einen ganzen Tag, bis er endlich am 14. und 15. September ersten Kontakt mit Feindkräften hatte. Trotz des Wissens, dass Lees Truppen geteilt seien, schätzte er dessen Stärke immer noch zu hoch ein.


Aufmarsch

Am 14. September führte McClellan die Armee auf Turner’s Gap, während Franklin’s Korps einige Kilometer südlich zu Crampton’s Gap marschierte. Dort trafen er auf zwei Brigaden von D.H. Hill, gerade mal 2,000 Mann stark, die jedoch erbittert versuchten, die Pässe zu halten, waren sie doch elementarer Bestandteil von Lees Plan. Es gelang, den Vormarsch um 2 Stunden zu verzögern und sowohl Longstreet, als auch Hills übrige Brigaden konnten heranrücken. Trotz halbherziger Angriffe der Union gelang es, bis zum Einbruch der Nacht die Rebellen von den Pässen zurückzudrängen. Lee war außer sich vor Wut, hatte die Union nun doch einen Keil zwischen seine beiden Armeeverbände treiben können. Lee befahl daraufhin, die Pässe aufzugeben und sich mit der Hauptmacht zu vereinigen. McClellan wartete erst einmal ab und so gelang es Lee, seine Truppen an einem Ort, genannt Sharpsburg, in der Nähe des Flusses Antietam Creek zusammenzuziehen. Hieraus ergab sich auch der spätere Name der Schlacht, da Schlachten von Konföderierten immer nach dem Ort und von der Union immer nach dem nächstgelegenen Fluss benannt wurden.

Die Schlacht

Lee hatte sich einen guten Platz für eine Schlacht ausgesucht, gab es doch nur wenige Stellen, an denen der Fluss zu überqueren gewesen wäre. Er brachte 15.000 Mann in Stellung und hoffte so, McClellans Übermacht (von der dieser immer noch nichts ahnte) in Schach zu halten. Die zusätzlich verfügbaren leichten Steigungen im westen, boten weitere Vorteile. Lee konnte seine Truppen auf den Anhöhen platzieren und hatte somit alle Furten und Brücken unter Sicht und Kontrolle. Die jetzige Situation entsprach zwar überhaupt nicht Lees ursprünglichem Plan, war aber unter den gegebenen Umständen die beste Lösung, waren große Teile seiner Truppen doch versprengt. Das größte Risiko bestand derzeit darin, dass der Flusslauf das Gebiet zu einer Art Halbinsel teilte, in das Lee, da er McClellan nicht am überqueren des Flusses an weiter gelegenen Stellen hätte hindern können, in der Falle sitzend, besaß er einfach nicht genügend Soldaten, die gesamte Linie abzudecken.

Wie gut McClellans Truppen nun wirklich waren, sollte sich bald zeigen. Zunächst ließ er sich aber wie gewohnt Zeit und ließ seine Truppen in Stellung gehen. Dabei plante er ausgiebig seine erste Offensive. Selbst er nahm die Schwachpunkte Lee's wahr, überschätzte aber immer noch dessen Stärke. Viele Historiker sind heute immer noch der Meinung, dass ein beherzter Angriff McClellan's auf Lee's Truppen bereits zwei Tage vorher, den Krieg unter Umständen sehr schnell hätte beenden können. Seine abwartende Haltung bescherte dem Land aber dadurch noch weitere verlustreiche Jahre.

McClellan beabsichtigte in zwei Gruppen, Lees Truppen an der linken Flanke mit Kavallerie anzugreifen. Anscheinend hatte er aus dem Verlauf des ersten Kriegsjahres nicht viel gelernt, da diese bereits als überholt galten. So geschah es auch, dass beide Angriffe unkoordiniert und in Viererreihen über die Brücke, auf die feindliche Artillerie zureitend, scheiterten. Es folgten wüste Umgruppierungen der Kommandos und seine 75.000 Mann, teilweise unter neuem Kommando, standen am Vorabend der Schlacht Lees Truppen in einem Verhältnis von 3:1 gegenüber.

Die Konföderierten unter Lee wurden im Zentrum von Longstreet, an der rechten Flanke von Walker, Jones und Hill und an der linken Flanke von den inzwischen eingetroffenen Truppen unter Jackson angeführt. Die Verlegung von Hookers Truppen zur „Upper Bridge“ am helllichten Tag, hatten McClellans Absicht dort anzugreifen verraten und Lee postierte entsprechend seine Truppen. Trotz der von Jackson hinzugekommenen Einheiten betrug Lees Truppenstärke gerade mal 26.000 Mann.
Es gab eine unruhige Nacht für beide Seiten, obwohl Angriffe ausblieben. Knisternde Spannung lag in der Luft. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, welche Seite die Schlacht eröffnete, allerdings ist bestätigt, dass die Artillerie im Morgengrauen Angriff. Minuten später begann Hooker seinen Vormarsch auf der Hagerstown Strasse zur nahegelegenen Kirche. Meade marschierte auf ein großes Maisfeld zu, an welchem er auf die Virginia Brigaden stieß. Doubleday und Rickets versuchten in das Maisfeld nachzurücken und wurden von Konföderierten versteckten Truppen nahezu abgeschlachtet.
Aus den Aufzeichnungen von Hooker:

 
“ …every stalk of corn in the northern and greater part of the field was cut as closely as could have been done with a knife, and the slain lay in rows precisely as they had stood in their ranks a few moments before. It was never my fortune to witness a more bloody, dismal battle-field.… ”
„… auch der letzte Stängel Mais im nördlichen und größten Teil des Feldes war säuberlich wie mit einem Messer abgeschnitten und die Gefallenen lagen genau in den Reihen da, in denen sie ein paar Augenblicke zuvor noch in Gefechtsgliederung gestanden hatten. Niemals zuvor hat mich das Schicksal zum Zeugen eines solch blutigen, trostlosen Schlachtfeldes gemacht. …“

 

Die Brigaden verloren mehr als ein Drittel ihrer Männer und zogen sich zurück. Der Befehl Brigaden nacheinander in die Schlacht zu führen hatte schon vormals viele Männer das Leben gekostet, war ein massiver Angriff so nicht möglich und die Verteidiger konnten sich jede Brigade einzeln vornehmen, selbst in Unterzahl.

 


Aufnahme „bloody lane“ nach der Schlacht

 

Die Kirche konnte jedoch erreicht werden, ohne auf Rebellen zu treffen. Zeitgleich marschierte das II. Korps unter Sumner über den Bach und stürmte die angrenzenden Felder bis sie auf Hills tapferen Männer am Hohlweg trafen. Heftige Kämpfe brachen aus und nach stundenlangen Gefechten, in dem nahezu jede verfügbare Einheit beteiligt war, waren die Zahl der Opfer unüberschaubar. Dieser Hohlweg ging als „Bloody lane“, der blutige Weg in die Geschichte ein.

Am anderen Flügel, an dem Lee nur noch wenige Männer in Stellung hatte, verschenkte McClellan kostbare Zeit durch seine Unentschlossenheit. Erst am späten Morgen versuchte Burnside den Fluss zu überqueren und anstatt die vorhandenen Furten zu nutzen, schickte er Brigade um Brigade über die einzige Brücke, viel davon in den direkten Tod. Während Rodmans Truppen nur einige Kilometer flussabwärts den Bach leicht durchwaten konnten, wurde es schließlich Nachmittag, bis Burnside seine Truppen übergesetzt hatte. Seit diesem Tag ist die Brücke auch als „Burnside bridge“ bekannt.


 

Foto von der “Burnside Bridge“

 

Seine Truppen marschierten darauf direkt Richtung Sharpsburg, rücklings auf Lees Stellungen zu, und erreichten die Vororte gerade als A.P.Hill mit seinen Männern aus Harper‘s Ferry eingetroffen waren. Dieser hielt die vorrückenden Unionstruppen mit einem vernichtenden Angriff fest. Es war A.P. Hill, der die Armee von Nord Virginia vor der totalen Vernichtung rettete. Lee reagierte schnell und verstärkte seine Truppen, vor allem mit Artillerie und es gelang ihm Burnside fast bis zur Brücke zurückzudrängen, bei der die Schlacht schließlich zum Einbruch der Dunkelheit endete. Obwohl beide Seiten völlig erschöpft waren, nutze Lee die Dunkelheit nicht zum Rückzug, sondern blieb in seinen Stellungen bis zum 19. September, an dem er sich schließlich mit seiner angeschlagenen Armee aus Maryland zurückzog. Psychologisch gesehen war McClellan ebenfalls ein geschlagener Mann, war es ihm doch trotz ausreichender Truppen nicht möglich Lee zu verfolgen.
Von seiner eigenen Ängstlichkeit besiegt prahlte McClellan dennoch:

“Jene, deren Urteil ich vertraue, sagten mir, dass ich diesen Kampf ausgezeichnet geführt habe, und dass mein Pfad ein Meisterwerk war.“


Er konnte sich glücklich schätzen, dass er von so vielen Duckmäusern umgeben war, denn außer ihm hielt niemand ihn für einen großen General. „Little Mac“ wurde im Verlauf des Krieges durch Grant ersetzt. Seine Unfähigkeit wurde dennoch zu spät entdeckt, sodass noch viele Soldaten unter seiner Führung zu leiden hatten.
Am 19. September zogen sich Lees Truppen ungehindert nach Virginia zurück. Dennoch war der Traum von der Invasion im Norden, um so Einfluss auf die bevorstehenden Wahlen in der Union ausüben zu können, unwiederbringlich dahin. Lee hatte mehr als 10.000 seiner 50.000 Soldaten verloren, auf der Unionsseite hatte McClellan über 12.500 Mann seiner ursprünglich über 75.000 als Opfer zu verzeichnen. Die Schlacht von Antietam (Sharpsburg) ging als eine der blutigsten und Verlustreichsten, in die amerikanische Geschichte ein. Am Antietam wurden erstmals die Folgen einer Schlacht des Bürgerkrieges ausführlich fotografisch dokumentiert. Alexander Gardners Bilder von gefallenen Soldaten erschütterten in ihrer Härte und Realität viele Betrachter und führten zu einer realistischeren Einschätzung des bis dahin idealisierten Geschehens auf den Schlachtfeldern.

 

Quellen

Der Amerikanische Bürgerkrieg, William C. Davis 1989 (Zugriff 22.02.2010)
Lee vs. McClellan: The First Campaign, written by Clayton R. Newell (Zugriff 22.02.2010)
Western Reserve Historical Society, Cleveland OH (Zugriff 22.02.2010)
http://www.nps.gov/anti/index.htm (Zugriff 22.02.2010)
http://americancivilwar.com/antiet.html (Zugriff 22.02.2010)
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_am_Antietam (Zugriff 22.02.2010)
http://www.historyofwar.org/articles/ba ... ietam.html (Zugriff 22.02.2010)
http://www.pbs.org/civilwar (Zugriff 22.02.2010)



Autor: Gastronaut