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Portrait

Der Angriff auf Fort Sumter

Die Ouverture



 

Einleitung

Mit der 1860 durchgeführten Präsidentschaftswahl, verschärften sich die Spannungen zwischen den Norden- und Südstaaten, welche letztendlich in den Amerikanischen Bürgerkrieg münden sollten. Alles begann mit der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten der Vereinigten Staaten am 6. November 1860, welche eine Kette von Ereignissen auslösen sollte, die nicht zuletzt in der Sezession, der Abspaltung des Südens von der Union und der Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika in Montgomery, Alabama mündete.

Diese Neugründung einer Nation führte auch zu der Frage wie mit öffentlichen Gebäuden wie Zollhäusern oder Forts zu verfahren wäre und wie deren Besitzansprüche zu klären waren. Hierbei versuchte die Konföderation ihre Macht auszubauen, indem sie Besitz und Befehl über die immer noch in Unionshand befindlichen Forts zu übernehmen. Zahlreiche Anlagen gingen, teilweise begeisternd zustimmend, teilweise ob ihrer Isolation in die Hand der Südstaaten über. Dennoch blieben einige Kommandanten ihrem Eid und Befehl treu und weigerten sich die Flagge der Union einzuholen. Zu den berühmtesten „Verweigerern“ gehörten die Garnisonen von Fort Pickens in Pensacola Florida, sowie Fort Sumter im Hafen von Charleston, South Carolina. In den 120 Tagen, die auf die Wahl Lincolns folgten, sollten eben genau diese beiden Forts ihre traurige Berühmtheit erlangen und besonders Fort Sumter als Sinnbild für den Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges in die Geschichte eingehen.

Beginn der Krise

Kurz, nachdem Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, jedoch vor dessen Amtsantritt, versammelte sich der Kongress. In den folgenden Verhandlungen entschieden sich sieben Staaten zum Austritt aus der Union. Es folgte deren Zusammenschluss und die Übernahme des ehemaligen Staatsbesitzes. Weitere acht „Sklavenstaaten“ versuchten in dieser Zeit den Hochseilakt, sich zwischen Union und frisch gegründeter Konföderation zu positionieren. Lincoln selbst besaß zu diesem Zeitpunkt offiziell nicht mehr Macht als jeder gewöhnliche Bürger, war sein offizieller Amtsantritt doch auf den 4. März 1861 terminiert. Bis dahin oblag es seinem für träge und entscheidungsunfreudig erachteten Vorgänger, Präsident Buchanan und dessen Kabinett die Lage zu stabilisieren. Nichtsdestotrotz gelang es Lincoln bereits im Vorfeld seine Beziehungen und Kontakte zu nutzen und gewissen Einfluss zu nehmen.

 

 


Einer der wichtigsten Streitpunkte dieser Zeit war der Verbleib der beiden Forts Pickens und Sumter. Beide befanden sich auf dem konföderierten Boden und beide Forts wurden von einer zahllosen Übermacht an Milizen und Soldaten der Südstaaten umschlossen. Die grundsätzliche Frage war jedoch, selbst in den Reihen einiger Südstaatler, ob der Austritt, aus der Union und die damit verbundenen Ansprüche, an Land und Gebäuden gerechtfertigt sein könnte. Diese beiden Forts wurden somit zum Symbol einer Grundsatzfrage. Auf der einen Seite die Garnisonstruppen der Union, welche sich, immer noch an ihren Eid gebunden, nicht in der Lage sahen ihr Kommando aufzugeben und zu Kapitulieren. Auf der anderen Seite die Südstaaten, welche das Land und alle Besitztümer für sich beanspruchten, hatte doch ein Großteil der Bevölkerung sowie die Abgeordneten des Kongresses sich mehrheitlich und somit in ihren Augen demokratisch für die Sezession entschieden. Präsident Lincoln selbst bezog klar Stellung während seiner Amtsantrittsrede am 4. März 1961. Im Gedanken, das keine direkte Gefahr bestünde, setzte sich Lincoln dafür ein, dass besagte Forts im Besitz der Union verblieben. Hierbei ging Lincoln davon aus, dass die Forts aus eigener Kraft längere Zeit gegen eventuelle Angriffe der Konföderierten standhalten würden.

Als sich die Lage, besonders in Charleston zunehmend verschlechterte sowie die Stimmung gegen die Union, erwog Lincoln die Aufstellung diverser Expeditionstruppen welche als Entsatz und Verstärkung die Forts sichern sollten. Lediglich die notwendige Vorbereitungszeit, unabhängig von der Größe einer „Hilfsoperation“ stellte für Lincoln eine Herausforderung dar.
Die Südstaaten wiederum nutzen die Zeit um die verbliebenen Forts weiter zu umstellen, Belagerungsringe aufzubauen und ihre Truppen und Geschütze in Stellung zu bringen. Mit jedem Tag wurde eine Verstärkung Fort Sumters unmöglicher und ein Angriff der Konföderierten wahrscheinlicher. Nun wurden Stimmen, selbst aus der eigenen Republikanischen Partei, laut mit Kraft und Entschlossenheit sich dem Süden entgegenzustellen. Von Lincoln wurde eine feste Hand gefordert, eine Eigenschaft, die sein Vorgänger Buchanan nie besaß.
Der Norden und Süden befanden sich in jenen Tagen auf der Spitze der Spannung. Der aufgebaute Druck musste entweichen, einem Vulkan gleich. Der Tanz auf dem Pulverfass hatte begonnen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis eine der beiden Parteien das brennende Streichholz fallen lassen würde und eine Nation in Flammen stehen würde.

Beginn des Krieges

Lincoln fasste den Entschluss, Fort Sumter zu verstärken. Boten wurden nach Charleston ausgesendet und Expeditionstruppen und Schiffe wurden für den Entsatz der Festung in Marsch gesetzt. Nun hieß es warten, bis ein Erfolg der Aktion zu vermelden war. In der gesamten Union machte sich die Meinung breit, dass das Warten und Gegenüberstehen nun endgültig eine Ende hätte. Eine Entscheidung zwischen Washington und dem Süden stand nun bevor. Lincoln hatte die Sache zwar ins Rollen gebracht, das Ergebnis lag nunmehr aber nicht mehr in seinen Händen.
Der Kommandant der Konföderierten Truppen in Charleston, Buearegaurd, sah sich indes mit einer persönlich schwierigen Situation konfrontiert. Anderson, der Kommandant von Fort Sumter, war in Westpoint sein Ausbilder und großer Förderer gewesen. Er sah sich einem Freund gegenüber, den er dennoch bekämpfen musste. Ein Schicksal, das viele Männer des Nordens und des Südens in den kommenden Jahren noch am eigenen Leibe spüren sollten.
Buearegaurd bat in einem Brief Anderson förmlich um dessen Kapitulation, wollte er doch unnötiges Blutvergießen verhindern. Anderson musste zu seinem Bedauern ablehnen und das Bombardement begann.

 

 

 

 

Am 12. April 1861 um 4:30 schlugen die ersten Granaten der Konföderierten in den Festungsmauern von Fort Sumter ein. Der damals als Fanatiker bekannter Sezessionist Edmund Ruffin behauptete, dass er den ersten Schuss auf das Fort, und somit des Krieges abgefeuert hätte. Eine Legende, die so mehr oder weniger unbestätigt in die Geschichte einging. Anderen berichten zufolge war es Leutnant Henry S. Farley, welcher mit zwei seiner Mörserbatterien auf James Island um 4:30 die ersten Schüsse abfeuerte.

Weitere Quellen besagen folgendes: Am 12. April um 4.30 Uhr morgens startete das Bombardement von Fort Sumter durch einen Signalschuss aus einer Kanone unter dem Kommando von Captain George S. James. Roger Pryor wurde die Ehre angetragen, dieses Signal abzufeuern, aber er wollte nicht den ersten Schuss eines Krieges abgeben und so war es Lieutenant Henry S. Farley, der die Reißleine zog und das Signal hoch in den Himmel über Fort Sumter schoss.
In Wahrheit fiel der erste Schuss des amerikanischen Bürgerkrieges jedoch viel, viel früher: Am 9. Januar lief das Schiff Star of the West mit dem fliegenden Sternenbanner den Hafen von Charleston an. Es war ein Ersatzschiff, das für Sumter bestimmt war. Eine Batterie auf Morris Island feuerte zwei Schüsse auf das Schiff ab, der Kanonier war George E. Haynsworth, ein Kadett der 'Citadel', einer Militärausbildungsanstalt nahe Charleston. Die Schüsse verfehlten die Star of the West, aber es waren eindeutig die ersten Schüsse des amerikanischen Bürgerkrieges.

Das Schiff wurde auch von Fort Moultrie unter Beschuss genommen - Anderson auf Sumter konnte sich nicht entscheiden, dem Kriegsschiff der Union Unterstützung zu gewähren und wanderte unschlüssig auf dem Parapet von Fort Sumter hin und her. Die Star of the West drehte um, da sie dem vereinten Feuer nicht standhalten konnte. Sie erhielt zwei Treffer, als sie Morris Island passierte, erreichte jedoch ohne Verluste die hohe See.

Nach zwei Tagen der Abwehr und verzweifeltem Gegenfeuer musste Major Anderson am 14. April, nachdem er jegliche Munition verschossen hatte kapitulieren und Fort Sumter wurde aufgegeben. Es wurde während des Gefechts kein einziger Soldat der Union getötet dennoch fiel ein einzelner Soldat während der Kapitulationszeremonie bei der Fehlzündung einer Kanone versehentlich.
Obwohl das Fort weder besondere militärische noch strategische Bedeutung hatte, wurde es zum Sinnbild des Beginnes des Bürgerkrieges, welcher das Schicksal einer ganzen Nation verändern sollte. Berichten zufolge saßen Bürger von Charleston zu Beginn des Angriffs auf das Fort auf ihren Balkonen und erhoben ihre Gläser zum Toast bei jeder neuen Welle der Kanonen. Es schien als hätte die Nation den Ernst der Lage noch nicht realisiert.

 

Der Auszug aus dem Tagebuch von Mary Boykin Chesnut, Frau des Ex-Senators Chesnut aus South Carolina, lässt allerdings die Aufregung jener Tage in Charleston sehr gut spüren:

 

12th. - Anderson will not capitulate. Yesterday's was the merriest, maddest dinner we have had yet. Men were audaciously wise and witty. We had an unspoken foreboding that it was to be our last pleasant meeting. ... While she was here our peace negotiator or envoy cam in - that is Mr. Chesnut returned. His Interview mit Colonel Anderson had been deeply interesting, but Mr. Chesnut was not inclined to be communicative. He felt for Anderson and had telegraphed to President Davis for instructions - what answer to give Anderson, etc. He was now gone back to Fort Sumter with additional instructions. ...
I do not pretend to go to sleep. How can I? If Anderson does not accept terms at four, the orders are he shall be fired upon. I count four, St. Michael's bells chime out, and I begin to hope. At half past four the heavy booming of a cannon. I sprang out of bed, and on my knees prostrate I prayed as I never prayed before.
There was a sound of stir all over the house, pattering of feet in the corridors. All seemed hurrying one way. I put on my double gown and a shawl and went too. It was to the housetop. The shells were bursting. In the dark I heard a man say, "Waste of ammunition." I knew my husband was rowing a boat somewhere in that dark bay. If Anderson was obstinate, Colonel Chesnut was to order the fort on one side to open fire. Certainly fire had begun. The regular roar of the cannon, there it was. And who could tell what each volley accomplished of death and destruction:
The women were wild there on the housetop. Prayers came from the women und imprecations from the men. And then a shell would light up the scene. Tonight they say the forces are to attempt to land. We watched up there, and everybody wondered that Fort Sumter did not fire a shot....


Übersetzung :
12. April: Andersen wird nicht kapitulieren. Gestern war das fröhlichste, verrückteste Abendessen, das wir bisher hatten. Männer waren ausgesprochen weise und witzig. Wir hatten eine unausgesprochene Vorahnung, dass es unser letztes vergnügliches Beisammensein war. ... Während sie hier war, kam unser Friedens-Unterhändler herein - das heißt, Mr. Chesnut kehrte zurück. Sein Gespräch mit Oberst Anderson war sehr aufschlussreich, aber Mr. Chesnut war nicht sehr mitteilsam. Er hatte Verständnis für Anderson und telegrafierte Präsiden Davis um Anweisungen - welche Antwort er Anderson geben sollte usw. Er war nun nach Fort Sumter mit zusätzlichen Anweisungen zurückgekehrt...
Ich habe nicht vorgegeben zu schlafen. Wie kann ich? Wenn Anderson die Bedingungen nicht bis um 4 Uhr akzeptiert, lauteten die Befehle das Feuer auf ihn zu eröffnen. Ich zähle bis vier, St. Michaels Glocken klingen aus, und ich beginne zu hoffen. Eine halbe Stunde nach 4 Uhr donnert eine Kanone. Ich springe aus dem Bett und sinke auf meine Knie, betend, wie ich noch nie gebetet habe.
Es war ein Geräusch der Unruhe im ganzen Haus, tappende Füße in den Korridoren. Alle schienen es eilig zu haben. Ich legte mein gefüttertes Kleid und einen Schal an und ging auch. Mein Ziel war das Hausdach. Die Granaten explodierten. Im Finstern hörte ich einen Mann sagen: "Munitionsverschwendung." Ich wusste, mein Ehemann ruderte in einem Boot irgendwo in der dunklen Bucht. Mein Ehemann würde hartnäckig dem Fort auf der anderen Seite befehlen, das Feuer zu eröffnen (Anm. d. Übers.: gemeint ist Fort Moultrie). Natürlich hatte das Abfeuern begonnen. Hier war es: das regelmäßige Aufdonnern der Kanonen. Und wer konnte schon sagen, was jede Salve and Tod und Zerstörung anrichtete.
Die Frauen auf dem Hausdach waren aufgeregt. Gebete kamen von den Frauen und Verwünschungen von den Männern. Und dann erleuchtete eine Granate die Szene. Heute Nacht, so sagen sie, werden Streitkräfte versuchen zu landen. Wir beobachten alles von oben und jeder wunderte sich, warum Fort Sumter keinen einzigen Schuss abgab....



Trotz der Kapitulation des Forts wurde Major Anderson erlaubt, mit der Flagge des Forts in den Norden zurückzukehren. Die Flagge von Fort Sumter ist heute noch im Museum des Forts in Charleston zu besichtigen und gilt als wichtiges Symbol des Bürgerkrieges.

Quellen

Quellen:
Steele, Henry Commager; The Blue and the Gray; The Fairfax Press; ISBN: 0-517-383799
Davis, William C., Brother against Brother - The War Begins, Time-Life Books, Alexandria, Va. 1985
http://www.sonofthesouth.net/leefoundat ... sumter.htm (Stand 23.02.210)
http://library.thinkquest.org/3055/grap ... umter.html (Stand 23.02.210)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fort_Sumter (Stand 23.02.210)
http://www.civilwarhome.com/ftsumter.htm (Stand 23.02.210)
http://www.sonofthesouth.net/leefoundation/battle-fort-sumter.htm (Stand 23.02.210)



Autor: Gastronaut / Greifenstein