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Das Thema


Wie aus Berlin die Welthauptstadt des Dritten Reiches werden sollte

Der Begriff der "Welthauptstadt" fiel erstmals wohl in der Wolfschanze, in der Nacht vom 11. auf den 12. März 1942. In einer Zeit der größten Triumpfe der Wehrmacht, kam vor allem Hitler ins Schwärmen und verkündete in einer seiner abendfüllende Monologe seine Visionen von:



"Berlin wird als Welthauptstadt nur mit dem alten Ägypten, Babylon oder Rom vergleichbar sein! Was ist London, was ist Paris dagegen?"

Das neue Berlin sollte 1950 nach dem siegreichen Abschluss aller schon erklärten und noch kommenden Kriege fertig gebaut sein. In aller Pracht sollten die Bauten erstrahlen und in der Gründungsfeier, die wohl nie geahnte Ausmaße an Massen und Propaganda heraufbeschworen hätte, wollte Hitler das Weltreich ausrufen und seiner Hauptstadt den Namen "Germania" verleihen.

Einleitung

Kein Mensch kann der Architektur entfliehen, sie umgibt den urbanen Bewohner immer und überall, sie ist Symbol und Verkörpert Ideologie wie Ansichten ohne Worte. Auch aus diesem Grunde haben die Nationalsozialisten die Architektur und den Städtebau zu ihrem Vehikel der Propaganda gemacht. Dieser Kontext steht unwiderruflich fest und bestimmt die Weltanschauung dieser Ideologie im großen Maße. Selbstdarstellung ist das Wort, welches in diesem Zusammenhang einfällt. Ein Entblößung der Endziele, den eine Welthauptstadt Germania in diesen Ausmaßen ließ keine Fragen zum gewollten Ausgang des Krieges aus deutscher Seite offen - Welthauptstadt ist als Begrifflichkeit erst im Jahr 1969 auf dem Klappentext des Buches Erinnerungen von Albert Speer so aufgetaucht und mit der Wirkung bis heute Synonym für den „Gesamtbauplan für die Reichshauptstadt“ zu sein.
Wir sprechen hier nicht nur von geplanten Bauten des Regimes, sondern auch von den schon entstandenen bzw. realisierten Großprojekten deines Baumeisters Hitlers. Ein Baumeister, der in seinen eigenen Visionen die unüberbrückbare Kluft zwischen Wirklichkeit und der Vision offenbart. Eine Kluft als Merkmal für ein ganzes System. Dabei wurde die Linie und das Vorbild schon früh festgelegt - Rom.
Als Grundquelle für die Planungen, darf man die Aufzeichnungen von Henry Picker (8. Juni 1942) nicht vergessen:
 

 

 

"Wie seinerzeit die Bayern, die Preußen und so weiter von Bismarck immer wieder auf die deutsche Idee hingestoßen wurden, so müsste man die germanischen Völker Kontinentaleuropas ganz planmäßig auf den germanischen Gedanken hinlenken. Er halte es sogar für gut, dieser Arbeit durch Umbenennung der Reichshauptstadt Berlin in "Germania" einen besonders nachhaltigen Auftrieb zu geben. Denn der Name Germania für die Reichshauptstadt in ihrer neuen repräsentativen Form sei geeignet, trotz größter räumlicher Entfernung zwischen jedem Angehörigen des germanischen Rassekerns und dieser Hauptstadt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen!"

 

 

 

Die Hauptstadt des Führers - Endpunkt einer nationalsozialistischen Revolution in der Architektur. Schon in der Phase der Machtergreifung war Berlin ein schwieriges Pflaster für die NSDAP und ihren Führer. So sandte man nicht ohne Grund ihren besten Trommler, Josef Goebbels, als Bauleiter nach Berlin, um das Pflaster für das braune Lager befahrbar zu machen. Diese Stadt war es, die im März 1933, in den letzten Reichstagswahlen nur 35% der Stimmen für die NSDAP und zwar nachdem Hitler Reichskanzler war - "Dieser Stadt werden wir umbauen" - damit war nicht nur der politische Wille und das Streben nach einem braunen Berlin gemeint, sondern auch die symbolische Herrschaft in der größten Stadt Deutschlands.
Berlin war undeutsch im Sinne der Nationalsozialisten: Eine Weltstadt, internationale Metropole, Treff der Freidenker, Hochburg der Kommunisten und Stadt der Juden. Dies alles missfiel den Nazis, vor allem auch, dass Sie die wohl amerikanischste Stadt in Europa war.
Hitler entdeckte durch Prof. Trost seinen Weg zur Architektur, nicht erst seit Speer. Trost baute für ihn in München das Haus der deutschen Kunst in München. Dabei war man dicht an der Moderne, eine Mischung zwischen Abstraktion und Klassik - Asketik und Vereinfachung als Grundlinie.
Säulen, hohe Decken und die Vereinfachung der Klassik sollte ein zeitlosen Stil für die Partei und Deutschland prägen. Führende Architekten flohen aus Deutschland, nicht weil sie sich politisch verfolgt führten und/oder mit dem System nicht einverstanden waren, sondern weil sie keine staatlichen Aufträge mehr bekamen. Mehrere, unterschiedliche Stile waren nicht mehr erwünscht und nur Architekten aus dem politischen Kreis der Partei bekamen Aufträge. Einer der Flüchtlinge war Mies van der Rohe, der mehr beleidigt war als unzufrieden mit dem System, dass er nicht mehr konnte bzw. durfte. Dabei gab es natürlich immer mal wieder Ausnahmen, doch diese Personen waren quasi Liebling des Führers und standen auf seiner architektonischen Linie.
Die sogenannten Regimearchitekten fanden sich immer wieder an der Tafel des Führers. Das Luftfahrtsministerium gehört zu den ersten großen Bauten des Führers in Berlin und sollte den Anfang eines neuen Berlins bilden. Dabei waren die genehmen Architekten der Führerlinie in einer außerordentlichen Position, Sie konnten in einer derartigen Fülle frei walten und schalten, wie Sie in keinem anderen Staatsmodell danach möglich war. Ihnen wurden Ressourcen und bürokratische Freiheiten geboten, denen nur wenige Architekten widerstehen konnten.

 


(Modellnachbauten für die Ausstellung "Mythos Germania - Schatten und Spuren der Reichshauptstadt")

 

Die Olympiade 1936 war dabei erstes Spielfeld der Architekten, wobei sich Albert Speer besonders hervortat, denn er meisterte den Spagat zwischen einem eigenem Stil und dem Eingehen auf die Wünsche des Führers. Wollte seine Vorgänge beim Bau des Olympiastadions noch die Zwischenwände verglasen lassen, was Hitler vehement ablehnte, konnte Speer ihn sofort mit einem Gegenentwurf von seinen Qualitäten überzeugen. Dabei ist es dieses Station, was für die neuen Leitarchitektur steht wie kein anderes Gebäude in Berlin. Den Stil haben nicht die Nazis erfunden, denn der Entwurf des Stadions stammt schon aus den 1920er Jahren. Die Wirkung und die Ziele der Planung stimmten mit denen der Partei überein und so übernahm man den Plan - wie schon vieles andere auch bei den Inhalten des Nationalsozialismus.
Der geflügelte Ausspruch jener Tage lautete - "niemand kann der Architektur entfliehen" - genau wie den Plänen des Führers. So war der vorbestimmte Weg für die Architektur des Dritten Reichs, nach München und Nürnberg, ganz natürlich Berlin - die Hauptstadt. Für Trost, als Leibarchitekten des Führers, kam schon bald Speer, dem diese Rollen passte wie ein maßgeschneiderter Anzug. Er sollte zu Hitlers Lebzeiten und auch nach seinem Tod, die Architektur im Sinne des Führers in der Hand halten.
Das Zeppelinfeld in Nürnberg, mit Platz für 250 000 Menschen und genügend Platz für gigantische Aufmärsche der Partei, wie auch Präsentationen für den Führer, war der erste Akt des Leibarchitekten und ebene ihm den Weg. Die folgende Plätze und Hallen in Nürnberg sind auch nur eine Einleitung in die Parteistadt. Berlin ist das große Projekt für Hitler und damit automatisch auch für seinen Leibarchitekten - die Stadtplaner Berlins aus der Stadtverwaltung wird erst gar nicht gefragt.

 


(Germania
Sie trägt oft Teile des Reichsschatzes bei sich,
hauptsächlich das Reichsschwert und die Reichskrone (meist schützend über das letztere).
Je nachdem, wie kriegerisch sie dargestellt wird, hat sie einen Brustpanzer, Helm oder einen Schild bei sich,
aber auch einfach nur einen Eichenlaubkranz. Oft trägt sie die Schwarz-Rot-Goldene Flagge
später auch eine Schwarz-Weiß-Rote Flagge.)

 

Germania, die nationale Personifikation Deutschlands im Sinne Germaniens, welche bereits im Römischen Reich Anwendung fand, wird immer als Frau dargestellt. Ganz nach Situation und politischer Lage des Deutschen Reiches, wird Sie mal mehr und mal weniger kriegerisch dargestellt. Für Hitler war die Germania bedeutsam, weil Sie deutliche Züge einer Walküre trägt. Auch deshalb ist die Germania als Namensgeberin für die neue Reichs- und Welthauptstadt vorgeseshen. Der deutsche Nationalismus hat sich dabei immer Germania als Symbolfigur ausgewählt und da war Hitler bzw. seine Pläne für Deutschland keine Ausnahme.

 

"Wenn man die Größenverhältnisse der antiken Staatsbauten mit den gleichzeitigen Wohnhäusern vergleicht, so wird man erst die überragende Wucht und Gewalt dieser Betonung des Grundsatzes, den Werken der Öffentlichkeit die erste Stellung zuzuweisen, verstehen."
(Adolf Hitler, Mein Kampf, 1942, S. 296)

 


 
"Neue Reichskanzlei"
"Erstes Verwaltungsgebäude des Dritten Reiches"
 
Ost:
Voßstraße
Baubeginn:
April 1938 (Abbrucharbeiten ab Mai 1937)
Richtfest:
02. 08.1938
Fläche:
16.000 m2
Volumen:
360.000 ccm3
Aufwand:
4.500 Arbeiter (zwei Tagesschichten)

 

Wir sprechen hier und in den folgenden Absätzen von Monumental- und Kolossalarchitektur als obersten Leitsatz eine steingewordenen Weltanschauung. Mit dieser baulichen Verwirklichungen eines gescheiterten Künstlers, dessen architektonischen Versuche in seinen frühen Versuchen als übertrieben und kalt kritisiert bzw. abgelehnt wurden, sollte ganze Heerscharen von Arbeitern beschäftigt sein. Für eines neues Germania sollte ein altes Berlin abgerissen werden. Ein Mann trug diese Pläne mit, unterstützte sie und war an dessen teilweise Wahrwerdung maßgebend beteiligt - Albert Speer. Der Generalbauinspektor für die Neugestaltung der Reichshauptstadt (GBI), ließ sich dabei vom Führer lenken, doch überzeugen konnte er seinen Leibarchitekten nicht.

 



"Seine Leidenschaft für die Bauten der Ewigkeit ließ ihn völlig desinteressiert an Verkehrsstrukturen, Wohngebieten und Grundflächen: die soziale Dimension war ihm gleichgültig."
(Albert Speer, Erinnerungen, 1969, S. 93)

 

Der Titel „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ ist dabei typisch für die Bürokratie des System einer Ämterinflation ohnesgleichen, der in diesem Falle gleichnamige Behörde unterstellt wurde, durch welche Speer von 1937 bis 1943 den Umbau von Berlin lenkte, organisierte und antrieb. Dafür ließ Hitler das Haus der Akademie der Künste am Pariser Platz Nr. 4, das bis dahin zum Amtsbereich des Erziehungsministers gehört hatte. Ein Haus, dass sich den preußischen schlichten Klassizismus bewahrt hatte, musste nun dafür herhalten, das neue überdimensionierte Gesamtkunstwerk Deutschland zu entwerfen. Die Ironie in der Wahl war ungewollt, denn wichtig war die Lage des Gebäudes, dass nur von den Ministergärten getrennt, eine kurzen und unauffälligen Weg für den Führer ausmachte. Täglich, kam Hitler durch diesen Weg in Speer Arbeitszimmer, stundenlang diskutierte und plante er mit seinem Architekten das neue Berlin. Dazu war gleich nebenan der Amtssitz Fritz Todts, des Generalinspektors für das Straßenwesen, welche die Adern des neuen Reichs sein sollten. Eine zielgerichtete Infrastruktur, nach dem Motto alle Wege führen nach Rom, gepaart mit den unsterblichen Monumenten einer ewigen Stadt im Herzen des Reiches.
In Hitlers Autobiographie mein Kampf und in den stundenlangen Monologen vor willigen Zuhörern, hat der Führer immer wieder betont, wie früh er schon großes vor hatte mit Berlin. In den Wiener Jahren sollen erste Entwürfe von einem imperialen Berlin von ihm erdacht worden sein. Gesichert ist, dass auf den Zeichenblättern und Skizzen Adolf Hitlers in den 20er Jahren, riesige Präsentationsbauten wiederfanden, die er mit großer Lust in vielen Perspektiven zeichnete. Greifbar sind dazu die Hinterlassenschaften aus seinem Haftaufenthalt in Landsberg. Das Skizzenbuch aus jenen Tagen belegt, dass Hitler zwar in einer Zelle saß, doch in der Phantasie ganz woanders war: "Aber in der Phantasie lebte ich in Palästen."(Mein Kampf) Die große Halle und enorme Aufmarschplätze, nahmen dabei den größten Raum ein:

 

"Diese Zeichnungen machte ich vor 10 Jahren. Ich habe sie immer aufgehoben, da ich nie daran zweifelte, dass ich sie eines Tages bauen werde. Und so wollen wir sie nun auch durchführen"
(Hitler Notiz auf einer Briefkarte an Speer, mit Zeichnungen des Führers versehen)

 

"Er spricht von dem zukünftigen Architekturbild des Landes und ist ganz Baumeister. Dahinein malt er das Bild einer neuen deutschen Verfassung: Und ist ganz Staatskünstler"
(Joseph Goebbels über die besondere Vorliebe des Führers zur Architektur - Joseph Goebbels, Fragmente (1926), Bd. I, S. 197)

 


(Hitler und Speer bei einer Vorstellung des Modells zu Germania, anwesend sind führende Parteigrößen aus den Ministerien)

"Wir könnten uns kein Drittes Reich vorstellen, das nur Warenhäuser besitzt und Fabrikgebäude [...] nur Wolkenkratzer und Hotels, sondern wir bekennen freimütig, dass dieses Dritte Reich der Kunst und Kultur wird aufweisen müssen, die Jahrtausende überdauern [...] Wir sehen die antiken Städte vor uns, die Akropolis, den Pantheon, das Colosseum, sehen die Städte des Mittelalters mit ihren riesenhaften Domen und [...] wissen, dass die Menschen einen solchen Mittelpunkt brauchen, wenn sie nicht zerfallen sollen."
(Hitler auf einer Rede auf der NSDAP Versammlung in München 1929 - Adolf Hitler, Reden/Schriften/Anordnungen, München 1994, S. 192)



Hitler sieht die Kunst und vor allem die Architektur, aus einem tieferen politischen-psychologischen Blickwinkel. Umgestaltung der Bauwerke hieß für ihn auch Umgestaltung des Fühlens und Denkens der Menschen, welches für die Etablierung einer Staatsidee unabkömmlich erschien. So sollte es dann auch geschehen, und die wildesten wie ausufernsten Visionen wurden tatsächlich in einen Entwurf gebracht. Testbauten wurden errichtet, Beton erprobt, Gelände vermessen und abgesteckt. Die Reichskanzlei war nur der Anfang einer beispiellosen Planungsorgie, die Architekten je im Auftrage eines Staatsoberhaupt inszenieren durften. Dabei wollte Speer aus den Riesenbauwerken seines Auftragsgeber eine zeitgerechte städtebauliche Lösung formen. Einen Plan, den er vorbei an jeden Behördenapparat durchzuführen gedachte, ausgestattet mit Sondervollmachten des Führers. Es sollten neben der Neugestaltung der repräsentativen Quartiere, auch Wohngebiete, Geschäftsviertel und Verkehrsnetze neu geordnet bzw. von Grund auf verändert werden. Die Ansätze Speers waren revolutionär und durchaus praktikabel, hätte er nicht einen wankelmütigen, egozentrischen und vor allem unbelehrbaren Auftraggeber im Rücken. Alles musste größer, breiter und höher sein als irgendwo anders auf der Welt - egal um welchen Preis. Die Praxis wich der Repräsentation, die Nützlichkeit einer ausufernden Behördenlandschaft, dazwischen sollte dann der Mensch leben und das Notwendige Übel einer urbanen Welt Platz finden. Germania war ein Raster der Ideologie, ein Muster übergroßer Phantasien, dass wohl wahrscheinlich in aller Munde gewesen wäre, aber von niemanden bewohnt.

Planung

Planung
 


(Gesamtplan Germania im Modell)

 

Hitlers Visionen waren immer schon sehr präzise und er verhehlte nie seine Einstellungen wie seine Pläne. Wie die politischen und die militärischen, so sind auch die architektonischen Pläne lange vor 1933 im Grundriss fertig. Seine Pläne sollen dabei schnellst möglich umgesetzt werden und besser früher als später Wirklichkeit werden. Jene Entwürfe, die in Hitlers Augen besonders dringlich waren, sind bis 1939 auf dem Reizbrett . Viele Entwürfe und Planungen für weitereichende Bauprojekte wurden gleich nach seine Kanzlerschaft auf Kiel gelegt. Im Jahre 1937 begann in Folge dessen eine hysterische Bautätigkeit, die Ausdruck einer euphorischen Selbstgewissheit waren und die Prägung vom Tausendjährigen Reich wörtlich nehmen sollten. Man plante dabei nicht nur in Jahren und Jahrzenten, sondern für die Ewigkeit. Schon im Jahre 1950 sollte alles fertig sein und unwiderruflich Berlin in Germania umgestaltet sein. So weit fertig, dass die kommenden Generationen nichts weiter hätten tun könne, als Laternenpfähle zu versetzen. Eine gigantische Maschinerie sollten in Jahren 1933 - 1939 zum Laufen gebracht werden (Angefacht durch die Olympischen Spiele 1936 in Berlin und Unterbrochen durch den Kriegsbeginn bzw. Ressourcenabzweigung in die Rüstungsindustrie). Als legislative Grundlage des Ganzen, fungierte der sogenannte "Neugestaltungserlass" von 1937, der den Umbau von mehr als 50 deutschen Städten vorsah und der Bauwirtschaft ungeahnte Wachstumsraten bescherte. Ein Metropolisgebilde mit Germania an der Spitze und versehen mit dem Hakenkreuz, sollte Dritte Reich im Kern ausmachen.

 

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Der SS-Konzern "Deutsche Erd- und Steinwerke", spielte dabei ein wichtige Rolle, war er doch Branchenführer und als einer der bauführenden Unternehmen in den großen Projekten fest mit eingeplant. Ein Konzern, der unter anderem auch für die KZ Planungen herangezogen wurde und der für einige realisierte Bauten Speers für das neue Berlin, viele Zwangsarbeiter schuften und Sterben ließ.
Die gesamte Planung wurde aber nicht einfach ohne Proben und Versuche umgesetzt. Auf vielen Großveranstaltungen konnten Architekten und Propagandaleute, die Wirkung solche Großanlagen bereits ausprobieren. So steht die Feier zum 1. Mai 1933 im direkten Zusammenhang mit den Entwürfen für Germania. Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, einem Gelände von 400 000 Quadratmetern, sollte eine Veranstaltung vollzogen werden, die ohne weiteres auch auf die großen Prachtstraßen und Veranstaltungsplätzen Germania so stattfinden sollten. Dabei fanden terrassenförmige Tribünen, gesäumt von Tausend Fahnen und Banner ihren Platz. Sie standen als Kulisse für den Aufmarsch von endlosen Kolonnen der Parteiarmeen - zivil und uniformiert. Die Fahnen hatten die Dimensionen von 32 Metern in der Höhe und 6 Metern in der Breite. Die Fahren waren eher riesige Segel, die nach genauem Schema beleuchtet wurden. Alles um den Führer ins rechte Licht und den Mittelpunkt zu rücken - "eine Architektur zur Bekämpfung nationaler Minderwertigkeitskomplexe".
 


Der Runde Platz

 


 
Der Runde Platz
zwischen Kuppelhalle und Südbahnhof
 
Durchmesser:
210 Meter
 
Aniegende Gebäude
 
"Haus des Deutschen Fremdenverkehrs" (Grundsteinlegung 14. Juni 1938)
Verwaltungsgebäude der Allianz-Versicherungs-AG
Kasinogebäude des Heeres
Ufa-Lichtbildtheater und Kameradschaftshaus der deutschen Künstler
Thüringenhaus

 

Geplant ist ein Achsenkreuz, Schnittpunkt ist der Spreebogen mit dem Reichstag. Die Nord-Süd Achse soll dabei Prachtstraße und Kulturkammer des Reiches werden, wobei die Ost-West Achse die kilometerlanger Aufmärsche und Paraden des Dritten Reichs bewältigen soll. Am wesentlichen Ende der Achsen ist eine Universitätsstadt geplant, mit einer wehrtechnischen Fakultät im Grunewald. Es muss alle anderen Hauptstädte der Welt übertreffen. Bei der Olympiade 1936 bekommen die kundigen Besucher bereist einen Vorgeschmack, den künftige Knotenpunkte und Verkehrsläufe sind bereist besonders ausgeschmückt und bevorzugt bei den olympischen Projektarbeiten. Die verschiedenen, besonders geschmückten Plätze und Gebäude gehören zum fertigen Germania, denn obwohl es nur sehr wenige waren, fielen sie durch die besonders reiche Beflaggung auf und bildeten vor allem von oben quasi Wegpunkte zum neuen Berlin.
Man träumt, Hitler und Speer zusammen, er diktiert und beschreibt in stundenlangen Monologen, der andere projektiert mit Zirkel und Stift die Pläne seines Führers.

 

 

 


 
Knotenpunkte
 
Halle des Volkes im Spreebogen
Der runde Platz im Tiergarten
Der Südbahnhof

 

 

 

Der Südbahnhof, mit seinen vier Verkehrsebenen, will man den Knotenpunkt für den gesamten Reiseverkehr in Europa schaffen, aber vor allem die Grand Central Station in New York übertrumpfen. Dabei ist dieser Knotenpunkt mit Absicht und in großplanerischer Hinsicht optimal gelegen, denn kommt man aus dem Bahnhof über die enorme Freitreppe auf die Nord-Süd Achse, dann offenbart sich ein überwältigende Anblick für die Besucher. Man hätte von dort einen unglaublichen Blick durch die 80 Meter hohe Öffnung des Triumphbogens (des großen Bogens), auf die enorme Kuppel der Halle des Volkes. Mit einem schweifenden Blick über die schnurgrade Prachtstraße erhascht der staunende Besucher die ganze Pracht der Stadt und vor allem die riesigen Dimensionen. Ob er dabei auf eine leere Straße geblickt hätte, oder auf Menschenmengen, die nirgendwo anders auf der Welt an einem Ort hätten zusammenkommen können, ist fraglich. Wahrscheinlich würde es aber nur so vor Touristen wimmeln, den Germania sollte Mittelpunkt sein und schon allein die Zentralisierung der Bürokratie hätte die Straßen mit den vielen Angestellten gefüllt. Ein besonders guten Einblick in das Germania einer alternativen Zukunft gibt dabei der Roman: "Fürs Vaterland". Hier kann der Leser Berlin mit den Augen eines Berliner Kripoangestellten durchwandern, der das neue Berlin als seine Heimat ansieht.
Der Berliner oder besser Germaniaer, kann von der Treppe des Südbahnhofs ganze 5 Kilometer weit die Prachtstraße überblicken und natürlich auch entlanglaufen. Er durchwandert dabei die Superlativen der Architektur jener Jahre, wobei über die mögliche Fertigstellung bzw. Machbarkeit bis heute gestritten wird.

 


(Präsentation vor Parteigrößen - im Mittelpunkt der Triumpfbogen)

 

Die große Halle und der große Bogen existierten schon früh als Skizzen, von Hitler selbst angefertigt. Er selbst wollte, dass diese Bauten noch zu seinen Lebzeiten fertigstellt werden und setze dabei seinen Leibarchitekten unter erheblichen Zugzwang, denn schon der Abriss und die Grundsteinlegung würde Jahre in Anspruch nehmen - ohne die Kriegsanstrengungen zu berücksichtigen. Beide Großprojekte sollte quasi den Weg fürs Dritte Reich bereiten und "als Weihe für die Nachfolger der Führers fungieren".
Bei den beiden Achsen haben sich die Nazis aber ebenso bereits vorliegender Konzepte und Pläne bedient, wie schon beim Olympiastadion, denn auch für dieses Konzept lagen Pläne seit 1917 in den Schubläden Berliner Stadtplaner. Dabei waren diese Pläne nicht unbedingt bescheidener als die der Nazis, doch wären die Dimensionen wohl noch durch weitere Planungsphasen reduziert worden.
Speer fungierte bei der Planung Germanias aber nicht nur als verlängerter Arm Hitlers, sondern vor allem auch als selbstständiger Denker, der seine Vorstellungen mit einbrachte.

 


(Teil 3 / Teil 4)

 

Um den Verlauf kurz zu beschreiben und in die Karten Berlins einzuordnen, muss man sich die 50 Kilometer lange Ost-West-Achse vorstellen. Sie sollte von Wustermark über die Heerstraße, Adolf-Hitler-Platz (ehemals Reichskanzlerplatz, heute Theodor-Heuss-Platz), Kaiserdamm, Knie (heute Ernst-Reuter-Platz) mit der Technischen Hochschule Charlottenburg (heute Technische Universität Berlin) entlang der Charlottenburger Chaussee (heute Straße des 17. Juni) über den Großen Stern, das Brandenburger Tor und Unter den Linden über Frankfurter Tor und Frankfurter Allee verlaufen. Die Museumsinsel sollte dabei einen ganz eigenen Platz in Germania haben. Die Ost-West-Achse sollte hier ein eigenes museales Zentrum bekommen, hier sollten weitere Museumsbauten angebaut werden. Am Kupfergraben waren ein Weltkriegsmuseum und ein Rassekundemuseum nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis vorgesehen. Fertiggestellt wurden diese natürlich nie, doch wurden Teile der Ost-West-Achse (7 Kilometer) fertigstellt (eröffnet 1935 und 1939) und zu den Geburtstagen des Führers feierlich eingeweiht. Bis heute kann man die Spuren dieses Umbau noch deutlich sehen, obwohl Sie nur noch wenige ortskundige wie historisch belesene Besucher es erkennen, denn die Siegessäule wurde extra vom Königsplatz vor dem Reichstag auf den Großen Stern versetzt. Auch die Beleuchtungen dieses ersten Teilstücks der Achse musste erst entworfen werden und kann heute teilweise links und rechts der Straße zwischen Theodor-Heuss-Platz und S-Bahnhof Tiergarten noch besichtigt werden. Eine Straße im Zentrum war die Devise und die Presse stimmte mit der Bezeichnung „Via Triumphalis“ ein.
Die geplante Prachtstraße bzw. das Kernstück der 40 Kilometer langen Nord-Süd-Achse, sollte von einem neuen Nordbahnhof im Norden Moabits bis zu einem ebenfalls neuen Südbahnhof an der Stelle des heutigen Bahnhofs Südkreuz in Tempelhof reichen. Geplant war ein 1200 × 400 Meter großes Wasserbecken, in dem sich die Große Halle im Wasser widerspiegeln sollte. Der optische Effekt sollte das enorme Bauwerk noch vergrößern. Der Südbahnhof war in der Planung am weitesten fortgeschritten und die geplanten 20 Parallelgleisen (plus zwei weitere Gleise für die Einbindung der Breitspurbahn, eines anderen Lieblingsprojekts Hitlers), hätten bis Ende der 40er Jahren fertiggestellt werden sollen.

 


 
Ost West Achse
 
Anbindung des Straßenzuges im Westen an die Reichsautobahn
Abschnitt zwischen Spandau und Adolf-Hitler-Platz
(Heerstraßengebiet mit Hochschulstadt)

Abschnitt zwischen Adolf-Hitler-Platz und Brandenburger Tor
Abschnitt 'Unter den Linden'
Ostdurchbruch zwischen Lustgarten und östlicher Stadtgrenze
Anbindung des Straßenzuges im Osten an die Reichsautobahn.
Fahrbreite je Damm:
14,5 m
Haltespur:
2,5m



Der Triumphbogen (in Form eines Tetrapylons) sollte 117 Meter hoch und 170 Meter breit werden. Er sollte einmaliges Denkmal für den Ersten Weltkrieg werden und alle gefallenen deutschen Soldaten dieses Krieges dort aufgeprägt sein. Das Denkmal wird durch die sogenannte „Beutewaffenallee“, als Vorplatz des Südbahnhofs, einen triumphalen Abschluss bekommen, der den endgültigen Sieg des deutschen Volkes widerspiegeln soll. Bis zur Großen Halle finden sich an beiden Seiten alle wichtigen Reichs- und Parteibehörden sowie Firmenzentralen und kulturelle Einrichtungen.
Wie auch auf der Ost-West Achse, sollten wichtige Statuen und Denkmäler umgesetzt werden. So sollten die Figuren der wilhelminischen Zeit (Siegesallee des II. Reiches), deren Figuren dafür 1938 abgeräumt wurden, in der Großen Sternallee im Tiergarten neu aufgestellt werden. Die „Siegesallee des III. Reiches“ sollte das Ergebnis der Umgestaltung werden, eine Straße, die alle Reiche davor in sich vereint, übertrifft und fortführt. Genau in der Mitte beider Siegesalleen, die eine fertiggestellt, die andere in Planung und teilweise sichtbar, ließ die Rote Armee 1945 ein Ehrenmal errichten, dass die Niederlage und das Ende des III. Reiches auch baulich unterstreicht.


Die Große Halle

Die Große Halle

Der Spreebogen sollte das neue Zentrum Berlin werden und andere, alte Teile Berlins ins Abseits schieben. So sollte der Reichstag und seine Geschichte einfach in den Schatten eines größeren, mehr repräsentativen Gebäudes gestellt werden - Die Große Halle. Um dieses Gebäude ranken sich die meisten Mythen und auch Pläne. Hitler selbst skizierte in frühen Jahren bereits erste Entwürfe für das Gebäude. Als wichtigstes Gebäude der Germania-Planungen, sollte die Große Halle mit 315 × 315 Metern Grundfläche und 320 Metern Höhe nicht nur das größte Kuppelgebäude der Welt werden, sondern alles im Berliner Zentrum überragen.
Ursprünglich geplant als Ruhmeshalle oder Halle des Volkes, wurde es zum Prestigeobjekt schlechthin, von Hitler und Speer persönlich ausgearbeitet und immer wieder umgeändert. Dabei sollte Sie das Zentrum einer neuen Weltordnung unter Adolf Hitler die Welthauptstadt dominieren. Der Innenraum der Halle war als ‚Kultraum‘ und Kongresshalle gedacht und sollte zwischen 150.000 und 180.000 Besuchern Platz bieten. Darin sollten verschiedenste Veranstaltungen stattfinden.
 


(Innenraum der Großen Halle)

 

„Um eine Kreisfläche von hundertvierzig Metern Durchmesser stiegen in drei Rängen Tribünen zu einer Höhe von dreißig Metern an, die sich kreisförmig um die Innenfläche erhoben. Ein Kranz von hundert rechteckigen Pfeilern aus Marmor, die mit vierundzwanzig Metern Höhe fast noch menschliches Maß besaßen, wurde dem Eingang gegenüber durch eine fünfzig Meter hohe und achtundzwanzig Meter breite Nische unterbrochen, deren Grund mit Goldmosaik ausgekleidet werden sollte. Vor ihr stand als einziger bildlicher Schmuck auf einem marmornen Sockel von vierzehn Metern Höhe ein vergoldeter Reichsadler mit dem eichenlaubumkränzten Hakenkreuz in den Fängen. Unter diesem Schrein befand sich das Rednerpult des ‚Führers‘, aber dieses verschwand geradezu im gigantischen Raum. […] Ich versuchte diesen Platz architektonisch hervorzuheben, aber hier zeigte sich der Nachteil der maßlos gewordenen Architektur. Hitler verschwand in ihr zu einem optischen Nichts.“
H. Weihsmann, Bauen unterm Hakenkreuz. Architektur des Untergangs, 1998, S. 278.

 


Große Halle mit Vorplatz und großer Treppe - Rechts im Hintergrund die Spree

 

Mitten im alten Regierungsviertel sollte sie das Dritte Reich darstellen und dabei die alten Ordnung verdrängen. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch zwei architektonischer Tricks, einmal war die Halle von Wasser umgeben und verstärkte somit als alleinstehendes Gebäude noch die Wirkung der Wichtigkeit und zum Zweiten wurden durch die Spiegelungen der Halle ein Eindruck von enormer Größe und Fabelwerk verstärkt. Es gab also nur einen Weg zur Halle und der mündete in einen Platz, der einer Millionen Menschen Raum bieten und als Veranstaltungsstätte für die Maifeiern, für nationale Gedenktage und künftige Siegesfeste dienen.
Speer hatte dabei die Pläne Hitler schon weitestgehend überarbeitet und kam bei seinen Entwürfen von einer Art Neuauflage des Pantheons in Rom ab, und machte aus dem flach gebogenen Dach und hohen Kubus, ein Gebäude, was durch vier Ecktürme gehalten, von einer übergroßen Kuppel überspannt und durch zwei fünfzehn Meter hohen Skulpturen, die den Trägern des Himmels und des Erdballs widerspiegeln sollten. Er arbeitete in diesem Fall wortwörtlich in Hitler Namen und ließ seine Entwürfe unter dem Namen Hitler laufen, obwohl dieser immer wieder anwies, dass Speer seinen Namen daruntersetzen sollte.
Die Baukosten sollten rund eine Milliarde Reichsmark betragen, obwohl weder die Möglichkeit der praktischen Umsetzung hinreichend geprüft wurde, noch man die Baukosten auch nur grob einschätzen konnte. Hitler wollte den Bau vorwiegend aus Einnahmen touristischer Eintrittsgelder refinanzieren. Das ganze Projekt war dabei nur eins von vielen in diesem Teil Berlins:

 


(Die Soldatenhalle)

 

 


 
Die Soldatenhalle
Krypta für verstorbene Feldmarschalle,
durch mächtige Feuerschalen erleuchtet und
zigmal größer als die Neue Wache von Schinkel
Der Führerpalast
Festungsartige Neubau,
dem Palazzo Pitti in Florenz nachempfunden,
mit Säulenreihen in der Front und auf den Paradeplatz ausgerichtet.
Das Bauwerk T
Triumphbogen mit allen gefallenen deutschen Soldaten
des Ersten Weltkrieges und fünfzigmal größer als der Arc de Triomphe
Die neuen Bahnhöfe
Als Ersatz für die Kopfbahnhöfe geplant,
sollten Sie das Berliner Verkehrschaos beseitigen,
wobei Sie Gleisanlage von mehr als einer Million Quadratkilometer einsparen und alle Bahnanschlüsse in zwei gewaltigen Bauwerken vereinen sollten.

 

Die Fertigstellung der Halle war, wie auch der Rest der Prestigeobjekte im neuen Germania, für das Jahr 1950 vorgesehen. Der Abriss der alten Viertel und die Umleitung der Spree wurden 1939–1941 bereits begonnen. Speer schaffte es während der Planungsphasen, Hitler von seinen Nachahmungen bereits existierende, bzw. historischer bekannter Gebäude, abzukommen. So sind die ersten Entwürfe mit Befreiungshalle bei Kelheim, dem Pantheon in Rom und anderen Renaissance Stillen beeinfluss bzw. architektonisch überhöht worden. Beide waren Sie einig über die Bausubstanz, Granit und Marmor, weil dieses Material ewig Bestand haben sollte.

 


(Blick von der Kuppel der Großen Halle auf die umgebenen Neubauten)

 


 
Fundament:
315 × 315 Meter
Innenraum:
38.000 m²
Unterbau:
74 Meter hoch
Kuppel:
98 Meter über dem Erdboden
Grunddurchmesser von 250 Metern
Scheitelpunkt:
290 Meter hoch
46 Meter weite Lichtöffnung
(So hoch geworden wie die Kugel des heutigen Fernsehturms am Alexanderplatz)
Spitze:
320 Meter Höhe /
Riesiger Adler umfasst
(Bis 1939 Lorbeerkranz eingefasstes Hakenkreuz
Nach 1939 die Weltkugel)
17-fachen Volumen des Petersdoms in Rom
Der Eingangsbereich:
34 Säulen
Höhe 30 Meter
Durchmesser 3 Meter
Süden:
Adolf-Hitler-Platz
Nordwest:
Wasserbecken 1200 × 400 Meter
(15-mal größere Wasserfläche als der
Lincoln Memorial Reflecting Pool.)

 

Ob die Ähnlichkeit mit dem Kapitol in der US-Hauptstadt Washington, dem Wasserbecken und der Konzentration in einem Viertel so von Speer geplant war, kann man heute nicht mehr sagen. Fakt ist, die Dimensionen hätten alles überragt und wären wohl eher groteske Betonriesen gewesen, die wie Wuchungen aus dem eher niedrigen Berlin herausgeragt hätten. Inwiefern dieser Effekt dann gewollt wäre, kann man auch nur spekulieren. Die einschüchternde Wirkung hätte man allerdings nicht verfehlt, wobei sich wohl viel Spott in die Ehrfurcht gemischt hätte, denn wirklich praktikabel war keines dieser Gebäude. Dies trifft vor allem für die Große Halle zu, bei der Speer bereits früh äußerte, dass der Atem der 180.000 Menschen kondensieren und als Wassertropfen zurückfallen könne, was einem leichten Regen im Gebäude gleichgekommen wäre. Die Große Halle hätte also ihr eigenes Klima gehabt. Ein Problem, dass aus den großen Kuppelbauten dieser Welt bereits bekannt war und hier wohl mehr als unangenehm in den Großveranstaltungen zur Geltung gekommen wäre.

 

„Die große Halle soll so werden, dass die Peterskirche mit dem Platz davor darin verschwinden kann. Wir nehmen als Baustein Granit. Selbst die ältesten Findlinge aus Urgestein in der norddeutschen Ebene zeigen kaum einen Anflug von Verwitterung. Diese Bauten werden, wenn inzwischen nicht wieder das Meer die norddeutsche Ebene überspült, unverändert noch in zehntausend Jahren stehen! […]“
Adolf Hitler in seinen Monologen



Heute befinden sich an jener Stelle, an der die Große Halle entstehen sollte, das Bundeskanzleramt und der Spreebogenpark. Ganz in der Nähe hat man Hitlers Flächentraum einer neuen Welthauptstadt genutzt, um ein Denkmal für sein größtes Verbrechen zu errichten - den Morden an Millionen Juden.


Berlin/Germania

Ein neues Berlin
Von der Reichshauptstadt zur Welthauptstadt

Das große Problem war die Neuordnung einer Stadt, die zwei Hauptachsen sollten dabei die Stadt in 4 Teile aufgliedern. Ein System aus Ring- und Radialstraßen sollten Berlin dann vor dem Verkehrskollaps bewahren. Dabei war das Germania aus den Reportagen nur der repräsentative Mittelpunkt der neuen Stadt, geplant wurde noch viel weiter und umfangreicher. Gleich hinter den Repräsentationsbauten sollten, bei allmählich fallender Gebäudehöhe, ausgedehnte Geschäftsbezirke entstehen, die nach und nach in niedrige Wohngebiete übergehen sollte. Ein Musterstadt von Reizbrett also, bei der wie im politischen System alles von oben geplant wurde. Am äußeren Rand sollten Villenviertel die Stadt auslaufen lassen. Hitler selbst vernachlässigte alle Planungen außerhalb seiner Prachtstraße und Paradestrecke, dies war sein Spielzeug, an dem er nur zu gerne zu Zuhöreren über ein neues Berlin philosophierte. Was außerhalb die Welt geplant wurde, sollte von den Architekten in Speers im größere werdenden Stab geregelt werden. Im Grunde also zwei Pläne, die nebeneinander herliefen, denn projektier war die Stadt auf 10 000 000 Einwohner, welche ja zwar das Zentrum besuchten, aber dort nie wohnen würden, weil es hier nur öffentliche Gebäude ohne Wohnraum geplant waren.
 

 



Speer bediente sich dabei durch Autobahnringen geschaffenen Grenzen um Berlin, die Stadtteile voneinander trennten und gleichzeitig das immense Verkehrsaufkommen bewältigen sollten. Dazu 2 enorme Bahnhöfe im Zentrum, ein Eisenbahnnetz durch ganz Berlin, ein unterirdisches Schnellbahnsystem zwischen den Zentralbahnhöfen und an jedem der vier axialen Endpunkten der Stadt ein Flughafen. Alles auf dem Reizbrett entworfen und aufeinander abgestimmt. Stolz schwang bei den neuen Konzepten einer "Durchmischung" mit, denn Grünflächen sollten das Stadtbild an geplanten Stellen (Universitäten, medizinische Viertel, Museumsinsel und Erholungsgebieten) auflockern. Man plante sogar über die Grenzen Berlins hinaus, wollte den märkischen Kiefernwald um Berlin abholzen und dort wieder Mischwald anpflanzen, ganz im Sinne ein Harmonie. Diese sollte sich auch in der Stadt fortsetzen, breite Promenaden, Skulpturgärten und Plätze.
Hitler selbst fokusierte sein Interesse an der Planung auf die Bau-Denkmäler, die seiner und seiner Zeit gerecht werden sollte. Steinerne Zeugnisse der Macht wollte er erschaffen, um die Details sollten sich andere kümmern. So war die Verlängerung der geplanten Nord-Süd-Achse, die sogenannte Südstadt, zwar von ihm abgesegnet aber nur als Mittel zum Zweck, denn seine Welthauptstadt sollte ja nicht nur schön, sondern auch groß sein. Dort sollten Wohnungen für ca. 210.000 Einwohner und Arbeitsplätze für rund 100.000 Arbeiter gebaut werden.


Zum Schluss

Schlusswort
 

War es nun ein Bruch mit der Tradition des Städtebaus, der letzter Versuch im klassischem Städtebau oder auch ein neue Bauart der Ideologie bzw. des Politischen, kann man nur diskutieren, denn festzustellen ist es nicht, weil nie gebaut. Fakt ist, es wäre die größte Umgestaltung Berlins gewesen, aber nicht die radikalste, denn nach dem Krieg, bei der Architektur des New Deal in den USA oder den Sowjetbauten in Russland, haben wir eine ganz ähnliche Prägung des Städtebaus, der von seinen Ausmaßes vielleicht nicht an den Gigantismus heranreicht, dennoch im Umfang der Umgestaltung selbst Germania noch übertroffen hat.

 



Die Quadriga, sie wäre auf dem Brandenburger Tor quasi untergegangen vor den gigantischen Prachtbauten des Dritten Reiches. Trotzdem hätte Sie dort gestanden und als Wahrzeichen Berlins weiter hin bestanden, an ihr sieht man, wie sehr doch Wahrzeichen und Prestigebauten doch das Stadtbild bestimmen können. Wer weiß, welche Wahrzeichen das neue Germania hervorgebracht hätte, oder ob die Gigantomie so etwas wie ein Wahrzeichen unmöglich gemacht hätte. Hätte man die Großen Halle bzw. der Adler auf der Spitze überhaupt gesehen, wären die Namen der Gefallenden auf dem Triumpfbogen überhaupt von jemanden bei der schieren Masse aufgefallen, hätte der Tourist sich auf den kilometerlangen Prachtstraßen nicht eher verlaufen, als die Details zu bewundern oder hätte die Masse der steinernen Denkmäler den einfachen Mann in die Flucht geschlagen. Auch hier kann man eigentlich nur Vermutungen anstellen, denn es wurde die gebaut und existiert bis heute nur in Form von Modellen.
Der Historiker meint, das Zentrum Berlins war zum Staunen, zur Repräsentation und zur Machtdemonstration gedacht, nicht um dort zu verweilen. Man hätte wohl die SA Paraden beobachtet, den Parteigrößen zugejubelt und wäre dann schnellstmöglich in die Wohnviertel verschwunden. Dort hätte man gelebt und bis zur Ankunft des nächsten Busses oder des nächsten Zuges aus den entfernten Gebieten des Reiches, wäre die Prachtsstraße verlassen gewesen und würde mit ihrer Pracht eher verschrecken als anlocken.


Quellen

Ralph Giordano, Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte: Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg, Kiepenheuer & Witsch (August 2000).
Joachim Fest, Albert Speer, Fest Verlag(1999).

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http://www.nyc-architecture.com/ARCH/No ... st-GER.htm (Letzter Aufruf 6.04.2011)




Autor: Freiherr von Woye