1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.00 (1 Vote)

Portrait

Sir Francis Walsingham

 

 


Ausbildung

Ausbildung



Francis Walsingham wurde 1532 in Scadbury Park als Sohn des Anwalts William Walsingham geboren. Sein Vater verstarb bereits früh und seine Mutter, Joyce Denny, ehelichte später einen Verwandten der späteren englischen Königin Elisabeth, Sir John Carey. Im Alter von 16 Jahren, schrieb Walsingham sich am King´s College in Cambridge ein, das schon damals von protestantischen Professoren geleitet wurde. Einen Abschluss an der juristischen Fakultät Cambridge erlangte er jedoch nicht. Nach 2 Jahren verliess er die Universität wieder und ging ins Ausland, eine damals gängige Praxis. Im Jahr 1552, nach 2 Jahren im Ausland, kehrte er zurück und schrieb sich am Gray´s Inn, einer schon damals sehr exklusiven juristischen Einrichtung. Als 1553 Edward I. verstarb bestieg Maria I, eine Katholikin den Thron. Walsingham verliess das heimatliche England und ging nach Padua um dort das Studium der Rechtswissenschaften zu beginnen. Da Walsingham sprachbegabt war, erlernte er einige Sprachen und knüpfte schon damals zahlreiche Kontakte, die dann später das Gerüst für sein in ganz Europa tätiges Agentennetz, bildeten.

Lebenslauf

Politisches und diplomatisches Leben
 

“He could as well fit King James’s humour with sayings out of Xenophon, Thucydides, Plutarch or Tacitus, as he could King Henry’s with Rabelais’s conceits and the Hollanders with mechanic discourses.”
David Lloyd, Biograpf von Walsingham


1558 bestieg Elisabeth I. den englischen Thron und Walsingham kehrte zurück nach England. Unterstützt von Sir William Cecil, der spätere Baron Burghley und Lord High Treasurer, wurde er in das britische Unterhaus, the House of Commons, gewählt. Im Jahr 1561 heiratete Walsingham die Tochter des Londoner Bürgermeisters George Barnes, Anne Carleill. Sie war bereits verwitwet und brachte einen Sohn mit in die Ehe. Doch diese Ehe hielt nicht lange, da Anne bereits 2 Jahre später verstarb. 1566 heiratete er Ursula St. Barbe, Witwe von Sir Richard Worsley, 2 Kinder gebar sie ihm, doch nur eine, Frances, wuchs heran. Mary verstarb sehr früh.
Er bemühte sich auch bei der englischen Geistlichkeit um Unterstützung der französischen Hugenotten, der Anhänger der Lehre Calvins. In den folgenden Jahren baute Walsingham Stück für Stück sein umfangreiches Spionage- und Agentennetzwerk auf. Einer seiner Agenten war der berühmte Bühnenautor Christopher Marlowe, der ihm viele wertvolle Informationen lieferte. Auch der Kryptograph Thomas Phelippes gehörte zu seinen Leuten. Angeworbene Agenten mussten lernen, wie man Schriftstücke unbemerkt öffnet und wieder versiegelt, Abfangen und Entschlüsseln von Briefen sowie das Fälschen von Handschriften. 1569 wurde Walsingham von Sir Cecil beauftragt, die sogenannte Ridolfi-Verschwörung aufzudecken.

Ridolfi-Verschwörung

Die Ridolfi-Verschwörung



Im November 1569 führten Thomas Percy, 7. Earl of Northumberland , und Charles Neville, 6. Earl of Westmorland , einen Aufstand mit Hilfe unzufriedener katholischer Hochadliger aus dem Norden Englands gegen die Königin Elisabeth I. Den regulären Truppen gelang es innerhalb kurzer Zeit, diese sogenannte „Northern Rebellion“ niederzuschlagen. der unzufriedene Adel wollte sich jedoch Elisabeth nicht beugen und versuchte im Ausland Unterstützung zu bekommen. Daraufhin verkündete Papst Pius V. im Februar 1570 seine Bulle „Regnans in Excelsis“. Er exkommunizierte die englische Königin, ihm waren die wirklichen Umstände und politischen Tatsachen nicht bekannt, und entband die Engländer von ihrem Treueeid der König ging gegenüber. Gleichzeitig rief er alle englischen Katholiken auf, Elisabeth zu entmachten. Als Folge dessen wurde im August 1570 der inhaftierte Herzog von Norfolk aus der Haft entlassen.
Roberto Ridolfi, ein Florentiner Bankier, hatte sich in London niedergelassen betätigte sich als Unterhändler und als Geheimagent des Papstes. Er besaß gute Kontakte, unter anderem zu Gueran de Espes, ein spanischer Gesandter sowie zu John Leslie, Bischof von Ross (Schottland), Unterhändler zwischen Maria Stuart und dem Herzog von Norfolk. Ridolfi war der Ansicht, sicherlich nicht zu Unrecht, das die Gelegenheit günstig sei, einen katholischen Aufstand unter Führung des Herzogs von Norfolk sowie eine Invasion des spanischen Heeres unter Führung des Herzogs von Alba zu planen und auszuführen. Er war auch überzeugt, dass sich viele Männer dem Aufstand anschließen würden. Dank seiner Tätigkeit als Bankier konnte er durch Europa reisen und Unterstützung, unter anderem auch beim Herzog von Alba
Der Herzog von Alba sollte 6.000 bis 10.000 Mann bereitstellen. Vorgesehen war, das er mit dieser Armee in Harwich oder Portsmouth landen und anschließend auf London marschieren. Norfolk sollte Maria befreien und danach Elisabeth als Geisel festnehmen. Der katholische Glaube sollte in England wieder eingeführt werden und Maria und Norfolk sollten gemeinsam über England und Schottland herrschen. Der Politiker Alba betrachtete allerdings die Pläne Ridolfis mit Misstrauen und war auch nicht begeistert, da er selbst im Kampf gegen Wilhelm von Oranien stand, und deshalb konnte er weder Geld noch Soldaten entbehren. Er befürchtete auch, dass ein Scheitern der Verschwörung zur Hinrichtung Maria Stuarts (was ja auch später, wenn auch aus anderen Gründen, geschah) und des Herzogs von Norfolk führen könnte. Auch der spanische König war nicht willens, die Verschwörer und den Aufstand zu unterstützen. Trotz Ablehnung reiste Ridolfi weiterhin durch Europa, er verhandelte ohne Erfolg mit dem Papst über die Scheidung Maria Stuarts und verschickte chiffrierte Briefe nach England. Elisabeth ahnte nichts davon, sie beabsichtigte sogar, Maria Stuart wieder als Königin der Schotten einzusetzen. Elisabeths Problem bestand darin, dass einerseits Maria Führerin der Opposition in England war und starke Sympathien im englischen Volk hatte, und in Schottland nach der Ermordung des Regenten Moray 1570 ein Bürgerkrieg zwischen der Partei der Königin (Maria) und des Königs (Jakob VI.) ausgebrochen war.

Im Sommer 1571 gelang es dem Geheimdienst Walsingham den Schotten Charles Baillie in Dover mit belastenden Briefen an Maria Stuart festnehmen. Er nannte unter verschärfter Befragung die Verschwörung und ihre Mitglieder. Walsingham erhielt, wie schon erwähnt, den Auftrag die Verschwörung vollständig aufzudecken und ihre Mitglieder zu verhaften. Es gelang ihm innerhalb weniger Tage, den Inhalt aller Briefe zu entschlüsseln. So verfügten Lord Burghley und Walshingham über umfangreiche Informationen über die Verschwörung sowie über die Verbindungen Spaniens zu den Verschwörern. Am 7. September 1571 wurde der Herzog von Norfolk verhaftet und zum Jahreswechsel 1571/72 wurde der spanische Gesandte de Espes aus England ausgewiesen. Dieser versuchte dann, in Brüssel eine Invasionsarmee aus englischen und schottischen Exilanten aufzubauen, was ihm aber misslang, denn der spanische König Philipp II. war nicht bereit, Truppen zu stellen. Da sich Roberto Ridolfi zum Zeitpunkt der Verhaftung Baillie´s außerhalb Englands aufhielt konnte er sich den Verfolgungen Burghleys und Walshinghams entziehen. Der Bischof von Ross und Maria Stuart gestanden ihr Mitwissen an der Verschwörung. Aufgrund des Geständnisses des Bischofs wurden die Lords Arundel, Lumley, Southampton und Cobham verhaftet. Am 16. Januar 1572 begann der Prozess gegen die Verschwörer. . Am 9. Februar 1572 unterzeichnete sie das Todesurteil gegen Norfolk, hob es jedoch am nächsten Tag wieder auf. Am 8. Mai 1572 forderte das Parlament, das das Todesurteil gegen Norfolk zu vollstrecken sei. Auch Sir Burghley redete auf die zögernde Königin ein, dem Drängen des Parlaments nachzugeben und den sofortigen Vollzug der Hinrichtung Norfolks anzuordnen. Für Elisabeth war es aber auch schockierend, dass ein großer Teil ihrer Adligen zu den Verschwörern zählte. Maria Stuart wurde von der Thronfolge in England ausgeschlossen, jeder der sich in Zukunft für ihre Thronfolge einsetzen würde, galt als Hochverräter und musste mit der Todesstrafe rechnen. Die englische Öffentlichkeit betrachtete Maria Stuart nun seit 1572 als Feindin.

Die Aufdeckung war der erste Erfolg Walsinghams. In den folgenden Jahren warb Walsingham beim englischen Klerus für Unterstützung der Hugenotten in Frankreich und begann sein später berühmtes Spionage-Netzwerk aufzubauen. Einer seiner Spione war Christopher Marlowe, Bühnenautor und Intellektueller, auch der Kryptograph Thomas Phelippes war in seinen Diensten. Zur Ausbildung seiner Agenten gehörte das Abfangen und Entschlüsseln von Briefen, das Fälschen von Handschriften sowie das unbemerkte Aufbrechen und Wiederverschließen von Siegeln.
Im Jahre 1570 wurde Walsingham von Sir William Cecil, zum englischen Unterhändler ernannt, um die Hugenotten in ihren Verhandlungen mit Karl IX. um den Vertrag von Blois zu unterstützen. Im gleichen Jahr wurde Walsingham zum englischen Botschafter in Frankreich ernannt. Diesen Posten hatte er bis 1573 inne, denn er kehrte, aufgrund seiner Erfolge, 1573 nach England zurück, da er zum 2. Staatssekretär ernannt worden war. Im Dezember 1577 wurde er zum Ritter geschlagen und in den Adelsstand erhoben. Die folgenden Jahre verbrachte er unter anderem damit, sein Agentennetzwerk auszubauen, das er zum Großteil selbst finanzierte. Außerdem engagierte er sich für den Wiederaufbau des Hafens von Dover, unterstützte Martin Frobisher, der einen Weg durch die Nordwestpassage finden wollte und förderte den späteren Günstling der Königin, Francis Drake.

1583 verweilte er am schottischen Hof und schuf die Voraussetzungen für den Sturz der für England potenziell gefahrbringenden schottischen Regierung im Jahr 1584.
Walsingham deckte noch mindestens zwei weitere Verschwörung von Katholiken gegen die englische König ging auf - die sogenannten "Throckmorton-Verschwörung" sowie die "Babington-Verschwörung". Die Aufdeckung der "babington-Verschwörung" führte dazu, dass Maria Stuart des Hochverrats angeklagt und 1587 hingerichtet wurde. Am Prozess gegen sie, nahm Sir Francis Walsingham aktiv teil. Dass die Engländer so früh von der geplanten Invasion der spanischen Armada erfuhr, ist sicherlich auch sein Hauptverdienst, da er umfangreiche Berichte von seinen Agenten in ausländischen Kaufmannsgemeinschaften und europäischen Höfen erhielt. Bis zu seinem Tode hatte er einen Sitz im Unterhaus und war 1584 Mitglied des Komitees, das Ernennungen, Sir Walter Raleigh betreffend, überprüfte. Er erhielt selbst die Ehrentitel 'Kanzler des Hosenbandordens' und 'Kanzler des Herzogtums Lancaster'.

Obwohl er ein gläubiger Protestant und treuer Berater Elisabeths während der mittleren Periode ihrer Regentschaft war, erhielt er wenig materielle Vergütung für seine Dienste. Er wurde zwar mit Ländereien und das Recht, Bier und Tuch zu exportieren geehrt, doch Walsingham erwartete große Summen für die Aufrechterhaltung seines Netzes auf dem Kontinent.
Am 6. April 1590 starb Walsingham in der Londoner Seething Lane unter Hinterlassung und hinterließ beträchtlicher Schulden. Aufgrund seines Einsatzes für die Krone und der Schaffung seines beachtlichen Agentennetzes, gilt Walsingham nicht zu Unrecht, als der Vater der Geheim- und Nachrichtendienste.