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Das Thema

Die Remilitarisierung des Rheinlandes
 

 


Hitlers erster Schritt zum Krieg?

Einleitung

Einleitung



Im Vertrag von Versailles wurde 1919 dem Deutschen Reich der Friede diktiert. Eine Demütigung, die sich in seiner Folge zu einem großen Fehler entwickeln wird. Die Vertreter des Dt. Reiches (Delegationsführer Außenminister Graf von Brockdorff-Ranzau) wurden hierbei nicht einmal gehört und unter Androhung von Sanktionen zum Einlenken gezwungen. Auch der Fortbestand der englischen Blockade nach dem Waffenstillstand in Compiegne mag hierzu beigetragen haben. Der Vertrag, mehr Diktat, war nicht unumstritten. Natürlich akzeptierte das deutsche Parlament unter Protest, aber auch auf Seiten der Entente fehlte es nicht an kritischen Stimmen. Marschall Foch, der Unterzeichner des Waffenstillstands vom 11. November 1918 und Befürworter einer Zerstückelung Deutschlands, im Jahr 1919: „Das ist kein Frieden, sondern ein Waffenstillstand für 20 Jahre! “(I) Wahrlich prophetische Worte, welche sich später mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 20 Jahre später bewahrheiten sollten, hier aber nicht Gegenstand der Betrachtung sind.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden dem Deutschen Reich im Versailler Vertrag nun verschiedene Sanktionen auferlegt. Um jene abzusichern, war das linke Rheinufer in 3 Zonen eingeteilt, die bei pünktlicher Erfüllung des Vertrages nach 5, 10 und 15 Jahren geräumt werden sollte. Auch nach der Räumung des Rheinlandes durften sich dort keine deutschen Truppen dort aufhalten.

 

  • Artikel 42
  • Es ist Deutschland untersagt, Befestigungen sowohl auf dem linken Ufer des Rheins wie auch auf dem rechten Ufer westlich einer 50 km östlich dieses Flusses gezogenen Linie beizubehalten oder zu errichten.
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  • Artikel 43
  • Ebenso sind in der im Artikel 42 angegebenen Zone die Unterhaltung oder die Zusammenziehung einer bewaffneten Macht, sowohl in ständiger wie auch in vorübergehender Form, sowie alle militärischen Übungen jeder Art und die Aufrechterhaltung irgendwelcher materieller Vorkehrungen für eine Mobilmachung untersagt." (II)
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  • Artikel 429
  • Wenn die Bedingungen des gegenwärtigen Vertrages durch Deutschland getreulich erfüllt werden, so soll die im Artikel 428 vorgesehene Besetzung nach und nach in folgender Weise eingeschränkt werden:
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  • 1. Nach Ablauf von fünf Jahren werden geräumt: der Brückenkopf von Köln und die Gebiete nördlich einer Linie, die dem Laufe der Ruhr, dann der Eisenbahnlinie Jülich-Düren-Euskirchen-Rheinbach, ferner der Straße von Rheinbach nach Sinzig folgt, und die den Rhein bei dem Einfluss der Ahr trifft, wobei die vorhin genannten Straßen, Eisenbahnen und Orte außerhalb der besagten Räumungszone bleiben.
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  • 2. Nach Ablauf von zehn Jahren werden geräumt: der Brückenkopf von Coblenz und die Gebiete nördlich einer Linie, die an dem Schnittpunkte der Grenzen Belgiens, Deutschlands und Hollands beginnt, etwa vier Kilometer südlich Aachen verläuft, dann bis zum Höhenrücken von Vorst-Gemünd verläuft, dann östlich der Eisenbahnlinie des Urfttales, dann über Blankenhain, Waldorf, Dreis, Ulmen bis zur Mosel, diesem Flusse von Bremm bis Nehren folgt, dann über Kappel und Simmern der Höhenlinie zwischen Simmern und dem Rhein folgt und diesen Fluss bei Bacharach erreicht, wobei alle genannten Orte, Täler, Straßen und Eisenbahnen außerhalb der Räumungszone bleiben.
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  • 3. Nach Ablauf von 15 Jahren werden geräumt: der Brückenkopf von Mainz, der Brückenkopf von Kehl und der Rest des besetzten deutschen Gebiets.
  • Wenn zu diesem Zeitpunkte die Sicherheiten gegen einen nicht herausgeforderten Angriff Deutschlands von den alliierten und assoziierten Regierungen nicht als ausreichend betrachtet werden, so kann die Entfernung der Besatzungstruppen in dem Maße aufgeschoben werden, wie dies zur Erreichung der genannten Bürgschaften für nötig erachtet wird.“ (III)
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Außenpolitik nach 1920

Außenpolitik und Ziele nach 1920

 

Im Januar 1923 stellte die alliierte Reparationskommission fest, dass das Deutsche Reich seinen vertraglich vereinbarten Holz- und Kohlelieferungen nicht nachgekommen sei.(V) Daraufhin marschierten Franzosen und Belgier ins Ruhrgebiet ein. Sie blieben dort von Jänner 1923 bis September 1925, nachdem das Deutsche Reich dem Dawes-Plan zugestimmt hatte (VI) und nachdem die Ruhrpolitik des französischen Ministerpräsidenten Poincaré gescheitert war.(VII) Eine Folge der Ruhrbesetzung war der Abzug der Amerikaner aus ihrer Besatzungszone, welche anschließend die Franzosen besetzten. An dieser Stelle muss etwas zur Beziehung der Bevölkerung zu den Besatzern zu sagen.
Generell gesagt, waren außer den Amerikanern, welche bei der Bevölkerung recht beliebt waren, keine der Besatzungssoldaten wirklich gerne gesehen. Engländer und Franzosen waren bei der Bevölkerung am wenigsten beliebt. Frankreich wahrscheinlich wegen seinem Status als „Erbfeind“ von Deutschland und bei den Engländern könnte man als Grund die gegenseitige Propaganda im Krieg angeben. Belege lassen sich in der Tatsache finden, dass laut Willi Brandts Biographie die Bevölkerung nach dem Abzug der Franzosen vom linken Rheinufer am 30. Juni 1930 jene Tatsache mit Freude gefeiert wurde.(VIII)
Von Dezember 1918 bis Januar 1923 beteiligten sich auch US-Truppen an der Besetzung; die US-Besatzungszone erstreckte sich von der luxemburgischen Grenze entlang der Mosel über Koblenz in den Westerwald. In Koblenz hatten die amerikanischen Truppen ihr Hauptquartier.(IX) Nach der Ruhrbesetzung zogen die Amerikaner aber aus Protest ihre Truppen ab, dieser Teil wurde der französischen Besatzungszone zugeschlagen.


 

 



Tangiert wurde der Status des Rheinlands im ‚Vertrag von Locarno, wo 1925 auf Initiative des deutschen Reichskanzlers Gustav Stresemann eine Konferenz abgehalten worden war, auf der u. a. das Deutsche Reich die Unverletzlichkeit der Westgrenze garantierte, damit auch den Status des Rheinlandes als entmilitarisierte Zone. „Der in Locarno geschlossene Hauptvertrag bestand in einem Garantiepakt zwischen dem Deutschen Reich, Frankreich, Belgien sowie Großbritannien und Italien als Garantiemächten. Deutschland erkannte damit die im Versailler Vertrag festgelegte Westgrenze an, die damit aber auch für die anderen Staaten galt.“(X) Damit erkannte das Deutsche Reich auch die entmilitarisierte Zone an. Sie war als Schutz für Frankreich und Belgien gedacht und hätte vermutlich im Falle einer militärischen Konfrontation zwischen dem Deutschen Reich und o. g. Entente – Mächten den Verlauf entscheidend zugunsten der Franzosen und Belgier beeinflusst.

Außenpolitik nach 1933

Außenpolitik und Ziele nach 1933

 

Die Außenpolitik des Deutschen Reiches war trotz aller Zugeständnisse immer auf eine Revision dieses Vertrages aus, weil man besser als alle anderen wusste, welche Folgen dieser Vertrag für alle Beteiligten hätte. Die Ziele lassen sich wie folgt umreißen:


 

1. Revidierung des Versailler Diktats unter allen Umständen auf dem Verhandlungsweg.
2. Das sogenannte Westarragement, heißt Bündnis mit Frankreich und England.
3. Maßnahmen die den Einfluss bzw. die Gefahr von Sowjetrussland in Europa dezimieren.


Das Reich befand sich, auch aufgrund seiner Isolierung, im Frühjahr 1936 in einer äußerst schlechten außenpolitischen Lage. Da war immer noch der Kriegsverursacher des Ersten Weltkrieges, immer noch gescholten durch den Versailler Vertrag bzw. dessen Reparationsforderungen und es hatte keine Wehrhoheit. Mag dies auch spekulativ klingen, so waren es alles Gründe, die das Deutsche Reich für einen Bündnispartner unattraktiv machten und somit es auf sich alleine gestellt war. Dies wollte Hitler natürlich ändern, Deutschland sollte nicht nur wieder "Bündnisfähig" werden, sondern vor allem wieder zu den Großmächten in Europa gehören. Eine Armee ist in diesem Aspekt natürlich ein diplomatisches Mittel, politischer Machtfaktor und natürlich auch mit einem Drohpotnetial ausgestattet, das Hitler wie den geschlagenen Militärs von 1919 gut zu Gesicht stand.
Durch das Französisch-Sowjetische Bündnis als auch die "Kleine Entente" bezeichnet, fühlte sich Regierung und Bevölkerung an die den 1. Weltkrieg bzw. dessen Vorspiel erinnert. Inwiefern das zutrifft steht natürlich auf einem anderen Blatt, doch der Versailler Vertrag und "Umzingelung" von Mächten, die miteinander verbündetet sind, fiel in Deutschland in der damaligen Zeit auf fruchtbaren Boden. Hierzu ein Auszug aus einer Denkschrift von Generalleutnant Adam, die Hitler bei seinem Amtsantritt vorgelegt wurde: "Aber auch wenn wir alles tun, um den Krieg zu vermeiden und dem Feind auch jeden Vorwand zu nehmen:

 

 

 

Wir können den Krieg nicht verhindern, wenn die anderen ihn präventiv führen wollen. Es wäre unsinnig, für diesen Fall Operation- und Aufmarschpläne zu machen." [...] "Französische Operationen auf dem Reichsgebiet sind nicht zu verhindern und können Seitens Frankreich in beliebigen Umfang geführt werden. Eine Verteidigung der "Oderlinie" also unter Aufgabe Hinterpommerns, der Grenzmark und des ostwärtigen Teils Schlesiens, ist denkbar, solange der Munitionsvorrat reicht." Adam setzt dafür 14 Tage an. "Eine Verteidigung der "Oderlinie" würde allerdings durch einen in Rechnung zu stellenden Kriegseintritt der Tschecheslowakei überhaupt in Frage gestellt".

 

Remillitarisierung

Die ganz und gar subjektive Sicht der europäischen Politik aus dem Blickwinkel deutscher Militärs und Politiker muss dabei nicht noch einmal erwähnt werden. Denn geht man von den bloßen Fakten aus, so sollte die Rheinland-Besatzung 15 Jahre nach ihrem offiziellem Inkrafttreten, laut Vertrages im Jahre 1920 beendet werden, doch die letzten Truppen wurden schon 1930 abgezogen. Sozusagen als Ausgleich begannen die Franzosen mit dem Ausbau der sog. Maginot-Linie, um ihre Grenze zum Deutschen Reich zu schützen. Also wurde faktische deutsche Gebiet schon wieder freigegeben und man gab sich freiwillig auf den Status quo von vor 1914 zurück. Doch mit der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933, wurden die Stimmen der Generäle erhört, welche schon immer forderten, diesen „weißen Fleck“ von der Landkarte zu tilgen. Am 7. März 1936 war es denn auch soweit. Deutsche Truppen rückten ins Rheinland ein und der Locarno-Vertrag wurde einseitig von Deutschland gekündigt. Gleichzeitig war dies auch der endgültige Bruch des aufgezwungenen Versailler Vertrages. Ein somit unnötiger Bruch, d.h. aus internationaler Sicht, denn für Hitler war es ein erstes Austesten der Grenzen anderer europäischer Staaten. Wie mein konnte man gehen, wie sehr ließen sich die ehemaligen Kriegsgegner provozieren und vor allem wie lange kann Hitler dein Eindruck einer Revision bewahren, bevor seine eigentlichen außenpolitischen ziele durchkommen.
Manfred Messerschmitt schreibt hierzu(XI):

 

„Am 7. März 1936 rückten deutsche Truppen in die entmilitarisierte Zone am Rhein ein. Die Voraussetzungen für eine schnelle Herstellung des militärischen Gleichgewichtes gegenüber Frankreich waren damit erreicht, zugleich aber eine wesentliche Voraussetzung auch für die Grundlegung einer künftigen Ostpolitik geschaffen. Friedensbeteuerungen und sorgfältig überlegte Scheinangebote wurden jetzt von einer geschickten Politpropaganda in Szene gesetzt. Europa sah zu. Niemand handelte.“
 

 


Dies sagt einiges über die militärische Lage des Deutschen Reiches aus, die sich bis 1936 nicht wesentlich änderte. Die Militärs gaben als taktischen Grund für die Besetzung an, dass durch die Entmilitarisierung des Rheinlandes, es Frankreich möglich gewesen wäre, innerhalb weniger Stunden das wichtigste westdeutsche Industriegebiet zu besetzten ohne auf Widerstand zu stoßen. Von Osten wäre Polen und die Tschechoslowakei in den Raum Oppeln, dem östlichen Industriegebiet vorgestoßen. Das Reich wäre binnen weniger Stunden seiner Schwerindustrie beraubt worden und damit jeglicher Möglichkeit sich selbst zu helfen. Das mag sogar zustimmen und ein Pessimist hätte dieser Argumentation durchaus Glauben geschenkt, doch deutete nichts auf eine solche Gefahr hin. Man hatte doch das Deutsche Reich durch den Versailler Vertrag im Griff und zwar vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Doch Verhandlungen gab es seit diesen Einmarsch nicht mehr, d.h. keine die sich direkt mit dem Vertrag beschäftigt hätten. Offiziell ließ man postulieren, dass die Regierung Hitler, seit Amtsantritt, bemüht war eine "friedliche auf Verhandlungen basierende Revidierung des Versailler Diktats zu erreichen" und England wie Frankreich stets nur durch vorgetäuschte Verhandlungsbereitschaft vertröstet hätten. Dabei drehte man sich die internationaler Situation ganz nach der eigenen Fasson in die richtige Position. Selbstschutz hieß die Devise der Propaganda und sprach man offizielle von einer erheblich begrenzten Luftwaffe und Vorschlägen zur Rüstungskontrolle, war man inoffizielle schon längst mit den Planungen und Aufbau einer Wehrmacht beschäftigt.
"Ein Mann der die Weltherrschaft erringen will macht solche Angebote nicht, ganz besonders nicht mehrfach." So sollten die Alliierten denken und sich den Deutschen als freiheitsliebenden, aber nicht machtgesessenen Europäer vorstellen. Hitler ließ die Tauben fliegen und sich in zivilen Anzügen zum Friedensstifter ausrufen, doch auf Geheimkonferenzen plante er bereits den Lebensraum Ost, eine Kriegswirtschaft und eine Europa unter der Vorherrschaft der nationalsozialistische Ideologie - mit ihm als Führer. Hitler selbst hat die „48 Stunden nach dem Einmarsch“ als die „aufregendste Zeitspanne“ seines Lebens bezeichnet(XII). Man muss davon ausgehen, dass selbst die eingeweihten Parteioberen an diese Politik der Friedensicherung von Hitler glaubten: "Leider aber blieben die Bemühungen während des Winters 1934/35 ergebnislos, und wir mussten feststellen, dass es unendlich schwierig war, auf dem Verhandlungsweg zu einer Revision der Versailler Rüstungsbestimmungen zu kommen. Die ganze Entwicklung war für Adolf Hitler im März 1935 der Grund gewesen, die allgemeine Wehrpflicht und die Aufstellung der deutschen Wehrmacht zu verkünden." Oder wenigstens in ihren Erinnerungen das der Nachwelt zu vermitteln versucht haben.
Der Einmarsch selbst war nicht unumstritten. Vor allem im Auswärtigen Amt und in den Spitzen der Wehrmacht regte sich Unmut. Sie alle hielten das Risiko angesichts der Gewinnchancen für zu hoch, denn man wollte zwar wieder die alte Macht, doch nicht zum Preis eines vorzeitigen Krieges. Grundsätzlich waren zwar Blomberg, Fritsch und Beck dafür. Während des Einmarsches in linksrheinische Gebiete kamen aber Blomberg Bedenken, veranlasst durch ein warnendes Telegramm des Londoner Militärattaché. Blomberg wollte Aachen, Trier und Saarbrücken aus Sorge vor Maßnahmen der Westmächte wieder räumen, machte auf Hitler jedoch den Eindruck eines Ministers mit schwachen Nerven.(XIII). Hitler wollte die Massen durch einen außenpolitischen Erfolg näher an sich binden, Hier war dieser Erfolg leicht zu haben. (XIV) Es war ein „Blumenfeldzug“, vergleichbar mit der späteren Besetzung des Sudetenlandes und des Anschlusses von Österreich.


Meinungen

Verschiedenen Meinungen

 

Zur Rheinlandbesetzung war ein symbolischer Schritt zum neuen Anspruch des Deutschen Reichs. Die Einheiten die ins Rheinland einmarschierten waren zwar nur wenig leichte Kavallerie- und Infanteriebataillone, doch es war auch kein Widerstand zu erwarten, denn die alliierten Kräfte sind schon lange abgezogen. Man schürte Angst und Hoffnung, gerade die Parteigrößen hatten anfangs Bedenken, dass sich die Vorgehensweise Hitlers zum Negativen wenden könnte - hierzu Joachim Rippentrop: Erinnerungen S. 77:
"Es waren aufregende Stunden, die der Besetzung vorausgingen. Es verlautete, dass auf französischer Seite eine motorisierte Armee in Stärke von etwa 250.000 Mann aufmarschiert sei, und es war klar, dass bei unserer kleinen Wehrmacht die Besetzung eigentlich nur eine symbolische sein konnte. Auch für mich waren es schwere Stunden, hatte ich doch den Führer dahin beraten, dass England mit der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit im Rheinland letzten Endes abfinden werde."

 

 



Gerade aber die Einfachheit verblüffte viele und die bereitgelegten Argumente einer "Herstellung der Wehrhoheit", dass das Rheinland ja Deutsch und es ist daher das eigene Recht/Pflicht eines Staates sein Hoheitsgebiet zu verteidigen wäre, konnte weiter in den Umschlägen bleiben. Es mag zwar in Frankreich die Tage vor und nach dem Einmarsch Unsicherheit geherrscht haben, aber Keine französische Partei plädierte für entschlossenen Widerstand. Das Übergangskabinett Albert Sarrauts konnte keinen energischen Entschluss fassen und so beschloss die Regierung am 9. März nicht militärisch zu reagieren, sondern einen Appell an den Völkerbund zu richten. Die Appeasement Politik trat hier schon deutlich hervor und die Schwäche wird erst 1938 ihren Höhepunkt erreichen, denn für England stellte das entmilitarisierte Rheinland kein vitales Interesse dar, nachdem das Anfang 1935 vom Kabinett Baldwin erklärt wurde. Im Februar 1936 schlug Außenminister Eden vor, keine Gespräche mit Frankreich über Englands Haltung „in der hypotetischen Frage einer möglichen Beeinträchtigung der entmilitarisierten Zone“ zu führen.(XV) Und dies obwohl der Generalstab der Armee die Gefahr eines militarisierten Rheinlands als ungleich höher als die RAF einschätzte.
Italien schloss sich der Verurteilung des Vorgangs im Völkerbundes am 19. März an, ebenso wie England und Frankreich. Dies aber gegen die Zusicherung Mussolinis vom 22. Februar, sich nicht an einer Aktion Englands und Frankreichs wegen eines „angeblichen Bruches des Locarno-Vertrages durch Deutschland“ zu beteiligen. Diese Zusage war am 9. März noch einmal gegeben worden.(XVI) Ciano als Außenminister war für die Verurteilung im Völkerbund verantwortlich, Mussolini stoppte aber dann den eingeschlagenen Weg seines Außenministers und zerstörte damit französische Hoffnungen. Um einem möglichen Engagement Italiens gegen das Deutsche Reich vorzubeugen, wurde auch Haile Selassie insgeheim mit Waffen versorgt, um die Westmächte zu stärkerem Engagement zu bringen und gegenüber Italien einen Diversionseffekt zu erzielen. Jener Krieg in Abessinien wurde natürlich auch zur Ablenkung von mitteleuropäischen Vorgängen benutzt.

Abschließend könnte man sagen, dass die Besetzung des Rheinlandes der Auftakt zu einer Expansionspolitik Hitlers gab. Italien näherte sich dem Reich an, während die Westmächte sich weiter dem Reich entfremdeten.

Anmerkungen

Anmerkungen

I Hier zitiert nach Piekalkiewicz, Der Erste Weltkrieg, S. 593
II Martens, Nouv. Recueil Général, 3. S., Bd. XI, S. 323 ff. (Der Friedensvertrag von Versailles nebst Schlussprotokoll und Rheinlandstatut., Berlin 1925.)
III Martens a.a.O.
IV Karte nach dtv-Atlas Weltgeschichte S. 411
V dtv-Atlas: Weltgeschichte, S. 413
VI wikipedia.de: Geschichte des Ruhrgebietes
VII dtv-Atlas: Weltgeschichte, S. 413, siehe auch S. 425
VIII http://www.willy-brandt.org/bwbs_biogra ... _B897.html
IX Arne Schnebel: Nach 1918: „American Way of Life" im Rheinland. In: Campus:Report Universität Duisburg-Essen (2007), Heft 01, Seite 14-15
X wikipedia.de: Verträge von Locarno
XI Messerschmidt, Der Weg in den Krieg. Rheinland-Besetzung. Deutsches Reich und der 2. Weltkrieg Bd. 1 S. 603
XII Schmidt, Statist, S. 325
XIII S. zur Wiederbesetzung des Rheinlands Robertson, Wiederbesetzung; Jacobsen, Außenpolitik, S. 416ff
XIV Messerschmidt, a.a.O. S. 603
XV Gibbs: Straetgy, Bd. 1, S 233 „in the hypothetical case of a violation of the demilitarised zone“.
XVI Politischer Bericht Hassells an das Auswäritge Amt, ADAP, C, Bd. IV, 2, Nr. 579, S. 1148 ff. und Petersen, Hitler – Mussolini, S. 477

Quellen

Literaturverzeichnis

Joachim Rippentrop, Erinnerungen
Rudolf Rippentrop, Mein Vater Joachim Rippentrop
Hans Meiser, Das Ringen um Frankreich 1919-1940
Patrick J. Buchanan, Churchill, Hitler und der unnötige Krieg

Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945, Serie B: 1925-1933, Göttingen 1966-1978; Serie C: 1933, Das Dritte Reich, Göttingen 1971-1975; Serie D: 1937-1945
Deist, Wilhelm (u.a.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik. Bd. 1. Hrsg. von Militärgeschichtliches Forschungsamt. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt 1979 (=Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. 1. )
Dtv-Atlas Weltgeschichte. Sonderausgabe in einem Band. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG 2000
Jacobsen, Hans-Adolf: Die nationalsozialistische Außenpolitik 1933-1938. Frankfurt a. M. , Berlin: Luchterhand Verlag GmbH 1968
Piekalkiewicz, Januz: Der Erste Weltkrieg. Düsseldorf, Wien, New York: ECON Verlag 1988
Robertson, Esmonde M.: Zur Wiederbesetzung des Reinelandes 1936. In: VfZG 1962, Heft 10
Schmidt, Paul: Statist auf diplomatischer Bühne 1923-1945. Erlebnisse des Chefdolmetschers im Auswärtigen Amt mit den Staatsmännern Europas. Bonn: Athenäum Verlag 1954

Wikipedia.de. Verträge von Locarno. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Vertr%C3%A4ge_von_Locarno Stand 2008-01-22 (Letzter Aufruf 27.04.2011)
Wikipedia.de. Rheinlandbesetzung. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinlandb ... %29#_ref-0 Stand 2008-01-22 (Letzter Aufruf 27.04.2011)
Wikipedia.de. Geschichte des Ruhrgebiets. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Ruhrgebiets Stand 2008-03-24 (Letzter Aufruf 27.04.2011)
http://www.schulserver.hessen.de/moerfe ... inland.htm (Letzter Aufruf 27.04.2011)
http://www.sragg.de/geschichte/Stundenp ... litik.html (Letzter Aufruf 27.04.2011)
http://www.teachsam.de/geschichte/ges_d ... uell_4.htm (Letzter Aufruf 27.04.2011)
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... 923_de.png (Letzter Aufruf 27.04.2011)

Campus:Report, Universität Duisburg-Essen (2007), Heft 01. auch online im Internet:
http://www.uni-duisburg-essen.de/imperi ... 007_01.pdf (Letzter Aufruf 27.04.2011)
Martens, Nouv. Recueil Général, 3. S., Bd. XI. Der Friedensvertrag von Versailles nebst Schlußprotokoll und Rheinlandstatut., Berlin 1925.
http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/v ... index.html Stand (Letzter Aufruf 27.04.2011)
Willy-Brandt-Stiftung: Willy Brandt Biografie. Ende der Rheinlandbesetzung. Online im Internet:
http://www.willy-brandt.org/bwbs_biogra ... _B897.html (Letzter Aufruf 27.04.2011)



Autoren: Dan / Maximus2980 / Freiherr von Woye