1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 5.00 (2 Votes)

Einleitung

 

Eine der bedeutsamsten wirtschaftlichen Errungenschaften der Nationalsozialisten schien ihre Lösung des riesigen Arbeitslosenproblems zu sein, dass zum Ende der Weimarer Republik hin vorherrschte. Hitler schaffte in nur wenigen Jahren die Arbeitslosenquote in Deutschland von über 30% auf nahezu 0% zu senken. Kann hier also von einem nationalsozialistischen Wirtschaftswunder gesprochen werden?
Die NS-Wirtschaft ist ein sehr komplexes Thema und konnte unter anderem darum auch noch nicht endgültig wissenschaftlich geklärt werden... Dieser Beitrag kann daher auch nur einen groben Überblick verschaffen...


Erbe von Weimar

 

Dass die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war unter anderem durch die Weltwirtschaftskrise und der damit zusammenhängenden Unfähigkeit der Weimarer Regierung, das Problem der (aus der Weltwirtschaftskrise resultierenden) Massenarbeitslosigkeit zu lösen, möglich.

 

 

Reichskanzler Brüning 1930



Zur Erinnerung: Die USA, als Urheber der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929, erlassen nach dem Börsencrash umgehend Schadensbegrenzungsmaßnahmen. Sämtliche Kredite werden kurzfristig abgezogen und die Einfuhrzölle erhöht. Die ohnehin recht schwache deutsche Wirtschaft, die stark auf den Export ausgelegt war, bricht nun relativ schnell zusammen. Massenarbeitslosigkeit und eine dramatische Verschlechterung der allgemein sozialen Lage sind die Folge. Da durch den Abzug der Kredite kein weiteres Geld mehr zur Verfügung stand, als das, was noch in den Staatskassen vorhanden ist, zwang Reichskanzler Heinrich Brüning das Deutsche Reich (durch mehrere Notverordnungen), zu extremen Sparmaßnahmen, um den Reichshaushalt soweit es möglich war ausgeglichen zu halten. Diese Notverordnungen - die die Kürzung von Löhnen und Gehältern im öffentlichen Dienst, die Kürzung von Sozialleistungen, die Beendigung aller öffentlichen Bauvorhaben und die Erhöhung der Steuern zur Folge hatten - würgten, durch Deflationseffekte, die deutsche Wirtschaft in der Weimarer Republik vollends ab. Die Regierung der Weimarer Republik, die das Problem der Arbeitslosigkeit mit diesen Maßnahmen noch verschärfte, verlor weiter an Vertrauen im Volk und ein Zulauf in radikale Parteien – insbesondere der NSDAP – beginnt, der letztlich im Scheitern der Weimarer Republik und dem Aufstieg der Nationalsozialisten endete. Trauriger Rekord sind dabei die etwa 6,12 Millionen Arbeitslosen, die im Februar 1932 verzeichnet werden mussten.

 

 

Wahlplakat 1932


Hitler

 

 

Hitlers Buch " Mein Kampf" (Ausgabe 1941)

 

1924 schrieb Hitler, während seiner Inhaftierung, den ersten Band seines 'Kampfes'. In ihm rechnet er mit jeder Gruppierung ab, die seines Erachten eine Schuld am Unglück der Deutschen zu verantworten hätte. Zum anderen beschrieb er die Notwendigkeit, Lebensraum im Osten zu schaffen, um die Ernährung des deutschen Volkes ausreichend sicherstellen zu können. Somit wurde schon 15 Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gedanklich eine Grundlage zur kriegerischen Aneignung vom Lebensraum im Osten geschaffen, die eine Aufrüstung der Reichswehr bedingt.

 

 

NSDAP-Parteiprogramm ⁽⁺⁾ (1930)


Im Parteiprogramm, das erstmals 1919 verfasst wurde, wurde noch von der Zerschlagung des Großbankentums, der Großindustrie, sämtlicher Kaufhausketten und aller Gewerkschaften – zum Schutz des Mittelstandes gesprochen. 1928 las man davon nichts mehr, da sich der Standpunkt Hitlers änderte, weil er erkannte, dass er ohne die deutschen Wirtschaft seine Ziele nicht erreichen könne. So richtete er seine Aufmerksamkeit einzig auf die – für die Industriellen entgegenkommende – Zerschlagung der Gewerkschaften und garantierte der Industrie (unter Vorbehalt) Vermögen und Besitz. Im Gegensatz wurde Hitler von einigen Vertretern der Industrie finanziell und somit auch politisch unterstützt. Diese Unterstützung veranlasste den Erfinder der politischen Fotomontage John Heartfield ein für die "Arbeiter Illustrierte Zeitung" (AIZ) kritisches Frontcover (siehe Bild) zu gestalten.

 

 

John Heartfield (1934) * A-I-Z (Ausgabe Oktober 1932)

 

 

30. Januar 1933: Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, waren die Nationalsozialisten nun endgültig an der Macht und sie fingen an, ihre politischen Ziele zu konkretisieren und schon wenige Tage nach der Machtergreifung umzusetzen. Um den nachwievor bestehenden Gedanken der kriegerischen Aneignung von Lebensraum im Osten umzusetzen, musste primär die Reichswehr aufgerüstet und aufgestockt, sowie die Wirtschaft kriegsfähig gemacht werden. Das bedeutet für letzteres unter anderem auch, dass der Autarkiegedanke verwirklicht werden müsse, um sich vor eventuellen Handelsblockaden schützen zu können. Nebenbei, war die Bestrebung nach Autarkie, nach der Weltwirtschaftskrise (1929) ohnehin ein allgemein globaler Trend – weg von der Weltwirtschaft, hin zur Großraumwirtschaft! Des Weiteren bedurfte es Erfolge in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Die Arbeitslosigkeit muss drastisch gesenkt und der Konsum- und Lebensanspruch befriedigt werden. Und um Kontrolle über die Wirtschaft ausüben zu können, muss sie nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten umgeformt - sprich gleichgeschaltet - werden.

 

 

Plakat der DAF ⁽⁺⁾ (1933)



Diese Umformung begann nur wenige Monate nach Machtergreifung des NS-Regimes mit der Abschaffung alter Organisationsstrukturen: Erste Maßnahme war die Auflösung der Gewerkschaften. Am 2. Mai 1933 wurden sämtliche gewerkschaftlichen Organisationen durch Gewaltaktionen der Nationalsozialisten zerschlagen und durch eine neue Organisation bereits am 10. Mai 1933 ersetzt: der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Sie nahm von nun an die Interessen des Regimes für die Arbeitnehmer wahr. Ein Jahr später wurde das 'Führerprinzip' in den Betrieben etabliert. Die Arbeiterschaft wurde auf Treue, Gehorsam und Loyalität gegenüber dem Geschäftsführer eingeschworen.

 

 

DAF-Betriebsschild ⁽⁺⁾ (1933-1945)


Wirtschaft

 

 

 

Trotz, dass sich das NS-Regime die scheinbaren Erfolge der ersten Jahre (1933-1937) in der Arbeitsmarktpolitik groß auf ihre Fahnen schrieb, lässt sich das nationalsozialistische Wirtschaftswunder in einigen Punkten relativieren. Wir erinnern uns, dass der höchste Punkt der Arbeitslosigkeit bereits im Februar 1932 - also knapp ein Jahr vor der Machtergreifung - schon erreicht war. Ein allmähliches Absinken im Anschluss deutet auf eine - wenn auch langsame - Genesung der deutschen Wirtschaft hin. Hitler hatte also damals (1932) nicht mehr viel Zeit, um seine Argumente (im Wahlkampf) geltend machen zu können…
Unter militärischen Gesichtspunkten wurden Investitionen in den Bereichen Reichsbahn, -post und –autobahn gemacht. Besonders spektakulär war hierbei das Reichsautobahnprogramm. Man verzichtete hier absichtlich auf großtechnisches Gerät, so dass der Autobahnbau durch seinen hohen Bedarf an Arbeitskräften eine große arbeitsmarktpolitische Bedeutung hatte. Die Förderung des zunächst noch freiwilligen Arbeitsdienstes erwies sich ebenfalls als eine gute Maßnahme gegen die Arbeitslosigkeit.

 

 


Durch die allgemeine Attraktivität der Bauprojekte, die Lohn und somit Sicherheit - auch für die Landbevölkerung - versprachen, kam es teilweise zur Landflucht. Um dieser entgegen zu wirken, gab es viele Steuervergünstigungen für die Landbevölkerung. Um den Anreiz zum Kauf eines Automobils zu steigern, wurden die Steuern der Automobilindustrie gesenkt, so dass sich letztlich Autos billiger produzieren ließen. Dass hier aber auch eine militärische Absicht dahinter steckte, fiel kaum auf. Denn eine moderne Armee ist motorisiert...
Durch die Weltwirtschaftskrise sanken die Löhne drastisch. Um es dabei zu belassen, wurde relativ schnell ein Lohnstopp festgelegt, so dass Bauaufträge der Regierung günstig blieben. Des Weiteren wurden die Marktpreise in Deutschland fixiert, um eine indirekte Inflation zu verhindern. Im Großen und Ganzen hatte der Wirtschaftsaufschwung, trotz der vielleicht militärischen Motive unter den Nationalsozialisten, nach Außen hin einen zivilen Charakter!

 

 


Mefo Wechsel

 

 

Hjalmar Schacht

 

Hinter verschlossenen Türen sah das Bild jedoch anders aus! Ab 1934 wurden, trotz bestehender Verträge, die es Deutschland nicht gestatteten, exzessiv Rüstungsaufträge ausgeschrieben. Dabei ließ sich das Auftragsvolumen bald nicht mehr durch konventionelle Mittel, wie Steuereinnahmen oder sonstigen staatlichen Programmen finanzieren. Geld musste also von woanders her… Schacht – der Reichsbankpräsident – hatte da eine Idee. Er will die Geldkapazitäten der Industrie selbst frei machen. Er bediente sich hierbei einem kleinen Trick – dem Finanzwechsel-System.

 

Ein Wechselgeschäft funktioniert grundlegend wie folgt: Ein Kunde und ein Lieferant sind sich über die Zahlungsbedingungen uneinig... der Lieferer fordert eine sofortige Zahlung, der Kunde aber kann oder will erst zu einem späteren Zeitpunkt zahlen. Der Wechsel – ein urkundliches Dokument – stellt nun einen Kompromiss dar, der beide Seiten befriedigt. Der Lieferer stellt einen Wechsel aus und der Kunde akzeptiert diesen. Damit verpflichtet sich der Kunde, im vereinbarten Zeitraum, den Wechsel durch finanziellen Ausgleich zu tilgen. Der Lieferer, der selber Kunde eines Lieferanten sein kann – und daher das Geld so dringend benötigte – kann diesen Wechsel nun als reguläres Zahlungsmittel an seinen Lieferanten bzw. einen Dritten zum Ausgleich seiner eigenen Verbindlichkeiten weiter geben.
Der Wechsel kann – egal durch wen – für einen kleinen Obolus in der Bank zu bares Geld gemacht werden. Der Wechsel wird in diesem Fall von der Bank übernommen. Nach Ablauf der Zahlfrist, ist der Akzeptor verpflichtet, den Wechsel auszulösen – entweder an seinen Lieferer, dem "Dritten" oder der Bank – je nachdem, wer den Wechsel gerade besitzt.

 

 

Die "Gesellschafter" der MeFo-GmbH

 

Das Wechselgeschäft hat einen unglaublich großen Vorteil. Es lässt sich dadurch eine versteckte und geräuschlose Finanzierung – in dem Fall für die militärische Aufrüstung – vollziehen. Um das ganze zu realisieren, wurde auf Veranlassung der Reichsbank und des Reichswehrministeriums im Mai 1933 die Mefo gegründet. Eine Scheinfirma, die allein dem Zweck dieses Finanzierungssystems dient. Durch den Mefo-Wechsel ließen sich 30-50% der Rüstungsausgaben finanzieren – das entsprach bis 1938 etwa 12Mrd RM. Da sie als Handelswechsel galten, tauchten sie in keiner staatlichen Bilanz auf und verschleierten so das wahre Auftragsvolumen. Schacht terminierte diese Wechsel auf das Jahr 1938, um die Gefahr einer großen Inflation zu vermeiden. Die Regierung kam aber der Zahlungsaufforderung nicht nach. Trotz Schachts Drängens, die Wechsel zu begrenzen oder auszulösen, wurden in der Konsequenz, weitere Methoden genutzt, um an Finanzen zu kommen. Letztlich wurden 1937 und 1939 die Reichsbankgesetzte so geändert, dass die Reichsbank selbst keinen Einfluss mehr auf die staatliche Geldversorgung nehmen konnte. Schacht nahm daraufhin sein Hut als Reichsbankpräsident.

Neuer Plan/Autarkie/Krieg

 

1934: Schacht wird, neben seiner Position als Reichsbankpräsident, nun auch Reichswirtschaftsminister. Er entwickelte, um an Devisen für das Deutsche Reich zu gelangen den "Neuen Plan". Dieser sah vor, dass sämtliche auswärtigen Schulden fürs Erste auf Eis gelegt werden. Des Weiteren darf ab sofort kein Außenhandelsgeschäft im Importbereich mehr ohne Genehmigung des Reichswirtschaftsministeriums erfolgen. Schacht allein entscheidet nun, was ins Land kommt und was nicht. Außerdem wird ab sofort eine Dumpingpreispolitik im Exporthandel gefahren, um schnell an Devisen zu gelangen. Dabei blieben jedoch die Umsätze oft unter den Herstellungskosten.

Deutschland besitzt für militärische Zwecke kaum verwertbare Bodenschätze, so dass vor allem Eisen importiert werden muss. Dafür sind teure Devisen fällig. Deutschland benötigt aber auch Nahrungsmittel, da der 1933 gegründete Reichsnährstand die deutsche Bevölkerung noch längst nicht zu 100% autark versorgen kann. Es kommt zu Engpässen in der Nahrungsversorgung, da den Rohstoffen – die für die Rüstung nötig sind – der Vorzug gewährt wird. Diese Mangelerscheinungen sollten sich bald auf die gesamte Wirtschaft ausweiten… So mangelte es nicht nur an Nahrung, sondern auch bald an Arbeitskräften, Rohstoffen und letztlich Devisen. Die anfänglichen Erfolge des "Neuen Plans" standen bald im Schatten des immer weiter zurückgehenden Exportausstoßes. Die deutsche Wirtschaft gelangte an ihre Grenzen… Berater des IG Farben Konzerns gaben das dem Führer zu bedenken. Der "Neue Plan" war damit gescheitert!
 

 

  • Auf Anraten der Berater von den IG Farben, schrieb Hitler daraufhin eine Geheime Denkschrift:
  •  
  • […] Ein Sieg des Bolschewismus über Deutschland würde nicht zu einem Versailler Vertrag führen, sondern zu einer endgültigen Vernichtung, ja Ausrottung des deutschen Volkes.
  •  
  • […] Gegenüber der Notwendigkeit der Abwehr dieser Gefahr haben alle anderen Erwägungen als gänzlich belanglos in den Hintergrund zu treten!
  •  
  • […] Wenn es uns nicht gelingt, in kürzester Frist die deutsche Wehrmacht in der Ausbildung, in der Aufstellung der Formationen, in der Ausrüstung und vor allem auch in der geistigen Erziehung zur ersten Armee der Welt zu entwickeln, wird Deutschland verloren sein! […]
  •  
  • [...] Wir sind übervölkert und können uns auf der eigenen Grundlage nicht ernähren.
  •  
  • [...] Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes. Es ist die Aufgabe der politischen Führung, diese Frage dereinst zu lösen. […]

 

 

  • Ich stelle damit folgende Aufgabe:
  • I. Die deutsche Armee muß in vier Jahren einsatzfähig sein.
  • II. Die deutsche Wirtschaft muß in vier Jahren kriegsfähig sein.

 

Damit ist es defacto amtlich… Der Krieg im Osten - mit der Sowjetunion - ist unausweichlich festgelegt worden. Innerhalb von vier Jahren sollen nun die Wehrmacht und die Wirtschaft endgültig kriegsbereit sein. Mit der Verkündung des 'Vierjahresplan' änderte sich auch das wirtschaftliche Gesamtbild. Rüstung wird nun offen betrieben. Konzerne werden mit milliardenschweren Rüstungsaufträgen beauftragt. Die staatliche Kontrolle nahm zu, denn wer in den Erwartungen zurückblieb, wurde durch 'fähigere' Leute ersetzt. Es ist die Zeit der Kommandowirtschaft. In der neu geschaffenen 'Vierjahresplan'-Abteilung, saßen erwartungsgemäß – da von ihr initiiert – Leute der IG Farben, unter ihrem Chef Hermann Göring. Alte Konzepte zur synthetischen Herstellung von Benzin und Kautschuk wurden wieder hervorgeholt, nach dem man sie als nicht rentabel wegschloss.

 


Die Umsetzung des Autarkiegedankens bedeutet für die deutsche Wirtschaft nicht nur Unabhängigkeit und Blockadesicherheit, sondern auch Gewinne. Autarkie sollte um jeden Preis erreicht werden, Kosten sollten da nur eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Politik war für die Konzerne ein gefundenes Fressen. Man konnte nicht nur kostendeckend, sondern auf Kosten des Staates sogar gewinnbringend produzieren, da sich die Führung kaum um das "Wie" gekümmert hat. Das Bestreben nach Autarkie lief in der Landwirtschaft bereits seit Gründung des Reichsnährstandes. Die IG Farben gingen in die Produktion von synthetisch hergestellten Kraftstoffen und Kautschuk – Buna.

Als eine Steigerung der heimischen Erzproduktion angestrebt wurde, verweigerte die deutsche Schwerindustrie ihre Beteiligung an diesem äußerst unrentablen Geschäft. Deutsches Eisenerz hat nur einen Roheisengehalt von etwa 30%. Die Verhüttung ist sehr komplex und damit letztlich ein Verlustgeschäft. Dieser Konflikt führte 1937 schließlich zur Gründung der "Reichswerke Hermann Göring". Die Reichswerke führten den Namen von Göring nicht nur ehrenhalber. Göring avancierte damit zu einem sehr mächtigen Mann im Reich mit sehr viel Einfluss – allein schon aus seinem Amt als Verantwortlicher des 'Vierjahresplan' mit all seinen dazugehörigen Befugnissen. Schacht der mit seinem Wirtschaftsministerium an Bedeutung verliert, übt an dem Irrsinn, die Volkswirtschaft so zu strapazieren Kritik und gibt sein Amt als Reichswirtschaftsminister im November 1937 nach einer Schelte konsequent ab. Das Amt des Reichsbankpräsidenten behält er jedoch bis Januar 1939 bei.

 

"fertig" - Panzerproduktion der Baureihe PzKpfw III (1939/40)


Die ökonomischen Folgekosten waren enorm… Die Staatverschuldung verdoppelte sich von 1937 bis zum Kriegsausbruch 1939 von 16 Mrd RM auf 31 Mrd RM. Der Ressourcenmangel konnte letztlich nicht behoben werden, auch nicht nach der Einverleibung Österreichs (das später etwa 23% der gesamten Produktion ausmachte) ins Deutsche Reich. So blieb der Selbstversorgungsgrad bei der Eisenerzproduktion bei gerade mal etwas über 50%. Auch in den anderen Bereichen klafften Lücken: Die Mineralölabhängigkeit konnte nur geringfügig von 66 auf 60% gesenkt werden. Und trotz großer Anstrengungen blieb die Buna-Produktion mit einer Bedarfsdeckung von nur 50% weit hinter den Erwartungen zurück. Besonders in der Fettversorgung musste auf Importe zurückgegriffen werden. Bei tierischen Fetten mussten 20%, bei pflanzlichen sogar 90% importiert werden, um den Bedarf zu decken. Einzig die Grundnahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Fleisch waren mit einer Bedarfsdeckung von 90-100% hinreichend vorhanden.

Die Bevölkerung nahm es zwar nicht ohne Murren hin, protestierte aber auch nicht, da man sich noch allzu gut an die entbehrungsreichen Jahre der großen Krise zurück erinnerte. Zum anderen lenkte die Propaganda den Konsumbedarf auf Produkte die zwar von minderer Qualität, jedoch reichlich im Land vorhanden waren. So verdreifachte sich zum Beispiel der Umsatz an Vierfruchtmarmelade. Aus Mangel an Devisen und den damit verbundenen Rohstoffmangel wurde die Verteilung der Ressourcen weiter erschwert. Nicht zuletzt dadurch, dass ein Führererlass 1938 die Zeit des Vierjahresplan um ein Jahr straffte. Man erhoffte sich durch gegenseitige Wirtschaftshilfe mit Ländern, die es ähnlich schwer haben wie Deutschland (Sowjetunion, Ungarn, Türkei), im Austausch von wertgleichen Waren weitere Rohstoffe. Damit ließen sich aber nur mäßige Erfolge erzielen. In der Gesamtrechnung scheiterte die Autarkiepolitik an ihrer Nichterfüllung.

 

 

 

Kurz vor Kriegsbeginn wurden Lebensmittelmarken für die deutsche Bevölkerung verteilt. Am 1. September 1939 begann der Überfall auf Polen. Für die Wirtschaft änderte sich aber deswegen in den ersten Kriegsjahren nichts. Lediglich, dass erstmals wieder ausreichend Arbeitskräfte (die durch die Wehrpflicht oder durch unrentable Produktionsstandorte gebunden waren) durch Zwangsarbeiter zur Verfügung standen.
Die Wehrmacht wurde nicht für längere Feldzüge ausgerüstet, sondern wurde für Blitzkriegtaktiken konzipiert. Die Strategie ging im Polenfeldzug voll auf. Trotzdem büßte man etwa 30% der Landesausrüstung ein – die erst mal wieder aufgestockt werden musste. Ein Präventivschlag sollte den Eisentransport aus Schweden sichern. Man griff mit der bis dato in einer Schlacht größten Seeflotte Dänemark und Norwegen an und besetzte beide Länder. Norwegen war reich an Eisenerzen… was sich, laut einiger U-Boot-Kommandanten, wohl sogar negativ auf die Magnetzünder der Torpedos auswirkte. Durch die ebenfalls in der norwegischen Küstenregion befindlichen britischen Marine büßte die Kriegsmarine im "Unternehmen Weserübung", viel eigene Tonnage ein, was ein endgültiges Umdenken in Richtung reine U-Boot-Flotte nach sich zog. Die Besetzung Frankreichs, ließ kurzfristig die Ressourcenknappheit entspannen. Auch die Luftwaffe sollte noch ihre große Niederlage erfahren… in der Luftschlacht um England 1940. Bald aber mussten unbedingt die Mineralölfelder in Russland erobert werden, um den Krieg fortsetzen zu können. Das "Unternehmen Barbarossa" nahm bei Stalingrad Ende 1942 einen dramatischen Verlauf für das Heer.

Die Rüstung wurde unter Albert Speer 1942 neu organisiert… Sie wurde zum einen zentralisiert und anschließend rationalisiert. Durch zentrale Bestellungen, waren keine teuren Doppelbestellungen mehr möglich. Das sparte und schonte wichtige Ressourcen. Durch Rationalisierung wurden ineffiziente Standorte stillgelegt, vorhandene durch Schichtbetrieb weiter ausgereizt, der bis dahin kaum üblich war. Es fand auch ein Umdenken in der Bewaffnung selber statt. Masse statt klasse! Frühere Rüstungen waren darauf bedacht, dass mit qualitativ hochwertigem Material gekämpft wird. Man ging davon ab und stellte des Weiteren nur noch eine kleine Produktpalette an Waffensystemen her, die zudem noch untereinander kompatible Teilkomponenten aufwiesen. Dadurch wurde die Effizienz stark erhöht.
Mit der flächendeckenden Bombardierung der deutschen Städte ab 1942 wurde es jedoch immer schwieriger, die Rüstung am Laufen zu halten. Es wurde Energie von Kraftwerken benötigt, die aber nacheinander zerstört wurden. Es bedurfte einer funktionierenden Infrastruktur, die nach den endlosen Angriffen auf die Eisenbahn und letztlich auf LKWs nicht mehr leistungsfähig war. Die deutsche Wirtschaft wurde zum Ende des Krieges also regelrecht Schach Matt gesetzt – sie konnte sich nicht mehr rühren. Folglich konnte auch der Krieg (unabhängig der militärischen Gesamtlage, unter wirtschaftlichen und versorgungstechnischen Aspekten) nicht mehr fortgesetzt werden. Ein Beispiel am Ressourcenmanagement 1943/44: Die Royal Air Force war gegenüber der Luftwaffe achtfach überlegen, um diese Unterlegenheit zu kompensieren, wurden über 50% aller Ressourcen in die Luftwaffe gesteckt. Doch je mehr Flugzeuge produziert wurden, desto mehr wurden – nicht zuletzt aus Mangel an qualifizierten Piloten – abgeschossen. Diese Ressourcenlenkung ging zu Lasten der restlichen Streitkräfte und nahm damit auch Einfluss auf die Verlaufsentwicklung der Ostfront (Panzer & Geschütze fehlten). Der Bombenkrieg in der Heimat tat sein Übriges… Er führte nicht nur zur Zerstörung der Industrie, sondern auch, durch Luftalarme bedingten Stilllegungen der Betriebe, zu Produktionsausfällen von denen ein ganzes Panzerkorps pro Vierteljahr hätte ausgerüstet werden können.

 

1 Armee = 3 bis 7 Korps; 1Korp = 3 bis 4 Divisionen (30.000-70.000 Mann + 5.000-10.000 Panzer)

 

Die Zerstörung vieler Transportwege, nahm auch negativen Einfluss auf die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Nahrungsgütern. So brach der Reichsnährstand zum Ende des Krieges zusammen und es kam zu Engpässen in der Lebensmittelversorgung, die teilweise sogar in Hungersnöte ausarteten. Nach Ende des Krieges wurden im amerikanischen und britischen Sektor die noch erhaltene Industrie fürs Erste stillgelegt und sollte stellenweise auch nie wieder produzieren – das betraf vor allem die Schwerindustrie – allen voran KRUPP. Wirtschaften, die sich um die Landesversorgung bemühten gingen aber bald wieder in Produktion. Im Ostsektor, aber auch bei den Franzosen wurde dagegen gnadenlos demontiert.

 

 

Propaganda-Plakat (1942)


Zusammenfassung

Die Wirtschaft im Dritten Reich


 

  • Machterlangung der Nationalsozialisten 1933 unter Anderem erst durch die Dauerregierungskrise und insbesondere der Weltwirtschaftskrise möglich
  •  
  • wirtschaftliche Ziele der Nationalsozialisten:
  •  
  • - exzessive Rüstungspolitik ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Verluste
  • - Autarkiepolitik → Unabhängig nach Außen (rüstungspolitische Gründe)
  • - Senkung der Arbeitslosigkeit → Vollbeschäftigung
  •  
  • Grundlage der gesteckten Ziele war die nationalsozialistische Ideologie (kriegerische Aneignung von Lebensraum, Zerschlagung des Bolschewismus).
  •  
  • Vorwiegend verwendete Mittel, um die Ziele zu erreichen:
  •  
  • - Staatsinterventionistische Maßnahmen im Bereich der Preis- & Beschäftigungspolitik
  • → Preis- und Lohnstopp, Zerschlagung der Gewerkschaften, Aufbau- & Arbeitsbeschaffungsprogramme (Projekt Reichsautobahn)
  • - Marktkontrolle → "Neuer Plan", "Vierjahresplan"
  •  
  • Wirtschaft lässt sich in 3 Phasen gliedern:
  •  
  • 1. Phase 1933 – 1935: Wehrwirtschaft
  • - Gleichschaltung durch Neuformatierung der dt. Wirtschaft (1933/34)
  • → Auflösung der Gewerkschaften und Ersetzung durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF)
  • → Einführung des Führerprinzips
  • → Gründung des Reichsnährstandes
  • - versteckte Rüstungsfinanzierung durch Mefo-Wechsel (1934-38)
  • - Kontrolle über Außenhandel durch "Neuen Plan" (1934-36)
  • → Aussetzung aller auswärtigen Schulden
  • → Außenhandel nur mit staatlicher Genehmigung → völlige Kontrolle
  • → Bevorzugung von Rohstoffimporten gegenüber Nahrungsimporten
  • → Dumpingpreise → Steigerung von devisenbringenden Exporten
  • - Lohnstopp (1933)
  •  
  • 2. Phase 1936 – 1940: Kommandowirtschaft
  • - gesetzlicher Preisstopp (1936)
  • - Vierjahresplan (1936-39) → Rüstungsbeschleunigung
  • → Kriegfähigmachung der dt. Wirtschaft und der Wehmacht
  • → Umsetzung der Autarkiepolitik → Blockadesicherheit
  • → Synthetisierung von Benzin und Kautschuk (Buna)
  • → Maximierung der dt. Erzförderung → "Hermann-Göring-Werke"
  • → Abteilungen des 'Vierjahresplan' bestanden bis Kriegsende, verloren aber ab 1940 völlig an Bedeutung
  • - Einführung von Lebensmittelkarten (1939)
  • - Einsatz von Zwangsarbeitern (1939) → deckten etwa 30% am Gesamtarbeitsbedarf
  •  
  • 3. Phase 1941 – 1945: Kriegswirtschaft
  • - Rationalisierung und Zentralisierung der dt. Industrie (1941-44)
  • → Schaffung von Ausschüssen, die über die Verteilung der Ressourcen entschieden
  • - starke Bombardierung der dt. Industriestandorte durch alliierte Streitkräfte (1942-45)
  • → Zusammenbruch des Transportsystems brachte Wirtschaft zum Erliegen
  • → Zusammenbruch des Reichsnährstandes → Hungersnöte
  • - Stilllegung oder Demontage der dt. Industrie durch die Alliierten (1945)
  •  

Quellen

Quellen (Stand: 01. Oktober 2012)

Für die Beitragsüberschriften wurden folgende (auf einschlägigen Seiten) frei verfügbare Schriftarten verwendet:

Propaganda
Futura Md BT

Hauptquelle:
http://www.bpb.de/izpb/9983/wirtschaft- ... hakenkreuz

Nebenquellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_des_N ... ozialismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft ... chen_Reich
http://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik
http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise
http://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Kampf
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Arbeitsfront
http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChrerprinzip
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsautobahn
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufr%C3%BC ... _Wehrmacht
http://de.wikipedia.org/wiki/Hjalmar_Schacht
http://de.wikipedia.org/wiki/Mefo
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsbank
http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Plan
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsn%C3%A4hrstand
http://de.wikipedia.org/wiki/Vierjahresplan
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichswerk ... %C3%B6ring

weitere verwendete Quellen:
http://www.lsg.musin.de/geschichte/gesc ... dap_20.htm
http://www.lsg.musin.de/geschichte/gesc ... olitik.htm
http://www.geschi.de/artikel/3reichwirtschaft.shtml
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/wirtschaft/index.html
http://www.stern.de/politik/geschichte/ ... 37694.html

http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1 ... _treue.pdf

Bildquellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Br%C3%BCning
http://www.calvin.edu/academic/cas/gpa/ ... rbeitc.jpg
http://www.germanblogs.de/pub/germanblo ... nKampf.jpg
http://rens.ca/2012/wp-content/uploads/ ... alfred.gif
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/f62_187/index.html
http://photobibliothek.ch/seite010c1.html
http://www.bytwerk.com/gpa/posters/daf.jpg
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/ak9 ... index.html
http://www.bytwerk.com/gpa/posters/reichsbahn.jpg
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/633_4/index.html
http://einestages.spiegel.de/hund-image ... erless.jpg
http://i4.photobucket.com/albums/y146/S ... chacht.jpg
http://www.bytwerk.com/gpa/posters/arbeit.jpg

 

 

Autor: Soldberg