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Einleitung

Nahen Osten

Krise einer Region

- Der Konflikt zwischen Juden und Moslems im "Heiligen Land" -

 Einleitung


Wenn wir Westeuropäer an den Konflikt zwischen Israel und Palästina denken, kommen uns wahrscheinlich Begriffe wie „Gazastreifen“, „PLO“ und „Intifada“ in den Sinn. Wir alle kennen die Bilder aus dem zerstörten Gazastreifen, der beinahe völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Auf der anderen Seite verübten und verüben islamistische Organisationen wie die Hamas, die in den letzten Jahren enormen Zulauf erhalten haben, immer wieder Selbstmordattentate auf israelische Einrichtungen.
Doch was ist der eigentliche Auslöser dieses Konflikts? Im großen und ganzen ist es die Forderung der Palästinenser nach einem eigenen Staat; ein Bestreben, das noch heute von weiten Teilen der israelischen Bevölkerung abgelehnt wird. Doch was macht diesen Konflikt für den Rest der Welt eigentlich so wichtig? Wieso bemühen sich vor allem die Amerikaner um eine schnelle Lösung, die für beide Seiten akzeptabel ist? Dies liegt wohl in der Tatsache begründet, dass die USA sich schon seit dem 2. Weltkrieg in gewissem Maße als „Schutzmacht der Juden“ fühlen. Gleichzeitig wurde der Nahe Osten (für die USA eigentlich Mittlerer Osten, also „middle east“) für die USA immer wichtiger, was sich mit den hohen Erdölvorkommen der arabischen Staaten erklären lässt. Zwar besitzt Israel keine nennenswerten Vorkommen an Erdöl, allerdings sehen die USA in diesem Staat gewissermaßen einen Vorposten in diesem Teil der Welt. Würde Israel zusammenbrechen, würden die USA ihren wichtigsten Verbündeten in der Region verlieren und ihr Einfluss in der Region würde massiv schwinden. Da die Amerikaner allerdings verstanden haben, dass eine Lösung ohne Einbeziehung der arabischen Bewohner des „heiligen Landes“ nicht möglich ist, versuchen sie seit Jahren einen Konsens zu finden, der für beide Seiten – Juden wie Araber – tragbar ist. Auf beiden Seiten gibt es allerdings Gruppen, die gegen so einen Konsens sind. Auf der einen Seite sind dies die ultra-konservativen Juden, die sogenannten „Zionisten“, die keinen Stück ihres „Eretz-Israel“ (hebr.: „Verheißenes Land“, oft fälschlich mit „Heiliges Land“ übersetzt) an die Araber abtreten wollen, während auf der anderen Seite islamistische Terrororganisationen wie die Hamas versuchen die Juden aus dem, auch für sie heiligen, Land zu vertreiben.
Um zu verstehen, wie es zu so einer Eskalation des Konflikts kommen konnte, muss man die Geschichte des Staates Israel und der restlichen Staaten in der Region genauer betrachten, den der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist gleichzeitig ein Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn Ägypten, Syrien, Jordanien und dem Libanon.

1. Weltkrieg

 Antike bis 1. Weltkrieg

Der Streit um die Region Kanaan, das spätere Königreich Israel, brach schon in der Antike aus. Die römische Besatzungsmacht zerstörte nach der Eroberung Jerusalems den Tempel und nach Aufständen gegen die verhassten Besatzer verhängten diese ein Ansiedlungsverbot für alle Juden. Damit wurden die Juden aus ihrem Heimatland vertrieben und zerstreuten sich über Europa und Teile Asiens.
Im Mittelalter wurden die Juden durch soziale und wirtschaftliche Diskriminierungen, wie ein Zunftverbot, in eine Randstellung gedrängt und so wurde ihre Haupteinnahmequelle das Geschäft des Geldverleihens, was ihnen natürlich keine großen Sympathien einbrachte. Desweiteren bildeten sich bereits im Mittelalter sogenannte „Gettos“, also Wohnviertel allein für Juden, in den größeren Städten Europas. Vor den Kreuzzügen kam es immer wieder zu großen Pogromen und Massenvertreibungen, denen tausende Menschen jüdischen Glaubens zum Opfer fielen.

 

Theodor Herzls "Der Judenstaat" (1896)

 

Durch die Eroberung des Heiligen Landes durch die Osmanen im Jahre 1517 zerschlugen sich die Träume der europäischen Juden in ihr Heimatland zurückzukehren und so blieb es ein Traum eines Tages einen jüdischen Staat entstehen zu sehen. Die Französische Revolution und ihr Wahlspruch „liberté, égalité, fraternité“ (franz.: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) weckten wieder Hoffnungen, die allerdings nach kurzer Zeit durch eine neue Welle des „Antisemitismus“ zerschlagen wurden. An der Lage der Juden in Europa änderte sich bis zum Ersten Weltkrieg nicht viel und Visionen eines jüdischen Staates, wie Theodor Herzls „Der Judenstaat“ blieben einfach das: Visionen.

 

Erster Weltkrieg und britische Mandatszeit

 

Teilungsplan der Balfour-Deklaration

 

Im Jahr 1917, also im dritten Kriegsjahr des ersten Weltkrieges, kam es in London zur Unterzeichnung der „Balfour-Deklaration“ zwischen der britischen Regierung und der „Zionistischen Organisation“ (heute „Zionistische Weltorganisation“ / WZO). In dieser verpflichteten sich die Briten nach dem Sieg über das osmanische Reich, die WZO beim Aufbau einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ zu unterstützen. Als die Briten Palästina im Jahr 1920 vom Völkerbund als Mandatsgebiet zugesprochen erhielten, fühlten sie sich allerdings nicht mehr an dieses Abkommen gebunden und nachdem der Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini (1893-1974), die Führung der über die „Bewegung des arabischen Nationalismus“ übernahm, wollte er die britische Kolonialmacht dazu bringen, den Zuzug von weiteren Juden in das Gebiet zu stoppen. Die Briten verweigerten dies aber, da sie durch die Ansiedlung ihren Status im Nahen Osten stärken wollen, und so kam es zu ersten arabisch-jüdischen Zusammenstößen im „Heiligen Land“. Ausgelöst wurde dies vor allem durch den Neid der Araber, der durch die jüdischen Fortschritte in Landwirtschaft und Infrastruktur angestachelt wurde. 1921 kam es zu ersten Pogromen und 1929 konnte ein Massaker in Hebron nur durch das Einschreiten der britischen Polizei verhindert werden.


arabische Kämpfer während des arabischen Aufstandes 1936-39 ausgerüstet mit deutschen Waffen

Eingeschüchtert durch diese Gewalt zogen nach und nach alle Juden aus Hebron ab. Von 1936-1939 kam es zum „Großen arabischen Aufstand“ gegen die britische Herrschaft und den jüdischen Einfluss, was dazu führte, dass paramilitärische jüdische Gruppen, wie Irgun (hebr.: „Nationale Militärorganisationen“), „Haganah“ (hebr.: „Die Verteidigung“) und die, später als Terrororganisation eingestufte, Stern-Gruppe (eigentlich „Lechi“ / hebr.: „Kämpfer für die Freiheit Israels“) regen Zulauf erhielten.

Israel

Zweiter Weltkrieg und Gründung Israels


David Ben Gurion; "Gründervater Israels"

Die Judenverfolgung und der spätere Holocaust führten in Europa zu einer großen Auswanderungswelle von Juden, die vor dem menschenverachtenden Regime der Nazis fliehen wollten. Da viele Nationen, vor allem die USA, keine weiteren Juden aufnehmen wollten, suchten diese nach einer neuen Heimat und fanden diese in ihrer früheren Heimat Palästina. Tausende Juden, die vor den Nazis fliehen konnten, siedelten sich in Palästina an und einige kämpften sogar auf der Seite der Alliierten, vor allem in der britischen Armee und der US Army.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gaben die Briten ihr Mandat über Palästina auf und so traten die neugegründeten Vereinten Nationen auf den Plan. Die Resolution 181 der UN-Vollversammlung, die am 29. November 1947 beschlossen wurde, besagte, dass ein jüdischer und ein arabischer Staat gegründet werden sollten. Während vor allem die jüdischen Flüchtlinge aus Europa dies begrüßten, lehnten extremistische Araber die Resolution ab. Trotzdem wurde am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit des Staates Israel von David Ben Gurion (1886-1973) in Jerusalem verkündet, der allen Juden der Welt eine sichere Zufluchtsstätte vor Verfolgung bieten sollte. Kurz darauf zogen die letzten britischen Truppen ab und als erster muslimischer Staat erkannte die Türkei den neuen jüdischen Staat offiziell an

 

 Palästinakrieg 1948/1949

 Bereits einen Tag nach der Verkündung des Teilungsplanes für Palästina, brach ein Bürgerkrieg zwischen dem arabischen und dem jüdischen Teil der Bevölkerung aus. Auslöser waren sowohl Terroranschläge radikaler Zionisten als auch nationalistischer Araber. Am 15. Mai 1948 steigerte sich der Bürgerkrieg zum Palästinakrieg, indem fünf arabische Staaten unter Vorwand der „Verteidigung ihrer Glaubensgenossen in Palästina“ Israel den Krieg erklärten. Dies waren Ägypten, der Irak, der Libanon, Syrien und Transjordanien. Obwohl die arabischen Streitkräfte zahlenmäßig weit überlegen waren, konnten die neugegründeten „Israeli Defense Forces“ (IDF) durch bessere Ausbildung und Waffenlieferungen aus den USA und Großbritannien den Sieg erringen.
Einen kurz darauf von der UNO ausgehandelten Waffenstillstand brach Ägypten und so rückte die israelische Armee in die Gebiete Palästinas ein, die eigentlich dem arabischen Bevölkerungsteil durch die UNO-Resolution zugesichert worden waren. Jüdische Terroristen brachten, ausgelöst durch die Kritik der UNO, sogar den UN-Vermittler Folke Bernadotte (1895-1948) um, der sich für einen Frieden zwischen Israel und den arabischen Staaten einsetzte.
Der Krieg wurde im Jahr 1949 durch ein weiteres Waffenstillstandsabkommen beendet, doch war dies erst der Anfang des noch heute brodelnden Nahostkonflikts. Nicht umsonst bezeichnen die Araber die Vertreibung von etwa 700.000 Palästinensern aus dem Gebiet als „al-Nakba“ (arab.: „Große Katastrophe“)
Die schwerwiegendste Folge des Krieges war das bis heute andauernde Flüchtlingsproblem. Die aus den besetzten Gebieten geflohenen Palästinenser fanden großenteils Zuflucht in Flüchtlingslagern im Libanon, Jordanien, Syrien und Ägypten sowie im Gaza-Streifen und im Westjordanland. Bis heute herrschen in diesen Flüchtlingslagern menschenunwürdige Bedingungen und vor allem im Gaza-Streifen ist die Lage sehr gespannt, da sowohl die Grenze zu Israel als auch die Grenze zu Ägypten bis heute schwer bewacht wird und das Gebiet somit praktisch hermetisch von der Außenwelt und somit von jedweder Versorgung abgeschnitten ist.
Die Tatsache, dass die israelische Regierung die Rückkehr dieser Flüchtlinge bis heute verhindert, löste in den Jahren nach dem Palästinakrieg Pogrome und Gewaltakte gegen jüdische Gemeinschaften in der arabischen Welt und auch heute ist die starre Haltung der israelischen Regierung einer der Hauptkritikpunkte der internationalen Beobachter und auch einiger jüdischer Reformer, die endlich eine Lösung des seit 60 Jahren andauernden Konflikts herbeiführen wollen.

Kriege

Die Kriege zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn 1956-1979

 

Gamal Abdel-Nasser; Führer des "Panarabismus"

 

Im Jahr 1956 verschärfte sich die Situation nach einer längeren Periode des Friedens zwischen Israel und Ägypten wieder. Auslöser waren Angriffe arabischer Terroristen, sogenannter „Fedajin“ (arab.: „der sich Opfernde“), auf israelisches Gebiet. Durchgeführt wurde diese Angriffe größtenteils von ägyptischen Staatsgebiet sowie vom Gaza-Streifen aus. Der neue ägyptische Präsident Gamal Abdel-Nasser (1918-1970) wollte in der Weltöffentlichkeit Stärke gegenüber den Israelis zeigen und befahl die Blockade des Golf von Akaba, um so den Suezkanal für israelische Schiffe zu sperren. Da dies allerdings auch anderen Schiffen die Durchfahrt unmöglich machte, wurde die Aktion von der UNO als Verstoß gegen internationales Recht gesehen. Mit Billigung der französischen und britischen Regierung stießen am 29. Oktober israelische Truppen in den Gaza-Streifen und auf der Sinai-Halbinsel vor und besiegten die unvorbereitete ägyptische Armee ohne große Probleme. Noch während die Kämpfe stattfanden, wurde Nasser vom französischen und vom britischen Botschafter dazu aufgefordert alle Truppen hinter den Suezkanal zurückzuziehen und die Sinai-Halbinsel somit zu räumen. Da Nasser dies ablehnte begannen kurz darauf französische und britische Fallschirmjäger die Kontrolle über den Kanal zu übernehmen, was der ägyptischen Armee, die im Kampf mit den israelischen Truppen gebunden war, den Todesstoß versetzte.
Die USA, die einen Konflikt mit der Sowjetunion fürchteten, legten daraufhin Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein und so wurde das gemeinsame Vorgehen der israelischen, britischen und französischen Truppen von der UNO offiziell verurteilt und durch den Druck, der daraufhin vor allem auf die britische und die französische Regierung ausgeübt wurde, zogen sich deren Truppen einige Tage später wieder zurück und überließen den Ägyptern so wieder den Kanal. Um den Suezkanal für die internationale Schifffahrt offen zu halten und um den Frieden zu sichern, stationierten die Vereinten Nationen die „United Nations Emergency Force“ (UNEF) in Stützpunkten entlang der israelisch-ägyptischen Grenze. Trotz massiver Anstrengungen seitens der Ägypter den Kanal wieder für Schiffe passierbar zu machen, nahmen die Bergungsarbeiten der versenkten Schiffe Jahre in Anspruch, sodass der Kanal mehrerer Jahre nur eingeschränkt benutzt werden konnte.
Das Eingreifen der französischen und britischen Truppen in den arabisch-israelischen Konflikt war ein letzter Versuch der ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien gewesen, ihren Einfluss in diesem Gebiet wieder zu stärken, beschleunigte in Wahrheit aber nur den Abfall der noch verbleibenden Kolonien um ein vielfaches. Die Rolle der Sowjetunion im Nahen Osten wurde im Gegenzug massiv gestärkt und in den nächsten Jahren übernahm das Land immer mehr die Schutzherrschaft über die arabischen Staaten, indem es sie mit Waffensystemen aus eigener Produktion belieferte und wirtschaftlich unterstützte.

 

Panarabismus-Zeichen (Saladin-Adler)

 

Das Ansehen des ägyptischen Präsidenten Nasser sank innerhalb der arabischen Welt allerdings stark und schwächte somit auch den „Panarabismus“, als dessen Führer er sich sah. Ziel dieses „Panarabismus“ war es, alle Araber vom Atlantik bis zum Persischen Golf in einem Nationalstaat zu vereinen.
Die Besetzung des Gaza-Streifens während des Krieges durch die israelische Armee verschärfte die Lage zwischen Israelis und Palästinensern hingegen weiter und führte zu Terroranschlägen, auf die die israelischen Sicherheitskräfte worauf diese, mit Billigung und teilweise sogar Unterstützung der konservativen Regierung, zunehmend gewaltsamer reagierten. Der Gaza-Streifen wurde nach dem Krieg zwar wieder unter ägyptische Verwaltung gestellt, blieb allerdings weiterhin ein Hort für Antiisraelische Bewegungen und Terrororganisationen.

Die Gründung der arabischen Republik

 

Eine arabische Liga, die Ägypten, den Irak, Jordanien (damals Transjordanien), den Jemen, den Libanon, Saudi-Arabien und Syrien umfasste, wurde bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, allerdings verfolgte sie größtenteils wirtschaftliche Interessen. Erst im Jahr 1958, nach der ägyptischen Niederlage gegen Israel, entschlossen sich die zwei maßgebenden Akteure Ägypten und Syrien zur „Vereinigten Arabischen Republik“ zusammen. Trotz der Tatsache, dass Syrien drei Jahre später wieder austrat – eine Folge der für Syrien unannehmbaren territorialen und hegemonialen Forderungen Nassers sowie eines Militärputsches – konnten sowohl Syrien, als auch Jordanien für eine harte Politik gegenüber Israel begeistert werden. Die drei Staaten setzten sich das Ziel die auf israelischem Gebiet lebenden Muslime zu befreien und die Juden aus der Region zu vertreiben.

 

Kriege II

Sechstagekrieg, Abnutzungskrieg und verstärkte Terroranschläge der PLO

 

1967 hatte Nasser sein Ziel die arabischen Staaten auf einen neuen Krieg gegen Israel einzuschwören erreicht. Truppen marschierten sowohl auf den strategisch wichtigen Golan-Höhen, als auch auf der Sinai-Halbinsel und im Westjordanland auf.
Die israelische Armee sah nur eine einzige Möglichkeit der Gefahr zu begegnen: einen massiven Präventivschlag, der jedwede Gefahr schon im vornherein ausschalten sollte. Innerhalb weniger Stunden verlor die ägyptische Armee durch massive Luftangriffe etwa 80 % ihres militärischen Materials und so konnten israelische Truppen beinahe ohne Gegenwehr die Sinai-Halbinsel und den bis dahin unter ägyptischer Verwaltung stehenden Gaza-Streifen besetzen. Nachdem der Waffenstillstand mit Ägypten unterzeichnet war, wandten sich die siegessicheren israelischen Truppen gegen die syrische Armee und besetzten innerhalb weniger Tage die für Syrien so wichtigen Golan-Höhen. Der Weg nach Damaskus war frei, doch Jordanien, das in Aussicht eines leichten Sieges gegen Israel in den Krieg eingetreten war, band die israelische Aufmerksamkeit, sodass die syrische Hauptstadt verschont blieb. Stattdessen besetzten israelische Elitetruppen den östlichen Teil Jerusalems und das Westjordanland und drängten die jordanische Armee in brutalen Häuserkämpfen weit zurück. Nach sechs Tagen war dieser „Blitzkrieg“ im Sinne eines Manstein (1887-1973), der 1940 mit seinem „Sichelschnittplan“ seinen Gegner Frankreich ebenfalls in nur wenigen Tagen besiegte, vorbei und es wurde ein Waffenstillstand beschlossen, der schmerzvolle Gebietsverluste für Syrien, Jordanien und Ägypten bedeutete.
Die Vereinten Nationen hingegen verurteilten den Angriff der Israelis und bezeichneten Israel als „Aggressor“. Die Tatsache, dass Israel mit dem Angriff nur einem mit Sicherheit in Kürze erfolgten arabischen Angriff zuvorkam wurde bewusst ignoriert. In der „Resolution 242“ forderte der Sicherheitsrat, dass die besetzte Gebiete räumen sollte. Dadurch dass die Resolution eben nur besagte, dass Israel „besetzte Gebiete“ und nicht „die besetzten Gebiete“ räumen sollte, sieht Israel die Resolution seit der Rückgabe der Sinai-Halbinsel an die Ägypter erfüllt. Die Golan-Höhen und das Westjordanland sowie Ost-Jerusalem blieben in israelischer Hand und es wurde begonnen diese Gebiete massiv zu besiedeln und auch, in weiser Voraussicht auf einen neuen Konflikt, zu befestigen.

 

Zeichen der PLO (o.) bzw. der Fatah Al-Islam (u.)

 

Die Besetzung der arabischen Gebiete führte auf Seiten der Palästinenser zu einer weiteren starken Welle des Protests, der darin gipfelte, dass mehrere neue terroristische Gruppierungen, wie die „Fatah al-Islam, die „Democratic Front for the Liberation of Palestine“ (DFLP) oder die „Popular Front for the Liberation of Palestine“ (PFLP), gegründet wurden, wobei die letzten beiden leninistisch-marxistisch orientiert waren. Nach mehreren gewaltsamen Zusammenstößen sowie Terroranschlägen, wie dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft bei den olympischen Spielen 1972 in München, musste der Großteil dieser Gruppierungen nach Vergeltungsaktionen der israelischen Sicherheitskräfte ihre Basen allerdings nach Syrien und in den Libanon verlegen. Der Rückzug dieser Organisationen in den Libanon, gilt als Ursache für die Instabilität des Land und den bis heute schwelenden, Bürgerkrieg.
Ein Jahr nach der Niederlage im Sechstagekrieg startete Ägypten einen Abnutzungskrieg gegen Israel, der allerdings ohne nennenswerte Gebietsgewinne im Jahr 1970 durch einen erneuten Waffenstillstandsvertrag beendet wurde.
Am 1. September 1967, wenige Tage nach dem Sechstagekrieg, kam es in der sudanesischen Hauptstadt Karthum zur Unterzeichnung der „Karthum-Resolution“ durch acht arabische Staaten. In dieser wurden die berühmten „drei Neins“ der arabischen Politik gegenüber Israel festgelegt. „Kein Frieden mit Israel“, „Keine Anerkennung Israels“, sowie „Keine Verhandlungen mit Israel“. Diese Resolution bestimmte die arabische Politik gegenüber Israel in den nächsten Jahren maßgeblich.

 

 

Jom-Kippur Krieg und Camp-David-Friedensabkommen

 

Der nächste Krieg ließ nicht lange auf sich warten. Am Jom-Kippur (hebr.: „Versöhnungstag“) des Jahres 1973 überfielen ägyptische und syrische Streitkräfte völlig überraschend Israel, das durch diesen höchsten jüdischen Feiertag abgelenkt war. Die Ägypter eroberten die Sinai-Halbinsel zurück, wurden dann aber durch einen entschlossen durchgeführten Gegenangriff wieder bis hinter den Suezkanal zurückgedrängt. Die Truppen der IDF stehen zum Zeitpunkt des Friedensschlusses, der auf Anregung der USA ausgehandelt wurde, nur etwa 200 km vor Kairo und bedrängten die ägyptische Regierung somit stark. Das politische Eingreifen der USA lag vor allem in der Tatsache begründet, dass die arabischen Staaten ein Öl-Embargo verhängt hatten und so den westlichen Staaten den Treibstoff ihrer Industrien vorenthielten. Den Industriestaaten der westlichen Sphäre, vor allem den USA, wurde dadurch erstmalig ihre Abhängigkeit vom Erdöl und somit von den erdölfördernden Staaten bewusst, was dazu führte, dass die USA verstärkt begannen in den Konflikt im Nahen Osten einzugreifen um so ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen.

 

(v.l.n.r) Anwar as-Sadat, Jimmy Carter und Menachem Begin in Camp David

 

Im Jahr 1978 haben die USA ihr Ziel vorerst erreicht. In Camp David, dem Erholungssitz des amerikanischen Präsidenten, unterzeichneten der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat (1918-1981) und der israelische Premierminister Menachem Begin (1913-1992) das „Camp-David-Friedensabkommen“. Maßgeblichen Anteil daran hatte der amerikanische Präsident Jimmy Carter (* 1924).
In diesem Abkommen, für das sowohl Sadat als auch Begin den Friedensnobelpreis erhielten, verpflichteten sich die beiden Staaten auf eine gewaltsame Lösung des Konflikts zu verzichten. Israel zog sich daraufhin aus den besetzten Gebieten auf der Sinai-Halbinsel zurück, während Ägypten Israel im Gegenzug als Staat anerkannte.
Ein ähnliches Abkommen zwischen Israel und Syrien wurde vor allem durch die Annexion der Golan-Höhen erschwert. Als direkte Folge verlor Ägypten die Führungsrolle in der Anti-Israel Bewegung der arabischen Staaten, die von Syrien bereitwillig übernommen wurde. Interessant in diesem Zusammenhang ist wohl, dass Syrien sich seitdem als Sprachrohr der palästinensischen Sache sieht, die palästinensischen Flüchtlinge auf syrischem Staatsgebiet bis heute nicht als Staatsbürger anerkennt. Man sieht also, dass das palästinensische Problem oft nur als Vorwand für die Machtinteressen der arabischen Staaten in der Region herhalten muss.

Intifada

Erste Intifada und Oslo-Prozess

Jassir Arafat; Führer der PLO

 

Nach dem Libanonkrieg im Jahr 1982, der auch tausende palästinensische Flüchtlinge in den libanesischen Flüchtlingslagern forderte, eskalierte der Konflikt zwischen den israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten im Jahr 1987. Die „Erste Intifada“ (arab. „sich erheben“) dauerte vier Jahre bis 1991 und ist auch heute noch unter dem Namen „Krieg der Steine“, in Anlehnung an den bekannten Kinofilm „Krieg der Sterne“, bekannt. Im Laufe dieses Aufstandes kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die vor allem auf Seiten der Palästinenser zu Toten und Verletzten führten.
Durch den Golfkrieg im Jahr 1991 kam es zu einer gewissen Entspannung zwischen Israelis und Palästinensern, während der irakische Diktator Saddam Hussein auch israelische Gebiete mit Mittelstreckenraketen angriff. Durch die Tatsache, dass mehrere arabische Staaten, vor allem Saudi-Arabien, die USA im Krieg gegen den Irak unterstützten, kam es zu großen Zerwürfnissen innerhalb der arabischen Liga. Vor allem der Iran wollte sich als Hegemonialmacht in der Region etablieren und protestierte deshalb aufs heftigste gegen dieses Eingreifen der USA in innerarabische Interessen.
Der Versuch den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beizulegen wurde in diesen Jahren verstärkt vorangetrieben. Am Anfang dieses Prozesses stand die „Madrider Konferenz“ 1991 und bereits 1993 wurde das 1. „Oslo-Abkommen“ (Oslo I) geschlossen, das eine palästinensische Selbstverwaltung im Gaza-Streifen und im Westjordanland vorsah, während die Themen der Flüchtlingsproblematik und die Jerusalem-Frage noch außen vor gelassen wurden. Nach dem 2. „Oslo-Abkommen“ (Oslo II) und dem „Gaza-Jericho-Abkommen“ geriet der Friedensprozess allerdings wieder ins Stocken und galt nach dem gescheiterten „Camp-David II“ Abkommen als gescheitert. Durch die Ablehnung des israelischen Angebots von 90 % des Westjordanlandes, dem Gaza-Streifen und Ostjerusalem, das Premierminister Ehud Barak (* 1942) im Juli 2000 gegenüber dem PLO-Führer Jassir Arafat (1929-2004) machte, ist eine Lösung des Konflikts bis heute in weite Ferne gerückt. Als Grund für Arafats Ablehnung kann wohl gesehen werden, dass er die Angebote nicht als weitgehend genug ansah und forderte, dass alle Flüchtlinge wieder auf das Land von 1967 zurückkehren konnten, was von den Israelis vehement abgelehnt wurde.

 

Zweite Intifada und Verlauf des Konflikts bis heute

 


Im Jahr 2000 brach die „Zweite Intafada“, oder auch „al-Aqsa-Intafada“, aus. Anders als bei der „Ersten Intafada“ war dies von Anfang an als bewaffneter Aufstand konzipiert und führte zu zahlreichen Selbstmordanschlägen gegen israelische Militäreinrichtungen, aber auch Zivilgebäude. Um dieser andauernden Gefahr Herr zu werden, genehmigte das israelische Parlament im Jahr 2003 den Bau eines Walls, der das Land in Zukunft gegen weitere Terroranschläge schützen soll. Im Mai 2003 marschierten zusätzlich israelische Truppen in den Gaza-Streifen ein und begannen mit der, vom israelischen Premier Ariel Sharon (* 1928) so bezeichneten, „Zerstörung der terroristischen Infrastruktur“. Als Folge dieser Angriffe auf Einrichtungen der PLO und die Infrastruktur verloren tausende Menschen ihre Häuser, während extreme Gruppierungen, wie die radikal-islamische Hamas (arab.: „Eifer“) starken Zulauf erhielten. Die gezielte Ausschaltung der Führer dieser terroristischen Bewegungen brachte ebenso wenig eine Lösung, wie den Ausbau des Grenzwalls zu einer, an manchen Stellen bis zu 8 Meter hohen, Betonmauer. Im Gegenteil, die Hamas schwor umgehend Rache für den Tod ihrer Führer und schaffte es im Januar 2006, bei der Wahl für das palästinensische Parlament sogar zur Regierungspartei. Trotz mehrerer Angebote vonseiten Israels feuerten extremistische Palästinenser seit 2006 mehrere Raketen auf israelische Siedlungen, was zu einer Zeitweisen Räumung dieser Siedlungen führte. Israelische Luftangriffe führten daraufhin zu weiteren Opfern unter der palästinensischen Zivilbevölkerung.
Weiterer starker Zulauf zur radikalen Hamas verschärfte auch den innerpalästinensischen Konflikt zwischen der Fatah al-Islam und der Hamas. Es kam zu zunehmend gewaltsamen Zusammenstößen von Anhängern der beiden Gruppen und innerhalb kürzester Zeit hatte die Hamas den Gaza-Streifen unter Kontrolle, was eine de-facto Teilung der palästinensischen Gebiete bedeutete.
Am 28. Dezember 2008 begann die israelische Luftwaffe erneut mit massiven Luftangriffen auf den Gaza-Streifen und zerstörte weitere Einrichtungen und große Teile der noch vorhandenen Infrastruktur. Die Operation „Gegossenes Blei“ wurde einen Monat später wieder beendet und ließ einen stark zerstörten Gaza-Streifen zurück.
Schlussendlich wurden die Verhandlungen zwischen den beiden Lagern im Jahr 2010 wieder aufgenommen, doch sind diese Verhandlungen momentan eher wenig erfolgreich, da die USA momentan mit ihrem Einsatz in Nordafrika beschäftigt sind und so die Rolle des Verhandlungsleiters nicht wirklich ausüben können.
Der Konflikt zwischen seinen arabischen Nachbarn und Israel hat sich, zum Glück, in den letzten Jahren beruhigt, was größtenteils darauf zurückzuführen ist, dass die Israelis als einzige in der Region die Atombombe besitzen und ein arabischer Angriff somit reiner Selbstmord wäre. Außerdem geriet der ehemalige Führer der Antiisraelischen Politik, Ägypten, nach dem Zerfall der Sowjetunion zunehmend in Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten und diese wissen ihre Verbündeten schon „an der Leine zu führen“.

Zum Schluss

 

Schlussbemerkung

 

Was ist also abschließend zum Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu sagen? Nun, es ist wohl so, dass der Konflikt in den letzten Jahren wohl stark an Spannung gewonnen hat und so eine Lösung in den nächsten Jahren eher einem Wunschtraum, denn der Realität entspricht. Das Verhalten der Israelis ist für viele Beobachter – wie für mich - unverständlich, da sie mit dem Bau des Walls und der Isolierung des Gaza-Streifens sehr ähnlich wie die Nazis im 2. Weltkrieg verfahren, also ist die Frage „Haben die Juden aus ihrer eigenen Geschichte nichts gelernt?“ wohl berechtigt. Es scheint so als ob sie nach Jahrhunderten ihrer Unterdrückung nur die Möglichkeit sehen eine Wiederholung der vorherigen Situation zu verhindern, indem sie ebenso handeln wie ihre ehemaligen Unterdrücker. Also besteht die Chance, den Konflikt irgendwann zu lösen, denn überhaupt?

So sehr ich persönlich dies natürlich hoffe, sehe ich unter den gegebenen Umständen keine wirkliches Potential diesen Konflikt zur Zufriedenheit aller Parteien zu lösen, da weder in Palästina die politischen Voraussetzungen für einen eigenständigen Staat gegeben sind, da ich die Hamas-Regierung nicht für fähig halte einen stabilen, souveränen Staat aufzubauen, noch ist die derzeitige israelische Regierung dazu bereit alle besetzten Gebiete zu räumen, inklusive der jüdischen Siedlungen, die im Moment oft nur schwer bewachte Außenposten auf feindlichem Gebiet sind. So dürfte eine Lösung des Konflikts, trotz des, in letzter Zeit leider abfallenden, Engagements Barack Obamas, in größere Entfernung gerückt sein, als dies vielleicht vor 10 Jahren der Fall war.

Quellen

Peter Scholl-Latour, „Lügen im Heiligen Land“, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2000 / ISBN: 3-442-15058-2

http://de.wikipedia.org/wiki/Nahostkonflikt (letzter Zugriff: 10.4.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Jom-Kippur-Krieg (letzter Zugriff: 3.4.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_David_I (letzter Zugriff: 9.4.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fatah-Hamas-Konflikt (letzter Zugriff: 10.4.2011)
http://www.spiegel.de/thema/nahostkonflikt/ (letzter Zugriff: 10.4.2011)
http://www.zeit.de/themen/international/nahost/index (letzter Zugriff: 10.4.2011)
http://www.bpb.de/themen/P7KQ9D,0,0,Ges ... likts.html (letzter Zugriff: 10.4.2011)
http://derstandard.at/r1127/Nahost-Konflikt (letzter Zugriff: 10.4.2011)



Autor: general jan