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Portrait

Klaus Naumann

 

4 Sterne General a.D.

 

 

“Ich halte es für einen kaum fassbaren Fehler, dass wir uns zum ersten Mal allein gegen die Amerikaner stellen - derweil in Washington darüber nachgedacht wird, ob das Engagement zum Schutz Europas aufrecht erhalten werden soll

... (Deuschland habe sich) gegen Europa gestellt und den Franzosen die Führungsrolle sozusagen unter das Kopfkissen gesteckt, was die kluge deutsche Außenpolitik bisher stets vermieden hat."

(Ex-NATO General Klaus Naumann zur deutschen Haltung zum Libyen-Einsatz)

 



Klaus Naumann, der höchstdekorierteste deutsche Armeegeneral seit dem Zweiten Weltkrieg, ist zugleich auch die prominenteste deutsche Militärperson. Der ehemalige NATO General und Bundeswehr-Generalinspekteur a. D., ist wegen seinen Ansichten auch schon mal mit Schuhen beworfen worden. Naumann ist verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn. Er ist Mitglied der CSU.

Laufbahn

 
Offiziers- und Stabsoffizierslaufbahn
1958
bis
1970
Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr/Artillerie
(Ausbildung Feldartilleriebataillon 41 in Landshut)
1970
bis
1972
13. Generalstabslehrgang der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg 1972
General-Heusinger-Preis für herausragende Leistungen
1972
bis
1977
Panzerartilleriebataillon 51 in Idar-Oberstein
Batteriechef im Panzerartilleriebataillon 135 in Wetzlar
Operationsoffizier (G3) der Panzerbrigade 15 in Koblenz
1977
bis
1979
Kommandeur des Panzerartilleriebataillons 55 in Homberg
1979
bis
1983
Dezernatsleiter für Militärpolitik Nuklearstrategie und Rüstungskontrolle
im Stab des Deutschen Militärischen Vertreters im Militärausschuss
der NATO (Brüssel)
1981
Beförderung zum Oberst
1983
Royal College of Defence Studies in London
1984
bis
1986
war er Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 30 in Ellwangen

 

Dennoch steht seine Meinung zur deutschen Außenpolitik und den Auslandseinsätzen, für ihn muss Deutschland eine aktivere Rolle einnehmen. Vor allem auf linksgerichteten Internet-Seiten wird Naumann zur Zielscheibe für diverse andersgeartete Meinungen, wobei Naumann diese Meinungen durch sein veröffentlichtes Strategiepapier, in der er die weltweite Dominanz der Westmächte propagierte und sogar mit dem Einsatz von Atomwaffen drohte, weitgehend ignoriert.

 


(Naumann ist Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland)

Einleitung

Klaus Dieter Naumann (KBE) ist General a. D. des Heeres der Bundeswehr, war von 1991 bis 1996 Generalinspekteur der Bundeswehr und hatte von 1996 bis zu seiner Pensionierung 1999 den Vorsitz des NATO-Militärausschusses. Er ist seitdem als politischer und militärpolitischer Berater tätig, unter anderem für die UNO und die Bundesregierung.
Mit seinen Ansichten spaltet der Ex-General die Nation und provoziert nur zu gern die Friedensbefürworter in Regierung wie in der Bevölkerung. Er steht für eine Politik der Stärke und er sieht Deutschland als einen starken Partner in Europa. Vor allem seine Position an der Seite der Amerikaner, lässt ihn auch nach seinem Ausscheiden als "Kriegshetzer" erscheinen. So wirft Naumann, im Zuge der Debatte um den geplanten US-Raketenschild, den führenden deutschen Politikern "nahezu unglaubliche Unkenntnis" vor und spricht ihnen jedwede sicherheitspolitische Kompetenz ab. Vor allem die Leichtgläubigkeit deutscher Politiker erschüttert den heutigen Sicherheitsberater, denn die Behauptungen Russlands, dass durch einen Raketenschild in Polen und Tschechien seine Sicherheitsinteressen berührt würden, grenze an "eine unverschämte Manipulation der Öffentlichkeit", so Naumann. Ein Wettrüsten, wie ihn die damalige Regierung so sehr fürchte, ist für Naumann nur mit Unkenntnis der wirklichen Lage zu erklären.
 


 
Dienst als General und Generalinspekteur der Bundeswehr
1.
April
1986
Ernennung zum Brigadegeneral
1986
bis
1988
Stabsabteilungsleiter für Planung im Führungsstab der Streitkräfte (FüS VI)
im Bundesministerium der Verteidigung (Bonn)
1988
Ernennung zum Generalmajor
1988
bis
1991
Stabsabteilungsleiter für Militärpolitik
und Operative Führung (Fü S III).
April 1991
bis
September 1991
Kommandierender General das I. Korps in Münster.
1.
Oktober
1991
Berufung zum (bisher jüngsten)
Generalinspekteur der Bundeswehr /
Ernennung zum General
19.
November
1992
Gast der Nationalen Verteidigungsakademie Israels

 

"Soldaten dürfen ihren Politikern nur zum Gebrauch der Waffen raten, wenn es dafür eine eindeutige rechtliche Grundlage und eine realistische Aussicht auf raschen Erfolg bei geringst möglichen Verlusten gibt."
(Naumann zur militärischen Einschätzung der Lage aus Sicht der georgischen Militärführung, nach dem Einsatz gegen die abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien.)

 

 



Dabei kann man dem General a.D. nicht vorwerfen, dass er in Sachen militärischer Einschätzung parteiisch beurteilen würde. So betitelt er den Einsatz Moskaus in Georgien 2008, als Schande für die russischen Streitkräfte. Russland hat, nach Meinung Naumanns, Georgien in eine Falle gelockt und die Lage im Kaukasus ausgenutzt. Seine Meinungen zu unverhältnismäßigen Mitteln und Unrecht im Krieg sind dabei unumstößlich. Er verurteilte die russische Initiative damals aufs schärfste, doch sieht er sich in Clausewitz bestätigt, der sagte "Krieg ist die Fortsetzung von Diplomatie mit anderen Mitteln", und drängte damals auf Verhandlungen des Westens mit Moskau. Dieser Konflikt hatte für ihn eine politische Bedeutung und deshalb sollte er auch auf genau diesem Parkett gelöst werden, nicht auf dem Schlachtfeld.

 

 
Rolle im NATO Generalstab
Oktober
1993
Besuch in Somalia bzw. Deutschen Unterstützungsverband /
UNO bzw. Friedensmission UNOSOM II
Februar/
März
1994
Verleihung des Fahnenbandes durch Naumann
an die abziehenden alliierten Truppen der
USA / FR / GB aus der BRD/Berlin
Juli 1994
Umbau der Bundeswehr
( Hauptverteidigungskräfte (HVK) /
Krisenreaktionskräfte (KRK) /
Militärische Grundorganisation (MGO))
14.
Februar
1996
bis
1999
Vorsitzender des NATO-Militärausschusses
seit
1999
politischer und militärpolitischer Berater tätig für die Uno
und die Bundesregierung u.a.


General

Klaus Naumann bzw. seine Offizierslaufbahn als mustergültig zu bezeichnen, ist durchaus berechtigt. Er kann sowohl Kommandoposten wie auch Stabsposten vorweisen und wurde zum bisher jüngsten Generalinspekteur der Bundeswehr berufen. Als General erkannte er die Rolle der Bundeswehr als Eingreiftruppe für Konflikte im Ausland, baute die Verbindung zu Verbündeten weiter aus und baute die Bundeswehr richtungsweisend um. Für den General Naumann war Deutschland nicht mehr von Feinden umgeben, sondern musste jetzt eine Rolle finden. Durch seine Position und Ansichten, eignete er sich für den Posten des Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses und löste 1996 den englischen Field Marshal Sir Richard Vincent auf diesen Posten ab. Seine Erfahrungen mit Konfliktherden, vor allem 1998 im Kosovo, ließen aus dem 4 Sterne General ein wichtige politische Figur werden. Im Rahmen des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien trat er als einer der Belastungszeugen gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević auf.
 


(Naumann mit Kofi Annan)

 

"Der Generalinspekteur der Bundeswehr (GenInspBw) ist der ranghöchste General oder Admiral der Bundeswehr. Er ist der militärische Berater des Bundesverteidigungsministers und der Bundesregierung. Der Generalinspekteur ist dem Verteidigungsminister für die Entwicklung und Realisierung der Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung verantwortlich und hat an seiner Seite je einen Inspekteur für Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst und Streitkräftebasis."

(Quelle: wikipedia)

Der Berater

Georgien stellt für Naumann dabei ein besonderes Beispiel dar, denn dieses Land hatte nach seiner Meinung jedes Recht auf uneingeschränkte politische Unterstützung, als Russland die militärischen/politischen Grundlagen von Verhältnismäßigkeit "grob verletzte". Er beschuldigte Europa nicht gehandelt zu haben bzw. nicht mit einer Stimme dagegen gesprochen zu haben. Die Nato kommt dabei eine besondere Rolle zu, denn Georgien kann nicht in ein Verteidigungsbündnis eintreten, dass ungelöste territoriale Probleme hat. Die Nato und ihre Rolle werden so obsolet. Dabei hat Naumann, durch seine Erfahrungen und Positionen in Politik und Militär, sich eine doppelte Sichtweise erarbeitet - politischen wie militärisch. Er kann und will die Nato, die er in führender Position mit geprägt hat, nicht für die Politik opfern. Auf der anderen Seite, seiner politischen Sichtweise, will er die völlige Erosion der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der GUS, vorbeugend. Dafür muss den Staaten, trotz ungelöster Probleme Unterstützung zukommen, militärisch wie politisch. Für Naumann ist die Kosten/Nutzen Rechnung immer im Vordergrund, eine sehr objektive Einstellung, die oftmals aber nicht die politisch korrekte Linie widerspiegelt.
 

 

Neben den politischen und militärischen Argumenten, sieht Naumann auch die Wirtschaft, gerade in Zeiten der Globalisierung, als wichtigen Faktor zukünftiger Konflikte: "Ich halte Russland nicht für so stark, wie es die Herren Putin und Medwedew der Welt weismachen wollen. Es ist reich an Rohstoffen und finanziell stark durch den Verkauf seiner Rohstoffe. Seine Industrie aber ist schwach, deswegen will man ja Firmen im Ausland kaufen. Technologisch ist eine gute Basis vorhanden, aber lange nicht so gut wie in den USA und in Teilen Europas."
In vielen Interviews und Stellungnahmen, in seiner beratenen Funktion beim Bund und der Nato, erkennt man, dass Naumann kein "schießwütiger" General, sondern ein Mann des Konsens ist: "Es gibt für den Westen und für Russland nur einen vernünftigen Weg: Partnerschaft und Kooperation. Wir brauchen Russland - und Russland braucht uns. Deswegen muss man Russland deutlich sagen, dass sein Verhalten in Georgien unangemessen war und sich nicht wiederholen darf. Nach einer nun wohl unvermeidlichen Phase der Abkühlung muss man daher zu einem ausgewogenen und fairen Dialog zurückfinden." (Naumann zur Lösung des Kaukasus Konflikts)

 

„Sicherheit für Deutschland in der entfesselten Welt der Globalisierung.“
(Titel eines Referates von Naumann im Jahre 2010, gehalten vor 400 Offizieren und Offiziersanwärtern der Bundeswehr.)

 


 
Auszeichnungen
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Ehrenzeichen der Bundeswehr in Gold

Großoffizier der französischen Ehrenlegion
Großkreuz des Spanischen Militärverdienstordens in Weiss
Knight Commander of the Order of the British Empire
Großoffizier des Belgischen Kronenorden
Kommandeur der US-amerikanischen Legion of Merite
Kommandeurkreuz mit Stern des Norwegischen Verdienstordens
Verteidigungsmedaille Erster Klasse (Ungarn)
Großoffizier des Belgischen Leopoldsordens
Großoffizier des Niederländischen Ordens von Oranien-Nassau
Komtur mit Stern vom Orden des Löwens von Finnland.


Der Reformer

Als Generalinspekteure ebnete Klaus Naumann den Weg zu den heutigen Reformen der Bundeswehr. Der radikale Kurs des Verteidigungsministeriums in Richtung Bundeswehr-Reform, von den Leitern dieses Ministeriums Peter Struck, Karl-Theodor zu Guttenberg und Thomas de Maizière maßgeblich weitergeführt, wurde von ihm unterstützt. Die Meinung von General Bagger, dass "wir die Einzigen, die glauben, wir müssten eine Armee haben, die in der ganzen Welt einsetzbar ist, die aber für die Landesverteidigung nicht mehr tauglich ist", unterstützt er nicht, sondern argumentiert vehement dagegen. Deutschland müsse ein wichtige, tragende, wenn nicht sogar führende Rolle in der europäischen Sicherheitspolitik einnehmen. Vor allem während der Libyen Krise, in welcher Deutschland habe sich "gegen Europa gestellt und den Franzosen die Führungsrolle sozusagen unter das Kopfkissen gesteckt, was die kluge deutsche Außenpolitik bisher stets vermieden hat", sieht er Deutschlands ins Hintertreffen geraten. Gerade Deutschland müsse sich, auch aufgrund seiner politisch wie wirtschaftlichen Situation, für eine Lösung stark machen. Deutschland hätte eine Position einnehmen müssen, der UNO Resolution zustimmen und somit den Konsens fördern: "Mit guten Gründen hätten sich die außenpolitische Isolierung und das Zerschlagen von Porzellan in der arabischen Welt also vermeiden lassen". Für ihn ist die deutsche Vergangenheit das beste Beispiel für eine Intervention mit besten Ausgang für die Bevölkerung: "Unsere Nation verdankt ihre Freiheit der Intervention von außen - das gilt für 1945 direkt und für 1989 indirekt".
 

"Wer Menschenrechte und Freiheit ernst nimmt, kann in dieser Situation nicht unschuldig bleiben."
(Naumann zur Position der Bundesregierung im Fall Libyen)

 

Die Situation in Afghanistan sieht Naumann als Bewährungsprobe für ganz Europa, denn von 40 000 Soldaten kann der Oberbefehlshaber in Kabul nur zwischen 5000 und 8000 Soldaten wirklich frei einsetzen. Der Rest der Soldaten, vor allem aus europäischen Verbänden, sind durch nationale Vorbehalte gebunden. Die Diskussionen in Europa bzw. in der Nato, behindert die Zweckmäßigkeit des Mandats: "Afghanistan sei der Lackmus-Test für die Nato des 21. Jahrhunderts, und andererseits werden den Militärs im Lande nicht die Mittel zur Verfügung gestellt, die sie brauchen." Die ISAF- und OEF-Mandaten müssen dabei zusammen bleiben, und die Ressourcen endlich nach militärischen Richtlinien und nicht nach politischen Verbindlichkeiten. Das scheint mir richtig und zweckmäßig.

 



Seine Stellungnahmen und Meinungen in der Öffentlichkeit sind typisch für den Ex-General und Berater. Er mag damit keine politische Stellung beziehen wollen: "Aber von uns alten Militärs drängt sich niemand auf, ich schon gar nicht. Keiner will von der Seitenauslinie schlaumeiern." Dennoch wirft er damit immer wieder unangenehme Fragen auf, welche geradw nach seiner Pensionierung auch in einem neuen Licht gesehen werden müssen. Nach seiner Pensionierung 1999 wurde er Aufsichtsratmitglied des französischen Rüstungskonzerns Thales Group und bis zum Sommer 2005 war er Aufsichtsratsvorsitzender der OWR. Inwiefern seine Stellungnahmen, in Bezug auf seine Beratertätigkeit für die Bundesregierung und Nato sei 1999, hier einen Vorwurf rechtfertigen, muss an anderer Stelle festgestellt werden.

 

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