1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 0.00 (0 Votes)

 

Das Thema

Ein kurzer Lebenslauf des genialen Strategen der kaiserlich-japanischen Marine YAMAMOTO Isoroku

 

Hinweise:
1. Es war und ist in Ostasien üblich, bei der Namensnennung zunächst den Familiennamen und dann erst den Vornamen zu nennen. Daran habe ich mich im Folgenden gehalten. Zur besseren Kenntlichmachung habe ich die Familiennamen in Großbuchstaben geschrieben, ebenfalls Tradition in Japan bei Verwendung der englischen Schrift.
2. Die Dienstgrade sind eine direkte Übersetzung der Dienstgrad-Bezeichnungen der kaiserlich-japanischen Marine. Da es keine deckungsgleiche Entsprechung bei den NATO-Dienstgraden gibt, habe ich die Original-Bezeichnungen beibehalten.

Übersetzung aus dem Englischen von tom!

 


Lebenslauf

YAMAMOTO Isoroku

(Kanji)

Admiral YAMAMOTO Isoroku wurde am 4. April 1884 in Nagaoka, Präfektur Niigata, Honshu als TAKANO Isoroku (wörtlich „56“, Alter des Vaters bei der Geburt) geboren. Sein Vater, TAKANO Sadayoshi, war ein Samurai mittlerer Klasse, der als Schulleiter sein Geld verdiente. Isoroku war sein sechster Sohn.

 

 

Isoroku mit drei Geschwistern

Nach einer schulischen Grundbildung von 1890 bis 1900 absolvierte er ab 1901 die Marineakademie in Etajima bei Hiroshima. Bei der Zugangsprüfung hatte er das zweitbeste Ergebnis seines Jahrgangs in ganz Japan. Am 14.11.1904 erhielt er seinen Abschluss. Danach wurde er am 03.01.1905 als Marine-Leutnant 2. Klasse(Fähnrich) auf den Panzerkreuzer Nisshin versetzt. Dort diente er als Waffenspezialist und Deckoffizier. Während der Schlacht um Tsushima wurde er am 26.05.1905 verwundet und verlor zwei Finger der linken Hand. Im August 1905 wechselte er zur Marine-Artillerie-Schule und wurde nach Absolvierung des Lehrgangs zum Marine-Leutnant 1. Klasse befördert.

 

Es folgten verschiedene Einsätze im Pazifik, unter anderem auf dem Zerstörer Kagero und dem Panzerkreuzer Aso. Mit der Aso besuchte er von März bis Juli 1909 zum ersten Mal die USA. Ab 1913 besuchte er die Marinestabshochschule in Tsukiji, welche er 1916 mit Auszeichnung als Marine-Major verließ. Aufgrund dieser Leistungen bot ihm die sehr einflussreiche Clan der YAMAMOTO an, deren Clannamen als Familiennamen zu führen. Dieses Angebot nahm er an und führte danach den Namen YAMAMOTO Isoroku. Sein Weg in die Marineführung war damit vorherbestimmt. Zunächst diente er im Stab der zweiten Schlachtflotte.

Am 31.08.1918 heiratete er dann. Diese Ehe war eher als Vernunftehe zu betrachten, da er nun mal für seine Karriere eine Frau vorzuweisen hatte und diese Frau auch noch Willens sein musste, die langen Zeiten der Abwesenheit eines Marineoffiziers hinzunehmen.

 

Ab 1919 studierte er zwei Jahre lang an der Harvard University Englisch und Öl-Ingenieurwesen. Nach seiner Rückkehr lehrte er, zum Marine-Oberstleutnant befördert, an der Marinehochschule in Tsukiji und lernte Fliegen an der neu gegründeten Luftfahrtschule in Kasumigaura.

1922 diente er als 1. Offizier auf dem leichten Kreuzer Kitakami. 1923 unternahm er mit weiteren Offizieren eine Studienreise nach Europa und den USA, jetzt zum Marine-Oberst befördert. Danach wurde er Kapitän des Ausbildungsschiffs Fuji (Ex-Schlachtschiff).

Das Harvard-Studium ermöglichte es YAMAMOTO, in diplomatischen Kreisen zu verkehren. Fast schon zwangsläufig wurde er von 1925 bis 1928 als Marineattaché in die japanischen Botschaft in Washington berufen. Während dieser drei Jahre reiste er viel durch die USA und lernte die strategischen und taktischen Möglichkeiten der US-Armee und der US-Marine kennen mit Schwerpunkt Marinefliegerei.

 

 

Yamamoto Isoroku als Marineattaché in den USA, neben ihm der damalige US-Marineminister Curtis D. Wilbur


Militärische Laufbahn

Nach der Rückkehr 1928 wurde er zunächst Kapitän des leichten Kreuzers Isuzu und Ende 1928 Kapitän des Trägers Akagi. Ende 1929 erfolgte dann die Versetzung in den Generalstab der Marine.

Zum Marine-Generalleutnant befördert nahm YAMAMOTO 1930 an der Londoner Marinekonferenz teil. Nach seiner Rückkehr übernahm er Aufgaben in der Ministeriumsabteilung für Marineflieger, die er ab 1933 auch leitete. Somit war er für den Aufbau der Marineluftwaffe zuständig.

Ab Dezember 1936 wurde YAMAMOTO dann Vize-Marineminister und setzte sich in der Folgezeit für einen Ausbau der Marineluftwaffe und gegen den Bau neuer Schlachtschiffe ein. Auch gegen die Entwicklung der militärischen Situation in China engagierte er sich, da er die weltpolitischen Folgen erkannt hatte.

Nach dem Angriff auf ein US-Kanonenboot auf dem Yangtze-Fluss während des Angriffs auf Nanking entschuldigte er sich persönlich beim US-Botschafter dafür. Dies und seine politischen Einstellungen machten ihn zu einer Zielscheibe für die von der Armee unterstützten rechtsnationalistischen Kräfte in Japan. Nach Morddrohungen musste das gesamte Marineministerium unter Personenschutz gestellt werden.

Ende 1939 wurde er Kommandeur der Kido Butai (1. Mobile Trägerkampfgruppe, zuständig für den Angriff auf Pearl Habour und Midway). Bei den Verhandlungen 1940 zum Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien, den er begrüßte, setzte sich YAMAMOTO vor allem gegen die Überlegungen zur Wehr, einen Krieg mit den USA zu beginnen. Er hatte ja einen tieferen Einblick in die Möglichkeiten der USA erhalten. Als nötige Voraussetzung für einen etwaigen Krieg gegen die USA sah er einen Präventivschlag gegen die US-Pazifikflotte und die Häfen an der US-Küste.

 

Darüber hinaus plante er die Strategien für das spätere Inselspringen der Japaner, die vor allem eine eigene Lufthoheit beinhalteten. In Dingen der Seekriegsführung sah er, wie nahezu alle seine Kollegen weltweit, das Schlachtschiff als Rückgrat für Marineoperationen an. So begann der Krieg gegen die USA am 7. Dezember 1941 mit einem Schlag gegen die Schlachtschiffe der US-Pazifikflotte.


2. Weltkrieg

Anfang 1942 befehligte YAMAMOTO einige Operationen im Rahmen des Inselspringens. Er erkannte bald, dass eine entscheidende Schlacht die einzige Möglichkeit war die USA schnell niederzuringen. Die wirtschaftliche Situation Japans, die keinen langen Krieg möglich machte, verlangte dies. So begannen die Vorbereitung für die entscheidende Schlacht im Pazifik, Midway.

YAMAMOTOs Plan sah vor, dass mehrere Flottenverbände mit insgesamt 250, davon 8 Trägern, verschiedene Angriffsoperationen im Nordpazifik beginnen sollten. Der entscheidende Schlag sollte gegen eine als Stützpunkt überaus wichtige Inselgruppe, deren Hauptinsel Midway war, geführt werden. Allerdings war der Erfolg objektiv gesehen von vornherein fraglich, da die mitgeführte Landungstruppe deutlich zu klein war, um die gut verschanzten Verteidiger zu schlagen. Aus heutiger Sicht ging es wohl tatsächlich eher darum, die US-Trägerflotten anzulocken und in einer Entscheidungsschlacht zu vernichten. Nach dieser Schlacht sah YAMAMOTs Strategie dann einen Verständigungsfrieden mit den USA und den Westalliierten vor.

Die US-Spezialisten hatten inzwischen den japanischen Code entschlüsselt und konnten im Vorfeld bereits wichtige Informationen weiterleiten. Dies und das Pech, genau während der Betankung und Aufmunitionierung einer soeben zurückgekehrten Angriffswelle angegriffen zu werden, führten zur Entscheidung. Japan hatte vier große Träger und einige hundert Flugzeuge verloren. Damit war der Krieg im Prinzip entschieden, da Japan diese Verluste nicht ausgleichen konnte.

Die Niederlage schwächte YAMAMOTOs Position, obwohl er seinen Posten behielt. Ihm war klar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Trotzdem befahl er den Angriff auf Guadalcanal, wo die Gefechte lange Zeit hin und her gingen. Nach schweren Verlusten erfolgte Anfang Januar 1943 die Räumung der Insel durch die Japaner. Dies hatte ein Sinken der Kampfmoral der japanischen Truppen zur Folge.

Um dem zu begegnen, entschloss sich YAMAMOTO, eine Inspektionsreise durch die pazifischen Stützpunkte zu unternehmen. Im April 1943 entschlüsselten die US-Spezialisten japanische Funksprüche und entnahmen ihnen die Information, wann YAMAMOTO auf Bougainville eintreffen wollte. Eine Staffel aus 18 US-P-38-Maschinen startete am 18. April von Henderson Field auf Guadalcanal und schoss die Maschine, in der der Admiral saß, bei Kahili ab. Kein Japaner überlebte den Abschuss. In YAMAOTOs Leiche wurde nach der Bergung neben den bei dem Absturz erlittenen massiven Verletzungen auch ein tödlicher Kopfschuss gefunden.

 

 

Yamamotos Staatsbegräbnis in Tokyo

Posthum wurde ihm am 27.5.1943 vom Deutschen Reich das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. YAMAMOTO Isoroku war damit der höchstdekorierte nichtdeutsche Ritterkreuzträger.


Quellen

Richard Fuller: "Shokan - Hirohitos Samurai, Leaders of the Japanese Forces 1926 - 1945", Arms and Armour Press, Erstauflage 1992, ISBN 1-85409-151-4
J. Parshall and A. Tully: "Shattered Sword - The untold story of the Battle of Midway", Potomac Books Inc., Erstauflage 2005, ISBN 1-57488-923-0
Edwin P. Hoyt: "Japans War - The Great Pacific Conflict", Hutchinson Ltd, Erstauflage 1987, ISBN 0-09-168130-8
wikipedia (Zugriff 09.08.09)
wikipedia, englisch (Zugriff 09.08.09)

Autor: tom!