1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 3.25 (2 Votes)

Das Thema

Friedrich Guggenberger
Das bayrische U-Boot Ass

 

 

Oberleutnant Guggenberger (Friedrich Guggenberger), Kommandant des erfolgreichen Unterseebootes U-81


Daten

 


 
Dienstgrade
 
26. September 1934 Seekadett
1. Oktober 1934 Obermatrose
1. Januar 1935 Oberstabsmatrose
1. Juli 1935 Fähnrich zur See
1. Januar 1937 Oberfähnrich zur See
19. April 1937 Leutnant zur See
13. April 1939 Oberleutnant zur See
1. September 1941 Kapitänleutnant
1. Februar 1956 Korvettenkapitän
1. Februar 1957 Fregattenkapitän
1. September 1961 Kapitän zur See
29. November 1966 Flottillenadmiral
31. Oktober 1968 Konteradmiral

 
Auszeichnungen
 
Bulgarischer Verdienstorden IV. Klasse mit Krone am 1. November 1936
Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse am 23. März 1940
bzw. 19. September 1940
U-Boot-Kriegsabzeichen (1939) am 8. Juli 1940
Ritterkreuz am 10. Dezember 1941
Eichenlaub am 8. Januar 1943 (171. Verleihung)
Italienische Tapferkeitsmedaille in Silber und Bronze am 10. März 1942
bzw. 29. Mai 1943


Lebenslauf

Friedrich Karl Guggenberger, für seine Freunde und Kameraden kurz Fritz, wurde am 6. März 1915 in München geboren. Sein Vater war Friedrich Guggenberger ein Korvettenkapitän, seine Mutter hieß Marie geborene Bug. Der Vater starb vor der Geburt Guggenbergers am 28.August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges in einem Gefecht vor Helgoland, als britische Kräfte unter Admiral Beatty, die kleinen Kreuzer Mainz, Köln und Ariane in der Nordsee überraschten und versenkten. Seine Mutter, die seit 2 Monaten schwanger war, als der Vater starb zog wieder nach München. Dort wurde ihr Sohn geboren, und sie heiratete einen Arzt. In der Nähe von Würzburg verbrachte Guggenberger zusammen mit seinen drei Geschwistern seine Kindheit und Jugend in einer ordentlichen beschützten und gut bürgerlichen Atmosphäre. 1925 bestand Guggenberger die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium. Am 8. April 1934 hatte er das Abitur bestanden. Für Guggenberger war klar das er jetzt zur Marine gehen würde, er wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er gehörte zur Crew 34, also dem Jahrgang der so erfolgreiche U-Boot Asse wie Erich Topp, Jochen Mohr, Helmut Witte und Adi Schnee hervor brachte. Die Grundausbildung ist selten eine angenehme Sache. Guggenberger erinnerte sich daran als eine „harte“ Zeit, da sein Gruppenführer seine Leute bis zur körperlichen und mentalen Erschöpfung leiden ließ.

Im Juni 1934 kam Guggenberger und seine Kameraden auf das Segelschulschiff Gorch Fock zu einer 3 monatigen praktischen seemännischen Ausbildung. Sein Höhepunkt in seiner Ausbildung waren die neun Monate an Bord vom leichten Kreuzer Emden. Es war eine Auslandsreise um Afrika in den indischen Ozean bis nach Sri Lanka, von dort durch den Suez Kanal ins Mittelmeer und wieder zurück nach Hause. Auf dieser Reise hieß der Kommandant der Emden, Karl Dönitz, den späteren Führer der Deutschen U-Boot Waffe. Im Juni 1936 kam er auf die Marineschule Mürwik, Deutschlands Marineakademie. Dort erhielt er 9 Monate theoretischen Unterricht. Nach dieser Zeit kam er als Fähnrich auf die Emden. Auf dem Schiff blieb er bis zum April 1938. Einen Monat nach Beginn des Krieges wurde er zur U-Bootausbildung nach Neustadt verlegt. Rückblickend schien Guggenberger selbst erstaunt darüber zu sein wie kurz seine Einweisung in den U-Boot Dienst war. Bevor er den Posten eines Ersten Wachoffiziers antrat, musste er sich mit der neuen Waffe vertraut machen. Er musste einen besonderen Lehrgang für Wachoffiziere ablegen. Am 2. Januar 1940 trat er seinen neuen Dienst an, als 1.WO auf U-28, einem Boot der 2. U-Boot Flottille. U-28 gehörte zur Klasse der so genannten VII A Boote. Sie wurden zwischen 1936 und 1937 gebaut und dienten als Vorläufer für die Atlantik-Boote vom Typ VII B und VII C. Der Typ VII A ist eine Weiterentwicklung von einem Entwurf aus dem ersten Weltkrieg nämlich dem UBIII. 9 Boote wurden vom Typ VII A gebaut, sie hatten eine Verdrängung von 626 Tonnen über, und 745 Tonnen unter Wasser. Sie waren 66 Meter lang, 6 Meter breit. Die maximale Geschwindigkeit war über Wasser 16 Knoten, der Antrieb bestand aus 2 Dieseln mit 2310 PS, die E-Maschinen hatten 750 PS und ermöglichten eine Fahrt mit bis zu 8 Knoten. Die Bewaffnung bestand aus 5 Torpedorohren und dem Standard 88 mm Geschütz sowie einer automatischen 20 mm Flak. Die Boote konnten 11 Torpedos tragen und hatten eine Besatzung von 44 Mann. Bei einer Fahrt von 12 Knoten hatten sie eine Reichweite von 4.300 Seemeilen.


2. Weltkrieg

 

Der Kommandant von U-28 hieß Gunter Kuhnke, er machte mit U-28 6 Feindfahrten und versenkte 13 Schiffe mit 56.272 BRT und beschädigte 2 Schiffe mit 10.067 BRT. Er bekam am 19.09.1940 das Ritterkreuz, er wurde sogar Korvettenkapitän, er überlebte den Krieg und starb am 11.10.1990. Als Guggenberger an Bord kam, war die Besatzung von U-28 schon sehr erfahren. Sie hatten schon 2 Feindfahrten hinter sich. Dort wurden 4 Schiffe mit 25.000 BRT versenkt. Guggenberger lernte sehr schnell von Kuhnke, der ein Kommandant war der nur bedingt ein Risiko einging. Guggenberger machte 4 Feindfahrten als 1. WO an Bord von U-28 mit. Er erlebte die Nacht der langen Messer als Deutsche U-Boote einen ganzen Konvoi zerpflückten. Vom 10. November 1940 bis zum 11. Februar 1941 lag U-28 im Dock. Es musste eine Grundüberholung der Diesel gemacht werden. Er verließ U-28, seine Zeit bei Kuhnke war sehr erfolgreich gewesen, am 23.04.1940 wurde ihm das Eiserne Kreuz 2-Klasse verliehen, am 08.07.1940 das U-Boot Kriegsabzeichen, am 19.09.1940 das Eiserne Kreuz 1.Klasse. Guggenberger hatte bewiesen, dass er ein Boot sowohl im Routineeinsatz als auch unter Gefechtsbedingungen handhaben konnte. Er war bereit sein eignendes Kommando zu übernehmen. Er erhielt den Befehl sich auf der Vulkan-Werft in Bremen zu melden dort ging die brandneue U-81 der Fertigstellung und Indienststellung entgegen. Als VII C Typ war U-81 etwas größer als U-28. Die wesentlichen Verbesserungen waren die größere Reichweite von 6.500 Seemeilen, und 2 stärkere Diesel mit denen jetzt eine Höchstgeschwindigkeit von 18 Knoten erreicht wurde. U-81 kam zur 1. U-Flottille nach Brest, als Abzeichen am Turm wurde ein Schwert gewählt. Guggenberger absolvierte 2 Feindfahrten im Atlantik, dort konnte er 2 Schiffe mit 8.843 BRT versenken und ein Schiff mit 7.465 BRT beschädigen bevor sein Boot ins Mittelmeer verlegt wurde. Genauer gesagt nach La Spezia, Italien.

64 wertvolle U-Boote wurden ins Mittelmeer verlegt, kein einziges sollte den Atlantik wieder sehen. Das Mittelmeer ist für U-Boote nicht geeignet, das Wetter ist meist schön, die See spiegelglatt und durchsichtig. Getauchte U-Boote konnten sehr leicht entdeckt werden. Guggenberger verließ Brest am 29.10.1941 um sich durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer zu kämpfen. Schnell kam die afrikanische Küste in Sicht, als U-81 sich auf Tanger zu bewegte ließ Guggenberger tauchen und ließ sich mit der Strömung ins Mittelmeer ziehen. 21 deutsche U-Boote mussten den Versuch abbrechen ins Mittelmeer zu kommen, U-81 aber nicht sie schafften es. Kein Bewacher bemerkte das Boot. Am 12. November 1941 erhielt U-81 einen Funkspruch dort hieß es das die Force K mit dem Träger Ark Royal, dem Schlachtschiff Malaya und 2 Kreuzer und Zerstörer in der Nähe von Gibraltar gesichtet worden sind. U-81 erhielt den Befehl den Verband abzufangen. Am Nachmittag des folgenden Tages wurde die Force K von U-81 gesichtet. Guggenberger ließ tauchen niemand hatte sie bemerkt. Er schätze die Fahrt des feindlichen Verbandes auf 16 Knoten und manövrierte sorgfältig auf Periskop tiefe, Ziel war es einen Torpedofächer mit 4 Torpedos die einen Abstand von 150 Metern hatten und auf eine Tiefe von 5 Metern eingestellt waren zu schießen.

 

 

Die Ark Royal kurz vor dem sinken

Um 16.36 Uhr als der Feind auf knapp 4.000 Metern herangekommen war, gab Guggenberger den Befehl zu schießen. Nachdem die Torpedos unterwegs waren ging Guggenberger auf 40 Meter Tiefe und wartet die Entwicklung der Dinge ab. Eine ganze Zeit passierte Gar nichts. Dann nach 6 Minuten und 6 Sekunden nach Abschuss der Torpedos, schallte eine laute Detonation durch das Boot. Guggenberger der auf den Träger gezielt hatte, dachte den habe ich erwischt.
In schneller Reaktion waren die feindlichen Zerstörer ausgeschwärmt und hatten U-81 mit ihren Sonargeräten entdeckt. Sie führten Gegenangriffe durch. Während der nächsten 5 Stunden von 17.25 Uhr bis 22.20 Uhr, setzte sich Guggenberger langsam ab, er wechselte Geschwindigkeit, Kurs und Tiefe um seine Verfolger abzuschütteln. In dieser Zeit warfen die Zerstörer 160 Wasserbomben auf U-81. Sehr zum Glück der Besatzung explodierte keine in der Nähe. Kurz nach Mitternacht gaben die Briten auf. Guggenberger ließ auftauchen, aber die See war spiegelglatt. Es dauerte noch bis zum 14. November 1941 bis er wusste dass er die Ark Royal versenkt hatte. Die Bismarck war somit teilweise gerächt.
Der Erfolg Guggenbergers wurde durch den BdU gewürdigt, er bekam das Ritterkreuz verliehen. U-81 gehörte jetzt zur 29. U-Flottille Guggenberger hatte noch 6 weitere Einsätze im Mittelmeer, doch sein größter Erfolg blieb die Versenkung des Trägers Ark Royal.

 

 

Guggenberger 3. von links bei seiner Ordensverleihung beim "Führer", am rechten Bildrand Dönitz

Er konnte mit U-81 13 Schiffe mit 53.541 BRT versenken und 1 Schiff mit 7.465 BRT beschädigen. Am 2. Juni 1942 sah die Brückenwache einen grellen Blitz, er lies darauf zu laufen. Was er sah war das Ende von U-652. Es war das Boot von Georg-Werner Fraatz, das Boot wurde von Flugzeugen angegriffen und versenkt. Alle 45 Männer konnten gerettet werden. Ende 1942 wurde Guggenberger als Kommandant abgelöst, er übergab es seinen bisherigen 1.WO Johann-Otto Krieg.
Er führte U-81 genauso erfolgreich wie Guggenberger, am 08. Juli 1944 bekam er das Ritterkreuz. Er überlebte den Krieg und starb am 02. Januar 1999 in Bonn. U-81 wurde im Januar 1944 in Pola versenkt, es starben dabei 2 Besatzungsmitglieder. Am 8. Januar 1943 bekam Guggenberger das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Er wurde in den Stab von Großadmiral Dönitz versetzt. Im Mai 1943 wurden 41 U- Boote versenkt. Dönitz beschloss einige erfahrende Kommandanten wieder an die Front zu schicken, um zu erfahren warum die Verluste so hoch waren. Guggenberger wurde Kommandant von U-513, ein Boot vom Typ XI C, er gehörte zur 10. U-Flottille in Lorient. Mit 1200 Tonnen war es fast doppelt so groß wie U-81, es konnte 22 Torpedos mitnehmen. Die maximale Fahrstrecke war 11.000 Seemeilen, es hatte ein 105mm Geschütz, und eine 37mm und eine 20mm Flak, es konnte aufgetaucht 19 Knoten laufen. Die Besatzung war 53 Mann stark. Am 18. Mai 1943 lief das Boot aus Lorient aus, Ziel war die Brasilianische Küste. Er konnte auf seiner letzten Feindfahrt noch mal 4 Schiffe mit 17.150 BRT versenken und 1 Schiffe mit 6.000 BRT beschädigen.
Am 19. Juli 1943 wurde U-513 aus der Luft angegriffen, und versenkt. Es gab 46 Tote und 7 Überlebende. 5 Stunden nach der Versenkung von U-513 wurden sie von einem Tender aufgenommen. Guggenberger hatte es schwer erwischt, er hatte sich drei Halswirbel, einige Rippen und einen Knöchel gebrochen. Nach der medizinischen Erstversorgung wurde er nach Miami geflogen. Dort wurde er von den Ärzten wieder völlig gesund gepflegt. Im Oktober 1943 wurde er in ein ganz normales Kriegsgefangenlager verlegt. Im Herbst 1944 beschloss Guggenberger mit weiteren Deutschen Offizieren zu fliehen. 25 Gefangenen gelang es schließlich durch einen 55 Meter langen Tunnel zu entkommen, darunter war auch Guggenberger. Es verging ein Tag bis die Flucht bemerkt wurde. Guggenberger hatte ein Ziel Mexiko, er kam bis auf 10 Meilen an die Grenze heran, dann wurde er von einem Suchtrupp erwischt und wieder ins Lager zurück gebracht. Er konnte sich 14 Tage in Freiheit erfreuen.

So endete das letzte Kriegsabenteuer von Fritz Guggenberger.


Nachkriegsjahre

Im Mai 1946 kehrte er wieder nach Deutschland zurück. Er studierte Architektur, 1955 machte er sein eignendes Büro auf. Aber es dauerte nicht lange und dann rief die neue Deutsche Marine. Als Fregattenkapitän trat er 1956 ihr schließlich bei, 1961 wurde er Kapitän zur See, 1968 sogar Konteradmiral. Am 31. Oktober 1971 trat er in den verdienten Ruhestand.
Am 13. Mai 1988 verabschiedete er sich zu einem langen Sparziergang. Er kehrte davon nicht mehr zurück.
Seine Leiche wurde erst 2 Jahre später gefunden. Fritz Guggenbergers tragisches Ende war wirklich ein trauriger Schlussstrich unter eine bemerkenswerte erfolgreiche Odyssee.


Quellen

Lautlose Jäger ISBN: 3-548-25205-2
U-Boot Krieg Band 3 ISBN: 3-813-20513-4
U-Boot Krieg Band 4 ISBN: 3-813-20514-2
U-Boot Krieg Band 5 ISBN: 3-813-20515-0
wikipedia (Zugriff 15.08.09)

Autor: Karaya234