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Das Thema

Hans-Joachim Marseille - "Stern von Afrika"

 

"...unbesiegt vom Gegner..."

 

 

Hans-Joachim "Jochen" Marseille, genannt Stern von Afrika.
(* 13. Dezember 1919 in Berlin; † 30. September 1942 südl. Sidi-Abd-el-Rahman, Ägypten)
Er war deutscher Jagdflieger, Hauptmann und Fliegerass im Zweiten Weltkrieg.


Jugend und Ausbildung

Die Marseilles stammen aus einer alten Hugenottenfamilie ab, die vor den Übergriffen in Frankreich nach Preußen geflohen waren. Geboren wurde Hans-Joachim Marseille als Sohn eines Generalmajors der Luftwaffe. Vater-Marseille war im ersten Weltkrieg Jagdflieger gewesen und dieser vererbte die Flugbegeisterung auf den Sohn. Er besuchte das Prinz-Heinrich-Gymnasium in Berlin-Schöneberg, das er mit 17 Jahren erfolgreich beendete. Kaum die Schule verlassen trat er Im Jahr 1938 in die Luftwaffe ein. Obwohl der junge Mann bereits während seiner Ausbildung in Wien-Schwechat erstaunliche fliegerische Fähigkeiten bewies, war er nicht zum Soldaten geboren.

November 1936 - Hans-Joachim beginnt mit der fliegerischen Ausbildung.
Marseille war ein sehr guter Pilot. Er konnte sich jedoch nicht an die disziplinarischen Regeln des Militärs und dem damit einhergehenden Respekt gegenüber den Vorgesetzten gewöhnen.
So war es keine Seltenheit, dass er für Kunstflugeinlagen oder Ähnliches zurechtgewiesen wurde. Beispielsweise missachtete er des öfteren die Mindestflughöhen. Es waren phänomenale Showeinlagen die Marseille berühmt und berüchtigt machten! Einmal kappte er im Tiefstflug ein an einem nur ein Meter hohen Stock befestigtes Taschentuch mit der Tragfläche seiner Messerschmitt. Als Marseille sich mit einigen Piloten einmal auf einem Übungsflug nahe Braunschweig befand und plötzlich einen unangenehmen Drang verspürte, landete der freche Fähnrich einfach auf einer nahen Schnellstraße. Er erleichterte sich hinter einem Baum und flog dann einfach weiter.


2. Weltkrieg

August 1940 - Nach einer gründlichen Friedensausbildung wurde Oberfähnrich Marseille ins Lehrgeschwader 2 an die Kanalfront versetzt.

24. August 1940 - Während der Luftschlacht um England.
Sein erster Kampftag und sein ersten Luftsieg.

25. August 1940 - An seinem zweiten Kampftag schoss er seine zweite Maschine ab und erhielt dadurch das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

28. August 1940 - Sein fünfter Abschuss, er erhielt dafür das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte der hitzige Flieger aber auch bereits einen strengen Verweis und insgesamt acht Tage Arrest erhalten.

Oktober 1940 - Er wechselte in die 4. Staffel des Jagdgeschwaders 52, die zu dieser Zeit unter dem späteren Schwerterträger Steinhoff am Ärmelkanal lag. Mit seinem dortigen Chef, Johannes Steinhoff, kam er überhaupt nicht zurecht. Dieser erkannte den genialen Flieger in Marseille nicht und nutzte viele Dinge, um Marseille das Leben unnötig schwer zu machen.
In der Zeit an der Kanalküste bekam er zweimal eine Disziplinarstrafe, u. a. fünf Tage Arrest.

Bis Anfang 1941 konnte Marseille insgesamt 7 Abschüsse erzielen.

Er wurde jedoch selbst viermal vom Himmel geholt. Ihm gelang es jedoch jedes Mal mit seiner Messerschmitt an der französischen Küste Not zu landen.

Februar 1941 - Marseille schaffte es schließlich, zum Jagdgeschwader 27 versetzt zu werden.
Das JG 27 war vorerst in Döberitz stationiert.

April 1941 - Mit dem JG 27 geht es nach Nordafrika, auf den Fliegerhorst Gazala!


Afrika

Der Stern über Afrika

Als treffsicherster Vorhalteschütze und vielleicht bester Jagdflieger der Luftwaffe ging der junge Berliner Hans-Joachim Marseille in die Geschichte ein. "Stern von Afrika" genannt, wurde er zum Schreckgespenst der britischen Luftwaffe in Nordafrika. Bereits einen Tag nach der Verlegung stieg die 3. Staffel, der Marseille angehörte zum ersten Feindflug auf. Bei dieser Gelegenheit gelang es Marseille den ersten Luftsieg der Staffel zu erzielen indem er eine "Hurricane" vom Himmel holte. Beim gleichen Feindflug wurde Marseilles Maschine jedoch von einer zweiten "Hurricane" durchsiebt und zur Bruchlandung gezwungen. Marseille überstand diesen Abschuss unbeschadet, seine Messerschmitt hatte allerdings mehr als 30 zusätzliche Löcher im Rumpf. Erst nach einem langen Fußmarsch erreichte er unverletzt die eigenen Linien. Bei einem weiteren Einsatz seiner Staffel entdeckte Marseille einen einzelnen englischen Bomber. Aufgrund seiner außergewöhnlich guten Augen war er stets der erste, der den annahenden Feind erspähen konnte! Er löste sich aus dem Verband, schoss ihn ab und kehrte dann wieder in den Verband zurück. Dies widersprach jeglicher Regel von Luftkämpfen.
Marseille kannte auch hier keinerlei "Dienstweg". Im Normalfall sollte er den erkannten Gegner melden und auf Anweisungen des Staffelführers warten. Sein Gruppen-Kommandeur, Eduard Naumann, missfiel dies auch, doch erkannte er das große fliegerische Talent von Marseille. Obwohl solches Verhalten keinesfalls den Teamwork-Regeln einer guten Staffel entsprach, nahm Naumann sich des heißblütigen Piloten an, um ihm die Grenzen aufzuzeigen, jedoch ohne ihn zu entmutigen. In den folgenden Wochen erzielte Marseille wiederholt Luftsiege!

Mai 1941 - Marseille wird nach seinem 13. Abschuß, schließlich zum Leutnant befördert. Als Leutnant, bekam er damit das Privileg sich einen Burschen nehmen zu dürfen. Er suchte sich Mathias, einen Farbigen aus und es entwickelte sich eine gute freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden.

 

Der Stern von Afrika beginnt zu leuchten

In den folgenden Monaten besann sich Marseille immer mehr auf seine Pflichten als Soldat und Flieger. Obwohl noch immer brennend ehrgeizig, begann er mit seinen Kameraden in Luftkämpfen zusammenzuwirken und akzeptierte nun auch die militärischen Grundregeln.

22. November 1941 - Marseille gelangen zum ersten Mal mehrere Luftsiege bei einem einzigen Feindflug.

Zum Rottenführer ernannt, eignete er sich in unzähligen Einsätzen eine beachtliche Trefferpräzision an. In den unzähligen Geleitschutz- und Jagdeinsätzen dieser Zeit entwickelte Marseille eine unglaubliche Trefferpräzision, die ihm immer wieder wahre Wunderabschüsse ermöglichte. Er gehörte zur Gruppe der sog. Scharfschützen! Er versuchte den Gegner durch geschickte Wahl eines Vorhaltewinkels in der versetzten Bewegung und ggf. aus der eigenen Bewegung zu treffen. Und mit der Zeit, gelang ihm dies zunehmend häufig. Er erzielte dadurch seine vielen Siege mit sehr wenigen Schäden an der eigenen Maschine und einem sensationell geringen Munitionsverbrauch.

Er benötigte im Durchschnitt nur 15 Schuss Munition um einen Luftsieg zu erringen!!!
Kaum aufgestiegen, wurde Marseille zu einer absolut präzisen Kampfmaschine.

Er vereinigte in seiner Person, ein hervorragendes Sehvermögen, das perfektes räumliche Denken, eine absolut tödliche Treffsicherheit, sowie seine unerschrockene Furchtlosigkeit und seine tollkühne Angriffsfreude.

Weiterhin traf er besonders häufig die Kabine des Gegners von der schwächer geschützten Seite. Dies führte dann auch über britisch beherrschtem Gebiet zum dauerhaften Ausfall des Piloten durch Tod oder Verwundung. Sein Rottenflieger und Freund Rainer Pöttgen berichtete, dass er Treffer aus unglaublichen Entfernungen und Winkeln zustande brachte. Außerdem war es außerordentlich schwer, seinen tollkühnen Flugmanövern zu folgen.

Die UNWIRKSAME SCHUTZMASSNAHME der "Thommies":
Winter 41/42 - Eine wahre Begebenheit:

Die 3. Staffel traf auf 16 englische "Hurricanes".

Als die Britten, die Deutschen erkannten bildeten sie einen sogenannten Abwehrkreis, durch den sie sich gegenseitig decken konnten. Dies war die Universal-Schutzmaßnahme im Luftkampf mit feindlichen Jägern und bisher sehr wirksam. Der Deutsche Verband zögerte mit dem Angriff und so belauerte man sich eine Weile. Doch die "Thommies" und auch seine Rottenkammeraden, hatten nicht mir Marseille gerechnet!
Plötzlich brach Marseilles aus der Formation aus und stieg mit geschlossenen Augen in die Sonne hoch. Er drehte blitzschnell um und stürzte dann - nun die Sonne im Rücken - auf den Abwehrkreis herunter. Bereits mit den ersten Feuerstößen schickte er eine der "Hurricanes" zu Boden. Beim gleichen Anflug folgte noch eine weitere! Marseille wendete und stieg erneut der Sonne entgegen, während seine Staffel noch immer nicht angriff. Während er dann das zweite Mal aus der Sonne herabstieß löste sich die englische Formation auf. Die restlichen 14 "Hurricanes" schwenkten auf Marseille ein. Wieder fiel eine der britischen Maschinen den Waffen Marseilles zum Opfer.
Jetzt griff auch der Rest der Deutschen Staffel an und es entspann sich ein wilder Luftkampf, in dessen Verlauf Marseille erneut zwei Gegner abschoss! Seine Staffel-Kammeraden besiegten ebenfalls drei Gegner. Die sechs übriggebliebenen "Hurricanes" geben Fersengeld und die 3. Staffel kehrte ohne Verluste zu ihrem Einsatzflugplatz zurück.

2. Dezember 1941 - Feldmarschall Kesselring verleiht Marseille das Deutsche Kreuz in Gold, anlässlich seines 33. Luftsieges.

22. Februar 1942 - Marseille erzielte als erfolgreichster Pilot seines Geschwaders den 50. Abschuss!

Er wird dafür mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und zum Oberleutnant befördert wurde.

Der "Junge Adler"

 

Marseilles Abschüsse erfolgten sehr schnell hintereinander. Dies erschwerte seinem Rottenflieger, Rainer Pöttgen, das Mitschreiben. Staffelintern trug der bereits den Namen "Rechenmaschine".

Ordensflut für den "jungen Adler":
Immer heller leuchtete der "Wüstenstern", wie man Marseille längst nannte.

Mai 1942 - Als Homuth die Gruppe übernahm, trat Marseille dessen Nachfolge als Kapitän der 3. Staffel an.

Aufgrund seiner großartigen Erfolge war er nicht nur bei höchsten Stellen des Afrikakorps, sondern bereits auch in Deutschland bekannt und äußerst beliebt. Ähnlich wie ein Filmstar unserer Zeit, erhielt er täglich Briefe von weiblichen Fans. Sein Bild wurde fast jeden Tag in einer Zeitung abgedruckt. Unter den großen Persönlichkeiten, die Marseilles Staffel besuchten, befanden sich u.a. GFM Kesselring, Erwin Rommel und Jagdfliegergeneral Adolf Galland.

3. Juni 1942 - Ihm gelangen 6 Abschüsse innerhalb von nur elf Minuten!

6. Juni 1942 - Er erhält für seinen 75. Abschuss das Eichenlaub.

März bis August 1942 - Marseille ist in absoluter Hochform. Täglich bis zu vier Einsätzen über der libyschen Wüste. Und er erzielte praktisch in jedem Luftkampf zwischen zwei und fünf Luftsiege.

Marseille beherrschte die Bf 109 F so perfekt, dass er es sich angeblich sogar erlauben konnte, die genaue Stelle der Treffer zu bestimmen. Meistens setzte er die Einschüsse im Motorblock oder in der Pilotenkanzel des Gegners. Marseille war nicht nur in Deutschland zu einer Berühmtheit geworden, sondern auch bei seinen Gegnern. Dieser Mann, der täglich ihre besten Piloten bezwang, wurde dem englischen Oberkommando in Afrika allmählich zum Begriff. In einem abgefangenen Funkspruch wurde den britischen Staffelkapitänen sogar befohlen, den jungen Deutschen entweder nur in Gruppen oder gar nicht anzugreifen.

"Kopfgeld" auf Marseille ?

Unter jenen Elitepiloten, die gezielt auf Marseille angesetzt wurden, befand sich auch das Fliegerass Clive "Killer" Caldwell, ein australischer Kittyhawk-Pilot, der bereits über ein Dutzend Deutsche abgeschossen hatte.

 

 

Clive "Killer" Caldwell

Unter diesen hatte sich auch der erste Eichenlaubträger des JG 27 befunden, Hauptmann Erbo von Kageneck (67 Siege). Später sollte ihm auch Marseilles Freund und erfolgreicher Staffelkamerad Oberleutnant Hans-Arnold Stahlschmidt (59) und der Spanienveteran Wolfgang Lippert (29) zum Opfer fallen. Doch Caldwell traf nie auf Marseille, wurde später vom Schwerterträger Oberleutnant Schröer bezwungen, konnte jedoch in den Kampfeinsatz zurückkehren.

Marseille und sein Bodenpersonal....

Mit seinem Bodenpersonal pflegte Marseille einen absolut lockeren und kameradschaftlichen Umgang. Als der erfolgreiche Jagdflieger seinen Mechanikern als Gegenleistung für die stets perfekt gewartete Bf 109 für jeden Abschuss spaßeshalber 50 Lire anbot, entgegneten diese: "Na, lieber nicht - dabei werden Herr Oberleutnant ja ein armer Mann."

6. Juni 1942 - Als zweiter Pilot seines Jagdgeschwaders, erhält Marseile nach 75 Luftsiegen das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Er war zu diesem Zeitpunkt der 97. Soldat, der diese Auszeichnung erhielt.

17. Juni 1942 - Sein 100. Abschuss!
Er war damit der erste Jagdflieger, der die Marke 100 gegen westalliierte Piloten erreicht hatte.

18. Juni 1942 - Die darauf folgende Verleihung der Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub fand direkt in Berlin statt. Zum damaligen Zeitpunkt war diese hohe Auszeichnung erst an 12 Soldaten verliehen worden. Es folgte die Beförderung des "Adlers der Wüste" zum jüngsten Hauptmann der Wehrmacht.

 

 

Eine englische Zeichnung von Marseille....


Heimaturlaub

Heimaturlaub - oder Propagandafeldzug?!

Auf dem anschließenden Heimaturlaub verlobte sich Marseille und plante die Hochzeit für Weihnachten. Der "Urlaub" war aber viel mehr eine Art Propagandatour durch das Reich. Marseille, längst zum Idol der Jugend geworden, wurde nun in ganz Deutschland gefeiert. Für Göbbels natürlich ein absolut willkommenes Mittel seiner riesigen Propaganda-Trommel, welche er auch heftig rührte. Auch auf der Fahrt zurück nach Afrika musste der "Stern von Afrika" noch weitere Stationen in Italien machen. In Rom verlieh man ihm die italienische Tapferkeitsmedaille in Gold, nur zwei weitere Deutsche bekamen diese Auszeichnung im 2. Weltkrieg und selbst Rommel erhielt die Medaille nur in Silber! Gerüchten zu Folge, soll Hans-Joachim in Rom, gemeinsam mit seiner jungen Braut, für einige Zeit verschollen und von diversen Militär- und Polizei-, wie auch Geheimdienst-Kräften gesucht worden sein. Der Duce wollte mit ihm speisen - er zog aber seine Frau vor!

Innerhalb des Afrikakorps gab es vier Anreden für Marseille.
1 - Von seinen Freunden wurde er Jochen genannt.
2 - Offiziell von seinen Staffelkameraden als "Chef" tituliert.
3 - im Funkverkehr trug er den Rufnamen "Elbe 1".
4 - Für Rommel war Marseille (zu französisch) einfach nur "Seille".


Sein Ende

Ein Helles Licht erlischt....

Nach Beendigung seines Heimaturlaubes, mußte Marseille feststellen, dass die Luftwaffe nun in Afrika endgültig in die Defensive war.

Die Luftmacht des Gegners war zahlenmäßig sechsfach überlegen!

Auf Grund dieser Tatsache hatten die eigenen Geschwader in dieser Zeit schwere Verluste zu verkraften. Doch Hans-Joachim hatte noch seinen alten, für ihn typischen Elan in sich!
Bereits am ersten Einsatztag nach seiner Rückkehr konnte er 10(!) Gegner abschießen. Diese großartige Leistung sollte aber immer noch nicht der Gipfel seines Könnens sein.

Der glorreiche September 1942:
1. September 1942 - Marseille schafft es, in drei getrennten Einsätzen, innerhalb eines einzigen Tages 17 bestätigte Abschüsse von britischen Jagdmaschinen! Er hat damit ein Gesamtergebnis von 121 Siegen.

Bericht des Piloten Ludwig Franzisket:

Als die Staffel nach dieser Leistung auf dem Feldflugplatz landete, waren alle von dem Gesehenen wie elektrisiert. Ludwig Franzisket, ein befreundeter Staffelkapitän und selbst Ritterkreuzträger, zeigte sich von Marseilles Angriffen überwältigt und sagte zu seinem Gruppenkommandeur: "Ich vergaß vor Staunen zu schießen, als ich Marseille im feindlichen Pulk beobachtete!"

02.September 1942 - Marseille unterlagen fünf weitere Gegner.

Für seinen 126. Luftsiegen erhielt Marseille nun als vierter Offizier der Wehrmacht die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.

Nur 19 Monate waren vergangen zwischen seiner aller ersten Ankunft in Afrika und der Verleihung dieser höchsten Tapferkeitsmedaille. Der September war aber noch nicht vorbei!
Oberleutnant Marseille schaffte es, am 3. sechs, am 5. und 6. je vier und am 15. sieben Luftsiege erzielen!

24.September 1942 - Hans-Joachim Marseille wird mit erst 22 Jahren der bisher jüngsten Hauptmann der Luftwaffe. Es wundert nicht, dass er kurz zuvor zum bereits fünften Mal im Wehrmachtsbericht namentlich genannt wurde.

26.September 1942 - Als Staffelkapitän bezwingt Marseille mit insgesamt 7 britischen Spitfire-Jägern seinen 152. bis 158. Kontrahenten.

Der Luftkampf mit seinem letzten Gegner hatte ungewöhnlich lange 15 (unendliche) Minuten gedauert. Ein sicheres Zeichen, dass auch Marseille ausgelaugt und durch Dauerbelastung erschöpft war! Nach Berichten seiner Kameraden und Freunde begann zu dieser Zeit der Dauereinsatz in Marseilles Wesen Wirkung zu zeigen.
Oft war er übermüdet und abgekämpft.
Die Zeit war reif für eine Frontpause!

Jedoch, als ihm GFM Rommel persönlich eine solche Ende September anbot, lehnte Marseille jedoch ab - er wollte seine Staffel nicht alleine lassen. Außerdem war ein Weihnachtsurlaub bei und mit seiner Verlobten geplant. Und die Aussicht neben Rommel zu sitzen um den Worten des Führers zu lauschen, war denn wohl auch nicht sein "Ding"!!!

"...unbesiegt vom Gegner..."

Während der Schlacht um El Alamein flog das Jagdgeschwaders 27 rollende Jagd- und Abfangeinsätze über Ägypten.

30. September 1942 - Der Tag Kundgebung im Sportpalast! Wenn es nach Rommel gegangen wäre, würde jetzt Hans-Joachim neben dem "Wüstenfuchs" im Sportpalast sitzen!

Hauptmann Marseille führte seine komplette Staffel um Thommys zu suchen und abzufangen. Der hoch dekorierte Hauptmann flog in diesem Einsatz erstmals die neue G-Version der Messerschmitt Me 109 und diesmal mit der "Gelben 14" an der Seite. Ohne Feindberührung zu haben kehrte die Staffel um und flog wieder zum Einsatzhorst zurück. Während dieses Rückfluges von dem kampflosen Einsatz meldete ein Pilot plötzlich eine dünne Rauchfahne aus Marseilles Maschine. Aufgrund eines technischen Gebrechens fing nach kurzer Zeit der Motor an zu bocken, die Messerschmitt verlor an Höhe.

Gegen 11.20 Uhr trat plötzlich Qualm aus Marseilles Motor. Über Funk gab Marseille durch, dass er Rauch in der Kabine hätte und er kaum atmen könne.

Rainer Pöttgen, sein Rottenflieger, gab Marseille daraufhin Steueranweisungen über Funk, da Marseille auf Grund der Öl verschmierten Scheiben keine Sicht mehr hatte. Man hoffte ihn so - über Funk dirigiert - sicher über Deutsch besetztes Gebiet zu bringen! "Habe Motorschaden, ich steige aus!" rief er über Bordfunk und drehte die Maschine auf den Rücken. Vermutlich, erschien ihm eine Notlandung ohne Sicht zu gefährlich und so, entschied sich Hans-Joachim Marseille seine Maschine mit dem Fallschirm zu verlassen. Wie es im Handbuch stand drehte er seine "109" auf den Rücken und lies sich aus dem Sitz fallen. Seine Kameraden konnten beobachten, wie er das Kabinendach aufschob und sich aus der Maschine fallen ließ. Doch die Freude über den guten Ausgang der Aktion währte nur eine Sekunde!

Vermutlich hatte Marseille in dem ganzen Qualm nicht bemerkt, das die Maschine sich in den Sturzflug legte, bzw. leicht absackte! Marseille prallte gegen das Leitwerk und wurde bewusstlos geschlagen oder verstarb auf der Stelle. So hatte er keine Chance mehr, die Reißleine seines Fallschirms zu ziehen.

Hans-Joachim Marseille schlug am 30 September 1942, um 11.26 Uhr, einige Kilometer südlich von Sidi el Aman, nahe von Abd el Rahman auf den Wüstenboden Ägyptens auf und war sofort Tod.

Die Beerdigung:

 

Hans-Joachim Marseille wurde schließlich mit allen militärischen Ehren in Derna beerdigt. An der Absturzstelle wurde eine kleine Pyramide durch die 3. Staffel und deren italienische Freunde des Geschwaders errichtet. Auf der Bronzetafel der Pyramide stand geschrieben:

Hier ruht unbesiegt Hptm Hans Joachim Marseille.

 

Nach dem Krieg wurde Marseille nach Tobruk ins dortige Ehrenmal des Afrikakorps überführt und beigesetzt. Vom Gegner unbesiegt fand der 22 jährige Sieger über 158 englische Flugzeuge seine letzte Ruhestätte auf dem Kriegerfriedhof in Derna. Zu seiner Beerdigung kamen hunderte Deutscher und Italienischer Soldaten angereist, um dem "Stern von Afrika" die letzte Ehre zu erweisen.

Mathias, der Bursche und Freund Marseilles, legte eine Kette mit 158 Muscheln - für jeden Abschuss eine - auf den Sarg.

1989 wurde auf der ursprünglichen Stelle eine neue Pyramide (ca. 5x5m) durch seine alten Staffelkameraden erbaut mit der gleichlautenden Inschrift, in verschiedenen Sprachen (Arabisch, Deutsch & Italienisch).

 

 

 

Diese Pyramide ist unter Koordinaten 30° 53? 26,80? n. Br., 28° 41? 42.87? ö. L. Koordinaten: 30° 53? 26,80? n. Br., 28° 41? 42.87? ö. L. zu finden.
Pyramide an der Absturzstelle....

Seine Erfolge:

 

Die von Hans-Joachim Marseille erzielten 158 bestätigen Luftsiege über britische Piloten wurden bis Kriegsende auch nicht annähernd wieder erreicht (Schwerterträger Bär 124).
Der junge, sympathische Jagdflieger starb nach 388 Feindflügen!

 

Unter seine bestätigten 158 Luftsiegen, waren 154 Jagdflieger und 4 Bomber.


Daten und Filme

Eine kleiner Ausschnitt aus seinen unerreichten Serien-Abschüssen:


 
 
Luftsiege
Datum
Uhrzeiten der jeweiligen Abschüsse
88. - 91. Luftsieg:
15 Jun 42
19:02, 19:03, 19:04, 19:05
92. - 95. Luftsieg:
16 Jun 42
19:02, 19:10, 19:11, 19:13
96. - 101. Luftsieg:
17 Jun 42
12:02, 12:04, 12:05, 12:08, 12:09, 12:12
105. - 108. Luftsieg:
01 Sep 42
08:28, 08:30, 08:33, 08:39
(1. Einsatz dieses Tages)
109. - 116. Luftsieg:
01 Sep 42
10:55, 10:56, 10:58, 10:59, 11:01, 11:02, 11:03, 11:05
(2. Einsatz dieses Tages)
117. - 121. Luftsieg:
01 Sep 42
18:46, 18:47, 18:48, 18:49, 18:53
(3. Einsatz dieses Tages)
127. - 132. Luftsieg:
03 Sep 42
08:20, 08:23, 08:29, 16:08, 16:10, 16:11
137. - 140. Luftsieg:
06 Sep 42
18:03, 18:13, 18:14, 18:20
145. - 151.Luftsieg:
15 Sep 42
17:51, 17:53, 17:55, 17:57, 17:59, 18:00, 18:02
152. - 158.Luftsieg:
26 Sep 42
09:10, 09:13, 09:15, unbek, 16:56, 16:59, 17:15

 
Seine Beförderungen
13.03.1939
Fahnenjunker
01.05.1939
Fahnenjunker-Gefreiter
01.07.1939
Fahnenjunker-Unteroffizier
01.11.1939
Fähnrich
01.06.1941
Oberfähnrich
22.02.1942
Leutnant
01.05.1942
Oberleutnant
16.09.1942
Hauptmann

 
Seine Auszeichnungen
 
Italienisches Fliegerabzeichen
Italienische Tapferkeitsmedaille in Gold
Ehrenpokal für besondere Leistung im Luftkrieg
Ehrendolch des Heeres
Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten
Frontflugspange für Jäger in Gold mit Anhänger Einsatzzahl "300"
Ärmelband Afrika
Eisernes Kreuz (1939) II. und I. Klasse
Deutsches Kreuz in Gold
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten
Ritterkreuz 22. Februar 1942
Eichenlaub (97.) 6. Juni 1942
Schwerter (12.) 18. Juni 1942
Brillanten (4.) 3. September 1942
Sechsmalige Nennung im Wehrmachtsbericht

VIDEOS zu Hauptmann Hans-Joachim Marseille:

http://www.youtube.com/watch?v=E2gHQGqKnGg

http://www.youtube.com/watch?v=Y7k1ilpbOUk

http://www.youtube.com/watch?v=2QHnPk6TrjA

http://www.youtube.com/watch?v=_RXU7C4paPU

http://www.youtube.com/watch?v=MvOE_ROg1RI

Freundlichst - rausgesucht und zur Verfügung gestellt von unserm guten Leonidas!!!

Die Verfilmung:

Der Stern von Afrika (1957)

Erstaufführung - Di, 13. 8. 1957
Deutschland-Start - Di, 13. 8. 1957
Regie - Alfred Weidenmann

Darsteller:
Erich Ponto
Carl Lange
Horst Frank
Marianne Koch
Joachim Hansen
Peer Schmidt
Christian Doermer
Roberto Blanco (...als sein Bursche Mathias...)
Gisela von Collande
Werner Bruhns

 

Video zum Spielfilm (Mit Roberto Blanko...):

http://www.youtube.com/watch?v=VBTXnSP_kes


Quellen

wiki (Zugriff 29.08.09)
lexikon-der-wehrmacht (Zugriff 29.08.09)
adlertag.de (Zugriff 29.08.09)
personenlexikon.net (Zugriff 29.08.09)

Autor: Tiwaz