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Portrait

Generalfeldmarschall Robert Ritter von Greim


* 22. Juni 1892 in Bayreuth
† 24. Mai 1945 in Salzburg

Kaiserreich

Kaiserreich

Robert Greim wurde am 22. Juni 1892 in Bayreuth/Oberfranken als Sohn des Königlich Bayrischen Gendarmerie-Hauptmanns Ludwig Greim geboren. Er besuchte zunächst ein Münchener Gymnasium, verbrachte dann die Jahre 1906 bis 1911 im Bayrischen Kadettenkorps und legte danach an einem Realgymnasium seine Abiturprüfung ab. Am 7. Juli 1911 trat Greim als technisch interessierter junger Fähnrich in das Bayrische Eisenbahn-Bataillon ein, ließ sich jedoch im November 1912 ins 8. Bayrische Feldartillerieregiment nach Nürnberg versetzen, in dem er nach Besuch der Kriegsschule München im Herbst 1913 zum Leutnant befördert wurde.

Erster Weltkrieg

Mit diesem Regiment zog er im August 1914 auch in den Ersten Weltkrieg. Er zeichnete sich als Batterieführer in den Kämpfen in Lothringen, an der Maas, bei Nancy-Epinal, in Flandern, in der Provinz Artois, bei Arras und bei Cambrai aus. Bereits am 26. November 1914 erhielt Greim das EK II. Die Eroberungen von St. Mihiel und des Sperrforts Camp de Romains waren seiner persönlichen Tapferkeit zu verdanken. Im Jahr 1915 fand er zunächst als Ordonnanzoffizier, dann ab März 1915 als Adjutant bei der I. Abteilung seines Regiments Verwendung. Greims technisches Interesse ließ ihn mit der damals noch in den Kinderschuhen steckenden Militärfliegerei liebäugeln und so wurde er im August 1915 zu einem Flugzeugbeobachterlehrgang kommandiert. Über diesen Lehrgang kam er endgültig zur Fliegerei.
 

 



Er wurde als Beobachter zur Feldfliegerabteilung 3b versetzt und konnte dort schon bald, mit Leutnant Hempel als Flugzeugführer, seinen ersten Luftsieg melden. Am 10. Oktober 1915 erhielt Greim das EK I. Er wurde zur Artilleriefliegerabteilung (A) 204 versetzt und flog dort mit seinem Flugzeugführer zahlreiche Einsätze als Aufklärungs- und Beobachtungsflieger, lenkte vor allem das Einschießen der eigenen Artillerie auf feindliche Stellungen und Batterien, machte Lichtbilderkundung und nahm auch an Bombenangriffen und Jagdeinsätzen teil. Ende November 1916 wurde Greim zur Ausbildung als Flugzeugführer nach Schleißheim kommandiert, avancierte im Januar 1917 zum Oberleutnant und kehrte danach wieder zu seiner alten Abteilung zurück, die inzwischen in Bayrische Fliegerabteilung 46 umbenannt worden war. Im April 1917 wechselte er zur Jagdstaffel 34 unter dem späteren Pour le Mérite-Träger Oberleutnant Eduard Ritter von Dostler und übernahm nach dessen Abberufung im Juni 1917 die Staffel als Staffelkapitän.



An der Spitze dieser Staffel vollbrachte Greim dann höchste fliegerische und soldatische Leistungen. Aufgrund seiner taktischen und hervorragenden fliegerischen Begabung konnte er an der Westfront 25 Luftsiege erringen. Ferner gelang Greim als erstem Flugzeugführer in der Geschichte der deutschen Jagdfliegerei, mit Vizefeldwebel Johann Pütz als Beobachter, am 11. März 1918 aus ca. 600 Metern Höhe die Vernichtung eines englischen Tanks durch gezieltes MG-Feuer. In der Frühjahrsschlacht 1918 führte er mehrere in der Jagdgruppe 9 zusammengefasste Jagdstaffeln und leitete in den folgenden Abwehrschlachten die Einsätze der Jagdflieger im Bereich der 2. Armee. Nach insgesamt 28 Luftsiegen trug Robert Greim nicht nur beide Eisernen Kreuze und den Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern, sondern der deutsche Kaiser verlieh ihm außerdem am 8. Oktober 1918 die höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung jener Tage, den Orden Pour le Mérite. Außerdem wurde er am 23. Oktober 1918 vom Bayrischen König mit dem Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet, womit die Erhebung in den Ritterstand verbunden war. Von nun an durfte er sich Robert Ritter von Greim nennen.


Weimar

Weimarer Republik

Nach dem Ausbruch der Revolution in Deutschland startete Ritter von Greim am 11. November 1918, um 12 Uhr Mittags, mit seiner Staffel zum letzten Mal und flog in die Heimat zurück. Er gehörte zuletzt der Schleißheimer Kurierstaffel an und hatte am 15. März 1920, auf Befehl des Reichswehrgruppenkommandos 4, zwei Zivilisten nach Berlin zu fliegen, die dort die Situation nach dem Kapp-Putsch erkunden sollten. Es handelte sich dabei um Adolf Hitler und dessen Begleiter Dietrich Eckart. Ende März 1920 schied Ritter von Greim als "charakterisierter" Hauptmann (das heißt mit Titel, aber ohne Patent und Gebührnissen eines Hauptmanns) aus dem aktiven Dienst aus. Er studierte zunächst in München Rechtswissenschaft und legte am 22. Juli 1922 das Referendarexamen ab. Danach arbeitete Ritter von Greim zwei Jahre in einer Münchner Bank. Auch in dieser Zeit blieb er der Fliegerei treu, beteiligte sich in seiner Freizeit, zusammen mit Ernst Udet, an Kunstflugvorführungen und half so durch sein fliegerisches Können mit, das Interesse der Öffentlichkeit am Luftsport zu wecken und wach zu halten. 1924 ging Ritter von Greim nach Ostasien und organisierte die Luftstreitkräfte bei der Südchinesischen Nationalregierung. In Kanton war er dann Leiter der fliegerischen Ausbildung an der Militärfliegerschule. 1927 kehrte Ritter von Greim wieder nach Deutschland zurück und war anschließend bis 1933 als Fluglehrer bei der Sportflug GmbH in Würzburg tätig. Hier flog er persönlich jede neue Maschine ein und bildete viele später bekannt gewordene Flugzeugführer aus.


NS-Staat

Nationalsozialismus

Am 1. Januar 1934 wurde Ritter von Greim als Major im 7. bayrischen Artillerieregiment der Reichswehr reaktiviert, jedoch bald darauf dem unter Hermann Göring neu geschaffenen Reichsluftfahrtministerium zur Verfügung gestellt. Von diesem wurde er mit der Aufstellung des Jagdgeschwaders "Richthofen" in Döberitz beauftragt, an dessen Spitze er nach der Verkündung der wiedererlangten deutschen Wehrhoheit am 17. März 1935 vor Adolf Hitler, seinem damaligen Fluggast aus dem Jahre 1920, paradierte. Am 1. August 1935 erfolgte seine Ernennung zum Inspekteur der Jagdflieger und am 1. September 1935 seine Beförderung zum Oberstleutnant. Danach wurde Ritter von Greim am 10. Februar 1936 zum Inspekteur für Flugsicherheit und Gerät ernannt und avancierte in dieser Eigenschaft am 20. April 1936 zum Oberst. Am 1. August 1937 übernahm er die Führung der Geschäfte des Luftwaffenpersonalamtes, avancierte am 1. Februar 1938 zum Generalmajor und wurde Amtschef. In diesen Funktionen, nahm Ritter von Greim erheblichen Einfluss auf den Aufbau und die Ausbildung der Luftwaffe. Anfang 1939 übernahm er das Kommando über die 5. Fliegerdivision in München.
 

 


2.Weltkrieg

Zweiter Weltkrieg

Am 3. Oktober 1939 wurde Ritter von Greim Kommandierender General des nunmehrigen V. Fliegerkorps und avancierte am 1. Januar 1940 zum Generalleutnant. Mit seinem V. Fliegerkorps nahm er ab dem 10. Mai 1940 am Westfeldzug teil, wobei er großen Anteil an diesem überragenden Erfolg hatte. Die von ihm geführten Fliegerverbände zeichneten sich beim Durchbruch durch die Maginotlinie sowie bei den Kämpfen im Elsass und in Burgund besonders aus. Dafür erhielt Robert Ritter von Greim am 24. Juni 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und wurde am 19. Juli 1940 zum General der Flieger befördert. Mit den drei Kampfgeschwadern (KG) seines V. Fliegerkorps, dem KG 51, 54 und 55, beteiligte er sich dann im Herbst 1940 an der "Luftschlacht um England" und kämpfte ab dem 22. Juni 1941 unter der Luftflotte 4 im Südabschnitt der Ostfront. Das V. Fliegerkorps wurde im April 1942 zum Luftwaffenkommando Ost und Anfang Mai 1943 zur Luftflotte 6 ausgebaut. Am 16. Februar 1943 zum Generaloberst befördert, erhielt Robert Ritter von Greim für die hervorragenden Erfolge seiner Luftwaffenverbände am 2. April 1943 das 216. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Mit seiner Luftflotte kämpfte er auch 1943 und 1944 weiterhin im Bereich der Heeresgruppe Mitte und hatte dort die ganze Last und Verantwortung des Luftwaffeneinsatzes zu tragen. Generaloberst Ritter von Greim verfügte nur über wenige fliegende Verbände, da der Schwerpunkt der Kriegsführung auf dem Südflügel der Ostfront lag.

Unternehmen "Zitadelle"

Immerhin konnte er zum Unternehmen "Zitadelle" im Juli 1943 ca. 730 Flugzeuge auf 15 Flugplätzen rund um Orel bereitstellen und als am 5. Juli 1943 die Operation begann, haben seine fliegenden Verbände und die Flak-Artillerie das Heer wirkungsvoll unterstützt. Auch als danach zur Abwehr übergegangen werden musste, leisteten Ritter von Greim´s Verbände hervorragendes. So wurde zum Beispiel die Flak-Artillerie zu seiner wichtigsten Waffe, die sich sowohl gegen feindliche Flugzeuge als auch gegen feindliche Panzer großartig bewährte. Mit Beginn der sowjetischen Sommeroffensive am 22. Juli 1944 verfügte er allerdings nur noch über 40 einsatzbereite Jäger. Für seine bisher unter Beweis gestellten Führungsleistungen erhielt Robert Ritter von Greim am 28. August 1944 das 92. Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Er war ein fachlich hoch qualifizierter militärischer Führer und in hohen Luftwaffenkreisen hätte man ihn gern schon 1943 in der Stellung von Göring gesehen. Auch Hitler, versuchte ihn an höhere Positionen zu stellen. Er bot ihm 1944, nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli, die Nachfolge von Generalstabschef Generaloberst Günther Korten an, aber Ritter von Greim erbat sich ausreichende Vollmachten und die glaubte Hitler Göring nicht abverlangen zu können. Göring bewog Ritter von Greim schließlich zum Verzicht und da für ihn Loyalität und Gehorsam selbstverständlich waren, folgte er dieser Aufforderung. Er wies auch im Januar 1945 eine Initiative der Jagdflieger zurück, die bei Hitler das Ersetzen Görings durch Ritter von Greim verlangen wollten. 1945 waren der Luftflotte 6 die Luftwaffenkommandos 4, 8, Ostpreußen und Nordost, das I. und II. Flak-Korps, das I. Jagdkorps, die 1. und 4. Fliegerdivision und der Jagdfliegerführer Ostpreußen unterstellt. Die wenigen noch verbleibenden Maschinen von Ritter von Greim´s Luftflotte waren es, die bei den letzten Kämpfen an der Oder noch einmal Aufklärungs- und Angriffsflüge flogen, bevor er sie nach München rettete.
 

 



Flug ins eingeschlossene Berlin

Am 23. April 1945 hatte Hitler Hermann Göring aller seiner Ämter enthoben. Martin Bormann und Wilhelm Krebs schlugen ihm als Nachfolger den als Offizier wie als Nationalsozialist gleichermaßen bewährten Ritter von Greim vor. Hitler stimmte zu und bestellte ihn sofort zu sich in die eingeschlossene Reichshauptstadt. Um dem Befehl Folge leisten zu können, suchte Ritter von Greim einen erfahrenen Piloten, der bereit war mit ihm unter schwierigsten Bedingungen, im zerstörten Berlin einen Landeplatz zu erkunden und zu landen. In Flugkapitän Hanna Reitsch fand er eine erfahrene Pilotin, die sich dieser Aufgabe annahm. Im Morgengrauen des 26. April 1945 starteten Ritter von Greim und Hanna Reitsch mit einer Focke-Wulf 190 und einigen Jägern als Begleitschutz in Richtung Berlin. Auf dem Flugplatz Gatow wechselten sie in einen Fieseler Storch, den er selbst steuerte. Die beiden starteten in Richtung Stadtmitte und gerieten dabei in schweren sowjetischen Flakbeschuss. Der zweiundfünfzig jährige Generaloberst wurde dabei am Fuß schwer verletzt und verlor vorübergehend das Bewusstsein. Flugkapitän Hanna Reitsch beugte sich über ihn, konnte die Maschine noch abfangen und landeten sie schließlich unter schwerem sowjetischen Artilleriefeuer auf der Ost-West-Achse am Brandenburger Tor. In den Abendstunden betraten beide den unterirdischen Führerbunker an der Reichskanzlei, wo Ritter von Greim sich dann, 25 Jahre nach der ersten Begegnung, zum letzten mal bei Hitler meldete. Hitler beförderte Robert Ritter von Greim zum Generalfeldmarschall und zum Oberbefehlshaber der Luftwaffe, überreichte ihm seine Ernennungsurkunden und schenkte ihm eine Kapsel mit Zyankali.

Der letzte Befehl

Als letztes bekam er den Befehl, sich in das Hauptquartier von Großadmiral Dönitz nach Plön (Schleswig-Holstein) zu begeben und dort den in Ungnade gefallenen Reichsführer-SS Heinrich Himmler festzunehmen und unschädlich zu machen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Abermals unter schwerem sowjetischem Feuer starteten Generalfeldmarschall Ritter von Greim und Flugkapitän Hanna Reitsch am 28. April 1945 auf der Ost-West-Achse mit einer Arado 96, kamen aus Berlin heraus und erreichten tatsächlich Plön. Nach einer Unterredung mit Großadmiral Karl Dönitz flogen Reitsch und er weiter nach Süddeutschland, wo der verwundete Ritter von Greim am 8. Mai 1945 in Kitzbühel (Österreich) in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet.


Nachkriegszeit

Nachkriegszeit

Der letzte Oberbefehlshaber der Luftwaffe, der begeisterte Flieger Generalfeldmarschall Robert Ritter von Greim war ein Idealist in jeder Beziehung. Als sein Weltbild in Trümmer gefallen war, mochte er sich nicht mit der Niederlage seines Vaterlandes und dem Schicksal seines Volkes abfinden und fürchtete überdies wohl eine Auslieferung an die Sowjets. Von US-Offizieren wurde er nach Salzburg zum dortigen US-Oberkommando gebracht. Hier sollte er den Befehl entgegennehmen, die Auflösung der deutschen Luftwaffe durchzuführen. Doch bevor ihm dieser Befehl übergeben werden konnte, schied Robert Ritter von Greim am 24. Mai 1945 freiwillig durch Gift aus dem Leben.
 

 


Auszeichnungen

 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse am 26. November 1914
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse am 10. Oktober 1915
Bayrisches Beobachterabzeichen
Bayrisches Flugzeugführerabzeichen
Bayrischer Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern und mit Krone am 18. Mai 1917
Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern am 29. April 1918
Pour le Mérite am 08. Oktober 1918
Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens am 23. Oktober 1918
Verwundetenabzeichen, 1918 in Schwarz
Frontkämpfer Ehrenkreuz
Wehrmacht-DienstauszeichnungIV. und III. Klasse
Winterschlacht im Osten 1941/1942
Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Ritterkreuz am 24. Juni 1940 (76. Verleihung)
Eichenlaub am 02. April 1943 (216. Verleihung)
Schwerter am 27. August 1944 (92. Verleihung)
Gemeinsames Flugzeugführer und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten: 17. April 1945
Nennung im Wehrmachtbericht am 20. Juni 1940
Nennung im Wehrmachtbericht am 22. November 1941
Nennung im Wehrmachtbericht am 19. Januar 1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 03. September 1943
Nennung im Wehrmachtbericht am 09. September 1944
Nennung im Wehrmachtbericht am 31. Oktober 1944


Quellen

Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Peter Stockert, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Ritter_von_Greim Zugriff am 20.01.10
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... eimRRv.htm Zugriff am 20.01.10
http://www.flieger-album.de/geschichte/ ... ngreim.php Zugriff am 20.01.10



Autor: Kurt Ralle