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Das Thema

Dr. Wolfram Freiherr von Richthofen

Generalfeldmarschall

 

 

* 10. Oktober 1895 in Barzdorf im Kreis Striegau/Schlesien
† 12. Juli 1945 in Bad Ischl/Oberösterreich


Kaiserreich

Kaiserzeit

Wolfram Freiherr von Richthofen wurde am 10. Oktober 1895 auf Gut Barzdorf, Landkreis Striegau in der Provinz Schlesien, als Sohn eines preußischen Kammerherrn und Rittergutsbesitzers, geboren. Zunächst besuchte er die heimatliche Dorfschule und danach das Realgymnasium in Striegau bzw. im rheinischen Bad Godesberg. Danach trat von Richthofen in die Hauptkadettenanstalt Berlin-Lichterfelde ein. Von dort kam er am 22. März 1913 als Fähnrich ins 1. (Schlesische) Husarenregiment „von Schill“ Nr. 4 nach Ohlau und wurde nach dem Besuch der Kriegsschule Kassel, am 19. Juni 1914, zum Leutnant befördert.


1. Weltkrieg

Erster Weltkrieg

Mit seinem Regiment kämpfte von Richthofen als Führer einer Eskadron zunächst im Westen und danach im Osten. Hier erwarb er sich bereits am 21. September 1914 das EK II. Seinen berühmt gewordenen Vetter Manfred, bat von Richthofen, ihm zur Fliegerei zu verhelfen. Im Winter 1917 wurde er an die Fliegerschule Halle kommandiert. Nach Abschluss der Flugzeugführerausbildung, am 27. März 1918, wurde er dann in das von Manfred von Richthofen geführte Jagdgeschwader 1 versetzt. Am 6. Juni 1918 erhielt von Richthofen das EK I. Bis Kriegsende errang er acht Luftsiege.

 

 

 

Der Befehlshaber der Legion Condor, Generalmajor von Richthofen, auf einem Erkundungsflug


Weimar

Weimarer Republik

Nach Kriegsende, im November 1918, verblieb von Richthofen zunächst in der vorläufigen Reichswehr und schied Anfang 1920 als Oberleutnant aus dem aktiven Dienst aus. Er holte in Breslau sein Abitur nach, um an der Technischen Hochschule Hannover Maschinenbau zu studieren. Am 1. November 1923, ließ sich von Richthofen im 11. Reiterregiment reaktivieren. Er versah seinen Dienst zunächst in der 4. Eskadron des Regiments und wurde anschließend zum Waffenamt des Reichswehrministeriums versetzt. Hier avancierte von Richthofen am 1. April 1925 zum Oberleutnant. Im Sommer 1926 schloss er sein Studium als Diplomingenieur erfolgreich ab. Ein Jahr später erfolgte seine Versetzung zum Reiterregiment 13 nach Hannover. Am 1. November 1928 übernahm von Richthofen als Chef die 2. Kompanie der Kraftfahrabteilung , in Ulm. Hier wurde er am 1. Februar 1929 zum Hauptmann befördert. Kurz darauf erreichte ihn überraschend die Ernennung, zum damals noch inoffiziellen Militärluftfahrtattaché bei der Deutschen Botschaft in Rom. Vom 8. April 1929 bis zum 30. September 1932 begab sich von Richthofen nach Italien, um hier die italienischen Luftstreitkräfte genauer kennenzulernen und zu studieren. Am 1. Oktober 1932 kehrte er wieder nach Deutschland zurück und wurde wunschgemäß zur Kraftfahrabteilung 6 nach Hannover versetzt. Hier erkrankte von Richthofen jedoch an einer Lungentuberkulose, die ihn für fast 6 Monate ans Bett fesselte. Diese lange Zeit nutzte er, um sich auf seine Dissertation an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg vorzubereiten, wo er kurze Zeit später zum Dr.-Ing. promovierte.


NS-Staat

Nationalsozialismus

Am 1. Juni 1933 wurde von Richthofen zum Major befördert. Er schied am 1. Oktober 1933 endgültig aus dem Heeresdienst aus und wurde in das neue Reichsluftfahrtministerium versetzt. Hier war von Richthofen ab dem 1. August 1934 als Abteilungsleiter im Technischen Amt tätig. Am 1. März 1935 wurde er im Rang eines Majors offiziell wieder in die Luftwaffe übernommen und avancierte kurze Zeit später zum Oberstleutnant im Generalstab. Ab dem 6. November 1936 nahm von Richthofen, als Chef des Stabes der Legion Condor, unter dem Oberkommando des Generalmajor Hugo Sperrle, am Spanischen Bürgerkrieg teil. Hier war er als Techniker an der richtigen Stelle, denn von Richthofen sammelte wertvolle taktische Erfahrungen und konnte gleichzeitig seine Auffassung von moderner Luftkriegsführung in die Tat umsetzen. Im Oktober 1937 kehrte er aus Spanien zurück. Für seine hervorragenden Leistungen wurde von Richthofen am 1. Januar 1938 vorzeitig zum Oberst befördert. Als Kommodore übernahm er ab dem 1. April 1938 das Kampfgeschwader 257 in Lüneburg. Am 1. November 1938 avancierte von Richthofen zum Generalmajor und wurde erneut nach Spanien beordert. Diesmal leitete er als Oberbefehlshaber die Legion Condor und führte sie nach General Francos Sieg, im Mai 1939, nach Deutschland zurück. Dieser erfolgreiche Einsatz brachte der Legion und ihrem Führer zahlreiche Ehrungen, die mit der großen Berliner Parade am 6. Juni 1939 ihren Abschluss fanden. Generalfeldmarschall Göring verlieh von Richthofen das Spanienkreuz in Gold mit Brillanten. Er erhielt auch die spanische Medalla Militar und die Medalla de la Campaña Española. Seine im Spanienkrieg gesammelten Erfahrungen, sollten von Richthofen schon bald zugutekommen.

 

 

 

Generalmajor Wolfram Freiherr von Richthofen, wird bei der Rückkehr der Legion Condor, auf der Überseebrücke im Hamburger Hafen, durch Generalfeldmarschall Göring begrüßt


2. Weltkrieg

Zweiter Weltkrieg

Beim Polenfeldzug, im September 1939, wirkte er als Fliegerführer zur besonderen Verwendung (z.b.V.) und als Verantwortlicher für den Einsatz der Nahkampffliegerverbände. Dabei bewährten sich seine Luftwaffenverbände hervorragend im Zusammenwirken mit der 10. Armee, beim schnellen Vorstoß auf Warschau. Von Schönwald aus führte von Richthofen vier Stuka-Gruppen, eine Schlachtflieger- und eine Zerstörergruppe weit vorn in enger Zusammenarbeit mit den Heerestruppen. Neben der Zerstörung großer Teile der polnischen Luftwaffe bereits am Boden und einer weitgehenden Zerschlagung der Bodenorganisation, erzielten vor allem die Stukas mit ihren heulenden Sirenen eine erhebliche psychologische Wirkung. Beim Einsatz im Westen ab Mai 1940, wurde aus dem sogenannten „z.b.V. – Kommando der Nahkampffliegerverbände“ das der Luftflotte 3 unterstellte VIII. Fliegerkorps. Dieses konnte entscheidende Beiträge zum Sieg im Westen leisten. Mit zwei Stuka-Geschwadern, Schlachtfliegern und Jägern unterstützte er die Handstreiche auf die Brücken im Bereich der 6. Armee und auf das Fort Eben Emael, sowie anschließend den Vorstoß der Panzerverbände an die Kanalküste. Dafür erhielt Wolfram Freiherr von Richthofen bereits am 17. Mai 1940, als Generalmajor und Kommandierender General des VIII. Fliegerkorps, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Das Entkommen des britischen Expeditionskorps aus Dünkirchen konnte er trotz rollender Angriffe seiner Flieger nicht verhindern. Am 19. Juli 1940 wurde von Richthofen, unter Überspringung des Ranges Generalleutnant, zum General der Flieger befördert. Mit den Stuka-Geschwadern 1, 2 und 77 beteiligte sich das VIII. Fliegerkorps an der „Luftschlacht um England“. Doch die langsamen, schwerfälligen und leicht verwundbaren Stukas waren dafür nicht besonders gut geeignet. Allein am 18. August 1940 verlor die I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 77, zwölf von 28 eingesetzten Flugzeugen, sechs weitere wurden schwer beschädigt. Insgesamt verlor die Stuka-Waffe allein an diesem Tag zirka 30 Maschinen mit ihren Besatzungen. „Der Preis ist zu hoch“, gestand von Richthofen an diesem Tag.

 

 

Generalmajor Wolfram Freiherr von Richthofen


Der Balkanfeldzug im Frühjahr 1941, insbesondere der Kampf um Kreta und die Bekämpfung der britischen Flotte, brachte dem VIII. Fliegerkorps abermals härteste Kämpfe und kampfentscheidende Erfolge. Die britische Flotte beherrschte das Seegebiet um die Insel, das VIII. Fliegerkorps jedoch den Luftraum darüber! Dies löste am 22. Mai 1941 die erste See-Luft-Schlacht der Geschichte aus, die nach mehreren Tagen mit einem eindeutigen Sieg der Luftwaffe endete. Die britische Mittelmeerflotte verlor dabei zwei Kreuzer, vier Zerstörer und zahlreiche Transportschiffe, außerdem wurden zwei Schlachtschiffe und drei Kreuzer schwer beschädigt. Bei der Evakuierung der Alliierten aus Kreta wenige Tage später, wurden zwei Zerstörer und ein Kreuzer versenkt. Ein Schlachtschiff, drei Kreuzer, fünf Zerstörer und der einzige Flugzeugträger wurden durch die Luftwaffe zum Teil schwer beschädigt. Ab Juni 1941 folgte der Feldzug im Osten, der dem VIII. Fliegerkorps abermals große Erfolge brachte. Dafür erhielt Wolfram Freiherr von Richthofen am 17. Juli 1941, als General der Flieger und Kommandierender General des VIII. Fliegerkorps, das 26. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Sein Korps unterstützte erfolgreich den Vormarsch der Panzergruppe 3 und leistete auch bei der Abwehr der sowjetischen Winteroffensive im Dezember 1941 wertvolle Dienste. Am 1. Februar 1942 wurde er zum Generaloberst befördert. Mit dem VIII. Fliegerkorps beteiligte sich von Richthofen im Juni 1942 an der Eroberung der Krim und der Einnahme von Sewastopol. Hierbei wurden mit sieben Kampf-, drei Stuka- und vier Jagdgruppen (etwa 600 Flugzeuge) in beispielhaftem Zusammenwirken mit den Heeresverbänden große Siege errungen. Ab dem 4. Juli wurde er zum Oberbefehlshaber der Luftflotte 4 im Süden der Ostfront ernannt. Im Winter 1942/43 oblag es der Luftflotte 4, die Versorgung der 6. Armee in Stalingrad aus der Luft zu übernehmen. Dabei erklärte von Richthofen, in Einschätzung der eigenen Möglichkeiten, die Luftversorgung als unmöglich. Er notierte in sein Tagebuch: „So wie jetzt, ist man, operativ gesehen, hochbezahlter Unteroffizier.“

 

 

 

Adolf Hitler überreicht den Marschallstab an Wolfram Freiherr von Richthofen, nach dessen Beförderung zum Generalfeldmarschall


Am 16. Februar 1943 ernannte Hitler den Oberbefehlshaber der Luftflotte 4, Generaloberst Wolfram Freiherr von Richthofen, zum Generalfeldmarschall. Mit 47 Jahren war er damit der jüngste Generalfeldmarschall, den die preußisch-deutsche Militärgeschichte verzeichnete. Wenige Wochen vor Beginn der Operation „Zitadelle“ verließ von Richthofen den Kriegsschauplatz im Osten. Ab dem 12. Juni 1943 wurde er zum Oberbefehlshaber der Luftflotte 2 in Italien ernannt, wo bei einer klaren alliierten Luftüberlegenheit, rund 500 deutsche gegen 4.000 bis 5.000 alliierte Flugzeuge, nicht mehr viel Ruhm zu erwerben war. Beim Beginn der alliierten Operation gegen Sizilien verfügte von Richthofen über 932 Flugzeuge, von denen aber nur 563 einsatzbereit waren. Die Luftflotte 2 erlitt so schwere Verluste, dass er sich im Herbst 1943 gezwungen sah, alle fliegenden Verbände aufzufrischen. Dennoch konnte von Richthofen im Februar 1944 nur 300 einsatzbereite Flugzeuge, gegenüber 4.500 alliierten melden. Trotzdem versuchte das Luftflottenkommando von Januar bis März 1944 alles, um den alliierten Brückenkopf von Anzio-Nettuno zu bekämpfen. Die Verluste dabei waren so hoch, dass es Ende Februar 1944 kaum noch startfähige Flugzeuge gab. Als dann im Sommer 1944 auch noch das II. Fliegerkorps wegen der alliierten Invasion in der Normandie nach Frankreich verlegte, blieben für den täglichen Einsatz in Italien nicht mehr als 60 Flugzeuge übrig. Dem erst 48jährigen Generalfeldmarschall war jedoch ein besonders tragisches Los bestimmt. Ein am 13. September 1944 operierter Gehirntumor brach wieder aus. Aufgrund dessen musste er am 27. Oktober 1944 sein Amt niederlegen. Auch eine erneute Operation brachte keine Besserung.


Nachkriegszeit

Nachkriegszeit

Ein weiterer Gehirntumor stellte sich ein, der am 12. Juli 1945 zum Tode führte. Generalfeldmarschall Wolfram Freiherr von Richthofen starb in Bad Ischl/Oberösterreich als Kriegsgefangener der US-Amerikaner und fand auf dem dortigen Soldatenfriedhof seine letzte Ruhestätte.

 

 

 

Die Ernennungsurkunde zum Generalfeldmarschall

 

 

 

Der Marschallstab des Generalfeldmarschall Freiherr von Richthofen

 

 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse am 21.09.1914
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse am 06.06.1918
Preußisches Militär-Flugzeugführer-Abzeichen
Ehrenkreuz für Frontkämpfer
Spanisches Flugzeugführerabzeichen
Medalla de la Campaña Española am 06.06.1939
Medalla Militar am 06.06.1939
Spanienkreuz in Gold mit Schwertern und Brillanten am 06.06.1939
Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse am 12.09.1939
Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse am 25.09.1939
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Ritterkreuz am 17.05.1940
Eichenlaub am 17.07.1941 (26. Verleihung)
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Gemeinsames Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten
Medaille Winterschlacht im Osten 1941/1942
Krimschild
Rumänischer Militärorden Michael der Tapfere III. Klasse am 29.07.1942
Ärmelband Kreta
Rumänischer Militärorden Michael der Tapfere II. Klasse am 15.02.1943
Nennung im Wehrmachtbericht am 20.06.1940
Nennung im Wehrmachtbericht am 21.10.1941
Nennung im Wehrmachtbericht am 19.05.1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 20.05.1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 02.07.1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 12.08.1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 20.03.1943


Quellen

Peter Stockert, Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_von_Richthofen (Zugriff am 14.09.11)
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... fenWFv.htm (Zugriff am 14.09.11)

Autor: Kurt Ralle