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Das Thema

Generalfeldmarschall Albert Kesselring
 
* 30. November 1885 in Marktsteft/Unterfranken
† 15. Juli 1960 in Bad Nauheim/Hessen


Kaiserzeitl

Kaiserzeit

Albert Kesselring wurde am 30. November 1885 in Marksteft/Unterfranken als Sohn eines Stadtschulrates geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bayreuth, trat er am 20. Juli 1904 als Fahnenjunker in das 2. Königlich Bayerische Fußartillerieregiment in Metz/Lothringen ein. Hier wurde Kesselring zum Ballonbeobachter ausgebildet. Am 4. Februar 1905 wurde er zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule München avancierte Kesselring am 8. März 1906 zum Leutnant. Als solcher wurde er dann als Batterieoffizier im 2. Königlich Bayerischen Fußartillerie-Regiment eingesetzt. Im Oktober 1908 wurde Kesselring für anderthalb Jahre zur Artillerie- und Ingenieurschule in München kommandiert, um dort Spezialist für Vermessungs- und Lichtwesen zu werden. Als Adjutant der I. Abteilung vom 2. Königlich Bayerischen Fußartillerie-Regiment versah er ab dem 1. Oktober 1912 seinen Dienst. Am 25. Oktober 1913 wurde Kesselring zum Oberleutnant befördert.


1. Weltkrieg

Erster Weltkrieg

Im August 1914 zog er als Bataillonsadjutant mit seinem Regiment in den Ersten Weltkrieg. Anfang Dezember 1914 wurde Kesselring als Adjutant zur 1. Königlich Bayerischen Fußartillerie-Brigade versetzt. Ab Mitte März kam er als Offizier z.b.V. in deren Stab zum Einsatz. Im Mai 1915 kehrte Kesselring als Bataillonsadjutant wieder zum 2. Königlich Bayerischen Fußartillerie-Regiment zurück. Doch bereits im September 1915 wurde er wieder als Offizier z.b.V. zum Stab der 1. Königlich Bayerischen Fußartillerie-Brigade versetzt. Am 19. Mai 1916 avancierte Kesselring dort zum Hauptmann. Anfang März 1917 wurde er dann als Adjutant zum Königlich Bayerischen Artilleriekommandeur 3 versetzt. Ab Ende November 1917 kam Kesselring dann als Anwärter für den Generalstabsdienst zum Stab der 2. Königlich Bayerischen Landwehrdivision. Im Januar 1918 wurde er als Generalstabsoffizier zum Armeeoberkommando 6 versetzt. Mitte April 1918 kam Kesselring dann als Generalstabsoffizier in den Generalstab vom III. Königlich Bayerischen Armeekorps. Während des Krieges wurde ihm das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse verliehen.

 

 

General der Flieger Albert Kesselring


Weimar

Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg leitete er die Demobilisierung des bayerischen II. Artillerie-Korps in Nürnberg. 1919 wurde Kesselring in die Reichswehr übernommen, wo er zunächst als Batteriechef im 7. Bayerischen Artillerieregiment seinen Dienst versah. Im Jahr 1922 wurde Kesselring in den Stab der Heeresleitung nach Berlin versetzt, wo er eine neunjährige Tätigkeit im Zentrum der Reichswehr begann. Diese Tätigkeit wurde nur durch eine kurzzeitige Verwendung als 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 7. Infanteriedivision unterbrochen. Am 1. Februar 1925 erfolgte seine Beförderung zum Major. Als Kesselring am 1. Februar 1930 zum Oberstleutnant avancierte, wirkte er als Ia des Stabschefs der Heeresleitung und als Referent im Heerespersonalamt. 1931 übernahm Kesselring als Abteilungskommandeur im Artillerieregiment Nr. 4 in Dresden wieder ein Truppenkommando und avancierte am 1. Oktober 1932 zum Oberst.


NS-Staat

Nationalsozialismus

Im September 1933 erreichte ihn der Ruf der Luftwaffe, dem er nur widerstrebend folgte. Am 1. Oktober 1933 wurde Kesselring offiziell aus dem Heeresdienst verabschiedet und beteiligte sich zunächst als Kommodore am getarnten Aufbau der neuen deutschen Luftwaffe. Im Alter von 48 Jahren lernte er noch fliegen und nutzte dann bis Kriegsende 1945 jede sich bietende Gelegenheit, um sich immer wieder selbst an den Steuerknüppel von Flugzeugen zu setzen. Ab dem 1. Oktober 1933 übernahm er die sogenannte Abteilung D, das spätere Luftwaffenverwaltungsamt im Reichsluftfahrtministerium. Von nun an konnte Kesselring erheblichen Einfluss auf den Aufbau der jungen Luftwaffe ausüben. Nach der Proklamation der Deutschen Wehrhoheit übernahm er als frisch beförderter Generalmajor ab dem 1. März 1935 die Leitung des Verwaltungsamtes im Reichsluftfahrtministerium. Hier war Kesselring im Zusammenwirken mit dem Finanzministerium für den Millionenhaushalt der Luftwaffe, die Bereitstellung der erforderlichen Gelder, die Überwachung der Flugzeugproduktion, für das Liegenschaftswesen sowie für Besoldungs-, Bekleidungs- und Verpflegungsfragen verantwortlich. Am 1. April 1936 avancierte er zum Generalleutnant. Im Juni 1936 wurde Kesselring von Göring zum neuen Generalstabschef der Luftwaffe ernannt. Er übernahm damit das Amt des am 3. Juni 1936 über Dresden tödlich abgestürzten Generalleutnants Walter Wever. Während seiner kurzen Amtszeit stoppte Kesselring in bewusster Abkehr von Wevers Konzept den Bau der viermotorigen Langstreckenbomber. Er sah die Aufgabe der Luftwaffe weniger im strategischen Luftkrieg, als in der operativen und taktischen Unterstützung des Heeres. Bereits ein Jahr später wurde Kesselring wegen verschiedener sachlicher Meinungsverschiedenheiten mit Göring und dem Staatssekretär Erhard Milch, abgelöst. Am 1. Juni 1937 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Flieger zum Kommandierenden General des Luftgaues III in Dresden ernannt. Infolge der Umorganisation der Luftwaffe übernahm Kesselring ab dem 1. April 1938 den Oberbefehl über das Luftwaffengruppenkommando 1 Berlin, welches bei der Mobilmachung gegen Polen Ende August 1939 in Luftflotte 1 Ost umbenannt wurde.

 

 

Albert Kesselring in seinem Flugzeug Siebel Fh 104


2. Weltkrieg

Zweiter Weltkrieg

Diese führte er erfolgreich im September 1939 im Polenfeldzug, und es war zum Teil auch sein Verdienst, dass die Operationen des Heeres so schnell und erfolgreich verliefen. Seine Verbände erkämpften zügig die Luftherrschaft und griffen dann sehr wirkungsvoll in die Erdkämpfe ein. Für seine hervorragenden Führungsleistungen wurde der General der Flieger Albert Kesselring bereits am 12. September 1939 mit der Wiederholungsspange für das EK II, am 25. September mit jener für das EKI und schließlich am 30. September 1939 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Im Januar 1940 wurde er zum Oberbefehlshaber der Luftflotte 2 ernannt. Mit ihr unterstützte Kesselring ab Mai 1940 erfolgreich die Operationen der Heeresgruppe B gegen Holland, Belgien und Nordfrankreich. Nachdem die alliierten Truppen vor Dünkirchen eingeschlossen wurden, gab von Rundstedt am 24. Mai 1940 einen Haltebefehl an die Heerestruppen. Göring hatte versprochen, allein mit der Luftwaffe die Alliierten in Dünkirchen vernichtend schlagen zu können. Es lag nun in Kesselrings Verantwortungsbereich, diese Operation erfolgreich zu führen. Er verzichtete auf einen Einspruch bei Göring, obwohl die Luftflotte 2 bereits zu geschwächt war. Daher gelang es den Briten, immer wieder die Luftherrschaft an sich zu reißen und ihre Soldaten relativ gedeckt über den Kanal in Sicherheit bringen. Trotz dieses Rückschlages konnten die Kämpfe im Westen schnell und siegreich beendet werden. Am 19. Juli 1940 wurde Albert Kesselring, unter Überspringen des Ranges Generaloberst, zum Generalfeldmarschall befördert. Die Luftflotte 2 stand kurze Zeit später wieder im Mittelpunkt, als es darum ging die Luftherrschaft über England zu erlangen. Mit dem „Adlertag" am 8. August 1940 begann die „Luftschlacht um England", welche die Voraussetzung für das Gelingen des Unternehmens „Seelöwe" war. Das Ziel war es die britische Luftverteidigung und die Jagdwaffe auszuschalten. Doch die Deutsche Luftwaffe verzettelte sich über der Insel, aufgrund einer uneinheitlichen Strategie und unterlag schließlich der immer stärker werdenden Royal Air Force. Viele Piloten der besiegten Länder (Frankreich, Polen und Tschechoslowakei) hatten sich ihr angeschlossen. Sie hatten außerdem über der Insel eine Art Heimvorteil. Während die abgeschossenen Piloten der Royal Air Force, wenn sie überlebt hatten wieder als Flieger zur Verfügung standen, gerieten die deutschen Piloten in Kriegsgefangenschaft. Diese Tatsache und die hohen Verluste durch tödliche Abschüsse führten auf deutscher Seite schließlich zur Niederlage. Auch die Verlegung des Angriffsschwerpunktes konnte dies nicht mehr verhindern. Bei den Angriffen auf London, Birmingham und sonstige wirtschaftliche Ziele, erlitt die schon geschwächte deutsche Luftwaffe erhebliche Verluste. Mit der Einleitung des Unternehmen Barbarossa wurde der Plan einer Eroberung Großbritanniens allmählich und ab 5. Februar 1941 zugunsten der Seeblockade ganz aufgegeben. Ab Juni 1941 war Kesselring an der Ostfront im Einsatz. Hier unterstützten seine Geschwader im Sommer 1941 mit ununterbrochenem Einsatz das rasche Vorgehen und die siegreichen Kesselschlachten der Heeresgruppe Mitte wirkungsvoll.

 

 

Generalfeldmarschall Albert Kesselring, Oberbefehlshaber der Luftflotte 2, Generalleutnant Wilhelm Speidel, Chef des Stabes der Luftflotte 2 und Reichsmarschall Hermann Göring im Gespräch vor dem Bunker des vorgeschobenen Gefechtsstandes von "Cäsar" bei Calais in Frankreich 1940

Am 28. November 1941 traf er in Rom ein und führte hier als Oberbefehlshaber Süd sämtliche Luftwaffenverbände im Mittelmeerraum. Mit dem II. und X. Fliegerkorps, sowie dem Fliegerführer Afrika hatte Kesselring hier die Aufgabe, das Mittelmeer für den britischen Schiffsverkehr zu sperren, den Nachschub für Nordafrika zu sichern und den britischen Stützpunkt Malta niederzukämpfen. Ferner unterstützte er Rommels Afrikakorps mit allen Kräften, und seine Geschwader flogen aktive Heeresunterstützung. Über 200mal war Kesselring selbst über der Front geflogen, besonders im Mittelmeerraum und in Nordafrika, um bei seinen Verbänden zu sein. Dafür erhielt er die Frontflugspange in Gold. Als Anerkennung für die Leistungen seiner Truppen und Auszeichnung für seinen persönlichen Einsatz und seine Führungskunst erhielt Albert Kesselring am 25. Februar 1942 als Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber Süd das 78. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Er bewies durchweg bedeutende Fähigkeiten in der Führung aller Wehrmachtteile und der italienischen Verbündeten. Kesselring oblag als Oberbefehlshaber Süd die Kriegsführung im Mittelmeerraum, welche er mit dem italienischen Comando Supremo zu koordinieren hatte. Seine Einstellung und sein auf Ausgleich bedachter Charakter förderte die deutsch-italienische Zusammenarbeit. Nach der Einnahme Tobruks am 21. Juni 1942, versuchte Kesselring Rommel davon zu überzeugen, auf den weiteren gewagten Vorstoß nach Ägypten zu verzichten und die Lage zur geplanten Eroberung Maltas zu nutzen. Rommel lehnte dies allerdings ab. Bereits am 18. Juli 1942 bekam Albert Kesselring als 15. Soldat der Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Nach dem Verlust Nordafrikas im Mai 1943 wurde die deutsch-italienische Zusammenarbeit deutlich konfliktreicher. Ab dem 13. Juni 1943 bewährte sich Kesselring erneut als Heerführer, als er zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C in Italien ernannt wurde. Die Italiener hatten mit dem Seitenwechsel bzw. Verrat im September 1943 für das Ende ihrer Zusammenarbeit gesorgt. Dies erschwerte die Bedingungen erheblich. Fast zwei Jahre lang verteidigte Kesselring mit geschickten Maßnahmen die Apennin-Halbinsel in hinhaltenden Rückzugskämpfen. Trotz der alliierten Überlegenheit zu Lande, zu Wasser und in der Luft gelang es ihm, mit zahlenmäßig stark unterlegenen Truppen und mit im Verhältnis geringen Verlusten, immer wieder den Vormarsch der Alliierten zu stoppen und zu verzögern. Zu schweren Kämpfen kam es besonders bei Anzio und Nettuno, danach wich er mit seinen Verbänden nach Norden zurück. Die Alliierten konnten im Juni 1944 Rom kampflos besetzen, da Kesselring, um sinnlose Zerstörungen zu vermeiden, die Räumung befohlen hatte. Ungeachtet aller Rückschläge waren die deutsche Führung und die deutsche Truppe dennoch Herr der Lage. Während dieser Kämpfe war er stets um eine möglichst humane Kriegsführung bemüht. Kesselring verzichtete bewusst auf die Verteidigung solcher Orte, die bedeutende Kunstschätze aufzuweisen hatten. Für seine dabei erneut bewiesenen Führungsleistungen wurde ihm am 19. Juli 1944, einen Tag vor seinem 40jährigen Dienstjubiläum, als 14. Soldaten der Wehrmacht das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Ende Oktober 1944 wurde Kesselring bei einem Autounfall während eines seiner täglichen Truppenbesuche am Nordhang des Apennins schwer verletzt. Zu dem Unfall kam es, als sein Wagen auf ein rückwärts aus einem Seitenweg stoßendes Geschütz prallte. Noch nicht ganz wiederhergestellt, übernahm er ab dem 15. Januar 1945 den Oberbefehl in Italien. Am 9. März 1945 wurde Kesselring durch Hitler, als Nachfolger von Gerd von Rundstedt zum Oberbefehlshaber West ernannt. In dieser Funktion konnte er am 2. Mai 1945 nur noch die Genehmigung zum Waffenstillstand südlich der Alpen geben. Kesselring nahm danach an der Westfront Kapitulationsverhandlungen mit den US-Amerikanern auf.

 

 

Albert Kesselring in US-Amerikanischer Gefangenschaft


Nachkriegszeit

Nachkriegszeit

Bei Kriegsende stellte er sich den US-Amerikanern, und damit begann ein Leidensweg besonderer Art. Er wurde diffamierend behandelt und unter bewusst entehrenden Begleitumständen von Lager zu Lager gebracht. Von den US-Amerikanern an die Briten überstellt, wurde er Anfang 1946 in einem Schauprozess in Venedig wegen Kriegsverbrechen angeklagt und am 6. Mai 1946 von einem britischen Gericht in Mestre zum Tode durch Erschießen verurteilt. Am 4. August 1947 wurde die Todesstrafe in lebenslängliche Haft umgewandelt. Im Herbst 1952 erfolgte, nach mehreren Krankenhausaufenthalten und Operationen, seine Freilassung aus dem alliierten Zuchthaus Werl/Westfalen. Am 15. Juli 1960 verstarb Albert Kesselring an Herzversagen in Bad Nauheim/Hessen und wurde unter großer Beteiligung Tausender seiner ehemaligen Soldaten auf dem Bergfriedhof in Bad Wiessee am Tegernsee/Bayern beigesetzt. Der Generalinspekteur der Bundesluftwaffe, Josef Kammhuber, würdigte in der Grabrede die Verdienste des Verstorbenen.

 


 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
Bayerische Prinzregent Luitpold-Medaille
Bayerischer Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern und Krone
Ritterkreuz II. Klasse des Albrechts-Orden mit Schwertern
Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938
Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse am 12. September 1939
Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse am 25. September 1939
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Ritterkreuz am 30. September 1939
Eichenlaub am 25. Februar 1942 (78. Verleihung)
Schwerter am 18. Juli 1942 (15. Verleihung)
Brillanten am 19. Juli 1944 (14. Verleihung)
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Ärmelband Afrika
Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten
Frontflugspange für Zerstörer in Gold mit Anhänger Einsatzzahl „400“
Großkreuz des Ordens der Krone von Italien
Italienisches Flugzeugführer-Abzeichen


Quellen

Peter Stockert, Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8

http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Kesselring (Zugriff am 06.10.11)
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... lringA.htm (Zugriff am 06.10.11)

Autor: Kurt Ralle