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Das Thema

Generalleutnant YAMASHITA Tomoyuki, der "Tiger von Malaya"

Hinweise:
1. Es war und ist in Ostasien üblich, bei der Namensnennung zunächst den Familiennamen und dann erst den Vornamen zu nennen. Daran habe ich mich im Folgenden gehalten. Zur besseren Kenntlichmachung habe ich die Familiennamen in Großbuchstaben geschrieben, ebenfalls Tradition in Japan bei Verwendung der englischen Schrift.
2. Der Name YAMASHITA wird „jamaschta“ ausgesprochen, das "i" hinter dem "sh" wird verschluckt.

 

山下 奉文, YAMASHITA Tomoyuki


Jugend und Militärische Laufbahn

YAMASHITA Tomoyuki wurde am 8. November 1885 in der Ortschaft Osugi in der Präfektur Kochi auf Shikoku als Sohn eines Arztes geboren. Den größten Teil der Kindheit verbrachte er bei einem Onkel in Koichi. Nach der Grundschule besuchte er eine militärische Schule, wo er auf ein Leben als Soldat vorbereitet wurde. Um 1900 ging er als Kadett an die Armeeoberschule in Hiroshima. Aufgrund guter Leistungen wurde er ausgewählt, an der Militärakademie Tokyo die Ausbildung zum Offizier zu absolvieren. Im Juni 1906 beendete er die Ausbildung dort als Leutnant der Infanterie und wurde zum 11 Infanterieregiment nach Hiroshima befohlen.

Dort wurde YAMASHITA zum Oberleutnant befördert. Ab 1913 absolvierte er als Teil des 28, Jahrgangs die Militärhochschule Tokyo, die ihn zu höheren Aufgaben befähigte. 1916 heiratete er dann NAGAYAMA Hisako, Tochter eines Generals im Ruhestand. Im November 1916 schloss er die Ausbildung ab und ging zum 11. Infanterieregiment zurück. Im August 1917 wurde er zum Generalstab der Armee versetzt, dem er ab Februar 1918 angehörte. Er wurde dort als skrupelloser Karrierist bekannt, der den extrem nationalistischen Kräften nahe stand.

Im April 1919 ging YAMASHITA als Hauptmann zur weiteren Ausbildung zunächst an die japanische Botschaft in Bern und ab Mitte 1921 nach Deutschland. Dort wurde er zum Major befördert. Im Juli 1922 kehrte er zurück und wurde an das Amt für militärische Angelegenheiten des Kriegsministeriums berufen. Er entwickelte dort einen Plan zur Verkleinerung der Armee, um den finanziellen Engpässen nach dem großen Erdbeben von 1923 Rechnung zu tragen. Diese Pläne wurden jedoch abgelehnt. Ab März 1926 ging er als Ausbilder an die Militärhochschule in Tokyo. Dort erfolgte die Beförderung zum Oberstleutnant. Im Februar 1927 wurde er als Militärattaché für Österreich und Ungarn berufen.

 

1930 wurde YAMASHITA zum Oberst befördert und als Kommandeur des 3. Infanterieregiments nach Tokyo zurückgerufen. Im April 1931 erfolgte die Berufung zum Chef der Abteilung für militärische Angelegenheiten. 1936 wurde er in dieser Position Vermittler im Streit zwischen nationalistischen Offizieren und dem eher liberalen Kriegsministerium, der zum Zwischenfall vom 26.02.1936 eskaliert war. In diesem wurden mehrere demokratisch gewählte Politiker und gemäßigte Offiziere von aufständischen Truppen unter dem Befehl von Jungoffizieren getötet, die eine Wiederherstellung der militaristischen Traditionen der Vor-Meiji-Ära forderten. Der Aufstand wurde zwar niedergeschlagen und die Rädelsführer hingerichtet, aber das schwache demokratische System Japans war entscheidend geschwächt während die Armee de-facto- die Herrschaft übernahm.

Nach Beendigung der Krise wurde YAMASHITA, der mit dem politischen Zielen der Aufständischen sympathisierte, von liberaleren Armeeoffizieren im Generalstab vorgeworfen, zu parteiisch gewesen zu sein. Auch die Führung um TOJO Hideki und dem Kaiser Hirohito stand nicht mehr hinter ihm. YAMASHITA stand vor der Wahl, in den Ruhestand zu gehen oder aus Tokyo wegzugehen. Er wählte letzteres und wurde Ende März 1936 als Generalmajor zur 40. Infanteriebrigade in die Mandschurei versetzt. Nach Beginn des Konflikts mit China Mitte 1937 wurde er zum Kommandant der Gemischten Brigade China. Aufgrund der guten Leistungen wurde er im November 1937 zum Generalleutnant befördert und Mitte 1938 zum Stabschef der Gebietsarmee (entspricht einer Armeegruppe) Nordchina ernannt. Der Kriegsverlauf und insbesondere die Unterstützung der Chinesen durch europäische Nationen und die USA überzeugten YAMASHITA, dass der Krieg auf Dauer nicht zu gewinnen war. Er sprach sich daher für eine Beendigung des Konflikts aus, was ihn in endgültig in Gegnerschaft zur Militärführung brachte.

Dafür wurde er im September 1939 mit der Führung der 4. Infanteriedivision betraut, die weitab von den Brennpunkten in der Mandschurei stationiert war. Seine strategischen Fähigkeiten machten YAMASHITA aber unentbehrlich. Daher wurde er 1940 mit Führung der auf Taiwan stationierten Einheit 82 betraut, die mit der Entwicklung eines Plans zur Unterbrechung der europäischen und amerikanischen Nachschubwege nach China und Sicherung der Ressourcen in Niederländisch-Ostindien beauftragt wurde. In dieser Funktion wurde er im Dezember 1940 als Führer einer Beobachtermission nach Deutschland und Italien gesandt, wo er auch auf Hitler und Mussolini traf.

 

Mitte Juni 1941 kehrte YAMASHITA nach Japan zurück, wo er eine Änderung der Militärtaktiken in Richtung Verzahnung aller Truppenteile nach dem deutschem Vorbild (Blitzkriegtaktik) forderte. Politisch sah er persönlich keine Vorteile der Zusammenarbeit mit den anderen Staaten der „Achse“, da die Ziele doch zu unterschiedlich erkannt hatte.

Noch im Juni 1941 wurde er als Kommandant zur Kwantung Armee in die Mandschurei abgeschoben. Dahinter stand der einflussreiche TOJO, der inzwischen Generalinspekteur der Armeeluftwaffe war, und damit sehr starken Einfluss auf dem Kriegsminister und den Generalstab hatte. Dieser sah YAMASHITA als Gefahr für seine politischen Ambitionen und ließ in kaltstellen. YAMASHITA wusste dies sehr wohl und entwickelte in den nächsten Jahren aus Angst, beseitigt zu werden, ein immer stärker werdendes Misstrauen gegen seine Untergebenen und die Personen in seiner Umgebung, das schließlich sogar Züge von Verfolgungswahn annahm.


2. Weltkrieg

Anfang November 1941 wurde YAMASHITA mit der Führung der 25. Armee betraut, die den vorgesehenen Angriff auf Malaya und Singapur durchführen sollte und sich auf der südchinesischen Insel Hainan vorbereitete. Am 5. Dezember 1941 verließen die Truppen an Bord mehrerer Schiffe unter Armeekommando Hainan und landeten am 08.12.1941 bei Singora und Patani in Siam (heute Thailand) sowie bei Kota Bahru im Norden Malaysias. Innerhalb von nur 45 Tagen schafften die Truppen eine Strecke von 965 km mit Blitzkriegtaktiken gegen einen Gegner mit mehr als doppelter Stärke. Dieser Erfolg brachte YAMASHITA den Beinamen „Tiger von Malaya“ und lehrte die Alliierten, die die japanischen Streitkräfte bestenfalls als zweitklassig betrachteten, das Fürchten. In der eigenen Führung wurde dieser Erfolg jedoch klein geredet und nach außen unterdrückt.

 

 

Kapitulationsverhandlungen in Singapur, unten rechts außen General Percival

Bis Juli 1942 blieb YAMASHITA Kommandeur der Truppen in Malaya und der benachbarten Insel Sumatra. Für einen Vorfall in einem zivilen Krankenhaus während der Eroberung Singapurs ließ er die Verantwortlichen zur Abschreckung zum Tode verurteilen und Hinrichten. Trotzdem wurden in dieser Zeit verschieden Gewalttaten gegen Kriegsgefangene und Zivilisten verübt, ohne dass er dies verhindern konnte. Außerdem befahl YAMASHITA den Einsatz von Kriegsgefangenen für militärische Bauprojekte gegen die Genfer Konvention.

Am Juli 1942 wurde er wieder in die Mandschurei abgeschoben, diesmal als Befehlshaber der 1. Gebietsarmee. Militärische Ehren erhielt er trotz des großen Sieges in Malaya nicht, der eine der wichtigsten Grundlage für den weiteren Vormarsch gegen Südostasien und Indien war.

Erst nach dem politischen Fall TOJOs wurde YAMASHITA im August 1944 nach Tokyo beordert, wo er vom Kaiser geehrt wurde. Danach übernahm er das Kommando über die 14. Gebietsarmee, die mit der Verteidigung der Philippinen beauftragt war. Er erkannte, dass die massive materielle Übermacht der USA und der Alliierten eine erfolgreiche Verteidigung unmöglich machen würden. Zudem hatten die massiv ausgeweiteten Sabotageakte philippinischer Partisanen und der amerikanischen Luftwaffen die Kommandostrukturen stark geschädigt. Die Truppen mussten ständig auf Sprengfallen und Hinterhalte gefasst sein, ohne dass ein greifbarer Gegner vorhanden war. Ergebnis waren ständige Übergriffe von Soldaten auf Zivilisten, internierte Weiße und Kriegsgefangene. Letztere mussten in überfüllten, schlecht versorgten Lagern leben und waren der Schikane der Wachmannschaften hilflos ausgeliefert.

Aufgrund der Kriegslage konnte YAMASHITA sich nicht auf ein Eingreifen in diese Missstände konzentrieren. Bereits im September begannen die Amerikaner unter General MacArthur, die Philippinen zurückzuerobern. Die japanischen Truppen waren zahlenmäßig und technisch unterlegen, machten dies aber durch Opferbereitschaft teilweise wett. Im Oktober wurde ihm vom Imperialen Hauptquartier gegen seine Einwände befohlen, die Truppen auf der Insel Leyte, um die eine Schlacht entbrannt war, zu verstärken. Keiner der japanischen Verbände konnte die Deckungsstreitkräfte der Amerikaner durchbrechen. Lediglich einzelne nächtliche Verzweiflungsangriffe mit Schwimmpanzern und Kamikazefliegern konnten geringe Erfolge erzielen. Ergebnis war eine starke Schwächung der japanischen Verbände. So konnten die Landungen auf der Hauptinsel Luzon nicht mehr verhindert werden. YAMASHITA befahl daher, die Truppen in drei Teile zu teilen, die unabhängig voneinander unter Ausnutzung der Geländevorteile hinhaltenden Widerstand leisten sollten.

Marineverbände unter Admiral IWABUCHI Sanji verweigerten jedoch den Befehl, da sie sich nicht als unter der Befehlsgewalt der Armee stehend betrachteten, und begannen im Januar 1945, die von YAMASHITA nicht als strategisch wichtige betrachtete Hauptstadt Manila mit Verteidigungsstellungen zu umgeben. Erst nachdem YAMASHITA die Marineführung um Hilfe bat, wurde dem Einhalt geboten. Stattdessen begannen die Marinetruppen nun, die Hafeneinrichtungen zerstören. Im Zeitraum vom 3. Februar bis 4. März 1945 wurden dann durch diese Truppen und einige versprengte Armeeeinheiten etwa 100.000 Zivilisten teilweise bestialisch ermordet. Diese Tat ging als Massaker von Manila in die Geschichte ein. YAMASHITA selbst musste dem hilflos zusehen, da er sich mit seinen Truppen in die Berge nördlich von Manila abgesetzt hatte und inzwischen von den Amerikanern von der Hauptstadt abgeschnitten war und die Truppen nicht mehr auf entsprechende, per Funk übersandte Befehle gehorchten.

Erst am 2. September 1945 ergab sich YAMASHITA und ging in Kiangan in Gefangenschaft. Eine Selbsttötung hatte er in Erwägung gezogen, sich aber dagegen entschieden. Er wurde seitens der Amerikaner aber nicht als Kriegsgefangener behandelt, sondern auf Befehl von General MacArthur direkt als Kriegsverbrecher verhaftet.


Nachkriegszeit

 

 

In einem in juristischer Hinsicht problematischen Militärtribunal, indem viele Verfahrensfehler begangen wurden, musste sich YAMASHITA ab dem 29. Oktober 1945 wegen insgesamt 123 Kriegsverbrechen, darunter der Einsatz von Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter in Malaya und dem Massaker von Manila, verantworten. Von vornherein bestand der Eindruck, dass es sich mehr um einen Racheakt von MacArthur für die Gräuel gegen seine geliebten Philippinen handelte als um den Versuch, Gerechtigkeit zu schaffen. Das Urteil schien auch nach Eindruck vieler Vertreter der internationalen Presse bereits bei Prozessbeginn festzustehen.

 

 

General Yamashita Tomoyuki mit seinen Verteidigern während des Prozesses November 1945 in Manila

YAMASHITA konnten keine persönlich durchgeführten Kriegsverbrechen nachgewiesen werden. Trotzdem wurde er am 7. Dezember 1945 zum Tode verurteilt. Die Begründung gilt bis heute als Meilenstein in der Justizgeschichte. Unzweifelhaft hatte YAMASHITA bereits bei Antritt des Kommandos aufgrund des Kampfgeschehens auf den Philippinen nicht mehr die Möglichkeit, eine funktionierende Kommandostruktur aufrecht zu erhalten. Trotzdem wurde er als befehlshabender Oberkommandeur der für das Massaker von Manila und anderer Gräueltaten verantwortlichen Truppen verurteilt. Dieses Konzept der Verantwortlichkeit eines Oberkommandierenden ist seitdem fester Bestandteil des Völkerrechts.

Die Hinrichtung von YAMASHITA Tomoyuki erfolgte am 26.02.1946 durch Erhängen. Seine militärischen Einsätze in Malaya und auf dem Philippinen sind auch heute noch Thema an Militärakademien weltweit.

 

 

Behauptung von Anklagen und "Umriss von Einzelheiten" gegen Yamashita Tomoyuki



Quellen

Richard Fuller: "Shokan - Hirohitos Samurai, Leaders of the Japanese Forces 1926 - 1945", Arms and Armour Press, Erstauflage 1992, ISBN 1-85409-151-4
wikipedia (Zugriff 09.08.09)
wikipedia, englisch (Zugriff 09.08.09)
waikato.ac.nz (Zugriff 09.08.09)

Autor: tom!