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Das Thema

NAMBU Kijiro

Ein kurzer Lebenslauf eines der Väter der japanischen Infanteriewaffen des 2. Weltkriegs.

Hinweise:
1. Es war und ist in Ostasien üblich, bei der Namensnennung zunächst den Familiennamen und dann erst den Vornamen zu nennen. Daran habe ich mich im Folgenden gehalten. Zur besseren Kenntlichmachung habe ich die Familiennamen in Großbuchstaben geschrieben, ebenfalls Tradition in Japan bei Verwendung der englischen Schrift.
2. Es gibt leider nur sehr wenige Bilder vom Herrn NAMBU.

 


Frühe Jahre

 

NAMBU Kijiro wurde am 22.11.1869 in der Präfektur Saga geboren. Die Mutter verstarb bereits früh. Der Vater war ein niederer Samurai im Dienste des Nabeshima-Klans, der sich im Rahmen der gesellschaftlichen Neuorientierung ab 1868 zum Richter umschulen ließ. Dauernde Finanzprobleme führten dazu, dass NAMBU bereits frühzeitig in die Dienste eines Kaufmanns trat, um Geld für die Familie zu verdienen. Durch Disziplin und harte Arbeit schaffte er es, nach ableisten des Wehrdienstes im Jahre 1889 an der Offiziersakademie der Armee aufgenommen zu werden. Sein Schwerpunkt lag in der Artillerietruppe.

1892 verließ NAMBU Kijiro die Akademie als Leutnant der Artillerie. 1897 wurde er als Hauptmann in die Infanteriewaffenentwicklungsabteilung des Tokyo Armee-Arsenals versetzt. Dort wurde er unter ARISAKA Nariakira bei der Weiterentwicklung des Typ Meiji 30 Gewehrs sowie bei der Entwicklung von automatischen Pistolen und Revolvern eingesetzt. Um 1900 erfolgte die Beförderung zum Major. 1902 entwickelte er eine halbautomatische Pistole im Kaliber 8 mm, dass fortan seinen Namen tragen sollte. Die Pistole ist heute noch als „Großvater Nambu“ bekannt.


"Papa Nambu"

1904 wurde NAMBU Kijiro dann zur Infanteriewaffenfabrik der Armee in der Präfektur Fukuoka (das spätere Kokura Armee-Arsenal) versetzt. Dort richtete er eine Produktion seiner Pistole und der Munition ein. Zugleich verbesserte er dort sein Konzept. So entstand dann 1907 eine verbesserte Version („Papa Nambu“) und eine verkleinerte Version seiner Pistole im Kaliber 7 mm Nambu („Baby Nambu“).
Die Armee war aber mit beiden Modellen nicht vollkommen zufrieden. So erfolgte eine Einführung der „Papa Nambu“ nur bei der Marine und die „Baby Nambu“ wurde nur an Diplomaten, Agenten und Privatpersonen vergeben oder verkauft. Die Weiterentwicklung der Waffe führte 1916 zur Entwicklung der Typ Taisho 14 Pistole im Kaliber 8 mm Nambu. Diese war sehr zuverlässig, aber auch teuer in der Herstellung. Es erfolgte eine Beförderung zum Oberst.

Typ Taisho 14 Pistole

Der Waffenentwickler

Bis 1914 entwickelte NAMBU Kijiro dann aus dem Typ Meiji 38 schweren MG (System Hotchkiss 1907) ein vereinfachtes und leichteres schweres MG im Kaliber 6,5 mm Arisaka, dass als Typ Taisho 3 schweres MG bei Armee und Marine eingeführt wurde.

 

Er begann danach ein technisches Studium, das er mit Abschluss beendete. 1918 wurde NAMBU dann zum Generalmajor befördert. Bis 1922 entwickelte er dann aus einem Typ Taisho 3 schweren MG ein leichtes MG, ebenfalls im Kaliber 6,5 mm Arisaka. Dieses wurde als Typ Taisho 11 MG von Armee und Marine eingeführt.


Typ Taisho 11 MG

Während der Entwicklung dieser Waffe promovierte er zum Dr.-Ing. 1922 wurde er dann zum Generalleutnant befördert und zum Kommandanten des Tokyo Armee-Arsenal ernannt.
1924 ging er freiwillig in den Vorruhestand, um mit finanzieller Unterstützung des großen Familienunternehmens Okura eine eigene Waffenfabrik namens Nambu Ju Seikosho (Nambu Waffenfabrik Gesellschaft) zu gründen. Diese stellte weiter die Typ Taisho 14 Pistole sowie verschiedene Pistolenmodelle der US-Firma Browning her. Außerdem wurden seitens Armee und Marine immer wieder Instandsetzungsaufträge vergeben. Bis 1932 wurde dann dort aus dem Typ Taisho 3 schweren MG eine geringfügig verbesserte Waffe im stärkeren und zuverlässigeren Kaliber Typ 92 7,7 mm entwickelt. Diese Waffe wurde von der Armee als Typ 92 schweres MG eingeführt und erhielt von den US-Soldaten im 2. Weltkrieg den Kosenamen „Woodpecker“ (Specht) aufgrund des charakteristischen Schussgeräusches.


Typ 92 schweres MG

Anfang der 1930er Jahre fragte die Armee an, ob NAMBU Kijiro eine kleinere Version der Typ Taisho 14 Pistole für Panzertruppe und Luftwaffe entwickeln könne. So entstand bis 1934 die berüchtigte Typ 94 Pistole im Kaliber 8 mm Nambu. Diese Waffe zeichnete sich vor allem durch eine schwache Abzugssicherung aus, die nach Einführung zu vielen Unfällen geführt hat. Mitte der dreißiger Jahre wurde das Problem zwar verringert, jedoch nicht abgestellt. Trotzdem wurde die Waffe weiter in großem Umfang beschafft, da sie dringend benötigt wurde. Letztlich musste die Armee die Dienstanweisung ausgeben, dass die Waffe erst unmittelbar vor dem Einsatz durchzuladen und damit Schussbereit zu machen war.


Typ 94 Pistole, späte Produktion

1936 wurde die Nambu Waffenfabrik per Dekret zum einzig zuständigen Hersteller von Militärpistolen und damit zum Monopolisten gemacht. Im gleichen Jahr begann NAMBU Kijiro ohne Auftrag mit der Entwicklung einer Maschinenpistole im Kaliber 8 mm Nambu. Die japanische Armee sah zunächst keinen Sinn in einer Waffe, die nur auf kurze Entfernungen verwendbar war und wahrscheinlich hauptsächlich zu einem hohen Munitionsverbrauch führten würde. Die Marine war zwar grundsätzlich von der Wirksamkeit einer solchen Waffe überzeugt, allerdings erschien dieser die da schon über dreißig Jahre alte 8 mm Nambu Patrone zu diesem Zeitpunkt schon als nicht mehr wirksam genug und damit veraltet. Die Entwicklung einer neuen Handwaffenpatrone scheiterte aber am Einspruch der Armee, die nach dem Beginn des Krieges in China 1937 aus logistischen Gründen neben der Typ 99 7,7 mm Patrone kein weiteres neues Kaliber mehr einführen wollte.
So entstand zunächst eine moderne Maschinenpistole mit Anlehnungen an die Mechanismen der europäischen Hersteller Bergmann und SIG. Diese wurde jedoch abgelehnt. Bis 1940 wurde die Waffe dann von NAMBU weiterentwickelt. Es entstand eine leichte und zuverlässige Waffe, die als Typ 100 Schnellfeuerpistole von der Armee als Ausrüstung für die Sturmkompanien der grade aufgestellten Luftlandebrigade eingeführt wurde.


Typ 100 Schnellfeuerpistole

Zum 01.12.1936 wurde die Nambu Waffenfabrik unter Mithilfe der Armee mit zwei weiteren Waffenherstellern zur Chuo Kokyo K.K. (Chuo Fabrik GmbH; Chuo ist der Bereich der Präfektur Chiba, der den Stadtkern Tokyos bildet) unter Führung NAMBU Kijiros vereinigt. Ab 1939 wurde dann dort auch noch das Typ 99 leichte MG, an dessen Entwicklung NAMBU Kijiro auf Bitten der Armee privat mitgewirkt hatte, in Lizenz gefertigt. 1942 wurden daraus verschiedene vereinfachte Versionen entwickelt, die die Armee aufgrund logistischer Probleme und des Kriegsverlaufs aber ablehnte.


Typ 99 leichtes MG

Nach der Kapitulation bat der inzwischen 76 Jahre alte NAMBU die US-Militärbehörde darum, die Firma mit ziviler Produktionspalette weiterführen zu dürfen. Dies wurde abgelehnt und die Firma unter US-Führung gestellt. Dort wurden dann weiter Waffen und Munition für die japanischen Nachkriegs-Polizeikräfte und später für die japanischen Nationalen Sicherheitskräfte (Vorläufer der heutigen JSDF) hergestellt. 1949 ging die Firma dann in der Firma Minebea K. K. auf, die heute noch als Hersteller von Präzisions-Kugellagern und Elektromotoren international agiert.

 

NAMBU Kijiro starb im Mai 1949 im Alter von 79 Jahren in Tokyo.


Quellen

Richard Fuller: "Shokan - Hirohitos Samurai, Leaders of the Japanese Forces 1926 - 1945", Arms and Armour Press, Erstauflage 1992, ISBN 1-85409-151-4
carabinesforcollectors.com (Zugriff 09.08.09)
wikipedia, englisch (Zugriff 09.08.09)

Autor: tom!