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Das Thema

 

Heinz Guderian

 

 

 

"Der schnelle Heinz"
 

 

Vater der deutschen Panzerwaffe

 

 

Erfinder des Blitzkrieges


Jugend

 

Familie und Jugend

Heinz Wilhelm Guderian wurde in Culm an der Weichsel am 17. Juni 1888 geboren. Zwei Jahre später sein Bruder Fritz.
Der zukünftige Generaloberst Heinz Wilhelm Guderian stammt von drei preußischen und einem Brandenburg-ansbach'schen General ab. Außerdem gehört zu seinen Ahnen der Generalfeldmarschall Hans von Lehwaldt. Sein Urgroßvater Heinz Guderian dagegen war "nur" Justizrat und erst dessen Sohn, Vater des später berühmtesten Panzergenerals der Wehrmacht, war der erste aktive Soldat in der direkten Linie. Vater Heinrich Mathias Guderian startete als Premierleutnant der Landwehr (Pommerschen Jäger-Bataillon Nr. 2) und stieg dann bis zum Oberst auf (Bataillonskommandeur Infanterieregiment 173 / Hannoverschen Jägerbataillon Nr. 10 / Füsilierregiment Prinz Heinrich von Preußen u. a.).

 

Wie viele preußische Generäle (z. B. Hindenburg, Ludendorff) wurde Friedrich Guderian und später sein Sohn Heinz vom Kadettenkorps stark geprägt. Das Erziehungsziel im Kadettenkorps war, "eine in jeder Weise vollwertige Schulbildung" zu vermitteln.
Am 1. April 1901 wurden Heinz und Fritz Guderian in das Kadettenhaus Karlsruhe in Baden aufgenommen.

“ [...] da mein Bruder ebenso wie ich bereits damals den Wunsch hegten, Soldaten zu werden, wurde der Entschluss hierzu den Eltern wohl etwas erleichtert; immerhin war es hart für uns, mit 12 beziehungsweise 10 Jahren das Elternhaus verlassen zu müssen."
(Aus den "Erinnerungen" von Heinz Guderian)

Das erste Zeugnis von Groß-Lichterfelde, wo Heinz Guderian in der 10. Kompanie war, bescheinigte: "Guderian ist ein strebsamer, fleißiger Kadett, dessen ganzes Verhalten volle Anerkennung verdient. Führung: Recht gut"

 

 

Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin (historisches Foto um 1900)

 
Beförderung zum Gefreiten (1904)
Portepee-Unteroffizier (1905)
Abschluss Fähnrichexamen mit "Gut" (16.02.1905)
Abschluss Haupt-Kadetten-Anstalt - vergl. Realgymnasium (11. Februar 1907)

Er zeichnete sich durch Fleiß, Engagement und gute Prüfungsergebnisse aus. Schon früh erkannte er technische Möglichkeiten und Chancen für die Armee bzw. Zukunft des Militärs.

“ Jubiläum der Infanterie Schießschule und Gewehr-Prüfungs-Kommission. Das Fest begann mit einem Schießen in historischen Uniformen mit alten Waffen, die seit 50 Jahren in der Armee gebraucht wurden. Besonders interessant war das Maschinengewehr"
(Eintrag aus seinem Tagebuch -11. Juni 1905)

 
Einstellung als Fähnrich beim Hannoverschen Jäger-Bataillon Nr. 10
(28. Februar 1907)
Beförderung zum Leutnant der Jäger und Schützen
(27. Januar 1908)
Verlegung zur 4. (Funker-) Kompanie (3. Telegraphen-Bataillon)
nach Koblenz (01.10.1912)

Sein Drang nach Karriere, Erfolg und sein Wissensdurst waren nicht immer Vorteile, doch festigten sie seine Persönlichkeit und sein Wesen für die Aufgaben, die da noch kommen sollten.

“Nach meiner Einstellung in das 10. Jäger-Bataillon verlebte ich eine sehr nette Zeit bei der Truppe. Die im April beginnende Kriegsschulzeit war jedoch wenig erquicklich. Wenn meine Wünsche sich nicht ganz erfüllten, so habe ich gewiss mit Schuld daran. Andererseits habe ich erkannt, dass das bestehende System strebsamen Leuten nicht genügt. Alles ist zu sehr auf das Mittelmäßige zugeschnitten [...] "
(Eintrag aus seinem Tagebuch)

Er diente im Jäger Bataillon Nr. 10 unter seinem Vater, dieser wird wohl seinen Ehrgeiz noch beflügelt haben. Doch machte ihm dies keine Probleme, der Umgang mit seinen Kameraden war dagegen etwas anderes. Sie erfüllten seine Ideale und soldatischen Vorstellungen nicht, so war er doch enttäuscht von ihren "dummen Reden" und wollte sich nicht ihrem Kreise anschließen. Erst 1910 wurde sein Verhältnis zur Truppe besser und er wollte doch mit allen Mitteln die "weiche Natur" den Kommandeuren nehmen. Er lebte schon früh im Sinne und in der Tradition des besten preußischen Soldatentums und nahm sich seine aufwachende kritische Einstellung als Ziel seiner Laufbahn.

Neben seine n Ambitionen beim Jäger Bataillon und Plänen für Modernisierung, brachte er auch sein privates Glück auf die Spur. Er heiratete Margarete Goerne und gab ihr bei seinem Antrag folgendes zu bedenken.

“[...]die Epauletten sind glänzende Dinger, aber reich ist noch keiner, dessen Schultern sie zierten, geworden[...] "


1. Weltkrieg

 

Der Erste Weltkrieg

 

Nach dem Abschluss des ersten Lehrganges an der Kriegsakademie fand in den Sommermonaten ein Waffenkommando statt, und zwar zur Artillerie für alle Infanteristen und Kavalleristen.
Am 29. Juni 1914, vor Antritt seines Kommandos beim Ostfriesischen Feldartillerieregiments Nr. 62 in Oldenburg nahm Heinz Guderian Abschied von seinem Vater, "nicht ahnend, dass es infolge des Kriegsausbruches der Abschied fürs Leben würde."


 
Mobilmachungsbefehl zum 5. Kavallerieregiment (Führer der schweren Funkstation 3) (02. August 1914)
Versetzung zur 4. Armee (Führer der schweren Funkstation 14)
(14. Oktober 1914)
Beförderung zum Oberleutnant
(08. November 1914)(W3w)

(Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse - 17. September 1914)

Beförderung zum Hauptmann (20. Dezember 1915)(A5a)

 


Die Position bei den Funkern hat große Auswirkungen auf seine weitere Karriere und vor allem technisch/taktische Orientierung. Die Kommunikation wird ein wesentlicher Bestandteil seiner späteren Arbeiten und Direktiven zum "Blitzkrieg". Der Funk ist die Grundvoraussetzung eines koordinierten schnellen Vormarsches. Die (spätere) Panzerwaffe ist das Instrument dieser Taktik, aber die reibungslose Kommunikation ihr Schlüssel.

 

 

Generalobert H. Guderian bei der Inspektion der Panzertruppe - aus der Kritik der Kavallerie gegenüber wurde eine stürmische Liebe zu deren Nachfolger - DEN PANZERN

Seine Beobachtungen der Kavallerie wecken das Interesse Lt. Guderians. Vor allem wenn es um die operative Einstufung der Kavallerie ging, die immer mehr eigenständig operieren sollte. Nur waren in den Anfängen des Ersten Weltkrieges die Art und Weise, ihre Nutzung und Ausrüstung absolut veraltete. So übte Guderian oft und viel Kritik an dem Einsatz "schneller Verbände" wie der Kavallerie.

“Heereskavallerieverbände - drahtlose Telegraphie - operative Eigenständigkeit"
(Die Grundlagen für die moderne "Blitzkrieg" - Doktrin war geboren)

So schrieb Jahre später Heinz Guderian eine wichtige Studie über "bewegliche Truppenkörper", die diese Grundlagen aufgreift und auf die Panzer anwendet!

“Nicht kleckern, sondern klotzen"
(Er formulierte seine Gedanken in diesem von ihm geprägten Ausspruch)

Leider sind über Guderians Tätigkeit und Wirken der schweren Funkstation bzw. 5. Kavallerieregiment/-division keine Angaben überliefert. Bekannt ist, dass während seiner Zeit in dieser Einheit, im Jahre 1914, sein Vater an langer Krankheit verstirbt. Heinz Guderian nimmt diesen Verlust als schweren Schlag hin, aber sieht es auch als Erlösung für seinen von ihm hochverehrten Vater.
Seine Versetzung zur 4. Armee erfolgte erst, nachdem er eine Verwendung bei der Kavallerie ausgeschlagen hatte. Er war unzufrieden mit der Aufstellung, Leistung und Aufgabe der Kavallerie, und so war dieser Weg für ihn keine Option.


 
Schlachten des ersten Weltkrieges an den H.Guderian beteiligt gewesen ist
(nachweislich)
Schlacht bei Dinant (17.- 20. August 1914)
Gefechte an der Marne (01.- 7. September 1914)
Schlacht bei Orly (09. September 1914)
Schlacht bei Chéry (11. September 1914)
Schlacht an der Yser (18. Oktober - 30. November 1914)

In den Tagen des Ersten Weltkrieges, kann der Historiker vor allem auch den Briefen Guderians an seine Frau, Schlüsse über die Moral und Stärke der Truppe jener Tage gewinnen.
So auch seine Freude über die Beförderung und neue Position, die er am 20. Dezember (Beförderung zum Hauptmann) und 09. Februar 1915 (Versetzung als Nachrichtenoffizier zur 5. Armee). Damit begann ein neuer Abschnitt im Leben des Soldaten Heinz Guderian. Ein Weg, der ihn bis zum Vorreiter des Panzerkrieges und einer der besten Panzerkommandeure jener Zeit führen sollte.

 

Sein Werden zum Panzermann

 
Schlachten des Ersten Weltkrieges
an denen H. Guderian beteiligt gewesen ist
(nachweislich)
Versetzung zur 5. Armee (Nachrichtenoffizier) (09. Februar 1915)
Versetzung zur 4. Armee (Nachrichtenoffizier) (18. Juli 1916)
 
Verwendung im Generalsstabsdienst der 4. Infanteriedivision
(seit 03. April 1917)
Versetzung zum Oberkommando der Armeeabteilung C
(Generalstabsstelle) (28. Februar 1918)
 
Mehrere Lehrgänge und Generalstabskurse
(seit 28. Februar 1918)
Erste Generalsstabsoffizier der deutschen Vertretung im besetzen Italien (ab September 1918)
Versetzung zur Zentralstelle Grenzschutz Ost im Preußischen Kriegsministerium (ab November 1918)
Versetzung zum Armeeoberkommando Süd
(02. Februar 1919) später dann Nord
Versetzung zur Eisernen Division nach Riga (Mai 1919)

Der Erste Weltkrieg prägte den Soldaten H. Guderian, vor allem beobachtete er die Art des Krieges jener Zeit und welche Veränderungen er durchmachte. Hier ist besonders auf seine Erfahrungen und Sichtweise der Schlacht von Verdun hinzuweisen, die er in seinem Buch "Achtung - Panzer!" genau beschreibt, analysiert und daraus Schlüsse für zukünftige Operationen zieht.
Dazu kamen seine Begegnungen mit den neuen Waffen moderner Kriege: dem ersten britischen gepanzerten Kraftfahrzeug, dem Gas und der Luftwaffe.
Neue Waffen, schreibt Guderian, erfordern in der Regel " eine neue Fechtweise in neuen taktischen und organisatorischen Formen" und "man soll nicht neuen Wein in alte Schläuche schütten." Er hatte die Zeichen der Zeit erkannt!

“[...] Immerzu sitze ich auf dem Sprung vor einer Veränderung."
(Worte Guderians an seine Frau (15. Juni 1916) über seine Karriere, Ziele und Lage an der Westfront)

Im Ersten Weltkrieg hatte der Hauptmann Guderian eine erlebnisreiche Laufbahn hinter sich gebracht, viele Entwicklungen des Krieges teilweise hautnah miterleben können bzw. müssen und seine Schlüsse daraus gezogen.

 

“Aus der Niederlage war Neues entstanden, und die empörenden Erlebnisse in Trient, München und Berlin stärkten ihn in seinem Drang, seinem geliebten Vaterland eine Waffe zu geben, die es Deutschland ermöglichen würde, Erniedrigungen der Jahre 1918 und 1919 in der Zukunft zu verhindern. "
(Zitat aus: Bradley, Dermot, Generaloberst Heinz Guderian und die Entstehungsgeschichte des modernen Blitzkrieges, S. 111.)


Reichswehr

 

In der neuen Reichswehr

In der neuen Weimarer Republik und der verkleinerten "gefesselten" Reichswehr startete nun die Karriere des Hauptmannes Guderians durch.
Doch zuerst musste er mit Selbstzweifeln kämpfen und sich auf seine preußischen Tugenden von Schuldigkeit und Ehre besinnen. Das die Zeit in einem "neuen" Land unter den Auflagen des Versailler Vertrages nicht leicht werden wird, war im schon früh klar. Seine Karriere sah er schon beendet:

“Wenn unsere Aufgabe hier beendet ist, dann kommen wir nach Hannover als kleine Reichswehr-Brigade 35 in die Provinz. Die Garnisonen liegen noch nicht fest, ebenso nicht die Verwendung der einzelnen Offiziere. Später werden wir dann wahrscheinlich aufgelöst, bzw. in die R.W. Brigade X überführt."
(Guderian über die militärische Zukunft seiner Division in einem Brief an seine Frau - Anfang August 1919)

Die Stimmung beim Abzug aus dem Baltikum war extrem gespannt. Die Eiserne Division sollte geteilt nach Deutschland zurückgeschickt werden, da machte sich Unmut bei den Soldaten breit und man musste mit Revolte rechnen.


 
Versetzung zur Abwicklungsstelle des Jägerbataillons 10
(Reichswehrbrigade 10) (Oktober 1919)
Versetzung zum Chef der 3. Kompanie des Jägerbataillons 10
(16. Januar 1920)
Übernahme des Kommandos über die 11. Kompanie des Jägerbataillons 10
(Anfang 1921)
Versetzung zur Kraftfahrtruppe 7 nach München
(Januar 1922)

Seine schnelle Versetzung zum Jägerbataillon hatte er Oberst Heye, dem damaligen Chef des Generalstabes zu verdanken. So war seine Zukunft bei der Reichswehr fürs erste gesichert. Zu dieser Zeit begegnete er auch dem Generalfeldmarschall Hindenburg das erste mal, lernte ihn als liebenswürdigen Mann kennen und verstand seine Ungehaltenheit über die Zustände des Militärs nach dem verlorenen Weltkrieg. Dabei wuchs auch das Interesse an der Politik. Man kann und muss feststellen, dass Guderian nicht "Nur-" Soldat war, sondern sehr wohl politische interessiert und im Bilde.
Die Freikorps, welche er in Celle besichtigen konnte, machten für ihn einen tadellosen Eindruck. Sein Dienst in der Reichswehr wird nach vielen Bangen und Zittern dann endgültig Anfang 1920 bestätigt. Man will den Hauptmann binden und für weitere Aufgaben einplanen. Zwar waren seine Aussichten nach 1920 wieder im Generalsstab tätig zu sein bei der Vielzahl von Offizieren gering, doch sollte alles anders kommen. Die Entwicklungen Ende 1921 wurden zur Wende im militärischen Werdegang des noch jungen Hauptmannes. Die Kraftfahrtruppe in München sollte der Ausgangspunkt für technische Erkenntnisse und taktische Schlussfolgerungen des wissbegierigen Soldaten Guderian werden. Dafür schlug er sogar das Angebot des Regimentskommandeurs aus, wieder im Generalsstab zu dienen.

 

Das Leben eines Panzermannes
“Die Hautarbeit meines Lebens zwischen den Weltkriegen galt der Errichtung der deutschen Panzertruppe. Obwohl ich ursprünglich Jägeroffizier war und keine technische Vorbildung besaß, führte mich das Schicksal in Stellungen, die mit der Motorisierung zusammenhingen."
(Kapitel 2 aus dem Buch Guderians "Erinnerungen eines Soldaten")

 
Versetzung zum Generalsstab des
Gruppenkommandos 1 in Berlin (Proforma)
Anschließend Versetzung zum Reichswehrministerium (Offiziell 01. April 1922)
Versetzung zur Inspektion der Verkehrstruppen (In 6 (K)) ( Formell ab dem 01. April 1922)
Versetzung in den Generalsstab der 2. Division in Stettin
(Lehrer für Taktik und Kriegsgeschichte) (01. Oktober 1924)
 
Beförderung zum Major
(01. Februar 1927)
Versetzung ins Truppenamt des Reichswehrministerium
(Heeres-Transport Abteilung) (01. Oktober 1927)
Zusätzliche Tätigkeit als Taktiklehrer beim Kraftfahrlehrstab in Berlin Moabit
(01. Oktober 1928)
Erhält das Kommando über die 3. (preußische)
Kraftfahrabteilung in Berlin Lankwitz (01. Februar 1930)
 
Beförderung zum Oberstleutnant (01. Februar 1931)
Chef des Stabes der Inspektion der Panzertruppe (01. Oktober 1931)

Er beschäftigte sich von nun an mit den Vorgaben eines Generaloberst Hans von Seeckt, der eine militärische, militärtechnische und soldatisch, selbstständige Erziehung der Offiziere wünschte. Die Kavallerie sollte "abgeschafft" werden und der Motor "eingeführt". Damit waren die militärtaktischen und militärtechnischen Grundlagen seiner Arbeit gelegt. Grundlagen für die er vollends eintrat und mit Überzeugung ausarbeiten wollte.
Ein Höhepunkt war die Leitung eines Kriegsspieles, das sich mit der Verwendung motorisierter Truppen im Zusammenwirken mit Fliegern beschäftigte. Die Ergebnisse waren beachtliche und Guderian, als Leiter der Planung, bekam erste Anerkennung für seine Arbeit.
Es folgten erste Artikel über die taktische Anwendung von gepanzerten Kraftwagen im "Militär-Wochenblatt" und weitere Bemerkungen von Guderian über die Wichtigkeit dieser neuen Waffenart.

“Mit wachsendem Verständnis muss sich jedes Herr allen Fragen zuwenden, die mit der militärischen Verwendung des Kraftzuges zusammenhängen."
(Feststellung Guderians in der Beilage "Kampfwagen" einer Militärhistorischen Zeitschrift - November 1924)

Der Bewegungskrieg ist Zukunftskrieg - ein Krieg, der ohne den Panzerwagen nicht vorstellbar wäre.
Guderian fordert eine operative Panzerwaffe und die Zusammenarbeit mit der Luftwaffe.
Zu diesem Zweck studierte Guderian systematisch die Verwendung der Panzer, fuhr sie oftmals selber und analysierte die Zusammenarbeit im Zuge, in der Kompanie und Abteilung. Dabei lernte er auch Oberleutnant Wenck kennen, den er später auch zur Panzertruppe holte.

Seine Stelle bei der Inspektion der Kraftfahrtruppe als Chef des Stabes bildet für ihn eine optimale Arbeitsbasis und "Rekrutierungsstelle" für zukünftige Panzermänner - so auch Walther K. Nehring (Major, sein erster Generalstabsoffizier). Guderian selbst bezeichnet das Jahr 1931 als Gründungsjahr der Panzertruppe und erfolgreiches Jahr für die Panzerwaffe. Dabei wurde auch auf die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion gesetzt. So wurden Kurse angeboten und Übungsplätze eingerichtet. Im Gegenzug wurde bei der "Umgehung" der Versailler Bestimmungen geholfen. Dabei wurden mit einigen (deutschen) Einheiten erste Manöver abgehalten.

 

 

Guderian (rechts) mit einem sowjetischen Offizier (links) bei der Manöverbesprechung


Panzertruppe

Der neue Reichskanzler (30. Januar 1933) war für Guderian ein Glücksfall. So besetzte der besagte Reichskanzler Hitler die Stellen der Wehrmachtsführung mit Leuten, die moderne Ansichten huldigten und durchweg Verständnis für die Panzerwaffe aufbrachten.
Hitler selbst war begeistert von den ersten Vorführungen und förderte die Waffenentwicklung.

“Das kann ich brauchen! Das will ich haben!"
(Ausspruch Hitlers bei einer Vorführung der Waffenentwicklung - Panzer I)

 

Die Karriere eines Panzermannes

 

Die Entwicklung ging rasend schnell und ab 1933 ging der Stern Guderian auf. Man brauchte Männer wie ihn, man suchte den modernen Soldaten wie ihn und man fand Panzermänner wie Heinz Guderian, der vor allen anderen dafür sorgte, dass die deutsche Armee die modernste der ganzen Welt wurde.


 
Beförderung zum Oberst (01. April 1933)
 
Ernennung zum Kommandeur der 2. Panzerdivision in Würzburg
(15. Oktober 1934)
Beförderung zum Generalmajor (01. August 1936)
Beförderung zum Generalleutnant (Februar 1938)
Ernennung zum Kommandierenden General des XVI. Armeekorps
(Februar 1938)
Beförderung zum General der Panzertruppe
(01. November 1938)
Ernennung zum "Chef der schnellen Truppe"
(20. November 1938)

Am 1. Juni 1934 wurde die bisherige Inspektion in das "Kommando der Kraftfahrtruppe" umbenannt. Guderian saß nun an der Spitze der Deutschen Panzer. Der Schritt bis zur Panzertruppe war nur noch kurz, hieß die Bezeichnung doch nun "Kraftfahrkampftruppe".
Durchsetzt wurden durch ihn neuartige Führungstaktik und -technik, der Funk wurde immer mehr zur Grundlage seines operativen Denkens und Versuchsübungen der Jahre 1935 zeigten die enormen Potentiale Guderians Vorschläge auf.

In den folgenden Jahren folgte viele Aufsätze und Artikel zur Bedeutung, Einsatz und Wirkung der Panzerwaffe, herausragen tut aber vor allem das im Auftrag von General Lutz verfasste Buch Guderians: Achtung - Panzer
Die Auswirkung diese Werkes, das Guderians Arbeit der letzten 10 Jahre zusammenfasst, werden zwar erst später in den ersten Kriegstagen erkennbar, doch findet das Buch sehr viel Beachtung auch im Ausland. General Patton war ein großer Bewunderer Guderians moderner und unkonventioneller Ausführungen des Panzereinsatzes.

 

"Blitzkriege"

 

 

Guderian (ganz links) bei der Besprechung mit den Panzerkommandeuren

 

 

Guderian (Mitte) mit sowjetischem Offizier nach dem Polenfeldzug

 

“Unsere Männer haben sich ausgezeichnet benommen, vor allem die Offiziere. Sehr viel Schneid und Opfermut [...] Auf meine Panzerwaffe kann ich besonders stolz sein; sie hat sich glänzend bewährt und wir verdanken ihr den raschen und verhältnismäßig unblutigen Erfolg.
In 17 Tagen von Groß Born bis Brest Litowsk!
Ich habe noch nicht nachgemessen, wie viele hundert Km das sind, aber es sind jedenfalls sehr viele ..."

(Brief an seine Frau Mitte September 1939)

 

Der Polenfeldzug, es war der große Auftritt der Panzer. Sie spielten die Hauptrolle und brillierten in diesem Stück der Militärgeschichte.


 
Kommandant des XIX. Armeekorps (01. September 1939)
 
Verleihung des Ritterkreuzes zum Eisernen Kreuz durch A. Hitler
(27. Oktober 1939)
Panzergruppe Guderian wird auf Befehl Hitlers gebildet (28. Mai 1940)
Beförderung zum Generaloberst (19. Juli 1940)
Panzergruppe 2 wird der Heeresgruppe Mitte
unter Generalfeldmarschall Bock zugeordnet.
Verleihung des Eichenlaubes zum Ritterkreuz (29. Juli 1941)

 


Guderian nahm von Anfang an eine führende Position in der Planung der "schnellen Kriege" ein. So wurde er oft um Rat gefragt, war wichtiger Fachmann für technische Fragen und wurde schnell von Manstein in die Pläne des Feldzuges im Westen eingeweiht. Sein Meinung: Unbedingt Durchführbar!


 
1. Division unter Guderian überschreitet die luxemburgische Grenze
bei Wallendorf (10. Mai 1940)
Panzergruppe Guderian erreicht schweizerische Grenze (17. Juni 1940)
Panzergruppe 2 (Guderian) erreicht den Raum von Smolensk (Juli 1941)
Panzergruppe 2 schließt Kessel in Kiew (14. September 1941)
Guderian gewinnt mit seinen zur 2. Panzerarmee erweiterten Verbänden
die Kesselschlacht von Wjasma und Brjansk (Oktober 1941)

Dieser Siegeslauf der Panzer geht auf Guderian zurück, der durch seine taktische Doktrin die Vorlage für den "Sichelschnitt" gegeben hatte.
Er bildete zum Ende des Jahres 1940 einige Panzer- und motorisierte Infanteriedivisionen aus, konnte aber keine wirklichen Akzente mehr in der Ausbildung setzen. Von nun an war auf dem Schlachtfeld zu Hause und spielte dort seine ganze Erfahrung und taktisches Geschick aus.

“Große Besprechung durch Guderian für Generalstab und Kommandeure von allen Seiten. Selbst für den Unbeteiligten wäre es Genuss gewesen zu sehen, wie meisterlich dieser Mordsmann in Einer Elite von Köpfen den Hammer schwang. Ein Bulle von Energie, auch nach oben. Klug, Gedächtnis, dabei liebenswürdig. Seine Entschlüsse sind von erstaunlicher Kühnheit."
(Luftwaffen-Oberst von Barsewisch über die Besprechung vom 07. Juli 1941 im Zuge des Vormarsches in der Sowjetunion)

Seine Motivation und Engagement wurden vor Moskau gestoppt, nicht durch den Feind, sondern durch Hitler selber. Dieser wollte die Ukraine und die Krim erst für sich und dann den Stoß auf Moskau wagen. Eine Fehlentscheidung, wie auch Guderian erkannte, doch wurden alle Einwände und Vorsprechen beim Führer abgeschmettert und sein Rat missachtet.

“Guderian ist wirklich einer unserer besten Führer, er mag hier bei den Zünftigen als Außenseiter noch so sehr bekrittelt werden, ein Abgott seiner Panzerwaffe im besten Sinn und dabei ein Mann, dem das Unmögliche gelingt. Bände könnten man schreiben über manche Auswüchse der Strategie am Schreibtisch [...]"
(Generalquartiermeister des Heeres, Generalmajor Eduard Wagner über Guderian (Oktober 1941))

 

 

Guderian (stehend) in einer Funkzentrale während das Vormarsches - Der Generaloberst immer am Puls des Krieges

Ihm wurde leider schnell klar, dass die oberste Führung den Bogen überspannt und überhöhte Forderungen an die Truppe und das Material gestellt hatte. Die Auswirkungen auf den Kriegsverlauf sind bekannt, dabei war vor allem der (zu früh) einbrechende Winter der letzte Aspekt der zur Stagnation der Kampfkraft seiner Panzertruppe und der gesamten Wehrmacht führte!

 

Die letzte Schlacht des Generaloberst der Panzertruppe

 

“ [...] nachts liege ich viel schlaflos und zermartere mir das Gehirn, was ich noch tun könnte, um meinen armen Männern zu helfen, die in diesem wahnsinnigen Winterwetter schutzlos draußen sein müssen. Es ist furchtbar, unvorstellbar.
Die Leute beim OKH und OKW, die die Front nie gesehen haben, können sich keinen Begriff von diesen Zuständen machen. Sie drahten immer nur unausführbare Befehle und lehnen alle Bitten und Anträge ab. Das Gefühl, nicht verstanden zu werden und den Ereignissen nahezu wehrlos ausgeliefert zu sein, ist einfach Nerven zerstörend."

(Brief an seine Frau (16. Dezember 1941)

Erlegte Einwände dar, sprach mit OKH Brauchitsch und mit anderen Spitzen der Wehrmacht, doch wurde nicht auf ihn gehört.
In letzter Instanz stand die Aussprache mit Hitler. Er legte dem Führer klar und deutlich die Gründe für ein Scheitern der Offensive im Osten vor, erklärte und analysierte den Verlauf.

“Diesen Mann habe ich nicht überzeugt!"
(Hitler zu Keitel nach der Aussprache mit Guderian - 20. Dezember 1941)

Der Bruch war komplett und konnte nie mehr geheilt werden!

“Angesichts der mir auferlegten untragbaren Einschränkungen in der Führung meiner in schwieriger Lage befindlichen Armeegruppe, die mich zu der Überzeugung bringen, nicht mehr das Vertrauen meiner Vorgesetzten zu haben, sehe ich mich außerstande, den Oberbefehl weiterzuführen.
Ich erneuere daher den gestern telefonisch gestellten Antrag und bitte, beim Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht meine Enthebung vom Oberbefehl über die Armeegruppe und die 2. Panzerarmee herbeizuführen"

(Guderian 25. Dezember 1941)

“Ich enthebe den Generalobersten Guderian mit sofortiger Wirkung von der Führung der 2. Panzerarmee.
Generaloberst Guderian tritt zur Führer-Reserve, Standort Berlin"

(Fernschreiben vom Führerhauptquartier - 26. Dezember 1941)
“Tagesbefehl des XXXXVII. Panzerkorps
General der Panzertruppe Lemelsen
- Dass uns in schwerster Stunde unser allverehrter Armeeführer, Generaloberst Guderian, genommen wurde, unter dessen Führung wir Sieg auf Sieg an unserer Fahnen hefteten, hat uns schwer getroffen. Wir stehen auch weiterhin in Treue, Liebe und Dankbarkeit hinter ihm!"

(Neujahr 1942)

Schon am 5. Dezember endeten die "Blitzkriege", die Ablösung Guderians macht diesen Umstand nur umso deutlicher.
Er verließ die Front mit seinem Stab am 27. Dezember 1941. Über ein Jahr musste er in der Führerreserve zu Hause bleiben. Die Zeit der "Blitzkriege" war unwiderruflich vorbei.

 

Neue Verwendung

 

Heinz Guderian hatte vor allem unter seiner schlechten Gesundheit zu leiden und musste diese immer wieder kurieren. Trotz diesem Umstandes und der Ungnade bei Hitler, sollte sich der Gen.Ob. am 17. Februar beim Führer melden.


 
Generalinspekteur der Panzertruppe (28. Februar 1943)
Guderian wird zum Chef des Generalstabs ernannt als Nachfolger des bei
Hitler in Ungnade gefallenen Kurt Zeitzler (21. Juli 1944)

Er konnte in seiner neuen Stellung als Inspekteur wieder mit seinen Panzern arbeiten und das Waffensystem weiter bearbeiten. Er schloss dabei auch nie andere Möglichkeiten des gepanzerten Kriegsgeräts aus.

 

Nach dem Attentat vom 20. Juli gehört Guderian - zusammen mit den Feldmarschällen Wilhelm Keitel und Gerd v. Rundstedt - dem "Ehrenhof des Heeres" an, der die am Anschlag auf Hitler beteiligten Offiziere unehrenhaft aus der Wehrmacht ausschließt. Von Regimetreue kann man hier aber nicht sprechen, eher von einer Verpflichtung gegenüber der Wehrmacht.


Nachkriegsjahre

 

Nach dem Kriege

Seine ohne Umschweife vorgetragene Meinung zu möglichen Verhandlungen mit den Alliierten bzw. des bereits verlorenen Krieges, veranlassen Hitler Guderian aus dem Raum "rauszuschmeißen" und zu entlassen. Damit hatte er sich einen Ruf der Treue seiner Prinzipien und der eines ehrenhaften Soldaten geschaffen und ihn auch bis zum Schluss durchgehalten!

Von 1945-1948 ging Guderian in die amerikanische Kriegsgefangenschaft.

In den Jahren bis zu seinem Tode am 14. Mai 1954 schrieb er ein umfangreiches Schrifttum über Kriegsführung, Militärgeschichte und die Panzerwaffe.
Sein Hauptwerk sind die Memoiren unter dem Titel "Erinnerungen eines Soldaten". Er erhebt darin schwere Vorwürfe gegen Hitlers Strategie im Russlandfeldzug, insbesondere wegen des Abschwenkens des Angriffskeils im Spätsommer 1941 nach Süden auf Kiew statt direkt östlich auf Moskau, und prozessiert Jahre lang gegen Leute, die ihm daran eine "Mitschuld" zuweisen wollen. Er schließt seine Betrachtungen mit dem Gedicht "Fichte an alle Deutschen" von Albert Matthäi:

 

Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
An Deines Volkes Aufersteh'n!
Laß diesen Glauben Dir nicht rauben
Trotz Allem, Allem, was gescheh'n.
Und handeln sollst Du so, als hinge
Von Dir und Deinem Tun allein
Das Schicksal ab, der deutschen Dinge
Und die Verantwortung wär Dein!

Er stirbt in Schwangau am 14. Mai 1954 kurz vor seinem 66. Geburtstag. Sein Sohn Heinz Günther Guderian nimmt sich der Familientradition an und wird Generalmajor bei der Bundeswehr.


Zum Schluss

 

Schlussbemerkung
 
“Lieber Generaloberst Guderian!

Nachdem nun mit dem heutigen Tage der Krieg sein Ende gefunden hat, gedenke ich besonders der Panzerwaffe und ihres Schöpfers. Diese Waffe war in unzähligen Schlachten im Angriff wie zum Schluss in der Abwehr an den Brennpunkten eingesetzt, das scharfe Schwert in der Hand der Führung.
Was Sie der Panzerwaffe an Geist, Ausbildung, Organisation und modernster Bewaffnung gegeben haben, ist in die Geschichte eingegangen. Ihr Name ist über den Rahmen der Wehrmacht hinaus für das deutsche Volk ein Begriff geworden, an dem sich kommende Generationen wieder aufrichten werden.
Ich erinnere mich gerne der Zeit unserer gemeinsamen Tätigkeit und bleibe mit kameradschaftlichen Grüßen

Ihr Dönitz
Großadmiral"

(Großadmiral Dönitz, H.Qu., den 9. Mai 1945)


Quellen

Buch: Bradley, Dermot, Generaloberst Heinz Guderian und die Entstehungsgeschichte des modernen Blitzkrieges, in: Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Osnabrück 1978. (Vorwort: Walther K. Nehring, General der Panzertruppen a.D.)
Buch: Guderian, Heinz, Erinnerungen eines Soldaten, Motorbuch Verlag/Stuttgart 2003 (Nachdruck).
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Guderian (Letzter Aufruf 29.11.2009)
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ ... index.html (Letzter Aufruf 29.11.2009)
http://dikigoros.t35.com/bio/guderian.htm (Letzter Aufruf 29.11.2009)
http://www.achtungpanzer.com/gen2.htm (Letzter Aufruf 29.11.2009)
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/He ... erian.html (Letzter Aufruf 29.11.2009)

Autor: Freiherr von Woye