1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 0.00 (0 Votes)

Das Thema

Generaloberst Alfred Josef Ferdinand Jodl
Chef des Wehrmachtsführungsstabes 1939-45
* 10. Mai 1890, Würzburg; † 16. Oktober 1946, Nürnberg (hingerichtet)

 

 


Jugend/1. Weltkrieg

Sein Leben

Alfred Jodl wurde am 10. Mai 1890 in einer bayerischen Familie in Würzburg geboren als Sohn von Johannes Jodl und Therese Baumgärtler. Alfred Jodl entstammte einer intellektuellen Familie. Seine Vorfahren waren oft Geistliche, Philosophen, Ärzte, Juristen und Offiziere. Der Vater war Artilleriehauptmann und Batterieführer im 22. bayerischen Feldartillerieregiment. Er hatte seinen Abschied nehmen müssen, als er in den Augen seiner militärischen Umgebung unstandesgemäß, eine Bauerntochter heiraten wollte. Die Eltern lebten jahrelang ohne Trauschein und konnten erst heiraten, als der Vater 1899 seinen Abschied als Offizier nahm. Die Familie zog um nach München, erst dann konnte Alfred den Namen seines Vaters tragen. Bis dahin trug er den Namen seiner Mutter, Baumgärtler. Alfreds drei Schwestern starben jung, sein jüngerer Bruder Ferdinand wurde auch Soldat und führte im Zweiten Weltkrieg ein Gebirgskorps in Norwegen.
Von 1896 bis 1900 besuchte Alfred Jodl, Volksschulen in Landau und München. In den Jahren 1900 und 1903 das Theresien-Gymnasium in München. Er war intelligent und brennend ehrgeizig. Als einer der Besten bestand er, zwar mit einem Jahr Verzögerung, das Abitur. 1903 erfolgte sein Eintritt ins königlich-bayerische Kadettenkorps München. Zu dieser Zeit war er 13 Jahre alt. Er durchlief die strenge Anstalt ohne Gram und Anfechtungen. Hier erhielt er das Reifezeugnis. Sein Abschlussexamen empfahl ihn der anspruchsvollsten Waffengattung, der Artillerie.
Am 10. Juli 1910 wurde er Fähnrich im 4. bayerischen Feldartillerieregiment in Augsburg. In 1911 und 1912 besuchte er die Kriegsschule in München, kehrte dann als Degenfähnrich nach Augsburg zurück. Am 28. Oktober 1912 erhielt er das Leutnantspatent.
Am 23. September 1913 heiratete Jodl Irma, Gräfin von Bullion (1885-1944), Tochter des Kadettenkommandanten seines Vaters, die er im ersten Augsburger Monat 1910 kennengelernt hatte. Die Ehe blieb kinderlos und beständig. Seiner Frau hatte Alfred viel zu verdanken, sie blieb engste Vertraute und eine kluge und sensible Ratgeberin.

Das Kaiserreich und der Erste Weltkrieg

Alfred Jodl erlebte den Ersten Weltkrieg als hervorragender Frontoffizier. Im Jahre 1914 war er seit dem 8. August Batterieoffizier an der Westfront bei Saarburg. Er wurde am 24. August durch Granatsplitter am rechten Oberschenkel verwundet, als seine Batterie im Vormarsch zusammengeschossen wurde. Er bekam am selben Tag das Eiserne Kreuz II. Klasse. Im Dezember war er wieder dienstfähig genug, um als Adjutant eines Artilleriekommandanten tätig zu sein. Am 10. März 1915 war er wieder zurück bei der Truppe.
1916 wurde er zum Oberleutnant befördert und am 1. Dezember an die Ostfront versetzt. Seine Batterie verteidigte Pässe der Karpaten. Im Jahre 1917 war er zuerst Batteriekommandant im 72. ungarischen Honved-Feldkanonen-Regiment, dann Ende Mai Regimentsadjutant beim 19. bayerischen Feldartillerie-Regiment und Dezember 1917 Adjutant des Artilleriekommandeurs.
1918 wurde er Generalstabsoffizier an der Westfront. Am 3. Mai wurde ihm das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. Die vollkommene deutsche Niederlage erbitterte und erdrückte ihn. Alle Opfer des Krieges waren vergeblich gewesen. Er erwog zuerst, die Uniform auszuziehen und Medizin zu studieren, beschloss dann aber doch zu versuchen, seine militärische Laufbahn fortzusetzen.


Weimar

Die Weimarer Republik

Als Nachkriegsoffizier im Volksheer war er seit dem 22. April 1919 Batterieführer einer selbst formierten Volkswehr-Batterie in Augsburg. Im Juni wurde er Batterieführer im leichten Art. Regiment 22. Am 1. Oktober 1919 wurde er ins 100.000 Mann-Heer der Reichswehr übernommen und am selben Tag ins Reichswehrartillerie-Regiment Nr. 21 in Landsberg versetzt. Am 1. Juli 1921 erfolgte seine Beförderung zum Rittmeister. Am 3. Juli 1921 wurde Alfred Jodl versetzt zum Führergehilfenlehrgang (eine Generalstabsausbildung, Behelf für die verbotene Kriegsakademie) in München. Er gehörte dort zu den zehn Jahresbesten aller Divisionen. Vorträge und Übungen schulten ihn in Taktik, Kriegsgeschichte, Heeresorganisation, Waffenlehre, Nachrichtenwesen und Fremdsprachen.
Im Jahre 1922 wurde ihm, im Rahmen der üblichen Rotation des Truppen und Stabsdienstes die Führung der 4. Batterie des 7. bayerischen Gebirgsartillerie-Regiments in Landsberg/Lech übertragen. Am 1. Oktober 1923 wurde er zu einem einjährigen Studium an die Universität Berlin abkommandiert und hier begann seine wirkliche Generalstabsausbildung im Berliner Führergehilfenlehrgang. Im selben Jahr erfolgte seine Beförderung zum Hauptmann. In diesen Entwicklungsjahren wurde Alfred Jodl stark von zwei sehr unterschiedlichen bayerischen Landsleuten, Lehrern des Lehrgangs, beeinflusst: General Wilhelm Adam (Chef des Truppenamtes) und Konstantin Hierl (überzeugter Nationalsozialist).
In seiner Freizeit fuhr er mit seiner Frau in den Alpen gerne Ski und unternahm Bergtouren, er erkletterte die schroffsten Alpengipfel (gute Voraussetzung für eine spätere Verwendung bei den Gebirgstruppen).

 


Jodl (Zweiter von rechts) bei einem Manöver der 7. Division (1926)

Im Mai 1924 folgte Alfred Jodl einer Übungsreise des 3. Führergehilfenlehrgangs. Anschließend wurde er zum Reichswehrministerium Berlin abkommandiert und im Oktober wurde er in den Stab der 7. bayerischen Division München versetzt. In den Jahren 1924/27 war Alfred Jodl in diesem Stab tätig.

Am 1. Oktober 1927 wurde Alfred Jodl in die 5. Batterie des 7. Artillerieregiments versetzt. Von 1928 bis 1932 hatte er den Auftrag, die Ausbildung für Generalstabnachwuchs in Kriegsgeschichte und Taktik zu leiten. Am 1. Februar 1931 wurde er zum Major befördert.
Am 1. Juni 1932 erfolgte auf Empfehlung seines ehemaligen Lehrers General Adam (ab 1929 Leiter des Truppenamtes) seine Versetzung nach Berlin. Er wurde Gruppenleiter im wichtigen Truppenamt des Reichswehrministeriums (Abteilung Operationsführung) in Berlin. Diese begehrenswerte Tätigkeit war denjenigen vorbehalten, die für höchste Positionen vorgesehen waren.
Die Parteipolitik der Weimarer Republik lag ihm als Offizier fern, die der Nationalliberalen Partei noch am nächsten. Der Republik diente er, seinem Eide getreu, ohne Vorbehalt. Die NSDAP hatte er vor dem Münchener Putsch 1923 kaum beachtet und ein Antisemit war er nicht. Beruhigt bezüglich Hitler erklärte er sich, als dieser im Leipziger Reichswehrprozess 1930 die Versicherung abgab, jede Zersetzung der Reichswehr abzulehnen. Doch entdeckte er in sich selbst keine Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus.


NS-Staat

Die Zeit im Nationalsozialismus

Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 überraschte ihn, obwohl über die braune Bewegung besser als früher informiert. Er erkannte, dies war kein Regierungswechsel, sondern eine Revolution. Anfangs war Alfred Jodl vom Führer nicht sonderlich beeindruckt, andererseits konnten dessen Pläne für die Aufrüstung und für eine große Wehrmacht ihn nicht unberührt lassen, schon wegen der Beförderungsmöglichkeiten.
Als aus seinem Truppenamt das Wehrmachtsamt wurde und Blomberg vom Reichswehrminister zum Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht avancierte, trennte dieser sich vom Hitlergegner Adam und ersetzte ihn durch General Ludwig Beck, der übrigens zu dieser Zeit noch nicht Hitlergegner war. Am 1. Oktober 1933 wurde Alfred Jodl zum Oberstleutnant befördert, zum letzten Mal unterzeichnet von Hindenburg.
Voller Genugtuung begrüßte es Alfred Jodl, dass mit Hilfe der Reichswehr die "Röhm-Affäre" im Juni/Juli 1934 zu Ende ging. Am 2. August 1934 leistete er nach dem Tode Hindenburgs pflichtgemäß und ohne Vorbehalt den Eid auf Hitler als Staatsoberhaupt und Oberster Befehlshaber.
Mitte November 1934 bekam er ein überraschendes Auslandskommando in der türkischen Armee. Dort blieb er zehn Wochen in Istanbul und Ankara. Die unverwelkte deutsch-türkische Waffenbrüderschaft sicherte ihm eine warmherzige Aufnahme. Am 20. Juni 1935 wurde Alfred Jodl dann Chef der Abteilung Landesverteidigung im Wehrmachtsführungsamt, mit Dienstantritt am 1. Juli. Am 1. August 1935 wurde Alfred Jodl zum Oberst befördert. Aufgabe Alfred Jodls als Chef der Landesverteidigung war es, die operativen, strategischen Richtlinien nach den Befehlen Keitels und Blombergs zu bearbeiten. Alfred Jodl hatte das Problem der Wehrmachtsführung zu studieren und zu klären, Studien und Manöver für die großen Wehrmachtsmanöver anzulegen. Er hatte die Wehrmachtsakademie zu betreuen, sich mit Gesetzesentwürfen zu befassen, die mit der allgemeinen Wehrpflicht zusammenhingen und mit der einheitlichen Vorbereitung einer Mobilmachung im zivilen Sektor, also von Staat und Volk, und dazu gehörte auch das sogenannte Sekretariat des Reichsverteidigungsausschusses. Von diesem Organ war er qualitativ auch Mitglied dessen Arbeitsauschusses. Dieser Ausschuss hatte die einheitliche Mobilmachung in Staat, Volk und Wehrmacht vorzubereiten.
Alfred Jodl wechselte mit dem Übergang ins Reichskriegsministerium in vorgeprägte Amtsbereiche. Alfred Jodl wandte sich von seinem alten Gönner General Beck ab und stimmte der Idee eines Oberkommandos für alle Wehrmachtteile immer mehr zu. Er verfocht auch im militärischen das Führerprinzip, nachdem ein Führer allein zu bestimmen habe. Mit idealistischer Begeisterung verband er seine Sachgerechtigkeit mit dem Genie des Führers.
Als Blomberg die von Alfred Jodl bearbeitete erste Aufmarsch- und Kampfanweisung im Juni 1937 herausgab, dokumentierte das zum ersten Mal, dass der OB der Wehrmacht die grundlegenden strategischen Anweisungen an die drei Wehrmachtsteile gab.
Alfred Jodls Standpunkt isolierte ihn und Kameraden wandten sich ab oder zeigten Misstrauen. In Alfred Jodls Ideen sahen sie die Wehrmachtteile zu Hilfsbüros eines OKW herabgesunken. Beck empfand Alfred Jodls jetzige Meinungen bezüglich des OKW als äußerst enttäuschend. 1937 verweigerte Alfred Jodl die ihm vom Heerespersonalamt angetragene Ernennung zum Chef des Generalstabes der neuen Luftwaffe. Das Angebot wurde 1938 erneuert, aber er lehnte wieder ab.
Alfred Jodl war inzwischen immer mehr vom Führer fasziniert und entwickelte sich zu einem Bewunderer Hitlers, obwohl er einstweilen mit ihm nichts zu tun hatte. Später, während des Krieges, saß er oft mit Hitler zusammen und bildete den Infanteriegefreiten aus dem Ersten Weltkrieg allmählich in Strategie und Taktik des Fachs Kriegskunst aus. Umgekehrt wurde er von Hitler mit nationalsozialistischen Gedanken indoktriniert. Alfred Jodl erlebte Hitler, laut seiner Aussage in Nürnberg 1946, als eine Führerpersönlichkeit von ungewöhnlichem Ausmaß. Sein Wissen und sein Intellekt, seine Rhetorik und sein Wille triumphierten letzten Endes gegenüber jedem.
Das große Revirement Anfang 1938 folgen die Rücktritte des Ministers Blomberg und des Oberbefehlshabers Fritsch, es war ein Wendepunkt in der Geschichte des Dritten Reiches. Aufgrund der Ereignisse wurde Hitler nach komplizierten Verhandlungen, an denen auch Alfred Jodl beteiligt war, selber Kriegsminister und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht und Alfred Jodl wurde im März 1938 Chef des Wehrmachtsführungsamtes (WFA).
Zusammen mit Wilhelm Keitel wurde Alfred Jodl im März 1938 in die Arbeiten zum Anschluss Österreichs bezogen, obwohl der Einmarsch selber nicht Sache des OKW, sondern des Heeres war. Infolge der Abwechslung Stabs-/Truppendienst wurde er ab 1. Oktober 1938 Artilleriekommandeur der 44. Division in Wien (später Brünn). Sein Stellvertreter als Chef WFA war Warlimont. Dieser übernahm dann vorübergehend die Aufgaben Jodls.


2. Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg

Am 1. April 1939 bekam Alfred Jodl seine Beförderung zum Generalmajor. Nachdem sechs Jahre von Schreibtischarbeit vorbei waren, sollte Alfred Jodl im Oktober 1939 die 4. Gebirgsdivision übernehmen. Am 23. August 1939, aber noch bevor er diese Ernennung erhalten hatte, wurde er, in Sicht des kommenden Krieges und gemäß seiner bis zum 30. September geltenden Mobilmachungsbestimmung, von Keitel als Chef des Wehrmachtsführungsstabes (Chef WFSt) im OKW auf seinen alten Posten zurückberufen. Hätte der Krieg einige Wochen später angefangen, hätte Alfred Jodl laut seiner neuen Mobilmachungsbestimmung seine Stellung als General der 4. Gebirgsdivision angetreten.
Alfred Jodl bestand als Chef WFSt darauf, dass eine Hitleranweisung die Position des OKW festlegte und damit die Rollen der Wehrmachtteile Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe festzuschreiben.
Am 3. September 1939 wurde Alfred Jodl als Chef des Wehrmachtsführungsstabes im Sonderzug zur polnischen Front von Wilhelm Keitel dem Führer vorgestellt. Alfred Jodl sprach hier zum ersten Mal mit Hitler, der ihn mit festem Handdruck begrüßte. Der Polenkrieg war übrigens, wie der Österreich-Aufmarsch, keine Sache des OKW.
Am 30. September 1939 bekam Alfred Jodl die Spangen zu seinem EK II aus dem Ersten Weltkrieg und am 23. Dezember erhielt Jodl die Spangen zu seinem EK I aus dem Ersten Weltkrieg. Hitler verlieh ihm jedoch nie das Ritterkreuz, unter den Spitzen der Wehrmacht eine auffällige Ausnahme!
Das Unternehmen Weserübung (Angriff auf Dänemark/Norwegen) war auf Befehl Hitlers ein OKW-Kriegsschauplatz. Auf Anraten Alfred Jodls wurde General Falkenhorst mit einem Sonderstab damit beauftragt. Am 9. April 1940 um 04.20 Uhr begann der Angriff. Am 14. April war Hitler sehr deprimiert über die militärische Lage um Narvik und verlor völlig die Nerven. Er wollte General Dietl befehlen, sich nach Süden durchzuschlagen. Doch Alfred Jodl verhinderte diesen unmöglichen Gedanken und am Abend befahl Hitler, durchzuhalten. Alfred Jodl konnte einen Befehl an Dietl, sich zurückzuziehen, aber verhindern. Einen Abmarsch nach Süden wäre unmöglich und ein Abtransport moralisch für Dietls Truppen unerträglich. Dank Alfred Jodls Eingreifen war die Lage gerettet.
Alfred Jodl war Hitlers persönlicher Stabschef und beriet den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht in allen strategischen und operativen Fragen. Er war zudem zuständig für die westlichen Kriegsschauplätze. Seinem fanatischen Glauben an die Genialität Hitlers tat dies jedoch keinen Abbruch, wie aus seinen informellen Diensttagebüchern deutlich hervorgeht. Er behielt dabei während des ganzen Krieges das Vertrauen des Führers und konnte ihm dabei auch mal widersprechen, immer aber aus sachlichen, nie aus moralischen oder politischen Gründen. Rein organisatorisch war er dem Chef des OKW Wilhelm Keitel unterstellt, die Wirklichkeit war aber anders, vornehmlich wegen des regelmäßigen Zugangs zu Hitler. Alfred Jodl behielt den ganzen Krieg hindurch seine Stellung.
Mit seinem kleinen Stab konnte das OKW anfänglich kaum mehr tun als Hitler unterstützen. Als jedoch ein Feldzug auf den anderen folgte, kam dem OKW eine immer beherrschendere Rolle zu. Die Fälle Weiß (Angriff auf Polen September 1939) und Gelb (Angriff im Westen ab Mai 1940) waren noch völlig dem Heer und der Luftwaffe überlassen. Im Fall Weserübung (Angriff auf Dänemark/Norwegen ab April 1940) war schon das OKW zuständig. Bald folgten andere OKW-Schauplätze in Finnland, Balkan, Nordafrika und West-Europa. Nicht aber die Ostfront. Operativ existierte diese nicht für Alfred Jodl, obwohl ihn das Kampfgeschehen in Russland belastete, namentlich wegen des Hin- und Herschiebens von Divisionen durch Hitler. Alfred Jodl arbeitete sehr hart. Er nahm während des Krieges an über 5.000 Lagebesprechungen teil, manche davon beanspruchten viele Stunden. All seine Aufgaben waren zeitraubend und oft musste er bis in die Nachtstunden durcharbeiten, um die anfallenden Arbeiten zu bewältigen. Schlaf hatte er mit seinem Zwanzigstundentag kaum. Er war ein Einzelgänger, verhielt sich korrekt aber distanziert zu seinen Untergebenen und akzeptierte selten einen Rat.
Dem OKW-Chef Wilhelm Keitel intellektuell überlegen, konzentrierte Alfred Jodl sich auf seine militärischen Aufgaben, er war darum nicht durch politische Verwicklungen gefährdet.
Zusammen mit den übrigen hohen Offizieren der Wehrmacht hatte er am 22. August 1939 schweigend zur Kenntnis genommen, wie Hitler die Polen zu behandeln gedachte. So war er auch am 30. März 1941, als die Beseitigung von politischen Kommissaren der Roten Armee und von Juden befohlen und am 16. Juli 1941, als die Politik im besetzten Osten festlegt, wurde, ausführlich von Keitel informiert worden. Alfred Jodl beschäftigte sich dann damit, entsprechende mörderische Befehle auszuarbeiten. Er war Hitler näher als gut für ihn war, dadurch hoffnungslos verstrickt und durch Verbrechen belastet. Er war darüber nie unwissend und deshalb insgesamt dafür (mit-)verantwortlich, dass den deutschen Soldaten vom OKW völkerrechtswidrige Befehle erteilt wurden.
Am 30. Juni 1940 hatte Alfred Jodl seinem Führer eine Denkschrift zur weiteren Kriegführung gegen England überreicht. Als Strategie empfahl er, Kampf zur See und aus der Luft gegen jede Ein- und Ausfuhr, Kampf gegen die britische Luftwaffe und gegen alle wehrwirtschaftlichen Kraftquellen, Terror Angriffe gegen die Bevölkerungszentren und dann erst eine Landung mit dem Ziel England zu besetzen. Unmissverständlich machte er die Invasion von einer deutschen Luftherrschaft abhängig.

 

Am 19. Juli 1940, nach dem erfolgreichen Westfeldzug, erfolgte seine Beförderung zum General der Artillerie (unter Überspringung des Generalleutnants).
Am 29. Juli 1940 erkundigte sich Hitler vertraulich bei Alfred Jodl, nach der Lage des Heeres im Osten. Es ging um die Frage, ob es möglich wäre, Russland noch im Herbst anzugreifen und zu besiegen. Alfred Jodl schloss dies vollkommen aus. Hitlers Entschluss, Russland zu erledigen, hatte Alfred Jodl überrascht. Doch betonte er seinen Offizieren gegenüber, dass ein Kampf gegen den Bolschewismus früher oder später doch unvermeidlich wäre. Ihn führe man besser jetzt, auf der Höhe deutscher Macht und Stärke. Es ist zweifelhaft, ob Alfred Jodl selber davon überzeugt war. Seine Worte verdeutlichten mehr Hitlers Denken über eine drohende, rote Gefahr, an die Alfred Jodl nicht glaubte. Er stellte in Frage, dass Russland geschlagen werden müsse, um Großbritannien zu unterwerfen. Vielleicht überzeugte ihn schließlich Hitlers These, dass er 1941 alle kontinentaleuropäischen Probleme lösen müsste, da die USA ab 1942 imstande wären um einzugreifen.
Das OKH und das OKW arbeiteten seit Anfang Juli 1940 an Plänen bezüglich eines Ostfeldzuges. Am 18. Dezember 1940 unterzeichnete Hitler die von Jodls Stab formulierte Weisung Nr. 21 über Fall Barbarossa, die Niederwerfung Sowjetrusslands in einem schnellen Feldzug.
Als die Katastrophe des Winters 1941/42 hereinbrach, bekannte Hitler, wie von Alfred Jodl überliefert, dass im Osten kein Sieg mehr errungen werden konnte. Zu kapitulieren aber, das war ihm undenkbar, es galt nur zu kämpfen bis zum Letzten oder den Tod zu suchen.
Anfang September 1942 wurde Alfred Jodl von Hitler zur Überprüfung der Lage der Heeresgruppe A ins Kaukasusgebiet gesandt. Die Entsendung Alfred Jodls, den Hitler sonst kaum von seiner Seite ließ, zeigte die besondere Aufmerksamkeit, mit der Hitler die Vorgänge und Führungsmaßnahmen im Kaukasus verfolgte. Alfred Jodl kam am Abend des 7. September 1942 aus Stalingrad, wo er mit Generalfeldmarschall List die Lage besprochen hatte. Am 30. Januar 1943 empfing Alfred Jodl das begehrte goldene Parteiabzeichen der NSDAP, die einzige Auszeichnung, die er vom Führer erhielt.
Am 30. Januar 1944 erfolgte überraschend seine Beförderung zum Generalobersten. Am 18. April 1944 verstarb in Königsberg die geliebte Ehefrau Alfred Jodls. Hitler fand zum ersten Male Alfred Jodl gegenüber Worte persönlicher Anteilnahme bei diesem Tode nach 30jähriger Ehe.
Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, bei dem Alfred Jodl an Hitlers Seite verwundet wurde, harrte er in der Atmosphäre des Schreckens aus, den Führer weiter bestätigend in zunehmend sinnlosen Entscheidungen.
Zusammen mit Alfred Jodl studierte der zurzeit erkrankte Hitler Ende September 1944 auf dem Krankenbett Karten der Ardennen. Alfred Jodls Endplan für die Ardennenoffensive Dezember 1944, noch verbessert durch Korrekturen des fronterfahreneren Manteuffels, schlug notwendig fehl. Die Kräfte Deutschlands reichten längst nicht mehr aus.
Im Februar 1945 fasste Hitler den Plan, die Genfer Konvention aufzukündigen. Alfred Jodl machte mit Dönitz zäh und erbittert Front gegen diese Idee. Die Hinweise, dass die Nachteile für Deutschland überwogen, fruchteten nicht. Mit moralischen Argumenten war Hitler nicht umzustimmen; mit schauerlichen Argumenten konnte man schließlich in einer Vortragsnotiz für Hitler doch erreichen, was man zu erreichen trachtete.
In den letzten 3 bis 4 Monaten des Krieges erschienen zu den nächtlichen Lagebesprechungen in der Reichskanzlei weder Wilhelm Keitel noch Alfred Jodl.
Am 7. April 1945 heiratete Alfred Jodl seine zweite Ehefrau, Luise von Benda, ehemalige Vorzimmerdame im OKH, eine alte Bekannte und Freundin seiner verschiedenen Frau.
Am 22. April 1945 erstattete Alfred Jodl während der letzten großen Lagebesprechung zum letzten Mal dem Führer Bericht über die militärische Lage. Nach Erhalt der Hiobsbotschaft, dass seine dringenden Befehle Berlin zu entsetzen nicht befolgt werden könnten und überhaupt nicht stattgefunden hatten, ersuchte er alle Anwesenden, ausgenommen Keitel, Jodl, Krebs, Burgdorf, Bormann und zwei Stenografen, den Lageraum zu verlassen. Dann schmähte er die Wehrmacht, sprach vom allgemeinen Verrat, Versagen, Korruption und Lügen. Er befahl Alfred Jodl, Keitel und Bormann in den Süden zu fliegen, um dort die Gesamtoperationen weiterzuführen. Die Durchführung dieses Befehls wurde aber von allen drei abgelehnt.
Am 23. April 1945 erfolgte noch ein Vortrag Wilhelm Keitels und Alfred Jodls. Alfred Jodl sah Hitler hier zum letzten Mal.
Nach dem 24. April 1945 wurde das OKW von Berlin nach Rheinsberg verlegt und Alfred Jodl verließ Berlin. Nachts hatte Hitler noch den Befehl über Befehlsführung und Zusammenlegung der Stäbe des Wehrmachtsführungsstabes und des Generalstabes der Heeres unterschrieben. Als Führungsgruppe Heer im OKW sollten diese Stäbe fortan Alfred Jodl unmittelbar unterstehen. Ein persönlicher Triumph, um den Alfred Jodl seit fast zehn Jahren gerungen hatte. Damit war auch die Führung des Ost Kriegsschauplatzes auf das OKW übergegangen.

Am 27. April 1945 fand im OKW-HQ in Rheinsberg eine Zusammenkunft von Dönitz, Himmler, Keitel und Jodl statt. Man versuchte noch in höchstmütigster Distanz zur Wirklichkeit einen Gegenangriff auf Berlin.


Nachkriegsjahre

In der Nachkriegszeit

Nach Hitlers Tod am 30. April, in Neustadt, nördlich von Lübeck, wurde Alfred Jodl am 1. Mai Hitlers Tod gemeldet. Ohne Emotion und Trauer nahm er das Funkfernschreiben hin. Als erwartete er die Nachricht schon.


Major Wilhelm Oxenius (Adjutant von Jodl) und Generaloberst Alfred Jodl (v.L.)

Ein reines Fachkabinett unter Großadmiral Dönitz, Nachfolger des Staatsoberhauptes Hitler, wurde am 5. Mai 1945 in Flensburg gebildet und die geschäftsführende Reichsregierung benannt. Am 6. Mai sandte Großadmiral Dönitz, Alfred Jodl nach Reims, um eine Teilkapitulation anzustreben. Im Falle einer Unmöglichkeit derselben wurde er bevollmächtigt, eine Gesamtkapitulation zu unterzeichnen. Er kämpfte mit äußerster und zunächst unbeirrbarer Hartnäckigkeit, konnte aber Eisenhower nicht umstimmen. Nur eine Gesamtkapitulation war möglich, ohne Bewegungsfreiheit für das Ostheer. Mit Hilfe des amerikanischen Stabschefs Walter Bedell Smith konnte Alfred Jodl dann noch eine Galgenfrist von 48 Stunden erreichen. Alle Feindseligkeiten sollten am 9. Mai um 01.00 Uhr aufhören.
Frühmorgens um 02.41 Uhr am 7. Mai 1945 wurde Alfred Jodl, als Bevollmächtigter des Großadmirals Dönitz, Mitunterzeichner der deutschen Kapitulation der Wehrmacht vor den Westmächten in Reims. Um 16 Uhr erstattete Alfred Jodl in Flensburg Dönitz persönlichen Bericht.
Am 10. Mai 1945 wurde Alfred Jodl durch Großadmiral Dönitz das Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Eine Ehre, die Hitler ihm nie zugestanden hatte.
Alfred Jodl wurde von Dönitz mit der Führung der Geschäfte des OKW beauftragt. Er entfaltete eine unermüdliche Geschäftigkeit. Täglich fanden Lagebesprechungen statt, als ob es noch eine Lage zu besprechen gäbe. Befehle und Anordnungen gingen aus, vornehmlich über Organisations- und Kapitulationsfragen und er erstrebte die Vereinigung der OKW-Stäbe des Nord- und Südraumes.


Bei der Festnahme von Albert Speer, Großadmiral Karl Dönitz & Generaloberst Alfred Jodl (v.l.)

Die Reichsregierung und das OKW wurden am 23. Mai 1945 um 09.45 Uhr in Flensburg festgenommen. Auch Alfred Jodl, der Chef des OKW. Er kam in britische Kriegsgefangenschaft und wurde unter starker Bewachung nach Bad Mondorf überführt, an der Südgrenze Luxemburgs. Er wurde dort von Amerikanern und Briten vernommen und antwortete sachlich.


Nürnberg

Der Nürnberger Prozess

Am 12. August erfolgte seine Überführung nach Nürnberg, wo er im November Angeklagter im Hauptkriegsverbrecherprozess wurde. Dass er, als Soldat, angeklagt werden sollte, hatte er erst zuallerletzt bedacht. In den ersten Nürnberger Tagen war er aus der Wehrmacht entlassen worden, Schulterstücke und Ehrenzeichen wurden ihm abgenommen.
Er verfasste am 20. August 1945 ein Schuldbekenntnis, ein Hinweis auf die beabsichtigte Verteidigung. Die Anklageschrift beschuldigte ihn der Verschwörung und des Verbrechens gegen den Frieden und die Humanität sowie der Kriegsverbrechen. Ihm wurden als Verteidiger zwei Juraprofessoren zugeteilt. Aus wechselseitiger Achtung erwuchs hier, Vertrauen und zuletzt Freundschaft. Alfred Jodl hatte in Nürnberg mit der Niederschrift seiner Erinnerungen begonnen, doch reichten sie nur bis in die 20-er Jahre. Er verfasste zudem mehrere Studien.

 

Im Nürnberger Hauptprozess, der am 20. November 1945 begann, verteidigte er sich mit Hilfe seiner Verteidiger präzise und sachlich mit der Behauptung, es sei nicht Aufgabe eines Soldaten, über seinen Oberstbefehlshaber zu richten. Er habe als Soldat nur seine Pflicht getan und sich von der Politik gänzlich ferngehalten. Als Generalstabsoffizier war ich zwangsläufig in die Kriegsplanung einbezogen und im Sinne der Anklage nicht schuldig. In militärischen Fragen konnte er sich dann relativ wirksam verteidigen, was aber andere Handlungen betraf, gelang ihm dies nicht. Die Enthüllung abgründiger Verbrechen mittels Dokumentarfilme über KZ-Zustände traf ihm wie ein Keulenschlag und erschütterte ihn sehr.
Laut Erklärung Alfred Jodls im Nürnberger Prozess gab es ein Tagebuch aus den Jahren 1937 und 1938, das er selbst immer am Abend niedergeschrieben hatte. Er meinte damit Dokument 1780-PS (Periode 1/4/1937 bis 25/8/1939). Während des Krieges hatte Alfred Jodl Dutzende von Notizheften geführt, diese hatte dann seine Sekretärin später zusammengetragen, weil sie für die Kriegsgeschichtsschreibung von Bedeutung sein konnten. Die Dokumente 1809-PS und 1811-PS (Periode 13/10/1939 bis 26/5/1940).
Zwei Zitate über die Tagebücher:

"Das dienstliche Tagebuch Alfred Jodls enthält Gedanken und Erwägungen, die stichwortartig festgehalten, oft nur flüchtig stilisiert und mit eiligem Bleistift auf kleine Zettel hingeworfen sind. Dies wird man sich vor Augen halten müssen, bevor allzu weitgehende Schlüsse aus vorliegenden Notizen gezogen werden. Sie vermitteln Einblicke in die Werkstatt militärpolitischer Planungsarbeit - nicht mehr und nicht weniger, sie sind weder Memoiren, noch Kriegsgeschichte, dürfen aber beanspruchen, bei vorsichtiger Verwendung als Baustein für die Geschichtsschreibung der jüngst vergangenen Epoche benutzt werden zu können“

"Jodl hatte ein schlechtes Gedächtnis, darum war seinem Stab aufgetragen worden, ihre Vorträge und Memoranden schriftlich anstatt mündlich auszubringen. Seine Kriegstagebuchnotizen dienten dann auch seiner Erinnerung. "

Am 1. Oktober 1946 wurde er in allen vier Anklagepunkten wegen Teilnahme an verbrecherischen Handlungen schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Alfred Jodl konnte dies nicht fassen, doch ertrug es mit Gleichmut. Am 12. Oktober bekam er den letzten Besuch seiner Ehefrau Luise Jodl. Am 13. Oktober wurde die Bitte Alfred Jodls, seine Todesstrafe von Erhängen in Erschießen umzuwandeln, abgelehnt.
Am 16. Oktober 1946, gegen 2 Uhr morgens, erfolgte die Hinrichtung durch den Strang.
Seine letzten Worte vor der Vollstreckung waren:

„Ich grüße Dich, oh Du mein Deutschland.“

Sein Leichnam wurde unter dem Tarnnamen Archibold K. Struthers eingeäschert und in die Isar gestreut.

Das Nachspiel

Das Urteil war auch in alliierten Militärkreisen von Anfang an umstritten. Seiner Witwe Luise Jodl blieb, ihre Bemühungen um die Rehabilitierung fortzusetzen. Im Jahre 1953 wurde Alfred Jodl am 28. Februar von der deutschen Hauptspruchkammer in München posthum rehabilitiert und der ihm zur Last gelegten Völkerrechtsbrüche nicht schuldig befunden. Allerdings unter Ausklammerung des Anklagepunktes, Verbrechen gegen den Frieden. Sein Besitz, rechtsgültig 1946 eingezogen, wurde der Witwe zurückgegeben.
Später aber hob die bayerische Staatskanzlei unter amerikanischem Druck das Münchener Urteil auf und am 3. September 1953 widerrief der bayerische Minister für Politische Befreiung den Widerruf des Alfred Jodl Urteils.