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Das Thema

 

Theodor Tolsdorff

 

"Der Löwe von Wilna"

 


Geschichte

 

Theodor Tolsdorff wurde am 03.11.1909 auf dem väterlichen Rittergut Lehnarten im Kreis Oletzko, Ostpreussen geboren. Ostpreussen war ab der Deutschen Reichsgründung von 1871 bis 1945 der östlichste Landesteil Deutschlands. Dort lagen sowohl der nördlichste als auch der östlichste Punkt des Deutschen Reichs.

 


Der Verkehr zwischen dem Deutschen Reich und Ostpreussen auf dem Landweg war aufgrund des sogenannten polnischen Korridors (die Landverbindung zwischen dem eigentlichen Polen und der Ostsee durch das bisherige Westpreussen) nicht unproblematisch. Der Bahnverkehr erfolgte in verplombten Zügen, bei denen zum Teil sogar die Fenster zugehängt wurden. Auch der Straßenverkehr zwischen Ostpreussen und dem Reichsgebiet wurde durch die polnischen Behörden erschwert. Das Verhältnis zwischen der Weimarer Republik und dem seit dem Putsch von Marschall Pilsudski 1926 autoritär-antidemokratisch regierten polnischen Staat war äußerst feindselig, immer wieder kam es entlang der gemeinsamen Grenze zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 konnten diese in der Bevölkerung unter anderem auch durch das Unterlaufen des in Deutschland als Demütigung empfundenen Versailler Vertrags Popularität gewinnen. Gauleiter und damit eigentlicher lokaler Machthaber in Ostpreussen wurde der aus dem Rheinland stammende Erich Koch. Die erneute Aufrüstung Deutschlands erfolgte zunächst versteckt, später dann ganz offen. In Folge der nationalsozialistischen Expansionspolitik wurden im Westen (Saargebiet) und Südosten (Österreich, Sudetenland) deutschsprachige Gebiete an das Reich angeschlossen, ohne bei den Westmächten Frankreich und Großbritannien wegen deren Unentschlossenheit und Appeasement-Politik auf ernsthaften Widerstand zu stoßen. Für die deutschen Forderungen im Nordosten, den Wiederanschluss Danzigs und die Rückgabe des „Korridors“, signalisierten sie jedoch im Falle einer Besetzung den Casus belli (Kriegsfall). Lediglich Litauen gab am 23. März 1939 auf massiven Deutschen Druck hin das Memelgebiet an das Deutsche Reich zurück.

Milltärlaufbahn

Während des 1. Weltkriegs brachen russische Truppen in Ostpreussen ein. Der Vater Theodors stand als Offizier an der Front, worauf die Mutter mit ihren vier Kindern nach Westen flüchtete. Kurz nach dem Krieg starb der Vater und so musste Theodor das Gut übernehmen. Dazu besuchte er das Gymnasium in Königsberg, absolvierte eine Landwirtschaftsschule und bildete sich in Abendlehrgängen weiter. Vor der Übernahme des väterlichen Gutes wollte er sich traditionsgemäß zum Soldaten ausbilden lassen und trat am 01. Oktober 1934 in das Infanterie-Regiment 1 in Insterburg ein und wurde dort zum Unteroffizier ausgebildet. Das Infanterie-Regiment 1, unter Oberst Rudolf Lüters, wurde bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr gebildet. Dabei wurde das Regiment hauptsächlich aus Soldaten der Reichswehr-Schützen-Regimentern 1 und 2, sowie den Reichswehr-Infanterie-Regimentern 5 und 9 gebildet. Garnisonsstadt des Regimentsstabes war Königsberg, im Wehrkreis I. Bereits am 01. Juni 1936 wurde er wegen seiner besonderen Eignung zum Offizier befördert und das, obwohl er nie Berufsoffizier hatte werden wollen. Mit dieser Beförderung kam die Versetzung zum Infanterie-Regiment 22 nach Gumbinnen. Das Regiment war der traditionsreichen 1. Infanterie-Division unterstellt, die zum damaligen Zeitpunkt von Joachim von Kortzfleisch kommandiert wurde. Sein Regimentskommandeur war Oberst Hermann Schaefer. Am 01.10.1938 wurde er zum Oberleutnant befördert und übernahm am 01. März 1939 das Kommando über die 14. Kompanie. Mit dieser Panzerjäger-Kompanie ging Tolsdorff in den Polenfeldzug. Bereits am 2. Kampftag drohte der Angriff des Regiments an der feindlichen Bunkerlinie "Gora Kamienka" liegenzubleiben, worauf Tolsdorff mit seinen Panzer-Abwehr-Kanonen vom Typ 3,7-cm eingriff, den Feind niederkämpfte und so den Gefechtserfolg sicherte. Dafür erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse und kurz darauf für die Vereitelung eines polnischen Ausbruchsversuch das Eiserne Kreuz I. Klasse. Bei diesen Kämpfen wurde Tolsdorff erstmals verwundet. Er erhielt einen Schulterdurchschuss, der seinen Einsatz im Westfeldzug anfangs verhinderte, da die Wunde wieder aufbrach und erneut im Lazarett behandelt werden musste. Vorher kämpfte Tolsdorff in Belgien und Flandern, bevor er dann bis Oktober 1940 durch den angesprochenen Lazarettaufenthalt ausfiel.


Unternehmen Barbarossa

Im Russlandfeldzug, ab dem 22.Juni 1941 führte Tolsdorff seine Kompanie durch das Baltikum und übernahm nach dem Ausfall des Bataillonskommandeurs die Führung des Bataillons und wurde kurze Zeit später selbst verwundet. Noch im Lazarett wurde Tolsdorff zum Hauptmann befördert und mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Im April 1942 kehrte der genesene Hauptmann zu seiner Einheit zurück und nahm sofort an den schweren Kämpfen von Schlüsselburg teil. Bei den schweren Kämpfen von Leningrad und dem Ladogasee wurde Tolsdorff erneut schwer verwundet und verlor einen Teil seines rechten Fußes durch eine Granatsplitterverletzung. Für die herausragenden Erfolge bei der Kesselschlacht von Volkhov im Juni 1942 erhielt Tolsdorf das Deutsche Kreuz in Gold. Noch vor der Verleihung am 23.08.1942 übernahm er am 16. August 1942 vertretungsweise die Führung des I. Bataillons des Infanterie-Regiments 22, wurde jedoch bald durch einen Kopfschuss erneut schwer verwundet. Durch diese erneute schwere Verwundung war er zu einem weiteren längeren Lazarettaufenthalt gezwungen. Dieser Lazarettaufenthalt dauerte bis zum 20. September 1942. Am 01.01.1943 folgte dann die Beförderung zum Major und die Übernahme des I. Bataillons des Füsilier-Regiments 22. Im Juli 1943 begann die dritte und schwerste Schlacht vom Ladogasee. In diese Kämpfe hinein kehrte der Major zu seiner Einheit zurück und übernahm wieder den Befehl über sein Bataillon. Sein Bataillon wurde im Nordabschnitt der Front eingesetzt und stand in schweren Abwehrkämpfen. Dabei zeichnete sich der junge Offizier erneut aus und erhielt für die Leistungen seines I. Bataillons während der 3. Ladogasee-Schlacht am 15. September 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Ab 01. November übernahm Tolsdorff als Regimentskommandeur das Füsilier-Regiment 22. Am Neujahrstag 1944 wurde die 1. Infanterie-Division in den Südabschnitt der Russlandfront verlegt und kam im Bereich Vinnitsa-Odessa zum Einsatz. Bei den Kämpfen um die Stadt Odessa kämpfte Tolsdorff erneut in den vordersten Gräben und erhielt einen Bauchschuss aus nächster Nähe, der ihn erneut für viele Wochen ins Lazarett brachte. Im Krankenhaus von Lublin erhielt Tolsdorff seine Beförderung zum Oberstleutnant am 01.04.1944. Der frischgebackene Oberstleutnant wurde im Juni an die Fahnenjunkerschule nach Metz kommandiert, um dort als Lehrer zu fungieren. Doch Tolsdorff hielt das Leben an der Schule nicht lange aus, nach nur drei Tagen war er wieder auf dem Weg zur Front, um sein altes Regiment zu übernehmen. Am 01. Juli übernahm er wieder das Kommando des Füsilier-Regiments 22 in Litauen. Im Sommer 1944 verteidigte Tolsdorff mit seinem Regiment die Stadt Wilna und hielt die eingeschlossene Stadt, bis sie von Deutschen Truppen entsetzt wurde. Durch die tapfere Verteidigung der Stadt Wilna wurde der Abtransport von 3.000 Verwundeten ermöglicht, die bereits im Feuerbereich der russischen Artillerie lagen, und brachten Tolsdorff den Beinamen "Der Löwe von Wilna". Für diese Leistung wurden ihm am 18. Juli 1944 die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Außerdem wurde er zum Oberst befördert. Im August 1944 wurde Tolsdorff auf einen Divisionsführer-Lehrgang in Hirschberg kommandiert und erhielt im Anschluss den Auftrag die Aufstellung der 340. Volksgrenadier-Division im ostpreussischen Thorn zu überwachen. Der erst 35jährige Tolsdorff brachte durch seine hohen Auszeichnungen und zahlreiche Verwundungen den Ruf eines Draufgängers mit, überzeugte seine Landser jedoch bald durch grenzenlosen Einsatz und eine gute Führungshand.

 

 

Am 15.09.1943 erhielt Tolsdorff für seine überragenden Leistungen das 307. Eichenlaub zum Ritterkreuz, im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" von Hitler persönlich überreicht.

Mitte November wurde die frisch aufgestellte Division nach Westen verlegt. Im Raum Aachen-Jülich sollte die Division die Verteidigung übernehmen, um den amerikanischen Angreifern den Übergang über den Rhein zu verwehren. Die Division kämpfte anschließend als Teil der 5. Panzer-Armee unter dem Befehl von Hasso von Manteuffel und nahm an der Ardennenoffensive teil. Nach einigen Anfangserfolgen blieb die Division schließlich vor Bastogne liegen und musste sich schwer angeschlagen auf das rechte Rheinufer zurückziehen. Am 30. Januar 1945 wurde Tolsdorff zum Generalmajor befördert und es gelang ihm, seine Einheit über den Rhein nach Deutschland zurückzuführen. Für diesen Abwehrerfolg wurden ihm am 18. März 1945 die Brillianten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Gleichzeitig wurde er als einer der jüngsten Offiziere zum Generalleutnant befördert und übernahm die Führung des LXXXII. Armeekorps. Das Korps befand sich im Raum Amberg in Bayern und Tolsdorff ergab sich mit seinen Männern am 08. Mai 1945 der 101st Airborne Division, den "Screaming Eagles".


Nachkriegsjahre

Bei Kriegsende kam er in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde. Insgesamt war Tolsdorff während des Krieges vierzehn Mal verwundet worden.

Nach dem Krieg arbeitete Tolsdorff zunächst in der Speditionsfirma seines Schwiegervaters.

Mitte der fünfziger Jahre wurde er wegen der Hinrichtung des Hauptmanns Franz Xaver Holzeys kurz vor Kriegsende angeklagt. Nachdem er im ersten Verfahren zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war, hob der Bundesgerichtshof das Urteil im Revisionsverfahren mit der Begründung auf, Tolsdorff habe im Fall Holzey das damals geltende Militärstrafrecht beachtet, und verwies das Verfahren zurück an das Landgericht. Im darauf folgenden zweiten Verfahren wurde Tolsdorff am 24. Juni 1960 freigesprochen.

Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als leitender Angestellter in der Wirtschaft. Am 25. Mai 1978 starb er im 70. Lebensjahr in Dortmund.


Beförderungen/Auszeichnungen

 

 
Beförderungen
 
01.06.1936: Leutnant
01.10.1938: Oberleutnant
01.12.1941: Hauptmann
01.01.1943: Major
01.04.1944: Oberstleutnant
18.07.1944: Oberst und "Der Löwe von Wilna"
30.01.1945: Generalmajor
18.03.1945: Generalleutnant

 
Auszeichnungen
 
02.09.1939: Eisernes Kreuz II. Klasse
10.09.1939: Eisernes Kreuz I. Klasse
04.12.1941: Ritterkreuz
23.08.1942: Deutsche Kreuz in Gold
15.09.1943: Eichenlaub zum Ritterkreuz (307. Verleihung)
14.07.1944: Nennung im Wehrmachtsbericht
18.07.1944: Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub (80. Verleihung)
18.03.1945: Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern (25. Verleihung)

 
Auszeichnungen ohne bekanntes Verleihungsdatum
 
Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer in Silber
Verwundetenabzeichen in Gold
Infanterie-Sturmabzeichen in Silber


Quellen

Lexikon der Wehrmacht, 02.08.2009
Ritterkreuzträger 1939-1945, 02.08.2009
Wikipedia, englisch, 02.08.2009

Autor: Kowalski