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Das Thema

Generalleutnant Helmuth Schlömer
* 30. Mai 1893 - † 18. August 1995

 

 


Jugend und Krieg

„Es ist der Dank an einen Offizier, der mehr war als nur ein Vorgesetzter und militärischer Führer. Notwendige soldatische Härte, haben ihn nicht vergessen lassen, dass er Menschen zu führen hatte, junge Menschen, die bei allem Gehorsam und Pflichtbewusstsein das Leben liebten und an ihm hingen. Ihretwegen hatte dieser Kommandeur den Mut, auch einmal nein zu sagen, wenn es notwendig schien, ihretwegen verabscheute er große Worte und Effekthascherei. Oberst Schlömer hatte das Glück, ein hervorragend zusammengesetztes Regiment im erfolgreichsten Abschnitt des Krieges führen zu können. Er kannte seine Männer, sie ihren Kommandeur. Verantwortungsbewusste Führung wurde mit Vertrauen, väterliche Fürsorge, mit dankbarer Verehrung erwidert. Nicht selten fiel die Bezeichnung – Papa Schlömer“.

Dies kann man in einem Dankeswort des pommerschen Infanterieregiments 5 an dessen früheren Kommandeur aus der Zeit von Juli 1939 bis September 1941, den späteren Eichenlaubträger, Generalleutnant und Führer eines Panzerkorps, Oberst Helmuth Schlömer, lesen.

Geboren wurde dieser, von seinem Regiment so hoch geschätzte Offizier, am 30. Mai 1893 in Hausberge Kreis Minden als Sohn des Kreis Rentmeisters Johannes Schlömer. Er begann seine soldatische Laufbahn 1913 als Fahnenjunker im 8. Lothringischen Infanterieregiment 159 in Mülheim an der Ruhr. Nach seinem 21. Geburtstag wurde er hier am 19. Juni 1914 zum Leutnant befördert. Wenige Wochen später begann der Erste Weltkrieg, den Schlömer vom ersten bis zum letzten Tag als Frontoffizier miterlebte. Am 16. September 1917 zum Oberleutnant befördert, beendete er den Krieg, in dem er einmal verwundet wurde, als Kompanieführer und Träger der Eisernen Kreuze II. und I. Klasse.

 

 

 

Postkartenansicht der Kaserne des 8. lothringische Infanterie-Regiment Nr. 159


Militärische Laufbahn

Nach dem Krieg gehörte er zur Minderheit jener 4.000 Berufsoffiziere, die in die kleine Reichswehr der Weimarer Republik übernommen wurden. Nach einem vorübergehenden Kommando als Eskadron Offizier beim Reiterregiment 16, versah er die nächsten Jahre seinen Dienst beim 18. Infanterieregiment. Nach der Beförderung zum Hauptmann am 01. August 1925, war er in den Jahren 1927 bis 1929 Chef der 4. MG-Kompanie des IR 18. Danach wurde er einige Jahre beim Regimentsstab geführt, und während dieser Zeit am 01. Mai 1934 im Alter von 41 Jahren zum Major befördert. Es folgten weitere Kommandos als Lehroffizier an der Infanterieschule Dresden und an der Kriegsschule München und mit der Beförderung zum Oberstleutnant am 01. Oktober 1936 wurde Schlömer Kommandeur des III. Bataillons des im Zuge des Heeresausbaus neu entstandenen Infanterieregiments 25 in Arnswalde/Neumark.

 

 

Kriegsschule in München

Als Helmuth Schlömer schließlich am 01. Juni 1939 zum Oberst befördert wurde, übernahm er einen Monat später das Infanterieregiment 5 als Kommandeur und sollte schon bereits nach acht Wochen an der Spitze dieses Regiments in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Im Polen- und Westfeldzug als Truppenführer und fürsorglicher Vorgesetzter bewährt, erwarb sich Schlömer gegen die Sowjetunion „für seinen tapferen und entschlossenen Einsatz bei den Kämpfen um den äußeren Befestigungsgürtel von Leningrad“ am 02. Oktober 1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Nun aber musste er sich nach zweieinviertel jähriger Zugehörigkeit von seinem Regiment trennen, um das Kommando über die 7. Schützenbrigade zu übernehmen. Mit der Beförderung zum Generalmajor am 01. April 1942 wurde der inzwischen 49jährige Offizier zum Kommandeur der 3. Infanteriedivision ernannt, der späteren 3. Panzergrenadierdivision. Diese war eine der kampfstärksten Divisionen der Ostfront und unter Schlömers Führung, der am 01. Dezember zum Generalleutnant avancierte, hatte die 3. Infanteriedivision beachtliche Erfolge aufzuweisen. Hierzu gehörte der Übergang über den Tim, die überraschend schnelle Bezwingung des Olymp Abschnittes und die Verteidigung des Brückenkopfes von „Woronesch“, „wo die Division Schlömer“ – so hieß es seinerzeit in deutschen Zeitungen anlässlich der Verleihung des Eichenlaubs an den Divisionskommandeur am 22. Dezember 1942 – „unter der tatkräftigen Führung ihres Kommandeurs, der mehr als einmal seine Reserven persönlich zum Gegenstoß führte und allen Angriffen eines an Zahl und Material weit überlegenen Gegners standhielt. Die schwersten, aber auch die stolzesten Tage hatte die Division jedoch erlebt, als sie in der Riegelstellung von Stalingrad eingesetzt wurde. Immer wieder versuchten die Sowjets hier durchzubrechen, aber jede Lage fand ihren Meister in der kühnen, überlegenen Führung des Generalmajors Schlömer und in der zähen Tapferkeit seiner Regimenter.“

 

 

Erinnerungsfoto aus Stalingrad

Aber trotz aller Tapferkeit gerieten 90.000 Stalingradkämpfer in sowjetische Kriegsgefangenschaft, darunter am 29. Januar 1943 Generalleutnant Schlömer, der inzwischen mit der Führung des XIV. Panzerkorps betraut worden war. Nur etwa 6.000 Stalingrad Gefangenen war es vergönnt, nach langen, entbehrungsreichen Jahren die Heimat wiederzusehen.

 

 

Den Weg in die Gefangenschaft treten von links nach rechts an: Generalmajor Dimitriu, 20. Rumänische ID, Generalleutnant von Daniels, 376. ID, Generalleutnant Schlömer, XIV. Panzerkorps, Generalmajor von Drebber, 297. ID, Generalleutnant Dr. Renoldi, Generalstabsarzt der 6. Armee auf dem Weg in die Gefangenschaft.


Nationalkomitee Freies Deutschland

In seiner Gefangenschaft schloss sich Schlömer unter dem Eindruck dieser Katastrophe, der sich im Krieg und Frieden immer wieder bewährte und dafür hoch ausgezeichnet worden war, dem von General von Seydlitz-Kurzbach geführten „Bund deutscher Offiziere“ und dem „Nationalkomitee Freies Deutschland“ an. Dies brachte schon in der Gefangenschaft eine Entfremdung und Isolierung gegenüber seinen Kameraden mit sich. Schlömer gehörte auch zu den Unterzeichnern des Moskauer Aufrufs „An Volk und Wehrmacht!“ vom 08. Dezember 1944 in dem es hieß „sich selbst von dieser pflichtvergessenen und verbrecherischen Staatsführung, die Deutschland in den sicheren Untergang treibt zu befreien.“ Mit dem ehemaligen Oberbefehlshaber der 6. Armee, Generalfeldmarschall Paulus an der Spitze, trug dieser Aufruf die Unterschriften von 50 Generalen aller Ränge und war für sie – wie ihr späteres Schicksal beweist – kein Garantieschein für eine bevorzugte Behandlung durch die Gewahrsamsmacht. Viele von ihnen wurden unter nichtigsten Vorwänden im damals üblichen Schnellverfahren als Kriegsverbrecher verurteilt, darunter auch General von Seydlitz. Generalleutnant Schlömer durfte schon am 24. Oktober 1949 die Heimat wiedersehen. Er hatte fast sieben Jahre hinter Stacheldraht verbringen müssen. Seinen Alterswohnsitz nahm der inzwischen 56jährige in Minden und verstarb am 18. August 1995.

 

 

Plakat des Nationalkomitees Freies Deutschland


Quellen

http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... merH-R.htm (Letzter Zugriff 13.02.2010)
http://www.das-ritterkreuz.de/index_sea ... wert1=5621 (Letzter Zugriff 13.02.2010)

Der Landser Nr. 1.277 – Erlebnisberichte zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs


Autor: stuffz0815