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Das Thema

Wilhelm Ritter von Leeb
* 05.09.1876 - † 29.04.1956


Wilhelm Leeb, seit 1915 Ritter von Leeb (* 5. September 1876 in Landsberg am Lech; † 29. April 1956 in Füssen),
deutscher Heeresoffizier in der bayerischen Armee, in der Reichswehr der Weimarer Republik und in der Wehrmacht des Dritten Reiches.


Kaiserzeit

Von Leeb während der Kaiserzeit
Wilhelm Leeb wird als Sohn des bayerischen Majors Adolf Leeb und dessen Frau Katharina am 05. September 1876 in Landsberg am Lech in Bayern geboren.
Der Familientradition folgend waren sowohl sein Bruder Emil (General der Artillerie) als auch sein Sohn Alfred Berufssoldaten. (Alfred stirbt 1939 beim Einmarsch in Polen). 1895 wurde er Fahnenjunker im 4. Bayerischen Feldartillerie-Regiment. Es folgte eine Beförderung 1897 zum Leutnant und der Besuch der königlich Bayerischen Artillerie- und Ingenieurschule. Mit dem deutschen Ostasienkorps, nahm Leeb an der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China teil. In diesem Einsatz konnte er einige Kampferfahrung sammeln und mit den zahlreichen anderen europäischen Nationen konnte das Korps den Sieg davon tragen. Er schloss nach 4 jähriger Ausbildung 1907 erfolgreich an der bayerischen Kriegsakademie in München ab. Währenddessen wurde er 1905 zum Oberleutnant befördert.

 

Zwischen den Jahren 1907 bis 1909 diente Leeb als Offizier des bayerischen Generalstabes, später bis 1911 in Berlin im Generalstab der preußischen Armee. Im Jahr 1912 heiratet er seine Frau Maria Schott, die Tochter eines bayerischen Generals der Kavallerie. Leeb war in den Jahren 1912 bis 1914 Batteriechef des 10. Feldartillerie-Regiments und zum Hauptmann befördert worden. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war er als Generalstabsoffizier des I. Kgl. Bay. Armee-Korps in München tätig.


1. Weltkrieg/Weimar

Erster Weltkrieg
Als erster Generalstabsoffizier der 11. bayerischen Infanterie-Division war Leeb auf verschiedenen Kriegsschauplätzen im Einsatz. Für die während der Schlacht von Gorlice-Tarnow erbrachten hervorragenden Leistungen, wurde er 1915 in den Militär-Max-Joseph-Orden aufgenommen. Von nun an wurde er in den Adelsstand erhoben und durfte sich Ritter von Leeb nennen. Hintergrund dieser Auszeichnung war die Einnahme der Festung Przemysl und der rasche Übergang über die Donau im Balkan-Feldzug.
1916 folgte die Ernennung zum Major. Er war im Jahr 1917 bis zum Ende des Krieges an der Westfront im Stab der Heeresgruppe „Kronprinz Rupprecht" eingesetzt.

Weimarer Republik
Von Leeb setzte seine Karriere auch nach Kriegsende beim Militär fort. Er war nun Offizier in der neu gegründeten Reichswehr. In den Jahren bis 1929 durchlief er diverse Dienstposten als Referent oder Stabsoffizier und wurde schließlich zum Generalleutnant und gleichzeitigem Oberbefehlshaber des VII. Wehrkreises sowie der 7. Division ernannt.


NS-Staat

Von Leeb im Dritten Reich
Als 1933 die Machtübernahme durch die Nazis und Adolf Hitler erfolgte, blieb von Leeb, welcher als konservativer Katholik bekannt war, eher distanziert zum neuen Regime. Da dieses doch gerade seine katholischen Werte und deren Bedeutung für die ganze Nation versuchten abzuschaffen und den Menschen ihre eigene Vorstellung von „Glauben“ aufzudrücken. Dieses bremste seinen Aufstieg in der Wehrmacht erstaunlicherweise nicht und so wurde er bereits im Oktober 1933 in Kassel Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II. Am 1. Januar 1934 folgte die Ernennung zum General der Artillerie. In den ersten Jahren des Dritten Reiches schrieb er sein Buch „Die Abwehr“. In diesem Buch ging er auf Distanz zu den neuen Doktrin vom Panzergeneral Heinz Guderian, dessen Vorstellungen eines „Blitzkrieges“ mit schnellen Panzerspitzen und Luftunterstützung, konnte von Leeb nichts abgewinnen.

Bereits Anfang 1938 wurde von Leeb von Hitler im Rahmen einiger "Umstrukturierungen", bedingt durch die "Blomberg-Fritsch Krise", in den Ruhestand versetzt. Die Versetzung erfolgte durch den neuen Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch und brachte von Leeb eine weitere Beförderung zum Generaloberst ein. Im Zuge der Sudetenkrise wurde von Leeb aber bereits 5 Monate später, im Juni 1938 reaktiviert und übernahm das Kommando über die 12. Armee, welche das Sudetenland besetzte. Direkt im Anschluss an die Aktion, wurde von Leeb erneut in den Ruhestand versetzt.

 


Frankreich

Frankreichfeldzug
Zu Beginn des Frankreichfeldzuges 1939 wurde von Leeb zum zweiten Mal reaktiviert, übernahm die Heeresgruppe C direkt auf der badischen Seite des Rheines, direkt gegenüber der berüchtigten Maginot Linie. Als er diesen Posten übernahm, war er bereits 62 Jahre alt und zu diesem Zeitpunkt der zweitälteste Soldat des Heeres direkt nach von Rundstedt.

Im Jahre 1939 notierte Wilhelm Ritter von Leeb einen Eintrag in sein Tagebuch, welcher die Situation an der Westfront gut zusammenfasste.

6. September 1939
„Die Propaganda am Oberrhein hat doch gute Erfolge. Selbst Offiziere winken herüber. Plakate auf französischer Seite etwa: „Bitte nicht Schießen. Wir schießen nicht“, beantworteten wir mit: „Wenn Ihr nicht schießt, schießen wir auch nicht.“
Ich kann mir an der Westfront nur folgende weitere Entwicklungsmöglichkeiten vorstellen:
1. Die Franzosen vollenden ihren Aufmarsch und greifen erst dann an.
2. Sie warten, bis die Masse der Engländer eingetroffen ist, damit nicht nur Franzosen, sondern auch Engländer Blutopfer bringen.
3. Sie wollen nicht ernstlich angreifen und hoffen noch auf diplomatische Erledigung.
4. Sie führen einen Krieg auf lange Sicht. Sie schieben uns den Angriff zu, warten bis Polen erledigt ist und der Deutsche seine Kräfte an die Westfront verschoben hat. Dann mag er angreifen, mag die Neutralität Belgiens verletzten. Dann muss wohl auf diplomatischem Wege diesem Zustand ein Ende bereitet werden.

Am 10. Mai 1940 sollte der Angriff auf Frankreich beginnen. Von Leebs Aufgabe bestand darin die Maginotlinie anzugreifen und zu überrennen. Wiedererwartend konnten die Franzosen relativ leicht geschlagen werden, im Vergleich zu den Anstrengungen des Ersten Weltkrieges Frankreich zu erobern. Dieser große Sieg über die damals größte Armee der Welt, der "Grande Armée" wurde zu Leebs triumphalsten Ereignis und er wurde zusammen mir elf Generalen im Juli 1940 zum Generalfeldmarschall ernannt.


Ostfront/Ruhestand

Ritter von Leeb an der Ostfront
Während der Planung und der Vorbereitungen für die "Operation Barbarossa", den deutschen Angriff auf die Sowjetunion, wurde Leebs Truppe im Herbst 1940 von Frankreich nach Dresden verlegt. Im folgenden Jahr erhielt er das Kommando über die gesamte Heeresgruppe Nord.

Ziel war die Eroberung der baltischen Häfen, um den Russen den Zugang zur Ostsee zu nehmen, dieses sollte im Juni 1941 geschehen. Das nächste Ziel war die wichtige Metropole Leningrad, eine sowohl wirtschaftlich als auch symbolisch wichtige Stadt für die Russen. Bedauerlicherweise konnte Leningrad nicht so schnell wie erhofft erobert werden. Aus diesem Grund plädierte von Leeb im Winter 1941/1942 für eine Einkesselung und Belagerung der Stadt. Weiter östlich konnten zwar noch größere Geländegewinne gemacht werden, jedoch bat von Leeb nach einem Zerwürfnis mit Hitler, um die Ablösung seines Postens. Er hatte für einen Rückzug diverser Truppenteile plädiert, eine Ansatz, der mit Hitler zu diesem Zeitpunkt nicht verhandelbar war. Januar 1942 wurde Leeb der Führerreserve unterstellt und nicht mehr weiter eingesetzt.

In den Ruhestand versetzt
Obwohl von Leeb ein Mann offener Worte war und eine eher kritische Haltung gegenüber Hitler hatte, nahm von Leeb im September 1941 gerne und dankend ein Geschenk zu seinem 65. Geburtstag im Wert von mehr als 250.000 Reichsmark entgegen. Als er 1944 in Bayern Land im Wert von ca. 635.000 Reichsmark kaufen wollte, gab es Hitler ihm zum Geschenk. Auch hier dankte er brav und nahm das "Geschenk" an. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 war von Leeb, neben zahlreichen anderen Generalen und Offizieren, einer der Ersten, der ein Ergebenheitsadresse an Hitler sendete. Die Gründe hierfür sind nur schwer nachvollziehbar. Trotz seiner eher kritischen Art gehörte von Leeb während des Dritten Reiches mit zu den Gewinnern. Offener Widerstand schien deshalb nicht vernünftig, gerade in Hinblick auf die anstehenden Säuberungsaktionen nach dem Attentat. Andere Quellen behaupten schlicht, dass Hitler sich von Leebs Loyalität schlicht und einfach gekauft hätte, war er doch ein alter Kaisertreuer und konnte somit eher für Geld, als für die derzeitige Regierung, die er im tiefsten verabscheute, kämpfen.


Nachkriegszeit

Gefangennahme und Nachkriegszeit

 

Im Mai 1945 wurde von Leeb von amerikanischen Truppen gefangen genommen. Während der "Nürnberger Prozesse" 1948 wurde von Leeb zu drei Jahren Haft verurteilt, ein relativ mildes Urteil, welches auf seine in der Öffentlichkeit gezeigte Neutralität zurückzuführen zu sein scheint. Die von ihm verbüßte Kriegsgefangenschaft seit 1945 wog das Urteil auf und er konnte das Gericht als freier Mann verlassen.
1954 wird von Leeb Großkanzler des bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens.

Wilhelm Ritter von Leeb starb in Füssen am 29. April 1956, nicht allzu weit von seinem Geburtsort Landsberg am Lech entfernt..

 

 

Ritter von Leeb während der Nürnberger Prozesse

 

 

Von Leeb mit Wernher von Braun


Quellen

Wikipedia, Bundesarchiv „Tagebücher des Ritter von Leeb“, Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb: Tagebuchaufzeichnungen und Lagebeurteilungen aus zwei Weltkriegen
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Leeb
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/LeebWilhelm/index.html
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-L08126,_Wilhelm_Ritter_von_Leeb.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Ritter-von-Leeb-Kaserne

Autor: Gastronaut