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Das Thema

 

Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch

 

* 04. Oktober 1881 in Berlin
† 18. Oktober 1948 in Hamburg


Kaiserreich

Kaiserreich

Walther von Brauchitsch wurde am 4. Oktober 1881 in Berlin als fünftes Kind des Generals der Kavallerie Bernhard von Brauchitsch geboren. Seine Familie gehörte einem alten schlesischen Adelsgeschlecht an in dem es selbstverständlich war preußischer Offizier zu werden. So besuchte auch er die Berliner Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde. Aus der Selekta, einer Klasse, in die nur die begabtesten Kadetten der Oberstufe gelangten, trat von Brauchitsch am 22. März 1900 als Leutnant in das Garde-Grenadierregiment „Königin Elisabeth“ Nr. 3 in Berlin-Charlottenburg ein. Auf eigenen Wunsch wechselte er aber bereits 1901 die Waffengattung und ließ sich in das 3. Garde-Feldartillerieregiment versetzen. Dort wurde von Brauchitsch am 18. Oktober 1909 Oberleutnant und Regimentsadjutant. Während eines Manövers fiel er dabei durch eine eindrucksvolle Lagebeurteilung höheren Vorgesetzten angenehm auf, was ihm, obwohl er noch keine Kriegsakademie besucht hatte, eine sofortige Kommandierung in den Großen Generalstab einbrachte. Am 18. Dezember 1913 wurde von Brauchitsch als Hauptmann endgültig in den Generalstab versetzt.


1. Weltkrieg

1. Weltkrieg

Den ersten Weltkrieg erlebte er dann auch durchweg in Generalstabsstellungen. Unter anderem als Generalstabsoffizier beim XVI. Armeekorps in Metz und bei der 34. Infanteriedivision im Argonnerwald und vor Verdun. Hierbei zeichnete sich von Brauchitsch besonders aus, so dass er für die Verleihung des Ritterkreuzes zum Hausorden von Hohenzollern eingereicht wurde. Die letzten beiden Kriegsjahre fand von Brauchitsch Verwendung beim Stab der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, bei der 1. Garde-Reservedivision und als 1. Generalstabsoffizier (Ia) des Garde-Reservekorps. Hier wurde er am 15. Juli 1918 zum Major befördert.

 

 

Walther von Brauchitsch als Generaloberst 1938


Weimar

Weimarer Republik

Nach seiner Übernahme in das Hunderttausend-Mann-Heer war von Brauchitsch zunächst von 1919 bis 1921 als Generalstabsoffizier im Wehrkreis II (Stettin/Pommern) eingesetzt. Danach übernahm er ein Truppenkommando als Kommandeur der II. Abteilung des Artillerieregiments Nr. 6 in Minden/Westfalen. Am 1. April 1925 wurde von Brauchitsch zum Oberstleutnant befördert und kam am 1. November 1927 als Chef des Stabes zur 6. Division nach Münster. Mit Patent vom 1. April 1928 stieg er hier zum Oberst auf und wurde bald Chef der Heeresausbildungsabteilung im Reichswehrministerium in Berlin. Am 1. Oktober 1931 avancierte von Brauchitsch zum Generalmajor und wurde am 1. März 1932 zum Inspekteur der Artillerie ernannt.


NS-Staat

Nationalsozialismus

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 in Deutschland zum Reichskanzler ernannt wurde, war von Brauchitsch bereits General und hatte bisher eine glänzende soldatische Laufbahn hinter sich. Die nationalsozialistische Machtergreifung brachte ihm gleich einen weiteren Aufstieg, indem er am 1. Februar 1933, als Nachfolger des neuen Reichswehrministers Werner von Blomberg, das Kommando über die 1. Division und das ostpreußische Wehrkreiskommando I in Königsberg übernahm. Ostpreußen war damals aufgrund des Versailler Diktats vom übrigen deutschen Reichsgebiet abgetrennt und auf dem Landweg nur durch den sogenannten „polnischen Korridor“ in zum Teil verschlossenen Eisenbahnzügen oder aber auf dem See- und Luftweg erreichbar. Wegen dieser besonderen Umstände war es nur natürlich, dass das Kommando über die in Ostpreußen stationierten Reichswehrtruppen stets überdurchschnittlich qualifizierten Generälen übertragen wurde. Mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht wurde von Brauchitsch zum Kommandierenden General des I. Armeekorps ernannt und am 1. Oktober 1935 zum Generalleutnant befördert. Bereits am 20. April 1936 avancierte er zum General der Artillerie. Nachdem im Zuge des weiteren Ausbaus der Wehrmacht die Heeresgruppe 4 (Leipzig) neu gebildet worden war, wurde von Brauchitsch am 1. April 1937 als erster Oberbefehlshaber an ihre Spitze berufen. Bereits am 29. Januar 1938 erreichte er mit seiner Ernennung, als Nachfolger des Generaloberst Freiherr von Fritsch, zum Oberbefehlshaber des Heeres und der gleichzeitigen Beförderung zum Generaloberst den Höhepunkt seiner militärischen Laufbahn in Friedenszeiten. Unter seinem Befehl rückten im März 1938 deutsche Divisionen in Österreich, im Oktober 1938 ins Sudetenland und im März 1939 in Böhmen und Mähren ein.

 

 

Der Chef des Generalstabes des Heeres, General der Artillerie Franz Halder und der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Walther von Brauchitsch während des Polenfeldzuges 1939 am Kartentisch.


2. Weltkrieg

2. Weltkrieg

Zu Beginn des Krieges leitete Walther von Brauchitsch schließlich auch die erfolgreichen Operationen des Heeres in Polen, wofür er am 30. September 1939 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde. Dem Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch und seinem Chef des Generalstabes Franz Halder oblagen auch die Planungen und Vorbereitungen für den kommenden Feldzug im Westen. Dabei kam es zu ersten Meinungsverschiedenheiten mit Hitler, der möglichst rasch losschlagen wollte und das zögerliche Verhalten seiner Generäle als zu bürokratisch empfand. Als am 10. Mai 1940 mit dem Fall „Gelb“ der Westfeldzug begann, gab der Ablauf der Ereignisse, die mit einer französischen Niederlage und der Besetzung Belgiens, Hollands, Luxemburgs und großer Teile Frankreichs durch deutsche Truppen endete, den Ansichten Hitlers recht. Auch wenn das Anhalten der deutschen Panzer vor Dünkirchen und das damit verbundene Entkommen des britischen Expeditionskorps politisch und strategisch gerechtfertigt sein mochte, militärisch und taktisch aber eine Niederlage bedeutete, so entstand gleichwohl der Mythos des „Feldherrn Hitler“, gar des „größten Feldherrn aller Zeiten“ (Wilhelm Keitel). Der große und überraschende Sieg im Westen brachte Walther von Brauchitsch, zusammen mit elf anderen Generälen, am 19. Juli 1940 die Beförderung zum Generalfeldmarschall ein. Auch der Balkanfeldzug im Frühjahr 1941 gegen Jugoslawien und Griechenland wurde unter seiner und der seines Chefs des Generalstabes Halder verantwortlichen operativen Führung siegreich beendet. Das am 22. Juni 1941 beginnende Unternehmen „Barbarossa“ gegen die Sowjetunion fiel ebenfalls unter die operative Zuständigkeit des Oberkommandos des Heeres. Wie Halder sah auch von Brauchitsch den Ostfeldzug nicht als unlösbare Aufgabe an. Die kühn geführten Stöße der deutschen Wehrmacht und ihrer Verbündeten brachten noch einmal ungeahnte militärische Erfolge, ehe es im Winter 1941 vor Moskau zu schweren Rückschlägen kam.

 

 

Generaloberst Walther von Brauchitsch und Adolf Hitler bei der "Führerparade" am 5. Oktober 1939 in Warschau.

Wieder standen sich dann unterschiedliche Auffassungen über das weitere Vorgehen zwischen den Frontkommandeuren auf der einen und denen von Hitler und dem Oberkommando der Wehrmacht im Führerhauptquartier auf der anderen Seite gegenüber. Immer wieder kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hitler und dem Oberbefehlshaber des Heeres. Schließlich enthob Hitler den aus seiner Sicht ständig zaudernden und wenig tatkräftigen von Brauchitsch am 7. Dezember 1941 seines Kommandos. Er war physisch und psychisch erschöpft. Den ständigen Disputen mit Hitler war er nicht mehr gewachsen. Hitler aber sah in von Brauchitsch die Verkörperung einer schwunglosen, oft widerstrebenden Heeresführung. Am 19. Dezember 1941 legte er sein Amt nieder, was Hitler zum Anlass nahm, noch am selben Tag selbst den Oberbefehl des Heeres zu übernehmen. In von Brauchitschs Abschiedsbefehl hieß es unter anderem: „Mit dem heutigen Tage hat der Führer persönlich die Führung des Heeres übernommen. Gleichzeitig hat er meiner vor einiger Zeit ausgesprochenen Bitte stattgegeben, mich wegen eines Herzleidens von der Führung des Heeres zu entbinden. Soldaten! Fast vier Jahre habe ich als Euer Oberbefehlshaber das beste Heer der Welt geführt. Diese Jahre umfassen für Deutschland eine Fülle größter geschichtlicher Ereignisse und für das Heer größte soldatische Erfolge. Stolz und Dankbar blicke ich auf diese Zeit zurück. Stolz auf Eure Leistung, dankbar für Eure Treue.“ Bald darauf musste sich Walther von Brauchitsch einer Herzoperation unterziehen und lebte danach völlig zurückgezogen in Schlesien.


Nachkriegsjahre

Nachkriegszeit

Bei Kriegsende 1945 nahmen ihn die Briten gefangen und er wurde zunächst in England und anschließend im Munsterlager interniert. Gemeinsam mit Generalfeldmarschall Erich von Manstein sollte ihm der Prozess gemacht werden und er wurde noch 1948 vor dem internationalen Militärtribunal in Nürnberg als Zeuge vernommen. Doch bereits am 18. Oktober 1948 verstarb der schon länger schwer erkrankte Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch an einer Thrombose in einem britischen Militärlazarett in Hamburg.

 


 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern
Österreichisches Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdekoration 1915
Friedrichs-Orden Ritterkreuz I. Klasse mit Schwertern
Ehrenritter des Johanniterordens
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Eichenlaub zur Wehrmacht-Dienstauszeichnung I. Klasse
Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938
Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP
Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 mit Spange Prager Burg
Medaille zur Erinnerung an die Heimkehr des Memellandes
Orden der Weißen Rose, Großkreuz am 10. März 1939
Spanisches Militär-Verdienstkreuz I. Klasse
Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 30. September 1939
St. Alexander-Orden, Großkreuz mit Schwertern
Militärorden Michael der Tapfere III. bis I. Klasse
Ungarischer Verdienstorden, Großkreuz mit Schwertern
Freiheitskreuz, Großkreuz am 25. Juni 1942
Orden der aufgehenden Sonne I. Klasse am 26. September 1942


Quellen

Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Peter Stockert, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8
http://de.wikipedia.org/wiki/Walther_von_Brauchitsch Zugriff am 22.05.10
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... ltherv.htm Zugriff am 22.05.10
http://www.ritterkreuztraeger-1939-45.d ... er-von.htm Zugriff am 22.05.10

Autor: Kurt Ralle