1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 0.00 (0 Votes)

Das Thema

 

Generalfeldmarschall Günther von Kluge

 

„Sein Denken und Handeln war gradlinig und anständig, er war offen und freimütig.“

 

 

* 30. Oktober 1882 in Posen
† 19. August 1944 bei Metz


Kaiserreichl

 

Kaiserreich

Günther Adolf Ferdinand von Kluge wurde am 30. Oktober 1882 in Posen/Provinz Posen-Westpreußen als Sohn eines damals noch bürgerlichen preußischen Offiziers, der 1913 in den erblichen Adelsstand erhoben wurde und es noch bis zum Generalleutnant brachte, geboren. Auf Grund seiner besonderen geistigen Fähigkeiten auf der Kadettenschule, wurde er von seinen Freunden, in Anlehnung an ein damals sehr bekanntes „rechnendes“ Pferd, der kluge Hans genannt. Daraus hat sich später der Vorname Hans Günther eingebürgert. Als Besucher einer Abschlussklasse, in der nur die begabtesten Kadetten der Oberstufe aufgenommen wurden, trat von Kluge, am 22. März 1901 gleich als Leutnant in das Niedersächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 46 in Wolfenbüttel ein und wurde dort Abteilungsadjutant. Bereits während seiner Kadettenzeit hatte er für die Errettung eines Menschen vor dem Ertrinken die oldenburgische Rettungsmedaille erhalten. Während des Kriegsakademiebesuches von 1909 bis 1912 erfolgte am 16. Juni 1910 seine Beförderung zum Oberleutnant. Hier bewährte sich von Kluge derart, dass er anschließend ab dem 1. April 1913 in den Großen Generalstab kommandiert wurde. Damit war ihm bereits eine Laufbahn in höheren Kommandostellen vorgezeichnet.


1. Weltkrieg

 

Erster Weltkrieg

Am 2. August 1914 rückte von Kluge als Hauptmann im Generalstab mit dem XXI. Armeekorps in den Ersten Weltkrieg. Er war in den ersten Monaten des Krieges als Beobachtungsflieger eingesetzt. Bereits im Oktober 1914 erhielt von Kluge an der Westfront das EK I und das Beobachterabzeichen der Fliegertruppe. Später fand er in verschiedenen verantwortungsvollen Generalstabsstellungen Verwendung. Der junge Generalstabsoffizier kämpfte in Russland, in den Karpaten und an der Isonzofront und wurde für seine Verdienste mit dem Hausorden von Hohenzollern ausgezeichnet. Als 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 236. Infanteriedivision nahm von Kluge 1917/18 an den Schlachten im Artois und in Flandern teil, wobei die Division hohe Verluste erlitt und er selbst im Oktober 1918 bei Verdun schwer verwundet wurde.

 

 

Generalfeldmarschall Günther von Kluge im Herbst 1942 auf dem Weg zur Befehlsausgabe


Weimar

 

Weimarer Republik

Nach Kriegsende 1918 wurde von Kluge in die Reichswehr übernommen. Er diente zuerst im Stab des Infanterieführers III in Berlin und wurde hier am 1. April 1923, mit einem Rangdienstalter vom 1. Juli 1921, zum Major befördert. 1924 wurde von Kluge zur Heeresausbildungs-Abteilung ins Reichswehrministerium versetzt und übernahm 1926 die Reiterabteilung des Artillerieregiments Nr. 3 in Sagan/Schlesien. Hier wurde er mit Patent vom 1. Februar 1927 zum Oberstleutnant befördert. Ab 1928 wurde von Kluge Chef des Stabes der 1. Kavalleriedivision in Frankfurt/Oder. Am 1. Februar 1930 wurde er zum Oberst befördert. Als Kommandeur übernahm von Kluge das Artillerieregiments Nr. 2 in Schwerin/Mecklenburg. Am 1. Oktober 1931 folgte seine Ernennung zum Artillerieführer III bei der 3. Division.

 


NS-Staat

 

Nationalsozialismus

In dieser Dienststellung erfolgte am 1. Februar 1933 seine Beförderung zum Generalmajor, und Monate später, im Dezember 1933, stieg er an die Spitze der Inspektion der Nachrichtentruppen auf. Am 1. April 1934 avancierte von Kluge zum Generalleutnant und ab dem 1. Oktober 1934 wurde er zum Befehlshaber im Wehrkreis VI und Kommandeur der 6. Division in Münster/Westfalen ernannt. Im Zuge der wieder eingeführten allgemeinen Wehrpflicht 1935 und der Neugliederung der Truppen, wurde aus der 6. Division das VI. Armeekorps. Am 1. April 1935 übernahm von Kluge dieses als Kommandierender General und wurde am 1. August 1936 zum General der Artillerie befördert. Ab dem 1. November 1938 trat er als Oberbefehlshaber an die Spitze des neugebildeten Gruppenkommandos 6 (Hannover). Mit der Mobilmachung im August 1939 wurde aus dem Gruppenkommando 6 das Armeeoberkommando 4 gebildet und von Kluge zum Oberbefehlshaber ernannt.

 

 

Generalfeldmarschall Günther von Kluge nach einer Besprechung im Juni 1944 in Frankreich


2. Weltkrieg

 

Zweiter Weltkrieg

Mit der 4. Armee, die zusammen mit der 3. Armee unter General Georg von Küchler die Heeresgruppe Nord unter Fedor von Bock bildete, nahm von Kluge im September 1939 am Polenfeldzug teil und hatte entscheidenden Anteil am schnellen Sieg. Seine Armee zerschlug, gemeinsam mit dem zugeteilten Panzerkorps unter Heinz Guderian, die polnischen Kräfte im Korridor und schnitt die in der Tucheler Heide stehenden polnischen Verbände von den Truppen im Kernland ab. Die Reste wurden durch seine Armee aufgerieben, und bereits am 4. September 1939 nahm die Armee Kulm an der Weichsel und stellte durch den Weichselübergang die Verbindung mit der seit 1920 vom übrigen deutschen Reichsgebiet räumlich isolierten Provinz Ostpreußen wieder her. Am 5. September 1939 erhielt von Kluge die Wiederholungsspange zum EK II von 1914. Am 7. September 1939 erreichten seine Verbände Thorn, überschritten die Drewenz und drangen auf dem Ostufer der Weichsel in Richtung auf die etwa 40 Kilometer nordöstlich vor Warschau liegende Festung Modlin vor. Der rechte Flügel seiner Armee wurde dann nach Süden abgezweigt, kesselte hier mit der 8. und 10. Armee die Hauptmasse des auf dem westlichen Weichselufer stehenden polnischen Heeres zwischen Weichsel und Bzura ein und vernichtete sie in einer riesigen Kesselschlacht bis zum 19. September 1939. Zwei Tage zuvor hatte er die Wiederholungsspange für das EK I erhalten. Als Warschau schließlich am 27. September 1939 kapitulierte, ergab sich auch die Festung Modlin. Damit war der Blitzkrieg beendet. Erstmals in der Kriegsgeschichte wurde in einem nur vier Wochen dauernden Feldzug ein so großes Land vernichtend geschlagen und besetzt. Dafür erhielt Günther von Kluge am 30. September 1939, unter gleichzeitiger Beförderung zum Generaloberst, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Anschließend verlegte er bis zum Frühjahr 1940 mit seiner Armee in den Westen, wo sich nach der französischen und britischen Kriegserklärung vom 3. September 1939 eine neue Front bildete. Beim Aufmarsch im Westen bildete seine Armee mit dem Panzerkorps „Hoth" den rechten nördlichen Flügel der Heeresgruppe A unter dem Oberbefehl von Generaloberst Gerd von Rundstedt. Einem Angriff im Westen stand von Kluge zunächst skeptisch gegenüber, doch richtete sich diese Skepsis nicht gegen die Offensive an sich, sondern gegen deren eingeschränkte Ziele. Am 10. Mai 1940 stürmte er mit seiner Armee dann regelrecht von Norden nach Frankreich hinein. Die belgischen Sicherungen wurden durchbrochen, bereits am 13. Mai wurde die Maas bei Dinant erreicht, und vergeblich versuchten die Briten, die 4. Armee durch heftige Gegenangriffe bei Arras zu stoppen. Am 27. Mai konnten Teile des französischen Heeres und die Masse des britischen Expeditionskorps bei Dünkirchen zusammengedrängt werden, wobei im Süden des Kessels von Kluges 4. Armee stand. Durch einen weiteren schnellen Vorstoß seiner Armee, zusammen mit der 6. Armee, gelang es, bei Lille zwei französische Armeekorps gefangen zunehmen. Danach wurden die deutschen Armeen umgruppiert, und von Kluge mit seiner 4. Armee und das Panzerkorps „Hoth" bildeten jetzt den rechten Flügel der Heeresgruppe B. Am 5. Juni 1940 trat die Heeresgruppe B zum Angriff an. Das Panzerkorps „Hoth" durchstieß die französischen Stellungen und riss die französische 10. Armee auseinander. Die 4. Armee von Generaloberst von Kluge drängte nach und erreichte bereits am 8. Juni bei Rouen die Seine, und in weiteren Verfolgungskämpfen ging es zügig bis zur Loire. Nach den schweren Kämpfen um Rouen gab er persönlich den Befehl zur Sprengung von Teilen der brennenden Altstadt, um die dortige gotische Kathedrale vor den Flammen zu retten. Am 14. Juni 1940 zogen Spitzen der deutschen 18. Armee in Paris, das zur offenen Stadt erklärt worden war, ein. Nach dem siegreichen Ende des Westfeldzuges ehrte Adolf Hitler in einer denkwürdigen Stunde vor dem Deutschen Reichstag diejenigen Heerführer, die sich im Kampf besonders bewährt hatten. Zusammen mit der Ernennung von Hermann Göring zum Reichsmarschall, wurden am 19. Juli 1940 Günther von Kluge und weitere elf deutsche Heerführer zu Generalfeldmarschällen befördert.

 

 

Generalfeldmarschall Günther von Kluge in einem mittleren Einheitskraftwagen Horch Kfz. 15
„Kinder, Ihr habt mich! Ich bin Euer Spießgeselle.“
(Kluge zu Tresckow und Gersdorff, nach einem Spaziergang im Hauptquartier der Heeresgruppe in Smolensk - es ging um die Mitwirkung am Widerstand)

Ab Juni 1941 an der Ostfront im Einsatz, war von Kluges 4. Armee auch hier maßgeblich an den Kesselschlachten von Bialystok und Minsk, Smolensk und Wjasma beteiligt und bewährte sich hervorragend in den schweren Winterabwehrkämpfen im Dezember 1941 vor Moskau. Ab dem 19. Dezember 1941 wurde von Kluge Nachfolger von Generalfeldmarschall von Bock, der sich weder körperlich noch seelisch der Krisenlage gewachsen fühlte. Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte hielt er dank seiner geschickten Führung im Jahre 1942 und 1943 die Abwehrfront im Mittelabschnitt der Ostfront einigermaßen stabil. Am 18. Januar 1943 erhielt Günther von Kluge, als Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, das 181. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Die Heeresgruppe Mitte stand nach geplanten Frontverkürzungen, als mit der Schlammperiode der Frühling 1943 begann, in gut ausgebauten neuen Stellungen. Am 12. Oktober 1943 entging von Kluge nur knapp dem Tod, als sein Dienstwagen auf einer Inspektionsfahrt von Orscha nach Minsk verunglückte. Mit schweren Verletzungen lag er danach mehrere Monate lang in einem deutschen Krankenhaus. Während dieser Zeit erhielt Günther von Kluge am 29. Oktober 1943, für die Operationen des Sommers 1943, das 40. Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Nach seiner Genesung wurde er ab Anfang Juli 1944 zum Nachfolger des Oberbefehlshabers West ernannt und ging voller Tatendrang nach Paris. Bereits seit 1943 war von Kluge immer wieder von Mitgliedern des Widerstandes angesprochen und um Hilfe gebeten worden. Doch er hatte Zweifel, „ob Front und Heimat ein gewaltsames Vorgehen gegen Hitler billigen würden". Obwohl von Kluge kein Nationalsozialist war, stand er fest zu seinem geleisteten Eid, behielt allerdings sein Wissen über den militärischen Widerstand für sich. Die zentrale Figur in den Gesprächen war neben dem ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Dr. Carl Goerdeler auch sein langjähriger Stabschef Oberst Henning von Tresckow, der sich nach dem Fehlschlag des Attentats am 20. Juli 1944 das Leben nahm. Als von Kluge am Abend des 20. Juli von dem Misslingen des Putsches erfuhr, wies er alle Appelle der Verschwörer, sich an die Spitze der Erhebung im Westen zu setzen, entschieden zurück. Außerdem verfügte von Kluge, dass alle von General Carl-Heinrich von Stülpnagel eingeleiteten Maßnahmen in Paris rückgängig zu machen seien. Parallel zu dem Versuch, die Vorfälle in Paris zu vertuschen oder zumindest herunterzuspielen, sandte er ein Solidaritätstelegramm an Hitler und erließ in gleichem Tenor einen Aufruf an die Truppe. In den Wochen nach dem fehlgeschlagenen Attentat geriet von Kluge immer mehr ins Blickfeld der Gestapo, denn seine engen Verbindungen zu bereits verhafteten Widerständlern machten auch ihn verdächtig.

„Das überlebe ich nicht, das kann ich einfach nicht ertragen, jetzt in dieser Situation von meiner Truppe weggehen zu müssen und sie ihrem Schicksal zu überlassen“
(Kluge am 19. August 1944)

 

 

Generaloberst Günther von Kluge und Adolf Hitler 1940 in Frankreich
„Das dt. Volk hat so namenlos gelitten, daß es Zeit ist, dem Grauen ein Ende zu machen ... Ich scheide von Ihnen, mein Führer, der ich Ihnen innerlich näher stand, als Sie vielleicht geahnt, in dem Bewußtsein, meine Pflicht bis zum Äußersten getan zu haben.“
(Kluge im Brief an Hitler)

Inzwischen hatte sich die Frontlage im Westen weiter verschlechtert. Generalfeldmarschall von Kluge, der nach Rommels Verwundung auch noch den Befehl über die Heeresgruppe B übernommen hatte, ordnete auf Befehl Hitlers den Angriff der 5. Panzerarmee an, um den Durchbruch der Alliierten bei Avranches zu bekämpfen. Doch der Angriff brach unter den Schlägen der alliierten Luftwaffe zusammen. Statt zum Erfolg, hatte der Angriff bei Mortain zur Einschließung der 5. Panzer- und der 7. Armee im Kessel von Falaise geführt. Nachdem am 15. August 1944 während einer Frontfahrt von Kluges in den Kessel von Falaise die Funkverbindung zu Hitler für einen Tag lang völlig abgerissen war, argwöhnte dieser, der Feldmarschall sei zu den Alliierten übergelaufen, und entschloss sich, ihn als Oberbefehlshaber West auf der Stelle durch Generalfeldmarschall Walter Model zu ersetzen. Am 17. August 1944 erschien Model im Hauptquartier von Kluges und überbrachte ihm ein Handschreiben Hitlers. Dieses besagte, „die Beanspruchung durch die Schlacht für den Feldmarschall sei zu groß und daher ein Wechsel im Oberkommando wünschenswert". Der letzte Satz des Schreibens lautete ferner: „Feldmarschall von Kluge hat zu melden, nach welcher Gegend Deutschlands er zu gehen gedenkt." Daraufhin trat von Kluge den Oberbefehl an Model ab und schrieb Hitler einen Brief, in dem er sich gegen die Vorwürfe wandte, die Niederlage im Westen durch falsche Maßnahmen mit bewirkt zu haben. Auf dem Weg nach Deutschland setzte er aus Verzweiflung am 19. August 1944 vor dem Stadteingang von Metz/Lothringen seinem Leben durch eine Giftkapsel freiwillig ein Ende. Ein außerordentlich intelligenter Heerführer und ein sehr begabter Taktiker, neben Walter Model wohl einer der bedeutendsten Defensivstrategen der deutschen Wehrmacht, war tot. Generalfeldmarschall Günther von Kluge wurde in Böhne bei Rathenow, wo auch sein Familiengut stand beigesetzt. Noch im Jahre 1945 wurde dieses von den Sowjets vollständig zerstört.


Auszeichnungen

 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern
Bayerischer Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern
Mecklenburgisches Militärverdienstkreuz II. Klasse
Oldenburgische Verdienstmedaille für Rettung aus Gefahr
Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz
Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit der Kriegsdekoration
Österreiches Militärverdienstkreuz III. Klasse mit der Kriegsdekoration
Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938
Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938
Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Ritterkreuz am 30. September 1939
Eichenlaub am 18. Januar 1943 (181. Verleihung)
Schwerter am 29. Oktober 1943 (40. Verleihung)
Nennung im Wehrmachtbericht am 7. August 1941
Nennung im Wehrmachtbericht am 18. Oktober 1941
Nennung im Wehrmachtbericht am 19. Oktober 1941
Nennung im Wehrmachtbericht am 3. September 1943


Quellen

Peter Stockert, Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_von_Kluge Zugriff am 09.11.11
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... geGv-R.htm Zugriff am 09.11.11
http://www.ostdeutsche-biographie.de/klugha94.htm Zugriff am 09.11.11

Autor: Kurt Ralle