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Das Thema

 

Generalfeldmarschall Georg von Küchler

 

 

* 30. Mai 1881 auf Schloss Philippsruhe bei Hanau
† 25. Mai 1968 in Garmisch-Partenkirchen


Kaiserreich

 

Kaiserreich

Georg von Küchler wurde am 30. Mai 1881 auf Schloss Phillipsruhe bei Hanau/Hessen als Sohn eines hessischen Offiziers geboren. Nach dem er das Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt mit dem Abitur abgeschlossen hatte, trat von Küchler im März 1900 als Fahnenjunker in das 1. Großherzoglich Hessische Feldartillerieregiment Nr. 25 ein. Dort avancierte er am 18. August 1901 zum Leutnant. Bis 1907 blieb von Küchler in dieser Einheit in Darmstadt und wurde dann an die Militärreitschule Hannover versetzt. Dieses Kommando kam dem passionierten Reiter sehr entgegen. Er wurde hier am 18. August 1910 zum Oberleutnant befördert. Die nächsten drei Jahre verbrachte von Küchler an der Kriegsakademie. Als er diese erfolgreich beendet hatte, folgte im Frühjahr 1914 die Kommandierung in den Großen Generalstab. Hier wurde von Küchler in der topographischen Abteilung eingesetzt. Im Rahmen seiner Tätigkeit hielt er sich von April bis Juli 1914 erstmals in Ostpreußen auf. In Masuren hatte von Küchler in dieser Zeit militär-topographische Aufgaben zu erfüllen.

 

 

General der Artillerie von Küchler und Generaloberst von Bock nach der Einnahme von Paris im Juni 1940


Weimar

 

Weimarer Republik

Nach dem Krieg war von Küchler als Generalstabsoffizier der Brigade Kurland im Baltikum eingesetzt und nahm mit dieser an der Befreiung der lettischen Hauptstadt Riga teil. Danach wurde er in das Hunderttausend-Mann-Heer übernommen und kam nach Königsberg/Ostpreußen in den Stab des I. Armeekorps. Es folgte 1920 eine Versetzung in die Ausbildungsabteilung des Reichswehrministeriums in Berlin. Kurze Zeit später folgte eine Kommandierung als Taktiklehrer an die Kriegsschule München. Bereits 1922 folgte dann wieder ein Truppenkommando als Batteriechef im Artillerieregiment Nr. 5 in Ulm. Ab dem 1. April 1923 wurde von Küchler, unter gleichzeitiger Beförderung zum Major, an die Kommandantur nach Münster/Westfalen versetzt. Ein Jahr später folgte eine Kommandierung als Lehrer an die Infanterieschule Dresden. Im Jahr 1926 kam er dann als Chef des Stabes zum Inspekteur des Erziehungs- und Bildungswesens nach Berlin. Es folgte 1928 eine Versetzung als Lehrer an die Artillerieschule in Jüterbog. Dort avancierte von Küchler am 1. Januar 1929 zum Oberstleutnant und am 1. Mai 1931 zum Oberst. Am 1. Oktober 1932 wurde er zum Artillerieführer I in Königsberg ernannt.

 

 

Generaloberst von Küchler besichtigt im August 1941 die Stadt Reval/Estland vom Berg beim Gerichtsgebäude aus.


NS-Staat

 

Nationalsozialismus

In dieser Eigenschaft wurde von Küchler am 1. April 1934 zum Generalmajor befördert. Im Oktober 1934 übernahm er dann das Kommando über die ostpreußische 1. Infanteriedivision. Bereits am 1. April 1935 gab von Küchler sein Kommando wieder ab und wurde dafür zum Inspekteur der Kriegsschulen im Reichswehrministerium ernannt. Am 1. Dezember 1935 avancierte er in dieser Funktion zum Generalleutnant. Im August 1936 wurde von Küchler stellvertretender Präsident des neugeschaffenen Reichskriegsgerichts. Am 1. April 1937 wurde er zum General der Artillerie befördert und kehrte als Kommandierender General des I. Armeekorps nach Ostpreußen zurück. Da Ostpreußen seit 1919 vom Deutschen Reich abgetrennt war, galt es im Falle eines bewaffneten Konflikts als besonders gefährdet. Daher wurden immer nur überdurchschnittlich qualifizierte Generale mit dem militärischen Kommando über diese Region betraut. Am 23. März 1939 wurde das Memelland dem Deutschen Reich wieder angegliedert. Deshalb rückten unter dem Kommando von Küchler stehende Soldaten des I. Armeekorps über die Tilsiter Brücke nach Memel ein. Mit der Mobilmachung 1939 wurde in Ostpreußen die 3. Armee gebildet, der das I. und XXI. Armeekorps sowie das Generalkommando Wodrig unterstellt wurden.

 

 

Generalfeldmarschall Ritter von Leeb und Generaloberst von Küchler im Gespräch mit einem Offizier im September 1941 an der Front bei Krasnoje Selo.


2.Weltkrieg

 

Zweiter Weltkrieg

Am 1. September 1939 wurde von Küchler zum Oberbefehlshaber der 3. Armee ernannt und er führte diese erfolgreich im Polenfeldzug. Seine Soldaten erstürmten bereits am 3. September die Festung Graudenz und vollendeten einen Tag später den Durchbruch im Raum Mlawa-Chorzela (dt. Mielau). Am 11. September 1939 erhielt von Küchler die Wiederholungsspange zum EK II von 1914. Nachdem die 3. Armee die Flüsse Narew und Bug überschritten und Warschau im Osten umgangen hatten, fanden seine Verbände Anschluss an die aus Schlesien vorgestoßene 10. Armee. Damit war der Ring um Warschau geschlossen und das Schicksal Polens praktisch besiegelt. Daraufhin erhielt er am 22. September 1939 die Wiederholungsspange zum EK I von 1914. Nach viertägigen Luft- und Artillerieschlägen musste die polnische Hauptstadt schließlich am 27. September 1939 kapitulieren. Während des Polenfeldzuges hatte von Küchler für den 23. September 1939 eine Trauerfeier angeordnet, die dem am Vortag gefallenen ehemaligen Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst Freiherr von Fritsch galt. In seiner Ansprache machte er Anspielungen auf Urheber einer Intrige, die angeblich von Fritschs Entlassung 1938 zum Ziel gehabt hatten. Dies führte zu seiner Amtsenthebung. Trotzdem erhielt Georg von Küchler für seine in Polen bewiesene erfolgreiche Truppenführung am 30. September 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Nach dem Einspruch des Oberbefehlshabers des Heeres Generaloberst von Brauchitsch gegen seine Suspendierung, erhielt er nach kurzer Zeit in der Führerreserve, am 5. November 1939 erneut Verwendung als Oberbefehlshaber der im Westen stehenden 18. Armee. Mit der im Norden der Westfront den rechten Flügel der Heeresgruppe B bildenden 18. Armee, rückte von Küchler am 10. Mai 1940 in Holland ein. In fünftägigen harten Kämpfen brach er den Widerstand der tapferen Niederländer, eroberte Rotterdam und erzwang am 14. Mai 1940 Hollands Kapitulation. Anschließend brachte von Küchler die belgische Hafenstadt Antwerpen in deutsche Hand, verfolgte den weichenden Gegner bis Dünkirchen und drehte dann in Richtung Paris ab. Hier rückten seine Regimenter am 14. Juni 1940 mit klingendem Spiel ein und paradierten auf dem berühmten Champs-Élysées an ihm vorbei. Am 19. Juli 1940 wurde er zum Generaloberst befördert. Auch im Ostfeldzug ab Juni 1941 führte von Küchler die 18. Armee im Verband der Heeresgruppe Nord in schweren Kämpfen bis vor die Tore Leningrads. Am 21. Oktober 1941 wurde er namentlich in einer Sondermeldung zum Wehrmachtsbericht genannt: "Hand in Hand mit diesen Operationen stieß die Armee des Generaloberst von Küchler westlich des Peipussees in breiter Front bis zur Küste des Finnischen Meeres vor." Er befreite dabei Litauen, Lettland, Estland und leitete anschließend die verlustreichen und schweren Abwehrkämpfe während des Winters 1941/42.

 

 

Generalfeldmarschall Ritter von Leeb und Generaloberst von Küchler im Oktober 1941 auf einer vorgeschobenen Beobachtungsstelle der Artillerie

Angesichts dieser erneuten Bewährung wurde ihm ab dem 17. Januar 1942 die Führung über die Heeresgruppe Nord anvertraut, nachdem der vorherige Oberbefehlshaber Generalfeldmarschall Ritter von Leeb den Befehl niedergelegt hatte. Zwei Jahre lang führte von Küchler in seiner ruhigen und sachlichen, auch der Initiative von unten Raum gebenden Art die Heeresgruppe Nord. Die Namen Leningrad, Wolchow, Ilmensee und Demjansk werden für immer mit dieser Heeresgruppe verbunden bleiben. Am Wolchow gelang es ihm, die über den Fluss eingebrochenen Sowjets abzuschnüren und bis Mitte Juni 1942 zu vernichten. Georg von Küchler bewährte sich in der Folgezeit so sehr als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, dass er am 30. Juni 1942 vonHitler„in dankbarer Würdigung seiner Verdienste um die Abwehr und Vernichtung der zum Entsatz von Leningrad in breiter Front angesetzten bolschewistischen Armeen, sowie in Anerkennung der heldenhaften Leistungen der unter seinem Befehl kämpfenden Truppen“ zum Generalfeldmarschall befördert wurde. Mit jedem Truppenteil bekannt, mit den Divisionen und sogar den Regimentern eng verbunden, durchstand er auch in den Jahren 1942 und 1943 schwerste Abwehrkämpfe mit großem Erfolg. Am 12. August 1943 wurde er namentlich im Wehrmachtsbericht genannt: "In der dritten Schlacht südlich des Ladogasees haben die unter Führung des Generalfeldmarschalls Küchler, des Generalobersten Lindemann und des Generals der Infanterie Wöhler stehenden deutschen Truppen, unterstützt von den durch General der Flieger Korten geführten Luftwaffenverbänden, in der Zeit vom 22. Juli bis 6. August den Ansturm der 8. und 67. sowjetischen Armee in heldenmütigen Kämpfen abgeschlagen und damit die Durchbruchsabsichten des Feindes vereitelt." Dafür erhielt Georg von Küchler am 21. August 1943 als Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord das 273. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. In den Folgemonaten musste er mehr als zwölf Divisionen nach und nach abgeben und unter seinen verbliebenen 40 Divisionen befand sich schließlich keine einzige Panzerdivision mehr. Anfang Januar 1944 stand seine Heeresgruppe in einer 750 Kilometer langen Abwehrfront von der Düna nordwestlich von Witebsk über den Ilmensee bis an die Küste westlich von Leningrad. Auf seinem Südflügel auf Riga, in der Mitte beiderseits des Ilmensees und an der Küste beiderseits Peterhofs befürchtete von Küchler sowjetische Durchbruchversuche. Vergeblich forderte er von Hitler die Genehmigung zur Zurücknahme der Front auf die 250 Kilometer kürzere Pantherstellung am Peipussee. Am 29. Januar 1944 wurde die Heeresgruppe Nord von den zahlenmäßig übermächtigen angreifenden Sowjets zum Rückzug in die Luga-Stellung gezwungen. Hitler enthob daraufhin von Küchler seines Kommandos. Während der letzten beiden Kriegsjahre fand er danach keine Verwendung mehr.

 

 

Generalfeldmarschall Georg von Küchler


Nachkriegszeit

 

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende 1945 wurde von Küchler von den US-Amerikanern gefangengenommen und 1946 nach Nürnberg gebracht. Hier wurde ihm zusammen mit anderen ehemals führenden deutschen Militärs der Prozess gemacht. Aufgrund zweifelhafter Beweise im Anklagepunkt 12 („kriegsvorbereitende Maßnahmen des OKW“) wurde er im Oktober 1948 schuldig gesprochen und vom Internationalen Militärtribunal im sogenannten „OKW-Prozess“ zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der gebildete, literarisch interessierte von Küchler trug sein Schicksal mit der ihm eigenen Gelassenheit. Er fühlte sich frei von persönlicher Schuld und äußerte sein Selbstverständnis vor den Nürnberger Richtern mit folgenden Worten: „Bisher hat wohl noch kein Soldat dieser Welt unter solchen Erschwernissen und in solcher Tragik zu kämpfen gehabt. Wir sind Soldaten, die ihr Soldatentum unter den Wirrnissen einer diktatorischen Gewalt hochgehalten haben!“ Seine Haftstrafe wurde später auf 12 Jahre reduziert. Im Alter von 72 Jahren wurde von Küchler am 18. Februar 1953 dann aber doch schon nach fünf Jahren Haft vorzeitig entlassen. Er lebte danach völlig zurückgezogen bei seiner Familie in Garmisch-Patenkirchen/Bayern, wo er am 25. Mai 1968 im Alter von 87 Jahren verstarb.


Auszeichnungen

 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse am 20. November 1914
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse am 8. August 1915
Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern
Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichs-Ordens mit Schwertern
Hanseatenkreuz Hamburg
Friedrich-Kreuz
Hessische Tapferkeitsmedaille
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Medaille zur Erinnerung an die Heimkehrer des Memellandes
Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse am 11. September 1939
Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse am 22. September 1939
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Ritterkreuz am 30. September 1939
Eichenlaub am 21. August 1943 (273. Verleihung)
Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42
Nennung im Wehrmachtbericht am 21. Oktober 1941
Nennung im Wehrmachtbericht am 12. August 1943


Quellen

Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Peter Stockert, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_K%C3%BCchler Zugriff am 21.02.11
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... hlerGv.htm Zugriff am 21.02.11

Autor: Kurt Ralle