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Das Thema

 

Friedrich Paulus
Generalfeldmarschall

 

 

* 23. September 1890 in Breitenau/Hessen-Nassau
† 1. Februar 1957 in Dresden


Kaiserzeit

 

Kaiserzeit

Friedrich Wilhelm Ernst Paulus wurde am 23. September 1890 in Breitenau, Kreis Melsungen/Hessen, als Sohn eines Kreisverwaltungsinspektors geboren. Nach dem Umzug seiner Familie nach Kassel schloss er seine Schullaufbahn 1909 am dortigen Wilhelmsgymnasium mit dem Abitur ab. Danach bewarb sich Paulus als Offiziersanwärter bei der Kaiserlichen Marine. Diese lehnte ihn jedoch ab, weil er den dortigen hohen Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit nicht entsprach und aus einer einfachen Familie stammte. Paulus entschloss sich deshalb an der Philipps-Universität Marburg Rechts- und Staatswissenschaften zu studieren. Nach nur einem Semester brach er das Studium ab und trat am 18. Februar 1910 als Fahnenjunker in das Infanterieregiment „Markgraf Ludwig Wilhelm“ (3. Badisches) Nr. 111 in Rastatt ein. Bereits am 18. Oktober 1910 avancierte Paulus zum Fähnrich. Nach dem Besuch der Kriegsschule für Offiziersanwärter in Engers im Rheinland wurde er am 15. August 1911 mit einem Rangdienstalter vom 20. August 1909 zum Leutnant befördert. Im Jahr 1912 heiratete Paulus die rumänische Adlige Elena Rosetti-Solescu, deren beide Brüder im selben Regiment dienten. Ab Anfang 1913 diente er als Zugführer in der 7. Kompanie. Im Oktober 1913 wurde ihm, als Auszeichnung für Fleiß und Gewissenhaftigkeit im Dienst, der Posten des Adjutanten des 3. Bataillons übertragen.

 


1. Weltkrieg

 

Erster Weltkrieg

In dieser Dienststellung zog Paulus im August 1914 in den Ersten Weltkrieg. Sein Regiment verlegte am 6. August 1914 nach Freiburg i. Br. und wenig später in den Westfronteinsatz. Hier wurden sie zunächst zur Unterstützung der deutschen Truppen eingesetzt, die unmittelbar nach Kriegsbeginn von der Französischen Armee auf das rechte Rheinufer zurückgeworfen worden waren. Die Franzosen hatte durch die Vogesen Mülhausen erreicht und einen großen Teil des Oberelsaß besetzt. Die Kämpfe um die Befreiung des Sundgaus begannen am 9. August 1914 und bereits am 13. August 1914 wurde Belfort von deutschen Truppen besetzt. Zwei Tage später wurde das Rastatter Regiment nach Straßburg verlegt. Bei Saarburg erlitt der Verband, bei wiederholten Sturmangriffen gegen französische Stellungen, schwere Verluste, konnte aber anschließend die Verfolgung der flüchtenden Feindkräfte aufnehmen. Mitte September wurde das Regiment in die Region Nancy–Metz verlegt, von wo aus es zwischen den französischen Festungen Toul und Verdun nach Westen vorstoßen sollte. Dieser Plan war nicht von Erfolg gekrönt, denn der Durchbruch misslang. Am 8. Oktober 1914, mittlerweile im Einsatz zwischen Lille und Arras, wurde Paulus krank und es dauerte bis zum Sommer 1915 bis er wieder voll verwendungsfähig war. Zunächst wurde Paulus als Ordonnanzoffizier beim Regimentsstab des preußischen Jägerregiments 2 eingesetzt. In diesem Regiment stieg er im Mai 1916, mittlerweile zum Oberleutnant befördert, zum Regimentsadjutanten auf. Das Regiment wurde im Rahmen des im Mai 1915 neu aufgestellten Deutschen Alpenkorps zunächst in Südtirol zur Verteidigung der Grenze Österreich-Ungarns gegen Italien eingesetzt. Im Oktober 1915 kam es nach Serbien und stand im Februar 1916 in Mazedonien. Wenig später kämpfte Paulus mit seinem Regiment an der Westfront, zunächst von März bis Mai 1916 in der Champagne und dann bis August 1916 in der Schlacht um Verdun. Es folgten bis zum September 1916 die Teilnahme an den Kämpfen in den Argonnen und danach der Einsatz in Siebenbürgen als Unterstützung der k. u. k. - Truppen gegen Rumänien. Dort blieb er, von einem kurzen Einsatz in den Vogesen von Mai bis Juli 1917 abgesehen, bis zum September 1917. Danach wurde Paulus mit seinem Regiment an der Isonzofront eingesetzt bis es im Frühjahr 1918 nach Flandern verlegte. Er war unterdessen für das Nachrichtenwesen zuständiger Ic-Offizier seines Korps. Im Mai 1918 wurde Paulus in den Stab des Reserve-Regiments 48 versetzt, welches aber nicht mehr zum Einsatz kam. Für seine Leistungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Eisernen Kreuz (1914) II. und I. Klasse.

 

 

Lagebesprechung im Juni 1942 bei der Heeresgruppe Süd in Poltawa, v.l. Generalmajor Adolf Heusinger, General der Panzertruppe Friedrich Paulus, General der Infanterie Georg von Sodenstern und Adolf Hitler


Weimar

 

Weimarer Republik

Nach Kriegsende im November 1918 versah Paulus seinen Dienst zunächst als Angehöriger eines Freikorps beim Grenzschutz Ost. Danach wurde er mit einem Rangdienstalter vom 20. September 1918 als Hauptmann in die Vorläufige Reichswehr übernommen. An der Technischen Hochschule Berlin nahm Paulus an einem Vermessungskurs teil und wurde danach zum Stab des Reichswehrgruppenkommandos 2 nach Kassel versetzt. Bereits damals erhielt er als Generalstabsoffizier eine hervorragende Beurteilung und man sagte ihm eine große Zukunft als Taktiker und Militärwissenschaftler voraus. 1920 wurde Paulus in Konstanz Regimentsadjutant des 14. Infanterieregiments. Er sympathisierte mit den Kapp-Putschisten, konnte aber seine Karriere dennoch zielstrebig fortsetzen. Von 1923 bis 1927 versah Paulus seinen Dienst im Stab des Artillerieführers V in Stuttgart. Danach führte er eine Kompanie des 13. (württembergischen) Infanterieregiments. Hier lernte Paulus Erwin Rommel kennen, der Kompaniechef der 4. Maschinengewehrkompanie war. Anfang 1929 versah er seinen Dienst als Major im Stab der 5. Infanteriedivision in Stuttgart. Danach war Paulus bis 1931 als Taktiklehrer in der Division tätig und machte in dieser Funktion durch seine operative Begabung auf sich aufmerksam. Im Februar 1931 wurde er an die Kriegsschule nach Berlin versetzt. Hier wurde Paulus als Lehrgangsleiter für Taktik und Kriegsgeschichte in der Offiziersausbildung eingesetzt.


NS-Staat

 

Nationalsozialismus

Am 1. Juni 1933 avancierte er zum Oberstleutnant. Im April 1934 wurde Paulus zum Kommandeur der Kraftfahrabteilung 3 in Wünsdorf nahe Berlin berufen. Während des sog. Röhm-Putsches wurde er mit seinem Verband zwar in Alarmbereitschaft versetzt, kam jedoch nicht zum Einsatz. Die 1935 wieder eingeführte Wehrpflicht sowie die verstärkte Aufrüstung fanden ausdrücklich Zustimmung im Offizierskorps. Auch Paulus profitierte von dieser Entwicklung, als er am 1. Juni 1935 zum Oberst befördert und im September zum Chef des Generalstabs der Kraftfahrtruppen ernannt wurde. Hier war er maßgeblich am Aufbau und an der Entwicklung der deutschen Panzerwaffe beteiligt. Im Februar 1938 wurde das XVI. Armeekorps (mot.) in Berlin aufgestellt und Paulus zum Chef des Generalstabs unter dem Oberbefehl Generalleutnant Erich Hoepners ernannt. Am 1. Januar 1939 folgte seine Beförderung zum Generalmajor. Mit der Mobilmachung 1939 wurde er zum Chef des Stabes im Gruppenkommando 4 in Leipzig ernannt.

 

 

Paulus bei einer Lagebesprechung mit einem seiner Offiziere


2. Weltkrieg

 

Zweiter Weltkrieg

Bei Kriegsbeginn im September 1939 avancierte Paulus zum Chef des Generalstabes der neuaufgestellten 10. Armee. Als rechte Hand von Oberbefehlshaber General der Artillerie Walter von Reichenau nahm er am Polenfeldzug teil. Sein Verband rückte als Teil der Heeresgruppe Süd über Częstochowa, Kielce, Radom und Lublin bis nach Warschau vor. Dabei erwarb sich Paulus am 21. September 1939 die Wiederholungsspange zum EK II und am 27. September 1939 jene zum EK I. Am 10. Oktober 1939 folgte die Umbenennung der 10. Armee in 6. Armee. Mit dieser nahm er ab dem 10. Mai 1940 als Chef des Generalstabes am Westfeldzug teil. Hier rückte sein Verband über Lüttich, Flandern, Lille, die Somme, Oise, Aisne, Marne und Seine nach Orléans vor. Danach über die Loire bis an die Kanalküste in der Normandie, die sein Verband Ende Juli 1940 erreichte. Nach dem siegreichen Ende im Westen wurde Paulus am 1. August 1940 zum Generalleutnant befördert. Am 3. September 1940 trat er seine neue Stelle als Oberquartiermeister I beim Generalstab des Heeres an. Damit war Paulus als Stellvertreter des Generalstabschefs Franz Halder der dritthöchste Soldat des Heeres. Über ihm standen nur noch Halder und der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch. Erste Operationsstudien für den Angriff auf die Sowjetunion, das Unternehmen Barbarossa, den Hitler befohlen hatte, lagen bereits vor. Er übernahm nun die detaillierte Ausarbeitung des operativen Vorgehens. Auch hierbei erwies sich Paulus als ein überaus gewissenhafter Generalstabler, denn er erkannte die Notwendigkeit eines schnellen Vorstoßes mit dem Ziel der Eroberung Moskaus. Um die Sowjetunion schnell niederwerfen zu können, war es nach seinem Dafürhalten notwendig, mit schnellen Panzerverbänden vorzustoßen und zu verhindern, dass kampfkräftige feindliche Verbände in die Weite des Raumes abziehen konnten. Für den Fall, dass dieser Plan nicht gelang, sah der Generalstab einen lange dauernden Krieg voraus, dem die Wehrmacht schwerlich gewachsen wäre. Am 18. Dezember 1940 gab Hitler den Befehl, den Angriff in die Wege zu leiten. Im ersten Halbjahr 1941 war Paulus an den Verhandlungen mit den deutschen Verbündeten für den Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt. Sein Anteil an der Vorbereitung des Unternehmen Barbarossa beschränkte sich somit nicht nur auf Planspiele, sondern auch die aktive Abstimmung mit den anderen Partnern der Achse. Am 22. Juni 1941 begann der Feldzug gegen die Sowjetunion. Nach anfänglichen großen Erfolgen der deutschen Truppen geriet der Vormarsch ab Oktober 1941 durch das Hereinbrechen der Schlammperiode ins Stocken. Am 3. Dezember 1941 wurde Walter von Reichenau als Oberbefehlshaber der 6. Armee zum Chef der Heeresgruppe Süd ernannt. Er wünschte sich seinen früheren Untergebenen, zur eigenen Entlastung, auf den Posten des Oberbefehlshabers der 6. Armee. Tatsächlich wurde Paulus am 5. Januar 1942 unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Panzertruppe dazu ernannt. Er trat seinen Posten allerdings erst an, nachdem Generalfeldmarschall Walter von Reichenau am 17. Januar 1942 überraschend an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben war. Doch seine Nominierung stieß auch auf Kritik, denn es waren nicht nur dienstältere Offiziere übergangen worden, sondern Paulus verfügte auch kaum über Kommandoerfahrung. Er hatte noch nicht einmal eine Division oder ein Armeekorps geführt und bekam nun Befehlsgewalt über eine ganze Armee mit rund 300.000 Mann. Die Angriffe der Roten Armee nördlich von Charkow seit Mitte Januar 1942 konnte die 6. Armee erfolgreich abweisen. Am 12. Mai begannen die Sowjets einen massiven Großangriff. Paulus bewährte sich und ging siegreich aus den ersten beiden Schlachten hervor. Den eigenen Verlusten von 20.000 Mann, standen knapp 240.000 gefangengenommene Rotarmisten gegenüber. Damit verstummten alle seine Kritiker, die ihm vorgeworfen hatten, keine Ahnung von der Führung einer Armee zu haben.

 

 

Bei einer Befragung durch die Sowjets, nach der Kapitulation im Januar 1943


Nach diesen militärischen Erfolgen waren die Sowjets soweit geschwächt, dass die Operation Blau, der Angriff auf das Donezbecken und den Kaukasus beginnen konnte. Am 23. Juli bekam die 6. Armee den Auftrag, anders als ursprünglich geplant, allein gegen Stalingrad zu marschieren, während die Masse der deutschen Truppenverbände weiter im Südabschnitt gegen den Kaukasus vorstieß. Paulus warnte noch am 29. Juli den persönlichen Adjutanten Hitlers, dass die 6. Armee zu schwach sei, um allein die Stadt einzunehmen. Er erhielt aber nur die Zusage einer gewissen Unterstützung durch Verbände der am Südflügel der 6. Armee stehenden 4. Panzerarmee. Bereits jetzt bestanden erhebliche Nachschubschwierigkeiten, unter anderem auch wegen der Unschlüssigkeit Hitlers, so dass sich die Überquerung des Dons durch die 6. Armee um acht Tage verzögerte. Damit hatte die Roten Armee genug Zeit, um sich nach Stalingrad zurückzuziehen und die Stadt zu befestigen. In den folgenden Wochen versuchte die 6. Armee in harten Kämpfen der Lage Herr zu werden. Es konnte zwar ein Großteil der Stadt eingenommen werden, doch blieb die Fährstelle an der Wolga, der wichtigste Punkt in der Stadt, in sowjetischer Hand. Für seine Führerleistung in den vergangenen Monaten, erhielt der General der Panzertruppe Friedrich Paulus am 26. August 1942 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Am 4. September wurde dann das strategische Ziel erreicht, die Wolga als Verkehrsweg zu unterbrechen. Dennoch wurde der Kampf um die vollständige Eroberung Stalingrads weitergeführt. Es war auf beiden Seiten zu einer „Frage der Ehre“ geworden. Die 6. Armee hatte schon fast 90 Prozent des Stadtgebietes von Stalingrad erobert, als am 19. November 1942 die Sowjets mit drei Heeresgruppen angriffen. Sie rissen die Front zwischen Wolga und Don, bei den verbündeten Italienern und Rumänen, auf einer Breite von über einhundert Kilometern auf. Zwar hatte das Oberkommando des Heeres, den schwachen verbündeten Truppen, deutsche Einheiten als Korsettstangen eingezogen. Dennoch vermochte die 6. Armee nicht zu verhindern, dass sich schließlich am 23. November 1942 zwei sowjetische Stoßtruppen bei Kalatsch vereinigten. Nun war die 6. Armee umschlossen. Paulus verlangte Handlungsfreiheit. Er als Oberbefehlshaber, sein Stabschef Generalmajor Arthur Schmidt und die Kommandierenden Generale sahen den einzigen Ausweg in einem sofortigen Ausbruch nach Südwesten, bevor aus der lockeren Umstellung eine feste Einschließung geworden war. Am 24. November 1942 richtete Paulus ein Fernschreiben an Hitler und begründete darin seine Absicht auszubrechen. Als Antwort traf bei der 6. Armee folgender Befehl ein: „Die 6. Armee ist vorübergehend von russischen Kräften eingeschlossen. Ich beabsichtige, die Armee im Raume Stalingrad-Nord und Stalingrad-Süd zusammenzufassen. Die Armee darf überzeugt sein, dass ich alles tun werde, um sie entsprechend zu versorgen und rechtzeitig zu entsetzen. Ich kenne die tapfere 6. Armee und ihren Oberbefehlshaber und weiß, dass sie ihre Pflicht tun werden. Adolf Hitler“
Dieser Befehl, sollte das Schicksal der 6. Armee besiegeln. Hitler hatte ihn herausgegeben, nachdem Reichsmarschall Hermann Göring, in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Luftwaffe, die Luftversorgung der 6. Armee für durchführbar erklärt hatte. Für Paulus und seine noch kampfstarke Armee, gab es zu diesem Zeitpunkt wenig Anlass, an den Zusagen der Obersten Führung zu zweifeln. Schon im Winter 1941/42 waren deutsche Truppen eingeschlossen gewesen, 5000 Mann in Cholm und sechs Divisionen in Demjansk. Bis zu ihrer Befreiung von Außen, waren sie aus der Luft versorgt worden. Am 30. November 1942 wurde Paulus zum Generaloberst befördert. Sein Freund, General der Pioniere Jaenecke, Kommandierender General des IV. Armeekorps, verfügte infolge seiner vorherigen Stabsfunktionen, über fundierte Erfahrungen in der Logistik und über die militärische Versorgung des Heeres. So glaubte er, dass eine Luftversorgung über Stalingrad nicht machbar sei und nur ein Ausbruchsversuch größeres Übel abwenden könne. Da die Zeit gegen dieses Vorhaben arbeitete, forderte Jaenecke Paulus mehrmals energisch auf endlich zu handeln. Dieser konnte sich aber keine eigene Entscheidung abringen und verließ sich lieber auf die Versprechen der Obersten Führung. Das erzürnte Jaenecke: „Hau Deine Funkgeräte zusammen, handle selbständig, Du musst der Löwe von Stalingrad werden. Dein eigener Kopf gilt nichts gegen das Leben so vieler Soldaten.“ Doch Paulus blieb Entscheidungsunfähig bis es zu spät war. Die versprochene Versorgung durch die Luftwaffe erwies sich bald als Illusion. Die italienische 8. Armee, wurde am 18. Dezember 1942, von sowjetischen Verbänden, auf dem Südflügel der Heeresgruppe B überrollt. Dies brachte am 19. Dezember 1942 auch die Entsatzversuche des LVII. Panzerkorps, rund 50 Kilometer vor dem Ring um Stalingrad, zum erliegen. General Paulus forderte immer dringender Nachschub und Verstärkung an. Seine Bitten blieben jedoch unerfüllt. Im Kessel wurde die Verpflegung immer knapper. Ab dem 26. Dezember 1942 gab es pro Kopf nur noch 50 Gramm Brot am Tag.

 

 

Friedrich Paulus als Generalfeldmarschall


Am 8. Januar 1943 traf das erste sowjetische Kapitulationsangebot ein. Die 6. Armee war zwar nicht mehr voll kampffähig, konnte sich aber immer noch wehren und daher war die Reaktion von Paulus, seinem Stabschef und den kommandierenden Generälen ein klares „nein!“ Die Armee lag seit November 1942 in den eingenommenen Verteidigungsabschnitten, band starke sowjetische Kräfte und war bisher keinen außergewöhnlichen Großangriffen ausgesetzt. Eine Kapitulation kam daher nicht in Frage. Am 10. Januar 1943 begann um sechs Uhr morgens, mit 47 Divisionen der sowjetische Generalangriff. Mit 218.000 Soldaten, über 5000 Geschützen, 170 Panzern sowie 300 Flugzeugen wurde der Kessel von Westen her zusammen gedrückt. Die 6. Armee hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen. Am 14. Januar 1943 ging der Flugplatz Basargino und am 16. Januar 1943 der Flugplatz Pitomnik verloren. Die Verzweiflung der Eingeschlossenen erreichte ihren Höhepunkt und Tausende versuchten, vom noch verbliebenen Behelfsflugplatz Gumrak ausgeflogen zu werden. Der größte Teil der Armee flüchtete aber bereits in die Ruinenstadt von Stalingrad, die einen gewissen Schutz gegen die feindlichen Angriffe bot. Mitten in diesem Chaos wurde am 15. Januar 1943 Generaloberst Paulus, angesichts der Härte der Kämpfe das 178. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Als am 22. Januar der letzte Flughafen Gumrak verloren ging, funkte Paulus erkennbar verzweifelt und hilflos an das OKH: „Russe im Vorgehen in 6 km Breite beiderseits Woroponowo, zum Teil mit entrollten Fahnen nach Osten. Keine Möglichkeit mehr, Lücke zu schließen. Zurücknahme in Nachbarfronten, die auch ohne Munition, zwecklos und nicht durchführbar. Ausgleich mit Munition von anderen Fronten auch nicht mehr möglich. Verpflegung zu Ende. Über 12.000 unversorgte Verwundete im Kessel. Welche Befehle soll ich den Truppen geben, die keine Munition mehr haben und weiter mit starker Artillerie, Panzern und Infanteriemassen angegriffen werden? Schnellste Entscheidung notwendig, da Auflösung an einzelnen Stellen schon beginnt. Vertrauen zur Führung aber noch vorhanden.“ Als Folge dieses Funkspruchs verwendete sich auch der Vorgesetzte von Friedrich Paulus, Generalfeldmarschall Erich von Manstein gegenüber Hitler, für die Aufnahme von Kapitulationsverhandlungen. Hitler lehnte diese aber weiterhin strikt ab. Schon aus Gründen der Ehre, sei eine Kapitulation undenkbar. Paulus fügte sich und forderte seine Truppen weiter zum Durchhalten auf. Am 22. Januar 1943 verließ das letzte Flugzeug den Kessel von Stalingrad. Von nun an konnte die 6. Armee nur noch durch das Abwerfen von Nachschub versorgt werden, wobei der größte Teil verlorenging. Hunger, Kälte und Feindeinwirkung ließen die deutsche Stalingrad-Armee immer mehr zusammenschmelzen. Bis Ende Januar gelang es den Sowjets, den Kessel in einen nördlichen und einen südlichen Teil zu spalten. Paulus und sein Stab befanden sich im Univermag-Kaufhaus im Südteil. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend die Befehlsgewalt über seine Verbände verloren. Daher handelten einige seiner Kommandeure bereits in Eigeninitiative. Einige gingen mit ihren Truppenteilen in Gefangenschaft, versuchten auszubrechen, begingen Selbstmord oder suchten den Tod im feindlichen Feuer. Paulus aber hielt sich an den gegebenen Befehl, durchzuhalten. Am 29. Januar funkte er an Hitler: „An den Führer! Zum Jahrestage Ihrer Machtübernahme grüßt die 6. Armee ihren Führer. Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad. Unser Kampf möge den lebenden und kommenden Generationen ein Beispiel dafür sein, auch in der hoffnungslosesten Lage nie zu kapitulieren, dann wird Deutschland siegen. Heil mein Führer! Paulus, Generaloberst.“ Am Tag darauf folgte seine Beförderung zum Generalfeldmarschall, dies sollte ihm nochmals klar machen welches Verhalten von ihm in diesem Rang erwartet wurde. Am 31. Januar drangen morgens Truppen der Roten Armee in das Kaufhaus „Univermag" ein, wo sich im Keller das Hauptquartier der 6. Armee befand. Um 7.35 Uhr gab die dortige Funkstation ihre letzten beiden Meldungen ab: „Russe steht vor der Tür. Wir bereiten Zerstörung vor". Kurz darauf: „Wir zerstören". Offiziere aus dem Hauptquartier von General Michail Schumilow führten daraufhin mit General Arthur Schmidt die Übergabeverhandlungen, während sich Paulus in einem Nebenraum von seinem Adjutanten Oberst Wilhelm Adam informieren ließ. Er wurde anschließend in seinem eigenen Stabs-Mercedes zum Hauptquartier der Donfront bei Zawarykino gefahren, 80 km von Stalingrad entfernt. Mit ihm kapitulierte der Hauptteil seiner Truppen. Auch die Truppen im Nordkessel streckten am 2. Februar 1943 die Waffen.

 


Nachkriegszeit

 

Nachkriegszeit

Generalfeldmarschall Paulus schloss sich in der Kriegsgefangenschaft, unter dem Eindruck des 20. Juli 1944, dem „Bund deutscher Offiziere“ an. Dieser arbeitete im Rahmen des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ unter General Walther von Seydlitz-Kurzbach. Paulus unterschrieb nun Aufrufe gegen Hitler und den Krieg. Trotzdem erfolgte erst im November 1953 seine Entlassung aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in die DDR. Hier bewohnte er eine Villa in Dresden auf dem „Weißen Hirsch“ und arbeitete als Leiter des Kriegsgeschichtlichen Forschungsrates an der Hochschule der Kasernierten Volkspolizei. Am 1. Februar 1957 starb Paulus nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Friedhof von Dresden-Tolkewitz beigesetzt. Seine Urne wurde später in das Familiengrab auf dem Hauptfriedhof Baden-Baden umgebettet, an die Seite seiner bereits 1949 verstorbenen rumänischen Frau Elena. Von den einstmals 220.000 Soldaten der 6. Armee marschierten etwa 110.000 Überlebende in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Es war ein Marsch durch Eis und Schnee, ohne Verpflegung, ohne medizinische Versorgung und ausreichend Kleidung. So viele, die unter unvorstellbaren Bedingungen gekämpft, gehungert und gelitten hatten, starben nun beim Marsch durch die eisige Steppe. Nur zirka 6.000 Überlebende kehrten viele Jahre später aus Gefangenschaft und Zwangsarbeit zurück.

 


 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
Bayerischer Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern
Ritterkreuz II. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen mit Schwertern
Grossherzoglich Mecklenburg-Schwerinsches Militär-Verdienstkreuz II. Klasse und I. Klasse
Herzoglich Sachsen-Meiningisches Ehrenkreuz für Verdienst im Kriege
Österreichisches Militärverdienstkreuz III. Klasse mit der Kriegsdekoration
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938
Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 mit Spange Prager Burg
Verwundetenabzeichen (1939) in Schwarz
Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse
Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse
Medaille Winterschlacht im Osten 1941/42
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
Ritterkreuz am 26. August 1942
Eichenlaub am 15. Januar 1943 (178. Verleihung)
Finnisches Freiheitskreuz I. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern
Rumänischer Militärorden Michael der Tapfere III. bis I. Klasse

Nennung im Wehrmachtbericht am 30. Mai 1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 11. August 1942
Nennung im Wehrmachtbericht am 31. Januar 1943
Nennung im Wehrmachtbericht am 1. Februar 1943
Nennung im Wehrmachtbericht am 3. Februar 1943

 


Quellen

Peter Stockert, Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Paulus (Zugriff am 07.09.11)
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... ulus-R.htm /Zugriff am 07.09.11)

Autor: Kurt Ralle