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Das Thema

 

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben
 
Der ranghöchste Offizier des „Aufstands des Gewissens" am 20. Juli 1944


Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben grüßt mit seinem Marschallstab

 

* 4. Dezember 1881 in Breslau
† 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee


Kaiserreich

 

Kaiserreich

Erwin von Witzleben wurde am 4. Dezember 1881 in Breslau/Schlesien geboren. Sein Vater Georg von Witzleben, ein ehemaliger Hauptmann im Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiment Nr. 2, entstammte einer Familie des altpreußischen Schwertadels, die den Königen von Preußen jahrhundertelang tüchtige Offiziere gestellt hatte. Erwin von Witzleben wurde im preußischen Kadettenkorps erzogen und legte an der Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde sein Abitur ab. Am 22. Juni 1901 trat er als Leutnant in das Grenadierregiment „König Wilhelm (Nr. 7) in Liegnitz/Schlesien ein. Das war kein gewöhnliches Provinzregiment, was schon allein die Tatsache beweist, dass von seinen 51 Offizieren, die in der Rangliste von 1913 ausgewiesen sind, nur vier bürgerliche Namen trugen und zudem auch der Kaisersohn, Oberleutnant Prinz Oskar von Preußen, dort geführt wurde. In der Zeit von 1908 bis 1911 versah von Witzleben, am 16. Oktober 1910 zum Oberleutnant avanciert, als Adjutant beim Bezirkskommando Hirschberg seinen Dienst. Er zog im August 1914 als Adjutant der 19. Reserve-Infanteriebrigade in den Ersten Weltkrieg.

 

 
Karriere
 
Kadett - 1889
Leutnant - 1901
Hauptmann - 1919 (seit 1917)
Major - 1923
Oberstleutnant - 1929
Oberst - 1931
Generalmajor - 1934
Generalleutnant - 1934
General der Infanterie - 1936
Generalfeldmarschall - 1940

1914-1918 Generalstabsoffizier im Ersten Weltkrieg
1919-1938 verschiedene Truppen- und Stabskommandos der Reichswehr und der Wehrmacht
Kommandierender General des III. Armeekorps
Befehlshaber des Berliner Wehrkreises
Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 2
1939 Oberbefehlshaber der 1. Armee
1940 Oberbefehlshaber der Heeresgruppe D
1941Oberbefehlshaber West


1. Weltkrieg

 

Erster Weltkrieg

Im Oktober 1914 avancierte von Witzleben zum Hauptmann und war zunächst zwei Jahre lang als Kompaniechef beim Reserve-Infanterieregiment Nr. 6 eingesetzt. Er nahm an der ersten Erstürmung des Fort Vaux bei Verdun teil, kämpfte in der Champagne und in Flandern, erwarb sich dabei beide Eiserne Kreuze und führte schließlich im gleichen Regiment das II. Bataillon. Während seiner Zeit als Bataillonsführer wurde von Witzleben mit dem Hausorden von Hohenzollern ausgezeichnet und schließlich schwer verwundet. Nach seiner Genesung wurde er zunächst als Ordonnanzoffizier in der 9. Reservedivision verwendet und kam 1918 noch zur Generalstabsausbildung. Danach wurde von Witzleben zum Generalstab des Feldheeres versetzt und erlebte das Kriegsende im November 1918 als 1. Generalstabsoffizier (Ia) bei der 121. Division.


Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt gratuliert Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben zu seinem 40jährigen Militär-Dienstjubiläum im März 1941


Weimar

 

Weimarer Republik

Kurz darauf nahm er an den Grenzschutzkämpfen in Ober- und Mittelschlesien teil und 1919 an den Kämpfen gegen die Aufständischen im Ruhrgebiet. Danach wurde von Witzleben als Hauptmann und Kompaniechef in die neue Reichswehr übernommen. Hier kam er am 1. April 1923 als Major in den Stab der 4. Division nach Dresden und wurde 1926 in den Stab des Infanterieführers III nach Potsdam versetzt. 1928 folgte wieder ein Truppenkommando, als von Witzleben Bataillonskommandeur im Infanterieregiment Nr. 6 in Lübeck wurde. Bereits 1929 wurde er zum Oberstleutnant befördert und 1930 zum Chef des Stabes der 6. Division in Münster ernannt. Hier avancierte von Witzleben am 1. April 1931 zum Oberst und übernahm dann als Kommandeur das Infanterieregiment 8 in Frankfurt/Oder.


NS-Staat

 

Nationalsozialismus

 

„Mir hat der Kerl noch nie imponiert"
(Überlieferte Äußerung Witzlebens über Hitler)

Von hier aus wurde er am 1. Oktober 1933 als Infanterieführer VI nach Hannover versetzt. Mit seiner Beförderung zum Generalmajor am 1. Februar 1934 wurde von Witzleben, als Nachfolger von Generalleutnant Freiherr von Fritsch, Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis III (Berlin). In dieser Position stieg er im Dezember 1934 zum Generalleutnant auf und wurde nach der Einführung der deutschen Wehrhoheit im September 1935 ab dem 1. Oktober 1935 Kommandierender General des III. Armeekorps. Am 1. Oktober 1936 erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie. Im Sommer 1934 hatte der sogenannte Röhm-Putsch stattgefunden, der nicht nur mit der Ermordung aufsässiger SA-Führer, sondern auch mit der Liquidierung anderer Systemgegner, darunter der Generale Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow, endete. Hatte von Witzleben eine Zerschlagung der SA noch begrüßt und bis dahin dem Nationalsozialismus ablehnend gegenübergestanden, so wurde er jetzt zum Gegner. Auf Drängen seines Stabschefs Erich von Manstein wurde von Witzleben beim Chef der Heeresleitung, Generaloberst Freiherr von Fritsch, vorstellig und protestierte in scharfer Form gegen die Ermordung der prominenten Generale.
Sein Verhalten blieb bis zum Tod im August 1944 widersprüchlich. Während er sich auf der einen Seite als Gegner des Nationalsozialismus gerierte, sprach von Witzleben am 2. August 1934 als Kommandeur des Wehrkreiskommandos III auf einer Kundgebung im Berliner Lustgarten zum 20. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges: „In dieser Feierstunde geloben wir heute unserem Führer, dem Führer des deutschen Volkes und Reiches, Adolf Hitler, dem obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unverbrüchliche Treue, wie wir Soldaten in seiner Person und seinem Werk auf Gedeih und Verderb verbunden sind." Zwei Tage später, am 4. August, nahm er die Vereidigung der Soldaten seines Wehrkreiskommandos vor, indem von Witzleben persönlich vortrug und sich abschnittsweise von seinen Soldaten wiederholen ließ: „Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leiste und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen." Während er seine Untergebenen auf Treue zu Hitler verpflichtete und diese auch selber gelobte, knüpfte von Witzleben bereits Kontakte zu Carl Friedrich Goerdeler, Generaloberst Ludwig Beck, General Erich Hoepner, General Carl-Heinrich von Stülpnagel und Admiral Wilhelm Canaris. Der Hass dieser Männer auf die Führung des Dritten Reiches ging so weit, dass sie in Großbritannien um einen Krieg gegen das Deutsche Reich warben, in der Hoffnung, dass sich dadurch die NS-Regierung stürzen lasse. Damit war, schon bevor auch nur ein einziger deutscher Soldat auf Befehl Hitlers fremden Boden betreten hatte, die Grenze vom Hoch- zum Landesverrat überschritten. Insbesondere vor dem Hintergrund des Sudetenlandanschlusses von 1938 mutet von Witzlebens Haltung befremdlich an: Die Einkerkerung der Sudetendeutschen in dem tschechisch dominierten Vielvölkerstaat Tschechoslowakei, ihre Entrechtung und Unterdrückung sind eine Tatsache, die sogar die alliierten Initiatoren dieser Staatsgründung von 1919, England und Frankreich, zum Einlenken veranlasste. Aber von Witzleben und seine Mitverschwörer hofften inständig auf eine antideutsche Haltung Englands und konspirierten dafür in London. Sie wollten einen eventuellen Schlag Hitlers gegen Prag zum Anlass eines Militärputsches nehmen und warteten während der Sudetenkrise sehnsüchtig auf ein Ultimatum Englands. Man tut sich schwer, diesen Männern abzunehmen, dass ihr Widerstand gegen Hitler der Abwendung einer drohenden Kriegsgefahr dienen sollte; denn sie arbeiteten aktiv für einen Krieg gegen das Deutsche Reich, um eine immerhin demokratisch gewählte und in Reichstagswahlen und Volksabstimmungen 1936 und 1938 legitimierte Regierung zu beseitigen. Am 10. November 1938 wurde von Witzleben als Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 2 nach Frankfurt/Main versetzt, dem die Sicherung der Westgrenze unterstand und aus dem bei Kriegsausbruch das Armeeoberkommando 1 gebildet wurde.


Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben begrüßt Nachrichtenhelferinnen


2. Weltkrieg

 

Zweiter Weltkrieg

Am 3. September 1939 wurde ihm der Oberbefehl über die zwischen Mosel und Rhein eingesetzte 1. Armee übertragen, während der einstige Chef der Heeresleitung, Generaloberst a.D. Kurt Freiherr von Hammerstein-Equordt, vorübergehend mit der Führung der benachbarten Armeegruppe A betraut war. Diese Verbände hatten zunächst während des Polenfeldzuges den im Osten kämpfenden Truppen den Rücken freizuhalten und die Westgrenze zu sichern. Am 1. November 1939 wurde von Witzleben zum Generaloberst befördert. Nachdem bereits am 10. Mai 1940 die deutschen Truppen im Westen zum Angriff angetreten waren, durchstieß seine 1. Armee erst am 14. Juni 1940 im Raum St. Avold-Saarbrücken die als unüberwindbar geltende Maginotlinie und trug mit dazu bei, dass die gegnerischen Divisionen zwischen Nancy und Beifort eingekesselt wurden und schließlich am 17. Juni 1940 ihre Kapitulation anbieten mussten. Dafür wurde Generaloberst Erwin von Witzleben am 26. Juni 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert. Am 26. Oktober 1940 übernahm er den Oberbefehl über die neuaufgestellte Heeresgruppe D und ab dem 15. März 1941 auch noch die Geschäfte eines Oberbefehlshaber West. Bereits am 30. April 1942 wurde von Witzleben aber aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand verabschiedet. Damit war seine militärische Karriere beendet. Er zog sich danach auf seinen Besitz zurück und hielt mit den Widerstandskreisen innerhalb des Heeres weiterhin engen Kontakt. Ihm war im Sommer 1944 eine wichtige Schlüsselstellung bei dem geplanten Militärputsch zugedacht. So fiel die Bitte, von Witzleben solle den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht übernehmen und die Grundbefehle über den Ausnahmezustand unterschreiben, bei ihm auf fruchtbaren Boden. Erst am 19. Juli 1944 erfuhr er von dem unmittelbar bevorstehenden Staatsstreich. Am 20. Juli 1944 legte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe in die Lagebaracke des Führerhauptquartiers „Wolfschanze", die explodierte, nachdem von Stauffenberg die Baracke verlassen hatte.


Erwin von Witzleben vor dem "Volksgerichtshof" im August 1944

"In drei Monaten zieht sie das gequälte Volk zur Rechenschaft!"
(Sein Schlußwort Witzlebens vor dem obersten Richter des Volksgerichtshofes Freisler)

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, der sich am 20. Juli 1944 kurz vor 20 Uhr zur Übernahme seines neuen Amtes im Gebäude des Oberkommandos der Wehrmacht in der Berliner Bendlerstraße eingefunden hatte, wusste bereits durch ein Gespräch im Hauptquartier des Generalstabes in Zossen vom Scheitern des Bombenattentats. In der Bendlerstraße meldete er sich bei Generaloberst Beck und zog sich dann mit ihm zur Beratung zurück. Schnell erkannte von Witzleben das völlige Fiasko und verließ nach 45 Minuten zornig den Bendlerblock, seines Schicksals gewiss. Oberst Graf von Stauffenberg wurde zusammen mit anderen Offizieren in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks von eigenen Mitverschwörer-Kameraden standrechtlich erschossen. Wie die meisten am Putsch beteiligten Offiziere wurde auch Erwin von Witzleben vor den „Ehrengerichtshof der deutschen Wehrmacht" gestellt, dem unter anderen die Generalfeldmarschälle Keitel und von Rundstedt sowie Generaloberst Guderian angehörten, und „mit Schande" aus der Wehrmacht ausgestoßen. Mit von Witzleben teilten 54 weitere Offiziere dieses Schicksal, darunter zehn Generale und 32 Stabsoffiziere. Die nächste Station der Rache des NS-Regimes war der Schauprozess vor dem sogenannten „Volksgerichtshof" unter Vorsitz des ehemaligen Kommunisten und jetzigen nationalsozialistischen Fanatikers Roland Freisler, wo von Witzleben am 7. August 1944 zur ersten Anklagegruppe gehörte. Das widersprüchliche Verhalten welches von Witzleben an den Tag legte, setzte sich im Prozess fort. Die Verhandlung begann gleich mit einem Eklat, als von Witzleben den Hitlergruß entbot, was Freisler sich verbat, da von Witzleben „ehrlos" sei und dieser Gruß nur „ehrenhaften Volksgenossen" zustünde. Andererseits bekannte von Witzleben sich zu seinen Handlungen. Die von Freisler gewählte Form der Verhandlungsführung wurde von den meisten Beobachtern als abstoßend empfunden. So herrschte er von Witzleben an: „Sie schmutziger alter Mann, was haben Sie immer an Ihrer Hose herumzufummeln?", weil dieser seine Hose festhalten musste, nachdem man ihm in der Haft Träger und Gürtel abgenommen hatte. Am 8. August 1944 fällte Freisler das erwartete Urteil: Tod durch Erhängen. Das Urteil wurde noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee vollstreckt.


Auszeichnungen


 
Auszeichnungen
 
Eisernes Kreuz (1914) II. Klasse
Eisernes Kreuz (1914) I. Klasse
Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern
Bayerischer Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern
Hanseatenkreuz Hamburg
Reußisches Ehrenkreuz III. Klasse mit Schwertern und mit Krone
Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz
Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 24. Juni 1940


Quellen

Peter Stockert, Die deutschen Generalfeldmarschälle und Großadmirale 1936-1945, Pour le Mérite, ISBN 978-3-932381-47-8

http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_von_Witzleben Zugriff am 21.12.11
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Per ... winv-R.htm Zugriff am 21.12.11

Autor: Kurt Ralle