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Portrait

Walther Schwieger

(07.04.1885 – 05.09. 1917)

 

 

Frühe Jahre

Frühe Jahre



Walther Schwieger wurde am 7. April 1885 als Sohn einer angesehenen Familie in Berlin geboren. Über seine frühen Jugendjahre ist wenig bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass er sich bereits früh für die Seefahrt interessierte, da er bereits 1903, also mit 18 Jahren, in die Kaiserliche Marine eintrat. 1904 zum Fähnrich z.S. und 1906 zum Leutnant befördert, ließ er sich 1911 in die noch junge Kaiserliche U-Boot-Waffe versetzen. Dort übernahm er 1912 sein erstes eigenes Kommando, das Zweihüllen-Hochseeboot (Klasse: UA) S.M. U 14. Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Kapitänleutnant befördert, wurde er am 16. Dezember 1914 Kommandant von S.M. U 20 (Klasse: U 19 - U 22), also des Bootes, das er den Großteil des Krieges führte.

Die Lusitania

ie Versenkung der Lusitania

 

Es geschah am frühen Nachmittag des 7. Mai 1915 an der Südküste Irlands – zwei Feinde trafen aufeinander.

Auf der einen Seite: Der britische Passagierdampfer RMS Lusitania unter dem Kommando von Kapitän William Turner. Das Schiff hatte die Überfahrt über den Atlantik fast geschafft, und man bereitete sich schon auf die Einfahrt in den Zielhafen Liverpool vor. Der Kapitän hatte allerdings die Geschwindigkeit des Schiffs auf 18 kn verringern lassen (womit er sich jedoch seinen Befehlen widersetzte); einerseits, da er in dem dichten Nebel, der seit dem Morgen aufgezogen war, eine Kollision befürchtete, andererseits, weil er bei einer günstigeren Gezeitenlage den Hafen erreichen wollte, um keinen Lotsen mit an Bord nehmen zu müssen (er wollte dies deshalb nicht tun, da für die Aufnahme des Lotsen das Schiff stoppen bzw. extrem langsam fahren musste und er dachte, dass es in dieser Lage ein perfektes Ziel für feindliche U-Boote abgeben würde).

Auf der anderen Seite: Das deutsche U-Boot S.M. U 20 unter Kptlt. Walther Schwieger. Es hatte seine Feindfahrt eigentlich bereits hinter sich, und befand sich auf dem Heimweg. Man hatte auf der Fahrt 3 Schiffe versenkt. Nun, am bereits erwähnten 7. Mai, wurde auf dem Boot ein Schiff gesichtet. Zuerst dachte man (aufgrund der vier Schornsteine), dass dort zwei Zerstörer dicht auf fuhren. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass es keine Zerstörer, sondern ein großes Passagierschiff war. Nun nahmen die Dinge ihren Lauf.

Dabei war es eigentlich nur Zufall gewesen, dass U 20 auf die Lusitania traf. Vor allem aber war daran der Nebel schuld. Denn um sich in der Waschküche nicht zu verfahren, lief das Schiff die ganze Zeit dicht unter Land. Als sich der Nebel ein wenig gelichtet hatte, musste man nun erst einmal herausfinden, wo man sich eigentlich befand. Dies ging am Einfachsten, in dem man einfach an der irischen Küste entlangfuhr und eine Peilung anhand der markanten Punkte an der Küste vornahm. Nachdem man auf dem Schiff den Old Head of Kinsale, einen Felsen, auf dem ein Leuchtturm stand, ca. um 13.40 Uhr gesichtet hatte, befahl der Kapitän, den Kurs etwas nach Steuerbord zu verändern (womit das Schiff beinahe genau Ostkurs fuhr), um den Kurs Richtung Liverpool wieder aufzunehmen. Dadurch brachte er aber sein Schiff direkt in das Schussfeld des deutschen U-Bootes.
Dort hatte man das Schiff bereits um ca. 13.20 Uhr, also kurz vor der Kursänderung, gesichtet.
Nachdem Schwieger festgestellt hatte, dass das Schiff kein Zerstörer war, beschloss er, es anzugreifen. Aufgrund der Nähe zur Küste befahl er allerdings nicht aufzutauchen, sondern probierte, das Schiff, das man bereits als Lusitania oder Mauretania identifiziert hatte, mit einem Torpedo zu versenken. Er versuchte also, das Boot unter Wasser in eine günstige Schussposition zu bringen. Dies erschien zunächst jedoch unmöglich, da sich die Lusitania mit zu hoher Geschwindigkeit entfernte. Da Kapitän Turner jedoch kurz darauf den Kurs ändern ließ, befand sich Schwieger nun im Vorteil, denn das Schiff fuhr nun genau in sein Schussfeld hinein.
Knapp 30 min. später gab Schwieger den Befehl, auf nur 500 m Entfernung ohne Vorwarnung einen Torpedo auf das Schiff abzufeuern (sein erster Offizier Charles Voegele, der übrigens nichts mit dem Gründer der Modekette zu tun hat, weigerte sich allerdings, Frauen und Kinder anzugreifen, und wollte daher den Befehl zum Abfeuern nicht an den Torpedoraum weiter geben – dafür kam er ,zurück in der Heimat, vor ein Kriegsgericht und verbrachte dann den Rest des Krieges im Gefängnis).

Das ironische bei der Sache ist, dass der Torpedo bereits kurz nach dem Abfeuern von einem der Ausgucks gesichtet wurde, diesem aber kein Gehör geschenkt wurde. Daher wurden keine Ausweichmanöver eingeleitet, wodurch das Schiff vom Torpedo voll getroffen wurde, nämlich im Kohlebunker für den Kesselraum № 1. Gleich nach dem Einschlag verließ das Boot laut Schwieger den Schauplatz, ohne das Sinken der Lusitania abzuwarten (es war kurz darauf noch eine zweite Detonation erfolgt – dies war jedoch kein zweiter Torpedo, wie manche vermuten, sondern vermutlich eine Kesselexplosion, erfolgt, weil die Kessel sehr heiß waren und sich gleich darauf
11° kaltes Wasser darauf ergoss).

Währenddessen ging es auf dem Schiff chaotisch zu: es fiel alles durcheinander, Glas zersplitterte, Menschen stürzten. Die Wassersäule, die beim Einschlag hoch geschossen worden war, zerschmetterte indes das Rettungsboot № 5, das in Splitterform wieder auf das Deck zurück kam.
Es ging also alles drunter und drüber. Die Passagiere drängten sich verzweifelt aufs Oberdeck, ohne auf irgendjemand anderen zu achten. Da das Schiff bereits nach kurzer Zeit 20° Steuerbordschlagseite hatte, fiel es der unerfahrenen Besatzung schwer, die Boote zu Wasser zu lassen, auch wenn sie dies während der Überfahrt mehrmals geübt hatten. So kam es, dass sich mehrere Boote beim herablassen los rissen, dabei die Insassen heraus schleuderten und dann auf der Wasseroberfläche zerschellten. Auch fiel nach 5 Minuten der Strom aus, was gravierende Folgen hatte. Zum einen, dass sich die Schotten nicht mehr schließen lassen konnten, was den Untergang des Schiffes vielleicht verhindert hätte. Zum anderen, dass nun die Kabinengänge im Dunkeln lagen und der Fahrstuhl nicht mehr funktionierte, wodurch die sich darin befindlichen Passagiere eingeschlossen wurden und jämmerlich ertranken. Auch fiel damit das Ruder aus, womit der verzweifelte Versuch des Kapitäns, das Schiff an der nahen Küste auf Grund zu setzen, scheiterte.
Auch konnten nur mehr zwei Funksprüche abgesetzt werden, in denen interessanterweise zwar erwähnt wurde, dass das Schiff Schlagseite hatte, über den Torpedoangriff allerdings kein Wort verloren wurde.

Als das Schiff jedoch endgültig unter Wasser war, wurden noch einmal viele Menschen von den Schornsteinen, die einen großen Sog entwickelten, eingesogen und teilweise auch wieder ausgespien, was jedoch nur wenige überlebten. Auch wurden einige Menschen durch die Bullaugen zurück ins Schiff befördert.
Die Hilfe, die zum Unglücksort unterwegs war, ließ sich allerdings Zeit: erst um 18 Uhr Ortszeit gelangten die ersten Schiffe zum Schauplatz. Sie konnten mehrheitlich nur noch Tote bergen, darunter viele Frauen und Kinder. Insgesamt kamen bei der Versenkung der Lusitania 1.198 (bzw. 1.201 mit den blinden Passagieren, die man am Anfang der Reise gefunden und in eine Zelle gesperrt hatte) Menschen ums Leben, darunter 128 Amerikaner.
Schwieger hingegen bekam wegen der Versenkung der Lusitania zunächst großen Ärger, da dies die Anti-Deutschland Haltung in den USA noch verstärkte, und wäre beinahe seines Kommandos enthoben worden. Auf Seiten der Entente wurde Schwieger hingegen auf die Liste der Kriegsverbrecher gesetzt und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

 

 

Weiterer Lebensweg

Schwieger konnte während seiner nächsten Feindfahrten noch einige Erfolge verbuchen. So versenkte er zum Beispiel am 4. September 1915, ebenfalls vor der irischen Küste, den kanadischen Passagierdampfer HMS Hesperian (auch ohne Vorwarnung). Anfang November 1916 lief sein Boot U 22 aufgrund widriger Umstände auf Grund und konnte nicht mehr geborgen werden.
Daher stellte er am 7. April 1917 sein neues Boot, S.M. U 88 in Dienst.
Mit ihm unternahm er noch drei Feindfahrten und erhielt am 30. Juli 1917 noch den Pour le Mérite.
Am 5. September 1917 verließ ihn jedoch sein Glück: am Abend lief er zusammen mit S.M. U 54 (Kptlt. Heeseler) in ein neu gelegtes britisches Minenfeld nördlich von Terschelling. Während U 54 zwar einen Minenkontakt hatte, als es versuchte, das Feld zu durchtauchen, aber klar fuhr, fiel U 88 diesem zum Opfer.
Auf U 54 hörte man kurz hintereinander zwei Minendetonationen; seit diesem Zeitpunkt meldete sich U 88 nicht mehr.

Walther Schwieger versenkte auf seinen 34 Feindfahrten insgesamt 49 Schiffe mit 183.883 BRT. Er steht damit auf der Liste der erfolgreichsten Kommandanten des I. Weltkrieges an 6. Stelle.


Lebenslauf


 

 
Orden
Eisernes Kreuz II./I. Klasse (Ausf. 1914)
Pour le Mérite (30. Juli 1917)
 
Lebenslauf/Daten
1885
Geburt in Berlin
1903
Eintritt in die Marine
1904
Beförderung zum Fähnrich z.S.
1906
Beförderung zum Leutnant z.S.
1911
Versetzung in die Ubootwaffe
1912
Erstes eigenes Kommando: S.M. U 14
1914
Beförderung zum Kapitänleutnant
1914
Übernahme S.M. U 20
1915
Versenkung der Lusitania
1917
Übernahme S.M. U 88
1917
Pour le Mérite
1917
Tod vor Terschelling in einem Minenfeld