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Portrait

 

William Tecumseh Sherman 

*8. Februar 1820 in Lancaster, Ohio; † 14. Februar 1891 in New York, N.Y

„There is many a boy here today who looks on war as all glory, but boys it is all hell”

(Zitat: General William T. Sherman)

 

Frühe Jahre/Erster Einsatz

Am 8. Februar wurde William T. Sherman als Sohn von Charles Robert Sherman, einem erfolgreichen Anwalt des obersten Gerichtshofes von Ohio und seiner Frau Mary Hoyt Sherman in Lancaster, Ohio geboren. Nach dem Tode seines Vaters 1829 wurde „Cump“, wie seine Freunde ihn auch nannten, bei der Familie Ewing unter deren Familienoberhaupt Senator Thomas Ewing großgezogen. Sein Vater hinterließ Sherman's leibliche Mutter zusammen mit 11 weiteren Kindern und ohne jegliche finanzielle Mittel. Im Jahre 1850 heiratete er im Alter von 27 Jahren Ewing's Tochter Eleanor Boyle Ewing, welche für Ihr großes Interesse an der Philanthropie bekannt war. Gemeinsam mit ihr hatte Sherman 8 Kinder, welche alle, dem strengen Glauben der Mutter entsprechend, katholisch erzogen wurden.

Auf Grund der hervorragenden Verbindungen seines Ziehvaters, Senator Ewing, war für William T. Sherman die Aufnahme in die renommierte Militärakademie „West Point“ von vorne herein gesichert. Im Jahre 1836, im Alter von 16 Jahren, trat er seine Ausbildung als Kadett dort an. Zu den vielen berühmten Persönlichkeiten seines Jahrganges gehörte auch sein Stubenkamerad, der spätere General George H. Thomas.

 

 


Sherman zeichnete sich während seiner Zeit in der Akademie als herausragender Kadett aus, zeigte dennoch des Öfteren eine kritische Haltung und widersprach oft den traditionellen Vorstellungen seiner Ausbilder. Ein befreundeter Kadett, der spätere General William Rosencrans erinnerte sich später an Sherman auf die Frage ihrer gemeinsamen Zeit in West Point mit den Worten:„Eine der leuchtenden und beliebtesten Kameraden der gesamten Akademie. William, der charismatische Rotschopf mit den leuchtenden Augen, war immer für jeden Jux zu haben.“  Sherman selbst sagte über sich und seine Zeit in Westpoint (Zitat, „Memoires of William T. Sherman“):

„Während meiner Zeit in West Point war ich kein herausragender Soldat, wurde nie für eine Tätigkeit in einem der Stäbe oder Büros vorgesehen und blieb im Rang des „Private“ während der ganzen 4 Jahre. Damals wie heute waren die Anforderungen an herausgeputzte Uniformen und höfliche Umgangsart sowie die Angepasstheit und Konformität mit den Regeln, wie sie für eine Tätigkeit in einem Büro von Nöten ist, nicht vereinbar mit meiner Persönlichkeit. In den Studienfächern jedoch genoss ich großen Respekt meiner Lehrer und hatte durchaus passable Ergebnisse und zählte zu den Klassenbesten in Zeichnen, Chemie, Mathematik und Philosophie. Bedauerlicherweise hatte ich durchschnittlich 100-150 Strafpunkte pro Jahr bedingt durch kleinere Verstöße, die mich schließlich nur auf Platz 6 der Klassenbesten kommen ließ.“

Nachdem Sherman 1840 West Point erfolgreich absolviert hatte, trat er als 2nd Lieutenant in die 3. US Artillery ein, mit der er In Florida während des „Seminolenkrieges“ gegen Selbige ins Feld zog. Wenig später wurde Sherman in Georgia in South Carolina stationiert. Da er der Stiefsohn des republikanischen Politikers Ewing war, öffneten sich in Charleston sämtliche Türen der besseren Gesellschaft für ihn, in der er schnell zu großer Popularität gelangte. Während viele seiner Kameraden sich im Kriegseinsatz im Amerikanisch-Mexikanischen Krieg befanden, führte Sherman nur administrative Aufgaben im eroberten Gebiet Kalifornien durch. Er und sein guter Kamerad Lieutenant Edward Ord erreichten die Stadt Yerba Buena zwei Tage bevor sie in San Francisco umbenannt wurde. Im Jahr 1848 begleitete Sherman den Militärgouverneur Colonel Richard Barnes Mason während einer Inspektion der Gebiete, nachdem Nachrichten über Goldfunde bekannt wurden und bestätigte diese. Das führte mit zum großen „Gold Rush“ in Kalifornien. Weiterhin überwachte Sherman zusammen mit Lieutenant Ord die Einheiten des später unter dem Namen Sacramento bekannten Ortes.
Sherman erhielt eine Beförderung zum Captain für seinen „heldenhaften Einsatz“, aber das Fehlen der Kampfeinsätze demotivierte ihn und führte wahrscheinlich zu seiner Entscheidung, seinen Dienst zu quittieren. Sherman war später im Bürgerkrieg einer der wenigen hochrangigen Offiziere, die zu dieser Zeit nicht in Mexiko gekämpft hatten.


Vor dem Krieg

1853 beendet Sherman vorläufig seine militärische Karriere und wurde Manager einer Filiale einer Bank in San Francisco. Er kehrte gerade während der großen Unruhen im Westen zurück. Während der Zeit überlebte er zwei Schiffsuntergänge und trieb sogar auf dem gekenterten Rumpf eines Holzfrachters durch das Golden Gate.
Sherman litt unter stressbedingtem Asthma wegen der kritischen Lage des Finanzsektors und den Problemen seiner Bank, besonders durch die wilden Immobilienspekulationen in San Francisco während jener Zeit. Sherman sagte später darüber: „Ich kann hunderttausend Mann im Gefecht führen und „die Stadt des Lichts“ erobern, aber ich habe Angst, ein Stück Sumpf in San Francisco zu betreuen.“

 

 

 

Shermans Filiale in San Francisco wurde im Mai 1857 geschlossen und unter dem Namen derselben Bank nach New York verlegt. Als die Bank während der großen Finanzkrise 1857 bankrott ging, praktizierte Sherman als Anwalt in Leavenworth, Kansas. Hier war ihm jedoch kein großer Erfolg beschieden, er scheiterte. Draufhin wurde er Superintendent der Militärakademie von Alexandria, Louisiana, bis es zum Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges kam.
Das “Committee of Vigilance” wurde in San Francisco im Jahre 1851 gegründet. Während der Unruhen im Jahr 1856 zeichnete es sich durch die Unterbindung von Kriminalität und Korruption der Regierung und Amtsträger aus. Es stand für die traditionellen Tugenden und die Organisation des „Old West“, des alten Westens. Um ihrer politischen und gesellschaftlichen Haltung Nachdruck zu verleihen, wurde eine Milizarmee gegründet, in der William T. Sherman den Rang eines General Majors bekleidete. Von den Truppen der Miliz wurden mehrere Politiker und Amtsträger gehängt oder zum Rücktritt gezwungen. Bereits nach wenigen Monaten übernahm das „Commitee“ die formale Macht in San Francisco. Die Nähe zu diversen Logen und Freimaurerbewegungen des „Commitee“ sind bis heute widersprüchlich dokumentiert. Auch kritische Töne wurden seinerzeit laut, welche die Handlungen und Personen des Commitee mit den eigentlich zu bestrafenden Tätern gleichsetzte und das „Committee“ missbilligten. Nachdem South Carolina die Sezession und Abspaltung von der Union bekannt gab, beobachtete Sherman seinen engen Freund, Professor David F. Boyd aus Virginia und dennoch ein Verfechter der Sezession, wie er besonders treffend die kommenden 4 Jahre des Bürgerkrieges beschrieb:

„Oh Volk von South Carolina, ihr wisst doch gar nicht was ihr tut. Dieses Land wird in Blut getränkt werden und nur Gott weiß, wie es enden wird. Es ist grotesk, verrückt, ein Verbrechen an der Menschheit! Die Leute sprechen so leicht über den Krieg, aber ihr wisst doch gar nicht, worüber ihr sprecht. Krieg ist eine schreckliche Sache! Aber auch euer Fehler, ihr Leute aus dem Norden. Ihr seid zwar friedfertige aber leider auch stolze und ernste Menschen, und ihr werdet auch kämpfen. Ihr werdet nicht zulassen, dass dieses Land zerbricht und dafür jegliche Anstrengungen in Kauf nehmen….Aber der Süden, abgesehen von seinem Mut und der Entschlossenheit, was kann er dem Norden entgegenstellen? Während dort Lokomotiven, Dampfmaschinen und Schienen gebaut werden, könnt ihr doch nicht einmal einen Meter Stoff oder neue Schuhe herstellen. Ihr stürmt in einen Krieg gegen die wahrscheinlich technisch mächtigsten Leute der Welt; und das direkt vor unserer Haustür. Ihr seid bereits jetzt zum Scheitern verurteilt. Nur in euren Vorstellungen und eurem Mut seid ihr für den Krieg gerüstet. In allem Anderen seid ihr noch nicht soweit und das ist wahrlich eine schlechte Ausgangslage. Ihr werdet zunächst Dank Eurer Moral gut vorankommen und große Erfolge erzielen, aber sobald euch die ohnehin begrenzten Ressourcen ausgehen werden und die Versorgung aus Europa abreißen wird, werdet Ihr jegliche Chancen verlieren. Wenn ihr nicht umgehend aufhört und darüber nachdenkt, dann werdet ihr am Ende zusehen müssen, wie ihr scheitert…“

Shermans Freund sollte Recht behalten.

 

Im Januar 1861, kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges, wurde er aufgefordert, sich der State Militia im ehemaligen U.S. Arsenal in Baton Rouge, Louisiana anzuschließen. Anstatt seinem Aufruf zu folgen, quittierte er den Dienst als Superintendent und kehrte in den Norden zurück. Dem Gouverneur von Louisiana ließ er folgende Nachricht zukommen: „Unter keinen Umständen auf Erden werde ich irgendwie feindlich gegen den Norden und die Union handeln oder denken.“
Sherman stellte sich unmissverständlich auf eine Seite - die Seite der Gewinner, wie sich herausstellen sollte, aber bis dahin sollte es noch ein langer und blutiger Krieg werden.
Nach Ende des Krieges schenkte General Sherman zwei der Kanonen, mit denen Fort Sumter beschossen wurde und was den Krieg letztlich auslöste, seiner ehemaligen Militärakademie in Louisiana, wo sie noch heute stehen.

Direkt im Anschluss an seine Abreise aus Louisiana ging Sherman in der Hoffnung nach Washington D.C., eine Position in der Armee einnehmen zu können und traf sich dort mit Abraham Lincoln. Sherman wies Lincoln darauf hin, dass der Norden zurzeit nur schlecht für einen Krieg vorbereitet sei, stieß bei Lincoln aber auf taube Ohren.
Kurz darauf wurde Sherman Präsident der St. Louis Railroad, einer Straßenbahnfirma, hatte diese Position aber nur wenige Monate inne. Daraufhin lebte er im Grenzstaat Missouri, als die Sezessionskrise ihren Höhepunkt erreichte. Obwohl er selbst versuchte, sich aus der Diskussion herauszuhalten, konnte er seinen späteren untergebenen Offizier und Abgeordneten Frank Blair beobachten, wie dieser versuchte, Missouri in der Union zu halten. Anfang Februar 1861 lehnte er ein Angebot Lincolns ab, eine Stelle als Vize-Kriegsminister anzunehmen. Nach dem Beschuss von Fort Sumter zögerte Sherman, sich dem Aufruf nach 75.000 Freiwilligen durch Lincoln anzuschließen. Er sagte hierzu.

 

„Warum? Genauso könnte man versuchen, ein brennendes Haus mit einer Spritze zu löschen.“

 

Im Mai des selben Jahres meldete er sich jedoch freiwillig in die reguläre US Armee und erhielt mithilfe seines Bruders (Senator John Sherman) und einiger einflussreicher Freunde eine Stelle in der regulären Armee. Am 3. Juni 1861 schrieb Sherman: „Ich glaube, das wird ein langer Krieg – sehr lang- viel länger als unsere Politiker sich das denken.“ Er erhielt ein Telegramm, in welchem er im Juni 1861 nach Washington gerufen wurde.

Bürgerkrieg

Nach den Ereignissen in Fort Sumter trafen beide Konfliktparteien, der Norden und der Süden, intensive Kriegsvorbereitungen. Nördlich der sogenannten Mason-Dixon-Linie waren Soldaten, welche die Union verteidigten, fest entschlossen, die Verletzung der Unionsverfassung zu rächen. Sie hielten jedoch die Konföderierten für nicht ernstzunehmende Aufsässige, deren Revolte sie mit einer Blitzkampagne niederschlagen wollten.
Am 21. Juli 1861 war es soweit: Nach einigen mehr oder weniger großen Scharmützeln standen sich die gesammelten Heere von Nord und Süd unter der Führung von McDowell im Norden und Johnston (dem lebenslangen Rivalen Shermans) sowie Beauregard im Süden gegenüber. Was von vielen Soldaten, die an ein schnelles Ende des Krieges glaubten, als ein „Sommerausflug“ erhofft wurde, traf nicht zu. Die 1. Schlacht von Manassas (wie der Süden sie nannte) oder auch 1st Bull Run (benannt nach dem naheliegenden Bull Run Creek, so die Bezeichnung des Nordens, welcher die Schlachten oft nach den nächsten Flüssen oder Ortschaften bezeichnete) sollte zu einer der dramatischten des ganzen Bürgerkrieges werden und traumatisierte den Norden für die nächsten Jahre. Besiegt durch die eigene Selbstüberschätzung und den Stolz und fanatischen Mut des Südens, musste die Armee der Union mit „eingekniffenem Schwanz“ das Feld verlassen….Dass dieses nicht für immer so sein sollte, war und ist nicht zuletzt der Verdienst Shermans, aber ein langer Weg mit Höhen und Tiefen lag noch vor Ihm.
Sherman wurde zuerst als Colonel des 13. US Infanterie Regiments in den Dienst berufen, de facto am 14. Mai 1861. Es handelte sich um eine neues Regiment, welches sich noch im Aufbau befand. Tatsächlich bestand seine Truppe nur aus Freiwilligen, ohne jegliche Kampferfahrung und erst seit drei Monaten im Dienst. Sherman war in der Schlacht von Bull Run am 21. Juli 1861 einer der wenigen Offiziere, die ihre Tapferkeit unter Beweis stellten und wurde in der der Schulter und dem Knie von einer Kugel getroffen. Die unfassbare Niederlage der Union bei Bull Run ließ Sherman selbst an seinen Führungsfähigkeiten zweifeln, hatte er es doch nicht geschafft, seine „Freiwilligen“ erfolgreich ins Feld zu führen. Ein Zweifel, den viele seiner Offizierskollegen teilten, denn die US Armee war, besonders durch den Sieg gegen die Mexikaner Jahre zuvor, keine Niederlagen gewohnt. Präsident Lincoln selbst war jedoch von den Leistungen Shermans beeindruckt und beförderte ihn rückwirkend zum 17. Mai in den Rang eines Brigadegenerals, womit er sogar seinem zukünftigen Befehlshaber Ulysses S. Grant zu diesem Zeitpunkt überstellt war.
Sherman wurde dem Kommando von Robert Anderson unterstellt und übernahm dessen Stelle im Department of Cumberland in Louisville, Kentucky bereits im Oktober. Sherman selbst sah in dieser Beförderung den Bruch eines persönlichen Versprechens von Lincoln, ihn nicht in „eine so prominente Position zu erheben“. Er selbst wollte nicht im Rampenlicht stehen.Nachdem er Anderson in Louisville beerbt hatte, war er prinzipiell mit seinem Kommando für die Sicherung der Grenzen Kentuckys verantwortlich. Konföderierte Truppen befanden sich aber zu diesem Zeitpunkt bereits in Angriffsposition der „Columbus Gap“, einem strategisch wichtigen Punkt in Kentucky. Sherman wurde zunehmend pessimistischer und beschwerte sich des Öfteren in Washington D.C. über die schlechte Versorgung seiner Truppe sowie die erdrückende Übermacht der gegenüberstehenden Rebellentruppen. Nach Besuchen verschiedener Reporter und des künftigen Kriegsministers Simon Cameron an der Front, wurde in der Presse vermehrt schlecht über ihn geschrieben und Rufe nach seiner Ablösung wurden laut. Darauf wurde er prompt seines Kommandos enthoben und nach St. Louis, Missouri versetzt. Im Dezember jedoch wurde er auch dieses Kommandos enthoben, da ihn sein Kommandeur, Major General Halleck, als untauglich für die Aufgabe erachtete. Sherman zog sich für einige Zeit nach Lancaster, Ohio zurück um seine Fassung zurückzugewinnen. Einigen Berichten zu Folge befand sich Sherman nach den Ereignissen in Kentucky und Missouri kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Während er sich zu Hause befand, schrieb seine Frau Ellen an ihren Bruder, Senator John Sherman, und drückte ihr tiefes Bedauern über Williams Melancholie und Depression aus. Sie ließ durchblicken, dass Sherman sich mit Selbstmordgedanken trage. Sein Kummer wurde noch größer, als die Zeitung „Cincinatti Commercial“ ihn als „insane“, als verrückt geworden, titulierte.

 

 



Mitte Dezember jedoch war Sherman ausreichend gefestigt und erholt, um seinen Dienst in der Truppe wieder aufzunehmen. Unter Hallecks Kommando übernahm er Truppen von Missouri, jedoch überwiegend Ausbildungs- und Etappeneinheiten hinter der Front. Seine Aufgabe war die logistische Unterstützung der Truppen von Ulysses S. Grant bei der Eroberung von Fort Donelson. Grant war kurz zuvor nach seinem Sieg in Fort Henry befördert worden und obwohl Sherman ihm zumindest im Rang immer noch überstellt war, schrieb er Folgendes an Grant: „Ich habe Angst um Sie, da ich um die übermächtigen Feindtruppen, die uns gegenüberstehen weiß, aber…ich habe Vertrauen in Sie! Führen Sie mich, wie immer Sie es für richtig halten, ich werde folgen!“

Nach dem Sieg über Fort Donelson wurde Sherman weiter gewährt, unter Grant zu dienen und er wurde am 1. März 1862 Kommandeur der 5. Division. Seine erste große Bewährungsprobe war die Schlacht von Shiloh. Der massive Vorstoß der Konföderierten am Morgen überrumpelte selbst die meisten erfahrenen Offiziere der Union. Sherman selbst hatte vorhandene nachrichtendienstliche Informationen ignoriert, glaubte er doch, dass der konföderierte General Albert Sydney Johnson niemals seine Position in Corinth aufgeben würde. Daraufhin nahm er keinerlei Bemühungen auf, seine Flanken zu verstärken und verweigerte sogar das Befestigen und Eingraben seiner Truppen. Hintergrund war, dass er die Fehler von Kentucky, seine übereilte und übervorsichtige Art, nicht wiederholen wollte, um nicht erneut in der Öffentlichkeit als paranoid und verrückt dazustehen.
Obwohl seine Truppen in Shiloh unvorbereitet angetroffen wurden, gelang ihm ein geordneter Rückzug und Schlimmeres wurde verhindert. Als er am Abend der Schlacht General Grant unter einem Baum eine Zigarre rauchend antraf, wusste er, dass es keine gute Idee wäre, ihn auf den Rückzug anzusprechen. Dabei ergab sich einer der interessantesten Dialoge des gesamten Bürgerkrieges:

 

„Tja, Grant, wir hatten unseren ganz eigenen Höllentag heute, nicht wahr?“ Nach einem Zug aus der Zigarre antwortete Grant ruhig:“Und trotzdem werden wir es ihnen morgen besorgen“

(Original: Yes, Lick‘ em tommorow, though!)

 

Sherman hatte am folgenden Tag ausschlaggebenden Einfluss auf den siegreichen Gegenangriff am 7. April 1861. Er wurde zweimal verwundet – an der Hand und an der Schulter- und drei Pferde wurden unter ihm weggeschossen. Auf Grund seiner Verdienste wurde er am 1. Mai zum General Major befördert. Anfang April bewegte sich eine 100.000 Mann starke Armee auf Corinth zu. Das Kommando hatte Halleck und Grant war sehr unzufrieden mit seiner Rolle als „2. Mann“. Sherman kommandierte die Truppen der äußersten rechten Flanke unter dem Kommando von General Thomas. Unmittelbar nachdem Corinth von den Unionstruppen eingenommen worden war, überzeugte Sherman Grant, sein Kommando beizubehalten, obwohl Grant mit seinem kommandierenden Offizier im Streit lag. Sherman gab Grant ein Beispiel aus seinem eigenen Leben: „ Vor der Schlacht von Shilo war mein Leben von den Zeitungen in Schutt und Asche gelegt worden, man nannte mich sogar verrückt. Aber eine einzige Schlacht hat mich wieder hochgebracht und ich bin nun wieder ganz oben.“ Grant blieb und seine Lage wurde wieder besser, als Halleck die Einheit verließ. Sherman wurde zum Militärgouverneur des eroberten Memphis, Tennessee ernannt.

Vicksburg bis Atlanta

Die Karrieren beider Generale ging stetig voran mit der Zeit. Da beide sich während ihrer Zeit im Westen kennen und verstehen gelernt hatten, harmonierte ihre Strategie ausgezeichnet, auch wenn einige Zeitungen schrieben, dass die Armee durch das „Geturtel“ der beiden Generale, des Trunkenbolds (Grant) und seines geheimen Beraters, welcher verrückt sei (Sherman), ruiniert würde.
Shermans militärische Ergebnisse waren in dieser Zeit sehr durchwachsen. So wurde er in der Schlacht von Chickasaw Bayou zurückgeschlagen, konnte dann aber im Ansturm auf Arkansas Post glänzen. Er übte durchaus offene Kritik an der unorthodoxen Strategie seines Freundes Grant, welchem er nur politische Ziele für die Einnahme und die damit verbundenen Kämpfe um Vicksburg vorwarf. Er selbst sah Vicksburg mit nicht so großer strategischer Priorität. Dennoch leistete er weiterhin hervorragende Ergebnisse unter Grants Kommando. Nach dem Sieg über Vicksburg wurde Sherman zum Brigadegeneral der regulären Armee zusätzlich befördert, hatte er zuvor doch nur Freiwillige und somit technisch gesehen zweitklassige Truppen kommandieren dürfen, bei denen er immer noch den Rang eines Major General innehatte.
Shermans Familie besuchte ihn in einem Camp bei Vicksburg. Bei diesem Besuch und unter den schrecklichen Verhältnissen in den Lagern, überfüllt mit Kranken und Verletzten der letzten Schlacht, erkrankte sein neun Jahre alter Sohn Willie an Typhus und starb.Bei einer späteren Schlacht am 11. Oktober gelang es Sherman in Collerville mit einer Garnison von nur 550 Mann, den Angriff von 3500(!) Kavalleristen der Rebellen abzuwehren. Darauf wurden die Truppen im Westen unter Grant vereinigt und Sherman übernahm dessen alten Posten als Kommandeur der Armee von Tennessee. Trotz seines wiedersprüchlichen Wesens genoss Sherman Grants volles Vertrauen und seine innige Freundschaft. Als Lincoln 1864 Grant zum Oberkommandierenden der Unionstruppen ernannte, wünschte Grant, dass ihm Sherman (der inzwischen von seinen Männern „Onkel Billie“ genannt wurde), als Kommandeur der Military Division of the Mississippi folgen solle, welche für den gesamten westlichen Kriegsschauplatz verantwortlich war. Nachdem er den Posten antrat, schrieb er zu Grant: „Wenn Sie Lee anpeitschen und ich zum Atlantik marschiere, dann wird uns der „alte Onkel Abe“ 20 Tage Sonderurlaub geben, um unsere Kinder zu sehen!“ Das Ziel war gesetzt – Die Küste des Atlantik, Shermans „March to the sea“.

 


Sherman fuhr mit über 80.000 Mann fort mit der Invasion Georgias. Während seines Vormarsches stellte sich ihm nur der konföderierte General Joseph E. Johnston direkt entgegen und wurde vernichtend in der Schlacht von Kennsaw Mountain geschlagen. Daraufhin wurde Johnston von dem weniger aggressiven General Hood ersetzt, welcher ihm noch mehr die Karten zuspielte, da er sich der Union nur im offenen Gelände gegenüberstellte, bedauerlicherweise für Hood eine der großen Stärken Shermans. Für Sherman unerwartet wurde er zum General Major der regulären Armee ernannt, dem derzeit zweithöchsten Rang in der Unionsarmee nach Grant. Sherman selbst konnte die Ernennung nicht vor der Einnahme Atlantas genießen, da er der Meinung war, er hätte es noch nicht verdient.
Am 2. September 1864 eroberte Sherman Atlanta und ließ große Teile der Stadt niederbrennen, ob absichtlich oder versehentlich das Feuer von zunächst militärischen Gebäuden auf zivile übergriff, ist heute nur noch schwer zu rekonstruieren. Befehle und Augenzeugenberichte widersprechen sich oft gegenseitig. Auf Grund der Emotioniltät des Themas ist die jeweilige Information bis heute sehr von der Sympathie zur einen oder anderen Seite geprägt. Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen, aber dennoch bewiesen ist: Er machte sich durch den Sieg von Atlanta in der gesamten Union einen Namen und garantierte damit Lincolns Wiederwahl zum Präsidenten. Bis zur Einnahme der Hafenstadt Savannah brandschatzten Shermans Truppen (nach seinen eigenen Aussagen) mehrere 100 Mio. $$ an Werten und Ernten. Er selbst bezeichnete dieses als den „hard war“, den harten Krieg. Vergleichbare Methoden wurden in künftigen Kriegen mit dem „totalen Krieg“ gegen Land und Leute bezeichnet.
Sherman selbst war und ist in den USA bis heute noch umstritten wegen dieser Taten. Während der Norden ihn als Helden feierte, wurde er vom Süden als Kriegsverbrecher wegen seiner Raubzüge in Georgia und Carolina angeprangert.


Kriegsende/Sklavenbefreiung

Es wurden Vorschläge laut, Sherman in denselben Rang wie Grant, den Lieutenant General, zu befördern, im Hinblick, diesen später zu ersetzen. Sherman wehrte sich aber vehement mit allen Mitteln und Beziehungen, dieses Amt annehmen zu müssen. In dieser Zeit gab Sherman seinen stärksten Loyalitätsbeweis zu Grant, als ein Zivilist ihn über seine Meinung fragte, ob er nicht Grant ersetzen wolle. Sherman antwortete schnell und intuitiv:

 

„Nein Sir, das werde ich nicht. General Grant ist ein großartiger General und meine Loyalität gehört ihm. Er war für mich da, als ich verrückt war und ich war für ihn da, als er getrunken hat. Und nein Sir, wir werden zusammenhalten. Seite an Seite!“


Nach weiteren zahlreichen Kämpfen konnte Sherman schließlich Johnstons Truppen vernichten. Lee kapitulierte vor Sherman im Appomattox Court House und Sherman traf sich mit dem konföderierten Präsidenten Jefferson Davis, um die endgültige Kapitulation der Konföderierten auszuhandeln, da Lincoln in der Zwischenzeit durch ein Attentat ums Leben gekommen war. Sherman bot großzügige Bedingungen an, war aber nicht befugt, diese zu geben und wurde vom Kongress und dem neuen Präsident Andrew Johnson übestimmt. Noch lange lag Sherman wegen dieser Entscheidung mit dem Kriegsminister Edwin M. Stanton im Streit.
Sherman wurde in seiner Laufbahn zum zweitwichtigsten General der Unionsarmee und kam als großer General schließlich zurück an den Ort, in dem er seine Karriere mit einem nur auf dem Papier existierenden Regiment begann.
Am 25 Juli 1866 erschuf der Kongress den Rang des General of the Army für Grant. Sherman wurde zum Lieutenant General befördert. Als Grant 1869 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, erhielt Sherman den Titel.
 

 



Obwohl Sherman sich im Dienste der Truppen befand, die für die Abschaffung der Sklaverei eintraten, war er vor dem Krieg nicht unbedingt ein Befürworter der Sklavenbefreiung gewesen, da er nicht wirklich an „die Qualität der Schwarzen“ glaubte. Seine Kampagnen ließen ihn jedoch zwischen 1864 und 1865 viele Sklaven befreien und er wurde von ihnen sogar als ein zweiter Moses, welcher sie vom Joch der Ägypter befreite, gefeiert. Abertausende schlossen sich den marschierenden Truppen an und begleiteten sie auf dem Weg durch Georgia und Carolina.
Unter der Beschuldigung einiger radikaler Sklavenbefreier, Sherman würde die Sache nicht ernst genug unterstützen, traf er sich mit hochrangigen Vertretern der schwarzen Gemeinden sowie dem Kriegsminister Stanton im Januar 1865 in Savannah. Hierbei gelang es ihm, seine vermeintlichen „Gegner“ sowie die Presse von sich zu überzeugen und er erntete großen Respekt für sein bisheriges Handeln. Der von Ihm verfasste „Feld-Sonderbefehl Nr. 15“, in dem er seinen begleitenden Gruppen von befreiten Sklaven erobertes Land Ihrer ehemaligen Herren im Süden zusprach, war der Grundstein für die von der Regierung bestimmte Vergabe des Landes an befreite Sklaven als eine Art „Reparation“. Der Begriff „40 acres and a Mule“ (40 Acre und ein Maultier), welcher später oft von Präsident Johnson im Zusammenhang mit der den ehemaligen Sklaven zustehenden Fläche gebraucht wurde, ist auf die Formulierung von Sherman zurückzuführen.
Sherman selbst schrieb in seinen Memoiren, dass er den Vorwurf, den Süden nur durch die Hilfe Ihrer eigenen Sklaven besiegt zu haben, stets von sich wies. Sein Ziel war zwar auch die Befreiung der schwarzen Sklaven, aber nicht auf Kosten der „Demütigung der eigenen Rasse“ (Zitat. W.T. Sherman) und er meinte von sich, dass er „für alle Rassen wohl am meisten erreicht hätte.“


Tod

Am 14. Februar 1891 starb Sherman in New York City. Sein Begräbnis wurde am 19. Februar in seinem Haus zusammen mit der Totenmesse gefeiert. Daraufhin wurde Shermans Leiche nach St. Louis gebracht, wo sein Sohn, Thomas Ewing Sherman einen weiteren Gottesdienst für ihn am 21. Februar 1891 durchführte.

Unter den Anwesenden war auch General Joseph E. Johnston, der frühere General der Konföderierten, welcher lange zu Shermans erbitterten Gegnern gehörte, als er versuchte den Widerstand gegen die von Sherman anrückenden Truppen in Georgia und Carolina zu organisieren. Es war ein bitterkalter Tag und ein Freund sagte General Johnston, er möge sich seinen Hut aufsetzten damit er nicht krank würde. Darauf antwortete Johnston mit den Worten: “ Wenn er (Sherman) hier anstelle von mir stehen würde, dann würde er sich auch nicht den Hut aufsetzen“
General Johnston holte sich während dieses Begräbnises eine schwere Erkältung, die rasch zu einer schweren Lungenentzündung wurde. Er starb daran einen Monat später.

Ebenfalls in derselben Zeit diente Brigadegeneral T.W Sherman während des Bürgerkrieges und in der Union, weder verwandt noch verschwägert mit William T. Sherman.

Quellen

http://www.answers.com/topic/william-tecumseh-sherman
http://de.wikipedia.org/wiki/William_T._Sherman

http://en.wikipedia.org/wiki/William_Tecumseh_Sherman

http://www.huntington.tierranet.com/bios/daniel.htm


Encyclopedia Britannica, Sherman, William T.
Memoirs of General William T. Sherman, Written by Himself (1875), 2d ed. with additional chapters (1886)
B. H. Liddell Hart, Sherman: Soldier, Realist, American (1960)
Brockett, L.P., Our Great Captains: Grant, Sherman, Thomas, Sheridan, and Farragut, C.B. Richardson, 1866.
Robert G. Athearn, William Tecumseh Sherman and the Settlement of the West, 1956.



Autor: Gastronaut