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Einleitung

Marschall der DDR

 




Geplante Sterne bzw. Rangabzeichen auf dem Schulterstück des Marschalls der DDR



Dies kasernierte Volkspolizei gilt als Vorläufer der NVA, in dieser ersten Aufstellung einer "Streitkraft" zum Schutz des Staates, wurden erstmals auch sogenannte Dienstlaufbahnbestimmungen festgelegt. Diese Bestimmungen etablierten nicht nur eine Hierarchie bzw. ordneten den Offiziersbestand der Kasernierten Volkspolizei, sondern waren zugleich das Vorbild für die nachfolgende NVA. Im Jahre 1954 wurden diese ersten Bestimmungen, zu denen auch die Mindestsehzeiten in den jeweiligen Dienstgraden bzw. Beförderungsvoraussetzungen gehörten, beschlossen, welche dann 1956/62 als Weisungen für die NVA übernommen wurden. Schon damals war der Dienstgrad eines Flottenadmirals abgeschafft worden, in weiser Voraussicht, dass die Seemacht der DDR nie so stark sein bzw. in den Händen der Sowjetunion liegen würde. So fehlte dieser höchste Dienstgrad der maritimen Streitkräfte, genauso wie der des Generalfeldmarschalls bei den Landstreitkräften. So wurde im Rahmen einer Neuausrichtung der Bestimmungen der ersten Jahre, im Jahre 1982 auch der Rang eines Flottenadmirals bzw. eines Marschalls der DDR eingeführt. Bei letzterem orientierte man sich an den "großen Bruder" der Sowjetunion. Das gesamte Konzept des sowjetischen Marschalls übernahm hingegen nicht, vor allem nicht die Unterteilung in Hauptmarschall der jeweiligen Waffengattungen, sondern nur den Marschall /Flottadmiral im übergeordneten Sinne. Bei einer Beförderung in diesen Rang (in den ersten Generalsrang der NVA wurde man ernannt), wurde auf politische, militärische und charakterliche Eignung wertgelegt, dazu ob man die dafür benötigten Kenntnisse, Fähigkeiten und Leisten erbracht hatte. Soweit trafen diese Voraussetzungen auf alle Generalsränge zu, wobei ein überspringen von Rängen, dem Willen der SED, durchaus möglich war. Beim Marschall war nicht wie sonst üblich eine freie Planstelle wichtig, sondern der Kriegs- bzw. Ausnahmefall von Nöten.
 


Schulterstücken zur Uniform

 

„(…) Der höchste militärische Dienstgrad in der Deutschen Demokratischen Republik ist Marschall der DDR. Die Ernennung zum Marschall der DDR erfolgt im Verteidigungszustand oder für außergewöhnliche militärische Leistungen auf Beschluss des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik durch dessen Vorsitzenden. Dieser Beschluss tritt am 1. Mai 1982 in Kraft.“
Beschluss des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik vom 25. März 1982

 

 

Vorbild UdSSR

So würde die Regierung bzw. Leitung der SED im Kriegsfall einen Oberbefehlshaber im Rang über den drei Ministern der bewaffneten Ministerien, Inneres Staatssicherheit und Nationale Volksarmee mit dem Rang Armeegeneral stellen: „Im Verteidigungszustand oder für außergewöhnliche militärische Leistungen auf Beschluss des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik durch dessen Vorsitzenden“. Intention war im Jahre 1982 wohl eher, dass Stärke bzw. Entschlusskraft zeigen der DDR Regierung gegenüber dem Klassenfeind im Westen (der BRD). Ein andere Grund mag die Anpassung bzw. Aufwertung der Nationale Volksarmee der DDR unter den Streitmächten des Warschauer Pakts gewesen sein. Einen Marschall konnte bisweilen nur die Rote Armee stellen, die anderen sozialistischen Länder besaßen in manchen Fällen zwar diesen Titel, doch wurde er nie oder nur vom Staatsoberhaupt getragen. Der Fall war dies meist bei den afrikanischen Bruderländern, die militärisch nicht ins Gewicht fielen. Mit einem Marschall der DDR, direkt an der Front gegen Westen, würde sich die DDR bzw. die NVA eine gewisse Vorrangposition unter den anderen Militärs im Warschauer Pakt verschaffen. Solch ein Marschall würde theoretisch den anderen Armeegeneralen der sozialistischen Bruderländer übergeordnet sein und praktisch gesehen den Militärbefehlshaber der DDR direkt unter die Militärführung der Sowjets stellen. So darf dieser bombastischen Titel des Marschalls durchaus als Augenwischerei auf politischen Parkett angesehen werden. Ein wichtiger Fakt für diese These war die Richtlinie, dass es immer nur einen Marschall geben sollte, mit Sicherheit ein der Partei ergebener General und Galionsfigur eines Krieges, bei dem die NVA nicht viel hätte mitreden dürfen. Der Titel wurde nie verliehen und noch vor dem Ende der NVA 1989 abgeschafft. Ein Im Gegensatz zum Dienstgrad Generalfeldmarschall sollte es immer nur einen Träger geben. Im gleichen Atemzuge wurde auch des Flottenadmirals wieder abgeschafft.
 


Vorbild für den Marschall der DDR - Marschall der Sowjetunion



Für die Ideologie, dem Militär der DDR aufgeprägt, stand dieser Rang dennoch gut zu Gesicht. Waren es doch die Feldmarschall des Schlages Blücher und General Scharnhorsts, die durch ihre Rolle bei den Befreiungskriegen gegen Napoleon Europa von einem imperialistischen Feind befreit haben. Doch wäre es beiden nicht im Traum eingefallen Statuten zu erlassen, die Generäle aufgrund ihrer Alters, Position und Parteitreue weiter befördern.
 


Geplante Schulterstücke für die Uniform des Marschalls der DDR



Das beste Beispiel bietet in dieser Linie wohl der Armeegeneral Heinz Hoffmann, der aufgrund seiner politischen Zuverlässigkeit von Walter Ulbricht (1961) in diesen Rang befördert wurden und fortan für die Leitung der NVA bzw. Vertretung der militärischen Interessen der DDR im Warschauer Pakt mit Orden regelmäßig belohnt wird. Darunter der Prestigeträchtige Rotbannerorden der UdSSR, gefolgt von den höchsten Auszeichnungen der DDR: Kampforden in Gold "Für Verdienste um Volk und Vaterland", Vaterländischer Verdienstorden in Gold, Karl-Marx-Orden und Orden des Vaterländischen Krieges 1. Grades. Darunter befindet sich auch der Scharnhorst-Orden und hätte sich im Fall des Krieges mit dem Westen auch der Blücher Orden befunden. Auch wäre es wohl Hoffman zugekommen, im Fall dieses Krieges, der von der DDR auch als Fall X immer wieder durchgeprobt wurde, den Rang eines Marschalls der DDR einzunehmen.
 


Entwürfe für den Dienstgrad des Marschalls der DDR - hier mit den Entwürfen zum Halsorden
 


Entwürfe für den Dienstgrad des Marschalls der DDR/Flottenadmirals der DDR - hier mit den Entwürfen zum Kragenspiegel und Ärmelstreifen



Ein anderer Kandidat wäre Heinz Kessler gewesen, seines Zeichen ebenfalls Armeegeneral und während dieser Zeit Mitglied des Ministerrats der DDR, Minister für Nationale Verteidigung, Abgeordneter der Volkskammer der DDR, Mitglied des SED-Zentralkomitees, dem Politbüro und dem Nationalen Verteidigungsrat. Er galt als der erfahrenste und einflussreichste Militär der DDR. In seinen verschiedenen Positionen als Oberbefehlshaber der NVA Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, Stellvertreter des Ministers und Chef des Ministerium für Nationale Verteidigung und später dann im Range eines Generaloberst Mitglied des Militärrates des Vereinten Oberkommandos des Warschauer Pakts in Moskau, war er ebenso heißer Anwärter für diesen Rang. Als Verteidigungsminister und Mitglied des Politbüros des ZK der SED (bis 1989) hatte er Einsicht in die gesamte Aktenlage und war aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Planung wesentlich beteiligt. Ein solcher Krieg kam zum Glück nicht und so schied Kessler bei dieser höchsten Beförderungsstufe aus. General Hoffmann war dennoch für diesen höchsten Dienstgrad in Betracht gezogen worden. Den wohl höchst ausgezeichneten Offizier der NVA, sollte die Pensionierung von der SED mit dem Titel zum "Marschall der DDR" versüßt werden, doch dazu kam es nicht. So gehen beide potentiellen Marschalle der DDR leer aus.

 

 


Tradition

Bereits in den Epochen zuvor war der Rang eines Marschalls mehr Auszeichnung für Taten gewesen als Position im Krieg. Dies änderte sich erst im 19./20. Jh. als der Feldmarschall die Ausrichtung einer Armee übernahm, die auch über Entfernung und trotz große Masse kontrolliert werden konnte. Die Heeresstrukturen von Moltke im Kaiserreich, das Telegrafenkabel und die Mobilität eines motorisierten Massenheeres machten den Marschall nun zum wahren Lenker von Schlachten. So darf man bereits Moltke, wie auch Hindenburg und vor allem die Generalfeldmarschalle des Zweiten Weltkrieges als Köpfe der enormen Kriegsmaschinerie des 20. Jahrhunderts ansehen. Dennoch ist seitdem der Rang mit politischer Autorität gebunden, als Berater des Kaisers (Moltke), späterer Reichspräsident (Hindenburg) oder auch wichtige ideologisch treue Personen für einen Vernichtungskrieg (Mehrheit der 26 Generalfeldmarschälle und Großadmirale Hitlers). Überragt werden dieser Feldmarschälle durch den Reichsmarschall Hermann Göring, der den Rang als solches in der militärischen Bedeutung ad absurdum führte. Diese Tradition setzt die DDR mit der Einführung dieses Ranges fort, soll doch der Rang im "Verteidigungszustand oder für außergewöhnliche Leistungen" vergeben werden. Da bereits der Rang eines Armeegeneral in der DDR meist mit einer politische Positionen ist, baut die DDR des politischen Feldmarschalls sogar noch aus. Ganz in der Tradition der Marschalle der Sowjetunion.
 

 

 

Auch in der Tradition, die Kragenspiegel und Generalshosen ausgenommen, sollte auch die Ausstaffierung dieses Ranges absurde Ausmaße erreichen. Der sowjetische Marschall trägt auf seinen Schulterblättern einen fünfzackigen Stern aus Gold. Diesen Stern (verkleinert) trägt er dann ebenfalls über der Krawatte, zwischen dessen Zacken fünf Brillanten eingearbeitet und in der Mitte ein fünfzackiger Platinstern mit Brillanten aufgearbeitet wurde. Ein Prunkorgie ganz besonderer Couleur, waren doch Orden und Ehrenzeichen am laufenden Band vergeben worden. Noch heute reihen sich auf den Uniformjacken der Veteranen Auszeichnungen, die von Weiten wie eine Blechschicht anmuten. Auch in der DDR gab es für die Ordenswut keine Grenzen, Ehrungen an verdienter Bürger und Soldaten wurde gerne vergeben und so war die Dekoration eines Marschalls (in diesem Fall kein Blech sonder alles echt) nur das Superlativ dieser politischen Ausstaffierung. Auf den Marschall der DDR kämen dann ein großer Marschallstern auf den Schulterstücken und ein Halsorden mit goldenem Stern zu. Die gekreuzten Stäbe waren durchaus in der Entwurfsphase berücksichtig worden, doch wären politisch nur allzu schwer zu halten gewesen. Die Stäbe des Feldmarschall sind zu sehr verknüpft mit deutscher Vergangenheit, die man nur zu gerne umdeutete, in diesem Fall aber dem Marschall der DDR etwas "konterrevolutionäres" anheften würde.

 


Schulterstücken zum Paradeanzug



So sollte der Marschallsrang die ultimative militärische Auszeichnung für DDR Generale werden, dabei noch den Beförderungsstau nach oben auflösen, im Warschauer Pakt ein wichtiges Signal setzen und der BRD/Bundeswehr zeigen, dass sich die NVA auf große "militärische Führungskräfte versteht." Die Bundeswehr führte einen solchen Rang nicht mehr ein, vor allem in dem Wissen, nie wieder eine Armee in eigener Autorität ins Schlachtfeld zu führen. Auch die Amerikaner bzw. Alliierten verbannen diesen Dienstgrad in die Theorie und sehen ihn als Symbol des Krieges (letzter General of the Army Douglas McArthur / Fieldmarschall Bernard Montgomery / Marschall von Frankreich Alphonse Juin)
 


Ärmelabzeichen an Uniformjacken bzw. Kampfanzug des Marschalls der DDR

 

 

"Erinnert euch immer daran, daß es keinen unter euch gibt, der nicht den Marschallstab in seiner Patronentasche trüge. Es liegt an euch, ihn herauszuholen."
Ludwig XVIII zu den Offiziersschülern von Saint-Cyr (8. August 1819)

 



Ein Stab, wie bei den deutschen Feldmarschällen früherer Zeit, war nicht eingeplant. Diese Tradition deutscher bzw. europäischer Heerführung nahm die DDR nicht mehr war.